Schlagwort-Archive: Pankowerchronik

Pankow geht auf Bärenjagd

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ehem. Verwaltungsgebäude Krankenhaus Pankow 2017

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ehem. Verwaltungsgebäude Krankenhaus Schlossallee 5

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ehem. Rinderauktionshalle Zweiradcenter Stadler August-Lindemann-Straße

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ehem. Rinderauktionshalle Zweiradcenter Stadler

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Wappenkartusche 1 Zweiradcenter Stadler

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Wappenkartusche 2 Zweitadcenter Stadler

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Ludwigquartier ehem. Verwaltungsgebäude Krankenhaus Buch 2013

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Eingang Verwaltungsgebäude Ludwigwuartier Buch

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Wappenkartusche am Ludwigquartier Buch 2013

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Luftaufnahme Rathaus Pankow 2017

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Rathaus Pankow, sitzender Bär 4 von 4 1903 – 2017

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Rathaus Pankow sitzender Bär 4 von 4

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Rathaus Pankow sitzender Bär 4 von 4

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Rathaus Pankow sitzender Bär 2 von 4 ohne Kopf

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Kurt-Schwitters-Oberschule Greifswalderstraße Prenzlauer Berg

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Kurt-Schwitters-Oberschule Kartusche 1 Haupteingang

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Kurt-Schwitters-Oberschule Kartusche 2 Durchfahrt

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Schulgebäude Pasteurstraße Prenzlauer Berg 2017

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musizierender Bär 1

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musizierender Bär 2

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einarmiger musizierender Bär 3

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musizierender Bär 4

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Bärencollage der Jagdtrophäen 2017

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Autor: Christian Bormann, 11.10.2017

red.Bearbeitung: Martina Krüger,

Fotos: Ivonne Hempler, Christian Bormann, Guido Kunze, Berliner Bärenfreunde e.V., Wilfried Woesener, Jutta Mach, Freundeskreis der Chronik Pankow e.V.,

Bolle, Badel und Bormann

Vor nicht allzu langer Zeit lud mich der Pankower Künstler und Zeichner Christian Badel in sein Atelier in der Pestalozzistraße ein. Herr Badel ist nicht nur Künstler, er interessiert sich ganz besonders für das historische Pankow.

Christian Badel, Florakiezfest 2017

Nachdem er mich durch das ehemalige Intrac-Gebäude führte, in dem sich sein Atelier befand, behielten wir den Kontakt bei. Seither hat Christian schon die ein oder andere einzigartige Illustration für unsere Geschichten gezeichnet.

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Gemeinschaftsarbeit Badel u. Bormann Geschichten aus Schönholz 2017, Illustration Badel

Auch die letzten Heide-Geschichten aus Schönholz wären ohne seine Bilder nicht die selben. In Zukunft werden hoffentlich noch viele unserer Geschichten mit seinen histostorischen Illustrationen geschmückt.

Christian Bormann unter dem Luna Lager Schönholz 2017

Gern bin ich als Historiker mit ihm auf den Spuren des alten Pankow’s unterwegs. Unter der Kategorie: „Illustration Christian Badel“ werden ab heute alle Geschichten mit seinen Illustrationen auf einen Blick angezeigt. Diese Woche bekam ich meine Neugestaltung des Bolle-Bilds vom ihm. Ich habe nicht schlecht gestaunt. Die einzelnen Bildelemente weisen mit Ausnahme der Flugzeuge am Himmel alle auf einzelne Geschichten auf Pankowerchronik.de hin.

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Neuauflage des historischen Bolle-Bildes von Christian Badel 2017

Um mal einige kleine Beispiele zu nennen, beginnen wir mit dem roten Ballon rechts oben im Bild. Hierhinter verbirgt sich der Hinweis auf unsere Geschichte zu einer der ersten Ballonfahrten der Welt durch Blanchard, der mit diesem in Karow auf dem Ballonplatz landete. Das von mir wiederentdeckte Rettschlag-Tor, sowie das alte Schloss Schönholz und das Riesenrad, welches einst im Traumland Schönholz stand, sind ebenfalls abgebildet. Das Bild lädt den Betrachter ein, Element für Element zu ergründen und die dazugehörige Geschichte auf unserer Seite zu finden. Auch für den geübten Pankower kein leichtes Unterfangen bei inzwischen über 150 Geschichten.

Geschichte: Bolle reiste jüngst zu Pfingsten, – Wer war Bolle?

Autor: Christian Hintze: 01.10.2017

red. Bearbeitung: Martina Krüger, 01.10.2017

Foto: Christian Bormann

Illustration: Christian Badel 2017, www.kikifax.com

Das vergessene Kaisergrab in Buchholz

Schon vor dem Ende des 19. Jahrhunderts florierte in Pankow das Vereinswesen. Beispielhaft hierfür ist der Gründer und 1. Präsident des 1. FC Bayern München, Franz John. Der Pankower Fotograf aus der Kreuzstraße war keine Ausnahme.

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Vorplatz der Kirche in Buchholz 2017

Auch in Buchholz existierten um 1890 zahlreiche Vereine. Zu den einflussreichsten Gesellschaften gehörten oft die Schützenvereine. So hatte der Buchholzer Schützenverein sein Heim zentral am Dorfplatz neben der Kirche.

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Kaiserdenkmal Buchholz 1914

Ein weiterer war der Männerturnverein Buchholz. Dieser war es auch, der auf die Idee kam, auf dem Kirchenvorplatz ein Denkmal für Kaiser Wilhelm I. errichten zu lassen. Kaiser Wilhelm I. war ab 1861 König von Preußen und ab 1871 Kaiser von Deutschland.

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Kaiserdenkmal Wilhelm I. Buchholz 1904

Gesagt getan, im Handumdrehen hatten die Vereinsmitglieder einen nicht unerheblichen Spendenbeitrag aufgebracht. Und so lud die Gemeinde Buchholz schon am 22. März 1897 zur Einweihungsfeier auf den Kirchenvorplatz.

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Kaiserdenkmal Buchholz 1914

Nach dem 1. Weltkrieg hatten die Deutschen genug vom Kaisertum. Nach 23 Jahren sollte Wilhelm vom Dorfplatz verschwinden. Das gesamte prächtige Kaiserdenkmal wurde 1920 abgetragen und an Ort und Stelle vergraben. Bis heute ruht das Denkmal knappe 2 Meter unter seinem einstigen Standort und wartet auf seine Wiederentdeckung.

 

Autor: Christian Bormann, 01.10.2017

red.Bearbeitung: Martina Krüger, 01.10.2017

Fotos: Christian Bormann, historische Postkarten, Freundeskreis der Chronik Pankow e.V (1)

Die Steinschlosspistole von Blankenfelde

Anfang Juli 2017 erhielt ich mal wieder unverhofft eine Fundmeldung. Ein guter Freund aus Blankenfelde sendete mir ein Foto. Darauf zu sehen war eine verwitterte Steinschlosspistole.

Pankow Blankenfelde und Heidekrautbahn  2017

Bei Schachtarbeiten auf einem Privatgrundstück in Blankenfelde wurde diese über 200 Jahre alte, und für einen Bodenfund aus jener Zeit gut erhaltene Pistole geborgen. Es ist eine sehr einfache Form einer Steinschlosspistole um 1780 bis 1820.

Steinschlosspistole aus Blankenfelde

Beim Verlegen von neuen Rohrleitungen in etwa 80 cm Tiefe kam die Pistole im Aushub ans Tageslicht. Die Zeit im Boden hat ihre Spuren hinterlassen. Die ursprünglich etwa 23 cm lange Faustfeuerwaffe besteht nur noch aus ihrem Metallkörper. Das hölzerne Griffstück und die Einschalung am Lauf sind schon wieder zu Erde geworden.

Fund 2017 in Blankenfelde

Die Fundumstände, Tiefe sowie fehlende Beifunde lassen vermuten das es sich hier nicht um ein verlorenes Stück handelt. Die Pistole wurde wohl ganz bewusst tief vergraben, ohne die Absicht, sie später wieder bergen zu wollen. Funde solcher historischer Waffen sind heutzutage in Pankow äußerst selten. Weltkriegswaffen hingegegen werden noch regelmäßig bei Erdarbeiten entdeckt. Die besten Beispiele sind das Ende Juli 2017 entdeckte Landserdepot nahe der Berliner Straße oder der Karabinerfund 2016 in Schönholz.

Karabiner, Helm, Patronentasche Zwangsarbeiterlager „Lunalager“ Schönholz 2016

Im Jahr 2014 habe ich in der Schönholzer Heide mit Nadine Kreimeier eine Muskete von 1640 geborgen. Nachdem ich die Radschlossmuskete bestimmt und dem Amt für Denkmalschutz und Archäologie gemeldet hatte, schenkte ich das gute Stück dem Museum Pankow.

Muskete von Schönholz am Fundort 2014

Der sogenannte Jagdstutzen wird dieses Jahr gleich in zwei Ausstellungen gezeigt. Als Bildmaterial ist er in der Ausstellung „Geschichte der Schönholzer Heide“ im Brosehaus noch bis November zu sehen.

Katalogbild Objektdatenbank Museum Pankow 2016

Die Steinschlosspistole wird ihr Zuhause vermutlich auch im Museum Pankow finden. Und so werden in den nächsten Jahren, so hoffe ich, noch viele weitere solcher kleinen Fundstücke ihren Weg zu mir und dann ins Museum finden.

Ausstellung 2017 „Die Geschichte der Schönholzer Heide“

Dieses Jahr erreichten uns schon gut zwei Dutzend Fundmeldungen. Nicht jeder Fund gibt eine Geschichte her oder eignet sich für ein Museum. Wir wollen Sie dennoch ermutigen, melden Sie uns vertraulich ihre Zufallsfunde.

Autor: Christian Bormann, 01.08.2017

red. Bearbeitung: Martina Krüger, 31.07.2017

Fotos: Christian Bormann, Guido Kunze, Museum Pankow,

Landserdepot in Pankow entdeckt

Am 23. April 1945 gelangten Sowjetische Truppen bis an die Berliner Straße. Große Teile von Pankow waren eingenommen. Ausnahmen waren der Bahnhof Wollankstraße, der sich 2 Tage länger hielt und die Ecke Neumannstraße, Hallandstraße, um die bis zum Waffenstillstand am 2. Mai 1945 erbittert gekämpft wurde.

mobiler Raketenwerfer vor dem Kino Toni Weißensee, beschossen wird der Alexanderplatz April 1945

Neumannstraße Ecke Hallandstraße standen sechs Geschütze, die vom Landsturm bedient wurden. Es waren 15, 16 und 18 Jährige Jugendliche, von denen die meisten durch Fliegerangriffe getötet wurden. Sie wurden in Notgräbern und später auf dem Friedhof VI in Schönholz beerdigt. Auch Flüchtlinge, die in Pankow Zuflucht gesucht hatten und Ausgebombte befanden sich unter den Opfern der Fliegerangriffe und letzten Gefechte.

Landserstellung 1945

Als Notbegräbnisplatz dienten in den letzten Kriegsmonaten die Grünfläche Dietzgenstraße Ecke Beuthstraße, Waldstraße/Altenberger Weg, Schlosspark, Kissingensportplatz, Botanischer Volkspark Blankenfelde, sowie zahlreiche weitere unbetonierte Freiflächen in Parks und Vorgärten.

Pankow Depotfund letzte Frontlinie Juli 2017

Auch heute werden hin und wieder vergessene, oder damals in der Not unzureichend dokumentierte Notgräber gefunden. Im städtischen Raum sind solche Funde weitaus seltener als auf Wiesen und in Wäldern vor den Toren Berlins.

Öffnung des Depot durch Munitionsbergungs Firma

Genauso selten sind heute auch Depotfunde aus den letzten Kriegstagen. Ein solches Depot fand sich Ende Juli unmittelbar an der letzten Frontlinie unweit der Berliner Straße bei Bauarbeiten in Pankow.

Fundstücke aus dem Depot

„Ein Landser legt ab“. So lässt sich die Fundsituation wohl am besten beschreiben. Auf einem unbebauten Eckgrundstück nahe der Berliner Straße erfolgten kleinere Erdarbeiten. Das verwilderte Areal wurde mit Hilfe eines Baggers bis auf den Mutterboden von der Grasnarbe befreit. Beim Abziehen der bewachsenen Schicht kam ein über 70 Jahre altes Landserdepot zum Vorschein.

Stahlhelm

Eine Firma zur Munitionsbergung rückte an. Was dann zum Vorschein kam war schon allerhand. Ganze zwei Tage war die Bergungsfirma mit der Beräumung beschäftigt. Es handelte sich offenbar um einen einzelnen Landser in einer Stellung. Auf die Stellung wiesen die Begleitfunde hin. Waschschüssel, Kaffeekanne und Feldgeschirr sowie tierische Knochenreste und ein halbes Dutzend Weinflaschen.

Ring und weitere Fundstücke

Neben dem abgelegten Stahlhelm, Stiefeln, dem Ring, und die Winterhilfswerkabzeichen, Spielzeugfiguren und anderen persönlichen Dingen wurden zwei Panzerfäuste und russische Granaten geborgen.

Abzeichen und Spielfiguren

Die zwei Panzerfäuste und russischen Granaten, sowie der Gesamtfundumstand weisen darauf hin, dass hier tatsächlich ein einzelner Landser zur Panzerabwehr aushielt. Die Abschussrichtungen entsprechen der letzten Frontlinie durch Pankow bis zum 2. Mai 1945.

Ring und Abzeichen

Das Depot befand sich in einem zugeschütteten Bombentrichter. Ich kannte das verwilderte Grundstück schon als Schüler, es lag unmittelbar auf dem Weg zur Schule. Ich habe mir den den Fundplatz und die Begleitfunde Samstag nochmal genau angeschaut. Wenn der Fund an dieser Stelle auch höchst selten war, so ist doch die Fundsituation des Landserdepots geradezu eine Klassische.

Stiefel, Eimer und weiter Utensilien

Eingekesselt und ohne Aussicht auf heiles entkommen „hat der Landser abgelegt“ Alles militärische und die Hinweise auf die Panzerabwehrstellung wurden verscharrt, um im Gewand eines Zivilisten die Überlebenschancen bei Feindkontakt zu erhöhen.

unter Anderem Feldgeschirr, Kaffeekanne,Waschschüssel und Wassereimer

Ältere Pankower erinnern sich noch an den eingegrabenen Panzer an der Pankower Kirche. Wer in den Nachkriegsmonaten bei Schmidt-Hutten tanzen wollte, bezahlte den Eintritt üblicherweise mit Kohle in Stücken. Pankow erholte sich verhältnismäßig schnell von seinen Bombenschäden. Die Kultur des Bezirkes tat es nie wieder.

Diese kleine Geschichte ist wohl ganz in deinem Sinne. Also soll sie auch deine sein Manne.

Autor: Christian Bormann, 27.07.2017

red.Bearbeitung: Martina Krüger, 28.07.2017

Bilder: Christian Bormann, Privat, Bundesarchiv

Die Geisterwerkstatt von Buchholz

In den Außenbezirken von Pankow lassen sich noch zahlreiche vergessene Orte entdecken. So auch die Geisterwerkstatt in Buchholz.

Französisch Buchholz 2017

An der Schönerlinder Straße liegt ein kleiner alter Bauernhof seit 30 Jahren im Dornröschenschlaf. Von der Straße aus kaum warzunehmen, verbirgt sich hinter Bäumen und wucherndem Geäst ein kleines einstöckiges Bauernhaus, etwa um 1880 erbaut.

Geisterwerkstatt Schönerlinder Straße

Das kleine Häuschen mit Hof und historischen Viehställen ist seit 1989 verlassen und befindet sich noch weitgehend im Urzustand. Auf dem Dach liegen noch die Biberschwanzziegel, der Putz fehlt auf vielen Flächen, die Fenster und Türen sind erhalten aber entglast. Die Bewohner sollen nach Westdeutschland gegangen sein.

Bauernhaus von 1880

Im Haus selbst befinden sich nur noch wenige Möbel und Papiere. Das Datum der letzten Zeitung ist der 22.12.1987. Die Einfahrt des alten Kleinods ist über die Jahrzehnte zugewachsen. Auf den rückwärtigen Bauernhof geht es nur noch durch das Haus.

Moskwitsch AWZ

Als ich auf den Hof trat, war es zu schön, um wahr zu sein. In den Schweine- und Viehställen auf dem Hof befand sich eine Werkstatt. Nicht nur das, die Besitzer hatten bei ihrer Übersiedlung nach Westdeutschland die Autos stehen lassen. Alles Fabrikate der Automobilwerke Zwickau.

Hünerstall

Damals nichts Ungewöhnliches, in Rosenthal kannte ich gleich zwei solcher liegen gelassenen Werkstätten mit Fahrzeugen. Die Geisterwerkstatt von Buchholz jedoch ist etwas ganz besonderes.

Viehstall

Das alte Gehöft ist eine wahre Fundgrube der Geschichte. Die Stallungen selbst sind schon von etwa 1880, weitgehend erhalten und in den 1960er Jahren noch einmal aufgerüstet.

P70 in in der Stallwerkstatt 2017

Ab den 1980er Jahren wurde hier geschraubt. Die letzten Fahrzeuge der Werkstatt stehen stehen noch. Es verschiedene Modelle der Marke Moskwitsch und der Vorläufer des Trabant der AWZ P70, heute ein Oldtimer.

Vorgänger des Trabant P70 2017

Er ist über und über mit Staub bedeckt, das original Kennzeichen von Berlin-Ost ist noch erhalten. Ich kann mich gut erinnern, dass es das erste Auto war in dem mich meine Eltern umher kutschiert haben.

P70 Automobilwerke Zwickau

Die Ställe wurden einfach zur Werkstatt umfunktioniert, und so befinden sich Einrichtungen wie Gitter, Futterstellen und Wassertröge immer noch an ihrem einstigen Platz.

P70 Innenraum

Dazwischen verteilt liegen Öldosen, Filter, Zündkerzen und Schraubenschlüssel. Die letzten Betriebsdokumente in der Werkstatt sind Preislisten von Sero aus dem Jahr 1982.

Kennzeichen Berlin Ost

Im Gegensatz zu früher sind solche vergessenen Orte selten geworden. Jeder Meter und jeder Atemzug der verstaubten Stallluft ist pure Geschichte. Beim Rundgang auf dem Hof kämpfe ich mich durch wucherndes Grünzeug und rostige Gitter.

Pferdestall 2017

Die Anlage ist in ein dutzende kleine Stallungen unterteilt. Ich kletterte von Stall zu Stall und ein Moskwitsch nach dem anderem kam zum Vorschein.

Sero Preisliste von 1982

Die Mischung der Anlage aus belassenem Stall und verlassener Werkstatt hatte etwas gespenstiges. Das Grundstück ist eine echte kleine Zeitkapsel und bleibt hoffentlich noch lange erhalten.

Schweineställe 2017

Die Oldtimer selbst sind wohl nicht mehr zu gebrauchen wobei es um den Trabantvorgänger P70 echt schade ist.

zugewachsener Moskwitsch

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge mache ich mich wieder auf den Rückweg durch den Hof. Der Anblick der zum Teil von Ranken überwachsenen alten Autos ist einfach traumhaft.

weiterer Moskwitsch Oldtimer im Hühnerstall 2017

Im Haus angekommen kletterte ich noch über die verbrannte Treppe in den Dachstuhl, hier lagen weitere Zimmer. Die Zimmer ähnlich wie im Erdgeschoss ohne Möbel aber mit viel Kleinrat der ehemaligen Bewohner. Decken und Böden waren an vielen Stellen schon eingefallen und so verließ ich das Haus wieder.

Hühnerstall

Ich  werde auch diesen Ort und seine Veränderungen weiter beobachten und dokumentieren. Ich habe die Geisterbotschaft in der Schönerlinder Straße bis heute nicht publiziert.

Hof des Hauses mit Moskwitsch

Nach einem Leserhinweis auf einen Artikel in der Berliner Zeitung war dieser Ort nicht weiter geheim und so haben auch wir uns dazu entschlossen, heute zu veröffentlichen.

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Zeitungsartikel vom 22.12.1987

Nicht selten bieten verlassene Orte solch bizarre Fotokulissen und so bleibt zu hoffen, dass all jene Fotografen, die sich jetzt auf den Weg nach Buchholz machen alles so belassen wie sie es vorgefunden haben.

Video: „Die Geisterwerkstatt von Buchholz“

Autor: Christian Bormann, 23.07.2017

red.Bearbeitung: Martina Krüger, 23.07.2017

Fotos: Christian Bormann

Zeitkapseln in Pankow

Zu meinen Lieblingsbeschäftigungen gehört es, alle paar Wochen die historischen Örtlichkeiten in Pankow abzulaufen. Dabei dokumentiere ich die Veränderungen vor Ort und kann gegebenenfalls auch noch eingreifen, wenn es um Baumaßnahmen geht.

Gartenwohnhaus Gaillardstraße 2017

In vielen Fällen wissen die Eigentümer oder Bauherren gar nicht um die historische Bedeutung ihrer Grundstücke oder dessen, was sich auf ihnen noch verbirgt. So auch im Fall der Mauerteile an der Wackenbergstraße. Hier konnte ich die Zerstörung von 80 Mauerteilen der innerdeutschen Staatsgrenze verhindern.

rechter Giebel mit Werkstattluke

Dank des DDR-Museums können 4 dieser Segmente auch weiterhin besichtigt werden, der Rest ist eingelagert. Zu den spannendsten vergessenen Orten gehören die Zeitkapseln in Pankow. Es sind alte versiegelte Amtsgebäude, Fabriken und Wohnhäuser.

Empfangszimmer 2017

Eine dieser Zeitkapseln ist ein kleines Gartenwohnhaus in der Gaillardstraße am westlichen Rand von Pankow. Das erste Mal kletterte ich als Jugendlicher im Sommer 1995 in das zerfallene Haus. Aus alten DDR Milchkästen baute ich mir einen Kletterturm und zwängte mich behutsam durch ein Oberlicht in die Küche.

Küche im Haus

Das Haus, um 1900 gebaut, war damals schon stark verfallen. Der Putz beschädigt, die Holzanbauten hängen noch am Giebel, sind aber stark verwittert und drohen abzustürzen. Die Fenster und Türen von innen vernagelt, das eindringende Wasser hat Wände und Decken teilweise einstürzen lassen.

Kühlschrank um 1950

Im Foyer sind noch Glaskassetten erhalten. Die Innen- und Aussentüren des Hauses befinden sich in einem bemerkenswert guten Originalzustand. Viel interessanter als die in den Abendstunden schon gruselig anmutende Fassade ist das innere des Kleinods.

DDR Lebensmittel von 1962 originalverpackt / Foto 2017

Dabei ist ein Stockwerk interessanter als das andere. Gleich im Erdgeschoss wird der Besucher von ausgehangenen Zimmertüren empfangen. Strohsofas und Sessel, wie sie in der Nachkriegszeit üblich waren, finden sich in jedem zweiten Raum. Die Decken- und Stehlampen in den Zimmern sind feinster 60er Jahre Chic. Typische Haushaltswaren aus den 1950 Jahren sind auf den Zimmerböden verteilt.

Dachboden mit Waschkommode 2017

Das letzte Datum, dass sich auf verbliebenen Dokumenten und Zeitungen im Haus befindet ist der 9. Dezember 1962. Etwa seit dieser Zeit steht das kleine Wohnhaus leer. Ich beließ alles wie es war und kletterte vorsichtig wieder aus dem Haus. Die nächsten Jahre beobachtete ich das Grundstück von aussen weiter. Anfang diesen Jahres war es mal wieder soweit.

Neues Deutschland 09.12.1962

Ich besuchte meinen Bekannten Nick, auf dem Weg zu ihm hatte ich noch etwas Zeit über. Es waren schon 22 Jahre vergangen das ich selbst im Haus war. Von aussen gab es keinerlei Anzeichen für Veränderung. Kurzentschlossen schnappte ich mir die von Ranken überwucherten Milchkästen, die wie eh und je noch an der rechten Giebelseite des Hauses lagen.

Foyer von innen

Wieder zwängte ich mich durch das Oberlicht. Mit 22 Jahren Abstand kein Spaß mehr. Dieses mal blieb ich mit dem Hintern im Fenster stecken. Meine Neugier war zu groß. Anstatt auf Nummer sicher den Rückwärtsgang einzulegen, legte ich eine saubere Bruchlandung in der Küche hin.

Treppe zur Werkstatt

Und da war es. Das Gefühl, nach Ewigkeiten der erste Mensch in einer solchen Zeitkapsel zu sein. Im Haus hatte sich nichts verändert. Werkzeug, das ich zwei Jahrzehnte zuvor von den Dielen auf ein Sofa gelegt hatte, lag dort noch unberührt. Ich konnte es kaum glauben. Mit dem zeitlichen Abstand fielen mir bei meinem zweiten Besuch auch andere Einrichtungsgegenstände auf.

Haustür zum rückwärtigen Garten

Bei meinem ersten Besuch waren es die antiken Werkzeuge in der Werkstatt auf dem Dachboden, die bleibenden Eindruck hinterließen. Dieses mal waren es die Lampen und Möbelstücke, wie die Biedermeier-Waschbeckenkommode auf dem Dachboden. Auch ein kleiner Kühlschrank weckte nein Interesse. Als Jugendlicher war mir der Kühlschrank aus den 1950er Jahren entgangen. In der Absicht, mir die technische Ausstattung des Stückes einmal genau anzuschauen, öffnete ich ihn. Behutsam zog ich am Türgriff, als sich das Schätzchen öffnete, verschlug es mir die Sprache. Der Kühlschrank war voll mit originalverpackten DDR-Lebensmitteln. Bohnen, Kirschen, Letscho, einfach alles, was es an Konserven im Glas gab. Auch ungeöffnete Getränke wie Tonic standen im Kühlschrank. Die Lebensmittel waren alle original verpackt, ungeöffnet und stammten aus dem Jahr 1962. Nach dem ich alles dokumentiert hatte kletterte ich diesmal nicht durch das Oberlicht, sondern an anderer Stelle wieder aus dem Haus.

Autor: Christian Bormann, 16.07.2017

red. Bearbeitung: Martina Krüger, 16.07.2017

Fotos: Christian Bormann

Das letzte Stück Schloss Schönholz

Anlass für diese kleine Geschichte war ein Besuch in der Schönholzer Heide mit Christian Badel. Zu meinem Entsetzen musste ich feststellen das der Sockel, auf dem einst der Schützenpokal stand, zerschlagen wurde.

Zeitungsauschnitt 1936

Es hat einige Jahre gedauert, die zwei Sockel zu bestimmen, die heute noch am versunkenen Heide-Theater stehen. Auch der Sockel der Weberstatue wurde beschädigt. Was den kleineren der Beiden angeht, so war es jahrelange Recherche bis ich ihn eindeutig dem Schloss Schönholz zuordnen konnte. Der Pokal wurde von der Schützengilde installiert, als sie das alte Planteuerhaus als Vereinsheim übernahm.

Christian Badel an den Resten der Weißen Säule 2017

Letztendlich war es ein Zeitungsartikel, der mich auf die Spur brachte. Mit Lageplänen des Lunalagers und vom Traumland Schönholz machten wir uns daran, den einstigen Standort von Schloss Schönholz noch einmal auszumessen. In alten Zeitzeugenberichten war oft die Rede von einer „Weißen Säule“.

polnische Teilnehmer an einer Fortbildung, Schloss Schönholz 1940

Ich hatte von Anfang an die Vermutung, dass es sich bei der sogenannten „Weißen Säule“ am Schloss um den Steinpokal handeln könnte. Auf einem Foto vom Museum Pankow sind die Teilnehmer eines Fortbildungslehrganges von 1940 vor der Säule zu sehen. Deutlich zu erkennen ist das P-Abzeichen auf Ihrer Kleidung.

Badel beim Zeichnen am Heide Theater 2017

Auch im Schloss Schönholz waren bis Kriegsende Zwangsarbeiter untergebracht. Der Steinpokal war tatsächlich sehr hoch, vor allem war er aber prächtig verziert. Er stand vermutlich, wenn auch in beschädigter Form, noch bis zum Abriss von Schloss Schönholz nach dem Zweiten Weltkrieg. In den Bauamtakten vom Heide-Theater ist die Weberstatue im Ganzen zu sehen und als Statue bezeichnet. Der Pokal aber ist nur als unbestimmtes Qadrat im handgezeichneten Lageplan zu finden.

Illustration Christian Badel 2017

Nachdem es nun so lange dauerte die Herkunft zu erforschen, schmerzt mich der Anblick des zerschlagene Sockels ganz besonders. Über hundert Jahre und zwei Weltkriege blieb er stehen, um dann in einer Nacht zerschlagen zu werden. Ich habe Christian Badel gebeten, die Reste noch einmal für mich zu zeichnen. Die nächsten zwei Winter wird der Sockel nicht überstehen und so verschwindet das letzte Stück Schloss Schönholz.

Autor: Christian Bormann, 12.07.2017

red. Bearbeitung: Martina Krüger, 12.07.2017

Bilder: Christian Bormann, Museum Pankower

Illustration: Christian Badel

Die Villa vor Schönholz und der Borussia Park

  • Zu den bekanntesten vergessenen Orten in Pankow gehört die Villa vor Schönholz. Das Grundstück gehörte 1911 der Terraingesellschaft Bahnhof Schönholz GmbH. Im historischen Andressverzeichnis ist der Mühlenbesitzer und Ingenieur Heinrich Bollenbach und später die Witwe M. Bollenbach eingetragen.
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Villa vor Schönholz 2017

Die mit prächtigem Stuck geschmückte Gründerzeitvilla war seit je her mit einem Park umgeben und lag zwischen dem Bahnhof Schönholz und der Heide. Mit der Schönholzer Heide, die sich bis zur Olympiade 1936 zu Berlins größtem Freizeit- und Erholungspark entwickeln sollte in der Nachbarschaft, lag es nah auch hier gewerblich zu feiern.

Restaurant  Schaller

Auf alten Postkarten sind die Namen unterschiedlicher Betreiber zu sehen. Zum einen wäre da Schaller’s Restaurant Tivoli und auch von Max Rudolph’s Restaurant Borussia Park sind noch Bilder erhalten. Eine der Karten zeigt den Eingang zum Borussiapark mit Blickrichtung Bahnhof Schönholz. Heute entspricht das der Kreuzung der Straße vor Schönholz Ecke Provinzstraße.

Provinz- Ecke Straße vor Schönholz

Auf den historischen Bildern ist noch der echte Treppenaufgang zum Säulenportal zu sehen. Die echte Fülle der Stuckarbeiten lässt sich erst anhand der alten Aufnahmen erahnen. In den Nachkriegsjahren wurde die Villa ab 1945 als Altenheim genutzt. Wärend dieser Phase wurde die innerdeutsche Staatsgrenze errichtet. Plötzlich lag das Altenheim im Borussia Park in der Sperrzone. Als erste Maßnahme wurden die Fenster Richtung Vorlandmauer, die nur einen beherzten Sprung entfernt stand zugemauert.

Max Rudolph’s Borussia Park

Die Fenster Richtung Wedding sind heute Parterre noch zugemauert. Auch der Dachstuhl und dessen Fenster sind nicht original. Das Altenheim musste 1975 einer Dienststelle der Volkspolizei weichen. Diese passte mit ihren Aufgaben eher in eine Zone mit gesonderter Zutrittsgenehmigung.

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Postkarte Restaurant Borussiapark

Im Verlaufe des weiteren Ausbaus des Todesstreifen wurde auch der Friedhof zwischen Bürgerpark und Villa in Mitleidenschaft gezogen. Über den Friedhof verlief jetzt die Vorlandmauer. Zeitzeugen berichteten, das die Leichname aus Gräbern, die jünger als 3 Jahre waren, exhumiert werden mussten. Die Gebeine sollen 2 Wochen im Keller der Villa vor Schönholz zwischengelagert worden sein. Wegen des bestialischen Verwesungsgeruchs beschwerten sich die Anwohner. Die Leichen sollen über Nacht wieder verschwunden sein.

Friedhof am Bürgerpark Schönholz

Seither wird vermutet, dass die menschlichen Überreste in einer Nacht- und Nebelaktion in der Heide verscharrt wurden. Tatsächliche Belege ließen sich hierfür aber nicht finden. Während der Zeit der Volkspolizei wurde das Gebäude auch für andere staatliche Unterdienststellen genutzt. Die Gesellschaft für Sport und Technik saß hier ebenso wie die Musterungsstelle der NVA.

Reisedokument gestempelt in Schönholz

Auch in den Jahren der Maueröffnung herrschte in der Villa vor Schönholz noch Ordnung. Auf den Papieren von Herrn Geheb, die in der Dienstelle der Villa gestempelt sind, befindet sich noch der amtliche Stempel der Volkspolizei Pankow auf dem Visum. Nach der Wende und der damit verbunden Abwicklung zahlreicher Dienststellen in Ostdeutschland wurde das Gebäude vom Gewerbeamt genutzt.

Reisedokument gestempelt in Schönholz

Hier begann der Untergang der Villa. Was niemand wusste, in den zum Teil 100 Jahre alten Akten des Gewerbeamtes schlummerte eine Zeitbombe. Und so berichtete auch schon kurz darauf der Berliner Kurier 1992 über mehrere Feuer im „Wirtschaftsamt“. Der Dachstuhl war angezündet worden. Der Kurierbericht war mir als Kind damals nicht bekannt und auch von der Funktion des Hauses wusste ich nichts.

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Villa vor Schönholz Hauptportal 2017

Eher zufällig kam ich in den Tagen nach dem großen Feuer an der Villa vorbei. Meine kindliche Neugier war geweckt. Auf dem Grundstück, keine 4 Meter vom Hausflureingang entfernt, stand ein kleines gemauertes Heizhaus. Ich betrat es als erstes, weil es abgesehen von einem Sprung über den Zaun frei zugänglich war. Ich staunte nicht nicht schlecht, der Ofen war randvoll mit amtlichen Akten und auch das gesamte Heizhaus war mit Bergen von Akten, die an unterschiedlichen Stellen angezündet worden waren, vollgestopft.

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Eingang Hausflur

Die in die Jahre gekommene Villa stand nach dem verheerenden Feuer ohne Dach da, zugemauert bis in den ersten Stock gab sie ein trauriges Bild ab. Ich wollte unbedingt hinein und so kletterte ich am Blitzableiter links vom Balkon die Fassade hoch. Auf dem Balkon angekommen betrat ich durch eine der Flügeltüren ein riesiges Amtszimmer im 1.OG. Auf den Tischen standen noch die Tassen, es sah aus wären die Beamten zur Mittagspause.

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Grundstück 2017

Die Schränke und Schubladen waren alle geöffnet oder herausgerissen, alles was das Haus an Akten hergab, wurde in den Hausflur und auf den Dachboden der Villa geschafft. Genauso wie im Heizhaus wurden auch hier die Feuer an mehreren Stellen gelegt. Dem Zufall der Geschichte ist es zu verdanken, dass die Feuerwehren schnell genug vor Ort waren.

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zugemauerte Fenster zum Todesstreifen

Der Plan, die Akten mit dem Gebäude zu vernichten, platzte. Bis heute ist unbekannt, wer für die Feuer verantwortlich ist. Ich stöberte in den Unterlagen, es waren durchgängig amtliche Gewerbeunterlagen aus Pankow, zum Teil schon zur Kaiserzeit angelegt.

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Botschaftsgekände Sambia 2017

Damals erregten die Stempel und ihre staatlichen Zeichen mein Interesse. Neben den Stempeln aus der Kaiserzeit hatten die mit Adler und Hakenkreuz einen besonders schaurigen Eindruck auf mich als Kind gemacht und so packte ich einige der Unterlagen ein und nahm sie mit.

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Versorgungschacht

Ich erinnerte mich noch gut an den gruseligen Keller. Aus dem zugemauerten Hausflur gab es kein Licht, es war dunkel und roch modrig, vereinzelt drang Sonnenlicht durch die vergitterten und notdürftig verbarrikadierten Kellerluken.

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Teil der Grenzanlage Provinzstraße

An den Wänden hingen noch Wandzeitungen zum Wohlgefallen des sozialistischen Bruders. Von den Leichen wusste ich damals noch nichts, zum schlecht träumen reichte der gruselige Keller aber allemal. Wochen später schaute ich mir einige der Dokumente, die ich aus der Villa mitgenommen hatte, genauer an.

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ehem. Straßensperren der Zufahrt Provinzstraße

Mir waren bekannte Namen von Straßen und Gewerben aufgefallen und so begann ich die Akten zu lesen. Mit dem Inhalt erklärte sich auch das Feuer. Es waren zum Teil schon zu Kaiserzeiten angelegte Gewerbeunterlagen, weitergeführt von den jeweiligen Regierungen, auch zu Zeiten der Nationalsozialisten reine Gewerbeunterlagen. Erst mit der Vortführung der Akten durch die Deutsche Demokratische Republik beinhalteten die Gewerbunterlagen Stasidossiers.

Meister Liebe’s Borussia vor Schönholz

So war gleich in der ersten Akte das Dossier über den Betreiber einer Kneipe in der Brehmestraße.  Aus dem Text ging sinngemäß hervor, der Gastwirt Mustermann hätte eine Vorliebe für junge Männer. Da dieses sein Geheimniss sei, könne man die Person im Bedarfsfall mit diesen Erkenntnissen konfrontieren und unter Druck setzn.

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Luftbild Villa vor Schönholz

Der brisante Inhalt der Gewerbeunterlagen war der Auslöser für das verheerende Feuer. Die Beteiligten wussten, dass es eine Frage der Zeit war, bis ihr Inhalt entdeckt und die Verantwortlichen hätten belangt werden können. Die Villa wurde grundsaniert und 1999 von Sambia als Botschaft gekauft, wegen fehlender Mittel aber nie bezogen. Jetzt ist das Haus wieder verblombt und gammelt vor sich hin. Zuständig ist das Auswärtige Amt. Das sieht kein Grund zu handeln.

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Autor: Christian Bormann, 09.07.2017

red.Bearbeitung: Martina Krüger, 09.07.2017

Fotos: Christian Bormann, Hannes Geheb, Annemarie Weister (Freundeskreis der Chronik Pankow e.V.) / Friedhof III,

Luftbild :Guido Kunze

Mörder und Verrückte im Gefängnis Buchholz

Die Geschichte des Buchholzer Gefängnisses beginnt 1874 mit einem kleinen Häuschen an der Berliner Straße. Erbaut hatte es der Grundstücksbesitzer Putzval in der Berliner Straße 24.

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Berliner Straße Ecke Schönhauser Straße 1914

Putzval ließ zu gewerblichen Zwecken 1879 ein weitaus größeres Gebäude längs der Berliner Straße errichten. Bis zur Errichtung verband eine kleine Gasse die Schönhauser Straße und die Berliner Straße, bevor beide aufeinander trafen.

Amtshaus Buchholz mit Sparkasse in den 1960er Jahren

Der längs errichtete Gewerbebau beherbergte ein Lokal, danach ein Erholungsheim. Keines der Gewerke trug sich wirtschaftlich. Putzval gab auf und verkaufte das Grundstück an die Gemeinde.

Altes Amtshaus als Nachbarschaftszentrum 2017

Die Gemeinde Buchholz ließ das Gebäude umbauen und richtete ein Amtshaus ein. Links in der Gebäudefassade ist noch die zugemauerte Toreinfahrt zu sehen. Vom Tor aus ging es in das Hofgebäude, in dem sich das kleine Gefängnis befand. Der Herkuleskopf über dem Portal, der eine Löwenhaut über den Kopf gezogen und Tatzen auf der Brust trägt, geht noch auf die Polizeistelle zurück.

zugemauerte Gefängniseinfahrt

Der inzwischen historische Treppenaufgang ist nicht original. Der Eingang ist zwar an seiner einstigen Stelle, jedoch betraten Besucher des Amtshauses den Vorgarten über die Durchfahrt und kamen über eine Balustrade ins Haus.

ehem. Gefängnis Buchholz

Bis auf die zugemauerte Einfahrt sind das Hofgebäude und der gepflasterte Hof noch erhalten. Auch die einstige Gasse, die beide Straßen verband, ist noch als rückwärtige Hofeinfahrt von der Schönhauser Straße erhalten.

Max Rieger Meistertür Schutzraumklappe 1936

Im ehem. Amtshaus war auch die Polizeiwache und das kleine Gefängnis. Der Polizeibezirk Buchholz war 1870 bis 1920 für die Gemeinden Blankenburg, Heinersdorf, Summt, Mühlenbeck und Schönerlinde zuständig.

Luftschutz Max Rieger Wilmersdorf 1936

Die Ordnungshüter waren nicht zu beneiden, für das gesamte Gebiet standen dem Gemeindevorsteher Schulze gerade eine handvoll Männer zur Seite. Es waren der Gemeindeschöffe A. Steeger, Wachtmeister Kramer, Polizeisergeant Steinhoff und der Nachtwächter und Totengräber Grün. Grün selbst wohnte im Hofgebäude des Amtshauses.

Kunst und Bauschlosserei Max Rieger 1936

Einige Geschichten über die Zelleninsassen erzählen sich Pankower heute noch. Eine Verrückte, die der Anstalt Herzberge entlaufen war, konnte vom Gendarmen aufgegriffen werden. Als die Frau in das Amtshaus eingeliefert wurde, erblickte sie den Sergeant Steinhoff in seiner schniecken Uniform.

Keller mit Gittertür zum Hofgebäude 2017

Die Gemütskranke glaubte, in ihm ihren Ehegatten zu erkennen. In ihrer Manie stürzte sie sich auf den Sergeant. Dem Polizist blieb nichts weiter übrig, als mit seiner vermeintlichen Braut im Hof auf und ab zu laufen bis das herbeigeeilte Anstaltspersonal die Frau abholte und ihn aus seiner misslichen Lage befreite.

Luftschutztür im Keller zum Nachbarhaus des ehem. Amtshaus

Am Aufsehen erregendsten waren wohl die jugendlichen Mörder, 20 und 25 Jahre alt. Ihr Opfer war der Landwirt und Fuhrunternehmer Otto Mützelburg aus Zerpenschleuse. Die jungen Männer witterten fette Beute, als der Landwirt auf seiner Rückfahrt aus Berlin die Schönerlinder Chaussee passierte. Und in der Tat, Mützelburg hatte gut Kasse gemacht, jedoch den größten Teil der Einnahmen unter der Leibwäsche versteckt. Als er am 29. Oktober 1892 ausgeraubt wurde, fanden die Diebe nur ein Säckchen mit Handgeld.

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Pankow Schönerlinder Chaussee

Das Fuhrwerk und der Leichnam wurden am nächsten Morgen entdeckt. Schnell konnten die Mörder überführt werden. Einer von ihnen war Mützelburgs Kutscher Kühn der andere hieß Hahn. Nach wenigen Tagen im Buchholzer Gefängnis war der Prozess beendet, Kühn wurde hingerichtet und Hahn gelang die Flucht. Wenig später wurde Hahn bei einem Diebstahl erwischt und erkannt. Er erhängte sich selbst in seiner Zelle im Untersuchungsgefängnis.

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ehem. Gasse heute rückwärtige Hofeinfahrt Schönhauser Straße

Nach der Eingemeindung von Buchholz nach Berlin 1920 wurde das Amtshaus städtisches Verwaltungsgebäude. Das Bezirksamt richtete hier eine Ortsteilamtsstelle mit Steuer-, Standes- und Wohlfahrtsamt ein. Aus dieser Zeit stammen die Luftschutzeinrichtungen, die Kellerklappen links vom Aufgang sind von Max Rieger Wilmersdorf laut Katalog 1936. Die Luftschutztür im Keller zum Nachbarhaus stammt wohl von 1934. Die Gittertüren im Keller im Haus und die Fenstergitter rings herum haben nichts mit dem kleinen ehem. Amtsgefängnis zu tun, sie gehen auf die Stadtsparkasse Berlin zurück.

Autor: Christian Bormann, 08.07.2017

red.Bearbeitung: Martina Krüger, 08.07.2017

Bilder: Christian Bormann, alte Ansichtskarten