Schlagwort-Archive: Geschichte

Die Zentrale Verteidigungstelle im Bunker Rathaus Pankow

Auf einigen historischen Postkarten ist sie noch zu sehen, die alte Straßenbahnhaltestelle direkt am Eingang vor dem Polizeirevier im Rathaus Pankow.

Eingang mit Haltestelle 1906

Der Eingang ist heute mit einem Granitblock geschlossen und zum Kellerfenster umfunktioniert.

Eingang ehem. Zentrale Verteidigungsstelle Pankow 2017

Durch den historischen Eingang gelangte der Besucher rechtsseitig ins Polizeirevier, welches sich in den Rathausanbau erstreckte, nach links ging es direkt in den Kommandobunker.

Laufgang u. Aktenkammern ehem. Polizeirevier Pankow 2017

Die Bunkeranlage wurde 1942 bis 1943 als Leitstelle eingerichtet. Über dem Keller wurde ein Stahlbetonblock im Hochparterre bis 1 Meter unter die nächste Etage gezogen. 

vermauerte Kellerfenster und vergessenes Zimmer Sowjetische Kommandantur 1950

Zur 750 Jahrfeier Berlins wurden die Fenster zur Straße geöffnet. Der Betonblock und das Zimmer gerieten wieder in Vergessenheit. Die Bunkerdecke wurde erst 2001 vom THW entfernt.

ehem. Bürgermeister von Pankow vor der Bunkerdecke 2001

Seit 2016 wird der Kommandobunker der Zentralen Verteidigungsstelle Pankow entkernt und neu unterteilt um Platz für den Triebwerksraum des neuen Fahrstuhls zu schaffen. Der Kommandoraum an sich ist weitgehend beräumt.

neuer Fahrstuhlschacht im ehem. Kommandobunker der Zentralen Verteidigungsstelle 2017
Zimmerteil des Kommandobunkers der Zentralen Verteidigungstelle 2017
neue Zwischenwand für den Fahrstuhlraum im ehem. Kommandobunker 2017

Vom Inventar der Leitstelle selbst ist nicht mehr viel übrig. Ein paar Leitungen für die Sauerstoffversorgung. 

Reste der Bunkerbelüftung 2017
alte Stromversorgung des Rathauskellers AEG 1903

Alte Panzerriegel mit denen die Splitterschutzplatten an den Fenstern geschlossen wurden. Auch die Notausstiege sind noch zu erkennen.

Riegel für die Splitterschutzplatten der Fenster
Riegel für Splitterschutzplatten am Notausstieg

Im rückwärtigen Teil hängt noch die Fernsprechanlage von Siemens und Halske. Die Vorwahlnummer und die Beschriftung der einzelnen Leitungen sind noch erhalten.

Fernsprechanlage Siemens & Halske 2017
Fernsprechanlage Siemens & Halske

Im alten Polizeirevier hingegen sieht es besser aus. Fast der komplette Zellentrakt ist noch vorhanden. Auch der Hochspannungsraum und der Hinterausgang zum Rathaushof mit Luftschutztür sind erhalten.

Zellentrakt ehem. Polizeirevier 2017

Hinter den 1942 eingebauten Panzertürmen von Max Rieger aus Berlin lagern heute Akten des Bürgeramtes.

Betriebsraum der E-Anlage, Schutztür Max Rieger Berlin 1942

Es war Ende 1944 als Polizeirevier und Kommandobunker zur Zentralen Verteidigungsstelle Rathaus Pankow zusammengefasst wurden. Auch die noch verbliebenen Polizeibeamten der umliegenden Reviere hatten sich hier zu sammeln.

Panzerschutz Max Rieger Berlin N 1942

Jetzt saßen Wehrmacht, Polizei und Landsturm gemeinsam in der Zentralen Verteidigungsstelle. Nachdem Pankow eingenommen war, wurde das Rathaus bis 1950 zur Sowjetischem Kommandantur. 

Zellentrakt ehem. Polizeirevier im Rathaus Pankow

Der Zellentrakt wurde bis zum Oktober 1947 von den Sowjets weiter genutzt. Die letzten offiziellen Insassen waren der Kommandant des KonzeStahlbetonblocks Sachsenhausen und 15 Angehörige der Wachmannschaft.

Spielecke im Wartezimmer auf dem Rest der Bunkerdecke im Bürgeramt Rathaus Pankow 2017

Die Stahlbetondecke des Bunkers wurde erst 2001 abgetragen. An seiner Stelle befindet sich heute das Wartezimmer vom Bürgeramt Pankow. Im hinteren Bereich befindet sich auf dem Rest des Stahlbetonblock eine höher gelegene Spielecke für Kinder.

Autor: Christian Bormann, 11.12.2017

red.Bearbeitung:

Fotos: Stefan Paubl, Berlin.de, Christian Bormann, Ivonne Hempler, Bezirksamt Pankow

Bormann’s Bärenjagd

Unterstützten Sie unser Aktion „Bärenjagd“ 2018. Teilen Sie diesen Post in Ihrer Chronik.

img_20180115_230601_4631916955258.jpg
 Historiker,Autor und Initiator der Bärenjagd: Christian Bormann

Wir suchen noch Unterstützer, Gewerbetreibende und Vereine die unser Plakat (A2) bei sich aushängen, Sinn und Zweck der „Bärenjagd“ ist es vergessene historische Berliner Bären in einem Katalog zu erfassen. Nur bekanntes Kulturgut kann bewahrt und erhalten werden.

img_20180116_003649_9411537853049.jpg
Bormanns Bärenjagd 2018

Helfen Sie uns! Gern bringen wir ihnen ein oder mehrere Poster zum Aushang vorbei. Auf diesem Weg auch ein Dankeschön an die Pressestelle des BA Pankow für die Unterstützung und den Aushang im Rathaus.

Die Geschichte zur Idee der Bärenjagd finden Sie auf unserer Hauptseite unter der Überschrift „Pankow geht auf Bärenjagd“

Verantwortlich für den Aufruf zur Bärenjagd 2018 ist Pankowerchronik.de, Herausgegeber ist der Historiker, Journalisti und Autor Christian Bormann.

Autor: Christian Bormann, 16.01.2018

Bilder: Christian Bornann

Bolle, Badel und Bormann

Vor nicht allzu langer Zeit lud mich der Pankower Künstler und Zeichner Christian Badel in sein Atelier in der Pestalozzistraße ein. Herr Badel ist nicht nur Künstler, er interessiert sich ganz besonders für das historische Pankow.

Christian Badel, Florakiezfest 2017

Nachdem er mich durch das ehemalige Intrac-Gebäude führte, in dem sich sein Atelier befand, behielten wir den Kontakt bei. Seither hat Christian schon die ein oder andere einzigartige Illustration für unsere Geschichten gezeichnet.

IMG_20171001_222024_903
Gemeinschaftsarbeit Badel u. Bormann Geschichten aus Schönholz 2017, Illustration Badel

Auch die letzten Heide-Geschichten aus Schönholz wären ohne seine Bilder nicht die selben. In Zukunft werden hoffentlich noch viele unserer Geschichten mit seinen histostorischen Illustrationen geschmückt.

Christian Bormann unter dem Luna Lager Schönholz 2017

Gern bin ich als Historiker mit ihm auf den Spuren des alten Pankow’s unterwegs. Unter der Kategorie: „Illustration Christian Badel“ werden ab heute alle Geschichten mit seinen Illustrationen auf einen Blick angezeigt. Diese Woche bekam ich meine Neugestaltung des Bolle-Bilds vom ihm. Ich habe nicht schlecht gestaunt. Die einzelnen Bildelemente weisen mit Ausnahme der Flugzeuge am Himmel alle auf einzelne Geschichten auf Pankowerchronik.de hin.

IMG_20170928_084429_938
Neuauflage des historischen Bolle-Bildes von Christian Badel 2017

Um mal einige kleine Beispiele zu nennen, beginnen wir mit dem roten Ballon rechts oben im Bild. Hierhinter verbirgt sich der Hinweis auf unsere Geschichte zu einer der ersten Ballonfahrten der Welt durch Blanchard, der mit diesem in Karow auf dem Ballonplatz landete. Das von mir wiederentdeckte Rettschlag-Tor, sowie das alte Schloss Schönholz und das Riesenrad, welches einst im Traumland Schönholz stand, sind ebenfalls abgebildet. Das Bild lädt den Betrachter ein, Element für Element zu ergründen und die dazugehörige Geschichte auf unserer Seite zu finden. Auch für den geübten Pankower kein leichtes Unterfangen bei inzwischen über 150 Geschichten.

Geschichte: Bolle reiste jüngst zu Pfingsten, – Wer war Bolle?

Autor: Christian Hintze: 01.10.2017

red. Bearbeitung: Martina Krüger, 01.10.2017

Foto: Christian Bormann

Illustration: Christian Badel 2017, www.kikifax.com

Das vergessene Kaisergrab in Buchholz

Schon vor dem Ende des 19. Jahrhunderts florierte in Pankow das Vereinswesen. Beispielhaft hierfür ist der Gründer und 1. Präsident des 1. FC Bayern München, Franz John. Der Pankower Fotograf aus der Kreuzstraße war keine Ausnahme.

IMG_20170923_162538_183
Vorplatz der Kirche in Buchholz 2017

Auch in Buchholz existierten um 1890 zahlreiche Vereine. Zu den einflussreichsten Gesellschaften gehörten oft die Schützenvereine. So hatte der Buchholzer Schützenverein sein Heim zentral am Dorfplatz neben der Kirche.

IMG_20170923_165040_244
Kaiserdenkmal Buchholz 1914

Ein weiterer war der Männerturnverein Buchholz. Dieser war es auch, der auf die Idee kam, auf dem Kirchenvorplatz ein Denkmal für Kaiser Wilhelm I. errichten zu lassen. Kaiser Wilhelm I. war ab 1861 König von Preußen und ab 1871 Kaiser von Deutschland.

IMG_20170923_165337_778
Kaiserdenkmal Wilhelm I. Buchholz 1904

Gesagt getan, im Handumdrehen hatten die Vereinsmitglieder einen nicht unerheblichen Spendenbeitrag aufgebracht. Und so lud die Gemeinde Buchholz schon am 22. März 1897 zur Einweihungsfeier auf den Kirchenvorplatz.

IMG_20170923_165156_583
Kaiserdenkmal Buchholz 1914

Nach dem 1. Weltkrieg hatten die Deutschen genug vom Kaisertum. Nach 23 Jahren sollte Wilhelm vom Dorfplatz verschwinden. Das gesamte prächtige Kaiserdenkmal wurde 1920 abgetragen und an Ort und Stelle vergraben. Bis heute ruht das Denkmal knappe 2 Meter unter seinem einstigen Standort und wartet auf seine Wiederentdeckung.

27999244_1418991428211292_736160218_o.jpg
Die Kirche aus der Luft, 2018

Buchholz Kirche 360° Panorama

https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=1795997560470861&id=954046311332661

Autor: Christian Bormann, 01.10.2017

red.Bearbeitung: Martina Krüger, 01.10.2017

Luftbild: Guido Kunze, 09.02.2018

Fotos: Christian Bormann, historische Postkarten, Freundeskreis der Chronik Pankow e.V (1)

Zeitkapseln in Pankow

Zu meinen Lieblingsbeschäftigungen gehört es, alle paar Wochen die historischen Örtlichkeiten in Pankow abzulaufen. Dabei dokumentiere ich die Veränderungen vor Ort und kann gegebenenfalls auch noch eingreifen, wenn es um Baumaßnahmen geht.

Gartenwohnhaus Gaillardstraße 2017

In vielen Fällen wissen die Eigentümer oder Bauherren gar nicht um die historische Bedeutung ihrer Grundstücke oder dessen, was sich auf ihnen noch verbirgt. So auch im Fall der Mauerteile an der Wackenbergstraße. Hier konnte ich die Zerstörung von 80 Mauerteilen der innerdeutschen Staatsgrenze verhindern.

rechter Giebel mit Werkstattluke

Dank des DDR-Museums können 4 dieser Segmente auch weiterhin besichtigt werden, der Rest ist eingelagert. Zu den spannendsten vergessenen Orten gehören die Zeitkapseln in Pankow. Es sind alte versiegelte Amtsgebäude, Fabriken und Wohnhäuser.

Empfangszimmer 2017

Eine dieser Zeitkapseln ist ein kleines Gartenwohnhaus in der Gaillardstraße am westlichen Rand von Pankow. Das erste Mal kletterte ich als Jugendlicher im Sommer 1995 in das zerfallene Haus. Aus alten DDR Milchkästen baute ich mir einen Kletterturm und zwängte mich behutsam durch ein Oberlicht in die Küche.

Küche im Haus

Das Haus, um 1900 gebaut, war damals schon stark verfallen. Der Putz beschädigt, die Holzanbauten hängen noch am Giebel, sind aber stark verwittert und drohen abzustürzen. Die Fenster und Türen von innen vernagelt, das eindringende Wasser hat Wände und Decken teilweise einstürzen lassen.

Kühlschrank um 1950

Im Foyer sind noch Glaskassetten erhalten. Die Innen- und Aussentüren des Hauses befinden sich in einem bemerkenswert guten Originalzustand. Viel interessanter als die in den Abendstunden schon gruselig anmutende Fassade ist das innere des Kleinods.

DDR Lebensmittel von 1962 originalverpackt / Foto 2017

Dabei ist ein Stockwerk interessanter als das andere. Gleich im Erdgeschoss wird der Besucher von ausgehangenen Zimmertüren empfangen. Strohsofas und Sessel, wie sie in der Nachkriegszeit üblich waren, finden sich in jedem zweiten Raum. Die Decken- und Stehlampen in den Zimmern sind feinster 60er Jahre Chic. Typische Haushaltswaren aus den 1950 Jahren sind auf den Zimmerböden verteilt.

Dachboden mit Waschkommode 2017

Das letzte Datum, dass sich auf verbliebenen Dokumenten und Zeitungen im Haus befindet ist der 9. Dezember 1962. Etwa seit dieser Zeit steht das kleine Wohnhaus leer. Ich beließ alles wie es war und kletterte vorsichtig wieder aus dem Haus. Die nächsten Jahre beobachtete ich das Grundstück von aussen weiter. Anfang diesen Jahres war es mal wieder soweit.

Neues Deutschland 09.12.1962

Ich besuchte meinen Bekannten Nick, auf dem Weg zu ihm hatte ich noch etwas Zeit über. Es waren schon 22 Jahre vergangen das ich selbst im Haus war. Von aussen gab es keinerlei Anzeichen für Veränderung. Kurzentschlossen schnappte ich mir die von Ranken überwucherten Milchkästen, die wie eh und je noch an der rechten Giebelseite des Hauses lagen.

Foyer von innen

Wieder zwängte ich mich durch das Oberlicht. Mit 22 Jahren Abstand kein Spaß mehr. Dieses mal blieb ich mit dem Hintern im Fenster stecken. Meine Neugier war zu groß. Anstatt auf Nummer sicher den Rückwärtsgang einzulegen, legte ich eine saubere Bruchlandung in der Küche hin.

Treppe zur Werkstatt

Und da war es. Das Gefühl, nach Ewigkeiten der erste Mensch in einer solchen Zeitkapsel zu sein. Im Haus hatte sich nichts verändert. Werkzeug, das ich zwei Jahrzehnte zuvor von den Dielen auf ein Sofa gelegt hatte, lag dort noch unberührt. Ich konnte es kaum glauben. Mit dem zeitlichen Abstand fielen mir bei meinem zweiten Besuch auch andere Einrichtungsgegenstände auf.

Haustür zum rückwärtigen Garten

Bei meinem ersten Besuch waren es die antiken Werkzeuge in der Werkstatt auf dem Dachboden, die bleibenden Eindruck hinterließen. Dieses mal waren es die Lampen und Möbelstücke, wie die Biedermeier-Waschbeckenkommode auf dem Dachboden. Auch ein kleiner Kühlschrank weckte nein Interesse. Als Jugendlicher war mir der Kühlschrank aus den 1950er Jahren entgangen. In der Absicht, mir die technische Ausstattung des Stückes einmal genau anzuschauen, öffnete ich ihn. Behutsam zog ich am Türgriff, als sich das Schätzchen öffnete, verschlug es mir die Sprache. Der Kühlschrank war voll mit originalverpackten DDR-Lebensmitteln. Bohnen, Kirschen, Letscho, einfach alles, was es an Konserven im Glas gab. Auch ungeöffnete Getränke wie Tonic standen im Kühlschrank. Die Lebensmittel waren alle original verpackt, ungeöffnet und stammten aus dem Jahr 1962. Nach dem ich alles dokumentiert hatte kletterte ich diesmal nicht durch das Oberlicht, sondern an anderer Stelle wieder aus dem Haus.

Autor: Christian Bormann, 16.07.2017

red. Bearbeitung: Martina Krüger, 16.07.2017

Fotos: Christian Bormann

Ausstellung – Die Geschichte der Schönholzer Heide

Im Februar 2017 traf ich mich mit dem Freundeskreis der Chronik Pankow e.V. und unserer Redakteurin Martina Krüger in der Schönholzer Heide. Anlass war ein Gedankenaustausch zur Vorbereitung der Ausstellung „Die Geschichte der Schönholzer Heide“.

Zu Fuß liefen wir die historischen Orte und ihre Überreste ab. Vom Schloss Schönholz ging es zum versunkenen Heide Theater und weiter zum Zwangsarbeiterlager und seinen Fundamentresten. Friedhof 6, der Luna Bunker und das Schützenhaus waren ebenso Teil der Gespräche.

Freundeskreis der Chronik Pankow e.V. u. Bormann 2017 in Schönholz

Am 28.05.2017 war es dann soweit. Nach eineinhalb Jahren der Vorarbeit, lud der Freundeskreis der Chronik Pankow e.V. zur Eröffnung ihrer Ausstellung. Auf dem Hof der Dietzgenstraße 42 begrüßte Frau Fritzsching vom Vorstand bei gutem Wetter und Musik die zahlreich erschienenen Gäste. Herr Mach hielt ein einführenden Kurzvortrag zum Thema.

Begehung Luna Lager 2017

Ich habe mir die fertige Ausstellung erst kürzlich selbst angeschaut. Eine gut verständliche Gliederung der Schautafeln und kurze spannende Texte lassen den Betrachter kaum los. Nicht nur die Fülle an historischem Material wie Eintrittskarten oder Fotos, auch die Qualität der zusammengetragenen Belege ist beeindruckend.

Brosehaus, Dietzgenstraße 42

Ganz besonders habe ich mich über die Vitrine gefreut. In dem Schaukasten liegen die Fotos meiner Lieblingsstücke. Da wären die Tasse von Rettschlags Schloss Restaurant, die goldene Bieruhr vom Schloss Schönholz und das Kännchen vom Kastanienwäldchen, und inmitten dieser Schätzchen, auch der von mir geborgene Jägerstutzen.

Ausstellung „Die Geschichte der Schönholzer Heide“ 2017

Die Ausstellung ist so umfangreich das ich sie mir noch einige Male anschauen werde. Seit dem Treffen im Februar bin ich mit Frau Jutta Mach vom Vorstand in Kontakt geblieben, die Geschichte „Weber in Pankow“ wäre ohne ihr Bildmaterial gar nicht möglich gewesen.

Mitteilungsblatt 2/3 2017

Ich kann jeden nur aufs herzlichste einladen sich die Ausstellung „Die Geschichte der Schönholzer Heide“ im Brosehaus in der Dietzgenstraße 42 Mittwoch und Sonntag von 14:00 – 17:00 Uhr bis zum 12.11.2017 anzuschauen. Besucher erreichen das Brosehaus mit der Tram M1 oder dem Bus 107, die Haltestelle ist Kuckhoffstraße. Der Eintritt ist frei. Spenden sind selbstverständlich willkommen. Das Mitteilungsblatt zur Ausstellung ist für 6 Euro zu haben.

Autor: Christian Bormann, 16.07.2017

red.Bearbeitung: Martina Krüger, 16.07.2017

Fotos: Martina Krüger, Christian Bormann, Freundeskreis der Chronik Pankow e.V.

Infomaterial: Freundeskreis der Chronik Pankow e.V.

Das letzte Stück Schloss Schönholz

Anlass für diese kleine Geschichte war ein Besuch in der Schönholzer Heide mit Christian Badel. Zu meinem Entsetzen musste ich feststellen das der Sockel, auf dem einst der Schützenpokal stand, zerschlagen wurde.

Zeitungsauschnitt 1936

Es hat einige Jahre gedauert, die zwei Sockel zu bestimmen, die heute noch am versunkenen Heide-Theater stehen. Auch der Sockel der Weberstatue wurde beschädigt. Was den kleineren der Beiden angeht, so war es jahrelange Recherche bis ich ihn eindeutig dem Schloss Schönholz zuordnen konnte. Der Pokal wurde von der Schützengilde installiert, als sie das alte Planteuerhaus als Vereinsheim übernahm.

Christian Badel an den Resten der Weißen Säule 2017

Letztendlich war es ein Zeitungsartikel, der mich auf die Spur brachte. Mit Lageplänen des Lunalagers und vom Traumland Schönholz machten wir uns daran, den einstigen Standort von Schloss Schönholz noch einmal auszumessen. In alten Zeitzeugenberichten war oft die Rede von einer „Weißen Säule“.

polnische Teilnehmer an einer Fortbildung, Schloss Schönholz 1940

Ich hatte von Anfang an die Vermutung, dass es sich bei der sogenannten „Weißen Säule“ am Schloss um den Steinpokal handeln könnte. Auf einem Foto vom Museum Pankow sind die Teilnehmer eines Fortbildungslehrganges von 1940 vor der Säule zu sehen. Deutlich zu erkennen ist das P-Abzeichen auf Ihrer Kleidung.

Badel beim Zeichnen am Heide Theater 2017

Auch im Schloss Schönholz waren bis Kriegsende Zwangsarbeiter untergebracht. Der Steinpokal war tatsächlich sehr hoch, vor allem war er aber prächtig verziert. Er stand vermutlich, wenn auch in beschädigter Form, noch bis zum Abriss von Schloss Schönholz nach dem Zweiten Weltkrieg. In den Bauamtakten vom Heide-Theater ist die Weberstatue im Ganzen zu sehen und als Statue bezeichnet. Der Pokal aber ist nur als unbestimmtes Qadrat im handgezeichneten Lageplan zu finden.

Illustration Christian Badel 2017

Nachdem es nun so lange dauerte die Herkunft zu erforschen, schmerzt mich der Anblick des zerschlagene Sockels ganz besonders. Über hundert Jahre und zwei Weltkriege blieb er stehen, um dann in einer Nacht zerschlagen zu werden. Ich habe Christian Badel gebeten, die Reste noch einmal für mich zu zeichnen. Die nächsten zwei Winter wird der Sockel nicht überstehen und so verschwindet das letzte Stück Schloss Schönholz.

Autor: Christian Bormann, 12.07.2017

red. Bearbeitung: Martina Krüger, 12.07.2017

Bilder: Christian Bormann, Museum Pankower

Illustration: Christian Badel

Die Villa vor Schönholz und der Borussia Park

  • Zu den bekanntesten vergessenen Orten in Pankow gehört die Villa vor Schönholz. Das Grundstück gehörte 1911 der Terraingesellschaft Bahnhof Schönholz GmbH. Im historischen Andressverzeichnis ist der Mühlenbesitzer und Ingenieur Heinrich Bollenbach und später die Witwe M. Bollenbach eingetragen.
img_20170416_180047_754.jpg
Villa vor Schönholz 2017

Die mit prächtigem Stuck geschmückte Gründerzeitvilla war seit je her mit einem Park umgeben und lag zwischen dem Bahnhof Schönholz und der Heide. Mit der Schönholzer Heide, die sich bis zur Olympiade 1936 zu Berlins größtem Freizeit- und Erholungspark entwickeln sollte in der Nachbarschaft, lag es nah auch hier gewerblich zu feiern.

Restaurant  Schaller

Auf alten Postkarten sind die Namen unterschiedlicher Betreiber zu sehen. Zum einen wäre da Schaller’s Restaurant Tivoli und auch von Max Rudolph’s Restaurant Borussia Park sind noch Bilder erhalten. Eine der Karten zeigt den Eingang zum Borussiapark mit Blickrichtung Bahnhof Schönholz. Heute entspricht das der Kreuzung der Straße vor Schönholz Ecke Provinzstraße.

Provinz- Ecke Straße vor Schönholz

Auf den historischen Bildern ist noch der echte Treppenaufgang zum Säulenportal zu sehen. Die echte Fülle der Stuckarbeiten lässt sich erst anhand der alten Aufnahmen erahnen. In den Nachkriegsjahren wurde die Villa ab 1945 als Altenheim genutzt. Wärend dieser Phase wurde die innerdeutsche Staatsgrenze errichtet. Plötzlich lag das Altenheim im Borussia Park in der Sperrzone. Als erste Maßnahme wurden die Fenster Richtung Vorlandmauer, die nur einen beherzten Sprung entfernt stand zugemauert.

Max Rudolph’s Borussia Park

Die Fenster Richtung Wedding sind heute Parterre noch zugemauert. Auch der Dachstuhl und dessen Fenster sind nicht original. Das Altenheim musste 1975 einer Dienststelle der Volkspolizei weichen. Diese passte mit ihren Aufgaben eher in eine Zone mit gesonderter Zutrittsgenehmigung.

img_20170416_180729_753.jpg
Postkarte Restaurant Borussiapark

Im Verlaufe des weiteren Ausbaus des Todesstreifen wurde auch der Friedhof zwischen Bürgerpark und Villa in Mitleidenschaft gezogen. Über den Friedhof verlief jetzt die Vorlandmauer. Zeitzeugen berichteten, das die Leichname aus Gräbern, die jünger als 3 Jahre waren, exhumiert werden mussten. Die Gebeine sollen 2 Wochen im Keller der Villa vor Schönholz zwischengelagert worden sein. Wegen des bestialischen Verwesungsgeruchs beschwerten sich die Anwohner. Die Leichen sollen über Nacht wieder verschwunden sein.

Friedhof am Bürgerpark Schönholz

Seither wird vermutet, dass die menschlichen Überreste in einer Nacht- und Nebelaktion in der Heide verscharrt wurden. Tatsächliche Belege ließen sich hierfür aber nicht finden. Während der Zeit der Volkspolizei wurde das Gebäude auch für andere staatliche Unterdienststellen genutzt. Die Gesellschaft für Sport und Technik saß hier ebenso wie die Musterungsstelle der NVA.

Reisedokument gestempelt in Schönholz

Auch in den Jahren der Maueröffnung herrschte in der Villa vor Schönholz noch Ordnung. Auf den Papieren von Herrn Geheb, die in der Dienstelle der Villa gestempelt sind, befindet sich noch der amtliche Stempel der Volkspolizei Pankow auf dem Visum. Nach der Wende und der damit verbunden Abwicklung zahlreicher Dienststellen in Ostdeutschland wurde das Gebäude vom Gewerbeamt genutzt.

Reisedokument gestempelt in Schönholz

Hier begann der Untergang der Villa. Was niemand wusste, in den zum Teil 100 Jahre alten Akten des Gewerbeamtes schlummerte eine Zeitbombe. Und so berichtete auch schon kurz darauf der Berliner Kurier 1992 über mehrere Feuer im „Wirtschaftsamt“. Der Dachstuhl war angezündet worden. Der Kurierbericht war mir als Kind damals nicht bekannt und auch von der Funktion des Hauses wusste ich nichts.

img_20170416_175921_194.jpg
Villa vor Schönholz Hauptportal 2017

Eher zufällig kam ich in den Tagen nach dem großen Feuer an der Villa vorbei. Meine kindliche Neugier war geweckt. Auf dem Grundstück, keine 4 Meter vom Hausflureingang entfernt, stand ein kleines gemauertes Heizhaus. Ich betrat es als erstes, weil es abgesehen von einem Sprung über den Zaun frei zugänglich war. Ich staunte nicht nicht schlecht, der Ofen war randvoll mit amtlichen Akten und auch das gesamte Heizhaus war mit Bergen von Akten, die an unterschiedlichen Stellen angezündet worden waren, vollgestopft.

img_20170416_180104_347.jpg
Eingang Hausflur

Die in die Jahre gekommene Villa stand nach dem verheerenden Feuer ohne Dach da, zugemauert bis in den ersten Stock gab sie ein trauriges Bild ab. Ich wollte unbedingt hinein und so kletterte ich am Blitzableiter links vom Balkon die Fassade hoch. Auf dem Balkon angekommen betrat ich durch eine der Flügeltüren ein riesiges Amtszimmer im 1.OG. Auf den Tischen standen noch die Tassen, es sah aus wären die Beamten zur Mittagspause.

img_20170416_180146_549.jpg
Grundstück 2017

Die Schränke und Schubladen waren alle geöffnet oder herausgerissen, alles was das Haus an Akten hergab, wurde in den Hausflur und auf den Dachboden der Villa geschafft. Genauso wie im Heizhaus wurden auch hier die Feuer an mehreren Stellen gelegt. Dem Zufall der Geschichte ist es zu verdanken, dass die Feuerwehren schnell genug vor Ort waren.

img_20170416_175941_347.jpg
zugemauerte Fenster zum Todesstreifen

Der Plan, die Akten mit dem Gebäude zu vernichten, platzte. Bis heute ist unbekannt, wer für die Feuer verantwortlich ist. Ich stöberte in den Unterlagen, es waren durchgängig amtliche Gewerbeunterlagen aus Pankow, zum Teil schon zur Kaiserzeit angelegt.

img_20170416_180007_936.jpg
Botschaftsgekände Sambia 2017

Damals erregten die Stempel und ihre staatlichen Zeichen mein Interesse. Neben den Stempeln aus der Kaiserzeit hatten die mit Adler und Hakenkreuz einen besonders schaurigen Eindruck auf mich als Kind gemacht und so packte ich einige der Unterlagen ein und nahm sie mit.

img_20170416_175713_030.jpg
Versorgungschacht

Ich erinnerte mich noch gut an den gruseligen Keller. Aus dem zugemauerten Hausflur gab es kein Licht, es war dunkel und roch modrig, vereinzelt drang Sonnenlicht durch die vergitterten und notdürftig verbarrikadierten Kellerluken.

img_20170416_175827_054.jpg
Teil der Grenzanlage Provinzstraße

An den Wänden hingen noch Wandzeitungen zum Wohlgefallen des sozialistischen Bruders. Von den Leichen wusste ich damals noch nichts, zum schlecht träumen reichte der gruselige Keller aber allemal. Wochen später schaute ich mir einige der Dokumente, die ich aus der Villa mitgenommen hatte, genauer an.

img_20170416_175722_257.jpg
ehem. Straßensperren der Zufahrt Provinzstraße

Mir waren bekannte Namen von Straßen und Gewerben aufgefallen und so begann ich die Akten zu lesen. Mit dem Inhalt erklärte sich auch das Feuer. Es waren zum Teil schon zu Kaiserzeiten angelegte Gewerbeunterlagen, weitergeführt von den jeweiligen Regierungen, auch zu Zeiten der Nationalsozialisten reine Gewerbeunterlagen. Erst mit der Vortführung der Akten durch die Deutsche Demokratische Republik beinhalteten die Gewerbunterlagen Stasidossiers.

Meister Liebe’s Borussia vor Schönholz

So war gleich in der ersten Akte das Dossier über den Betreiber einer Kneipe in der Brehmestraße.  Aus dem Text ging sinngemäß hervor, der Gastwirt Mustermann hätte eine Vorliebe für junge Männer. Da dieses sein Geheimniss sei, könne man die Person im Bedarfsfall mit diesen Erkenntnissen konfrontieren und unter Druck setzn.

IMG_20170713_083131_451
Luftbild Villa vor Schönholz

Der brisante Inhalt der Gewerbeunterlagen war der Auslöser für das verheerende Feuer. Die Beteiligten wussten, dass es eine Frage der Zeit war, bis ihr Inhalt entdeckt und die Verantwortlichen hätten belangt werden können. Die Villa wurde grundsaniert und 1999 von Sambia als Botschaft gekauft, wegen fehlender Mittel aber nie bezogen. Jetzt ist das Haus wieder verblombt und gammelt vor sich hin. Zuständig ist das Auswärtige Amt. Das sieht kein Grund zu handeln.

https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=1527555050648448&substory_index=0&id=954046311332661

Autor: Christian Bormann, 09.07.2017

red.Bearbeitung: Martina Krüger, 09.07.2017

Fotos: Christian Bormann, Hannes Geheb, Annemarie Weister (Freundeskreis der Chronik Pankow e.V.) / Friedhof III,

Luftbild :Guido Kunze

Der Ofen ist aus in Pankows ältester Bäckerei

Pankows älteste Bäckerei gibt auf. Als Café Hein 1896 in der Florastraße 34 eröffnet, hielt sich der Betrieb bis zum 30.06.2017. Ganze 121 Jahre begleitete die Bäckerei ihre Pankower Kundschaft durch die Irrungen und Wirrungen der Geschichte.

IMG_20170629_142718_676
Bäcker Gabriel 29.06.2017

Wie viele andere auch kaufte ich hier schon als Kind auf meinem Schulweg Kekse und Pfannkuchen. Auch mein Vater holte hier gern seine Mohnstangen. Der Bäckermeister selbst ist am 10.04.1941 in der Köpenicker Straße in Berlin-Mitte geboren. Der Vater 1944, eingezogen fiel bereits 9 Monate später.

IMG_20170701_101845_442
Bäckerei Hein 1902

Die ersten Jahre seiner Kindheit verbringt er wie viele andere Kriegsgeschädigte auf der Flucht. In Niederschönhausen besucht Jürgen Gabriel die Schule. Auf dem historischen Foto der Bäckerei Hein von 1902 ist ein kleiner Junge zu sehen. Dieser unscheinbare Junge war später sein Lehrer in Niederschönhausen und dafür verantwortlich das Gabriel 1955 seine Bäckerlehre  begann. Arnold Hein gab seine Bäckerei 1971 an einen Nachfolger ab.

IMG_20170629_142614_679
historische Backwarenauslage

Dieser verfiel zunehmend dem Alkohol. Die Bäckerinnung und das Rathaus Pankow mussten reagieren und so wurde aus dem Gesellen der Bäcker. Am 18.08.1981 übernahm Jürgen Gabriel das Gewerk. Seine Wohnung befand sich gleich hinter der Fein Bäckerei. Mit einem verschmitzten Lächeln erzählt er: “ Ich hatte die Auflage bekommen innerhalb eines Jahres den Meister zu machen.“

IMG_20170629_152833_634
Bäckermeister Jürgen Gabriel in seiner Backstube 2017

„Für die Buchhaltung gab man mir 6 Monate.“ Es wird 2 Sekunden still, dann haut sich der Meister auf die Oberschenkel und lacht laut los. „Das habe ich bis heute nicht gemacht.“ Verwundert frage ich ihn: „Woher kommt dann der Meiser?“

IMG_20170629_152630_931
Der Bäckereiofen

Der Meistertitel wurde ihm später auf Grund seiner Leistung offiziell zuerkannt. Der Bäckermeister ist in den letzten Jahren oft zu Gast bei mir gewesen. Ich habe den ruhigen freundlichen Man sehr schätzen gelernt. Wir wollten schon vor 2 Jahren die Geschichte seiner Bäckerei aufschreiben. Als mich Christian Badel informierte, dass Gabriel schließt habe ich den Meister nochmal in seiner Bäckerei besucht. Bereits um 10 Uhr war die Bäckerei an ihrem letzten Tag wie leer gefegt.

IMG_20170701_091430_351
Feinbäckerei Gabriel, Illustration Christian Badel

Kunden konnten sich ihre Lieblingsbackwaren vorbestellen und einen kleinen Vorrat im Tiefkühler anlegen. Entlang der Florastraße werden also auch in den nächsten Wochen noch Schrippen von Gabriel gegessen. Die Illustration von Christian Badel hat es im Original bis in die Hauptstadt von Tunesien geschafft. Dort lebt jetzt ein ehemaliger Hausbewohner, der die Bäckerei auf dem Aquarell mit seinem Pankow verbindet. Der Titel „Pankows älteste Bäckerei“ geht heute über an die Bäckerei und Konditorei Pawlik in der Wilhelmsruher Hauptstraße. Die Konditorei ist seit 1918 in Familienbesitz und mit dem heutigen Tage wird sie zur ältesten Bäckerei in Pankow. Wir wünschen Jürgen Gabriel einen wohl verdienten ruhigen Lebensabend und der Familie Gabriel und ihren Mitarbeitern Frau Neumann und Frau Rekke alles Gute für die Zukunft.

Autor: Christian Bormann

red.Bearbeitung: 01.07.2017, Martina Krüger

Bilder: Christian Bormann,

Illustration: Christian Badel

Carl Maria von Weber in Pankow

Anlass für diese Geschichte ist ein kleiner, unscheinbarer Sockel. Genauer gesagt sind es zwei. Den zweiten kleineren Sockel konnte ich bei meinen Recherchen „Auf den Spuren von Schloss Schönholz“ zuordnen.

Das „Rettschlagtor“ empfing seine Gäste an der Hermann-Hesse-Straße, damals Bismarckstraße. Dahinter befand sich das ehemalige Gutshaus Schloss Schönholz. Hans Rettschlag betrieb hier seine Gastwirtschaft nebst erweitertem Tanzsaalanbau. Später stand hier das heute versunkene Heide Theater.

„Rettschlagtor“ 2017, heute rückwärtige Einfahrt vom Paul-Zobel-Sportplatz

Für die Geschichte habe ich mich mit meinem Bekannten, dem Künstler Christian Badel in der Schönholzer Heide verabredet. Ich schätze seine kolorierten Zeichnungen sehr. Die Kinderillustrationen ebenso sehr wie die historischen Pankower Ansichten. So verabredeten wir uns kurzerhand zu dieser und weiteren Geschichten.

img_20170326_010832_281.jpg
Rätselhafter Sockel am Heide Theater

Hinter dem Retschlagtor liegt das Heide-Theater und an seinem Foyer steht noch der mächtige Sockel einer überlebensgroßen Statue. Als Jugendlicher habe ich mich geradezu unter der Schönholzer Heide durchgewühlt. Bis Ende 2016 gelang es mir nicht, die fehlende Plastik zu bestimmen.

img_20170226_055611_048.jpg
Kleiner Pokalsockel der Schützengilde vom Schloss Schönholz 2017

Anders verhielt es sich bei dem zweiten, weitaus kleineren Sockel. Diesen konnte ich als Überrest des einstig als Schützenhaus genutzten Gutshauses Schönholz identifizieren. Altersbestimmung des Sockels und ein archivierter Zeitungsausschnitt machten es möglich. Auf dem Sockel, der im rückwärtigen Garten stand, befand sich noch bis in die 1940er Jahre ein Schützenpokal aus Steinzeug.

img_20170326_010730_242.jpg
Carl Maria von Weber-Plastik in der Schönholzer Heide

Im Februar 2017 traf ich mich mit dem Freundeskreis der Chronik Pankow e.V. zu einer Begehung in der Heide. Inhalt des Treffens war ein Gedankenaustausch anlässlich ihrer aktuellen Ausstellung über die Schönholzer Heide.

img_20170326_010755_229.jpg
Weberdenkmal vermutlich zur Einweihung

Es war Frau Mach vom Freundeskreis der Chronik Pankow die mich darauf hinwies, dass es sich einst um die Statue von Carl Maria von Weber handelte. Frau Mach war es auch, die mir diese historischen Aufnahmen gab. Sie selbst war als junge Frau Gast im einstigen Freilichttheater. Meine Neugier war geweckt.

IMG_20170625_215030_899
Weber-Sockel Christian Badel 25.06.2017

Und tatsächlich wurde ich in den Sammlungen der Deutschen Weber Stiftung fündig. Der am 18. oder 19.11.1786 in Eutin geborene Komponist, Dirigent und Pianist Carl Maria Friedrich Ernst von Weber war in Pankow. Das geht aus den Reise-Briefen Webers hervor.

IMG_20170625_215125_827
Historische Nachillustration Christian Badel 25.06.2017

In tagebuchähnlichen Eintragungen heißt es beispielsweise: „Sonntag 28. Juni 1812 Berlin, Pankow“ – nach Pankow zu Jord. Fried. gefahren, – mit Jettchen angezettelt, Kutscher Trinkgeld

Oder an anderer Stelle: „Mittwoch 22. Juli 1812 Berlin, Pankow“ – Mittag zu Hause, -Nachtische nach Pankow zu Kielemann und Hellwigs morgenden Geburts. gefeiert, gesungen, gespielt der arme Fuchs um 2 Uhr nach Hause fuhre.

Im Zusammenhang mit dem einstiegen Heidetheater stand Weber hier wohl goldrichtig. Frau Mach erzählte weiter, dass sich im Nachlass des Bildhauers eine Miniatur der Weber-Statue befand. Die Deutsche Weber Stiftung lehnte den Ankauf seiner Zeit ab. Der weitere Verbleib der Miniatur ist nicht bekannt.

IMG_20170625_155411_608
Christian Badel beim zeichnen des Weber-Sockels

Vielen Dank Christian für den schönen Nachmittag und die historische Illustration der Geschichte.

IMG_20170625_155431_125
Christian Badel (links), Christian Bormann (rechts) Juni 2017 Schönholz

Link zum Beitrag von Christian Badel

https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=1520016371394614&id=100001587964267

 

 

Video 22: Dreharbeiten mit der Drohne zum Dreiteiler Schönholzer Heide im April 2017.

IMG_20170605_225031_821
https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=1419531424784145&id=954046311332661

Autor: Christian Bormann, 05.06.2017

red.Bearbeitung: Martina Krüger, 26.06.2017

Illustrationen: Christian Badel, 25.06.2017

Fotos: Christian Bormann, Christian Badel, Jutta Mach (Freundeskreis der Chronik Pankow e.V.), Museum Pankow