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Das Waldhaus-Sanatorium Berlin-Buch

Die Heilanstalten Berlin-Buch umfassten mehrere Krankenhäuser und Pflegeheime. Ursprünglich begann alles mit zwei Lungensanatorien, zwei Psychatrischen Kliniken sowie einem Alters- und Pflegeheim. Dem angeschlossen war ein Anstaltsfriedhof.

Heimstätte für Brustkranke „Das Waldhaus“, 1910

Unter der Leitung des damaligen Stadtbaurates und Architekten Ludwig Hoffmann enstand die kleine Krankenhaustadt 1898 bis 1930. Mein persönliches Lieblingsgebäude ist das sogenannte „Waldhaus“. Die Heimstätte für Brustkranke wurde ab 1901 erbaut und ging 1905 in Betrieb. Bis zu 150 Tuberkulosekranke sollten hier an der frischen Luft von Buch wieder zu Kräften kommen.

Luftaufnahme „Am Waldhaus“, April 2022

Das T-Förmige Gebäude ist einem barocken Schloss nachempfunden. Die Fassadengestaltung soll von Hoffmann einst viel prunkvoller geplant gewesen sein, wurde aber aus Kostengründen vereinfacht.

Luftaufnahme Plattenbau „Am Waldhaus“, April 2022

Im Inneren beherbergt das Waldhaus einen großen zentralen Saal unter dem Mittelschiff, eine von Säulen getragene Galerie endet an der Rundbogendecke. Die Enden der Säulen sind knapp unter der Galerie mit Figurenschmuck vom Bildhauer August Vogel verziert. Die drei Flügel des Sanatoriums verfügen neben einer Küche über unzählige Flure sowie kleine und große Treppenaufgänge mit wunderschönen schmiedeeisernen Jugendstilgeländern.

Sanatorium „Am Waldhaus“, April 2022

Entlang der Flure befinden sich die Krankenzimmer und Liegehallen. In einigen Teilen des Gebäudes sind noch die originalen farblichen Gestaltungen von Franz Naager erhalten. Das altehrwürdige „Waldhaus“ hat viele Regierungen überstanden, bis es dann 1992 endgültig stillgelegt wurde.

Eingangsbereich, dahinter Foyer zum großen Saal, April 2022

Eine landeseigene Berliner Immobiliengesellschaft verwaltete das Sanatorium seit seiner Stilllegung. Schon bald wird das gesamte Areal mit einem großen Wohnbauprojekt umgestaltet. Das unter Denkmalschutz stehende Waldhaus soll erhalten bleiben und selbst 200 Wohnungen beherbergen.

Krönung des vorderen Terasseneingangs

Die jahrelange Versiegelung des Gebäudes wurde schon vor einiger Zeit enfernt. Bis dahin war der Zutritt nur über einen Kriechtunnel, der die Fernwärmeleitung vom Plattenbau in das Sandhaus führte, möglich. Das Gebäude wird also entweder kommerziell umgestaltet oder durch die fehlende Versiegelung von Randalieren zerstört, wie im Fall des „Säuglings- und Kinderkrankenhauses Weißensee“ geschehen.

Zerstörte Türflügel und Fenster auf der Süd-Terrasse zum großen Saal, April 2022

Alles Gründe genug, das alte Sanatorium im April 2022 noch einmal zu besuchen und seine Geschichte anhand einiger Fotos noch einmal zu erzählen. Auch in diesem desolaten Zustand beeindruckt das Waldhaus heute noch von innen und außen. Der morbide Charme abbröckelnder Farbe in Fluren, deren Konturen nur im Restschein der mit Brettern vernagelten Fenster zu erkennen sind, ist beeindruckend.

Treppe zur Terrasse am großen Saal, April 2022

Das gesamte Sanatorium ist bis auf eine alte Phönix-Nähmaschine aus den 1920er Jahren im Keller beräumt. Die verwaisten Liegesäle und die endlosen Flure mit ihren offenstehenden Türen zu den Krankenzimmern wirken gespenstisch. Beeindruckend ist der große Saal, in den man mühelos über die Terrasse gelangt. Jahrzehntelang ein Ort der Begegnung und Hoffnung, wartet er heute im Halbdunkeln auf seine Erweckung.

Graffiti am Sandhaus, April 2022
Foyer der Klinik, April 2022
Kellertreppe
Keller der Klinik
Keller mit Versorgungsräumen, April 2022
Phoenix-Nähmaschine, ca. 1920
Keller mit technischer Einrichtung, April 2022
Unterrichtskabinett für Elektronik, EDV, BMSR, April 2022
Keller
Kellertreppe
Flur
Flur
Großer Saal von Ludwig Hoffmann, August Vogel und Franz Naager, April 2022
Galerie im großen Saal
Autor Christian Bormann im großen Saal, April 2022
Figurenschmuck von August Vogel im großen Saal
Großer Saal
Treppenhaus
Flur zu den Patientenzimmern
Hausaufgang
Liegesaal für Tuberkulosekranke, April 2022
Treppenhaus
Graffiti
Alte Fenster
„Das Waldhaus“ Berlin-Buch, April 2022
Projektentwurf, Quelle: Immobilien Aktuell 04.10.2022

Autor: Christian Bormann

Red. Bearbeitung: Martina Krüger

Fotos: Christian Bormann, Guido Kunze, Immobilien Aktuell (04.10.2022)

Das Pankower Park-Sanatorium

Der Arzt Dr. med. A. Blitz erwarb das Grundstück Breite Straße 32 am alten Dorfanger. Zuvor lag hier ein Bauerngehöft, was die enorme Größe des Grundstück erklärt. Blitz ließ 1885 ein Sanatorium mit Badehaus und Parkanlage erbauen. Die verantwortlichen Architekten waren Hugo Sonnenthal und Friedrich Kristeller. Ein architektonisches Juwel der Gründerzeit. Das Innere war im prächtigsten Jugendstil gestaltet.

Pankower Park-Sanatorium

Nächster Eigentümer war Dr. med. Rosenstock, ihm folgte sein Schwiegersohn, der Regierungsbaumeister a.D. Schmidt-Werden. Neben der modernsten technischen Ausstattung jener Zeit verfügte das Park-Sanatorium auch über ein Badehaus. Seiner Zeit verkehrten hier die Wohlhabenden, auch viele reiche Russen sollen zu Gast gewesen sein.

Speisesaal Pankower Park-Sanatorium

Zum Ende des 1. Weltkrieg lag die Wirtschaft am Boden und Gäste blieben aus. Das Sanatorium schloss 1918 seine Tore. Ein Jahr darauf zog das Finanzamt in das Gebäude. Parallel zum alten Anger direkt an der Breiten Straße stand noch ein Gebäude.

Breite Straße 32 Nervenheilanstalt/Augenklinik

Das Wohnhaus Breite Straße 32 diente ab 1885 Dr. med. Rudolf Gnauck als Kur- und Nervenheilanstalt für Frauen. Gnauck erweiterte seine Heilanstalt durch Zukauf einer Villa mit Grundstück in der Mühlenstraße.

Kur- und Nervenheilanstalt Gnauck

Auf Gnauck folgte in den 1930er Jahren der Augenarzt Willi Gutsch. In dem ehemaligen Wohnhaus Breite Straße 32 betrieb er seine Augenklinik, das Grundstück mit Villa in der Mühlenstraße wurde wieder abgetrennt und 1936 dem Maurermeister Ferdinand Schulze verkauft. Von ihm stammen auch die erhaltenen Initialen in der Gartentür.

Ehemaliges Pankower Park-Sanatorium Breite Straße 32 heute Dusekestraße

Dem Finanzamt im Park-Sanatorium folgte zu DDR-Zeiten eine Dienststelle des Stadtbezirksbauamtes und ab 1990 das Sozialamt Pankow. Nach Auszug des Sozialamts verfiel das historische Gebäude schnell. Heute wird das Gebäude der Dusekestraße zugerechnet. Es erstrahlt saniert im alten Glanz und beherbergt 24 Luxus-Eigentumswohnungen.

Autor: Christian Bormann 21.12.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 30.03.2016