Schlagwort-Archive: vergessene Orte

Das vergessene Kaisergrab in Buchholz

Schon vor dem Ende des 19. Jahrhunderts florierte in Pankow das Vereinswesen. Beispielhaft hierfür ist der Gründer und 1. Präsident des 1. FC Bayern München, Franz John. Der Pankower Fotograf aus der Kreuzstraße war keine Ausnahme.

IMG_20170923_162538_183
Vorplatz der Kirche in Buchholz 2017

Auch in Buchholz existierten um 1890 zahlreiche Vereine. Zu den einflussreichsten Gesellschaften gehörten oft die Schützenvereine. So hatte der Buchholzer Schützenverein sein Heim zentral am Dorfplatz neben der Kirche.

IMG_20170923_165040_244
Kaiserdenkmal Buchholz 1914

Ein weiterer war der Männerturnverein Buchholz. Dieser war es auch, der auf die Idee kam, auf dem Kirchenvorplatz ein Denkmal für Kaiser Wilhelm I. errichten zu lassen. Kaiser Wilhelm I. war ab 1861 König von Preußen und ab 1871 Kaiser von Deutschland.

IMG_20170923_165337_778
Kaiserdenkmal Wilhelm I. Buchholz 1904

Gesagt getan, im Handumdrehen hatten die Vereinsmitglieder einen nicht unerheblichen Spendenbeitrag aufgebracht. Und so lud die Gemeinde Buchholz schon am 22. März 1897 zur Einweihungsfeier auf den Kirchenvorplatz.

IMG_20170923_165156_583
Kaiserdenkmal Buchholz 1914

Nach dem 1. Weltkrieg hatten die Deutschen genug vom Kaisertum. Nach 23 Jahren sollte Wilhelm vom Dorfplatz verschwinden. Das gesamte prächtige Kaiserdenkmal wurde 1920 abgetragen und an Ort und Stelle vergraben. Bis heute ruht das Denkmal knappe 2 Meter unter seinem einstigen Standort und wartet auf seine Wiederentdeckung.

27999244_1418991428211292_736160218_o.jpg
Die Kirche aus der Luft, 2018

Buchholz Kirche 360° Panorama

https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=1795997560470861&id=954046311332661

Autor: Christian Bormann, 01.10.2017

red.Bearbeitung: Martina Krüger, 01.10.2017

Luftbild: Guido Kunze, 09.02.2018

Fotos: Christian Bormann, historische Postkarten, Freundeskreis der Chronik Pankow e.V (1)

Säuglings- und Kinderkrankenhaus Weißensee

Mit steigender Geburtenrate Anfang des 20. Jahrhunderts nahm auch die Sterberate von Säuglingen zu. Als Gegenmaßnahme wurden in Preußen Säuglingskrankenhäuser errichtet. Das Säuglings- und Kinderkrankenhaus Weißensee war das erste seiner Art in Preußen. Initiator war der von Dr. Julius Ritter gegründete Verein „Säuglingskrankenhaus Berlin“.

Säuglings- und Kinderkrankenhaus Weißensee

Mit Unterstützung des Kreises Niederbarnim konnte die Gemeinde Weißensee 375.000 Mark für den Krankenhausbau aufbringen. Auf dem 28.000 Quadratmeter großen Grundstück erfolgte 1909 die Grundsteinlegung. Mit Planung und Aufsicht der Arbeiten war der Gemeindebaurat Carl James Bühring beauftragt. Am Vormittag des 8. Juli 1911 wurde das Haus mit Parkanlage an der heutigen Hansastraße eingeweiht.

Säuglings- und Kinderkrankenhaus Weißensee

Das Haus hatte Kapazität für 60 Säuglinge. Zu den Besonderheiten gehörte die ebenfalls erste und einzige „Milchkuranstalt“ in Preußen. Die im Krankenhauskomplex integrierte „Milchkuranstalt“ umfasste neben einem Kuhstall für 38 Kühe und einer Molkerei auch Anlagen zur Milchverarbeitung.

Säuglings- und Kinderkrankenhaus Weißensee

Für den Transport und die Lagerung der Milch war ebenfalls gesorgt. Neben dem Kuhstall gab es auch ein Pferdestall für 6 Rösser samt Knechtstube und Remise für drei Wagen. Eine weitere Besonderheit war der im Park gelegene Isolierpavilon. Hier wurden Keuchhusten und Diphtherie behandelt.

Säuglings- und Kinderkrankenhaus Weißensee

Das Säuglings- und Kinderkrankenhaus Weißensee war das führende seiner Art in ganz Europa. So richtete es vom 11. bis 15. September 1911 den 3. Internationalen Kongress für Säuglingsschutz in Berlin aus. Die von der Gemeinde Weißensee gestiftete Figur „Caritas“ ist verschwunden, erhalten ist nur der Sandsteinsockel.

Säuglings- und Kinderkrankenhaus Weißensee

Im Rahmen der Berliner Gebietsreform 1920 erfolgte die Eingemeindung von Weißensee nach Berlin. In deren Folge wurde die „Milchkuranstalt“ herausgelöst. Sie ging an die „Berliner Stadtgüter“ über und bildete die Basis des 1965 gegründeten „Milchhof Heinersdorf“. Die letzte Großinvestition war das neue Bettenhaus als ergänzender Anbau an der Rückseite der historischen Klinik.

Säuglings- und Kinderkrankenhaus Weißensee

Die Grundsteinlegung erfolgte 1985, Einweihung war im Oktober 1987. Schon 10 Jahre später am 1. Januar 1997 wurde das Säuglings- und Kinderkrankenhaus geschlossen. Das Land Berlin ließ sich 2005 von der Bio Resonanz GmbH um das Grundstück betrügen, 2011 trat Berlin vom Kaufvertrag zurück.

Säuglings- und Kinderkrankenhaus Weißensee

Seither beschäftigen sich die Gerichte mit der Rückabwicklung. Inzwischen hat es dutzende Male gebrannt. Die Gebäudesubstanz ist nicht mehr zu retten. So verliert das Krankenhaus auch seinen Denkmalschutz.

Autor: Christian Bormann 25.01.2015
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 30.03.2016

Bilder: Hintze CPS

Schönholz: Der Heide-Bunker

In der Schönholzer Heide gibt es immer noch einen Bunker, einige Besucher verwechseln auch heute noch das versunkene Heide-Theater mit einer Bunkeranlage.

Schönholzer Heide Theater
Heide Theater

Den noch erhaltenen oberirdischen „Heide-Bunker“ kennt so ziemlich jeder Pankower. Er liegt an der Ziegelsteinmauer des Schützenhauses „Schloss Schönholz“, gut sichtbar zwischen Hermann-Hesse-Straße und geschottertem Fußballplatz.

img_20170220_163951_125.jpg
Heide- bzw. Luna Bunker

Nach verstärkten Luftangriffen auf Pankow diente er zunächst als öffentlicher Schutzbunker, bevor aus Platzmangel Luftschutzbunker in den Kellern der Wohnhäuser angelegt wurden.

Schönholzer Heide Bunker von Innen
Bunker Inneres

Später gehörter der Bunker zum Zwangsarbeiterkomplex „Luna Lager“. Nur sehr Wenige kennen noch die zwei alten Geschütztürme mit ihren Schießscharten, diese dienten wohl der Bewachung des sogenannten „Luna-Lager“. Sie liegen südlich und nördlich der Straße vor Schönholz.

Geschützturm
Geschützbunker Straße vor Schönholz

Den Namen bekam das Lager von den Pankowern, da es auf dem Gelände des ehemaligen „Luna Park“-Nachfolger „Traumland“ stand. In Pankow gab es zahlreiche Zwangsarbeiterlager, das „Luna-Lager“ war das zweitgrößte in Berlin. Zahlreiche Baracken standen auf dem Gelände des alten Vergnügungsparks „Traumland“. Auch die „Thiemannschen Festsäle vor Schönholz“ sowie das „Schloss Schönholz“ dienten zur Unterbringung.

img_20170227_001049_715.jpg
Restaurant Schloss Schönholz

Die Zwangsarbeiter wurden unter anderen in den Deutschen Waffen und Munitionsfabriken AG Berlin Borsigwalde, in den Argus Motorenwerken Berlin Reinickendorf sowie den Bergmann Elektrizitätswerken eingesetzt.

Kriegsgräbergedenkstätte
Ehrenhain für die Kriegsopfer

Ein kleiner eingezäunter Ehrenhain mit Gedenktafeln erinnert heute noch an die Opfer des II. Weltkrieges. Ein weiterer Bunker soll sich laut einem „NVA Forum“ angeblich unter einem der zwei „Knochenberge“ befinden.

img_20160602_104542.jpg
Kimpostierpkatz Bezirksamt, Knochenberge

Diese sind die abgetragenen Reste des Friedhofs VI, der 1943 aus Platzmangel für innerstädtische Bombenopfer angelegt und bereits 1946 teilweise wieder geschlossen wurde. Ein Bunker befindet sich darunter nicht. Wer abseits der Wege etwas stöbert, findet große Betonbrockenansammlungen, viele schon überwachsen.

Betonreste Schönholzer Heide
Fundamrntbrocken Luna Lager

Hierbei handelt es sich um eine Mischung aus Fundamentbrocken der Zwangsarbeiterbaracken. Hinzu kommen noch abgetragene Reste von zerbombten Mietshäusern sowie Hausmüll, den anliegende Bewohner zu DDR Zeiten hier deponierten.  Die noch existierenden unterirdischen Zugänge gehören zu Versorgungsräumen und Schächten von „Traumland“, „Luna-Lager“ und „Heidetheater“. Aber auch diese sind inzwischen teilweise oder ganz mit einer Mischung aus militärischen Überresten und Steinschutt verfüllt.

Autor: Christian Bormann, 27.07.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Bilder:
Hintze CPS
Nadine Kreimeier
NVA-Forum
historische Ansichten Pankow
Wikipedia