Pankow und des Kaisers neue Kutschen

In der Breiten Straße 17 in Pankow war die Kutschwagenbauanstalt der Gebrüder Wienicke ansässig. Die 1869 gegründete Firma siedelte 1877 nach Pankow um, hier wurde das Geschäft von den Söhnen E. Und C. Wienicke fortgeführt.

Werbung der Kutschwagenbazanstalt Gebrüder Wienicke
Reklame Karosseriefabrik Wienicke

Ab 1907 übernahmen Hermann und Wolf Bose die Geschäfte.
Vor dem Ersten Weltkrieg wurden hier die unterschiedlichsten Fahrzeuge für den Kaiserlichen Hof gebaut. Während des Ersten Weltkrieges wurden hier die sogenannten Krümperwagen hergestellt.
Hierbei handelte es sich um Fahrzeuge, die gegen Bezahlung den berittenen Truppen zur Verfügung gestellt wurden.

Eingang der Kutschwagenbauanstalt Wienicke Breite Straße 17
Kutschwagenbauanstalt Wienicke Breite Straße

Nach 1918 war es vorbei mit dem Kutschenbau für Kaiser und Heer, die Produktion wurde auf den Bau von Automobilkarosserien umgestellt. Die Fabrik beschäftigte 1927 noch 250 Arbeiter, bevor sie 1930 ihre Tore schloss und den Betrieb einstellte.

Autor: Christian Bormann, 24.11.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 30.03.2016

Die Berliner Wagenachsen Fabrik

Die Berliner Wagenachsenfabrik in Pankow wurde 1884 von Leuthold Gieseke gegründet. Auf den Grundstücken Schulzestraße 29-34 nahm das Unternehmen von Leuthold Gieseke, später Eggebrecht und Schumann, seinen Anfang.
Haupttätigkeit war die Herstellung von Achsen und Patentachsen für Automobile und Lastkraftwagen.

Postkarte der Berliner Wagenachsenfabrik in Pankow
Reklame Berliner Wagenachsen Fabrik

Das Unternehmen gehörte damals zu den führenden Gewerbebetrieben in Pankow. Die Berliner Wagenachsenfabrik wuchs so rasant, dass der Betrieb erweitert wurde, hierzu kaufte Gieseke die Grundstücke Schulzestraße Nr. 27, 28, 32 und 33 hinzu.
Die Postkarte zeigt die Fabrik im Jahr 1895, im Hintergrund ist der alte Nordbahnhof Pankow, heute S-Bhf Wollankstraße zu sehen.

Fabrik der Berliner Wagenachsenfabrik in Berlin Pankow
Wagenachsenfabrik Schulzestraße

Vom Grundstück Schulzestraße 32 führte ein eigener Privatweg von der Fabrik zum Bahnhof. Auf dem ehemaligen Fabrikgelände steht heute ein Garagenkomplex, der zu DDR-Zeiten aufgrund der Berliner Mauer nur mit Passierschein zu betreten war.

Autor: Christian Bormann, 22.11.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 30.03.2016

Sonderzug nach Pankow

Am 5. März 1979 führte der Radiosender SFB ein Interview mit Udo Lindenberg. Im Rahmen des Interview äußerte Lindenberg den Wunsch, ein Konzert in Ost-Berlin zu geben.

pankowerchronik.blog.de
Udo Lindenberg im Rathaus Pankow 2015

Das Staatliche Komitee für Rundfunk der DDR erhielt einen Tag später den Mitschnitt des Interviews als Information.
Der Chefideologe und Kulturverantwortliche der DDR, Kurt Hager, schrieb am 9. März 1979 handschriftlich auf die Information „Auftritt in der DDR kommt nicht in Frage“. Lindenberg soll sehr verärgert über diese engstirnige Reaktion gewesen sein. Auch in den folgenden Jahren gelang es ihm nicht, seinen Plan umzusetzen.

Sonderzug nach Pankow
Sonderzug nach Pankow

Anfang 1983 kam Lindenberg auf die Idee, als Antwort auf die anhaltende Ablehnung der DDR Führung einen Songtext zu schreiben. Hierfür verwendete er die Melodie von Glenn Millers Swing-Klassiker „Chattanooga Choo-Choo“. Lindenbergs deutscher Text richtet sich direkt an den damaligen Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker.

Staatsratsvorsitzender Erich Honecker
Erich Honecker

Der Bezug zu Pankow entstand über das Schloss Schönhausen, hier saß 1949 bis 1969 der Präsident der DDR und anschließend bis 1964 der Staatsrat der DDR. In der Zeit des „Kalten Krieges“ war Pankow ebenfalls ein Synonym für den „Regierungssitz“ der sowjetisch besetzten Zone.

Pankow Schloss Schönhausen
Schloss Schönhausen 2014

Am Ende des Liedes ist eine Bahnhofdurchsage in russischer Sprache zu hören. Der Originaltext lautet: „Towarischtsch Erich! Meschdu protschim, werchownij sowjet ne imejet nitchewo protiw gastrolej Gospodia Lindenberga w GDR!“ in der deutschen Übersetzung: Genosse Erich, im Übrigen hat der Oberste nichts gegen ein Gastspiel von Herrn Lindenberg in der DDR.

Songtext Sonderzug nach Pankow von Udo Lindenberg

Autor: Christian Bormann, 20.11.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 30.03.2016

Foto (Udo Lindenberg): Steffen Prahl

Die Pankower Aktie

Die Vereinigten Isolatorenwerke AG wurde am 4. April bzw. am 18. Mai 1905 gegründet und mit Wirkung zum 1. Januar 1905 am 23. Mai 1905 eingetragen. Ihren Hauptsitz hatte die Firma in der Wollankstraße 32-33 in Pankow.

Die abgebildete Aktie wurde am 24. September 1927 zu einem Nennwert von Einhundert Reichsmark ausgegeben.

Aktie der Vereinigten Isolatorenwerke AG Pankow bei Berlin
Aktie Vereinigte Isolatorenwerke

Nach ihrer Gründung erwarb die Gesellschaft die Anteile der 1895 gegründeten Ambroin-Werke GmbH in Pankow bei Berlin und der Asbest- und Gummiwerke GmbH in Rathenow. Beide Firmen wurden 1907 aufgelöst und der Betrieb von der Vereinigten Isolatorenwerke AG übernommen. Die Fabrikgrundstücke in Rathenow wurden 1917 verkauft.

Die Vereinigten Isolatorenwerke AG war spezialisiert auf die Herstellung von elektronischen Gegenständen sowie Gegenständen aus Kunstmassen. Ab dem 31. Mai 1937 arbeitete die Firma unter dem Namen Viaco Werke. Großaktionär ab 1943 war die AEG Berlin mit 51% Firmenanteil. In der Zeit des Nationalsozialismus arbeiteten in den Viaco Werken, wie in vielen anderen Industriezweigen, Zwangsarbeiter. Die Wertpapier-Bereinigung erfolgt 1950, 1968 wurden die Viaco Werke abgewickelt und aus den Registern gestrichen.

Autor: Christian Bormann, 19.11.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 30.03.2016

Der Baumeister "Schinder Schmidt"

Die Firma Carl Schmidt wurde 1903 in Pankow gegründet.
Hauptsächliche Bauausführungen waren Hoch-, Tief- und Eisenbetonbau. Der Architekt und Baumeister Schmidt pachtet 1906 das Grundstück des Elisabethstifts bevor er es 1919 kaufte.
Die vorhandenen Gebäude gestaltete er nach seinen Vorstellungen um.

Villa Schmidt
Neue Schönholzer Straße 1928

Die zweistöckige Villa in der Schönholzer Straße 4 ist bis heute erhalten und zeigt die für Schmidt typische rot braune Klinker Fassade. Unter den Pankower Bauarbeitern war er bekannt als „Schinder Schmidt“. In den zwanziger Jahren baute „Schinder Schmidt“ mit seiner Firma den westlichen Erweiterungsbau des Rathaus Pankow nach Plänen von Rudolf Klante und Alexander Poeschke. Auch die Ortskrankenkasse in der Florapromenade, das Gesundheitshaus Grunowstraße, Hauptzollamt und Hauptpostamt sowie zahlreiche Pankower Wohnhausbauten führte „Schinder Schmidt aus.

Autor: Christian Bormann, 16.11.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 30.03.2016

Der verbotene Pankower Adler

Zur Einweihung des Rathaus Pankow am 18. April 1903 krönte ein prächtiger preußischer Adler das Gebäude, hoch oben breitete er seine mächtigen Schwingen über Pankow aus. Es finden sich auch Quellen, in denen er als Brandenburger Adler beschrieben wird.

img_20171119_090356_127-1299725957.jpg
Nachbildung des Rathausadlers

Die Gebäudespitze des Rathaus ist heute noch mit einer Reichskrone geschmückt. Der preußische Adler hingegen überstand den 2. Weltkrieg nicht. Offiziell heißt es, dass er eingeschmolzen wurde.

img_20171119_092733_878855391114.jpg
Rathaus Pankow mit Adler 1906

Andere Quellen legen nahe das es eine sowjetische Spezialeinheit war mit dem Auftrag Wert- und Kunstgegenständen als Reparation zu beschlagnahmen.

img_20171120_123141_248317985104.jpg
Gipsmodel der Adlerkopie

Bei der Umgestaltung der Rathausfassade zur sowjetischen Kommandantur wurde er von seiner Sandsteinkugel heruntergebrochen.

img_20171119_123404_738-1188490310.jpg
Turmspitze mit preußischer Reichskrone 2017

Das Rathaus Pankow wurde mehrmals restauriert, aber an der Wiederherstellung eines preußischen Adlers war die DDR-Führung nicht interessiert.

img_20171119_091339_426-920827990.jpg
Sowjetische Kommandantur ohne Adler 1950

Erst 1989, als der rote Anstrich Ostdeutschlands blätterte, wurde eine Kopie des Adlers hergestellt. Der Künstler Achim Kühn fertigte die Kupferarbeit an.

img_20171119_093116_525-260153569.jpg
Ehem. Hochsitz der Adlerfigur 2017

Zum 100-jährigen Geburtstag des Rathauses wurde der preußische Aar, wie er auch genannt wird, vom 29. April bis zum 26. Oktober 2003 in der Empfangshalle des Rathauses ausgestellt.

img_20171119_092840_848-2039548976.jpg
Sicht auf die Sandsteinkugel und den Anker des Adlers

Angeblich wegen Differenzen zwischen Auftraggeber und Künstler scheiterte der Versuch, den Adler wieder auf seinen angestammten Platz zu setzen.

Vielen Dank für die Unterstützung durch das BA Pankow.

Autor: Christian Bormann,12.11.2014, 19.11.2017

technische Leitung: Nadine Kreimeier

Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 30.03.2016

Bilder: Christian Bormann, Ivonne Hempler, Guido Kunze, Pressestelle BA Pankow, Berlin.de,

Der Pankower Stadtkassenschein

Am 9.September 1921 gibt die Stadt Berlin 20 Stadtkassenscheine aus. Im Rahmen der Notgeldverordnung entstehen zwanzig 50 Pfennig Scheine. Die Vorderseite zeigt links den stilisierten Berliner Wappenbär und die Wertangabe 50 Pfennig. Mittig die Aufschrift „Stadtkassenschein Berlin 9.September 1921 Magistrat der Reichshauptstadt“. Darunter die Unterschriften von Berlins Bürgermeister Gustav Böß sowie dem Stadtkämmerer Ernst Karding. Rechts ist das Wasserzeichen zu sehen.

Notgeld Berlin
Stadtkassenschein 9.9.1921

Die zwanzig auf der Rückseite verschieden gestalteten Serienscheine zeigen jeweils ein Bild zu jedem der damaligen Bezirke. Bezirk 19 ist Pankow. Auf der Rückseite des Kassenscheins ist ein Gehöft in Pankow um 1770 abgebildet.

Notgeld_Berlin_
Ansicht Gehöft Pankow

Bezirk 18 ist Weißensee, auf der Abbildung ist ein Ausschnitt zu sehen „Weißensee um 1800“.

Notgeld Berlin
Weißensee um 1800

Bezirk 4 ist Prenzlauer Berg auf dem Schein ist der Mühlberg vor dem Prenzlauer Tor abgebildet.

Stadtkassenschein
Mühlberg vor dem Prenzlauer Berg

Auf den anderen Rückseiten der Kassenscheine sind Mitte – „Berliner Rathaus um 1819“, Tiergarten – „Erstes Dampfschiff Linie Zelten/Charlottenburg“, Wedding – „Gesundbrunnen im Jahre 1760“, Friedrichshain – „Überfahrt zum Stralauer Fischzug um 1825“, Kreuzberg – „Das Hallesche Tor im Jahre 1845“, Charlottenburg – „Die Berliner Straße um 1820“, Spandau – „Spandau um 1800“, Wilmersdorf – „Jagdschloss erbaut im 16.Jahrhundert“, Zehlendorf – „Kirche in Dahlem“, Schöneberg – „Dorf um 1820“, Steglitz – „Frühere Kirche von Steglitz aus dem 13.Jahrhundert“, Neukölln – „Das Dorf Rixdorf um 1820“, Treptow – „Gasthaus in Treptow um 1820“, Lichtenberg – „Lichtenberg um 1790“, sowie Reinickendorf mit der „Mühle in Tegel um 1800“ abgebildet.

Autor: Christian Bormann,   .11.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier

Bildquelle: Christian Bormann

Der Mauerfriedhof Pankow Brehmestraße

Nach dem Fall der Mauer 1989 wurde Mitte Juni 1990 mit dem Abriss begonnen.
Die Grenztruppen waren damals völlig überfordert mit der gewaltigen Aufgabe.
Karl-Heinz Goldschmid hörte vom Aufruf zur Unterstützung. Der gelernte Ingenieur war zuvor Mitarbeiter des Staatseigenen Schuttentsorgungsbetrieb „Modernisierung Pankow“. In seinem eigenen Kiez wollte er anfangen. Im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft „Recycling Grenzanlagen“, ausgeführt von der Bundeswehr, öffnete Goldschmid den Grenzübergang Pankow Wollankstraße.

Grenzübergang
Grenzübergang Wollankstraße 1990

Der offizielle Abriss der Innerdeutschen Staatsgrenze beginnt am 13. Juni 1990 Bernauer-/ Ecke Ackerstraße. In der Pankower Brehmestraße, auf dem ehemaligen Sperrgebiet, befand sich der Sammelpunkt.

Sperrgebiet
Todesstreifen Innerdeutsche Grenze Brehmestraße 1985

Hier wartete das grüne Ungeheuer auf die Mauerteile. Das grüne „Ungeheuer“ war ein riesiger Schlagwalzenbrecher, eine Spezialanfertigung eigens für die Aufgabe, die Mauer zu zermalmen. Karl-Heinz Goldschmid war jetzt Herr über das Ungeheuer und den Pankower Mauerfriedhof.

Mauerfriedhof
Mauerfriedhof Brehmestraße 1991

Am 21. März nahm das Ungeheuer seine Arbeit auf, 11 Stunden zermalmt es täglich 140 LKW Ladungen mit 15000 Tonnen Beton. Fast zwei Jahre lang frisst sich der Schlagwalzenbrecher durch 155 km stahlbewehrten Beton.Die Bruchstücke kamen in eine Prallmühle und wurden zu Staub.
Anwohner der Brehmestraße erinnern sich noch gut. Wer sein Mittagessen bei offenem Fenster einnahm, hatte wortwörtlich den Staub der Geschichte zwischen den Zähnen. Das feine Betonmaterial wurde zum größten Teil für den Ausbau der Autobahn Richtung Buch verwendet.

Mauerreste
Mauerfriedhof zwischen Dolomitenstraße und Brehmestraße 1991

Etwa 500 Mauerteile wurden in die ganze Welt verkauft oder verschenkt. Als Kinder spielten wir fast täglich auf dem Mauerfriedhof. Betonsegmente von Wachtürmen und Mauer stapelten sich zu Bergen unterbrochen von Förderbändern Baggern und Bauwagen. Aber auch Touristen und Kamerateams aus der ganzen Welt zog der Mauerfriedhof an. Jeder wollte damals sehen wie die Mauer zu Staub zerfällt.
Nachdem das Werk vollbracht war wurde das grüne Ungeheuer 1993 abgeschaltet und ein kleines Kapitel deutscher Geschichte geschlossen.

Autor: Christian Bormann, 05.11.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 10.04.2016

Bilder: Nick Nac, Christian Bormann
Hintze CPS

Das Pankower Wappenschild

Pankow wurde 1311 erstmalig urkundlich erwähnt. Obwohl als Landgemeinde nicht berechtigt, waren die Pankower selbstbewusst genug sich Anfang des 19. Jahrhunderts selbst ein Wappen zu verleihen. Dies ging aus einem runden blauen Stempeldruck mit der Umschrift „Dorfsiegel Pankow“ hervor. Die Umschrift war außen und innen mit einer glatten Linie gerahmt. Das Wappen zeigt einen silbernen Schild sowie zwei gekreuzte, durch ein silbernes Band gehaltene Getreidegarben auf grünem Boden. In den Garben befindet sich ein aufrecht stehender goldener Rechen, schräg rechts ein goldener Dreschflegel und schräg links eine Sense mit blauem Blatt. Alle drei Geräte haben einen roten Stiel. Die abgebildeten Gerätschaften sollen die landwirtschaftliche Prägung des Dorfes zum Ausdruck bringen.

Wappen
Wappen von Pankow 1898

Im Zuge der Eingemeindung von Pankow nach Groß-Berlin wurde das Wappen 1925 in seiner bisherigen Form übernommen. Seit seiner Eingemeindung trat das Wappen auch mit der Erweiterung „Pankow-Freistaat-Preußen-Stadt Berlin“ in Erscheinung.

Wappen
Zusatz Freistaat Preußen Stadt Berlin

Nach dem sogenannten Preußenschlag wurde die Preußische Landesregierung faktisch entmachtet. spätestens 1936 nach Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde der Schildzusatz nicht mehr geführt.

Wappen
1936 verschwindet der Zusatz Preußen in ganz Deutschland

Bis 1986 ist das Pankower Wappen zwar geduldet aber nie offiziell verliehen worden. Im Rahmen der 750 Jahr-Feier-Berlins 1987 wurde das Wappen noch einmal heraldisch überarbeitet und offiziell verliehen.

Wappen
1987 zur 750 Jahrfeier Berlin offiziell verliehen

Nach der deutschen Wiedervereinigung wurden viele Bezirkswappen von Ost-Berlin geändert. Eine Änderung des Pankower Wappens war nicht nötig, da die Hälfte der Bezirksfläche immer noch landwirtschaftlich genutzt wurde. Es wurde lediglich eine rote dreitürmige Mauerkrone mit mittigem Berliner Wappen aufgesetzt.

Wappen
1990 Zusatz Stadtkrone von Berlin

Eine völlige Neugestaltung erfolgte nach der Berliner Bezirksreform. Pankow war jetzt ein Großbezirk. Der Neugestaltung ging ein Streit zwischen dem Heraldiker Jörg Mantzsch und dem Kulturstadtrat Michael Nelken voraus. Am 28. Juli 2009 wurde das neue Wappen für Pankow verliehen. Bis auf die leicht geänderte Mauerkrone ist vom Pankower Wappenschild nichts gebliebenen. Drei schmucklose rote Torbögen auf weißem Hintergrund, mittig darunter ein rotes Holzrad und sich spiegelndes Blattgrün links und rechts.

Wappen
Großbezirk Pankow 2009

Autor: Christian Bormann, 03.11.2014
technische Leitung Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Grenzübergang Bornholmer Straße

Der Grenzkontrollpunkt Bornholmer Straße war eine ruhige Ecke Berlins, umgeben von Kleingartenkolonien und Mietshäusern. Etwas Verkehr gab es lediglich aus Richtung West-Berlin, denn Bundesbürger durften den Übergang zur Aufrechterhaltung der Devisenbeschaffung der DDR benutzen.

Grenzkontrollpunkt Bornholmer Straße
Grenzübergang Bornholmer Straße

Im Rahmen neuer Bestimmungen zur Reiseregelung für DDR-Bürger lud Günther Schabowski zu einer Pressekonferenz. Das West-Fernsehen war wie immer vor Ort. Zu diesem Zeitpunkt rechnete niemand mit wirklich interessanten Neuigkeiten, als das Unfassbare passierte. Schabowski verkündete lax die neue Reiseregelung, ohne die zusätzlichen Vermerke registriert zu haben. Darauf nagelt ihn ein Journalist sofort fest, und fragt ob diese Regelung ab sofort gilt. Etwas irritiert blättert Schabowski kurz in seinen Mitteilungsblättern, worauf der alles entscheidende Satz fällt: „Das trifft nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich“.

Grenzkontrollpunkt Bornholmer Straße
Grenz Kontrollpunkt im Sowjetischen Sektor Bornholmer Straße

Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer. In den folgenden Stunden versammelten sich mehrere Tausend Berliner auf der Ost-Seite der innerdeutschen Grenzkontrollstelle Bornholmer Straße. Die DDR-Bürger wollten sofort von ihrem neuen Reiserecht Gebrauch machen. Unverzüglich. Der Leiter der Passkontrolleinheiten Oberstleutnant Harald Jäger und seine Truppe waren angesichts des endlosen Zustroms an Menschen völlig hilflos. Die Ereignisse gingen derart schnell vonstatten, dass Hilfe von ihren Vorgesetzten ausblieb. So erfolgte gegen 21:20 Uhr die Auslösung der Alarmkette. Daraufhin durften einzelne Personen die Brücke passieren. Was sie nicht wussten: ihr Ausweis wurde entstempelt und sie somit ausgebürgert. In den darauffolgenden zwei Stunden wurde der Druck der Menschenmassen auf den Kontrollpunkt so gewaltig, das die Passkontrolleinheit die Verteidigung des Kontrollpunktes aufgab. Um 23:29 Uhr öffnete Oberstleutnant Harald Jäger eigenmächtig den Schlagbaum an der Böse-Brücke. Die Menschen bahnten sich nun unkontrolliert ihren Weg durch die Grenzanlage Richtung West-Berlin.

Grenzkontrollpunkt Bornholmer Straße
Platz des 9.November 1989

Damit wurde der nördlichste der sieben innerstädtischen Grenzkontrollpunkte Bornholmer Straße zum ersten offenen Grenzübergang für DDR Bürger in Richtung Westen und damit weltberühmt. Ab diesem Zeitpunkt war die Grenzanlage der DDR ihrem Untergang geweiht.

Grenzkontrollpunkt Bornholmer Straße
10.11.1989 Pankower besuchen West-Berlin

Der Abriss der Maueranlagen schritt so rasch voran, dass die heute teilweise erhalten gebliebenen Reste zumeist unter Denkmalschutz stehen. An der Bornholmer Straße ist heute noch ein Teil der sogenannten Hinterlandmauer erhalten geblieben.

Grenzkontrollpunkt Bornholmer Straße
Vorlandmauer Bornholmer Straße 2002

Auf dem Platz des 9. November erinnert ein Gedenkstein aus Mauerresten an die historischen Ereignisse jener Nacht, die in ihren weitreichenden Folgen zu einer politischen Neuordnung in Europa führten.

Grenzkontrollpunkt Bornholmer Straße
Gedenkstein am Platz des 9.November

Autor: Christian Bormann, 02.11.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Bildquelle:
Hintze CPS, Christian Bormann