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Grenzübergang Bornholmer Straße

Der Grenzkontrollpunkt Bornholmer Straße war eine ruhige Ecke Berlins, umgeben von Kleingartenkolonien und Mietshäusern. Etwas Verkehr gab es lediglich aus Richtung West-Berlin, denn Bundesbürger durften den Übergang zur Aufrechterhaltung der Devisenbeschaffung der DDR benutzen.

Grenzkontrollpunkt Bornholmer Straße
Grenzübergang Bornholmer Straße

Im Rahmen neuer Bestimmungen zur Reiseregelung für DDR-Bürger lud Günther Schabowski zu einer Pressekonferenz. Das West-Fernsehen war wie immer vor Ort. Zu diesem Zeitpunkt rechnete niemand mit wirklich interessanten Neuigkeiten, als das Unfassbare passierte. Schabowski verkündete lax die neue Reiseregelung, ohne die zusätzlichen Vermerke registriert zu haben. Darauf nagelt ihn ein Journalist sofort fest, und fragt ob diese Regelung ab sofort gilt. Etwas irritiert blättert Schabowski kurz in seinen Mitteilungsblättern, worauf der alles entscheidende Satz fällt: „Das trifft nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich“.

Grenzkontrollpunkt Bornholmer Straße
Grenz Kontrollpunkt im Sowjetischen Sektor Bornholmer Straße

Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer. In den folgenden Stunden versammelten sich mehrere Tausend Berliner auf der Ost-Seite der innerdeutschen Grenzkontrollstelle Bornholmer Straße. Die DDR-Bürger wollten sofort von ihrem neuen Reiserecht Gebrauch machen. Unverzüglich. Der Leiter der Passkontrolleinheiten Oberstleutnant Harald Jäger und seine Truppe waren angesichts des endlosen Zustroms an Menschen völlig hilflos. Die Ereignisse gingen derart schnell vonstatten, dass Hilfe von ihren Vorgesetzten ausblieb. So erfolgte gegen 21:20 Uhr die Auslösung der Alarmkette. Daraufhin durften einzelne Personen die Brücke passieren. Was sie nicht wussten: ihr Ausweis wurde entstempelt und sie somit ausgebürgert. In den darauffolgenden zwei Stunden wurde der Druck der Menschenmassen auf den Kontrollpunkt so gewaltig, das die Passkontrolleinheit die Verteidigung des Kontrollpunktes aufgab. Um 23:29 Uhr öffnete Oberstleutnant Harald Jäger eigenmächtig den Schlagbaum an der Böse-Brücke. Die Menschen bahnten sich nun unkontrolliert ihren Weg durch die Grenzanlage Richtung West-Berlin.

Grenzkontrollpunkt Bornholmer Straße
Platz des 9.November 1989

Damit wurde der nördlichste der sieben innerstädtischen Grenzkontrollpunkte Bornholmer Straße zum ersten offenen Grenzübergang für DDR Bürger in Richtung Westen und damit weltberühmt. Ab diesem Zeitpunkt war die Grenzanlage der DDR ihrem Untergang geweiht.

Grenzkontrollpunkt Bornholmer Straße
10.11.1989 Pankower besuchen West-Berlin

Der Abriss der Maueranlagen schritt so rasch voran, dass die heute teilweise erhalten gebliebenen Reste zumeist unter Denkmalschutz stehen. An der Bornholmer Straße ist heute noch ein Teil der sogenannten Hinterlandmauer erhalten geblieben.

Grenzkontrollpunkt Bornholmer Straße
Vorlandmauer Bornholmer Straße 2002

Auf dem Platz des 9. November erinnert ein Gedenkstein aus Mauerresten an die historischen Ereignisse jener Nacht, die in ihren weitreichenden Folgen zu einer politischen Neuordnung in Europa führten.

Grenzkontrollpunkt Bornholmer Straße
Gedenkstein am Platz des 9.November

Autor: Christian Bormann, 02.11.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Bildquelle:
Hintze CPS, Christian Bormann

Der „Glocken-Gustav“ von Buchholz

Zu den bekanntesten Persönlichkeiten in Buchholz gehörte zweifelsohne der am 29. Mai 1883 in Buchholz geborene Gustav Guyot. Der Sprössling einer Hugenottenfamilie besuchte von 1889 bis 1897 die Gemeindeschule in Französisch Buchholz. Sein Abgangszeugnis vom 31. März 1897 bescheinigte ihm gute schulische Leistungen. Familie Guyot blickte auf eine lange Bauerntradition zurück. Gustav Guyot setze diese Tradition fort.

Gedenkstein Familie Guyot Buchholz

In den Jahren 1930 – 1933 legte er am Rosenthaler Weg Versuchsfelder zur besseren Weizen- und Roggenzucht an. Sogar Fachexperten aus Japan und der Sowjetunion lud er nach Buchholz ein, um sich mit ihnen auszutauschen.  Am 28. Februar 1932 erhielt Gustav Guyot das Ehrendiplom der „Landwirtschaftlichen Lehranstalt ‚Oranienburg-Luisenhof‘“. Zur verbesserten Bodenbearbeitung erfand er einen Unterbodenpflug, mit dem er Findlinge zutage förderte. Auch einen Spezialwagen mit Hebevorrichtung konstruierte er für den Transport der Findlinge.

Familiengrab Guyot

Zusammen mit dem letzten Pfarrer der Französischen Reformationsgemeinde Albert Hurtienne entstand die Idee, einen Gedenksteins in Form eines Findlings auf dem Gehöft der Guyots zu platzieren.  Am 29. Oktober 1935 wurde der Gedenkstein eingeweiht. Während seiner Rede trug Gustav Guyot einen glockenförmigen Hut, welcher ihm das Aussehen eines englischen Lords verlieh. Das machte so großen Eindruck, dass Gustav fortan für immer diesen Hut trug, was ihm so den Spitznamen „Glocken-Gustav“ einbrachte. Gustav Guyot starb am 25. Februar 1966 und wurde im Familiengrab in Buchholz beigesetzt. Seine Angehörigen legten ihm die „Glocke“ mit in den Sarg.

Autor: Christian Bormann 31.07.2014
Technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger

Quelle:
mündliche Überlieferung
750 Jahre Buchholz vom Freundeskreis der Chronik Pankow e.V.

Bilder:
Hintze CPS