Thermoskanne und Röntgenröhre – Made in Pankow

Der am 12. Januar 1866 in Glashütte geborene Reinhold Burger war nicht nur Glastechniker, er gehörte auch zu den bekanntesten Pankower Erfindern. Berühmt wurde er für die Erfindung der Thermoskanne.

Reinhold Burger

Seine Erfindung beruht auf der Vorarbeit von Sir James Dewar und Adolf Ferdinand Weinhold. Ohne deren Erlaubnis experimentierte Burger mit dem sogenannten „Dewargefäß“ und entwickelte so seine Thermoskanne, die er sich 1903 patentieren ließ.
Den darauf folgenden Rechtsstreit mit James Dewar gewann Burger. Unter der DRP Nr. 170057 (Deutsche Reichs Patent Nummer) des Kaiserlichen Patentamtes trat seine Thermoskanne den Siegeszug um die Welt an. Reinhold Burgers Erfindung gewann Goldmedaillen und Ehrendiplome auf den Weltausstellungen in St. Louis 1904 und Mailand 1906.

Wilhelm-Kuhr-Straße 3

Weniger bekannt ist, dass Burger maßgeblich an der Entwicklung des Röntgenapparates beteiligt war. In Zusammenarbeit mit Wilhelm Conrad Röntgen entwickelte er unter der DRP Nr. 129974 von 1901 die Röntgenröhre, auch bekannt als sogenannte Burgersche Vakuumröhren. An seinem einstigen Wohnhaus in der Wilhelm-Kuhr-Str. 3 erinnert heute eine Gedenktafel sowie eine Abbildung seiner Thermoskanne im Glas der Eingangstüren an ihn und sein Wirken. Reinhold Burger starb am 21. Dezember 1954 in Berlin-Pankow.

Gedenktafel Reinhold Burger

Autor: Christian Bormann, 29.08.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Quellen: mündliche Überlieferung

Bilder:
Hintze CPS
Wikipedia

Pankows erste Fernsehstube

Die erste öffentliche Fernsehstube am Platz war in der Wollankstraße 134. Um 1930 befand sich hier ein Gewerbehof, dieser umfasste die Rathaus Garagen von W. Hilliger sowie kleine Kfz-Werkstätten.

Rathaus Garagen W.Hilliger

Ab 1936 gab es hier auch die erste öffentliche Fernsehstube von Pankow, sie lag im ersten Obergeschoss, über den Garagen.
Hier konnten die Besucher kostenlos fernsehen, im Jahr der Olympischen Spiele eine echte Attraktion.

Paul Nipkow

Zu dieser Zeit wohnte auch der als „Vater des Fernsehens“ bekannte Paul Nipkow in Pankow. Nipkow war der Konstrukteur der Spirallochscheibe, die so genannte Nipkowscheibe, mit deren Prinzip die erste Fernseheinrichtung auf der Funkausstellung 1928 zu bestaunen war.

Autor: Christian Bormann 24.08.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Bildquellen:
Pankower Chronik
Wikipedia

Der Heinersdorfer Rathausturm – Wasserturm

Das Rathaus Heinersdorf, ehemals an der Berliner Straße 66, seit einiger Zeit Tino-Schwierza-Straße, wurde 1910 fertig gestellt. Mit 46 Metern Höhe war der Stahlbetonbau damals nicht zu übersehen. Eine riesige Uhr zierte die Fassade, gekrönt wurde der Rathausturm durch eine prächtige kupferne Kuppel.

Heinersdorfer Rathausturm

Zur Zeit seiner Errichtung war der Turm eine echte Innovation, ein Rathaus mit integriertem Wasserturm. Heute ist das Bauwerk den meisten ausschließlich als Wasserturm bekannt. Durch Ausbruch des 1. Weltkriegs zogen die Amtsstellen nie in das Rathaus ein. Nach Ende des 1. Weltkriegs wurde kein Rathaus mehr benötigt, denn 1920 wurde Heinersdorf nach Groß Berlin eingemeindet. Aber auch Wasser sah der Wasserturm nie, denn mittlerweile gab es unterirdische Druckwasserleitungen.

Heinersdorfer Rathausturm

Vor dem Rathausturm lag auf einem kleinen Hügel die Heinersdorfer Mühle. Direkt am Turm wurde 1934 bis 1935 eine Gemeindeschule mit Turnhalle gebaut. Im 2. Weltkrieg wurde dann 1944 eine Flakstellung auf dem Dach des Gebäudes errichtet. Nach Ende des 2. Weltkriegs übernahm die Rote Armee den Turm und installierte ihrerseits einen Horchposten. Dieser diente der Flugüberwachung von Tegel. Gleichzeitig wurden die beiden unteren Etagen als Schule genutzt.

Heinersdorfer Rathausturm

Nach Abzug der Besatzungsmächte stand der Turm leer und wurde trotz Denkmalschutz vom Bezirksamt zum Verkauf angeboten. Der Rathausturm wurde 2008 verkauft. Hier sollten nun exklusive Eigentumswohnungen entstehen. Am 24. Juni brannte der Turm dann völlig aus. Die Brandursache bleibt bis heute unbekannt.

Autor: Christian Bormann 21.08.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Bilder:
Hintze CPS
Nick Nac
Wikipedia

Bürgerpark – Das Geheimnis von Friedhof I

Video: Das Geheimnis vom Friedhof I

Ursprünglich wurden die verstorbenen Pankower innerhalb der Umfassungsmauer der alten Pfarrkirche „Zu den Vier Evangelisten“ bestattet. Aus Platzmangel und um Freifläche für die Erweiterung der Pfarrkirche zu gewinnen, wurden die bestehenden Gräber 1841 auf den dann offiziell I. Gemeindefriedhof Pankow am Bürgerpark umgebettet.

Pankow Friedhof I

Damals noch Spandauer Straße genannt, liegt der Friedhof jetzt Wilhelm-Kuhr-Straße/Ecke Kreuzstraße gegenüber der Tanzschule Schmidt-Hutten.

Pankow Friedhof I

Die ursprüngliche Einfriedung bestand aus Holz, seit 1908 ziert ein girlandenartiger schmiedeeiserner Zaun den Friedhof. Heute ist das Grundstück ein Gartendenkmal und wird dem Bürgerpark zugerechnet. Am bekanntesten ist den Pankowern das Mausoleum des Bürgerpark Besitzers Baron Killisch von Horn. Gebaut wurde es 1904, Architekt war CH.F. Malingriaux.

Pankow Friedhof I

Wer einen Blick in das Mausoleum wagt, sieht hier noch zwei offene Doppelsärge liegen.

Pankow Friedhof I

Leicht versteckt hinter Baum und Büschen, übersät mit Maschinengewehreinschüssen, wirkt es schon gespenstisch auf den Besucher.

Pankow Friedhof I

Im Mausoleum selbst befindet sich neben den beiden Särgen auch eine versteckte Bodenklappe. Diese führt zu einer etwa 5 Meter tiefen, mit rotem Backstein ausgekleideten Kammer. Am Boden dieser Kammer befinden sich verstreut die Gebeine aus den oberirdischen Särgen sowie Militärgegenstände der hier verschanzten Soldaten. Über die Jahrzehnte wurden diese Sachen einfach durch die Bodenklappe herunter geworfen. Kurz vor Einmarsch der Roten Armee 1945 verbrannte der Pankower Bürgermeister Bernhard Ahmels die Archivbestände des Rathauses, darunter vermutlich auch die Bauunterlagen von Friedhof I.  So kommt es, dass heute niemand mehr weiß, dass es sich bei den Gräbern entlang der westlichen Friedhofsmauer um Grabkammern handelt.

Pankow Friedhof I

Zwischen Mausoleum und Schulze-Gräbern handelt es sich um flache Grabkammern, die zumeist mit hölzernen Doppelsärgen belegt sind. Eine Besonderheit ist die Grabanlage der Familie Schulze, bekannt durch „Millionen-Schulze“, sowie der gleichnamigen Schulzestraße. Anfang 1990, kurz nach Öffnung der Berliner Mauer, bekam die Ruhestätte der Familie Schulze Besuch von Grabräubern.  Wahrscheinlich suchten sie nach wertvollen Grabbeigaben, was sie hinterließen, waren riesige Löcher. So groß, dass man direkt in die mit Kacheln ausgeschmückten Grabkammern und auf die reichlich verzierten Särge schauen konnte. Die Kammern waren so hoch, dass ein Erwachsener hier problemlos hätte stehen können, untereinander waren sie mit einem Gang verbunden. Monate später wurden die Erdlöcher vom Grünflächenamt mit gepflanzten Farnen verdeckt.  Heute sind, neben den Gräbern an der Westmauer, nur noch wenige ganz oder teilweise erhalten. Auch wissen nur wenige Leute, dass nicht alle Grabsteine auf diesen Friedhof gehören, einige wurden von anderen Friedhöfen hierher gebracht, um sie zu erhalten.

Pankow Friedhof I

Da sich niemand um die Erhaltung, geschweige denn die Restaurierung der Grabstellen kümmert, verschwinden jedes Jahr weitere. Es ist absehbar, dass von den freistehenden Gräbern in 20 Jahren nur noch eine Wiese übrig bleibt.

Autor: Christian Bormann, 10.08.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Bilder: Hintze CPS

Schlosspark und Pankower Schwarzmarkt

Zu den unbekannteren Kapiteln Pankows gehören das Schloss-Casino und der Pankower Schwarzmarkt. In den späten 30er Jahren befand sich im Schloss Schönhausen eine Depot- und Verkaufsstelle für „Entartete Kunst“. Mit dem Einmarsch der Roten Armee 1945 wurde auch Schloss Schönhausen beschlagnahmt. Heute ist nur noch wenigen bekannt, dass die Sowjetische Kommandantur hier ein Offiziers-Casino einrichtete.

Schlosspark und Pankower Schwarzmarkt

Vor den Toren des Schloss Schönhausen entwickelte sich ein immer größer werdender Schwarzmarkt. Teile der heutigen Ossietzkystraße und des Schlossparks wurden von der Bevölkerung und den Militärangehörigen für den regen Austausch von Schwarzmarktwaren, wie sie für die Nachkriegszeit typisch waren, genutzt.

Schloss Schönhausen

Im Offiziers-Casino wurde viel getrunken. So soll es eines Abends zu einem tödlichen Verkehrsunfall, verursacht von einem betrunkenen Militärangehörigen gekommen sein. Das Casino wurde umgehend geschlossen. Mit dem Offiziers-Casino verschwand auch der Pankower Schwarzmarkt aus dem Schlosspark, und fand seine Fortsetzung am Brandenburger Tor in Berlin-Mitte.

Autor: Christian Bormann, 09.08.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Quellen:
mündliche Überlieferung
Phoenix

Bilder:
Hintze CPS

Die Legende vom Pankower Fliegenfest

Zu den populärsten Stadtfesten im alten Berlin gehörten zweifelsohne die Innungsfeiern der Gewerke. Die Garnweber hatten ihr Flachsfest, die Seidenweber ihr Wurmfest, die Tuchmacher das Mottenfest, Kammmacher feierten ihr Läusefest und die Raschmacher waren bekannt für ihr Fliegenfest in Pankow. Der Legende nach trafen sich die Vorstandsmitglieder der „Gesellschaft für Zeug und Raschmacher“ 1842 bei Linder in Pankow.

Restaurant Linder Pankow

Bei einem großen Glas Weißbier berieten die Herren, wie sie ihr Fest wohl ausrichten und wie sie es nennen sollten. Auf den Rändern der Weißbiergläser saßen unzählige Fliegen, die vor jedem nächsten Schluck verscheucht werden mussten. So kamen die Herren aus einer Bierlaune heraus auf den Namen Fliegenfest, der sogleich allgemeine Zustimmung fand. Von den Berliner Innungsfeiern waren das Fliegenfest, das Mottenfest sowie der Stralauer Fischzug die am meisten besuchten. Einige Unstimmigkeiten weist das Fliegenfest bezüglich seiner Datierung auf, denn schon 1832 wird das Pankower Fliegenfest im „Taschenbuch Berlin“ von Ludwig Helling erwähnt. Es soll alljährlich im Juli oder August in Pankow gefeiert worden sein mit geschmückten Kutschen, prächtigen Kostümen und Fahnenschwenkern.  Die Innung der Raschmacher löste sich 1924 auf. Es gab einige Anläufe, das Fliegenfest neu zu beleben, bis heute jedoch ohne Erfolg.

Autor: Christian Bormann 03.08.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Bild:
alte Pankower Postkarte