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Das Bürgerparktor in Pankow

Das Bürgerparktor gehört zu den Wahrzeichen Pankows und die Mehrheit der Pankower wird wohl schon ein- oder mehrmals hindurchgeschritten sein.

Autor Bormann bei Drohnenaufnahmen vom Tor, Luftaufnahme Juni 2021

Der römische Triumphbogen im Stil der italienischen Neorenaissance ist ein typischer Historismusbau und ein Glück für Pankow. Zum Gesamtensemble gehört auch das alte Kastellanhaus.

Sonntäglicher Spaziergang des Fräulein Johanna, Foto 1914

Dr. Hermann Theodor Killisch v. Horn, der Herausgeber der Berliner Börsenzeitung, ließ das Tor 1865 als Prachteingang zu seinem englischen Landschaftspark an der Spandauer Straße, dem alten Triftweg nach Jungfernheide und heute Wilhelm-Kuhr-Straße errichten. Das Tor soll damals zu Festlichkeiten angeleuchtet worden sein.

Bäckerei Karl Hartmann aus der Wollankstraße 130 mit Pferdegespann vor dem Torensemble, Foto um 1930

Der Parkeingang lag am westlichen Ende des Angerdorfes und war für die Bevölkerung bis 1906 tabu. Nach der Aufgabe des Landschaftsparks sollte das Gelände verkauft, parzelliert und von einer Straße durchtrennt werden. Es war der damalige Dorfbürgermeister Wilhelm Kuhr, der sich für den Gesamterhalt als Parkanlage einsetzte. Für diesen Einsatz bedankten sich die Pankower mit der Umbenennung des Straßennamens von Spandauer Straße in Wilhelm-Kuhr-Straße.

Die Gemeinde erwarb den Grundbesitz und schon 1907 konnten die Bürger Pankows durch Ihren Bürgerpark flanieren. Zu dieser Zeit hatte der Park noch einen üppigen Figurenbestand und war weitgehend im Original vorhanden. Der Vorplatz am Tor wurde 1925 umgestaltet und das große schmiedeeiserne Tor unter dem Hauptbogen schloss sich für immer. Die Straße und der Gehweg wurden gepflastert und eine Mittelinsel umschloss die damals hier stehende kleine Baumgruppe vor dem Tor.

Beschädigtes Bürgerparktor, Foto Ende der 1990er Jahre

Der Krieg hat die historischen Gebäude weitgehend zerstört. Mangel an Baustoffen und schlechte Planung kosteten den Park auch noch den restlichen Bestand an historischer Ausstattung. Der Bürgerpark sollte wieder hergerichtet und die Erinnerungen an den Krieg getilgt werden.

Gesamtensemble Bürgerparktor und Kastellanhaus, Luftaufnahme Juni 2021

Aus Mangel an Geld, Material und Expertise ging Abriss vor Wiederaufbau. Ein Wunder, dass die Teufelsbrücke über die Höllenschlucht noch erhalten ist. Aus heutiger Sicht ist ein solches Vorgehen kaum mehr vorstellbar. Aus Kostengründen wurden viele dieser Objekte nicht komplett enfernt sondern liegen heute noch als Sockel und Trümmerreste im Boden des Parks. Gewonnene Klinker wurden an anderer Stelle wieder verbaut. Hierzu sind bereits einige Sondierungen im Park von mir und Frau Cornelia Wagner vom Straßen- und Grünflächenamt Pankow geplant.

Das Tor hatte keinen Bombentreffer, war aber von leichter Artillerie beschädigt worden. Die Hauptfiguren auf der Attika wurden bereits 1953 vom Tor abgenommen und gesichert, die ersten Instandsetzungsarbeiten am Tor erfolgten 1966. Nach langem hin und her und diversen Fehlplanungen war es dann 1975 soweit. Der Rat des Stadtbezirks Berlin-Pankow beauftragte den Bildhauer Günther Gohlke mit der Wiederherstellung der Figuren.

Saniertes Bürgerparktor in Pankow, Luftbild Juni 2021

Hier kam es zu einer Besonderheit, wie ein Gutachten von 2005 feststellt. Aus Sorge, die Rundbögen könnten die schweren Sandsteinfiguren statisch nicht tragen, wurden die Kopien aus glasfaserverstärktem Kunstoff hergestellt. Die überlebenden Originalteile sollen sich im Depot des Museum Pankow befinden. Auch hier setzten sich Materialmangel und Fehlplanungen fort. So dauerte der Abschluss der Restaurierungen noch bis 1978.

Bürgerparktor, oberer Teil der Rückseite, Luftbild Juni 2021

Die Jahrzehnte vergangen und das Tor war in den 1990er Jahren wieder in einem erbärmlichen Zustand. Als am 10. Juli 2002 während eines Sturms der musizierende Torengel herabstürzte, reichte es den Pankowern. Der gefallene Engel stand ein halbes Jahrzehnt auf dem Hof des Kastellanhaus. Hier sah auch ich ihn mit blutendem Herzen noch stehen. Für die Sanierung wurden 300.000 Euro veranschlagt.

Bürgerparktor, Rundungen von unten, Foto Juni 2021

Organisiert von engagierten Pankowern wie Willy Manns und dem Verein für Pankow rollte die Rettungsaktion an. Am 27. August 2005 fand das erste vom Verein für Pankow organisierte Benefizkonzert statt. Im Jahr darauf, 2006, genau 12 Monate später noch das zweite. So konnte die letzte Restaurierung im September 2006 beginnen.

Bürgerparktor, Säule zum Triumphbogen, Foto Juni 2021

Pünktlich zum 100-jährigen Jubiläum des Bürgerparks am 25. und 26. August 2007 wurde ein Bürgerfest ausgerichtet. Jetzt konnten die Pankower das für diesen Zweck geöffnete historische Mitteltor durchschreiten und ihr saniertes Bürgerparktor bewundern.

Schmiedeeisernes Originaltor von 1868, Foto Juni 2021

Bei der Bestandsaufnahme des Tores im Juli 2021 musste ich schwere Wasserschäden feststellen. Scheinbar dringt Wasser ungehindert durch die Attika und sackt durch das Tor, bevor es seitlich durch den porösen Putz wieder austritt.

Originaldurchgang von 1868, Foto Juni 2021

Ich werde in den nächsten Wochen die verantwortlichen Ämter informieren und zum unverzüglichen Handeln auffordern. Noch sind die Schäden übersichtlich und behebbar. Schauen Sie bei Ihrem nächsten Parkspaziergang mal etwas genauer hin.

Autor: Christian Bormann

Red. Bearb.: Martina Krüger

Bilder: Christian Bormann, Guido Kunze, Bundesarchiv, Ralph Hoppe

Baron Theodor Hermann Killisch von Horn

Der Jurist und Zeitungsgründer wurde am 15.07.1821 als drittes von sechzehn Kindern in Bromberg geboren. Als Sohn eines Kanzleirates studierte er 1843 bis 1849 Philosophie mit Schwerpunkt Jura in Berlin. Während seines Studium schrieb er bereits für die „Vossische Zeitung“ und fand schnell Anschluss an politische Kreise.

Baron Theodor Hermann Killisch von Horn

Nach seinem Studium arbeitete er als Doktor der Rechte am Berliner Stadtgericht. Sein Vermögen machte er vermutlich mit Börsenspekulationen. Reichtum reichte im 19. Jahrhundert nicht um in „Höhere Kreise“ aufzusteigen, daher ließ er sich 1852 durch Friedrich Otto von Horn adoptieren. Mit der Kaufmannstochter Marie Antoni Weigel zeugte er sieben Kinder.

Baron Killisch von Horn mit seinem Kind

Sein beliebtestes Kind jedoch war die von ihm im Jahr 1855 gegründete „Berliner Börsen Zeitung“. In einer Zeitgenössischen Darstellung wird Theodor Hermann Killisch von Horn auf einem Stuhl sitzend gezeigt, wie er seiner Börsen Zeitung, karikiert mit einem Säuglingskopf das Fläschchen gibt. Den meisten Pankowern ist der Baron als Erbauer des Killisch-von-Horn-Park, heute als Bürgerpark bekannt.

Herrenhaus des Baron Killisch von Horn mit Rosenpavillon im Bürgerpark/Killisch von Horn Park

Im Jahr 1856 kaufte er eine alte Papiermühle der Familie Kühn mit Nebengelass und ließ diese zu seinem Familienwohnsitz herrichten. Das umliegende Waldstück ließ er durch den Gärtner Wilhelm Pering in einen Park im neoklassizistischen Stil umbauen. Der Killisch-von-Horn-Park war in Teilen auch der gemeinen Bevölkerung zugänglich. Das Bürgerparktor im Stil eines römischen Triumphbogens stammt auch von ihm.

Bürgerparktor des Baron Killisch von Horn

Von den unzähligen neoklassizistischen Figuren und Putten die den Park zierten, ist nach dem 2. Weltkrieg nichts geblieben. Baron Killisch von Horn starb am 23.11.1886 an seiner Zuckerkrankheit. Das Mausoleum ließ seine Frau erst 1904 bauen und ihn hierher umbetten.

Mausoleum des Baron Theodor Hermann Killisch von Horn auf dem Bürgerpark Friedhof

Die Erben der Familie Killisch waren am kostspieligen Erhalt der Parkanlage nicht interessiert. Dem Pankower Bürgermeister Wilhelm Kuhr ist es zu verdanken das der Park nicht zum Bauland wurde. Die Gemeinde Pankow kaufte 1907 den Killisch-von-Horn-Park und benannte ihn in Bürgerpark um.

Autor: Christian Bormann 23.12.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 30.03.2016

Bilder: Hintze CPS
Historische Postkarten

Bürgerpark – Das Geheimnis von Friedhof I

Video: Das Geheimnis vom Friedhof I

Ursprünglich wurden die verstorbenen Pankower innerhalb der Umfassungsmauer der alten Pfarrkirche „Zu den Vier Evangelisten“ bestattet. Aus Platzmangel und um Freifläche für die Erweiterung der Pfarrkirche zu gewinnen, wurden die bestehenden Gräber 1841 auf den dann offiziell I. Gemeindefriedhof Pankow am Bürgerpark umgebettet.

Pankow Friedhof I

Damals noch Spandauer Straße genannt, liegt der Friedhof jetzt Wilhelm-Kuhr-Straße/Ecke Kreuzstraße gegenüber der Tanzschule Schmidt-Hutten.

Pankow Friedhof I

Die ursprüngliche Einfriedung bestand aus Holz, seit 1908 ziert ein girlandenartiger schmiedeeiserner Zaun den Friedhof. Heute ist das Grundstück ein Gartendenkmal und wird dem Bürgerpark zugerechnet. Am bekanntesten ist den Pankowern das Mausoleum des Bürgerpark Besitzers Baron Killisch von Horn. Gebaut wurde es 1904, Architekt war CH.F. Malingriaux.

Pankow Friedhof I

Wer einen Blick in das Mausoleum wagt, sieht hier noch zwei offene Doppelsärge liegen.

Pankow Friedhof I

Leicht versteckt hinter Baum und Büschen, übersät mit Maschinengewehreinschüssen, wirkt es schon gespenstisch auf den Besucher.

Pankow Friedhof I

Im Mausoleum selbst befindet sich neben den beiden Särgen auch eine versteckte Bodenklappe. Diese führt zu einer etwa 5 Meter tiefen, mit rotem Backstein ausgekleideten Kammer. Am Boden dieser Kammer befinden sich verstreut die Gebeine aus den oberirdischen Särgen sowie Militärgegenstände der hier verschanzten Soldaten. Über die Jahrzehnte wurden diese Sachen einfach durch die Bodenklappe herunter geworfen. Kurz vor Einmarsch der Roten Armee 1945 verbrannte der Pankower Bürgermeister Bernhard Ahmels die Archivbestände des Rathauses, darunter vermutlich auch die Bauunterlagen von Friedhof I.  So kommt es, dass heute niemand mehr weiß, dass es sich bei den Gräbern entlang der westlichen Friedhofsmauer um Grabkammern handelt.

Pankow Friedhof I

Zwischen Mausoleum und Schulze-Gräbern handelt es sich um flache Grabkammern, die zumeist mit hölzernen Doppelsärgen belegt sind. Eine Besonderheit ist die Grabanlage der Familie Schulze, bekannt durch „Millionen-Schulze“, sowie der gleichnamigen Schulzestraße. Anfang 1990, kurz nach Öffnung der Berliner Mauer, bekam die Ruhestätte der Familie Schulze Besuch von Grabräubern.  Wahrscheinlich suchten sie nach wertvollen Grabbeigaben, was sie hinterließen, waren riesige Löcher. So groß, dass man direkt in die mit Kacheln ausgeschmückten Grabkammern und auf die reichlich verzierten Särge schauen konnte. Die Kammern waren so hoch, dass ein Erwachsener hier problemlos hätte stehen können, untereinander waren sie mit einem Gang verbunden. Monate später wurden die Erdlöcher vom Grünflächenamt mit gepflanzten Farnen verdeckt.  Heute sind, neben den Gräbern an der Westmauer, nur noch wenige ganz oder teilweise erhalten. Auch wissen nur wenige Leute, dass nicht alle Grabsteine auf diesen Friedhof gehören, einige wurden von anderen Friedhöfen hierher gebracht, um sie zu erhalten.

Pankow Friedhof I

Da sich niemand um die Erhaltung, geschweige denn die Restaurierung der Grabstellen kümmert, verschwinden jedes Jahr weitere. Es ist absehbar, dass von den freistehenden Gräbern in 20 Jahren nur noch eine Wiese übrig bleibt.

Autor: Christian Bormann, 10.08.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Bilder: Hintze CPS