Archiv der Kategorie: Blankenfelde

Die Steinschlosspistole von Blankenfelde

Anfang Juli 2017 erhielt ich mal wieder unverhofft eine Fundmeldung. Ein guter Freund aus Blankenfelde sendete mir ein Foto. Darauf zu sehen war eine verwitterte Steinschlosspistole.

Pankow Blankenfelde und Heidekrautbahn  2017

Bei Schachtarbeiten auf einem Privatgrundstück in Blankenfelde wurde diese über 200 Jahre alte, und für einen Bodenfund aus jener Zeit gut erhaltene Pistole geborgen. Es ist eine sehr einfache Form einer Steinschlosspistole um 1780 bis 1820.

Steinschlosspistole aus Blankenfelde

Beim Verlegen von neuen Rohrleitungen in etwa 80 cm Tiefe kam die Pistole im Aushub ans Tageslicht. Die Zeit im Boden hat ihre Spuren hinterlassen. Die ursprünglich etwa 23 cm lange Faustfeuerwaffe besteht nur noch aus ihrem Metallkörper. Das hölzerne Griffstück und die Einschalung am Lauf sind schon wieder zu Erde geworden.

Fund 2017 in Blankenfelde

Die Fundumstände, Tiefe sowie fehlende Beifunde lassen vermuten das es sich hier nicht um ein verlorenes Stück handelt. Die Pistole wurde wohl ganz bewusst tief vergraben, ohne die Absicht, sie später wieder bergen zu wollen. Funde solcher historischer Waffen sind heutzutage in Pankow äußerst selten. Weltkriegswaffen hingegegen werden noch regelmäßig bei Erdarbeiten entdeckt. Die besten Beispiele sind das Ende Juli 2017 entdeckte Landserdepot nahe der Berliner Straße oder der Karabinerfund 2016 in Schönholz.

Karabiner, Helm, Patronentasche Zwangsarbeiterlager „Lunalager“ Schönholz 2016

Im Jahr 2014 habe ich in der Schönholzer Heide mit Nadine Kreimeier eine Muskete von 1640 geborgen. Nachdem ich die Radschlossmuskete bestimmt und dem Amt für Denkmalschutz und Archäologie gemeldet hatte, schenkte ich das gute Stück dem Museum Pankow.

Muskete von Schönholz am Fundort 2014

Der sogenannte Jagdstutzen wird dieses Jahr gleich in zwei Ausstellungen gezeigt. Als Bildmaterial ist er in der Ausstellung „Geschichte der Schönholzer Heide“ im Brosehaus noch bis November zu sehen.

Katalogbild Objektdatenbank Museum Pankow 2016

Die Steinschlosspistole wird ihr Zuhause vermutlich auch im Museum Pankow finden. Und so werden in den nächsten Jahren, so hoffe ich, noch viele weitere solcher kleinen Fundstücke ihren Weg zu mir und dann ins Museum finden.

Ausstellung 2017 „Die Geschichte der Schönholzer Heide“

Dieses Jahr erreichten uns schon gut zwei Dutzend Fundmeldungen. Nicht jeder Fund gibt eine Geschichte her oder eignet sich für ein Museum. Wir wollen Sie dennoch ermutigen, melden Sie uns vertraulich ihre Zufallsfunde.

Autor: Christian Bormann, 01.08.2017

red. Bearbeitung: Martina Krüger, 31.07.2017

Fotos: Christian Bormann, Guido Kunze, Museum Pankow,

Der Pariser Wehrmachts-Cognac aus Blankenfelde

In den letzten Wochen habe ich viele Zuschriften von Lesern erhalten, die mir Zugang in ihre privaten Bunker, Scheunen und Kellergewölbe ermöglichten. So auch vor einigen Wochen in Pankow Blankenfelde. Bei der Begehung einer Scheune konnte ich gleich mehrere Ölgemälde begutachten. Die Bilder stammten aus einer Beräumung in Blankenfelde und standen hier schon einige Jahre. Nach kurzer Recherche konnte ich dem Eigentümer sagen, worum es sich bei den Bildern handelte. Ich war seitdem mehrmals auf dem Hof und das Vertrauen wuchs. Eines Abends wurde mir die Geschichte einer riesigen Weinsammlung erzählt.

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Wehrmachtbeute WK.II Cognac aus Paris

Es sollten noch viele unbestimmte Flaschen erhalten sein. Also bot ich mich zum Taxieren der Flaschen an. Gespannt stieg ich die Kellertreppe hinab. Als ich die erste Flasche in der Hand hielt, verschlug es mir die Sprache. Es war kein Wein. Cognac, und nicht irgendeiner. Gleich die erste Flasche entpuppte sich als Beutegut der Wehrmacht. Das Kontingent wurde in den 1940er Jahren in Paris geraubt. Es war durchaus üblich, Spirituosenlager des Kriegsgegners mit Weinen, Whiskys und Cognac zu beschlagnahmen und die Chargen in deutsche Flaschen umzufüllen. Als Whiskygenießer habe ich schon einige solcher Sammlerstücke gesehen.

Eiskellerfund in Blankenfelde

Frau Krüger hat sofort Kontakt mit dem heute noch existierenden Hersteller aufgenommen. Bei den Cognacflaschen aus Blankenfelde handelt es sich um eine Charge, die von der Generalität der Wehrmacht in Paris unterschlagen wurde. Der Cognac war aber nur ein Teil der fast 2000 Flaschen umfassenden Sammlung. In den 1990er Jahren hatte der Dachdeckermeister Harald Klein seine Weinsammlung in einer Scheune in der Berliner Straße am Stadtgut Blankenfelde untergebracht.

Scheune Berliner Straße am Stadtgut Blankenfelde 2017

Aufgrund des hohen Wertes gab es nur wenige Eingeweihte. Ende der 1990er Jahre verschwand die Sammlung spurlos. Nur wenig später starb Herr Klein an einem schweren Krebsleiden. Familie Klein wohnte auf dem Grundstück Hauptstraße, Ecke Mönchmühler Straße. Dieses Haus wurde im Auftrag der Witwe beräumt. Hierbei entdeckte die mit der Beräumung beauftragte Firma eine Bodenklappe in der Küche. Zunächst war nicht viel zu sehen. Offensichtlich befand sich unter der Küche ein kleiner, unter Wasser stehender Kühlkeller aus dem 19. Jahrhundert.

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Fund-Haus Hauptstraße Ecke Mönchmühler Straße 2017

Soweit noch nicht besonders. Als die Firma mit dem Abpumpen des ca. 20 cm hoch stehenden Wassers begann, war das Erstaunen groß. Ganze 2000 Flaschen an Jahrgangsweinen ab 1940 bis 1980 und Cognac aus Paris. Gut die Hälfte der Flaschen war beschädigt. Die verbliebenen fast 1000 Flaschen wurden, nachdem der Fund der Eigentümerin Frau Klein gemeldet wurde, abgefahren.

Auszug der verbliebenen Weinsammlung in Blankenfelde 2017

Frau Klein erhob keinen Anspruch und so lagern die verbliebenen Jahrgangsweine und der Cognac heute wieder in Blankenfelde. Ein großer Teil der Weine wurde schon taxiert und bewegt sich zwischen 40 und 120 € je Flasche. Der Pariser Cognac aus dem 2. Weltkrieg ist noch nicht bewertet, vermutlich liegt der Wert der Flaschen im vierstelligen Bereich.

Autor: Christian Bormann, 06.04.2017

red.Bearbeitung: Martina Krüger, 06.04.2017

Bilder: Christian Bormann

Das vergessene Dorf zwischen Rosenthal und Blankenfelde

Viele Pankower kennen den Botanischen Volkspark Blankenfelde und nutzen ihn genauso gern wie ich. Ich bin hier seit Jahren regelmäßig mit meiner Hündin unterwegs und beobachte die Niederung an den Zingerteichen.

Eingang zum Volkspark und zur Wüsten Dorfstelle

Weniger bekannt ist, dass der Eingang zum Volkspark auch der Eingang zu einer wüsten Dorfstelle ist.

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Blankenfelder- und Rosendahlsche Feldmark um 1707

Jahr für Jahr schreite ich die Äcker ab und schaue, was beispielsweise Frost oder Starkregen an die Oberfläche gebracht haben.

Frühmittelalterliche Wüstung im Botanischen Volkspark

Das Dorf befand sich im Frühmittelalter zwischen Rosenthal und Blankenfelde. Vom Hauptweg in den Park aus sind es wenige hundert Meter, bis sich dem Besucher auf der rechten Seite des Weges eine Niederung erschließt.

Wüstung zwischen Rosenthal und Blankenfelde 2017

Am tiefsten Punkt der Niederung liegen die Zingerteiche. Sie waren ideal für die Ansiedlung von Menschen in einer Dorfgemeinschaft. Heute sind diese Teiche mit viel Aufwand wieder renaturiert worden.

Teil der Zingerteiche an der Wüstung

Der Teil des Volksparks auf dem die wüste Dorfstelle liegt, ist geologisch weitgehend im historischen Urzustand erhalten worden. Das Märkische Museum ist im Besitz von Funden aus dieser Wüstung.

Fundverzeichniskarte Märkisches Museum 1962

Auf der betreffenden Fundverzeichniskarte mit dem Namen: „Mittelalterliche Städte, Dörfer und Wüstungen und ihre Ersterwähnungen.“ ist die Fundstelle mit Nr.3 „Dorfstelle in der Niederung zwischen Blankenfelde und Rosenthal“ verzeichnet.

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Botanischer Volkspark Blankenfelde März 2017

Die Wüstung wurde um 1140 vermutlich zu Gunsten von Rosenthal und Blankenfelde aufgegeben. Die Luftaufnahme zeigt ein Teil der wüsten Dorfstelle im Volkspark Blankenfelde.

Autor: Christian Bormann, 05.03.2017

red.Bearbeitung: Martina Krüger, 05.03.2017

Bilder: Christian Bormann, Märkisches Museum

Luftbild: Guido Kunze

Botanischer Volkspark Pankow-Blankenfelde

Auf einem stillgelegten Rieselfeld zwischen Niederschönhausen, Rosenthal und Blankenfelde ließ Albert Brodersen 1909 einen Zentralen Berliner Schulgarten auf 34 Hektar anlegen. Zuvor befand sich schon 1874 der 1. Zentrale Berliner Schulgarten im Humboldthain Wedding. Auf den Rieselfeldern von Blankenfelde wurde im westlichen Teil die eiszeitliche Urform erhalten. Im östlichen Teil wurden landwirtschaftliche Nutzflächen angelegt. Mit der Planung und Gestaltung befasste sich Alexander Weiß, er gestalte 1925 auch die Schönholzer Heide.

Eingang Botanischer Volkspark
Eingang Botanischer Volkspark Bkankengelde

Die Hauptwege wurden mit Apfelbäumen und Zierhölzern bepflanzt. So konnten sich die Berliner Schulen mit Pflanzenmaterial und Hölzern für den botanischen Unterricht versorgen. Ab 1911 wurde ein Eichen- und Buchenhain angelegt, 1912 folgte dann die Installation der „Geologischen Wand“. Diese Steinwand stammt ursprünglich aus dem Volkspark Humboldthain.

Gehege Botanischer Volkspark
Wildgehege Volkspark Blankenfelde 2014

Während des I. und II. Weltkriegs dienten die Flächen der Notversorgung der Berliner Bevölkerung, das galt für viele großen Pankower Grünflächen so auch im Brose- und Bürgerpark. In den 50er Jahren regte der Leiter des Grünplanungs-Amtes, Reinhold Linger, die Wiederherstellung und Erhaltung der botanischen Anlage an.

Gewächshaus
Gewächshaus im Volkspark Blankenfelde

Ab 1952 befand sich hier die Zentralstation der „Jungen Naturforscher Walter Ulbricht“. Wildgehege, Stallungen und Volieren wurden errichtet. Die Humboldt-Universität übernahm 1971 die Anlage als „Botanischen Park“. Der Berliner „Botanische Garten“ befand sich zu dieser Zeit westlich der Berliner Mauer. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands übernahm der Berliner Senat den Park von der Humboldt-Universität. Seit 1994 ist der „Botanische Volkspark Pankow“ eine als Gartendenkmal geschützte öffentliche Grünanlage, auch die „Geologische Wand“ steht seit dem unter Denkmalschutz.

Geologische Wand
„Geologische Wand“ im Volkspark

Seit 2010 wird jedes Jahr wahlweise im Oktober oder September ein Herbstfest gefeiert. Die landeseigene  Grün Berlin GmbH übernahm 2011 die Anlage.

Autor: Christian Bormann 09.10.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Bilder:
Hintze CPS