Archiv der Kategorie: Restaurationen Vergnügungen

Die Villa vor Schönholz und der Borussia Park

  • Zu den bekanntesten vergessenen Orten in Pankow gehört die Villa vor Schönholz. Das Grundstück gehörte 1911 der Terraingesellschaft Bahnhof Schönholz GmbH. Im historischen Andressverzeichnis ist der Mühlenbesitzer und Ingenieur Heinrich Bollenbach und später die Witwe M. Bollenbach eingetragen.
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Villa vor Schönholz 2017

Die mit prächtigem Stuck geschmückte Gründerzeitvilla war seit je her mit einem Park umgeben und lag zwischen dem Bahnhof Schönholz und der Heide. Mit der Schönholzer Heide, die sich bis zur Olympiade 1936 zu Berlins größtem Freizeit- und Erholungspark entwickeln sollte in der Nachbarschaft, lag es nah auch hier gewerblich zu feiern.

Restaurant  Schaller

Auf alten Postkarten sind die Namen unterschiedlicher Betreiber zu sehen. Zum einen wäre da Schaller’s Restaurant Tivoli und auch von Max Rudolph’s Restaurant Borussia Park sind noch Bilder erhalten. Eine der Karten zeigt den Eingang zum Borussiapark mit Blickrichtung Bahnhof Schönholz. Heute entspricht das der Kreuzung der Straße vor Schönholz Ecke Provinzstraße.

Provinz- Ecke Straße vor Schönholz

Auf den historischen Bildern ist noch der echte Treppenaufgang zum Säulenportal zu sehen. Die echte Fülle der Stuckarbeiten lässt sich erst anhand der alten Aufnahmen erahnen. In den Nachkriegsjahren wurde die Villa ab 1945 als Altenheim genutzt. Wärend dieser Phase wurde die innerdeutsche Staatsgrenze errichtet. Plötzlich lag das Altenheim im Borussia Park in der Sperrzone. Als erste Maßnahme wurden die Fenster Richtung Vorlandmauer, die nur einen beherzten Sprung entfernt stand zugemauert.

Max Rudolph’s Borussia Park

Die Fenster Richtung Wedding sind heute Parterre noch zugemauert. Auch der Dachstuhl und dessen Fenster sind nicht original. Das Altenheim musste 1975 einer Dienststelle der Volkspolizei weichen. Diese passte mit ihren Aufgaben eher in eine Zone mit gesonderter Zutrittsgenehmigung.

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Postkarte Restaurant Borussiapark

Im Verlaufe des weiteren Ausbaus des Todesstreifen wurde auch der Friedhof zwischen Bürgerpark und Villa in Mitleidenschaft gezogen. Über den Friedhof verlief jetzt die Vorlandmauer. Zeitzeugen berichteten, das die Leichname aus Gräbern, die jünger als 3 Jahre waren, exhumiert werden mussten. Die Gebeine sollen 2 Wochen im Keller der Villa vor Schönholz zwischengelagert worden sein. Wegen des bestialischen Verwesungsgeruchs beschwerten sich die Anwohner. Die Leichen sollen über Nacht wieder verschwunden sein.

Friedhof am Bürgerpark Schönholz

Seither wird vermutet, dass die menschlichen Überreste in einer Nacht- und Nebelaktion in der Heide verscharrt wurden. Tatsächliche Belege ließen sich hierfür aber nicht finden. Während der Zeit der Volkspolizei wurde das Gebäude auch für andere staatliche Unterdienststellen genutzt. Die Gesellschaft für Sport und Technik saß hier ebenso wie die Musterungsstelle der NVA.

Reisedokument gestempelt in Schönholz

Auch in den Jahren der Maueröffnung herrschte in der Villa vor Schönholz noch Ordnung. Auf den Papieren von Herrn Geheb, die in der Dienstelle der Villa gestempelt sind, befindet sich noch der amtliche Stempel der Volkspolizei Pankow auf dem Visum. Nach der Wende und der damit verbunden Abwicklung zahlreicher Dienststellen in Ostdeutschland wurde das Gebäude vom Gewerbeamt genutzt.

Reisedokument gestempelt in Schönholz

Hier begann der Untergang der Villa. Was niemand wusste, in den zum Teil 100 Jahre alten Akten des Gewerbeamtes schlummerte eine Zeitbombe. Und so berichtete auch schon kurz darauf der Berliner Kurier 1992 über mehrere Feuer im „Wirtschaftsamt“. Der Dachstuhl war angezündet worden. Der Kurierbericht war mir als Kind damals nicht bekannt und auch von der Funktion des Hauses wusste ich nichts.

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Villa vor Schönholz Hauptportal 2017

Eher zufällig kam ich in den Tagen nach dem großen Feuer an der Villa vorbei. Meine kindliche Neugier war geweckt. Auf dem Grundstück, keine 4 Meter vom Hausflureingang entfernt, stand ein kleines gemauertes Heizhaus. Ich betrat es als erstes, weil es abgesehen von einem Sprung über den Zaun frei zugänglich war. Ich staunte nicht nicht schlecht, der Ofen war randvoll mit amtlichen Akten und auch das gesamte Heizhaus war mit Bergen von Akten, die an unterschiedlichen Stellen angezündet worden waren, vollgestopft.

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Eingang Hausflur

Die in die Jahre gekommene Villa stand nach dem verheerenden Feuer ohne Dach da, zugemauert bis in den ersten Stock gab sie ein trauriges Bild ab. Ich wollte unbedingt hinein und so kletterte ich am Blitzableiter links vom Balkon die Fassade hoch. Auf dem Balkon angekommen betrat ich durch eine der Flügeltüren ein riesiges Amtszimmer im 1.OG. Auf den Tischen standen noch die Tassen, es sah aus wären die Beamten zur Mittagspause.

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Grundstück 2017

Die Schränke und Schubladen waren alle geöffnet oder herausgerissen, alles was das Haus an Akten hergab, wurde in den Hausflur und auf den Dachboden der Villa geschafft. Genauso wie im Heizhaus wurden auch hier die Feuer an mehreren Stellen gelegt. Dem Zufall der Geschichte ist es zu verdanken, dass die Feuerwehren schnell genug vor Ort waren.

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zugemauerte Fenster zum Todesstreifen

Der Plan, die Akten mit dem Gebäude zu vernichten, platzte. Bis heute ist unbekannt, wer für die Feuer verantwortlich ist. Ich stöberte in den Unterlagen, es waren durchgängig amtliche Gewerbeunterlagen aus Pankow, zum Teil schon zur Kaiserzeit angelegt.

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Botschaftsgekände Sambia 2017

Damals erregten die Stempel und ihre staatlichen Zeichen mein Interesse. Neben den Stempeln aus der Kaiserzeit hatten die mit Adler und Hakenkreuz einen besonders schaurigen Eindruck auf mich als Kind gemacht und so packte ich einige der Unterlagen ein und nahm sie mit.

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Versorgungschacht

Ich erinnerte mich noch gut an den gruseligen Keller. Aus dem zugemauerten Hausflur gab es kein Licht, es war dunkel und roch modrig, vereinzelt drang Sonnenlicht durch die vergitterten und notdürftig verbarrikadierten Kellerluken.

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Teil der Grenzanlage Provinzstraße

An den Wänden hingen noch Wandzeitungen zum Wohlgefallen des sozialistischen Bruders. Von den Leichen wusste ich damals noch nichts, zum schlecht träumen reichte der gruselige Keller aber allemal. Wochen später schaute ich mir einige der Dokumente, die ich aus der Villa mitgenommen hatte, genauer an.

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ehem. Straßensperren der Zufahrt Provinzstraße

Mir waren bekannte Namen von Straßen und Gewerben aufgefallen und so begann ich die Akten zu lesen. Mit dem Inhalt erklärte sich auch das Feuer. Es waren zum Teil schon zu Kaiserzeiten angelegte Gewerbeunterlagen, weitergeführt von den jeweiligen Regierungen, auch zu Zeiten der Nationalsozialisten reine Gewerbeunterlagen. Erst mit der Vortführung der Akten durch die Deutsche Demokratische Republik beinhalteten die Gewerbunterlagen Stasidossiers.

Meister Liebe’s Borussia vor Schönholz

So war gleich in der ersten Akte das Dossier über den Betreiber einer Kneipe in der Brehmestraße.  Aus dem Text ging sinngemäß hervor, der Gastwirt Mustermann hätte eine Vorliebe für junge Männer. Da dieses sein Geheimniss sei, könne man die Person im Bedarfsfall mit diesen Erkenntnissen konfrontieren und unter Druck setzn.

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Luftbild Villa vor Schönholz

Der brisante Inhalt der Gewerbeunterlagen war der Auslöser für das verheerende Feuer. Die Beteiligten wussten, dass es eine Frage der Zeit war, bis ihr Inhalt entdeckt und die Verantwortlichen hätten belangt werden können. Die Villa wurde grundsaniert und 1999 von Sambia als Botschaft gekauft, wegen fehlender Mittel aber nie bezogen. Jetzt ist das Haus wieder verblombt und gammelt vor sich hin. Zuständig ist das Auswärtige Amt. Das sieht kein Grund zu handeln.

https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=1527555050648448&substory_index=0&id=954046311332661

Autor: Christian Bormann, 09.07.2017

red.Bearbeitung: Martina Krüger, 09.07.2017

Fotos: Christian Bormann, Hannes Geheb, Annemarie Weister (Freundeskreis der Chronik Pankow e.V.) / Friedhof III,

Luftbild :Guido Kunze

RAKATAK

Als Idee aus einer Trommelgruppe heraus entstand 1994 das „Trommelfest Pankow“. Schon das 1. Fest, damals noch im Bürgerpark, lockte zahlreiche Besucher. Im Jahr darauf erschienen die Besucher noch zahlreicher.

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Poster 2016

Zum Schutz der Bürgerpark Anlage suchte das Bezirksamt einen neuen Veranstaltungsort. Mit Erfolg. Im Juli 1996  wurde das „Trommelfest Pankow“ unter dem Namen „RAKATAK“ auf dem bezirkseigenen, historischen Schützensport-Gelände Schloss Schönholz gefeiert.

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Christian u. Zakrya beim Aufbau 2016

Der Name „RAKATAK“ stammt vom gleichnamigen Instrument. Neben den inzwischen 2 Festbühnen gibt es zahlreiche Bastelstände für Jung und Alt. Mit einer großen Bar und verschiedenen Köstlichkeiten ist für das leibliche Wohl der Besucher gesorgt.

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RAKATAK 2015

Auf einem internationalen Markt können Instrumente und Waren aus aller Welt bestaunt werden. Mit 150 ehrenamtlichen Helfern ist „RAKATAK“ vermutlich die größte jährliche Leistung dieser Art in Pankow.

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RAKATAK 2015

Für das Jahr 2000 konnten die Veranstalter bereits 5000 Besucher aus Berlin und Brandenburg vermelden. Das erinnert an historische Zeiten, als Pankow und Schönholz um die Jahrhundertwende jedes Wochenende von Tausenden feierlustigen Berlinern besucht wurde.

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hintere Festwiese 2016

Durch die Bezirksreform zum Großbezirk Pankow wuchs mit Prenzlauer Berg und Weißensee auch der Verbund der Jugendkulturzentren.

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vordere Festwiese 2016

Inzwischen gibt es auch eine eigenständige Musikgruppe Rakatak. Diese Gruppe trägt ihren Namen mit freundlicher Genehmigung der RAKATAK Veranstalter.

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Internationaler Markt

Zu den Ausrichtern von „RAKATAK“ zählen heute der Lade Club, die Garage Pankow, die Mühlenstraße 24, die Königsstadt und Maxim. Schirmherrin der Veranstaltung ist Christine Keil Bezirksrätin und Leiterin der Abt. Jugend und Immobilien.

 

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https://youtu.be/J2VLtaXLZgY

Autor: Christian Bormann, 16.07.2016
red. Bearbeitung: Martina Krüger, 06.08.2016
Bilder: Christian Bormann

Die Bunker in der Schönholzer Heide

Am bekanntesten ist der oberirdische Heide-Bunker auch Luna-Bunker genannt. Er liegt an der Hermann-Hesse-Straße zwischen Paul-Zobel-Sportplatz und der Schießanlage Schloss Schönholz.

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Luftbild Luna-Lager 1943

Ursprünglich zum Schutz der Pankower Bevölkerung vor Fliegerangriffen gedacht, hatte er als Schutzbunker schnell ausgedient. Aufgrund der massiven Zunahme der Vergeltungsangriffe auf Berlin wurden eiligst Schutzräume in den Kellern der Berliner Mietskasernen angelegt.

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Luna-Bunker 2016

Aus dem Heide-Bunker wurde jetzt ein Nachrichtenbunker. Hiervon zeugt noch heute ein massiver Ankerring für den Funkmast.

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Ringanker vom Funkmast

Der Bunker steht auf dem ehemaligen „Luna Park“-Nachfolger Vergnügungspark „Traumland in Schönholz“. Daher auch die Bezeichnung Luna-Bunker.

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Luna-Bunker 2016

Im Juni 2016 gelangen mir Innenaufnahmen im verschlossenen Bunker. Am Ende des Beitrags ist der Link zum 6 minütigen Video.

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Eingang zum Luna-Bunker

Der gesamte Bereich „Traumland“ wurde in den 1940er Jahren zum Friedhof 6 und Barackenlager für Zwangsarbeiter.

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Zwangsarbeiter vor ihren Baracken im Luna-Lager 1943

Auch das Schloss Schönholz und die Thiemann’schen Festsäle vor Schönholz beherbergten Zwangsarbeiter, die unter anderem bei Bergmann Borsig und in den Argus Motorenwerken arbeiteten.

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Wach- und Geschützbunker Schönholz 2014

Das Lunalager, wie die Pankower das Zwangsarbeiterlager nannten, wurde militärisch gesichert und bewacht. Die entsprechenden Erdbunker bzw. Geschütztürme mit ihren Schießscharten Richtung Heide existieren heute noch südlich und nördlich der Straße vor Schönholz.

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Luna-Bunker, Juni 2016

Turm Eins befand sich zwischen Sperrgebiet der innerdeutschen Grenze und einer nicht mehr existenten Kleingartenanlage, Turm Zwei stand auf einem privaten Hofgrundstück direkt an der Heide. Vor der Öffentlichkeit verborgen überdauerten Sie die Zeit.

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Luna-Bunker, Juni 2016

Der Heide Bunker ist heute Zankapfel zweier Glaubenslager.

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Luna-Bunker, Juni 2016

Da sind jene, die den Bunker als Erinnerung der Schande am liebsten heute noch selbst abreissen wollen und andere, die den Bunker als Mahnmal erhalten möchten.

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Luna-Bunker, Juni 2016

Ich selbst sehe keinen Grund, hunderttausende von Euros zu verbrennen, um ein Bauwerk zu vernichten, das niemanden stört, Neugierige nach Schönholz lockt und dazu einlädt, sich mit Pankows Geschichte zu beschäftigen.

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Luna-Bunker, Juni 2016

Bunker Zwei hat keinen eigenen Namen, da es ihn bis heute nur gerüchteweise gab.

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Luna-Bunker, Juni 2016

Bei meinen Recherchen zum Luna Bunker stieß ich in einem NVA-Forum auf die Aussagen von Ex-Militärs. Diesem Personenkreis zufolge sollte es am Ende von Friedhof 6 einen weiteren unbekannten Bunker geben.

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Luna-Bunker, Juni 2016

Es dauerte einige Jahre bis das Gerücht zur Gewissheit wurde und ein Blick auf die Außenwände möglich war.

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Luna-Bunker, Juni 2016

Belege für die Existenz von Bunker Zwei ließen sich bis 2016 nicht finden. Friedhof 6 wurde direkt hinter dem Sportplatz für innerstädtische Bombenopfer angelegt.

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Friedhof 6 Schönholz, Notgräber 1943

Auf Grund der vielen Opfer überwuchs der Friedhof das „Luna Lager“ allmählich . Von Friedhof 6 existiert heute nur noch eine kleine vergessene Märchenwelt.

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Reste Friedhof 6, Juli 2016

Die ursprünglichen Außengrenzen sind für gute Beobachter noch zu erkennen.
Am nördlichen Ende der Friedhofswiese liegen heute die vier Knochenberge, unter ihnen liegen nicht nur die Reste von Friedhof 6.

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Knochenberge auf Bunker 2

Der südöstliche von Ihnen beherbergt tatsächlich Bunker Zwei. Es war meine Hündin, die ihn für mich entdeckt hat.

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Bunker 2

Sie hatte ihr Spielzeug unter einem Stahlträger in der Wiese versteckt.
Was für eine Überraschung. Der Träger gehörte zur Deckenkonstruktion von Bunker Zwei.

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Bunker 2

Ausgerechnet an der von den Militärs beschriebenen Stelle. Einen Zugang gibt es hier nicht, wer unter den Stahlträger kriecht stößt gleich auf eine Außenwand.

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Heide-Theater 2016

Zu Bunker Zwei lassen sich heute keinerlei Dokumente mehr finden.Vermutlich wurde er in der Zeit des „Luna Lagers“ gebaut und  von den Sowjets und der NVA noch in den 1950er Jahren genutzt.

Das ehemalige Zwangsarbeiterlager war weggebombt. Auf dem Schlachtfeld Schönholzer Heide entstand ein Sammelplatz für Kriegsreparationen.

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Bühnenreste Heidetheater

Alles was die Sowjets im Bereich Pankow an Industrieanlagen demontierten, wurde in der Heide gesammelt, registriert und von hier aus in die Sowjetunion verfrachtet.

Abstieg Schacht 3 Hohenzollern-Berge

Eine dritte unterirdische Anlage liegt zwischen Friedhof 6 und dem versunkenen Heidetheater.Es handelt sich um mehrere zusammenhängende Versorgungsräume, die bis 2012 noch zugänglich waren. Aufgrund der verwendeten Baustoffe lässt sich die  Erbauung auf die 1930er Jahre zurückführen. Das heißt, die ursprüngliche Nutzung fällt in die Zeit des „Traumland“ sowie des „Luna Lager“.

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Ehrenhain, umgebettete Opfer

Höchstwahrscheinlich wurden die Räumlichkeiten auch zu DDR-Zeiten als Versorgungsräume für das Heidetheater genutzt. Bis 2012 dienten diese Räume der Zigarettenmafia als Warenlager, vermutlich aus diesem Grund ist der Zugang von Bezirksamtsmitarbeitern unter Erdreich und Fundamentbrocken versteckt worden.

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alter Pflasterweg von Traumland und Luna-Lager

Neben den zwei Heide-Bunkern  mit ihren zwei Wach- und Schützenbunkern sowie den alten unterirdischen Versorgungsräumen von „Traumland“ und „Luna Lager“ existieren noch 3 weitere versteckte Einstiege zu Versorgungsschächten. Die Einstiege liegen auf dem Flurstreifen zwischen Heide Theater und dem großen Hohenzollern-Berg. Stufen aus Armiereisen sind zwischen den roten, im Kreis vermauerten Klinkern einbetoniert. Die Schächte wurden in den 1950er Jahren mit Militärschrott verfüllt, tausende Kleinteile von Gasmaskenfiltern  über Uniformknöpfe und Munitionsabfälle vermischt mit Erdreich.

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Areal: Traumland, Luna-Lager, Friedhof 6

Alle 10 Jahre taucht der eine oder andere Schachteingang durch Erosion wieder auf, das Bezirksamt ist seither bemüht, diese Einstiege eilig wieder zu verstecken. Würden Besucher hier beim Stöbern in einem dieser Schächte auf Munition stoßen, was unvermeidlich wäre, hätte dies für den Bezirk enorme Kosten zur Folge. Nach einer Munitionsfundanzeige müsste von Amtswegen der gesamte Gefahrenbestand erkundet und gesichert werden. Das würde großflächige und kostenintensive Baggerarbeiten sowie weiträumige Absperrungen der Schönholzer Heide bedeuten. Das will niemand!
Und so bleibt es dabei, wo nichts zu sehen ist, da ist auch nix.

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https://youtu.be/W8MXGQivxs4

Autor: Christian Bormann, 14.06.2016
Fotos: Nick Kempka, Christian Bormann,
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 23.06.2013

Pankower ist 1. König von Albanien

Der am 16.10.1871 geborene Pankower Otto Witte war Schausteller und Abenteurer. Am 28.10.1912 erklärte Albanien seine Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich. Weder das westliche Europa noch das Osmanische Reich trauten Albanien eine eigene Führung zu. Es begann das Tauziehen um den Einfluss in Albanien zwischen Deutschen und Türken.

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Witte als General Feldmarschall
In diesen Wirren betritt der Pankower Otto Witte die Bühne der Geschichte. Witte ist zu dieser Zeit Soldat in der türkischen Armee. In Konstantinopel traf er seinen Bekannten Ismael Arzim. Witte hatte enorme Ähnlichkeit mit Prinz Hallim Eddina. Der Abenteurer Witte sprach Rumänisch, Serbisch, Bulgarisch, Türkisch und Griechisch. Arzim warb ihn sogleich als Spion an. Zu seinen ersten Aufgaben gehörte die Beschaffung der Angriffspläne der bulgarischen und der serbischen Armee.

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Witte und Tochter Elfriede 1920
Nachdem er diese Aufgaben erfolgreich abgeschlossen hatte, fühlte sich Witte zu Höherem berufen. Fortan war er unter dem Decknamen „Prinz“ als Türkischer Generalfeldmarschall unterwegs. Stehts an seiner Seite war sein Adjutant Ismael Arzim. Sie befanden sich mitten im Balkankrieg und die türkische Armee drohte ihren Einfluss in Albanien zu verlieren. Da ließ Generalfeldmarschall Witte zwei türkische Armeekorps zusammenlegen.

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Otto Witte mit Adjutanten
In einer Vorausdepesche kündigte der Generalfeldmarschall seine Ankunft sowie die sofortige Übernahme des Oberbefehls an. Die Türkische Generalität war beeindruckt vom falschen Prinzen. Er schien geeignet, die türkischen Interessen in Albanien zu vertreten. Auch die albanische Seite versprach sich von der Krönung eines eigenen Königs mehr Unabhängigkeit. So wurde der Pankower Otto Witte am 15.02.1913 eiligst zum 1. König von Albanien gekrönt. Die Nachricht von der Ausrufung Otto I. von Albanien ging um die Welt.

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Personalausweis Witte’s mit Titel
In Deutschland herrschte blankes Entsetzen. Reichskanzler Bethmann Hollweg war außer sich vor Wut. Schließlich hatte man sich doch auf den Prinzen zu Wied als König geeinigt. Die Türken, sich keiner Schuld bewusst, ließen ausrichten, dass der Prinz in Konstantinopel sei und es sich um ein Irrtum auf deutscher Seite handelte. Gefahr drohte Otto I. von nationalistischen Albanern, die keinesfalls bereit waren, den vermeintlich türkischen Prinzen als albanischen König anzuerkennen.

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Reklamekarte des Abenteuers
Als der Angriff erfolgte, stellte sich Witte an die Spitze der Palastgarde und schlug die Angreifer in die Flucht. König Otto I. hielt sich ganze 5 Tage auf dem Thron. Bevor man ihn als Hochstapler verhaften konnte, floh er ins Deutsche Reich zurück. Witte wohnte in der Wollankstraße 41, seiner Berufung als Schausteller blieb König Witte treu.

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Orientalische Bühnenshow Otto 1.
Er vermarktete sich selbst als Otto I., Ex-König von Albanien.  Ehemaliger König von Albanien war auch offiziell in Wittes Personalausweis vermerkt. Am 13.08.1958 starb Otto I., sein Grab befindet sich in Hamburg auf dem Friedhof Ohlsdorf. Der pompöse Grabstein trägt die Inschrift „OTTO WITTE EHEM. KÖNIG V. ALBANIEN“.

Die Familie Witte blieb dem Schaustellergewerbe treu. So machten auch der Enkel Norbert Witte als Ex-Spreepark Chef und der Urenkel Marcel Witte weltweit Schlagzeilen.

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Norbert Witte 2004 vor Gericht
Von 2002 bis 2006 mussten die Spreeparkfreunde mit ansehen wie die Wittes mit Fahrgeschäften ins Ausland flohen. Sie hinterließen Schulden und einen nicht mehr zu rettenden Spreepark. Der ganz große Coup sollte es sein.

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Marcel Witte 2006 vor Gericht
Gemeinsam mit der Mafia wollten Norbert und Marcel mit ihren Fahrgeschäften Kokain schmuggeln. Norbert Witte stand 2004 vor Gericht. Sein Sohn Marcel Witte wurde 2006 wegen bandenmäßigem Drogenhandel verurteilt.

Autor: Christian Bormann, 27.05.2016

Bilder: antike Ansichtskarten (6), Berliner Zeitung 2002-2006 (2)

Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 28.05.2016

Der Hexenturm an der alten Meierei im Bürgerpark

Seit mehr als 100 Jahren ist der Killisch von Horn Park für die Pankower als Bürgerpark öffentlich zugänglich. In der Kreuzstraße 5 neben Schmidt-Hutten aufgewachsen, verbrachte ich fast jeden Tag mit meinen Schulfreunden im Bürgerpark. Als Kinder hatten wir zwei Lieblingsplätze. Da war zum einen die Teufelsbrücke über dem Ziegengehege.

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Teufelsbrücke

Im Sommer konnten wir uns hier mit unseren Fahrrädern austoben und im Winter wurden die Zweiräder gegen Schlitten getauscht. Der zweite Ort war geheimnisvoll und für uns Kinder gruselig. Es war die alte Meierei mit dem Hexenturm.

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Taubenturm an der alten Meierei

Das einstöckige gelbe Backsteingebäude ließ Killisch von Horn 1860 bis 1868 mit Taubenturm errichten. Die Fenster waren zugemalert und es ließ sich kein Blick ins Innere werfen.

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alte Meierei und Sportrestaurant

Das Gebäude und der Hof waren immer sichtgeschützt.  Vom Hof selbst war nur das Bellen eines großen Hundes zu hören. Das ist auch heute noch so. Das geheimnisvolle Gebäude wurde in unserer kindlichen Fantasie zu den Resten eines Alten Schlosses mit Hexenturm. Der Turm zog uns Kinder magisch an.

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Vogelvoliere am Jägerhaus

Die Meierei mit ihren gelben Backsteinen war so völlig anders als alle anderen Gebäude im Park. An der westlichen Seite des Parks befand sich von Anfang an der Wirtschaftsteil. Dieser umfasste die alte Meierei, das zweistöckige Jägerhaus an der Vogelvoliere und eine Orangerie.

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Jägerhaus an der alten Meierei

Das Jägerhaus existiert heute noch, aber ohne zweites Stockwerk. Es steht zwischen Meierei und Vogelvoliere. Auf der großen abgezäunten Freifläche befanden sich die Tennisplätze.

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zubetonierte Tennisplätze

Der Alten Meierei fehlt ebenfalls das Dach. Der Mauerschatten des Daches ist noch an der Rückseite des Hexenturmes zu sehen. Im Hexenturm, der als Taubenturm errichtet wurde, hing ursprünglich eine Vesperglocke die zur Abendandacht geläutet wurde.

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Sportrestaurant in der Meierei 1940

In der alten Meierei befand sich in den 1940er Jahren ein Sportrestaurant. Zwei weitere Gastronomen bewirtschafteten das Jägerhaus und das Restaurant Hillgners im alten Herrenhaus am Rosenpavillon.

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Teller Restaurant Bürgerpark

Der Bürgerpark hat heute drei Steintore. Das pompöse Haupttor im Stiel eines Triumphbogens mit seinen beeindruckenden Putten ist allen bekannt. Daneben gibt es noch das verputzte Backsteintor in der Kreuzstraße und das 1929  mit Zufahrtsstraße errichtete kleine Schmucktor am alten Pumpwerk Wilhelm-Kuhr-Straße.

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Steintor u. Wirtschaftstraße Meierei

Tor und Straße wurden speziell für die wirtschaftlichen Bedürfnisse des Sportrestaurants  sowie der Tennisplätze und Hillgners Restaurant Bürgerpark gebaut. Die alte Meierei wird vom Bezirksamt Pankow als Lager benutzt.

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Vogelkäfige in der alten Meierei

Im Inneren sind noch Vogelkäfige, Futter und allerhand Gärtnereiutensilien für den Betrieb der Vogelvoliere  zu sehen.

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alte Meierei und Tennisplätze 2017

Die Tennisplätze wurden betoniert und sind heute Stellfläche für den Fahrzeugpark des Grünflächenamtes.

 

Autor: Christian Bormann, 25.05.2016

Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 25.05.2016

Bilder: Bormann, historische Postkarten

Luftbild: Guido Kunze

Restaurant Bellevue Breite Straße

Der Rheinländer Anton Ringel war neben seinen Tätigkeiten als Gemeindevertreter und Vorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr seit 1890 auch Präsident des Deutschen Gastwirtsverband. Der Träger des Deutschen Kronenordens 4. Klasse gehörte zu den großen Pionieren der Pankower Gastronomie.

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Werbe-Dose Restaurant Bellevue 1900

Begonnen hatte er mit Ringels Gesellschaftshaus in der Kreuzstraße 3 bis 4, heute noch als Tanzschule Schmidt-Hutten am Bürgerpark bekannt. In der Kreuzstraße 5 verbrachte ich meine Kindheit. Wir sammelten gerne die alte Flaschenverschlüsse, die hier noch zu hunderten im Erdreich steckten.

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A. Ringel’s Bellevue Breite Straße 21a

Mit seinem Gesellschaftshaus sammelte Ringel erste Erfahrungen, bevor er 1888 das Bellevue eröffnete. Mit dem neuen Standort Breitestraße 21a, schräg gegenüber dem Rathaus, gehörte das Bellevue zu den ersten Adressen am Platz. Eine Haltestelle der Elektrischen Straßenbahn trug maßgeblich zum Erfolg bei. Hiervon zeugt die Werbedose von 1900. Es schien wohl nicht mehr erforderlich, auf die Adresse des bekannten Restaurants hinzuweisen. Viel wichtiger war die Erwähnung der Haltestelle.

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Tanzschule W. Tietz im Bellevue 1905

Der berühmte Tanzlehrer Wilhelm Tietz unterhielt hier 1900 seine Tanzschule. Das Museum Pankow ist noch im Besitz einer sehr seltenen Werbedose, mit der historischen Ansicht des Restaurants.

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M. Höpfner’s Restaurant Bellevue 1902

Die kleine Blechdose ist wohl spätestens 1900 entstanden, denn auf den Ansichtskarten ab 1902 wird bereits M. Höpfner als Inhaber genannt. Neben dem Bellevue befanden sich zur Jahrhundertwende etwa ein Dutzend Gastwirtschaften am Pankower Anger.

Autor: Christian Bormann, 15.02.2016
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 31.03.2016

Sanssouci in Nordend

Gegenüber dem alten Pankower Straßenbahnbetriebshof Schönhauser-/Ecke Dietzgenstraße stand bis zum Zweiten Weltkrieg ein luxuriöses Ausflugslokal. Heute erhebt sich an dieser Stelle eine große Wiese, einen Meter über dem Straßenniveau, umfasst von einer Steinmauer.

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Restaurant Sanssouci un 1930

Sanssouci gehörte zu den beliebtesten Veranstaltungsorten im Berliner Norden. Ein riesiger Biergarten sowie die luxuriöse Innengestaltung des Hauptsaals trugen dem Namen Sanssouci Rechnung.

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Postkarte Sanssouci um 1920

Auf alten Ansichtskarten erschließt sich dem Betrachter eine längst vergessene Welt. Eine Aufnahme vom „Tanz der Schmetterlinge“ 1937 gehört zu den letzten bekannten Aufnahmen.

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Aufführung im Sanssouci

Ein weiterer Vorteil für die Besucher war der damals hochmoderne Straßenbahnhof Niederschönhausen. Er lag direkt auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

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Festsaal im Sanccousi

Eine Haltestelle der Elektrischen-Straßenbahn direkt vor dem Lokal ermöglichte den Damen auch in feinsten Sonntagskleidern, sauber und bequem ihr Ausflugsziel zu erreichen.

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Restaurant und Betriebshof um 1920

Auf dem hinteren Areal des damaligen Grundstückes werden derzeit Wohnungen gebaut. Die Wiese, unter der sich der ehemalige Biergarten befand, ist noch frei zugänglich.

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Standort 2017

Für die Zukunft ist absehbar, dass die Wiese sowie auch der bereits geschlossene alte Straßenbahnbetriebshof verschwinden werden.

Autor: Christian Bormann, 07.02.2016
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 31.03.2016

Sternecker und sein Welt-Etablissement Schloss Weißensee

Die Geschichte von Schloss Weißensee beginnt im Jahr 1745 als Gutshaus des Geh. Rath. Carl Gottlob von Nüßler. Den Namen Schloss Weißensee verdankt das Haus seiner übertrieben pompösen Ausstattung. Im Jahr 1877 pachtete Rudolf Sternecker erstmals das Schloss und versuchte sich als Gastronom in Weißensee. Seine Vorgänger waren zuvor an gleicher Stelle gescheitert. Auch Sternecker war seiner Zeit zu weit voraus. Es mangelte schlicht an Gästen aus Berlin.

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Welt-Etablissement Schloss Weißensee, 1888

Acht Jahre später versuchte es Sternecker noch einmal im Schloss Weißensee. Die Zeiten hatten sich geändert, zehntausende Berliner strömten jetzt an ihren freien Tagen in die Berliner Vororte und suchten hier ihr Vergnügen. Rudolf Sternecker schuf mit seinem Etablissement Schloss Weißensee den zu seiner Zeit größten und modernsten Freizeitpark Berlins.

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Schloss Weißensee mit elektrischer Eisenbahn, 1890

Das Schloss erweiterte er um einen Ballsaal. Um den See herum entstanden Musikpavillons, Karussells, eine Badeanstalt sowie ein Hippodrom, das Riesenrad und zahlreiche Jahrmarktschaukeln sowie das Lusthäuschen.

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Schloss Weißensee, 1889

Im Weißen See selbst wurde eine Theaterbühne errichtet. Während die Besucher mit Gondeln den See befuhren oder in künstlichen Bassins tauchten konnten sie dem Spektakel auf der Bühne folgen. Einmal täglich ließ Sternecker einen Vulkan auf dem See ausbrechen und Pompeji untergehen. Auch Feuerwerk, Goldregen über dem See und Fallschirmspringer, die von einem Ballon absprangen, waren Garanten für beste Unterhaltung.

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Reklame Sternecker Weißensee, 1890

Sterneckers erfolgreichste Attraktion war die Schweizer Rutschbahn, auch „Schwedische Rutschbahn“ genannt. Hunderttausende besuchten das „Welt-Etablissement Schloss Weißensee“. Der Verzehr von Getränken in den Bierhallen war so gewaltig, dass an der Königs-Chaussee eine eigene Brauerei errichtet werden musste.

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Sterneckers Schweizer Rutschbahn

Neben einem Motorboot, welches auf dem See verkehrte, fuhr auch eine elektrische Eisenbahn auf dem Festgelände. Ein Teil der Strecke war sogar untertunnelt. Zu den modernsten Errungenschaften gehörte neben der elektrischen Beleuchtung um den See herum eines der ersten Telefone in Weißensee.

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Lusthäuschen im Park

Rudolf Sternecker wohnte bis 1893 in der Albertinenstraße. Schon 1897 brach er seine Zelte in Weißensee ab und verschwand aus dem Fokus der Geschichte. Das Schloss Weißensee brannte am 21.Februar 1919 ab.

Autor: Christian Bormann, 06.02.2016
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Das falsche Schloss Schönholz

Anfang der 1750er Jahre kaufte Königin Elisabeth Christine einen Teil der Schönhauser Fichten. Diese erstreckten sich damals noch vom Nordufer der Panke im Bürgerpark bis zur Jungfernheide. Auf dem Areal der heutigen Schönholzer Heide ließ Elisabeth eine Maulbeerplantage anlegen.

Gutshaus der Königin Plantage, sogenanntes Schloss Schönholz, 1885

Die von da an sogenannte Königinplantage gehörte organisatorisch zum Schlosspark Schönhausen. Am Rand der Plantage siedelte die Königin im Jahre 1736 Kolonisten an. Es waren Leineweber und Tuchmacher. Auf diese Kolonisten lässt sich auch der Name Tuchmacherweg zurückführen. Den Namen Schönholz bekam die Kolonie im Jahre 1791. So wurde aus diesem Teil der Schönhauser Fichten die Schönholzer Heide.

Allee zum Gutshaus, sogenanntes Schloß Schönholz, 1885

Anfang der 1790er Jahre entwickelte sich die Königinplantage zu einem Landgut. Das Gutshaus wurde um 1800 erbaut und war von innen pompös ausgestattet. In den umliegenden Dörfern nannte man das Gutshaus Schloss Schönholz. Von 1872 bis 1884 befand sich in dem Gutshaus die höhere Mädchenschule von Henriette Jenrich.

antike Postkarte Restaurant Schloss Schönholz 1900

Die Berliner Schützengilde kaufte das Gelände samt Gutshaus. Der größte Teil des schon stark verfallenen Hauses wurde abgerissen. Das 1884 erbaute Schützenhaus wird heute Schloss Schönholz genannt. Um 1900 betrieb Hans Rettschlag sein Restaurant Schloss Schönholz im alten Gutshaus.

Zeitung mit Zeichnung vom Schloss 1933

Als Restauration blieb das Gutshaus bis zum 2. Weltkrieg erhalten.Hiervon zeugen neben historischen Postkarten ein Zeitungsartikel nebst Zeichnung und Nutzungspläne des Vergnügungsparks Traumland und Luna Lager. Auch auf den Luftbildern von 1943 ist das Schloss mit Saalanbau noch zu sehen.

antike Postkarte Restaurant Schloss Schönholz 1903

Auf den Karten ist immer der übrig gebliebene mittlere Bauteil des Gutshauses sowie vorgenommene An- und Neubauten wie Tanz- und Festsäle zu sehen. Spätestens mit Rettschlags Restaurant Schloss Schönholz war das Schützenhaus über die Grenzen Berlins hinaus als Schloss bekannt.

Schützenhaus, genannt Schloss Schönholz, 1895

Gleich mehrere Gebäude auf der alten Königinplantage in Schönholz konnten den Namen Schloss Schönholz für sich beanspruchen. Bis Ende des 2. Weltkriegs sprachen die Pankower vom Gutshaus der Königinplantage wenn sie von Schloss Schönholz sprachen. Das alte Gutshaus Schloss Schönholz liegt auf der alten historischen Kreuzung verlängerte Heinrich-Mann-Straße Ecke verlängerte Tucholskystraße.

Autor: Christian Bormann 09.10.2015 / 27.02.2017
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 31.03.2016 / 27.02.2017

Alte Pankgrafen-Vereinigung von 1381

Treue zum Vaterland,
Wohltätigkeit,
Freundschaft

Die Geschichte der Pankgrafen reicht bis in die Zeit des mittelalterlichen Raubrittertums. Urkundlich nachweisen lässt sich die Pankgrafenschaft ab 1381. Schon wärend der Hussitenkriege in der Mark wurden die Pankgrafen in Landsknechtliedern besungen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg verliert sich der Orden. Im Jahr 1881 erfolgt die Wiederbegründung der Pankgrafen-Vereinigung von 1381.

pankowerchronik, Christian Bormann, Pankrafenschaft,
Alte Pankgrafschaft von 1381, um 1903

In Pankow sprach man schon im 17.Jahrhundert über die Legende von Pankgraf Udo mit der gespaltenen Klaue. Zu seinen Untugenden gehörte auch die Trunksucht. So stürzte er sich der Legende nach 1631 betrunken in voller Rüstung in die Panke, wo er jämmerlich ertrank. Seither taucht Udo alle 50 Jahre als Nebelschatten auf. In einer zweiten, zu ihrer Wiederbegründung im 19. Jahrhundert selbst geschaffenen Legende, wird Udo zum Urgraf Udo mit der gespaltenen Klaue. Er soll es gewesen sein der die Pankgrafschaft 1381 gründete.

pankowerchronik, Christian Bormann, Pankgraf,
Antritt der Pankgrafen zur „Ritterfahrt“

Anlass hierfür soll die Schlacht am Lausefenn gewesen sein. Gemeinsam mit anderen rechtschaffenen Rittern schlug Udo das räuberische Gesindel in die Flucht. Die siegreichen Friedensbringer sollen sich daraufhin zum Ritterorden der Pankgrafen vereinigt haben. Das Jahr 1631 wird zu 1381. Dieser Legende nach stürzte sich Udo mit der gespaltenen Klaue aus Gram darüber, dass sein geliebter Fluss zugeschüttet werden sollte, in die Panke. Auch in dieser Legende nach ertrank Udo und tauchte alle 50 Jahre als Nebelschatten auf, allerdings um sich zu versichern, dass es die Panke noch gab.

pankowerchronik, Christian Bormann, Wirtshaus zum Pankgrafen
Wirtshaus zum Pankgrafen mit Panke-Badeanstalt, 1900

Die Pankgrafen lebten stets in der Nähe der Panke. Die Dörfer Wedding, Reinickendorf und Pankow waren ihre Heimat. Das die Pankgrafen oft Pankow zugeordnet werden, erklärt sich aus ihrem verstärkten Wirken aus Pankow heraus. Hier hinterließen sie auch die meisten Spuren. Beispielhaft hierfür ist das in den 1890er Jahren erbaute Wirtshaus zum Pankgrafen in der Schlossstraße 6 in Pankow, heute Ossietzkystraße. Feierliche Eröffnung war am 25.März 1896. Das Wirtshaus hatte eine angeschlossene Flussbadeanstalt an der Panke und einen Biergarten, der 4000 Besucher faste.

pankowerchronik, Christian Bormann,
Pankgraf und Fotograf Richard Kasbaum, 1900

Der bekannteste Pankower Pankgraf war vermutlich der Fotograf Richard Kasbaum. Kasbaum hinterließ die sogenannte Kasbaum-Villa im Majakowskiring. Die Villa wurde 1900 bis 1901 im neoklassizistischen Stil errichtet. Das Grundstück hatte er gut gewählt. In Sichtweite des Schlosses Schönhausen und des Vereinshauses seiner Bruderschaft. Aus dem Biergarten vom Wirtshaus konnte jeder seiner Ordensbrüder sein imposantes Heim sehen. Nachdem das Baden in der Panke Anfang der 1920er Jahre verboten wurde, ging auch das Wirtshaus allmählich zugrunde. Die Pankgrafen zogen sich aus Pankow zurück.

Christian Bormann, pankowerchronik
Kasbaum-Villa am Majakowskiring Pankow, 2015

Ihr neues Hauptquartier lag ebenfalls in der Nähe zur Panke, in der Chausseestraße 110 in Berlin-Mitte. Auch dieses Quartier wurde später aufgegeben. Der heutige Sitz des Ritterordens „Alte Pankgrafenvereinigung von 1381 zu Berlin bey Wedding an der Panke“ befindet sich in der Mohrenstraße 63 in Berlin Mitte. Ein weiterer Pankower Pankgraf war Carl Schmidt genannt Schinderschmidt. Schinderschmidt war Architekt und Bauherr des in der Pankgrafenstraße/ Ecke Pestalozzistraße stehenden Gebäudes. Zu seinen Bauten gehören unter anderem auch auch der Rathausanbau und das alte Gesundheitshaus Pankow.

Christian Bormann, pankowerchronik
Pankgraf Carl Schreier, 1912

Auf einem kleinen Vorsprung in der Fassade steht die Figur eines überlebensgroßen Pankgrafen. Eine Privatinitiative sanierte das Mehrfamilienhaus 2003 denkmalgerecht. Das Wohnhaus von Carl Schreier steht ebenfalls wie die Kasbaum-Villa in direkter Nachbarschaft zu Schloss Schönhausen und dem Wirtshaus zum Pankgrafen.

 

Christain Bormann, pankowerchronik
Haus des Pankgrafen Carl Schreier, Pankgrafenstr. 5, 2015

Um 1900 hatten die Biergartenbesucher und Ordensbrüder freie Sicht auf beide Häuser. Damals war die Sichtachse zur Pankgrafenstraße noch nicht verbaut.

Wenn aus der Panke Silber Quell
statt Wasser flosse Bier
dann säße ich an jener Stell
so aber sitz ich hier

Autor: Christian Bormann 04.10.2015
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 31.03.2016