Archiv der Kategorie: Restaurationen Vergnügungen

Manege frei für den Weltmeister der Schwertschlucker und den König der Joungleure

Die Bühne war ihr Leben. Der Weltmeister im Schwertschlucken Paul Widowski und der berühmteste Deutsche Joungleur-König Alfred Wolf, genannt „King Repp“, sind heute fast vergessen. Widowski und Wolf waren echte Weltenbummler, zu ihrer Heimat jedoch machten sie Pankow.

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Weltmeister der Schwertschlucker Paul Widowski

Im Berliner Adressbuch von 1930, so recherchierte es Willy Manns, ist Paul Widowski mit der Wohnanschrift Kaiser-Friedrich-Straße 68 angegeben. Die damalige Kaiser-Friedrich-Straße ist die heutige Pankower Thulestraße.

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König der Joungleure Alfred Wolf, alias „King Repp“

Der 1898 geborene Alfred Wolf war der König der Joungleure. Die Bühne war seine Welt. Als „King Repp“ verzauberte er sein Publikum. Im Jahre 1930 wirkte er mit seiner Artistennummer am UFA-Film „Die letzte Kampagne“ mit. Bis in die späten 1950er Jahre ging er noch auf Tournee in die ganze Welt. Seine Heimat fand er 1944 in Berlin-Buchholz. Hier richtete er sich den Viktoriagarten in der Pasewalker Straße als Varieté ein.“King Repp“ starb 1968 und wurde auf dem Bucholzer Friedhof beigesetzt.

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Präsident der Internationalen Artistenloge, Max Buldemann

Als Präsident der Internationalen Artistenloge soll auch der am 21.Januar 1868 geborene Max Buldemann nicht unerwähnt bleiben. Buldemann reiste nach Amerika, wo er verschiedene Berufe ausübte. Schnell verschlug es ihn zum Varieté. Unter dem Künstlernamen Max Berol-Buldemann begeisterte er als Hellseher, Rechenkünstler und Illusionist. Als wohlhabender Mann kehrte er 1901 nach Pankow zurück. In seiner Zeit als Präsident der Internationalen Artistenloge gründete er den 1. Gewerkschaftlichen Artistenverband. Bis zu seinem Tod am 25.März 1930 Wohnte Max Buldemann in der Florastraße 31. Sein Ehrengrab vom Land Berlin befindet sich auf dem Friedhof Pankow III.

Autor: Christian Bormann 23.09.2015
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 31.03.2013

Rammstein im Schloss Schönhausen

Bei Recherchen zu unserem Artikel „Schloss Schönhausen – Eine Kegelbahn für Fidel Castro“ stießen wir auf die Band Rammstein. Rammstein und Schloss Schönhausen? Diese Verbindung war uns neu.

Schloss Schönhausen
Schloss Schönhausen 2014

Die Innenaufnahmen für das Rammstein Musikvideo „Du riechst so gut“ entstanden 1998 im Schloss Schönhausen. Bereits auf ihrer Debütsingle vom 24. August 1995 aus dem Album „Herzeleid“ war das Lied zu hören.

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Rammstein 1998 im Schloss Schönhausen

Die Produzenten waren Jacob Hellner und Carl-Michael Herlofsson. Das Stück wurde erstmals 1994 in Leipzig live gespielt. Am 17. April 1998 kam es zur Wiederveröffentlichung inklusive Musikvideo.

Rammstein, du richst so gut
Filmset zum Musikvideo „Du riechst so gut“

Das Musikvideo ist ein Zusammenschnitt mehrerer Drehorte. Sämtliche im Video zu sehenden Innenaufnahmen zeigen das frisch restaurierte Schloss Schönhausen von innen.

Rammstein, du richstcso gut
Rammstein, Filmset im Schloss Schönhausen

Der Titel „Du riechst so gut“ hielt sich 10 Wochen in den Deutschen Charts und schaffte es bis auf Platz 16. Der Frontmann Till Lindemann wohnte viele Jahre in der Kollwitzstraße Pankow-Prenzlauerberg. Ich hatte das Vergnügen ihm mehrmals persönlich zu begegnen.

Rammstein, du riechst so gut
Rammstein, Filmset im Schloss Schönhausen

Das Manegement (Pilgrim) von Rammstein sowie das Tonstudio befinden sich heute in der Eichenstraße in Niederschönhausen.

Autor: Christian Bormann 13.07.2015
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 31.03.2016

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Bürgerpark – Die erste Parkbücherei der DDR

Östlich der Teufelsbrücke, am Südrand der großen Liegewiese, steht die kleine Parkbücherei im Bürgerpark Pankow. Sie wurde 1955 als Musterprojekt gebaut und war somit die erste ihrer Art in der DDR. Die Parkbücherei war eine Zweigstelle der Bibliothek Pankow in der Mühlenstraße. Das Beispiel der kleinen Parkbücherei machte schnell Schule und so entstanden rasch weitere, erst in den Ostberliner Parkanlagen und später auch in der übrigen DDR.

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Parkbücherei um 1975

Ein Bibliotheksausweis reichte, um sich Bücher oder Zeitungen zu leihen. Mit einem Klappstuhl konnte sich der Leser ein lauschiges Plätzchen auf der großen Wiese suchen und entspannen.

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Parkbücherei 1977

Die Parkbücherei ist bis heute erhalten geblieben. Es sollen etwa 2.000 Bücher im Bestand sein. Hinzu kommen noch Brettspiele. Mit 1.500 Dauerlesern erfreut sich der kleine Pavillon immer noch großer Beliebtheit.

Pankow, Parkbücherei,pankowerchronik.blog,
Parkbücherei 1979

Als Anwohner habe ich meine halbe Kindheit im Bürgerpark verbracht. Ich freue mich jedes Jahr aufs Neue, wenn ich sehe, dass die Parkbücherei weiter betrieben und genutzt wird.

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Parkbücherei 2015

Autor: Christian Bormann
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 31.03.2016

Wirtshaus zum Pankgrafen

Erbaut wurde das Wirtshaus in den 1890er Jahren direkt an der Pankebrücke, auf der damaligen Schlossstraße, die heutige Ossjetzkystraße. Verantwortlicher Architekt war Christian Müller. Die Betreiber wollten ihr Haus „Zum Pankgrafen“ nennen. Hierfür brauchten sie die Genehmigung der Ordensgemeinschaft.

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Wirtshaus und Badeanstalt zum Pankgrafen

Nachdem sie selbst der Pankgrafenschaft beigetreten waren, erhielten sie die Zustimmung. Am 25. März 1896 wurde das Wirtshaus zum Pankgrafen mit einem Festmahl feierlich eröffnet. Der geheime Ordensrat der Pankgrafenschaft belehnte das Wirtshaus mit der Pankgräflichen Kruggerechtigkeit für alle Zeiten.

Pankgraf Schlossstraße in Pankow
Pankgraf mit Badeanstalt 1900

Allein der Biergarten fasste 4000 Besucherplätze. Zum Wirtshaus gehörte auch eine Badeanstalt am Pankeufer. Durch zunehmende Verschmutzung der Panke wurde das baden in den 1920er Jahren verboten. Das galt für alle Pankebäder in Pankow.

Pankgraf pankowerchronik.blog
Badeanstalt zum Pankgrafen an der Panke um 1900

Im Gegensatz zur Pankgrafenschaft überstand das Gebäude den 2.Weltkrieg nicht. Abgesehen von historischen Postkarten erinnert heute nichts mehr an das Wirtshaus zum Pankgrafen. Am einstigen Standort im Schlosspark, vor den Toren von Schloss Schönhausen, befindet sich heute nur noch Grünfläche.

Ausflugslokal Pankgraf in Pankow um 1900
Wirtshaus zum Pankgrafen und Panke

Erhalten geblieben ist bis heute das pompöse Haus des Fotografen Kasbaum. Die sogenannte Kasbaum-Villa im Majakowskiring. Kasbaum war selbst Pankgraf. Die Kasbaum-Villa war keine hundert Meter vom Wirtshaus entfernt.

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Biergarten zum Pankgrafen um 1900

Wenn aus der Panke Silber Quell
statt Wasser flosse Bier
dann säße ich an jener Stell
so aber Sitz ich hier!

Autor: Christian Bormann 01.04.2015
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 31.03.2013

Ballhaus Pankow

Der Gastwirt August Lehder lässt sich 1880 seine eigene Gastwirtschaft in der Lindenstraße 11, heute Grabbeallee 53 in Niederschönhausen bauen. Das damals noch eingeschossige Etablissement nennt er „Restaurant Schloss Schönhausen“, da es in unmittelbarer Nähe zum Schloss Schönhausen liegt.

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Restaurant Schloss Schönhausen um 1890

Zur Gründerzeit boomt Pankow als Ausflugsort die Geschäfte laufen gut. Schon 1892 lässt August Lehder sein Restaurant um einen 10 Meter hohen Ballsaal, geschmückt mit aufwendigem Deckenstuck und einen Wintergarten im Fachwerkstil erweitern.

Ballhaus Pankow
Ehemaliges Restaurant Schloss Schönhausen

Um 1900 übernimmt der Schwiegersohn August Donath das Restaurant mit Ballsaal, das sich inzwischen zu einer festen Größe im Berliner Norden entwickelt hat. Danath beweist kein gutes Händchen im Gastgewerbe und so kommt es in den folgenden Jahren häufig zum Wechsel des Betreibers.

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stillgelegte Maschinenfabrik um 1990

Mitte 1933 wird der Gaststättenbetrieb komplett eingestellt. Unter der Herrschaft der Nationalsozialisten fällt das alte Ballhaus in einen langen Dornröschenschlaf. Erst in den Nachkriegsjahren wird das Haus wieder genutzt. Anfangs werden noch gesammelte Stahlhelme der Soldaten zu Kochtöpfen für die notleidende Bevölkerung umgeschmiedet.

Ballhaus Pankow
Ballhaus Pankow 2015

Aus diesen Arbeiten entwickelte sich eine Schlosserei und zu guter Letzt ein volkseigener Maschinenbaubetrieb. In der stillgelegten Fabrik haben wir als Kinder oft nach der Schule gespielt. Ich erinnere mich noch gut an den Zustand des Ballsaals. Riesige Maschinen, die mit faustgroßen Schrauben im Tanzparkett verankert waren. Ein trauriger Anblick. Das Haus wird trotz seinen schlechten Zustandes unter Denkmalschutz gestellt und in den Jahren 1993 bis 1995 für 5 Millionen D-Mark saniert.

Autor: Christian Bormann 27.03.2015
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 31.03.2013

HO und "Tischlein deck Dich"

Ende der 1950er Jahre bemühte sich die DDR-Regierung, die Versorgungslage der Bevölkerung zu verbessern. Um Schwarzmarktschiebereien einzudämmen, wurde die Handelsorganisation, kurz „HO“, gegründet. In Pankow entstanden nach und nach sogenannte Ladenkombinate und Landwarenhäuser. Ein Vorzeigeobjekt der „HO“ war das „Tischlein deck Dich“ in der Ossietzkystraße.

HO Ladenkombinat Ossietkystraße Pankow
HO-Ladenkombinat Ossietzkystraße 1965

Das Ladenkombinat wurde am 3. Januar 1959 eröffnet. Der Standort war nicht zufällig gewählt. Die Ossietzkystraße gehörte damals zur Protokollstrecke für Staatsbesuche der DDR. Mit 30 Mark für ein Kilo Weizenmehl und 110 Mark für ein Kilo Margarine war für den großen Teil der Bevölkerung noch keine wirkliche Verbesserung der Versorgungslage erreicht. Allmählich gelang es, die Preise zu senken.

HO Ladenkombinat Ossietkystraße Pankow
HO-Ladenkombinat Ossietkystraße Fischverkaufstelle 1960

So konnten 1958 per Ministererlass die ungeliebten Lebensmittelkarten abgeschafft werden. Das „Tischlein deck Dich“ in der Ossietzkystraße vereinte mehrere Lebensmittelläden unter einem Dach. Eine Neuheit war die Selbstbedienungsverkaufsstelle, in der gegen Hartgeld verschiedene Waren aus Automaten gekauft werden konnten.

Autor: Christian Bormann 05.03.2015
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 10.04.2016

Freibad Pankow und der Mythos vom halben Meter

Als Projekt des Nationalen Aufbauwerkes erfolgte am 1. März 1958 der erste Spatenstich für das Freibad Pankow vom Ministerpräsident Otto Grotewohl höchst persönlich. Es war das zweitgrößte Vorhaben des NAW in Berlin.

Aufbau Freibad Pankow
Aufruf zur freiwilligen Arbeit 1952

Für die Gestaltung der Anlage waren die Architekten Walter Hinkefuß, Heinz Graffunger und Joachim Streichhan verantwortlich. Die Pankower leisteten rund 220.000 freiwillige Arbeitsstunden und spendeten über die sogenannten NAW-Marken eine halbe Million Mark.

Aufbau Freibad Pankow
Orchester der Volkspolizei spielt für die Helfer 1959

Ältere Pankower werden sich noch an den Mythos vom halben Meter erinnern. Im Wettkampf der Systeme waren Siege im internationalen Sport ein gutes Mittel, um die jeweilige Überlegenheit zu demonstrieren. So befürchteten die Arbeiter, ihr Freibad nach Fertigstellung als Sportwettkampfstätte zu verlieren.

Aufbau Freibad Pankow
Otto Grotewohl und Friedrich Ebert eröffnen das Freibad 9.Juli 1960

Keck wie die Arbeiter waren, sollen sie das Schwimmbecken einen halben Meter zu kurz gebaut haben. So war das Freibad Pankow als Wettkampfstätte unbrauchbar. Tatsächlich aber beträgt die Länge der Schwimmbecken volle 50 Meter.

Aufbau Freibad Pankow
Freibad Pankow Sommer 1970

Eröffnet wurde das Freibad am 9. Juli 1960 durch Ministerpräsident Otto Grotewohl und den Oberbürgermeister Friedrich Ebert. Eine Erweiterung erfolgte 1971 durch den Bau einer Schwimmhalle.

Aufbau Freibad Pankow
Schwimmhalle Pankow als Ruine Februar 2015

Der Architekt Gunther Derdau plante die Schwimmhalle als Prototyp. Die Schwimmhalle war die erste ihrer Art in Ost Berlin.

Autor: Christian Bormann 28.02.2015
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 10.04.2016

Vergnügungspark Traumland in der Schönholzer Heide

Bereits seit Eröffnung der Berliner Nordbahn 1877 entwickelte sich die Schönholzer Heide zu einem beliebten Ausflugsziel. Das Fliegenfest der Raschmacher und die Schützengilde trugen ebenfalls zur Bekanntheit bei.

Traumland Schönholz 1936
Riesenrad 

Nachdem 1936 der „Luna Park“ in Halensee geschlossen wurde, suchte die Schaustellergemeinschaft einen neuen Festplatz. Überregional bekannt, mit Bahn und Vorstadtwagen gut zu erreichen waren ideale Voraussetzungen. So fiel die Wahl auf die Schönholzer Heide.

Traumland Schönholz 1936
Festplatz Traumland Schönholz

Von der Berliner Schützengilde mietete sich die Schaustellergemeinschaft ein großes Areal für ihren neuen Festplatz. Pankow bekam einen Vergnügungspark, wie ihn Berlin noch nicht gesehen hatte. Das Traumland war geboren.

Traumland Schönholz 1936
Tanz-Pavillon Traumland

Im gleichen Jahr richtete Deutschland die Olympischen Spiele aus. Der Vergnügungspark Traumland war zur Olympiade 1936 der größte seiner Art in Berlin. Die Hauptattraktion war die 18 Meter große Himalaya-Bahn.

Traumland Schönholz 1936
Himalaya-Bahn Schönholz

Weitere Attraktionen waren das Riesenrad, die Wasserrutsche, Tanzpavillons, das Varieté und die Traumstadt Liliput. Das Zurschaustellen von kleinwüchsigen Menschen war damals eine Attraktion. Heute undenkbar.

Traumland Schönholz 1936
Darsteller in Liliput

Legendär für ihre Trinkgelage war die Bayernhalle. Nicht weniger beliebt war die Ochsenbraterei, bei der ganze Ochsen am Spieß gedreht wurden. Getanzt wurde in der Restauration „Thiemanns Festsäle“ an der Straße vor Schönholz.

Traumland Schönholz 1936
Liliputaner Varieté

Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde der Vergnügungspark Traumland von den Nationalsozialisten zum Zwangsarbeiterlager umfunktioniert.

Traumland Schönholz 1936
Traumstadt Liliput

Auf den Fundamenten des Festplatzes wurde ein Barackenlager errichtet, von den Pankowern Luna-Lager genannt.

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Zwangsarbeiterinnen vor ihren Baracken im Luna-Lager Schönholzer Heide

Thiemanns Festsäle und das Schloss Schönholz dienten ebenfalls der Unterbringung von Zwangsarbeitern.

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Gelände ehem. Traumland in Schönholz

Das Areal des ehemaligen Traumland liegt heute hinter dem Paul Zobel Sportplatz parallel zur Hermann-Hesse-Straße.

Autor: Christian Bormann 18.02.2015
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 10.04.2016

Die Geschichte vom Rosenthaler Herbst

Seit 1973 findet alljährlich am dritten Septemberwochenende der Rosenthaler Herbst statt, kurz nach dem Fest an der Panke.

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Rosenthaler Herbst 2016
Im traditionellen Sinne ist es das Rosenthaler Erntedankfest, pünktlich zum Herbstanfang.

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Niklas und „Die Freunde der Feuerwehr“
Ins Leben gerufen von einigen Heimatfreunden gibt es einen Festumzug, bei dem unter anderem die Geschichte des inzwischen ca. 780 Jahre alten Dorfes dargestellt wird.

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Herbstfest 2016
Ähnlich wie beim Fest an der Panke gesellten sich sehr bald Vereine, Gastronomen, Schausteller und Musiker hinzu.

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Pankow Rosenthal 2016
Mit Live-Bühnen und Feuerwerk gehört es heute zu den beliebtesten und im Umland bekanntesten Volksfesten in Pankow.

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Video: Stimmung beim Rosenthaler Herbst

Autor: Christian Bormann, 17.09.2014
technische Leitung:Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016/22.09.2016

Schönholzer Heide – Das versunkene Heide-Theater

Bis zur Gründung der Kolonie Schönholz war die Heide Teil des Waldgebietes „Schönhauser Fichten“, das Gelände erstreckte sich vom nördlichen Pankeufer im Bürgerpark bis in die Jungfernheide. Nach Ende des 2.Weltkrieges umfasste die Schönholzer Heide noch 35 Hektar. Es erfolgte eine Aufteilung in 3 Areale.

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NAW beim Bau der Freilichtbühne, Johanna Hirte (rechts)

So entstand im Rahmen des NAW ein Ehrenhain für 13.200 gefallene Sowjetsoldaten, ein großer Spielplatz mit Rodelbahn und der Volkspark mit Freilichtbühne.

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Heide Theater zur Eröffnung 1956

Mit Volkspark und Freilichtbühne wollte die DDR-Regierung an die 1930er Jahre anknüpfen, als sich in der Schönholzer Heide das Traumland, Nachfolger des Lunaparks befand.

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Tanzabend nach neuesten Amiga Schallplatten

Besonders beliebt bei den Berlinern war die Ochsenbraterei, bei der ganze Ochsen am Spieß gedreht wurden.

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Aufführung im Heide Theater 1959

Zur Ausrichtung der Olympischen Spiele 1936 war das Traumland der größte Vergnügungspark Berlins.

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Heide Theater 1957
Zu den Attraktionen gehörten eine Wasserrutsche, Gebirgs- und Geisterbahn, Varietés und eine Freilichtbühne.

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Steinabsätze und Geländer Westeingang 2016

Große Gastwirtschaften wie das Oberbayern und das Alt-Berlin waren weit bekannt. Vom einstigen Traumland ist nichts mehr zu sehen. Auch das umgebaute Schloss Schönholz und der Festsaal sind dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer gefallen. In die Reste des rückwärtigen Biergartens des Tanzsaals Schloss Schönholz wurde das kleine Freilichttheater gebaut.

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Mast für die Licht und Lautsprecheranlage

So sollte in den 1950er Jahren im Rahmen des Nationalen Aufbau Werk (NAW) wieder eine Freilichtbühne entstehen. Wie beim Bau des Pankower Freibades erfolgten die Arbeiten durch Freiwillige.

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Eingang Versorgungsräume Luna Lager und Heide Theater
Eine besonders erwähnenswerte Helferin war Johanna Hirte, die mit 81 Jahren auf über 35.000 freiwillig geleistete Arbeitsstunden zurückblicken konnte.

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Nordtreppe 2016

Zur Eröffnung am 17. August 1956 waren alle 2.500 Plätze des Heide-Theaters gefüllt. Besonders beliebt bei den Gästen waren die Tanzabende nach neuesten Amiga-Schallplatten. Solange die Sektorengrenze offen war, lief der Theaterbetrieb gut. Besucher kamen aus Ost und West.

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Reste der Bühne 2016

Namhafte Theaterhäuser gaben hier ihr Gastspiel, so das Hans-Otto-Theater Potsdam, der Friedrichstadt Palast, die Staatsoper bis hin zum Kabarett „Die Distel“ und das Erich Weinert Ensemble der Volksarmee. Mit der Schließung der Sektorengrenze fand leider auch der Kulturbetrieb des Heide Theaters ein Ende.

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Sockel vom Weberdenkmal 2015

Die Gesellschaft für Sport und Technik nutzte die Anlage noch einige Jahre. Bei Führungen in der Schönholzer Heide berichteten Zeitzeugen davon, wie die Betonstelen der Bühnenreste zum Zielwerfen für Übungsgranaten benutzt wurden.

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Carl Maria von Weber

Der zweite kleinere Sockel ist der letzte Rest von Schloss Schönholz. Auf ihm stand ein in Stein gehauener Schützenpokal.

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fehlende Figur Südseite

Das endgültige Aus für das ehemalige Heide Theater soll die Verbrennung einer DDR-Staatsflagge gewesen sein. Heute gleicht die einstige Freilichtbühne einem versunkenen Märchenort.

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Treppenaufgang Süd mit Ziermauer

An den Betonsäulen, die den Wegrand säumen, lässt sich noch die Rückseite der Bühne erkennen. Dahinter liegt vertieft der Zuschauerplatz, unter einem Meter Erdreich verschüttet. Treppen und Geländer sind zu erkennen, die im Boden verschwinden.

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Tanzfläche des Heide Theater 2016

Ringsum stehen die alten Masten der Licht- und Lautsprecheranlage. Hinter Büschen und Bäumen findet der aufmerksame Beobachter verzierte Steinabsätze.

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Reste der Südmauer 2016

Unter alten Fundamentbrocken lässt sich noch der Zugang zu den unterirdischen Versorgungsräumen des Theaters finden. Diese stammen noch aus der Zeit des Luna-Lagers für Zwangsarbeiter.

Das versunkene Heide-Theater

Autor: Christian Bormann, 26.02.2017

technische Leitung: Nadine Kreimeier

Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016/26.02.2017

Bilder: J.Mach/Freundeskreis der Chronik Pankow eV, Christian Bormann, hist.Zeitung,