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Restaurant Bellevue Breite Straße

Der Rheinländer Anton Ringel war neben seinen Tätigkeiten als Gemeindevertreter und Vorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr seit 1890 auch Präsident des Deutschen Gastwirtsverband. Der Träger des Deutschen Kronenordens 4. Klasse gehörte zu den großen Pionieren der Pankower Gastronomie.

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Werbe-Dose Restaurant Bellevue 1900

Begonnen hatte er mit Ringels Gesellschaftshaus in der Kreuzstraße 3 bis 4, heute noch als Tanzschule Schmidt-Hutten am Bürgerpark bekannt. In der Kreuzstraße 5 verbrachte ich meine Kindheit. Wir sammelten gerne die alte Flaschenverschlüsse, die hier noch zu hunderten im Erdreich steckten.

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A. Ringel’s Bellevue Breite Straße 21a

Mit seinem Gesellschaftshaus sammelte Ringel erste Erfahrungen, bevor er 1888 das Bellevue eröffnete. Mit dem neuen Standort Breitestraße 21a, schräg gegenüber dem Rathaus, gehörte das Bellevue zu den ersten Adressen am Platz. Eine Haltestelle der Elektrischen Straßenbahn trug maßgeblich zum Erfolg bei. Hiervon zeugt die Werbedose von 1900. Es schien wohl nicht mehr erforderlich, auf die Adresse des bekannten Restaurants hinzuweisen. Viel wichtiger war die Erwähnung der Haltestelle.

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Tanzschule W. Tietz im Bellevue 1905

Der berühmte Tanzlehrer Wilhelm Tietz unterhielt hier 1900 seine Tanzschule. Das Museum Pankow ist noch im Besitz einer sehr seltenen Werbedose, mit der historischen Ansicht des Restaurants.

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M. Höpfner’s Restaurant Bellevue 1902

Die kleine Blechdose ist wohl spätestens 1900 entstanden, denn auf den Ansichtskarten ab 1902 wird bereits M. Höpfner als Inhaber genannt. Neben dem Bellevue befanden sich zur Jahrhundertwende etwa ein Dutzend Gastwirtschaften am Pankower Anger.

Autor: Christian Bormann, 15.02.2016
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 31.03.2016

Schmidt-Hutten und 100 Jahre Tanz in Pankow

In den 20er Jahren hielt der bekannte Tanzlehrer Fred Schmidt-Hutten seine Tanzstunden noch in der Tanzschule Wilhelm Tietz ab. Diese befand sich im Restaurant-Hotel und Festsaal „Zum Roland“ ehemals „Zum Wollank“ in der Wollankstraße 113.

Zum Roland

In den 30er Jahren gründete er seine eigene Tanzschule in der Kreuzstr. 3/4. Seit bald 100 Jahren ist der Name Schmidt-Hutten in aller Munde. Der „Pankower Herbstball“ war Pflicht für jeden gestandenen Pankower. Zahlreich strömten die Tanzwütigen aus Pankow und ganz Berlin mit der Pferdeeisenbahn herbei. In den 20er Jahren entstanden fast zwei Dutzend Tanzsäle in kürzester Zeit. Zu den bekanntesten gehörten „Schmidt-Hutten“ am Bürgerpark, der „Carlshof“ in der Dietzgenstraße, die „Thiemann’s Festsäle“ vor Schönholz sowie die „Schloss Schönhausen“ genannten Fachwerk-Festsäle an der Grabbeallee.

Thiemanns Festsäle Straße vor Schönholz

Einige Festsäle wurden Ende der 20er Jahre zu Lichtspielhäusern umfunktioniert, so das „Bellevue“ in der Breiten Straße. Ab 1934 fielen die Pankower Tanz und Festsäle bis Kriegsende in einen tiefen Schlaf. Erst in den 50er Jahren, nach Ende des 2. Weltkriegs erwachten die Tanzsäle wieder aus ihrem Dornröschenschlaf.

Tanzschule Schmidt-Hutten

So war es in Notzeiten durchaus üblich, Presskohle als Eintrittsgeld mitzubringen, auch Tanzstunden bei „Schmidt-Hutten“ konnten mit Presskohle bezahlt werden. Ende der 50er Jahre stellte der Gründer Fred Schmidt-Hutten einen Ausreiseantrag und siedelte 1960 in das Ruhrgebiet um. Unter Zwang musste der Name Schmidt-Hutten aufgegeben werden, so entstand der neue Name „Tanzschule am Bürgerpark“.

Tanzschule Schmidt-Hutten

Der Name „Tanzschule Schmidt-Hutten“ lebte fortan in Herne weiter, in der ehemaligen Tanzschule Diel am Rande der Castroper Innenstadt. Auch der Erbe Frank Schmidt-Hutten machte nach Abitur und Bundeswehr seine Ausbildung zum ADTV-Tanzlehrer. Ganz im Sinne seiner Familientradition eröffnete er 1995 seine „Tanzschule Schmidt-Hutten“ an der Oberen-Münster-Straße. So schreibt die Familie auch heute noch Tanzgeschichte.

Autor: Christian Bormann, 07.10.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Quellen:
Pankower Allgemeine Zeitung, Lokalkompass, ttk Bürgerpark, Berliner Zeitung, Pankower Ansichtskarten

Bilder:
Hintze CPS