Archiv der Kategorie: Dietzgenstraße

Ausstellung – Die Geschichte der Schönholzer Heide

Im Februar 2017 traf ich mich mit dem Freundeskreis der Chronik Pankow e.V. und unserer Redakteurin Martina Krüger in der Schönholzer Heide. Anlass war ein Gedankenaustausch zur Vorbereitung der Ausstellung „Die Geschichte der Schönholzer Heide“.

Zu Fuß liefen wir die historischen Orte und ihre Überreste ab. Vom Schloss Schönholz ging es zum versunkenen Heide Theater und weiter zum Zwangsarbeiterlager und seinen Fundamentresten. Friedhof 6, der Luna Bunker und das Schützenhaus waren ebenso Teil der Gespräche.

Freundeskreis der Chronik Pankow e.V. u. Bormann 2017 in Schönholz

Am 28.05.2017 war es dann soweit. Nach eineinhalb Jahren der Vorarbeit, lud der Freundeskreis der Chronik Pankow e.V. zur Eröffnung ihrer Ausstellung. Auf dem Hof der Dietzgenstraße 42 begrüßte Frau Fritzsching vom Vorstand bei gutem Wetter und Musik die zahlreich erschienenen Gäste. Herr Mach hielt ein einführenden Kurzvortrag zum Thema.

Begehung Luna Lager 2017

Ich habe mir die fertige Ausstellung erst kürzlich selbst angeschaut. Eine gut verständliche Gliederung der Schautafeln und kurze spannende Texte lassen den Betrachter kaum los. Nicht nur die Fülle an historischem Material wie Eintrittskarten oder Fotos, auch die Qualität der zusammengetragenen Belege ist beeindruckend.

Brosehaus, Dietzgenstraße 42

Ganz besonders habe ich mich über die Vitrine gefreut. In dem Schaukasten liegen die Fotos meiner Lieblingsstücke. Da wären die Tasse von Rettschlags Schloss Restaurant, die goldene Bieruhr vom Schloss Schönholz und das Kännchen vom Kastanienwäldchen, und inmitten dieser Schätzchen, auch der von mir geborgene Jägerstutzen.

Ausstellung „Die Geschichte der Schönholzer Heide“ 2017

Die Ausstellung ist so umfangreich das ich sie mir noch einige Male anschauen werde. Seit dem Treffen im Februar bin ich mit Frau Jutta Mach vom Vorstand in Kontakt geblieben, die Geschichte „Weber in Pankow“ wäre ohne ihr Bildmaterial gar nicht möglich gewesen.

Mitteilungsblatt 2/3 2017

Ich kann jeden nur aufs herzlichste einladen sich die Ausstellung „Die Geschichte der Schönholzer Heide“ im Brosehaus in der Dietzgenstraße 42 Mittwoch und Sonntag von 14:00 – 17:00 Uhr bis zum 12.11.2017 anzuschauen. Besucher erreichen das Brosehaus mit der Tram M1 oder dem Bus 107, die Haltestelle ist Kuckhoffstraße. Der Eintritt ist frei. Spenden sind selbstverständlich willkommen. Das Mitteilungsblatt zur Ausstellung ist für 6 Euro zu haben.

Autor: Christian Bormann, 16.07.2017

red.Bearbeitung: Martina Krüger, 16.07.2017

Fotos: Martina Krüger, Christian Bormann, Freundeskreis der Chronik Pankow e.V.

Infomaterial: Freundeskreis der Chronik Pankow e.V.

Hotel Wilhelmshof an der Kaiser-Wilhelm-Straße

Das Hotel Wilhelmshof wurde 1905 an der Kaiser-Wilhelm-Strasse Ecke Eichenstraße erbaut. Heute lautet die Postanschrift Dietzgenstraße 59. Im Vorderhaus befand sich das Restaurant Wilhelmshof mit Ballsaal und Biergarten.

Biergarten vom Hotel und Restaurant Wilhelmshof

Das Restaurant verfügte neben dem Ballsaal und Biergarten noch über eine Kegelbahn im Anbau. Anbau, Kegelbahn und Ballsaal existieren heute noch. Links vom Restaurant befand sich der Hauptaufgang zu den Apartments.

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24.07.1917 Hotel Wilhelmshof mit Außenanlage

Ein langer, links und rechts von dezentem Stuck verzierter Treppenaufgang, gekrönt von einem schmiedeeisernen Jugenstilleuchter empfing die Hotelgäste.

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Hotel und Restaurant Wilhelmshof

Auf dem ersten Hof in der heutigen Dietzgenstraße 59 steht der einstöckige Originalanbau für den erweiterten Tanzsaal und einer der 4 Kellerzugänge. Rechts vom Restaurant in der Eichenstraße befand sich der Eingang für die Bediensteten. Sie hatten ihre eigenen kleinen Angestelltenwohnungen im Seitenflügel. Diese erreichteten sie über den zweiten Hof.

Postkarte aus dem Wilhelmshof

Bis in die 1930er Jahre befand sich gegenüber dem Hotel der letzte große Dorfteich. Der Teich am Friedensplatz wurde schon beim Neubau der heutigen Kirche mit den Trümmern der alten Kirche zugeschüttet.

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Postkarte vom Hotel um 1936

Das Hotel befand sich am zentralen Wintersportplatz in Niederschönhausen. In der Buchschen Heide wurde im Winter gerodelt und keine 50 Meter vor dem Hotel traf man sich zum Schlittschuhlaufen.

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ehem. Hotel Dietzgenstraße 59

Zwischendurch begaben sich die Wintersportler rüber zum Restaurant Wilhelmshof. Hier erholten sich Jung und Alt je nach Alter bei einer heißen Schokolade oder einem heißen Grog.

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ehemaliger Ballsaal Wilhelmshof

Das Restaurant wurde, wie damals üblich, auch an Vereine vermietet. Vereinsstammtische, Kinovorführungen und Kegelbahnen gehörten in jede gute Restauration in Pankow.

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Dienstbotenaufgang Ecke Eichenstraße

Die Vereine hielten hier ihre zahlreichen Feste und Bälle ab. Im 2. Weltkrieg hielt das Hotel den Betrieb aufrecht. Es entstand eine Rivalität zwischen dem „Sanssouci“ am Betriebshof Niederschönhausen und dem Wilhelmshof.

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Blick vom Dorfteich auf das Hotel Wilhelmshof 1937

Es heißt, im Wilhelmshof verkehrten die Pankower Handwerker und im Sanssouci die Nationalsozialisten. Im Gegensatz zum Sanssouci überstand der Wilhelmshof den 2. Weltkrieg.

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Blick auf das Hotel vom ehem. Dorfteich 2017

Beide Restaurants verfügten über große Luftschutzbunker. Das Sanssouci wurde 1945 beim Fliegerangriff zerstört, der Bunker liegt heute unter der Wiese. Anders im ehemaligen Hotel Wilhelmshof.

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Bleikristallleuchter im Ballsaal 2017

Weitgehend verschont geblieben von den Luftangriffen wurde das Hotel aufwendig umgebaut. Auch heute erinnern noch jede Menge erhaltes Inventar sowie zahlreiche Leuchter und Schilder im Haus an den Charme des Gründerzeithotels.

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Foyer Hotel & Restaurant Wilhelmshof

Keine zwei Meter hinter dem Hotelkomplex verläuft heute der Kreuzgraben parallel zur rückwärtigen Außenmauer. Die Räumlichkeiten der alten Kegelbahn im Keller befinden sich direkt auf Grabenhöhe. Wenn die kleinen Fensterverschläge des Kellers geöffnet sind, ist das plätschern des Kreuzgrabens zu hören.

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Luftschutzbunker Dietzgenstraße

Die riesige unterirdische Luftschutzanlage unter dem Wilhelmshof wurde nach dem Krieg parzelliert, um Platz für Kellerräume zu schaffen. Die Wandbeschriftungen sind heute noch zu lesen. In den 1950er Jahren wurde aus dem Hotel ein Wohnhaus.

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Eisbahn auf dem Dorfteich am Wilhelmshof

Der Teich verschwand schon in den 1930er Jahren. Geblieben ist nur der der kleine Kreuzgraben, der sich unter der Kreuzung und dann am ehemaligen Hotel vorbei schlängelt. Das Restaurant Wilhelmshof gab es weiter. Zu seiner Zeit legendär waren auch die Gärtnerbälle.

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Dorfteich Niederschönhausen

Wie schon am ersten Tag der Eröffnung den Besucher, so empfangen auch heute noch beide originale stählerne Außentüren mit ihren Jugendstilelementen den Mieter. Der Innenschmuck des Hauses ist weitgehend im Original erhalten.

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Besuchereingang Hotel Wilhelmshof

Links vom Haupteingang befanden sich eine Drogerie sowie ein Kolonialwarenhandel. Seit März 2007 sitzt hier der Versicherungsmarkler Sven Feder.

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ehem. Drogerie, heute Versicherungsmakler Sven Feder

Der Gastronomiebetrieb Wilhelmshof existierte bis 1971. Es hatte sich schnell herumgesprochen, dass hier leichte Mädchen verkehren. Beim Streit um die Damen bekamen die DDR-Grenzsoldaten regelmäßig die Hucke voll.

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Haupteingang im Hotel

Das wollte sich die Obrigkeit nicht länger ansehen und so wurde der der Gastronomiebetrieb kurzerhand dicht gemacht. Um auch ja keinen Zweifel an der Marschrichtung zuzulassen, wurde das Objekt des Aufsehens jetzt zur Bildungsstätte.

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Appartements im Vorderhaus

Von 1974 bis 1994 befand sich in dem ehemaligen Vergnügungstempel eine Stadtbibliothek. Im Dezember 1999 eröffnete das Ballhaus wieder. Ehrengast war eine 105-jährige Dame, die hier als junge Frau ihren Mann kennen lernte.

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Historischer Originalleuchter von 1905

Heute sind das Restaurant, der Ballsaal und die Kegelbahn verwaist. Das enorm große Objekt findet einfach keinen Betreiber. Die Appartements sind heute Mietwohnungen und erstrahlen mit ihrem originalen Stuck und den Parkettböden im ursprünglichen Glanz.

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erhaltene Stuckkassetten

Als Mieter im ehemaligen Hotel Wilhelmshof an der Kaiser-Wilhelm-Straße war es mir ein ganz besonderes Anliegen, die Geschichte meines Hauses zu erzählen.

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Dienstbotenaufgang Eichenstraße

Leider sind historische Aufnahmen oder gar Papiere von diesem Objekt äußerst selten. Wer historische Aufnahmen der Dietzgenstraße 59 besitzt oder findet, möchte sich bitte bei uns melden.

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Seitenflügel, links Dienstbotenwohnung

Allein in Niederschönhausen gibt es noch ein Dutzend solcher Restaurationen. Da wären zu Beispiel der Carlshof und das Bismarck am alten Wochenmarkt Niederschönhausen an der Waldstraße.

Autor: Christian Bormann, 26.06.2017

red.Bearbeitung: Martina Krüger, 30.06.2017

Bilder: Christian Bormann, historische Postkarten

 

Das kleine Kutscherhaus am Brosepark

Auf dem Grundstück Dietzgenstraße 49, damals Kaiser-Wilhelm-Straße, steht heute noch das denkmalgeschützte Ensemble, bestehend aus Sommerhaus und Kutscherhaus. Das Sommerhaus ist auch bekannt als Fröbelscher Kindergarten.

Sommerhaus links, Kutscherhaus rechts, 1913
Insgesamt stehen die beiden kurz nach 1830 gebauten Gebäude für die frühe Form des Schweizer Hauses und stellen schon allein deshalb einen besonderen historischen Wert da.

Kutscherhaus 2017
Viele Pankower erinnern sich auch noch an die Bibliothek, die hier zeitweise untergebracht war. Weniger bekannt ist das kleine Kutscherhaus, welches sich auch heute noch in einem relativ guten Zustand befindet.

Nordeingang Kutscherhaus
Das kleine Kutscherhaus besteht aus einem Backsteinerdgeschoss mit einem aufgesetztem Obergeschoss aus Holz. Es gibt mehrere Zimmer, das Häuschen ist über drei Außentüren zu betreten.

Holzaufbau Obergeschoss
Die Nordseite weisst die größten Schäden auf. Im Inneren sind die Spuren der Restauratoren zu sehen.

Freigelegte ursprüngliche Wandbemalung
An ausgewählten Stellen haben Historiker Schicht für Schicht entfernt und die originale Ausmalung freigelegt. Leider frisst sich derzeit der Schimmel durch die alten Putzwände und zerstört das Kutscherhaus von innen. Es bleibt zu hoffen, dass es in absehbarer Zeit gerettet und restauriert wird.

https://www.youtube.com/watch?v=sBsM506Iu1c&feature=share
Autor: Christian Bormann, 19.02.2017

red.Bearbeitung: Martina Krüger, 19.02.2017

Sanssouci in Nordend

Gegenüber dem alten Pankower Straßenbahnbetriebshof Schönhauser-/Ecke Dietzgenstraße stand bis zum Zweiten Weltkrieg ein luxuriöses Ausflugslokal. Heute erhebt sich an dieser Stelle eine große Wiese, einen Meter über dem Straßenniveau, umfasst von einer Steinmauer.

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Restaurant Sanssouci un 1930

Sanssouci gehörte zu den beliebtesten Veranstaltungsorten im Berliner Norden. Ein riesiger Biergarten sowie die luxuriöse Innengestaltung des Hauptsaals trugen dem Namen Sanssouci Rechnung.

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Postkarte Sanssouci um 1920

Auf alten Ansichtskarten erschließt sich dem Betrachter eine längst vergessene Welt. Eine Aufnahme vom „Tanz der Schmetterlinge“ 1937 gehört zu den letzten bekannten Aufnahmen.

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Aufführung im Sanssouci

Ein weiterer Vorteil für die Besucher war der damals hochmoderne Straßenbahnhof Niederschönhausen. Er lag direkt auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

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Festsaal im Sanccousi

Eine Haltestelle der Elektrischen-Straßenbahn direkt vor dem Lokal ermöglichte den Damen auch in feinsten Sonntagskleidern, sauber und bequem ihr Ausflugsziel zu erreichen.

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Restaurant und Betriebshof um 1920

Auf dem hinteren Areal des damaligen Grundstückes werden derzeit Wohnungen gebaut. Die Wiese, unter der sich der ehemalige Biergarten befand, ist noch frei zugänglich.

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Standort 2017

Für die Zukunft ist absehbar, dass die Wiese sowie auch der bereits geschlossene alte Straßenbahnbetriebshof verschwinden werden.

Autor: Christian Bormann, 07.02.2016
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 31.03.2016

Der kleine Becher vom Kreuzgraben

Mein letzter Fund lag schon ein gutes Jahr zurück. Damals fand ich mit Nadine Kreimeier eine Muskete von 1640 in der Schönholzer Heide. Nach der Fundmeldung wurde das gute Stück von Dr. Uwe Michas, dem Leiter für archäologische Ausgrabungen in Berlin als Jägerstutzen bestimmt.

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Karte von Berlin und Umland um 1860
Wir verschenkten das Fundstück dann an das Museum Pankow in der Prenzlauer Allee. Im August 2015 war es endlich wieder soweit. Wer mich kennt, der weiß, dass ich an keiner Erdbaustelle vorbeigehen kann, ohne gleich reinzuspringen, oder mir wenigstens den Erdaushub anzuschauen.

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Muskete von Schönholz / richtige Bezeichnung Jägerstutzen
Entlang der oberen Dietzgenstraße wurden die alten Gehwege für Schachtarbeiten geöffnet. Ausser einigen Knochenfragmenten und neuzeitlichen Scherben war nichts zu finden.

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Fundort 1.5 Meter tief, Eichen Ecke Dietzgenstraße

Das Areal war geschichtlich auch recht übersichtlich. Bis 1802 lagen auf diesem Gebiet die Ackerflächen des Bauern Kraft. Hier lebten dann Madame Fetschow in ihrem Holländerhaus und ab 1850 der Kunstschlosser Hauschild keine 60 Meter vom Fundplatz entfernt. Auf der anderen Straßenseite gestaltete sich Brose seinen heute nach ihm benannten Brosepark.

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mittelalterlicher Töpferofen, liegend

Die Erdarbeiten waren so gut wie beendet. Die Schächte entlang der Dietzgenstraße waren wieder verfüllt und die Pflasterdecke wieder geschlossen. Übrig war nur ein kleiner ca. 3 Meter langer Erdschacht unter meinem Balkon.

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Halbsteinzeug / Braunware

Es war schon dunkel, als ich mit meinem Hund das Haus verließ. Beim routinemäßigen Blick sah ich, dass etwas die Straßenbeleuchtung reflektierte.

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Becher vom Kreuzgraben

Kurzerhand kletterte ich in den Schacht. Die Freude war groß, als sich die von mir erwartete Scherbe beim herausziehen als ganzer Becher entpuppte. Es war ein Keramikbecher aus Halbsteinzeug, auch bekannt als Braunware. Wie schon zuvor bei der Muskete aus Schönholz setzte ich mich mit dem Landesamt für Denkmalschutz und Archäologie in Verbindung, um den Fund zu melden.

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Fund vom Kreuzgraben Dietzgenstraße 2015

Keine 24 Stunden später erhielt ich bereits eine Antwort. Und so hieß es, Zitat Dr. Uwe Michas: „Sehr geehrter Herr Bormann, danke für die Information. Ich werde eine Fundplatznummer vergeben. Diese Gefäße stammen überwiegend aus dem 19. Jahrhundert, waren weit verbreitet und wurden in größeren Mengen hergestellt. Sie wurden für alles mögliche benutzt, von Schuhcreme bis Weichkäse, bis sie von anderen Materialien abgelöst wurden.“

Den Becher vom Kreuzgraben werde ich ebenfalls dem Museum Pankow schenken. Wenn es sich auch nicht um einen spektakulären Fund handelt, so freue ich mich dennoch sehr über die Vergabe einer Fundplatznummer. Wenn ich jetzt von meinem Balkon schaue, sehe ich nicht nur auf meinen Lieblingsitaliener „Trattoria Pasta degli Angeli“, sondern auch auf einen offiziellen archäologischen Fundplatz.

Autor: Christian Bormann 05.11.2015 / 06.03.2017
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 31.03.2016 / 06.03.2017

Bilder:1,3,Bormann/2,Mittelalterliche Keramik-Märkisches Museum Berlin

Der Fröbel’sche Kindergarten

In der Dietzgenstraße 49 auf dem Nachbargrundstück des Holländerhaus steht der alte Fröbel’sche Kindergarten. Um 1830 als Sommerhaus gebaut, wurde das kleine Haus von 1908 bis 1931 als Kindergarten genutzt. Die Erziehung der Kinder erfolgte nach den Prinzipien von Friedrich Wilhelm August Fröbel.

Fröbel'scher Kindergarten
Fröbel’scher Kindergarten 1926

Friedrich Wilhelm August Fröbel, am 21. April 1782 in Oberweißbach geboren, war Pädagoge und Schüler von Pestalozzi. Zugleich ist er Begründer des ersten Kindergartens, zuvor gab es lediglich Kinderverwahranstalten. Fröbel erkannte die Bedeutung der frühen Kindheit und entwickelte die Basis der Lern-, Unterhaltungs- und Erziehungssysteme mit denen die heutigen Kindergärten arbeiten. Für die Rettung des Häuschens scheinen die Geldmittel zu fehlen. So steht es seit Jahren versteckt unter einer Bauplane, um den Verfall wenigstens zu verlangsamen.

Fröbel'scher Kindergarten
Fröbel’scher Kindergarten 2015

Fröbel selbst lebte zeitweise in Niederschönhausen, er besaß hier von 1836 bis 1847 ein eigenes Haus. Die historische Aufnahme des Kindergartens entstand um 1910, der Fotograf war Max Skladanowsky. Friedrich Wilhelm August Fröbel starb 1852 in Marienthal.

Autor: Christian Bormann, 23.10.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Die reisende „Mutter mit Kind“

Der am 25. Februar 1865 in Westpreußen geborene Reinhold Carl Thusmann Felderhoff war Bildhauer der Berliner Bildhauerschule, Mitglied der Berliner Secession und der Akademie der Künste. Darüber hinaus arbeitete er als Meisterschüler von Reinhold Begas an einigen Werken von Begas mit. Seine Professur erhielt er 1917. Um 1911 schuf er die 2,15 Meter große Bronzeplastik „Mutter mit Kind“. Ganze drei Mal musste die Bronzeplastik aus der Epoche der Kaiserzeit umziehen.

Mutter mit Kind
„Mutter mit Kind“ 1911 Bürgerpark

Ab 1911 stand die „Mutter mit Kind“ bis Anfang der 50er Jahre im Volkspark Bürgerpark. Danach zog sie um auf den Platz vor dem Rathaus. Am alten Pankower Dorfanger verweilte sie von 1955 bis 1971.

Mutter mit Kind
„Mutter mit Kind“ Breite Straße 1959

Vom Anger wurde die Bronzeplastik 1971 wieder entfernt und auf einem Abstellplatz im Bürgerpark zwischengelagert. In den Brosepark zog die „Mutter mit Kind“ 1976 ein, seither begrüßt sie die Besucher am Haupteingang neben dem Brosehaus.

Mutter mit Kind
„Mutter mit Kind“ Brosepark 2014

Neben dem „Stralauer Fischer“ am Rathaus Treptow schuf Felderhoff noch unzählige weitere Skulpturen und Reliefs in Berlin und anderen deutschen Städten. Reinhold Carl Thusmann Felderhoff starb am 18. Dezember 1919 in Berlin.

Autor: Christian Bormann 22.10.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Wie das Holländerhaus zum Patrizierhaus wurde

Ursprünglich stand an der Stelle des heutigen Hauses ein einstöckiger roter Ziegelsteinbau. Dieser wurde von der Dorfbevölkerung wegen seiner roten Backziegel Holländerhaus genannt.

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Holländerhaus 1900
Die Familie Fetschow erwarb 1802 die ersten 60 qm des Grundstückes vom Bauern Kraft. Im Laufe der Zeit wurde der Besitz, heute Dietz­genstraße/Platanenstraße, mehrfach erweitert.

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Holländerhaus 1985
Die Fetschows besaßen in der Klosterstraße 85 ein Bankhaus. Damit gehörten sie zu den einflussreichsten Familien in Niederschönhausen. Madame Fetschow verband eine enge Freundschaft mit der Prinzessin Marianne. Tatkräftig unterstützte sie den von Prinzessin Marianne am 23. März 1813 gegründeten Frauenverein. Am 16. Januar 1818 wurde Madame Fetschow der Luise-Orden verliehen.

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Eduard Gärtner
Im großen Familiensaal des Hauses verkehrten neben der könig­li­chen Familie auch Feldherren der Freiheitskriege sowie namhafte Künstler und Gelehrte ihrer Zeit. Zu den bekanntesten gehörten Karl-Friedrich Schinkel und Christian Peter Wilhelm Beuth.

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Holländerhaus 2014
Die Erben der Madame Fetschow verkauften 1850 das Anwesen an den Kunstschlosser Carl Friedrich August Hauschild. Dieser war mit seinem Unternehmen in der Neanderstraße 3 ein bedeutender Mann. Hiervon zeugt noch heute das Gemälde „Wohnstube des Schlossermeisters Hauschild“ von Eduard Gärtner.

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Feuerwehreinsatz Holländerhaus 2016
Um 1852 ließ Hauschild den bis dahin einstöckigen Bau aufstocken und zu einem Patrizierhaus umbauen. Zu den Umbauten gehörte der bis heute erhaltene, aufwendig gestaltete Holzbalkon am Rittersaal. Im Rittersaal hinter dem Balkon stellte Hauschild seine schönsten Kunstschlosserarbeiten aus, unter anderem Turnierhelme und Lanzen.

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Feuerwehreinsatz Holländerhaus 2016
Carl Friedrich August Hauschild starb 1868. Seinem Schwiegersohn, dem Schokoladenfabrikanten Hildebrandt gehörte die Hildebrandt-Villa, heute bekannt als Kavalierhaus in der Breitestraße.

Am 16.06.2016 wurde die Feuerwehr kurz nach 20 Uhr zu einem Einsatz am Holländerhaus gerufen. Ein Blitzschlag hatte die 30 Meter hohe Linde gespalten. Der abgestürzte Teil schlug mittig im Dachreiter des Hauses ein und musste in 4 stündiger Arbeit mit einem Kran aus dem Dach gehoben werden.

Autor: Christian Bormann, 04.06.2014/26.02.2017
Technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 25.01.2016/26.02.2017

Quellen:
„Geschichte von Niederschönhausen/Ernst Rehfeld“
„Niederschönhausen ein Stück Berlin/Horst Zetsche“
„Berichte des Gemeindeschöffen a.D.Thormann 1942, niedergeschrieben von Manfred Grande“