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Luftraumüberwachung für Schloss Schönhausen

Am 7. Oktober 1949 wurde Schloss Schönhausen von der Sowjetischen Militäradministration, die zu diesem Zeitpunkt ihre Kommandantur im Rathaus Pankow hatte, an den Präsidenten der DDR Wilhelm Pieck übergeben. Zu den ersten Gästen im Amtssitz gehörten Georgien Puschkin 1950 sowie 1957 Nikita Chruschtschow. Mit dem Tod von Wilhelm Pieck 1960 wurde die Präsidentschaft abgeschafft und das Schloss wurde zum Sitz des Staatsrates der DDR. Der neue Hausherr hieß jetzt Walter Ulbricht.

Schloss Schönhausen 2017

Mit der Fertigstellung des neuen Staatsratsgebäude in Berlin Mitte 1964 wurde das Schloss offizielles Gästehaus der DDR. Zahlreiche Staatsbesucher sah das Schloss seither. Zu den Staatsgästen und ihren Besuchen gibt es zahlreiche Anekdoten. So wurden beim Besuch von Indira Ghandi 1976 etwa die falschen Winkelemente geschwenkt. Legendär auch die Kegelbahn, die für eine einzige Übernachtung von Fidel Castro auf dem Schlossparkett installiert wurde.

Heinersdorfer Rathausturm 2018

Die meisten Staatsgäste empfing Erich Honecker. Unter anderem Leonid Breschnew 1976, Tito, den Ministerpräsidenten von Kanada Elliot Trudeau 1984 und Michael Gorbatschow 1989.  Während dieser Staatsbesuche gab es eine verstärkte Luftraumüberwachung von Pankow. Der älteste und ständige Stützpunkt war der Heinersdorfer Rathausturm, heute nur noch als Wasserturm bekannt.

Heinersdorfer Rathausturm 2018

Während des 2. Weltkrieg hatte die Wehrmacht ein Flugabwehrgeschütz auf dem Rathausturm installiert. Der Turm wurde gleich in den ersten Nachkriegstagen von den Sowjets übernommen und später zur Flugüberwachung von Tegel genutzt. Dieser Posten war bis zur Wende dauerhaft besetzt und der zentrale Flugüberwachungspunkt in Pankow.

Wilhelm Pieck u. Nikita Chruschtschow 1959

Weniger bekannt sind zwei Weitere. Es handelt sich um den Rathausturm in der Breite Straße und den Schulturm auf dem Ossietzky-Gymnasium.

Rathaus Pankow 2018

Der Rathausturm wurde ebenfalls während der Kämpfe um Pankow sofort besetzt und mit einer MG Stellung versehen. Von hier aus lies sich der Pankower Anger vom Bürgerparktor bis zur Dammerowstraße unter Beschuss nehmen.

Rathausturm Pankow 2018

Nachdem die Sowjetische Kommandantur im Rathaus aufgelöst und und das Gebäude an Pankow übergeben wurde verschwand auch die MG Stellung.

Walter Ulbricht 1960 im Schloss Schönhausen

Der Turm blieb weiterhin Sperrgebiet für Unbefugte. Während der Staatsbesuche im Schloss Schönhausen war der Turm mit Spezialkräften besetzt. Noch heute sind im Sandsteinsims die eingeritzten Abzeichen der Sowjetischen Soldaten zu finden.

Überwachungsturm Ossietzky-Gymnasium 2018

Der Rathausturm hatte in diesem schaurigen Spiel noch einen stillen Bruder. Nur wenige hundert Meter Luftlinie saß der Ersatzposten der Staatssicherheit im Turm des Carl von Ossietzky-Gymnasiums.

Erich Honecker u. Leonid Brechnew 1973

Von hier aus wurde der Luftraum und die Grenzanlage Richtung Wedding überwacht. Hin und wieder kann man am Tag der offenen Tür im Gymnasium den Turm begehen und etwas mehr über seine Rolle im kalten Krieg erfahren.

Drohnenfilme der Türme:

Heinersdorfer Rathausturm

Rathaus Pankow

Carl von Ossietzky-Gymnasium

 

Autor: Christian Bormann, 06.07.2018

red. Bearbeitung: Mandy Tiegel

Bilder: Christian Bormann, Guido Kunze, Bundesarchiv

Video: Christian Bormann, Guido Kunze (Kopterpilot)

Hotel Wilhelmshof an der Kaiser-Wilhelm-Straße

Das Hotel Wilhelmshof wurde 1905 an der Kaiser-Wilhelm-Strasse Ecke Eichenstraße erbaut. Heute lautet die Postanschrift Dietzgenstraße 59. Im Vorderhaus befand sich das Restaurant Wilhelmshof mit Ballsaal und Biergarten.

Biergarten vom Hotel und Restaurant Wilhelmshof

Das Restaurant verfügte neben dem Ballsaal und Biergarten noch über eine Kegelbahn im Anbau. Anbau, Kegelbahn und Ballsaal existieren heute noch. Links vom Restaurant befand sich der Hauptaufgang zu den Apartments.

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24.07.1917 Hotel Wilhelmshof mit Außenanlage

Ein langer, links und rechts von dezentem Stuck verzierter Treppenaufgang, gekrönt von einem schmiedeeisernen Jugenstilleuchter empfing die Hotelgäste.

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Hotel und Restaurant Wilhelmshof

Auf dem ersten Hof in der heutigen Dietzgenstraße 59 steht der einstöckige Originalanbau für den erweiterten Tanzsaal und einer der 4 Kellerzugänge. Rechts vom Restaurant in der Eichenstraße befand sich der Eingang für die Bediensteten. Sie hatten ihre eigenen kleinen Angestelltenwohnungen im Seitenflügel. Diese erreichteten sie über den zweiten Hof.

Postkarte aus dem Wilhelmshof

Bis in die 1930er Jahre befand sich gegenüber dem Hotel der letzte große Dorfteich. Der Teich am Friedensplatz wurde schon beim Neubau der heutigen Kirche mit den Trümmern der alten Kirche zugeschüttet.

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Postkarte vom Hotel um 1936

Das Hotel befand sich am zentralen Wintersportplatz in Niederschönhausen. In der Buchschen Heide wurde im Winter gerodelt und keine 50 Meter vor dem Hotel traf man sich zum Schlittschuhlaufen.

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ehem. Hotel Dietzgenstraße 59

Zwischendurch begaben sich die Wintersportler rüber zum Restaurant Wilhelmshof. Hier erholten sich Jung und Alt je nach Alter bei einer heißen Schokolade oder einem heißen Grog.

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ehemaliger Ballsaal Wilhelmshof

Das Restaurant wurde, wie damals üblich, auch an Vereine vermietet. Vereinsstammtische, Kinovorführungen und Kegelbahnen gehörten in jede gute Restauration in Pankow.

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Dienstbotenaufgang Ecke Eichenstraße

Die Vereine hielten hier ihre zahlreichen Feste und Bälle ab. Im 2. Weltkrieg hielt das Hotel den Betrieb aufrecht. Es entstand eine Rivalität zwischen dem „Sanssouci“ am Betriebshof Niederschönhausen und dem Wilhelmshof.

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Blick vom Dorfteich auf das Hotel Wilhelmshof 1937

Es heißt, im Wilhelmshof verkehrten die Pankower Handwerker und im Sanssouci die Nationalsozialisten. Im Gegensatz zum Sanssouci überstand der Wilhelmshof den 2. Weltkrieg.

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Blick auf das Hotel vom ehem. Dorfteich 2017

Beide Restaurants verfügten über große Luftschutzbunker. Das Sanssouci wurde 1945 beim Fliegerangriff zerstört, der Bunker liegt heute unter der Wiese. Anders im ehemaligen Hotel Wilhelmshof.

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Bleikristallleuchter im Ballsaal 2017

Weitgehend verschont geblieben von den Luftangriffen wurde das Hotel aufwendig umgebaut. Auch heute erinnern noch jede Menge erhaltes Inventar sowie zahlreiche Leuchter und Schilder im Haus an den Charme des Gründerzeithotels.

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Foyer Hotel & Restaurant Wilhelmshof

Keine zwei Meter hinter dem Hotelkomplex verläuft heute der Kreuzgraben parallel zur rückwärtigen Außenmauer. Die Räumlichkeiten der alten Kegelbahn im Keller befinden sich direkt auf Grabenhöhe. Wenn die kleinen Fensterverschläge des Kellers geöffnet sind, ist das plätschern des Kreuzgrabens zu hören.

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Luftschutzbunker Dietzgenstraße

Die riesige unterirdische Luftschutzanlage unter dem Wilhelmshof wurde nach dem Krieg parzelliert, um Platz für Kellerräume zu schaffen. Die Wandbeschriftungen sind heute noch zu lesen. In den 1950er Jahren wurde aus dem Hotel ein Wohnhaus.

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Eisbahn auf dem Dorfteich am Wilhelmshof

Der Teich verschwand schon in den 1930er Jahren. Geblieben ist nur der der kleine Kreuzgraben, der sich unter der Kreuzung und dann am ehemaligen Hotel vorbei schlängelt. Das Restaurant Wilhelmshof gab es weiter. Zu seiner Zeit legendär waren auch die Gärtnerbälle.

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Dorfteich Niederschönhausen

Wie schon am ersten Tag der Eröffnung den Besucher, so empfangen auch heute noch beide originale stählerne Außentüren mit ihren Jugendstilelementen den Mieter. Der Innenschmuck des Hauses ist weitgehend im Original erhalten.

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Besuchereingang Hotel Wilhelmshof

Links vom Haupteingang befanden sich eine Drogerie sowie ein Kolonialwarenhandel. Seit März 2007 sitzt hier der Versicherungsmarkler Sven Feder.

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ehem. Drogerie, heute Versicherungsmakler Sven Feder

Der Gastronomiebetrieb Wilhelmshof existierte bis 1971. Es hatte sich schnell herumgesprochen, dass hier leichte Mädchen verkehren. Beim Streit um die Damen bekamen die DDR-Grenzsoldaten regelmäßig die Hucke voll.

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Haupteingang im Hotel

Das wollte sich die Obrigkeit nicht länger ansehen und so wurde der der Gastronomiebetrieb kurzerhand dicht gemacht. Um auch ja keinen Zweifel an der Marschrichtung zuzulassen, wurde das Objekt des Aufsehens jetzt zur Bildungsstätte.

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Appartements im Vorderhaus

Von 1974 bis 1994 befand sich in dem ehemaligen Vergnügungstempel eine Stadtbibliothek. Im Dezember 1999 eröffnete das Ballhaus wieder. Ehrengast war eine 105-jährige Dame, die hier als junge Frau ihren Mann kennen lernte.

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Historischer Originalleuchter von 1905

Heute sind das Restaurant, der Ballsaal und die Kegelbahn verwaist. Das enorm große Objekt findet einfach keinen Betreiber. Die Appartements sind heute Mietwohnungen und erstrahlen mit ihrem originalen Stuck und den Parkettböden im ursprünglichen Glanz.

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erhaltene Stuckkassetten

Als Mieter im ehemaligen Hotel Wilhelmshof an der Kaiser-Wilhelm-Straße war es mir ein ganz besonderes Anliegen, die Geschichte meines Hauses zu erzählen.

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Dienstbotenaufgang Eichenstraße

Leider sind historische Aufnahmen oder gar Papiere von diesem Objekt äußerst selten. Wer historische Aufnahmen der Dietzgenstraße 59 besitzt oder findet, möchte sich bitte bei uns melden.

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Seitenflügel, links Dienstbotenwohnung

Allein in Niederschönhausen gibt es noch ein Dutzend solcher Restaurationen. Da wären zu Beispiel der Carlshof und das Bismarck am alten Wochenmarkt Niederschönhausen an der Waldstraße.

Autor: Christian Bormann, 26.06.2017

red.Bearbeitung: Martina Krüger, 30.06.2017

Bilder: Christian Bormann, historische Postkarten