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Der Heinersdorfer Rathausturm – Wasserturm

Das Rathaus Heinersdorf, ehemals an der Berliner Straße 66, seit einiger Zeit Tino-Schwierza-Straße, wurde 1910 fertig gestellt. Der Turm sollte ursprünglich nur der zentrale Mittelteil eines riesigen Rathauses werden. Mit 46 Metern Höhe war der Stahlbetonbau damals nicht zu übersehen. Eine riesige Uhr zierte die Fassade, gekrönt wurde der Rathausturm durch eine prächtige kupferne Kuppel.

Heinersdorfer Rathausturm

Zur Zeit seiner Errichtung war der Turm eine echte Innovation, ein Rathaus mit integriertem Wasserturm. Heute ist das Bauwerk den meisten ausschließlich als Wasserturm bekannt. Durch Ausbruch des 1. Weltkriegs zogen die Amtsstellen nie in das Rathaus ein. Nach Ende des 1. Weltkriegs wurde kein Rathaus mehr benötigt, denn 1920 wurde Heinersdorf nach Groß Berlin eingemeindet. Aber auch Wasser sah der Wasserturm nie, denn mittlerweile gab es unterirdische Druckwasserleitungen.

Heinersdorfer Rathausturm

Vor dem Rathausturm lag auf einem kleinen Hügel die Heinersdorfer Mühle. Direkt am Turm wurde 1934 bis 1935 eine Gemeindeschule mit Turnhalle gebaut. Im 2. Weltkrieg wurde dann 1944 eine Flakstellung auf dem Dach des Gebäudes errichtet.

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Nach Ende des 2. Weltkriegs übernahm die Rote Armee den Turm und installierte ihrerseits einen Horchposten. Dieser diente der Flugüberwachung von Tegel. Gleichzeitig wurden die beiden unteren Etagen als Schule genutzt.

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Nach Abzug der Besatzungsmächte stand der Turm leer und wurde trotz Denkmalschutz vom Bezirksamt zum Verkauf angeboten. Der Rathausturm wurde 2008 verkauft. Hier sollten nun exklusive Eigentumswohnungen entstehen. Am 24. Juni brannte der Turm dann völlig aus. Die Brandursache bleibt bis heute unbekannt.

 

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Link zum 360° Panorama vom Turm

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Videolink:

Autor: Christian Bormann 21.08.2014
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Bilder: Christian Bormann, Nick Nac, Guido Kunze

Letzte Bearbeitung: 18.02.2018

Bürgerpark – Das Geheimnis von Friedhof I

Video: Das Geheimnis vom Friedhof I

Ursprünglich wurden die verstorbenen Pankower innerhalb der Umfassungsmauer der alten Pfarrkirche „Zu den Vier Evangelisten“ bestattet. Aus Platzmangel und um Freifläche für die Erweiterung der Pfarrkirche zu gewinnen, wurden die bestehenden Gräber 1841 auf den dann offiziell I. Gemeindefriedhof Pankow am Bürgerpark umgebettet.

Pankow Friedhof I

Damals noch Spandauer Straße genannt, liegt der Friedhof jetzt Wilhelm-Kuhr-Straße/Ecke Kreuzstraße gegenüber der Tanzschule Schmidt-Hutten.

Pankow Friedhof I

Die ursprüngliche Einfriedung bestand aus Holz, seit 1908 ziert ein girlandenartiger schmiedeeiserner Zaun den Friedhof. Heute ist das Grundstück ein Gartendenkmal und wird dem Bürgerpark zugerechnet. Am bekanntesten ist den Pankowern das Mausoleum des Bürgerpark Besitzers Baron Killisch von Horn. Gebaut wurde es 1904, Architekt war CH.F. Malingriaux.

Pankow Friedhof I

Wer einen Blick in das Mausoleum wagt, sieht hier noch zwei offene Doppelsärge liegen.

Pankow Friedhof I

Leicht versteckt hinter Baum und Büschen, übersät mit Maschinengewehreinschüssen, wirkt es schon gespenstisch auf den Besucher.

Pankow Friedhof I

Im Mausoleum selbst befindet sich neben den beiden Särgen auch eine versteckte Bodenklappe. Diese führt zu einer etwa 5 Meter tiefen, mit rotem Backstein ausgekleideten Kammer. Am Boden dieser Kammer befinden sich verstreut die Gebeine aus den oberirdischen Särgen sowie Militärgegenstände der hier verschanzten Soldaten. Über die Jahrzehnte wurden diese Sachen einfach durch die Bodenklappe herunter geworfen. Kurz vor Einmarsch der Roten Armee 1945 verbrannte der Pankower Bürgermeister Bernhard Ahmels die Archivbestände des Rathauses, darunter vermutlich auch die Bauunterlagen von Friedhof I.  So kommt es, dass heute niemand mehr weiß, dass es sich bei den Gräbern entlang der westlichen Friedhofsmauer um Grabkammern handelt.

Pankow Friedhof I

Zwischen Mausoleum und Schulze-Gräbern handelt es sich um flache Grabkammern, die zumeist mit hölzernen Doppelsärgen belegt sind. Eine Besonderheit ist die Grabanlage der Familie Schulze, bekannt durch „Millionen-Schulze“, sowie der gleichnamigen Schulzestraße. Anfang 1990, kurz nach Öffnung der Berliner Mauer, bekam die Ruhestätte der Familie Schulze Besuch von Grabräubern.  Wahrscheinlich suchten sie nach wertvollen Grabbeigaben, was sie hinterließen, waren riesige Löcher. So groß, dass man direkt in die mit Kacheln ausgeschmückten Grabkammern und auf die reichlich verzierten Särge schauen konnte. Die Kammern waren so hoch, dass ein Erwachsener hier problemlos hätte stehen können, untereinander waren sie mit einem Gang verbunden. Monate später wurden die Erdlöcher vom Grünflächenamt mit gepflanzten Farnen verdeckt.  Heute sind, neben den Gräbern an der Westmauer, nur noch wenige ganz oder teilweise erhalten. Auch wissen nur wenige Leute, dass nicht alle Grabsteine auf diesen Friedhof gehören, einige wurden von anderen Friedhöfen hierher gebracht, um sie zu erhalten.

Pankow Friedhof I

Da sich niemand um die Erhaltung, geschweige denn die Restaurierung der Grabstellen kümmert, verschwinden jedes Jahr weitere. Es ist absehbar, dass von den freistehenden Gräbern in 20 Jahren nur noch eine Wiese übrig bleibt.

Autor: Christian Bormann, 10.08.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Bilder: Hintze CPS

Schlosspark und Pankower Schwarzmarkt

Zu den unbekannteren Kapiteln Pankows gehören das Schloss-Casino und der Pankower Schwarzmarkt. In den späten 30er Jahren befand sich im Schloss Schönhausen eine Depot- und Verkaufsstelle für „Entartete Kunst“. Mit dem Einmarsch der Roten Armee 1945 wurde auch Schloss Schönhausen beschlagnahmt. Heute ist nur noch wenigen bekannt, dass die Sowjetische Kommandantur hier ein Offiziers-Casino einrichtete.

Schlosspark und Pankower Schwarzmarkt

Vor den Toren des Schloss Schönhausen entwickelte sich ein immer größer werdender Schwarzmarkt. Teile der heutigen Ossietzkystraße und des Schlossparks wurden von der Bevölkerung und den Militärangehörigen für den regen Austausch von Schwarzmarktwaren, wie sie für die Nachkriegszeit typisch waren, genutzt.

Schloss Schönhausen

Im Offiziers-Casino wurde viel getrunken. So soll es eines Abends zu einem tödlichen Verkehrsunfall, verursacht von einem betrunkenen Militärangehörigen gekommen sein. Das Casino wurde umgehend geschlossen. Mit dem Offiziers-Casino verschwand auch der Pankower Schwarzmarkt aus dem Schlosspark, und fand seine Fortsetzung am Brandenburger Tor in Berlin-Mitte.

Autor: Christian Bormann, 09.08.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Quellen:
mündliche Überlieferung
Phoenix

Bilder:
Hintze CPS

Die Legende vom Pankower Fliegenfest

Zu den populärsten Stadtfesten im alten Berlin gehörten zweifelsohne die Innungsfeiern der Gewerke. Die Garnweber hatten ihr Flachsfest, die Seidenweber ihr Wurmfest, die Tuchmacher das Mottenfest, Kammmacher feierten ihr Läusefest und die Raschmacher waren bekannt für ihr Fliegenfest in Pankow. Der Legende nach trafen sich die Vorstandsmitglieder der „Gesellschaft für Zeug und Raschmacher“ 1842 bei Linder in Pankow.

Restaurant Linder Pankow

Bei einem großen Glas Weißbier berieten die Herren, wie sie ihr Fest wohl ausrichten und wie sie es nennen sollten. Auf den Rändern der Weißbiergläser saßen unzählige Fliegen, die vor jedem nächsten Schluck verscheucht werden mussten. So kamen die Herren aus einer Bierlaune heraus auf den Namen Fliegenfest, der sogleich allgemeine Zustimmung fand. Von den Berliner Innungsfeiern waren das Fliegenfest, das Mottenfest sowie der Stralauer Fischzug die am meisten besuchten. Einige Unstimmigkeiten weist das Fliegenfest bezüglich seiner Datierung auf, denn schon 1832 wird das Pankower Fliegenfest im „Taschenbuch Berlin“ von Ludwig Helling erwähnt. Es soll alljährlich im Juli oder August in Pankow gefeiert worden sein mit geschmückten Kutschen, prächtigen Kostümen und Fahnenschwenkern.  Die Innung der Raschmacher löste sich 1924 auf. Es gab einige Anläufe, das Fliegenfest neu zu beleben, bis heute jedoch ohne Erfolg.

Autor: Christian Bormann 03.08.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Bild:
alte Pankower Postkarte

Der „Glocken-Gustav“ von Buchholz

Zu den bekanntesten Persönlichkeiten in Buchholz gehörte zweifelsohne der am 29. Mai 1883 in Buchholz geborene Gustav Guyot. Der Sprössling einer Hugenottenfamilie besuchte von 1889 bis 1897 die Gemeindeschule in Französisch Buchholz. Sein Abgangszeugnis vom 31. März 1897 bescheinigte ihm gute schulische Leistungen. Familie Guyot blickte auf eine lange Bauerntradition zurück. Gustav Guyot setze diese Tradition fort.

Gedenkstein Familie Guyot Buchholz

In den Jahren 1930 – 1933 legte er am Rosenthaler Weg Versuchsfelder zur besseren Weizen- und Roggenzucht an. Sogar Fachexperten aus Japan und der Sowjetunion lud er nach Buchholz ein, um sich mit ihnen auszutauschen.  Am 28. Februar 1932 erhielt Gustav Guyot das Ehrendiplom der „Landwirtschaftlichen Lehranstalt ‚Oranienburg-Luisenhof‘“. Zur verbesserten Bodenbearbeitung erfand er einen Unterbodenpflug, mit dem er Findlinge zutage förderte. Auch einen Spezialwagen mit Hebevorrichtung konstruierte er für den Transport der Findlinge.

Familiengrab Guyot

Zusammen mit dem letzten Pfarrer der Französischen Reformationsgemeinde Albert Hurtienne entstand die Idee, einen Gedenksteins in Form eines Findlings auf dem Gehöft der Guyots zu platzieren.  Am 29. Oktober 1935 wurde der Gedenkstein eingeweiht. Während seiner Rede trug Gustav Guyot einen glockenförmigen Hut, welcher ihm das Aussehen eines englischen Lords verlieh. Das machte so großen Eindruck, dass Gustav fortan für immer diesen Hut trug, was ihm so den Spitznamen „Glocken-Gustav“ einbrachte. Gustav Guyot starb am 25. Februar 1966 und wurde im Familiengrab in Buchholz beigesetzt. Seine Angehörigen legten ihm die „Glocke“ mit in den Sarg.

Autor: Christian Bormann 31.07.2014
Technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger

Quelle:
mündliche Überlieferung
750 Jahre Buchholz vom Freundeskreis der Chronik Pankow e.V.

Bilder:
Hintze CPS

Schönholz: Der Heide-Bunker

In der Schönholzer Heide gibt es immer noch einen Bunker, einige Besucher verwechseln auch heute noch das versunkene Heide-Theater mit einer Bunkeranlage.

Schönholzer Heide Theater
Heide Theater

Den noch erhaltenen oberirdischen „Heide-Bunker“ kennt so ziemlich jeder Pankower. Er liegt an der Ziegelsteinmauer des Schützenhauses „Schloss Schönholz“, gut sichtbar zwischen Hermann-Hesse-Straße und geschottertem Fußballplatz.

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Heide- bzw. Luna Bunker

Nach verstärkten Luftangriffen auf Pankow diente er zunächst als öffentlicher Schutzbunker, bevor aus Platzmangel Luftschutzbunker in den Kellern der Wohnhäuser angelegt wurden.

Schönholzer Heide Bunker von Innen
Bunker Inneres

Später gehörter der Bunker zum Zwangsarbeiterkomplex „Luna Lager“. Nur sehr Wenige kennen noch die zwei alten Geschütztürme mit ihren Schießscharten, diese dienten wohl der Bewachung des sogenannten „Luna-Lager“. Sie liegen südlich und nördlich der Straße vor Schönholz.

Geschützturm
Geschützbunker Straße vor Schönholz

Den Namen bekam das Lager von den Pankowern, da es auf dem Gelände des ehemaligen „Luna Park“-Nachfolger „Traumland“ stand. In Pankow gab es zahlreiche Zwangsarbeiterlager, das „Luna-Lager“ war das zweitgrößte in Berlin. Zahlreiche Baracken standen auf dem Gelände des alten Vergnügungsparks „Traumland“. Auch die „Thiemannschen Festsäle vor Schönholz“ sowie das „Schloss Schönholz“ dienten zur Unterbringung.

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Restaurant Schloss Schönholz

Die Zwangsarbeiter wurden unter anderen in den Deutschen Waffen und Munitionsfabriken AG Berlin Borsigwalde, in den Argus Motorenwerken Berlin Reinickendorf sowie den Bergmann Elektrizitätswerken eingesetzt.

Kriegsgräbergedenkstätte
Ehrenhain für die Kriegsopfer

Ein kleiner eingezäunter Ehrenhain mit Gedenktafeln erinnert heute noch an die Opfer des II. Weltkrieges. Ein weiterer Bunker soll sich laut einem „NVA Forum“ angeblich unter einem der zwei „Knochenberge“ befinden.

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Kimpostierpkatz Bezirksamt, Knochenberge

Diese sind die abgetragenen Reste des Friedhofs VI, der 1943 aus Platzmangel für innerstädtische Bombenopfer angelegt und bereits 1946 teilweise wieder geschlossen wurde. Ein Bunker befindet sich darunter nicht. Wer abseits der Wege etwas stöbert, findet große Betonbrockenansammlungen, viele schon überwachsen.

Betonreste Schönholzer Heide
Fundamrntbrocken Luna Lager

Hierbei handelt es sich um eine Mischung aus Fundamentbrocken der Zwangsarbeiterbaracken. Hinzu kommen noch abgetragene Reste von zerbombten Mietshäusern sowie Hausmüll, den anliegende Bewohner zu DDR Zeiten hier deponierten.  Die noch existierenden unterirdischen Zugänge gehören zu Versorgungsräumen und Schächten von „Traumland“, „Luna-Lager“ und „Heidetheater“. Aber auch diese sind inzwischen teilweise oder ganz mit einer Mischung aus militärischen Überresten und Steinschutt verfüllt.

Autor: Christian Bormann, 27.07.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Bilder:
Hintze CPS
Nadine Kreimeier
NVA-Forum
historische Ansichten Pankow
Wikipedia

Elisabeth Christine-Ein unmoralisches Angebot

Eines Tages bekam Elisabeth Christine Besuch im Schloss Schönhausen, es war der Kammerdiener Friedrich des Großen. Seine Majestät hatte ihm aufgetragen, die Königin Elisabeth davon zu überzeugen, sich einem von ihm ausgewählten Offizier hinzugeben.

schloss schoenhausen

So wollte der König seine Thronfolge sicherstellen. Nachdem Elisabeth verstand, welch Unverschämtheit ihr soeben angetragen wurde, ging sie den schon greisen Kammerdiener Fredersdorf scharf an. Er solle sofort schweigen, sonst würde sie den Wunsch des Königs sofort an ihm vollziehen. So blieb die Ehe Friedrich des Großen kinderlos.

Autor: Christian: Bormann, 25.07.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Quelle:
Sagen und Geschichten aus dem Norden Berlins/Barbara Keil

Bild:
historische Ansicht

Die einsame Venus von der Kostecky-Villa

In der damaligen Bismarckstr. 41 in Pankow, heute Hermann-Hesse-Str. 19, stand eine beeindruckende Villa. Allein die schmiedeeiserne Einfriedung war so imposant gestaltet, dass es dem Betrachter den Atem verschlug. Der Garten war kunstvoll gestaltet wie ein verzauberter Park. Das Haus war gedeckt mit einem grün schimmernden Kupferdach und wurde gekrönt mit einer über 2 Meter großen Venus.

Venus

Am Eingangsportal zur Straße standen prächtige Putten und Marmorsäulen. Die Villa wurde schon 1905 gebaut, der Umbau zu einem kleinen „Schloss“ erfolgte in den 20er und 30er Jahren. Bis in die späten 90er war das Grundstück bewohnt. Der Eigentümer war Wolfgang Joseph Kostecky, gebürtiger Pole, steinreich und bekennend homosexuell. Kostecky hatte einen ausgeprägten Hang zum Schönen und Prunkvollen, was er auch im Inneren seiner Villa zeigte. Die Wände waren mit Seide bespannt, Marmor verlegte er wo er konnte und die Räume bestückte er mit offenen Kaminen. Das Bad bekam eine so gigantische Badewanne, so dass diese bei Verfall der Villa fast durch die Decke gebrochen wäre. Kostecky und seine Villa waren in aller Munde. Ab 1940 nahm sein Leben eine jähe Wende. Als „Berufsverbrecher“ nach §175 Reichsgesetz war Kostecky als Homosexueller zu verfolgen und zu vernichten. Die Nazis deportierten ihn in das KZ Sachsenhausen. Kostecky überlebte Sachsenhausen. Seine Villa überstand auch Nationalsozialismus und Kommunismus, wurde aber am 17.Februar 2005 Opfer des Kapitalismus. Laut Denkmalamt wurde die Villa übersehen, obwohl ihr Garten mit Einfriedung bereits 1995 als Denkmal erfasst wurde. Als im Jahr 2001 die ersten großen Grundstücksspekulationen anfingen, wurde der Garten auf mysteriöse Weise wieder von der Denkmalliste gelöscht.

Kostecky Villa mit Venus

Wen wundert es da noch, dass bei einer abschließenden Begehung durch das Landesdenkmalschutzamt 2004 festgestellt wurde, „dass die Villa nicht mehr zu retten, und eine Eintragung als geschütztes Denkmal auszuschließen ist“. Am 17. Februar 2005 wurde die „Villa Kostecky“ abgerissen, um an ihrer Stelle einen Parkplatz zu bauen. Während der Abrissarbeiten wurden die Gartenfiguren abgebaut, verpackt und verschwanden dann über Nacht. Ihr Verbleib ist uns unbekannt. Unter Pankowern halten sich bis heute hartnäckig Gerüchte, dass es im Fall „Kostecky Villa“ nicht mit rechten Dingen zuging. Beim Abriss der Villa kamen in der Baugrube Abfälle eines Feldlazaretts zutage, die hier im Garten scheinbar vergraben wurden. Einst blickte die Venus stolz vom Dach der Villa über Niederschönhausen. Heute steht sie einsam neben den Resten der Einfriedung auf einem Parkplatz und blickt auf den Mülleimer eines Discounters.

Autor: Christian Bormann 23.07.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Bilder:
Hintze CPS
Berliner Wochenblatt für Pankow 15.11.2000