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Landserdepot in Pankow entdeckt

Am 23. April 1945 gelangten Sowjetische Truppen bis an die Berliner Straße. Große Teile von Pankow waren eingenommen. Ausnahmen waren der Bahnhof Wollankstraße, der sich 2 Tage länger hielt und die Ecke Neumannstraße, Hallandstraße, um die bis zum Waffenstillstand am 2. Mai 1945 erbittert gekämpft wurde.

mobiler Raketenwerfer vor dem Kino Toni Weißensee, beschossen wird der Alexanderplatz April 1945

Neumannstraße Ecke Hallandstraße standen sechs Geschütze, die vom Landsturm bedient wurden. Es waren 15, 16 und 18 Jährige Jugendliche, von denen die meisten durch Fliegerangriffe getötet wurden. Sie wurden in Notgräbern und später auf dem Friedhof VI in Schönholz beerdigt. Auch Flüchtlinge, die in Pankow Zuflucht gesucht hatten und Ausgebombte befanden sich unter den Opfern der Fliegerangriffe und letzten Gefechte.

Landserstellung 1945

Als Notbegräbnisplatz dienten in den letzten Kriegsmonaten die Grünfläche Dietzgenstraße Ecke Beuthstraße, Waldstraße/Altenberger Weg, Schlosspark, Kissingensportplatz, Botanischer Volkspark Blankenfelde, sowie zahlreiche weitere unbetonierte Freiflächen in Parks und Vorgärten.

Pankow Depotfund letzte Frontlinie Juli 2017

Auch heute werden hin und wieder vergessene, oder damals in der Not unzureichend dokumentierte Notgräber gefunden. Im städtischen Raum sind solche Funde weitaus seltener als auf Wiesen und in Wäldern vor den Toren Berlins.

Öffnung des Depot durch Munitionsbergungs Firma

Genauso selten sind heute auch Depotfunde aus den letzten Kriegstagen. Ein solches Depot fand sich Ende Juli unmittelbar an der letzten Frontlinie unweit der Berliner Straße bei Bauarbeiten in Pankow.

Fundstücke aus dem Depot

„Ein Landser legt ab“. So lässt sich die Fundsituation wohl am besten beschreiben. Auf einem unbebauten Eckgrundstück nahe der Berliner Straße erfolgten kleinere Erdarbeiten. Das verwilderte Areal wurde mit Hilfe eines Baggers bis auf den Mutterboden von der Grasnarbe befreit. Beim Abziehen der bewachsenen Schicht kam ein über 70 Jahre altes Landserdepot zum Vorschein.

Stahlhelm

Eine Firma zur Munitionsbergung rückte an. Was dann zum Vorschein kam war schon allerhand. Ganze zwei Tage war die Bergungsfirma mit der Beräumung beschäftigt. Es handelte sich offenbar um einen einzelnen Landser in einer Stellung. Auf die Stellung wiesen die Begleitfunde hin. Waschschüssel, Kaffeekanne und Feldgeschirr sowie tierische Knochenreste und ein halbes Dutzend Weinflaschen.

Ring und weitere Fundstücke

Neben dem abgelegten Stahlhelm, Stiefeln, dem Ring, und die Winterhilfswerkabzeichen, Spielzeugfiguren und anderen persönlichen Dingen wurden zwei Panzerfäuste und russische Granaten geborgen.

Abzeichen und Spielfiguren

Die zwei Panzerfäuste und russischen Granaten, sowie der Gesamtfundumstand weisen darauf hin, dass hier tatsächlich ein einzelner Landser zur Panzerabwehr aushielt. Die Abschussrichtungen entsprechen der letzten Frontlinie durch Pankow bis zum 2. Mai 1945.

Ring und Abzeichen

Das Depot befand sich in einem zugeschütteten Bombentrichter. Ich kannte das verwilderte Grundstück schon als Schüler, es lag unmittelbar auf dem Weg zur Schule. Ich habe mir den den Fundplatz und die Begleitfunde Samstag nochmal genau angeschaut. Wenn der Fund an dieser Stelle auch höchst selten war, so ist doch die Fundsituation des Landserdepots geradezu eine Klassische.

Stiefel, Eimer und weiter Utensilien

Eingekesselt und ohne Aussicht auf heiles entkommen „hat der Landser abgelegt“ Alles militärische und die Hinweise auf die Panzerabwehrstellung wurden verscharrt, um im Gewand eines Zivilisten die Überlebenschancen bei Feindkontakt zu erhöhen.

unter Anderem Feldgeschirr, Kaffeekanne,Waschschüssel und Wassereimer

Ältere Pankower erinnern sich noch an den eingegrabenen Panzer an der Pankower Kirche. Wer in den Nachkriegsmonaten bei Schmidt-Hutten tanzen wollte, bezahlte den Eintritt üblicherweise mit Kohle in Stücken. Pankow erholte sich verhältnismäßig schnell von seinen Bombenschäden. Die Kultur des Bezirkes tat es nie wieder.

Diese kleine Geschichte ist wohl ganz in deinem Sinne. Also soll sie auch deine sein Manne.

Autor: Christian Bormann, 27.07.2017

red.Bearbeitung: Martina Krüger, 28.07.2017

Bilder: Christian Bormann, Privat, Bundesarchiv

Der Pariser Wehrmachts-Cognac aus Blankenfelde

In den letzten Wochen habe ich viele Zuschriften von Lesern erhalten, die mir Zugang in ihre privaten Bunker, Scheunen und Kellergewölbe ermöglichten. So auch vor einigen Wochen in Pankow Blankenfelde. Bei der Begehung einer Scheune konnte ich gleich mehrere Ölgemälde begutachten. Die Bilder stammten aus einer Beräumung in Blankenfelde und standen hier schon einige Jahre. Nach kurzer Recherche konnte ich dem Eigentümer sagen, worum es sich bei den Bildern handelte. Ich war seitdem mehrmals auf dem Hof und das Vertrauen wuchs. Eines Abends wurde mir die Geschichte einer riesigen Weinsammlung erzählt.

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Wehrmachtbeute WK.II Cognac aus Paris

Es sollten noch viele unbestimmte Flaschen erhalten sein. Also bot ich mich zum Taxieren der Flaschen an. Gespannt stieg ich die Kellertreppe hinab. Als ich die erste Flasche in der Hand hielt, verschlug es mir die Sprache. Es war kein Wein. Cognac, und nicht irgendeiner. Gleich die erste Flasche entpuppte sich als Beutegut der Wehrmacht. Das Kontingent wurde in den 1940er Jahren in Paris geraubt. Es war durchaus üblich, Spirituosenlager des Kriegsgegners mit Weinen, Whiskys und Cognac zu beschlagnahmen und die Chargen in deutsche Flaschen umzufüllen. Als Whiskygenießer habe ich schon einige solcher Sammlerstücke gesehen.

Eiskellerfund in Blankenfelde

Frau Krüger hat sofort Kontakt mit dem heute noch existierenden Hersteller aufgenommen. Bei den Cognacflaschen aus Blankenfelde handelt es sich um eine Charge, die von der Generalität der Wehrmacht in Paris unterschlagen wurde. Der Cognac war aber nur ein Teil der fast 2000 Flaschen umfassenden Sammlung. In den 1990er Jahren hatte der Dachdeckermeister Harald Klein seine Weinsammlung in einer Scheune in der Berliner Straße am Stadtgut Blankenfelde untergebracht.

Scheune Berliner Straße am Stadtgut Blankenfelde 2017

Aufgrund des hohen Wertes gab es nur wenige Eingeweihte. Ende der 1990er Jahre verschwand die Sammlung spurlos. Nur wenig später starb Herr Klein an einem schweren Krebsleiden. Familie Klein wohnte auf dem Grundstück Hauptstraße, Ecke Mönchmühler Straße. Dieses Haus wurde im Auftrag der Witwe beräumt. Hierbei entdeckte die mit der Beräumung beauftragte Firma eine Bodenklappe in der Küche. Zunächst war nicht viel zu sehen. Offensichtlich befand sich unter der Küche ein kleiner, unter Wasser stehender Kühlkeller aus dem 19. Jahrhundert.

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Fund-Haus Hauptstraße Ecke Mönchmühler Straße 2017

Soweit noch nicht besonders. Als die Firma mit dem Abpumpen des ca. 20 cm hoch stehenden Wassers begann, war das Erstaunen groß. Ganze 2000 Flaschen an Jahrgangsweinen ab 1940 bis 1980 und Cognac aus Paris. Gut die Hälfte der Flaschen war beschädigt. Die verbliebenen fast 1000 Flaschen wurden, nachdem der Fund der Eigentümerin Frau Klein gemeldet wurde, abgefahren.

Auszug der verbliebenen Weinsammlung in Blankenfelde 2017

Frau Klein erhob keinen Anspruch und so lagern die verbliebenen Jahrgangsweine und der Cognac heute wieder in Blankenfelde. Ein großer Teil der Weine wurde schon taxiert und bewegt sich zwischen 40 und 120 € je Flasche. Der Pariser Cognac aus dem 2. Weltkrieg ist noch nicht bewertet, vermutlich liegt der Wert der Flaschen im vierstelligen Bereich.

Autor: Christian Bormann, 06.04.2017

red.Bearbeitung: Martina Krüger, 06.04.2017

Bilder: Christian Bormann