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Der Rathausturm

Die Grundsteinlegung für das Rathaus Pankow erfolgte am 12. Julie 1901. In einem der Turmpfeiler befindet sich eine Aussparung mit einem kleinen historischen Schatz. Es ist eine kupferne Kapsel gefüllt mit den damals aktuellen deutschen Kursmünzen und Zeitungen des Niederbarnimer Anzeigers.

Eingang Ratskeller im Turmsockel 2017

Die Aussparung wurde mit einer Sandsteinplatte abgedeckt. Drei Hammerschläge führte der damalige Bürgermeister Gottschalk aus und sprach: „Vom Leben aus, zum Leben hin, lebendig immer dar“. Im Sockel des Turmes befindet sich auch der Haupteingang zum einst legendären Ratskeller. Dieser war schon ein halbes Jahr vor dem Rathaus eröffnet worden.

Rathaus ohne Laterne, Turmspitze und Kupferdach dafür sind die originalen  Helme auf  den Ecken der Balustrade noch zu sehen 1930

Bereits am 9. Oktober 1901 war der Ratskeller schon mit elektrischem Licht ausgestattet. Der Niederbarnimer Anzeiger berichtete über den Ansturm auf das edle Stübchen. Während die Gäste auf der Terrasse unter einer riesigen Markise sitzen konnten, befand sich das Rathaus noch im Bau.

Rathaus mit Preußischem Adler etwa 1920

Auf der anderen Straßenseite stapelten sich noch Telegrafenmasten, Gasröhren und Oberleitungen. Die Baustelle ist noch auf einigen antiken Ansichtskarten zu sehen.

Dr. Kiene u. Schüler 27. August 1930, Turmhelm noch mit Schiefer verblendet

Im ersten Obergeschoss des Turmes befand sich die Dienstwohnung des Bürgermeisters, die Gottschalk am 25. Oktober 1902 bezog. Gleich zwei Balkone standen ihm zur Verfügung. In zeitgenössischen Aufzeichnung ist zu lesen, das Gottschalk ganz besonders vom Ausblick beider Balkone schwärmte.

Turmbalustrade ohne Eckhelme 2017

Vom Nordbalkon konnte er direkt in den Bürgerpark schauen. Heute versperren die Wohnblöcke Wollankstraße und Wilhelm-Kuhr-Straße die Sichtachse. Der Turm wurde mehrmals baulich angepasst. Gleich nach der Eröffnung musste die Turmspitze auf der Laterne gekürzt werden, sie hielt den Stürmen nicht stand.

Granatentreffer in der Turmuhr, Sowjetische Kommandantur ohne Preußischen Adler 1946

Beim Abgleich der historischen Aufnahmen fehlt dem 50 Meter hohem Rathausturm sogar kurzzeitig Helm und Laterne. Die heutige Kupferkuppel war zwischenzeitig mit Schiefer verblendet. Erhalten ist auch die preußische Reichskrone auf dem Nachbartürmchen. Während das gesamte ursprüngliche Kupferdach im 1. Weltkrieg der Rüstungsindustrie zum Opfer viel.

Originale Turmuhrblätter von 1901, Turmbegehung, Bormann 2017

Die Balustrade wurde das erste mal in den 20er Jahren umgebaut. Im Original hatten alle 4 Ecken spitz zulaufende Helme. Der Grund für die Entfernung ist heute nicht mehr bekannt. Im 2. Weltkrieg gab es mehrere Bombentreffer am Rathaus. Besonders sichtbar war der Turmtreffer, der Teile der Uhren zerstörte.

Schutzblenden von 1946 für Turmuhr nach Bombentreffer, Bormann 2017

Die fehlenden 2 Uhren wurden in den Nachkriegsjahren mit Blendplatten ersetzt. Bei unsere Begehung 2017 entdeckten wir im Turminneren die Abdeckplatten. Noch beeindruckender war der Fund von 2 originalen Zeitblättern der Turmuhren. Bis heute stehen diese historischen Artefakte hier und trotzen der Zeit.

Rückansicht der Turmuhr nach Norden 2017

In den 1930er Jahren nutzte Dr. Kiene mit seinen Schülern des Knabenlyzeum die Balustrade für den Astronomieunterricht. Während des 2. Weltkrieges befand sich an selber Stelle eine Maschinengewehrstellung. Diese wurde dann von den Sowjets eingenommen.

Steg und Turmuhr nach Norden 2017
Rückansicht Turmuhr nach Norden 2017

Nachdem das Rathaus als Sowjetische Kommandantur geräumt und den Pankowern 1948 übergeben wurde, diente die Turmbalustrade als Luftraumsicherungsposten für Schloss Schönhausen und seine Staatsgäste.

Uhrenwerk nach Norden

Es war eine kleine unscheinbare Stahltür die uns der Herr über dem Rathausturm Pressesprecher Tobias Schietzelt öffnete. Schon der erste Blick in den Wendeltreppenturm war atemberaubend. Mit jeder weiteren Stufe entdeckten wir immer neue Überraschungen.

Aufstieg zur Turmbalustrade Bormann u. Schietelt 2017

Optisch am beeindruckensten waren die Uhren von Ihrer Rückansicht. Kleine Holzstege führten zu allen 4 gläsernden Zifferblättern. Überrascht war ich über die zwei kleinen Turmglocken.

Treppenaufgang Rathausturm 2017

Selbst in der Kreuzstraße 5 aufgewachsen und direkt nebenan in der Wollankstraße zur Schule gegangen, konnte ich mich nicht erinnern jemals einen Glockenschlag aus dem Turm vernommen zu haben.

Turmglocken zur Rathausuhr 2017

Etage um Etage kamen wir der Turmbalustrade näher. Dann endlich betraten wir sie durch einen Jugendstilbogen. Als erstes fielen mir die Graffitis der Sowjetischen Soldaten auf.

Rathausturm und Dach mit Balustrade 2017

Eine weitere Überraschung war der erhaltene Stahlanker. An ihm hing 1946 bis 1948 ein Transparent mit der Aufschrift: „Es lebe die Verfassung der UDSSR “ zu jener Zeit war die gesamte Rathausfassade mit Roten Sternen und einem riesigen Konterfei von Stalin geschmückt.

Turmbalustrade mit  Transparent der Sowjetischen Kommandantur von 1946

Nach dem Kommandobunker und den Gefängniszellen im Rathauskeller war der Turmaufstieg am beeindruckendsten. Es waren mehrere Besuche 2017 in denen uns der Pressesprecher des Bezirksamt Pankow begleitete und mit Rat und Tat zur Seite stand.

Rathaus als Sowjetische Kommandantur mit Transparent „Es lebe die Verfassung der UDSSR“ Sternen und Stalinkonterfei 1946

Sowie einst Bürgermeister Gottschalk vom Ausblick seiner Dienstwohnung im Turm schwärmte, so unvergesslich bleibt mir der Turmaufstieg und der umwerfende Ausblick von der Turmbalustrade in Erinnerung.

Einritzungen im Sandstein der Sowjetischen Spezialeinheiten 1946 bis 1948

Trotz aller baulicher Veränderungen ist das Rathaus heute immer noch voller kleiner historischer Überraschungen. In Ecken und Kammern haben die Spuren der Geschichte der Zeit getrotzt. Auch der goldene Jugendstilleuchter, der einst vor den anrückenden Sowjetsoldaten auf dem Dachboden des Rathauses versteckt wurde, harte der Zeit und wurde zur 750 Jahrfeier Berlins wieder restauriert und 1987 im Fojer aufgehangen.

Mittelturm mit einst goldener heute kupferfarbener Reichskrone 2017

Den historischen Ausblick vom Rathausturm den ich auf einer antiken Ansichtskarte gefunden habe, haben wir für die Leser  2017 noch einmal fotografiert.

Blick vom Rathausturm etwa 1912 Richtung Dorfanger
Blick vom Rathausturm 2017 Richtung Dofanger

Auf den beiden Bildern ist die Entwicklung des Pankower Dorfzentrums von 1912 bis 2017 zu sehen. In 105 Jahren Städteentwicklung hat der Beton über die Natur gesiegt. Einst „gesündester Vorort Berlins“ hat der Bezirk seine grünen Wurzeln heute fast vergessen.

Link:

Autor: Christian Bormann, 03.08.2018

Bilder: Christian Bormann, Ivonne Hempler, Guido Kunze, historische Ansichtskarten, Freundeskreis der Chronik Pankow

Luftaufnahmen: Guido Kunze, Christian Bormann 2017

Bormann’s Bärenjagd

Unterstützten Sie unser Aktion „Bärenjagd“ 2018. Teilen Sie diesen Post in Ihrer Chronik.

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 Historiker,Autor und Initiator der Bärenjagd: Christian Bormann

Wir suchen noch Unterstützer, Gewerbetreibende und Vereine die unser Plakat (A2) bei sich aushängen, Sinn und Zweck der „Bärenjagd“ ist es vergessene historische Berliner Bären in einem Katalog zu erfassen. Nur bekanntes Kulturgut kann bewahrt und erhalten werden.

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Bormanns Bärenjagd 2018

Helfen Sie uns! Gern bringen wir ihnen ein oder mehrere Poster zum Aushang vorbei. Auf diesem Weg auch ein Dankeschön an die Pressestelle des BA Pankow für die Unterstützung und den Aushang im Rathaus.

Die Geschichte zur Idee der Bärenjagd finden Sie auf unserer Hauptseite unter der Überschrift „Pankow geht auf Bärenjagd“

Melden Sie uns Ihre Bären Mut Foto, Ort und Datum unter:

bormann.baerenjagd@gmail.com

Verantwortlich für den Aufruf zur Bärenjagd 2018 ist Pankowerchronik.de, Herausgegeber ist der Historiker, Journalisti und Autor Christian Bormann.
Autor: Christian Bormann, 16.01.2018

Bilder: Christian Bornann

Bolle, Badel und Bormann

Vor nicht allzu langer Zeit lud mich der Pankower Künstler und Zeichner Christian Badel in sein Atelier in der Pestalozzistraße ein. Herr Badel ist nicht nur Künstler, er interessiert sich ganz besonders für das historische Pankow.

Christian Badel, Florakiezfest 2017

Nachdem er mich durch das ehemalige Intrac-Gebäude führte, in dem sich sein Atelier befand, behielten wir den Kontakt bei. Seither hat Christian schon die ein oder andere einzigartige Illustration für unsere Geschichten gezeichnet.

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Gemeinschaftsarbeit Badel u. Bormann Geschichten aus Schönholz 2017, Illustration Badel

Auch die letzten Heide-Geschichten aus Schönholz wären ohne seine Bilder nicht die selben. In Zukunft werden hoffentlich noch viele unserer Geschichten mit seinen histostorischen Illustrationen geschmückt.

Christian Bormann unter dem Luna Lager Schönholz 2017

Gern bin ich als Historiker mit ihm auf den Spuren des alten Pankow’s unterwegs. Unter der Kategorie: „Illustration Christian Badel“ werden ab heute alle Geschichten mit seinen Illustrationen auf einen Blick angezeigt. Diese Woche bekam ich meine Neugestaltung des Bolle-Bilds vom ihm. Ich habe nicht schlecht gestaunt. Die einzelnen Bildelemente weisen mit Ausnahme der Flugzeuge am Himmel alle auf einzelne Geschichten auf Pankowerchronik.de hin.

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Neuauflage des historischen Bolle-Bildes von Christian Badel 2017

Um mal einige kleine Beispiele zu nennen, beginnen wir mit dem roten Ballon rechts oben im Bild. Hierhinter verbirgt sich der Hinweis auf unsere Geschichte zu einer der ersten Ballonfahrten der Welt durch Blanchard, der mit diesem in Karow auf dem Ballonplatz landete. Das von mir wiederentdeckte Rettschlag-Tor, sowie das alte Schloss Schönholz und das Riesenrad, welches einst im Traumland Schönholz stand, sind ebenfalls abgebildet. Das Bild lädt den Betrachter ein, Element für Element zu ergründen und die dazugehörige Geschichte auf unserer Seite zu finden. Auch für den geübten Pankower kein leichtes Unterfangen bei inzwischen über 150 Geschichten.

Geschichte: Bolle reiste jüngst zu Pfingsten, – Wer war Bolle?

Autor: Christian Hintze: 01.10.2017

red. Bearbeitung: Martina Krüger, 01.10.2017

Foto: Christian Bormann

Illustration: Christian Badel 2017, www.kikifax.com

Einzug des Lehr-Infanterie-Regiments in Pankow

Bereits seit 1874 gab es in Pankow ein Krieger-Verein. In den Auseinandersetzungen zwischen Preußen und Deutschland 1870 bis 1871 hatte Pankow 8 Gefallene zu beklagen.

Lehr-Infantrie-Regiment Pankow
Abzeichen des Krieger-Vereins Pankow

Das Kriegsdenkmal für die Gefallenen wurde am 2.September 1873 an der östlichen Seite der Pankower Pfarrkirche zu den Vier Evangelisten errichtet. Heute erinnert nichts mehr an dieses Denkmal.

Lehr-Infantrie-Regiment Pankow
Kriegerdenkmal an der Pankower Kirche

Im Herbst 1915 zog das Lehr-Infanterie-Ersatzbataillon in Pankow ein. Das Ersatzbataillon wurde vor dem Rathaus Pankow aufgestellt. Während des Ersten Weltkriegs gehörte es zum Lehr-Infanterie-Regiment.

Lehr-Infantrie-Regiment Pankow
Garnison vor dem Rathaus Pankow

Vom Rathaus zogen sie über den Friedensplatz in das Barackenlager in Niederschönhausen. Neben der Kaserne in der heutigen Schulstraße 1 wurden auch Schulgebäude in Kasernen umfunktioniert.

Lehr-Infantrie-Regiment Pankow
Regiment am Friedensplatz Niederschönhausen

Das Barackenlager Niederschönhausen befand sich zwischen der Friedrichs-Engels-Straße, Blumenthalstraße und Uhlandstraße.

Lehr-Infantrie-Regiment Pankow
Vereidigung Barackenlager Niederschönhausen

Zu den betroffenen Schulgebäuden gehörte die Schule in der Schulstraße 1, Schule in der Grunowstraße, Schule in der Charlottenstraße und das Schulgebäude in der Schmidtstraße, heute Kattegatstraße im Wedding.

Autor: Christian Bormann 14.02.2015
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 10.04.2016