In der damaligen Franz-Joseph-Straße, der heutigen Liebermannstraße, befanden sich die alten Gebäude der Vitascope-Filmfabrik.
Wäscherei IDE
Mit der Erfindung des Tonfilms waren die alten Stummfilmateliers Mitte der 1920er Jahre in Klein-Hollywood geschlossen worden.
ide Logo des Gewerbehofs Liebermannstraße, 2025
Sie eigneten sich nicht für Tonfilmproduktionen. So zog Ende der 1920er Jahre die Wäscherei und Färberei IDE in die Ateliers.
Wäscherei IDE ehem. VITASCOPE FILM-FABRIK, 2025
Ursprünglich hatte der Verwaltungstrakt zur heutigen Liebermannstraße eine Jugendstilfassade. Im 2. Weltkrieg erlitt die Wäscherei nicht unerhebliche Schäden.
Luftaufnahme WÄSCHEREI IDE, Bormann/ Kunze 2025
Die Fassade des Bürovorbaus wurde nur notdürftig und eher im Stil des Art Déco wiederhergestellt. Zum Schutz vor Luftangriffen wurde der Keller der Wäscherei mit Drucktüren ausgestattet.
Historisches Emailleschild der Wäscherei
Einem direkten Treffer einer Luftmine durch das Glasdach hätte der Luftschutzkeller nicht standgehalten.
Seitenansicht der Wäscherei, 2025
Zum Schutz der Mitarbeiter wurde also ein versteckter Luftschutzbunker angelegt. Dieser existiert heute noch.
Luftschutzkeller Wäscherei IDE, 2025
Nach dem 2. Weltkrieg stand die Wäscherei auf dem Territorium der Deutschen Demokratischen Republik.
Seitenansicht Wäscherei IDE, 2025
Hier vereinte die REWATEX viele Wäschereien. So arbeitete auch die Wäscherei IDE bald unter dem Logo des Wäschemädchens.
VEB REWATEX, ☆KI coloriert Bormann 2025
Mit dem Ende der DDR wurden viele Grundstücke und Firmen an Alteigentümer übertragen.
Graffiti in Erinnerung an die Wäscherei auf einer Zugangsttür, 2025
Das Wäschemädchen der DDR REWATEX macht ihren Job wie eh und je, heute unter dem Firmennamen WARETEX. Die Waretex betreibt mehrere Filialen in Berlin. Hauptsitz ist Rummelsburg.
Ehemaliges REWATEX, Logo heute Schutzmarke der Wäscherei WARETEX
Was das Grundstück der Vitascope-Filmfabrik anbelangt, so ist es den Erben zu verdanken, dass dieses Objekt weitgehend erhalten blieb und als Gewerbehof für Handwerksfirmen und Künstler dient.
Seitenzugänge Wäscherei IDE, 2025Wäschereihallen IDE ehem. Filmateliers der Vitascope, 2025Hallen auf dem ehem. Wäschereigelände, 2025verfallenes Gartenhaus mit verstecktem Weltkriegsbunker, 2025Versteckter WK.2 Luftschutzbunker der Wäscherei IDE, 2025
☆ coloriert mit Hilfe von KI: Hierbei handelt es sich um KI-basierte Nachfärbungen historischer Originale. Es kann zu farblichen Abweichungen oder gar Scheindarstellungen kommen. Mit KI colorierte Bilder stellen keine zuverlässigen historischen Zeugnisse mehr dar.
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In der Liebermannstraße 24 bis 28 steht heute noch das Atelier der Vitascope Filmfabrik. Gebaut 1912 bis 1913 war es die größte Filmfabrik in Deutschland.
Logo IDE, Gewerbehof in der Liebermannstraße, 2025
Mit dem aufkommenden Tonfilm in den 1920er Jahren konnten die Studios in der damaligen Franz-Joseph-Straße nicht mithalten und wurden nach nur wenigen Jahren geschlossen. Ende der 1920er siedelten sich in der alten Filmfabrik die IDE-Wäscherei und Färbereien an.
Ehemalige Vitascope Film-Fabrik dann Wäscherei IDE später REWATEX, 2025
Die Wäscherei IDE saß jahrzehntelang erfolgreich auf dem Grundstück, bis sie wie viele andere Wäschereien in den VEB REWATEX überging und vom Privat- zum Volkseigentum wurde.
Historisches Nebengebäude hinter der ehemaligen Wäscherei, dahinter versteckt der Weltkriegsbunker, 2025
Zurück zu IDE und in den zweiten Weltkrieg. Die alten Filmgebäude erlitten im Bereich der Hallen, vor allem aber an der Fassade zur Liebermannstraße große Bombenschäden.
Betondecke des Bunkers, 2025
Der Originalbau hat geschwungene Jugendstilzüge mit gerundeten Oberlichtern, wohingegen die wiederaufgebaute Fassade im völligen Gegensatz einen geometrischen Bauhausstil imitiert.
versteckter Notausstieg zum Kriechen, 2025
Während der Recherche zu den noch erhaltenen Resten der Filmfabrik und der Wäscherei bin ich hinter den Hallen auf eine Betonkante mit Erdloch gestoßen.
Notausstieg, 2025
Beim Nachschauen entdeckte ich den Teil einer Notausstiegsklappe. Meine Neugier war wieder geweckt. Den Bunker einmal durch das Gebüsch abgesucht, fand ich den vermauerten Eingang. Zu meinem Glück war er teilweise aufgebrochen.
Eingang, schmaler Abstieg mit verschütteter Treppe, 2025
Es war bereits dunkel geworden, also Stirnlampe aus dem Auto geholt und ab durch die kleine Öffnung ins Innere der Zeitkapsel.
schmaler Gang zum Hauptraum, 2025
Unter der Wäscherei IDE befanden sich bereits leichte Luftschutzräume mit den entsprechenden Normeinrichtungen, Luftschutztüren etc.
Schutzraum für etwa 20 bis 30 Personen, 2025
Einem direkten Treffer durch eines der Hallenbäder hätte die Anlage aber nicht standhalten können und so legte die Firmenleitung einen ausgelagerten, versteckten Erdbunker hinter den Hallen an.
Rest einer verwitterten Kiste, 2025
Die Stahlbetondecke misst 1,5 bis 2 Meter. Durch das Loch ins Innere geklettert habe ich Mühe, mich auf der verschütteten Treppe hinab zu halten. Der Zugang ist extrem schmal gehalten.
zweite verwitterte Kiste, 2025
Ich bin gespannt, was mich um die Ecke erwartet. Es ist ein einziger zentraler Schutzraum für schätzungsweise 20 bis 30 Personen. Der Bunker scheint auch keiner Norm zu entsprechen, sondern zeugt vielmehr von der Not, in der er hier errichtet wurde.
Regal mit Konservengläsern, 2025
Im Inneren ist noch einiges zu finden. Abgesehen von zwei völlig verwitterten Kisten, oder vielmehr ihren Resten, steht noch ein einfaches Holzregal für Konserven im Schutzraum.
alte Konservengläser, 2025
Einweckgläser aus den 1940er bis 1980er Jahren, Textilreste der REWATEX sowie Kunststoffmüll der Nachwendezeit, der durch die leicht geöffnete Notausstiegsluke geworfen wurde.
Katzenschädel, 2025
Der Bunker ist sicher keine historische Sensation, er erzählt aber, verborgen hinter der sichtbaren und historisch geschätzten Fabrik, ein weiteres, eben so reales deutsches Stück Geschichte.
Durchgang zum Notaustieg, 2025
Nach dem Fotografieren des Weltkriegsbunkers wird es Zeit für frische Luft. Ich steige über eine blaue Mülltüte aus der mich ein DDR Kinderspielzeug anschaut. Es ist ein kleiner Plüschhase.
Notausstieg 2025
Zusammen mit anderen Textilien war er wohl bis zur endgültigen Betriebsaufgabe der REWATEX Wäscherei nicht abgeholt worden und kurzerhand in den Müll gewandert. Wie diese eine Tüte den Weg in den Bunker gefunden hat?
Textilreste von REWATEX aufder Notausgangsstufe, 2025
Reste von Textilien finden sich auch auf der Stufe des Notausstiegs, lange der einzige Weg ins Innere.
verkalkte Wand, 2025
Beim Hinausklettern über die verschüttete Treppe fällt mir auf, dass die Wände links und rechts eine grüne Beauflagung haben, die ich so intensiv noch nie gesehen habe.
Durchgang zum Treppenaufgang, 2025
Der alte Welkriegsbunker wird umgehend wieder geschlossen und ein Betreten des Grundstück ist nur den Mietern erlaubt.
DDR-Abfälle der REWATEX, 2025
Was es zu sehen gibt, ist hier ganz gut dokumentiert. Der Artikel selbst stellt lediglich eine Erweiterung zu zwei Hauptartikeln dar.
Ausgang mit verschütteter Treppe, 2025
Weitere Hauptartikel sind, „Die Vitascope Film-Fabrik Berlin Weißensee“, „Wäscherei IDE und REWATEX Weißensee“, sowie die Bunker unter den Askanier-Werken.
verschüttete Treppe Ausgang, 2025
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Autor: Christian Bormann
Red. Bearbeitung: Martina Krüger
Fotos: Christian Bormann
Bormann's Pankower Chronik. Sagen, Mythen und Legenden aus Pankow. Autor Christian Bormann.