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Das Baginski-Imperium

Leo Maximilian Baginski genannt Max Baginski wurde am 7. Juni 1891 in Kolmar als eins von sieben Kindern des Bauunternehmers Nikolaus Konstantin Baginski und dessen Frau Constantia geboren. Max Baginski war Erfinder und begnadeter Werbefachmann.

Fabrikkomplex von Leo Maximilian Baginski Hiddenseestr.10 Pankow

Baginski absolvierte seine Kaufmännische Lehre in Berlin. Im Anschluss trat er 1908 in die Firma „Scheik und Gladow“ ein. Hier gelang ihm seine erste Erfindung, ein universaler Flaschenverschluss. Bereits nach einem halben Jahr kündigte Baginski und gründete zur Verwertung seines Patents eine eigene Firma, die spätere „ETA Chemisch-Technische Fabrik GmbH“.

ETA Pankow, Nasenforme

Schon 1912 übernahm Baginski die Heilmittelfabrik „Dr. Ballowitz & Co“.
Nach seinem Russland-Einsatz als Soldat im 1. Weltkrieg ernannte ihn der Prinz von Thurn und Taxis im Jahre 1919 zum Geheimen Komissionsrat. Er heiratete 1920 Katharina Stanke und wurde Vater von drei Töchtern. Neben der „Spalttablette“ erfand Max Baginski auch den „Punktroller“. Diese Erfindung verschaffte ihm 1925 das Kapital zum Erwerb eines großen Firmengeländes in Pankow.

Reklame, Dr. Ballowitz & Co Pankow

Hier saßen jetzt die Tochterunternehmen „ETA“ Borkumstraße 2 und „Dr. Ballowitz & Co“ Arkonastraße 3. Baginski konnte 1931 den Serologen Prof. Dr. Med. Hans Much als Partner gewinnen. Die dritte Firmentochter war geboren. Die „Prof. Dr. Med. Much’sche Präparate GmbH“ Borkumstraße 2. Die „Much’sche GmbH“ wurde 1934 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

Reklame, Pro. Dr. Med. Much'sche Präparate Pankow

Zum Baginski-Imperium gehörte auch die Tochtergesellschaft „Titus Chemisch-Pharmazeutische Fabrik“ Hiddensee Straße 10. Nach dem II. Weltkrieg wurde Max Baginski von den Sowjets enteignet und im ehemaligen KZ Buchenwald interniert.

Reklame, Tittus Chemisch-Pharmazeutische Fabrik Pankow

In Buchenwald legte er das Gelübde ab, im Falle seines Überlebens eine Kirche zu bauen. Baginski überlebte Buchenwald und kam im August 1948 frei. Max Baginski erfüllte sein Gelübde und baute eine Kirche nebst Pfarrhaus. Sein Firmenimperium baute er in West-Deutschland wieder auf.

Autor: Christian Bormann 29.12.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 30.03.2016

Parfümfabrik W. Reichert Pankow

Zum Wandel vom Dorf Pankow zum wohlhabenden Vorstadtbezirk trugen nicht nur Größen wie die Borsig Elektrizitätswerke bei. Eine Vielzahl kleinerer Unternehmen und Fabriken leistete einen nicht unerheblichen Beitrag zu dieser Entwicklung. Neben der Berliner Wagenachsenfabrik und der Karosseriefabrik der Gebrüder Wienicke hatten auch kosmetische Chemiefabriken und Hersteller orthopädischer Artikel ihren Anteil am Wohlstand von Pankow.

Reklame,E.Reichert's Rosaderma

Zu jenen Vorzeigeunternehmen des 19. Jahrhunderts gehörte ab 1884 auch die Parfümfabrik W. Reichert in der Schulzestraße 29-34. Beliebte Artikel waren „Reichert’s Rose-Pon-Pon“, „Rosaderma“ und „Carneval-Schminken“.

Reklame,E.Reichert's Rosaderma

Die Fabrik zog 1917 in die Berliner Straße 16 um. In den 20er Jahren gehörte das Feinmachen der Damen zum guten Ton. Zahlreiche Tanz-Bälle und Festlichkeiten, wie sie gerade für Pankow bekannt waren, boten Gelegenheit, sich vom Alltag abzulenken.

Reklame,E.Reichert's Carneval-Schmiken

Reicherts Schminken und Puder waren in aller Munde.
Ab 1936 wechselte die Fabrik erneut ihren Standort. W. Reicherts Parfümfabrik arbeitete fortan in der Bornholmer Straße 7 weiter.

Reklame W.Reichert's Pankow Rosaderma Hautcréme

Autor: Christian Bormann 28.12.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 30.03.2016