Denkmal Alois Senefelder

Nördlich des alten Schönhauser Tores befindet sich der heutige Senefelder Platz. Er hieß ab 1882 erstmals Thusnelda-Platz. Zu dieser Zeit war es auch, als deutsche Druckarbeiter die Initiative ergriffen und dem 1771 in Prag geborenen und 1834 in München verstorbenen Schauspieler, Theaterschriftsteller und Erfinder des Steindrucks Alois Senefelder ein Denkmal setzen wollten.

Sie scheuten weder Kosten noch Mühen, und so konnte 1892 an der Südspitze des Thusnelda Parks das Alois Senefelder gewidmete Denkmal eingeweiht werden.

Die von Rudolf Phole im neobarocken Stil geschaffene Skulptur mit zwei Putten, einem Jungen und einem Mädchen, ist aus Carrara-Marmor.

Das Denkmal zeigt Senefelder im Kittel bei der Arbeit, wie er eine Lithographieplatte betrachtet. An seiner rechten Hosenseite hängt Werkzeug, welches auf seine Verdienste in der Kattundruckerei hinweist.

Auf der Vorderseite übt sich eine Putte in Spiegelschrift, während die zweite, weibliche, Putte versucht, das Geschriebene mit dem Spiegel zu lesen.

Senefelders Erfindung war nicht Ergebnis jahrelanger Forschung, eher ein Zufall der Geschichte. Es galt, eine Rollenpassage günstig zu vervielfältigen, wie am Theater üblich.

Hierbei erfand Alois Senefelder den Steindruck. Er experimentierte weiter und schuf so die Grundlagen des Offsetdrucks. Für diese Verdienste wurde er nicht nur posthum von der Druckergilde mit einem Denkmal geehrt, schon 1809 wurde er zum Direktor der Königlichen Steindruckerei ernannt.

Erst 1896 wurde der Thusnelda Platz auf Anordnung des kaiserlichen Kabinetts zum Senefelder Platz. Von der  Bedeutung des Platzes zeugt auch das heute noch erhaltene Café Achteck oder auch der Madai-Tempel am nördlichen Ende des Platz.

Heute handelt es sich um eine der ältesten öffentlichen Bedürfnisanstalten, die noch in Betrieb sind. Zurück zum Denkmal Senefelders, das in über 150 Jahren viel erlebt und noch mehr erlitten hat.

Bereits im zweiten Weltkrieg wurde die männliche Putte am Sockel zerstört. Die erste erwähnte Restaurierung erfolgte 1963. Hierbei wurde die fehlende Putte ersetzt.

Kurz nach der Wiedervereinigung wurde das Denkmal mit Vorsatz erneut beschädigt. Ein oder mehrere bis heute Unbekannte stahlen den Arm mit Spiegel der weiblichen Putte.

Über zehn Jahre lang wurde das inzwischen stark biogen bewachsene und verfallene Denkmal aufwendig gereinigt, fehlende Teile ersetzt und zu guter Letzt an seinen historischen Originalstandort zurückversetzt.

Eine nachempfundene historische Einfriedung umgibt heute das nun weiß strahlende Carrara-Marmor-Denkmal von Alois Senefelder.

Es sollte nicht die letzte Reparatur sein. Schon in den Jahren 2017 und 2018 wurde das Denkmal erneut durch Vandalismus beschädigt.

Dem Besucher fällt als Erstes der überdimensioniert wirkende, große, helle Schirm über dem Denkmal auf.

Der Anblick ist gewöhnungsbedürftig, trägt aber dem empfindlichen Carrara-Marmor Rechnung und dem schnell voranschreitenden biogenen Befall.

Mit dem Fernhalten von Wettereinflüssen auf die Skulptur wird auch der Befall und Verfall entschleunigt, auf dass Herr Senefelder noch sehr lang viele Besucher in strahlendem Weiß empfängt.

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Autor: Christian Bormann

Red. Bearbeitung: Martina Krüger

Bilder: Christian Bormann, Pankowerchronik

☆coloriert

Hierbei handelt es sich um KI-basierte Nachfärbungen historischer Originale. Es kann zu farblichen Abweichungen oder gar Scheindarstellungen kommen. Mit KI colorierte Bilder stellen keine zuverlässigen historischen Zeugnisse mehr dar.

Weltkriegsbunker und Abteilung Personenschutz im Askaniahaus

In den 1920er Jahren befand sich in der Liebermannstraße 75 die Chemische Apparatefabrik Carl Otto Raspe. Die Fabrik benötigte schnell mehr Platz und so ließ Raspe 1939 bis 1941 ein L-förmiges Fabrikgebäude mit drei Etagen und einem siebenstöckigen Verwaltungsturm von Otto Schubert errichten.

Kurz darauf, im Jahr 1943, siedelten sich bereits die ausgebombten Askania-Werke an. Hierauf geht auch der Name Askaniahaus zurück.

Die Werke arbeiteten jetzt fast ausschließlich in der Rüstung. Instrumente und Apparate für die Luftwaffe wurden hier gebaut.

Mit Ende des zweiten Weltkriegs wird das Askaniahaus kurz als Rathaus genutzt, was heute noch gut am Schriftzug über dem Haupteingang zu sehen ist.

Ab 1946 ist das Areal Sitz der Hauptverwaltung der SAG-Betriebe, die Sowjetische Aktiengesellschaft in Deutschland.

Mit der allmählichen Übergabe der Staatsgewalt an die DDR-Organe zieht die SAG aus und das Ministerium für Staatssicherheit zieht in die alten Askaniawerke ein.

Im Gegensatz zur Kugellager- und Werkzeugfabrik Riebe haben die neuen Askaniawerke an der Berliner Allee den Krieg gut überstanden.

Mit dem Mauerfall in der DDR erobern sich Bürgerkomitees und Oppositionelle die alten Liegenschaften der Staatssicherheit, so auch in der Liebermann- und Neumagener Straße.

Viele waren schockiert über die Entdeckungen, die hier gemacht wurden. Mit Übernahme des Grundstücks hatte die Abteilung Personenschutz und die Staatseskorte hier ein überdimensioniertes Waffen- und Munitionslager angelegt.

Auf dem Hof befindet sich neben der erhaltenen Hauptwaffenkammer auch noch die unterirdische Raumschießanlage des MdI.

Seiner Entstehungszeit geschuldet verfügten die Askaniawerke über zahlreiche Schutzräume auf Kellerniveau.

Einige dieser Luftschutzeinrichtungen wurden von der Abt. Personenschutz ebenfalls als Waffenkammern genutzt, da die Schutzräume bereits über Luftschutztüren verfügten und einfach gesichert werden konnten.

Deutlich sind die Spuren der Zeit und die mehrmalige Umnutzung der Räumlichkeiten zu sehen. Immer wieder vermauerte Türen und Durchgänge.

Während die meisten dieser Kellerbunker heute von Künstlern oder kleinen Gewerbetreibenden genutzt werden, sind einige von ihnen noch im Zustand der 1990er Jahre, als die Waffen entfernt und die Räume für Jahrzehnte wieder verschlossen wurden.

In der Nachwendezeit befand sich das Finanzamt im Askaniahaus. Hiervon zeugt noch ein Fund Zehntausender Steuerunterlagen, die in der Waffenkammer der Staatseskorte von mir gefunden worden.

Kaum zu glauben, aber auf dem Hof des Askaniahaus ist die Zeit fast stehen geblieben. In den Kellern und Hofgebäuden sieht man noch die Reste der einstigen DDR.

Das gesamte Areal war ein Hochsicherheitsgebiet und mit Postentürmen gesichert. Geschichtsfreunde wird es freuen zu lesen, dass hier sämtliche Industriebauten denkmalgeschützt sind, soweit das Auge reicht.

Während wir Luftaufnahmen der Askaniawerke, Niles-Werke, der Kugellager-u. Werkzeugfabrik Riebe sowie den Resten vom Sternradio-Werk für neue Geschichten machen, sehe ich, dass eine der ehemaligen Bunkertüren offen steht.

Ich nutze die Gelegenheit gleich, um ein paar Fotos zu machen. Der Keller scheint so feucht zu sein, dass eine Nutzung ausgeschlossen ist. Das gleiche Bild wie in allen Kellern des Areals. Viel Grundwasser, viele Pumpen.

Fast ein Glück, in allen nutzbaren Kellereinheiten sind die Spuren der Geschichte verschwunden, in den unbenutzbaren steht die Zeit seit dem Auszug des Ministeriums für Staatssicherheit still.

Die Mischung aus Denkmalschutz und Unnutzbarkeit der Räumlichkeiten kommt mir hier zugute. Seit 2023 arbeite ich mich durch den Industriekomplex und bin überrascht, wie gut der Denkmalschutz hier gearbeitet hat, aber auch, wie viele ungenutzte und weitgehend erhaltene Teile es gibt, trotz einer so großflächigen Durchsanierung.

Der Keller, den ich betrete, gehört zur den wenigen Ungenutzten unter dem Produktionsgebäude Liebermannstraße. Das Gebäude wurde bei seiner Errichtung mit über einem Dutzend Luftschutzeinheiten im Keller ausgestattet. Diese waren damals noch untereinander verbunden und verfügten über mehrere Notausgänge.

Spätestens mit dem Einzug des Ministeriums für Staatssicherheit wurden die Bunkereinheiten getrennt. Türen und Gänge sowie die Notausgänge wurden vermauert. In den ehemaligen Askaniawerken saß jetzt die Abteilung Personenschutz und die Staatseskorte.

Das Ministerium benutzte die einstigen Luftschutzbunker und leichten Schutzräume als Waffenkammern. Die Hauptwaffenkammer befand sich wahrscheinlich auf dem Hof im alten Raspe-Werk, später auch Teil der Askaniawerke.

Gut erhalten haben sich auch die Parkplätze der Eskorte. Praktisch unberührt und nur teilberäumt harren die Räumlichkeiten der Zeit.

Nach den ersten Medienberichten über meine Entdeckungen auf dem Hof der Askaniawerke wurden sämtliche Räumlichkeiten nachgesichert.

Wer hier gearbeitet hat, wird von mir ermutigt sich zu melden und seine Geschichte zu erzählen.

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Autor: Christian Bormann

Red. Bearbeitung: Martina Krüger

Fotos: Christian Bormann, Guido Kunze, Pankowerchronik

Deutsches Zelt und Brechthaus Weißensee

Erbaut 1857 als Vorstadtvilla am Weißen See, sollte es hier mit der Ruhe nur nach wenigen Jahren schon vorbei sein. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde hier gefeiert, was das Zeug hielt.

Rund um den See entstanden Fahrgeschäfte, Gastwirtschaften und viele weitere Attraktionen wie Sterneckers Weltetablissement oder ab 1900 das Deutsche Zelt. Es waren die typischen Berliner Vorstadtvergnügungen, wie sie auch in Schönholz („Bolle reiste jüngst“) und in vielen weiteren Vororten des damals noch recht kleinen Berlins stattfanden.

Auch der See selbst wurde in die Vergnüglichkeiten mit einbezogen. So brach in der Mitte des Sees in Abständen ein kleiner Vulkan aus.

Der See konnte mit Booten befahren werden und ringsum gab es Speis und Trank.

Spätestens mit dem ersten Weltkrieg gingen diese Festlichkeiten ein. Männer mussten an die Front und wer daheim war, dem war nicht zum Feiern zumute. Die Ära der großen Berliner Vorortplätze war in den 1920er Jahren vorbei. Auch die einstigen Vororte selbst wurden jetzt zu Berliner Bezirken.

Aus den Festflächen wurden Wohnquartiere und das Feiern verzog sich nach Ende des 1. Weltkriegs in die Kneipen, Clubs und Bars der Städte.

So erging es auch dem Brechthaus in Weißensee. Wurde hier unter Carl Heerdt noch gespeist, gefeiert und getrunken, galt es jetzt Wohnraum für die städtischen Arbeiter zu schaffen.

Aus Heerdts Ausflugslokal wurde 1925 ein Wohnhaus und aus dem einstigen Biergarten mit Seeblick ein Hinterhof.

So blieb es fast 20 Jahre bis zum Ausbruch des 2. Weltkriegs, nach dessen Ende viele private und staatliche bzw. städtische Immobilien von den Sowjets beschlagnahmt wurden.

So befand sich nach Kriegsende von 1947 bis 1949 hier eine Außenstelle der Sowjetischen Kommandantur, die ihren Hauptsitz in der Breiten Straße im Rathaus Pankow hatte. Über die Außenstelle ist heute kaum etwas bekannt.

Die Gebäude, die auf dem Gebiet von Pankow zum Zwecke der Kommandantur beschlagnahmt wurden und in denen Deutsche keinen Zutritt hatten, wurden 1949 an den Magistrat von Berlin rückübertragen.

Von 1949 bis 1953 wurde das Haus von Bertold Brecht und Helene Weigel bewohnt. Mit der Gründung des Ost-Berliner Ensembles im Frühjahr 1949 brauchten dessen Intendantin Helene Weigel und der künstlerische Leiter Bertold Brecht ein Obdach.

In Berlin herschte nach dem Krieg noch Wohnungsnot. So zogen beide in die Berliner Allee 143. 

Nach nur 4 Jahren zogen sie wieder aus und im Rahmen der Aufbauprogramme der Deutschen Demokratischen Republik wurde die Villa 1955 zum Clubhaus der Volkssolidarität.

Das Haus war bald hundert Jahre alt und schon sehr renovierungsbedürftig. So verwundert es dann auch nicht, dass sich die Türen der alten Vorstadtvilla 1986 wegen ebendieser Renovierungsbedürftigkeit schlossen.

Im gleichen Jahr entstand dafür anlässlich der 750-Jahrfeier Berlins das Wandbild „Der Kirschendieb“ nach Brecht am Brandgiebel der Berliner Allee 177, nur wenige Meter neben dem geschlossenen Brechthaus.

Teilrenoviert eröffnete das Haus 1992 noch ein letztes Mal. Es zogen Künstler ein und das Kulturamt selbst unterhielt hier einige Büros.

Wie in allen so genannten neuen Bundesländern war auch das Brechthaus vom Alteigentümerrückübertragungsforderungen betroffen. Genauer gesagt waren es die Erben der Alteigentümer.

Die geschichtsträchtige Vorstadtvilla wurde an die Erben rückübertragen und ihre Türen schlossen sich Anfang der 2000er Jahre für die Öffentlichkeit.

Spaziert man heute vom Askaniahaus die Berliner Allee hoch, ist bis auf die alte Felssteinkirche nicht viel Historisches zu sehen. Das Brechthaus, inzwischen äußerlich stark verwittert, versteckt sich hinter einer großen Hecke.

Im Sommer, wenn das Fenster im ersten Stock zur Straße offen steht, kann man als Spaziergänger die vielen Gitarren an den Wänden sehen und mit etwas Glück hört man auch eine von ihnen.

Das Wandbild der Kirschendieb verschwand schon 2018 hinter einem neuen Wohnhaus und die nächste Baugrube wartet bereits darauf, auch die kleine Brechtvilla in seinem Schatten verschwinden zu lassen.

Autor: Christian Bormann

Red. Bearbeitung: Martina Krüger

Bilder: Christian Bormann, Pankowerchronik