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Haus Horridoh

An der Grabbeallee in Berlin-Pankow stehen noch so einige altehrwürdige Vorstadtvillen aus dem Historismus. Zu den schönsten gehört zweifelsohne „Haus Horridoh“. Wer kennt sie nicht, die zwei Hirschköpfe, die seit 150 Jahren stur und unbeirrt auf die gegenüberliegende Straßenseite blicken.

Haus Horridoh, Foto um 1995

Wer diese morbide wirkende Vorstadtvilla in der Grabbeallee 39 schon einmal gesehen hat, der vergisst den märchenhaften Anblick nicht so schnell. Die Eindrücke reichen von traumhaft bis gruselig, je nach Betrachter.

Haus Horridoh, Grabbeallee 39, auf diesem Foto aber als Hausnummer 38 angegeben, Foto 1958

Die Vorstadtvilla im Stil des Historismus wurde um 1870 am Verbindungsweg zwischen Pankow und Niederschönhausen errichtet. Die Straße wurde später auf Grund ihres Baumbestandes Lindenstraße genannt. Einhundert Jahre nach dem Tod des Dichters Christian Dietrich Grabbe (1801-1836) wurde die Lindenstraße 1936 zur Grabbeallee.

Denkmalgeschützte Vorstadtvilla „Haus Horridoh“, Straßenansicht, Foto Juli 2021

Die Fassade von „Haus Horridoh“ ist mit Säulen, Pfeilern und Rundbögen ausgestattet. Am nördlichen Seitengiebel des dreiachsig gegliederten Hauses, hinter der gemauerten Durchfahrt, befindet sich ein großes rundes Stuckrelief, das eine sitzende junge Frau zeigt. Soweit alles sehr typisch für die Epoche des Historismus.

Treppenaufgang zu den Präsentationsräumen seiner Zeit, Foto Juli 2021

Eine besondere Abweichung ist die Giebelgestaltung. Zwei lebensgroße Hirschköpfe zieren die Fassade. Zwischen ihnen ist in altdeutscher Blockschrift „Haus Horridoh“ zu lesen. Horridoh auch Horrido ohne H geschrieben geht auf die Jägersprache zurück und soll sich vom Anfeuerungsruf bei der Treib- und Hetzjagd ableiten.

Balkon mit schmiedeeiserner Balustrade, gefasst von kleinen gemauerten Pfeilern, Foto Juli 2021

Zu dem Gesamtensemble gehört noch eine wunderschöne, gut erhaltene zweistöckige Remise. Hinter der Villa fällt das Gelände stark ab, mittig steht die Remise, die äußerlich weitgehend im Original erhalten scheint und im Gegensatz zur vorstehenden Villa fast unbekannt ist.

Frontgiebel zur Straße, zwei lebensgroße Hirschköpfe rahmen den Spruch „Haus Horridoh“ Wappenjartzsche ist raus geschnitten, Foto Juli 2021

Haus Horridoh ist als herausragendes und gut erhaltenes Beispiel für die Villen vermögender Bürger in den Vororten Berlins denkmalgeschützt. Das Dach ist vor einigen Jahren erneuert worden und dem Betrachter fällt auf, dass die Wappenkartusche im Giebel herausgeschnitten wurde. Wahrscheinlich geschah dies zu ihrem Schutz, um weitere Verwitterung zu verhindern.

Hirschkopf am Giebel Haus Horridoh, Foto Juli 2021

Auch wenn die alte Villa mit ihrem bröselnden Putz in Teilen schon einen bedauerlichen Eindruck macht, so ist sie tatsächlich in einem außerordentlich vollständigen und auch baulich noch gutem Zustand.

Römischer Säulenschmuck am Sichteingang, Foto Juli 2021

Der Bauherr war zweifelsohne Jäger oder in diesem Milieu zuhause. Und obwohl Haus Horridoh schon so lange existiert, ist über seine Besitzer so gut wie nichts bekannt.

Seitlicher Blick in den Treppenaufgang zur Straße, Foto Juli 2021

Das älteste zu recherchierende Foto ist eine Bestandsaufnahme von 1953, dort ist das Haus mit der Nummer Grabbeallee 38 und nicht wie heute mit der Hausnummer 39 angegeben.

Kleiner Figurenspiegel über dem Fenster der Frontfassade, Foto Juli 2021

Die schmiedeeiserne Einfriedung ist wohl ebenfalls noch im Originalzustand. Sie ist etwas einfach gehalten für den Historismus. Möglicherweise geschah das absichtlich, um den Blick auf die prächtige Villa nicht abzulenken.

Gemauerte Tordurchfahrt, links befindet sich der Eingang zum Hausflur, Foto Juli 2021

Was beim Vergleich der Fotos 1953 und 2021 auffällt, sind die Rundbögen, die die Einfriedung krönen. Auf dem Foto von 1953 ist im Abstand von je 2 Metern ein Rundbogen zu sehen. Auf dem Foto von 2021 trägt nur noch das erste Eingangstor den Rundbogen, der sich als Krönung aus beiden geschlossenen Torflügeln zusammensetzt.

Zwei typische kleine Bogenfenster am Nordgiebel über der Einfahrt im Historismusstil, Foto Juli 2021

Auf der gesamten Länge der Einfriedung wurden die Bögen abgesägt und durch Stacheldrahthalter ersetzt. Warum die Bögen abgesägt wurden, bleibt unbeantwortet. Der Stacheldraht zur Grundstückssicherung hätte auch so angebracht werden können.

Seitenansicht der Nordfassade mit Durchfahrt und runder Stuckkassette, Foto Juli 2021

Über den derzeitigen Besitzer ist nicht viel bekannt. Er wohnt eine halbe Treppe tiefer im ausgebauten Keller und die anderen Wohnungen im Haus sind vermietet.

Stuckkassette am nördlichen Seitengiebel zeigt eine erschöpfte Frauendarstellung sitzend in einem Stuhl. Foto Juli 2021

Durch die mit Rundbögen verzierte gemauerte Durchfahrt, an deren Ende ein zweites Tor steht, geht es zum großen Garten, in dem die gut erhaltene Remise steht. Das rückliegende Grundstück wird heute zu einem großen Teil als Nuzgarten betrieben, in dem eine kleine elektrische Eisenbahn Ihre Runden im Gehölz dreht.

Zweistöckige Remise im Garten von Hause Horridoh, Foto Juli 2021

Ich selbst war erstaunt, was sich hinter der so bekannten Frontfassade des Haus Horridoh noch alles erhalten geblieben ist und vor allem in welcher Vollständigkeit.

Autor: Christian Bormann

Red. Bearbeitung: Martina Krüger

Bilder: Christian Bormann

Das falsche Schmelka Grab

Der am 1. Dezember 1777 in Schwedt geborene Johann Heinrich Ludwig Schmelka war Theaterschauspieler, Regisseur und Sänger.

Johann Heinrich Ludwig Schmelka

Die Komik war sein Genre, gelegentlich betätigte er sich auch auch in Operetten als Tenor.

Als Wirt in dem Lustspiel „Minna von Bornholm“

Schmelka selbst behauptete stets, von adliger Abstammung zu sein, doch verarmte seine Sippe bereits, als er ein Jüngling war. Er begann seine berufliche Laufbahn als Gaukler. Schnell verließ er die Niederungen der Schaustellerei und debütierte am Städtischen Theater in Riga.

Relief Schmelka

Ab 1818 arbeitete er als Komischer Schauspieler am Königsstädtischen Theater Berlin. Schmelka spielte in Stücken von Raimund, Bäuerle und Holtei. Zu seinen Kollegen zählten unter anderem Plock, Rosicke und Beckmann.

Schmelka Denkmal 2017

Schmelka wohnte lange Zeit in Pankow, mit seinen gut betuchten Pankower Freunden wuste er auch Feste zu feiern. Bei meinen Recherchen lese ich immer wieder vom Grabmal Schmelkas an der Pankower Pfarrkirche „Zu den Vier Evangelisten“. Gemeint ist die gusseiserne Gedenktafel an der Südseite der Kirche.

Schmelka Denkmal mit Kirche

Ein Beispiel ist das liebevoll erstellte Buch „Bummeln durch Pankow“ von Arwed Steinhausen 2. Auflage 1995. Hier heißt es: […]“Besonderheiten im direkten Umfeld der Kirche[…] .Dort steht noch das Grabmal für den Schauspieler J. Heinrich Schmelka (1777-1837), von Freunden für ihn errichtet. Das ist so nicht richtig.

Vorderseite mit Lebensdaten

Richtig ist, dass Schmelka am 27. April in Pankow starb. Beerdigt wurde er hier nicht. Schmelka war der Falco seiner Zeit und Pankow war sein Wien. Kenner wissen, dass der ausschlaggebende Text auf der Rückseite der Gedenktafel steht.

Rückseite mit Widmung seiner Freunde

„Dem Andenken des Entschlafenen gewidmet von seinen Freunden“. Und so kam es, dass seine gut betuchten Freunde ihm und ihrer gemeinsamen Zeit in Pankow ein Denkmal setzten.

Schmelka1_Badel
Zeichnung des falschen Schmelka-Grabes von Christian Badel

Wir freuen uns, unseren Lesern Zeichnungen des bekannten Pankower Künstlers Christian Badel bei uns zeigen zu dürfen. Besonders bemerkenswert finden wir, dass sogar unsere QR-Codes, die wir im Rahmen unserer Aktion „Hundert mal Geschichte an Ort und Stelle“ auch dort angebracht haben, auf der wundervollen Zeichnung abgebildet ist.

Schmelka2_Badel
Zeichnung des falschen Schmelka-Grabes von Christian Badel

Autor: Christian Bormann, 22.02.2017
red.Bearbeitung: Martina Krüger, 22.02.2017/22.05.2017

Zeichnungen: Christian Badel

 

Fotos: Christian Bormann
Zeichnungen: Christian Badel, www.kikifax.com