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Klein Hollywood- Die Vitascope Filmfabrik Weißensee

Jeder kennt Babelsberg und Hollywood, diese Namen stehen weltweit für Filmgeschichte. Doch wer hat schon mal von der Filmstadt Weißensee oder „Klein Hollywood“ gehört?

Eine nur kurze, aber um so bedeutendere Rolle für die Entstehung des Films spielte die Filmstadt Weißensee, auch „Klein Hollywood“ genannt.

In den Dachateliers der Berliner Innenstadt wurde es zu eng und unpraktisch. So zogen viele Produktionsfirmen an den Rand der Berliner Vororte, hier gab es noch genügend Platz.

Es war Jules Greenbaum, der das große Gelände zwischen Franz-Joseph- heute Liebermannstraße und Rennbahnstraße pachtete. Zur Franz-Joseph-Straße hin ließ er von Otto Rehming ein Fabrikgebäude mit Verwaltungseinheit errichten.

Die 1913 errichtete Filmfabrik von Jules Greenbaum war zur Eröffnung die größte ihrer Art in Deutschland und konnte bereits auf dem Niveau der Bioscope in Neu-Babelsberg arbeiten.

Eine Fabrik mit Tageslichtateliers machte aber noch keine Filmstadt. Es siedelten sich ab 1913 zahlreiche Filmproduktionsfirmen in der Franz-Joseph-Straße an.

Zu den Erfolgreichsten Ihrer Zeit gehörten die Greenbaum-Film GmbH, Decla-Filmgesellschaft Holz u. Co sowie die May-Film GmbH. Regisseure von Fritz Lang über Robert Wiener, Harry Piel bis Joe May gaben sich hier die Klinke in die Hand.

An Schauspielern gäbe es etliche aufzuzählen. Besonders bekannt waren damals Albert Bassermann, Emil Jannigs, Mia May, Conrad Veidt aber auch Marlene Dietrich gab in Weißensee ihr filmisches Debüt.

Das Gelände der ehemaligen Rennbahn, welches ab 1913 zur Vitascope Filmfabrik gehörte, wurde für den Bau riesiger Monumentalfilmkulissen genutzt. Für den Film VERITAS VINCIT ließ die May-Film hier den Circus Maximus nachbauen.

Viele weitere Stummfilme enstanden hier auf dem Gelände. Beispiele für spätere Produktionen sind DIE HERRIN DER WELT, DAS INDISCHE GRABMAL und DAS CABINET DES DR. CALIGARI.

Mit den Möglichkeiten, die der neue Tonfilm Mitte der 1920er Jahre bot, war die Zeit des Stummfilms jäh beendet. Die Vitascope Filmfabrik war voll und ganz auf den Stummfilm ausgerichtet und eignete sich nicht für die Tonfilmproduktion.

Der Filmbetrieb wurde 1928 eingestellt. In die verlassenen Ateliers der Vitascope zog jetzt die Wäscherei und Färberei IDE ein. Joe May, der mit Geburtsnamen Joseph Otto Mandl hieß drehte noch einiges für den Deutschen Tonfilm.

Im Mai 1933 emigrierte Joe May über London in die USA. Genauer gesagt, ging er mit seiner Frau nach Hollywood. Hier drehte er noch einige B-Movies für Universal. Mit dem Eintritt der Amerikaner in den 2. Weltkrieg gab es kaum noch Beschäftigung für Deutsche in Amerika. May und seine Frau versuchten sich dann weiter als Gastronomen.

Die Wäscherei überstand den 2. Weltkrieg mit zahlreichen Gebäudeschäden. Die Fotos zeigen im Vergleich die Originalfassade der Filmfabrik und die notdürftig wiedererrichtete Fassade. Der Sprung reicht vom Jugendstil bis zum Ende des Art Déco. Im Großen und Ganzen ist damals aber vieles wiederhergestellt worden und die Wäscherei konnte ihren Betrieb nach den Kriegsbeschädigungen fortsetzen.

Das Areal der ehemaligen Pferderennbahn wurde parzelliert, verkauft und bebaut. Auf einem winzigen Rest der Rennbahn liegt heute die Laufbahn der Sportanlage Rennbahnstraße.

Ein vergessenes Zeitzeugnis aus dem 3. Reich befindet sich heute noch verborgen auf dem Grundstück. Es ist der Weltkriegsbunker der Wäscherei IDE später Teil des VEB REWATEX.

Gut getarnt hat er die Jahrzehnte bis heute überdauert. Den Nachfahren der Grundstückseigentümer ist es zu verdanken, dass die alte und denkmalgeschützte Filmfabrik noch als historisches Erbe von der Filmstadt Weißensee erhalten ist.

Autor: Christian Bormann

Red. Bearbeitung: Martina Krüger

Bilder: Christian Bormann, Bernd Kehl, Guido Kunze

☆ coloriert mit Hilfe von KI: Hierbei handelt es sich um KI-basierte Nachfärbungen historischer Originale. Es kann zu farblichen Abweichungen oder gar Scheindarstellungen kommen. Mit KI colorierte Bilder stellen keine zuverlässigen historischen Zeugnisse mehr dar.