In der Liebermannstraße 24 bis 28 steht heute noch das Atelier der Vitascope Filmfabrik. Gebaut 1912 bis 1913 war es die größte Filmfabrik in Deutschland.

Mit dem aufkommenden Tonfilm in den 1920er Jahren konnten die Studios in der damaligen Franz-Joseph-Straße nicht mithalten und wurden nach nur wenigen Jahren geschlossen. Ende der 1920er siedelten sich in der alten Filmfabrik die IDE-Wäscherei und Färbereien an.

Die Wäscherei IDE saß jahrzehntelang erfolgreich auf dem Grundstück, bis sie wie viele andere Wäschereien in den VEB REWATEX überging und vom Privat- zum Volkseigentum wurde.

Zurück zu IDE und in den zweiten Weltkrieg. Die alten Filmgebäude erlitten im Bereich der Hallen, vor allem aber an der Fassade zur Liebermannstraße große Bombenschäden.

Der Originalbau hat geschwungene Jugendstilzüge mit gerundeten Oberlichtern, wohingegen die wiederaufgebaute Fassade im völligen Gegensatz einen geometrischen Bauhausstil imitiert.

Während der Recherche zu den noch erhaltenen Resten der Filmfabrik und der Wäscherei bin ich hinter den Hallen auf eine Betonkante mit Erdloch gestoßen.

Beim Nachschauen entdeckte ich den Teil einer Notausstiegsklappe. Meine Neugier war wieder geweckt. Den Bunker einmal durch das Gebüsch abgesucht, fand ich den vermauerten Eingang. Zu meinem Glück war er teilweise aufgebrochen.

Es war bereits dunkel geworden, also Stirnlampe aus dem Auto geholt und ab durch die kleine Öffnung ins Innere der Zeitkapsel.

Unter der Wäscherei IDE befanden sich bereits leichte Luftschutzräume mit den entsprechenden Normeinrichtungen, Luftschutztüren etc.

Einem direkten Treffer durch eines der Hallenbäder hätte die Anlage aber nicht standhalten können und so legte die Firmenleitung einen ausgelagerten, versteckten Erdbunker hinter den Hallen an.

Die Stahlbetondecke misst 1,5 bis 2 Meter. Durch das Loch ins Innere geklettert habe ich Mühe, mich auf der verschütteten Treppe hinab zu halten. Der Zugang ist extrem schmal gehalten.

Ich bin gespannt, was mich um die Ecke erwartet. Es ist ein einziger zentraler Schutzraum für schätzungsweise 20 bis 30 Personen. Der Bunker scheint auch keiner Norm zu entsprechen, sondern zeugt vielmehr von der Not, in der er hier errichtet wurde.

Im Inneren ist noch einiges zu finden. Abgesehen von zwei völlig verwitterten Kisten, oder vielmehr ihren Resten, steht noch ein einfaches Holzregal für Konserven im Schutzraum.

Einweckgläser aus den 1940er bis 1980er Jahren, Textilreste der REWATEX sowie Kunststoffmüll der Nachwendezeit, der durch die leicht geöffnete Notausstiegsluke geworfen wurde.

Der Bunker ist sicher keine historische Sensation, er erzählt aber, verborgen hinter der sichtbaren und historisch geschätzten Fabrik, ein weiteres, eben so reales deutsches Stück Geschichte.

Nach dem Fotografieren des Weltkriegsbunkers wird es Zeit für frische Luft. Ich steige über eine blaue Mülltüte aus der mich ein DDR Kinderspielzeug anschaut. Es ist ein kleiner Plüschhase.

Zusammen mit anderen Textilien war er wohl bis zur endgültigen Betriebsaufgabe der REWATEX Wäscherei nicht abgeholt worden und kurzerhand in den Müll gewandert. Wie diese eine Tüte den Weg in den Bunker gefunden hat?

Reste von Textilien finden sich auch auf der Stufe des Notausstiegs, lange der einzige Weg ins Innere.

Beim Hinausklettern über die verschüttete Treppe fällt mir auf, dass die Wände links und rechts eine grüne Beauflagung haben, die ich so intensiv noch nie gesehen habe.

Der alte Welkriegsbunker wird umgehend wieder geschlossen und ein Betreten des Grundstück ist nur den Mietern erlaubt.

Was es zu sehen gibt, ist hier ganz gut dokumentiert. Der Artikel selbst stellt lediglich eine Erweiterung zu zwei Hauptartikeln dar.

Weitere Hauptartikel sind, „Die Vitascope Film-Fabrik Berlin Weißensee“, „Wäscherei IDE und REWATEX Weißensee“, sowie die Bunker unter den Askanier-Werken.

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Autor: Christian Bormann
Red. Bearbeitung: Martina Krüger
Fotos: Christian Bormann