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1788-Ballonfahrt nach Karow

Beim einem Besuch 2014 in Karow fragte ich mich wie der Ballonplatz wohl zu seinem Name gekommen ist. Die Antwort war so einfach wie erstaunlich.

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Anflug auf den Ballonplatz April 2017

Eine der ersten Ballonfahrten der Welt ging nach Karow. Jean Pierre Blanchard geboren in Les Andelys gehörte als französischer Ballonfahrer zu den ersten Ballonpionieren. Ab 1783 wandte sich Blanchard der Luftfahrt zu. Zu den ersten Ballonfahrten der Welt gehörte auch sein Flug in Berlin.

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Abflug Exerzierplatz im Tiergarten Berlin 1788

Blanchard startete am 27. September 1788 auf dem Exerzierplatz im Tiergarten, wo er den staunenden Berlinern seine Flugkünste vorführte. Mit seinem Ballon landete er in Karo Nord, wo heute noch der Ballonplatz an seine Landung erinnert.

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Ballonplatz in Karow 2014

Darüber hinaus erfand Blanchard auch den ersten Fallschirm, den er zunächst an seinem Hund testete. Bei einem Absturz 1785 rettete ihm sein Fallschirm das Leben. Dieses Ereignis gilt seither als der erste urkundliche Fallschirmsprung eines Menschen. Jean Pierre Blanchard starb am 7. März 1809 bei Paris.

Das Drohnenvideo 2017 zeigt den nachgestellten Anflug Blanchard’s 1788 auf den Ballonplatz mit Landung.

Autor: Christian Bormann, 17.06.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Bilder: Christian Bormann

Luftbilder: Guido Kunze

Schönholzer Heide – Die vergessenen Gräber

Unsere Geschichte beginnt auf der Liegewiese westlich der Umfassungsmauer des Schönholzer Schützenhofs. Wer die Schönholzer Heide vom Zugang der ausklingenden Hermann-Hesse-Straße betritt, sieht links von sich den Paul Zobel Sportplatz, dahinter erstreckt sich sogleich eine Liegewiese.

Liegewiese Schönholzer Heide

Am Wochenende vergnügen sich hier gern die Pankower beim Sonnenbaden, Picknicken und Grillen. Kaum einer von Ihnen weiß, dass er sich auf einer Gräberwiese vergnügt. Unter der Wiese befindet sich der längst vergessene Friedhof V. Im Jahr 1943 entstand hier ursprünglich aus Platzmangel ein Friedhof für die innerstädtischen Bombenopfer. Als 1946 kein Bedarf mehr bestand, wurde der Friedhof teilweise geschlossen.

Alter Zugang Friedhof V

Links vom Wegrand sind noch Zaunpfähle zu erkennen. Wer ganz genau hinschaut kann sehen wie die Baumwurzeln alte Knochen an die Oberfläche drücken.

alte Knochen

Wer sich etwas abseits der Wiese in die Büsche schlägt, stolpert als erstes über noch erhaltene Bewässerungsbecken des Friedhofes.

Bewässerungsbecken Friedhof V

Versteckt im Dickicht, überwachsen von Bäumen, verbergen sich noch komplette Gräber.

altes Grab Friedhof V

Im Jahre 1981 komplett geschlossen, wurde die heute freie Wiesenfläche beräumt, Grabsteine und Zäune entfernt, so dass auf den ersten Blick nichts von Gräbern zu ahnen ist. Besonders beliebt bei Hunden sind zwei Hügel nördlich der Liegewiese. Das hat seinen Grund, unter den sogenannten „Knochenbergen“ befindet sich gleichnamiges.

Schönholzer Heide Knochenberge

Diese kleinen Hügel sind die Reste des abgetragenen Friedhofes V. Reichlich überwachsen laden sie Hund und Herrchen zum Verweilen ein. Wer sich die Mühe macht die Rückseite zu betrachten, erkennt, was sich unter der dünnen Erdschicht befindet. Zwischen Betonbrocken ragen Sargbeschläge, Knochen, Grabschmuck, alte Namensschilder sowie Bekleidungsreste der Verstorbenen heraus.

Autor: Christian Bormann, 15.07.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Die Geschichte vom frechen Pankower Ziegendieb

Der Winter 1917 ist in Deutschland noch als der „Kohlrübenwinter“ bekannt. Kälte und Hungersnot zerrten an den Menschen, so auch in Pankow. Auf der gegenüber liegenden Seite der Pankower Pfarrkirche liegt südlich das Küsterhaus. Hier wohnte zu jener Zeit Pfarrer Hermann Pankow.

Küsterhaus

Ihm soll nachts aus seinem Stall die einzige Ziege gestohlen worden sein. Als der Pfarrer am nächsten Morgen den Stall betrat, um das Tier zu füttern, fand er einen Zettel an der Stalltür.  Der freche Dieb hinterließ im die Zeilen: „Der liebe Gott, ist überall, nur nicht in Pfarrer Pankows Ziegenstall“.

Autor: Christian Borman, 12.07.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Quelle:
Sage und Geschichten aus den Norden Berlin´s /Babara Keil

Die Legende vom Bucher Schatz am Gorinsee

Es war in den ersten Monaten des Jahres 1945, als Meldungen vom Vorrücken der Roten Armee auf Berlin die Runde unter den Bewohnern von Buch machten. Alte Bucher kennen noch die Geschichten vom Schatz am Gorinsee. Einige sehr wohlhabende Familien sollen aus Angst um Hab und Gut im Uferbereich des Gorinsees Schmuck und Gelddepots angelegt haben.

Gorinsee

Um die Depots später zu finden wählten sie wiedererkennbare Landmarken aus. Sie sollen sich an den Steganlagen rings um den Gorinsee orientiert haben. Als die ersten Sowjeteinheiten auf Buch zurollten, zerstörte die Wehrmacht alles, was als Orientierungs- oder Übersichtspunkt dienen konnte. Dazu gehörten unter anderem Kirchtürme, Wegweiser, aber auch die Steganlagen am Gorinsee. Verbleibende Anlegestellen zerstörten die Sowjets, um nicht von Deutschen Einheiten beschossen zu werden. Als sich in den Nachkriegsjahren wieder die Möglichkeit bot, an die Depots heranzukommen, gab es die alten Steganlagen nicht mehr. Die Stellen waren über die Jahre so oft überwachsen, dass sie nicht mehr gefunden wurden. Auch lebten einige Bucher nicht mehr, die hier im Frühjahr 1945 ihre Wertsachen vergruben. So sollen die Depots heute noch im Uferbereich des Gorinsee ruhen.

Autor: Christian Bormann, 10.07.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Quelle:
mündliche Überlieferung

Die Sage vom Pankower Piesel

Bevor das Angerdorf Pankow 1220 von deutschen Siedlern und französischen Zisterziensermönchen erbaut wurde, existierte bereits eine slawische Siedlung, worauf auch der Name Pankow zurückzuführen ist. Die bekannteste Sage um die ursprüngliche Siedlung von Pankow ist der „Pankower Piesel“. Vor ihrer Begradigung 1806 machte die Panke einen weiten Bogen und bildete eine halbkreisförmige Insel. Im Volksmund wurde dieser von Wasser umgebene Hain „Pankower Piesel“ genannt. Innerhalb dieses Haines befand sich eine slawische Burg. Eine solche Burg gab es auch in Blankenburg. Diese von Wasser umschlossenen Burgen boten den hier lebenden Familien Schutz während der kriegerischen Auseinandersetzungen um diese Gebiete.
Herz Jesu Kapelle

Die „Herz Jesu Kapelle“ in der Pankower Parkstraße steht auf einem kleinen Hügel, hierbei handelt es sich um die letzten Reste des slawischen Burgwall Pankow.

Autor: Christian Bormann, 07.07.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Quelle:
mündliche Überlieferung
Pankower Chronik/Rat des Stadtbezirk Pankow

Die Legende vom gestohlenen Haus am Eschengraben

An der Straßenecke, wo der Eschengraben auf die Berliner Straße trifft, soll einst die Villa eines vermögenden Kaufmanns gestan-den haben. Der hier lebende Kaufmann hatte seine Geschäfte bereits an seinen Sohn übergeben und genoss seinen Lebensabend in dem zweigeschossigen Backsteinhaus.

Willner Weißbierbrauerei

Die Sommermonate verbrachte er in seinem Anwesen in Italien. Während seines Sommerurlaubes soll eines Tages ein Fuhrwerk vorgefahren sein. Die Nachbarn waren sehr verwundert als sie sahen wie Möbel und Hausrat aufgeladen wurden. Auf ihre neugierigen Anfragen erfuhren sie, dass der Kaufmann sich entschieden habe in Italien zu bleiben und das Haus auf Abbruch verkauft habe.

Willner Weißbierbrauerei

Schon am Tag darauf wurde die Villa Stein für Stein abgetragen. Als der Kaufmann einige Wochen später aus seinem Urlaub nach Hause kam, stand er wie vom Donner gerührt vor seinem leeren Grundstück. Heute steht auf dem Grundstück der einstigen Kaufmannsvilla die alte „Willner Weißbierbrauerei“.

Autor: Christian Bormann, 07.07.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Quelle:
mündliche Überlieferung

Die Krone auf dem Blankenburger Kirchturm

Die Blankenburger erzählen sich viele Geschichten über die Krone vom Kirchturm. Die bekannteste ist die der Julie von Voß. Unter den Hofdamen der Elisabeth Christine, war eine ganz besonders hübsch. Julie von Voß, sie galt als die Schönste von Ihnen. König Wilhelm II., Neffe und Thronfolger des Alten Fritz, war häufig zu Besuch in Schloss Schönhausen. Dabei soll er sich in die junge und hübsche, rothaarige Julie von Voß verliebt haben. Lange widerstand sie dem Werben des verheirateten Königs. Er erhob sie zur Gräfin Ingenheim, und schließlich erhörte sie ihn, unter der Bedingung ihm zur Linken angetraut zu werden. Als die schwangere Gräfin unterwegs zu ihren Eltern nach Buch war, gebar sie in Blankenburg ihren Sohn. Die Blankenburger sollen sich aufs herzlichste um Julie und ihren kleinen Prinzen gekümmert haben. Über die Fürsorge war der König so hoch erfreut, dass er den Blankenburgern eine goldene Krone schenkte. Die Krone erfüllte die Blankenburger so mit Stolz, das alle benachbarten Dörfer sie sehen sollten. Die Krone wurde an dem höchsten Punkt angebracht der gefunden wurde. Nämlich auf dem Blankenburger Kirchturm, auf dass sie von jedermann gesehen wurde.

Blankenburger Kirche

Die Kirche wurde etwa 1250 erbaut, das bestätigen dendrochronologische Untersuchungen. Das östliche Hallenschiff und der Turm wurden Ende des 14. Jahrhunderts und Anfang des 15. Jahrhunderts hinzugefügt. Tatsächlich war es Friedrich I., der das Rittergut Blankenburg von den Erben des Bernd Heinrich von Barfuß kaufte. Damit war er der Dorfherr und Patronat. Kronen über den Wetterfahnen von Kirchen waren als Zeichen königlichen Patronats in den Dörfern häufig. Entgegen der Legende lebten die Eltern schon nicht mehr als Julie von Voß ihren Sohn gebar. Um 1742 wurde die Krone abgenommen um sie vergolden zu lassen. Bei der erneuten Aufsetzung wurde eine Kupferplatte mit lateinischer Inschrift „Friedrich König von Preußen Herrscher von Schlesien“ hineingelegt. Auch bei der späteren Demontage der Krone wurden Urkunden und Münzen hineingelegt. Leider sind alle diese Zugaben verschwunden.

Blankenburger Kirche

Seit 1939 fehlt der Blankenburger Kirche Turmhelm, Wetterfahne und Krone. Heute erstrahlt die Blankenburger Kirche wieder in ihrem restaurierten Zustand. Bemerkenswert ist auch, dass heute noch, wie einst im Mittelalter, innerhalb der Umfassungsmauer der Kirche bestattet wird.

Autor: Christian Bormann, 01.07.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Quellen:
mündliche Überlieferung
Pankower Chronik/Rat des Stadtbezirk Pankow
Wikipedia

Der Veilchenstrauß vom Schlosspark

Zu Zeiten König Friedrich Wilhelm II. und seiner Gemahlin Elisabeth wuchsen im Schlosspark wunderschöne Veilchen. Als ein kleines Mädchen im Schlosspark von Pankow einen Strauß pflückte, trat eine schöne Dame an sie heran. Die Dame sagte zu dem kleinen Mädchen: „Dein Sträußchen gefällt mir sehr, würdest du es mir wohl schenken“? Mit einem artigen Knicks reichte das Mädchen der Unbekannten den Veilchenstrauß.

Schlosspark

Die Dame war hoch erfreut über die freundliche Geste, und sprach: „Mädchen wenn Du einmal Kummer oder eine Bitte haben solltest, so komm zu mir und lass mich dir helfen, denn ich bin deine Königin“. Geschwind eilte das Mädchen zu ihrem Vater nach Hause und berichtete ihm von ihrer Begegnung mit der Königin. Der Vater war Dr. August Hermann Karl Ramdohr, der Pfarrer von Pankow. Sogleich schrieb er der Königin einen Brief. Er berichtete ihr von den Nöten der Pankower und dem viel zu kleinen Gotteshaus.

alte Pfarrkirche

So soll Pankow durch einen kleinen Veilchenstrauß eine großzügig erweiterte Kirche erhalten haben.

Autor: Christian Bormann, 29.06.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Quelle:
mündliche Überlieferung

Der Große Stein in Buchholz

Nordöstlich des Dorfkerns von Buchholz, unterhalb der alten Bucher Straße, die Buchholz und Buch verbindet, liegt er. Um 1900 entdeckten Bauern beim Tiefpflügen ihres Ackers einen Findling von 105 Tonnen Gewicht. In der Weichsel-Kaltzeit wurde er mit den Eismassen aus Skandinavien bis ins heutige Pankow-Buchholz geschoben. Sein Alter beträgt etwa 1400 Millionen Jahre. Mit einer Länge von 6,5 Meter und einer Breite von 4,5 Meter ist er ein wahrer Riesenbrocken. Seit seiner Entdeckung erzählen sich die Pankower die Sage vom Großen Stein in Buchholz.

große Stein in Buchholz

Der Sage nach soll zu Zeiten, als von Norden her noch Riesen unsere Gegend besucht haben, sich einer von ihnen unsterblich in ein wunderschönes Mädchen von Buchholz verliebt haben. Gegen ihren Willen nahm er sie mit, um sie in das Haus seiner Mutter zu bringen. Da er das widerspenstige Mädchen tragen musste, ermüdete der Riese schnell. Kaum hatte er sich gesetzt um kurz zu ruhen, schlief er auch schon ein. Das Mädchen aber lief so schnell sie konnte zurück. Als der Riese wieder erwachte und sah, dass seine Auserwählte fort war, packte ihn die Wut. Voller Zorn schleuderte er der Fliehenden einen Stein hinterher. Die Wut hatte sein Augenmaß getrübt, und der Stein verfehlte sein Ziel. Seither wurde in Buchholz kein Riese mehr gesehen.

Schild, Beschreibung am Fundort

Da es nicht möglich war den Stein zu heben, pflanzte man einige Linden ringsherum und machte ihn als Sehenswürdigkeit zugänglich. Am 22. Dezember 1931 wurde der Große Stein in Buchholz durch eine Verordnung des damaligen Polizeipräsidenten von Berlin unter Naturschutz gestellt.

Autor: Christian Bormann, 25.06.2014
Technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 25.01.2016

Quellen:
mündliche Überlieferung
Wikipedia

Das Pankower Gröschlein

Zwischen Berliner Straße und Schulstraße erstreckte sich im 18. Jahrhundert ein ausgedehnter Park. Um 1750 wurde hier ein Kurfürstlicher Münzstempel gefunden. Peter Huffitz erwähnt in seiner Chronik von 1599 eine Münze mit dem Namen „Pankower Gröschlein“.

Bahrfeldt Pankow Gröschlein

Seither wird vermutet, dass sich an dieser Stelle eine Münzprägestätte befunden hat. Tatsächlich gibt es in alten Niederbarnimer Aufzeichnungen Berichte einer Münzprägestätte von Kurfürst Johann Cicero, eine Meile entfernt von der Panke. Johann Cicero hatte sich in Pankow einen Vogelherd anlegen lassen und war hier oft zu Gast. Im Bahrfeld-Katalog um 1890 ist das Pankower Gröschlein als Berliner Halbgroschen erwähnt. Er trägt das Datum 1496, zeigt Kreuz mit Zepterschild und hatte den Wert eines halben Märkischen Groschens.

Autor: Christian Bormann, 23.06.2014
Technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 25.01.2016

Quellen:
Sagen und Geschichten aus dem Norden Berlins/Barbara Keil
Numismatischer Katalog/Bahrfeld
Niederbarnimer Chroniken