Schlagwort-Archive: park

Der Brennerberg

Anlass für diese kleine Geschichte war ein Foto von einem alten Schild im Tiroler Viertel. Das gute Stück hat versteckt in einem Gebüsch der Zeit getrotzt. Es steht hier seit Ende des 2. Weltkrieges und wurde einfach vergessen.

Schild aus den Nachkriegsjahren
Vermutlich warnte es vor dem Betreten der Trümmer und Munitionsgefahr. Die Anwohner vom Andreas-Hofer-Platz in Pankow – einfach Brenner genannt – wissen, dass es sich um einen Trümmerberg handelt.

Bombentreffer Dolomitenstraße 24.12.1943
Benannt ist der Brennerberg nach dem am 22.11.1767 im Östereichischen Tirol geborenen Andreas Hofer. Hofer war Gastwirt, Pferde- und Weinhändler. Historisch gesehen war Hofer Anführer der Tiroler Aufstandsbewegung von 1809.

Andreas Hofer, Kreidezeichnung Placidus Altmutter
Er gilt als Freiheitskämpfer gegen die französische und bayerische Besetzung. Andreas Hofer starb als Volksheld am 20.02.1810. Der Namensbezug ergibt sich aus dem im Jahre 1905 durch die Deutsche Bodengesellschaft m.b.H. angelegten Straßennetz des Tiroler Viertels.

Straßenschild am Platz
Innerhalb dieses Areals haben die Straßen alle einen Bezug zu Tirol. Daher und weil er in der gleichnamigen Straße liegt, wird er auch in der Pankower Sprache einfach Brenner genannt. Ich erinnere mich gut an die Sportstunden, in denen es bei Lehrer Schwierz hieß: „ab zum Ausdauerlauf auf den Brenner“! Das war übel.

Luftaufnahme Brenner 2017
In meiner Jugend hieß es dann, im Sommer feiern auf dem Brenner und im Winter rodeln. Der Park ist etwa 150 mal 180 Meter groß.

Fußball und Basketballplatz 2017
Auf dem Trümmerberg ist ein Spielplatz und an den Außenkanten gibt es mehrere Sitzgelegenheiten mit Tischen als gemauerte Steinpartie.

Steinpartie Sitzgruppen mit Tisch
Östlich befindet sich ein Treppenaufgang. Der erhöhte Platz ist durch ansteigende Gehwege aus allen Richtungen zu betreten. Am Fuße liegt ein Basketballplatz.

Nordaufgang
An der Nordseite befindet sich die 2005 renovierte Klecks Schule. Südlich liegt die ursprünglich von Bewohnern des Prenzlauer Berg gegründete Kleingartenanlage Bornholm 2.

Spielplatz
Der Andreas-Hofer-Platz erfreut sich heute größter Beliebtheit bei Familien, Anwohnern und wie eh und je Jugendlichen. Abgesehen von der ursprünglichen DDR-Gestaltung, deren Reste verfallen sind, befinden sich Basketball- und Spielplatz in einem bemerkenswert guten Zustand.

img_20170331_221635_765.jpg
Osttreppe 2017
Der Platz ist groß genug für Familien und Individualisten. Es weisst nichts mehr darauf hin, dass der Platz aus den Trümmern der 1944 im Tiroler Viertel zerbombten Wohnhäuser besteht.

Das Video zeigt den Andreas Hofer Platz und die Klecks Schule im April 2017.
Autor: Christian Bormann, 12.04.2017

red Bearbeitung: Martina Krüger, 12.04.2017

Bilder: Christian Bormann

Luftbilder: Guido Kunze

Das Pankower Park-Sanatorium

Der Arzt Dr. med. A. Blitz erwarb das Grundstück Breite Straße 32 am alten Dorfanger. Zuvor lag hier ein Bauerngehöft, was die enorme Größe des Grundstück erklärt. Blitz ließ 1885 ein Sanatorium mit Badehaus und Parkanlage erbauen. Die verantwortlichen Architekten waren Hugo Sonnenthal und Friedrich Kristeller. Ein architektonisches Juwel der Gründerzeit. Das Innere war im prächtigsten Jugendstil gestaltet.

Pankower Park-Sanatorium

Nächster Eigentümer war Dr. med. Rosenstock, ihm folgte sein Schwiegersohn, der Regierungsbaumeister a.D. Schmidt-Werden. Neben der modernsten technischen Ausstattung jener Zeit verfügte das Park-Sanatorium auch über ein Badehaus. Seiner Zeit verkehrten hier die Wohlhabenden, auch viele reiche Russen sollen zu Gast gewesen sein.

Speisesaal Pankower Park-Sanatorium

Zum Ende des 1. Weltkrieg lag die Wirtschaft am Boden und Gäste blieben aus. Das Sanatorium schloss 1918 seine Tore. Ein Jahr darauf zog das Finanzamt in das Gebäude. Parallel zum alten Anger direkt an der Breiten Straße stand noch ein Gebäude.

Breite Straße 32 Nervenheilanstalt/Augenklinik

Das Wohnhaus Breite Straße 32 diente ab 1885 Dr. med. Rudolf Gnauck als Kur- und Nervenheilanstalt für Frauen. Gnauck erweiterte seine Heilanstalt durch Zukauf einer Villa mit Grundstück in der Mühlenstraße.

Kur- und Nervenheilanstalt Gnauck

Auf Gnauck folgte in den 1930er Jahren der Augenarzt Willi Gutsch. In dem ehemaligen Wohnhaus Breite Straße 32 betrieb er seine Augenklinik, das Grundstück mit Villa in der Mühlenstraße wurde wieder abgetrennt und 1936 dem Maurermeister Ferdinand Schulze verkauft. Von ihm stammen auch die erhaltenen Initialen in der Gartentür.

Ehemaliges Pankower Park-Sanatorium Breite Straße 32 heute Dusekestraße

Dem Finanzamt im Park-Sanatorium folgte zu DDR-Zeiten eine Dienststelle des Stadtbezirksbauamtes und ab 1990 das Sozialamt Pankow. Nach Auszug des Sozialamts verfiel das historische Gebäude schnell. Heute wird das Gebäude der Dusekestraße zugerechnet. Es erstrahlt saniert im alten Glanz und beherbergt 24 Luxus-Eigentumswohnungen.

Autor: Christian Bormann 21.12.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 30.03.2016

Schönholzer Heide – Das versunkene Heide-Theater

Bis zur Gründung der Kolonie Schönholz war die Heide Teil des Waldgebietes „Schönhauser Fichten“, das Gelände erstreckte sich vom nördlichen Pankeufer im Bürgerpark bis in die Jungfernheide. Nach Ende des 2.Weltkrieges umfasste die Schönholzer Heide noch 35 Hektar. Es erfolgte eine Aufteilung in 3 Areale.

img_20160831_125101_063.jpg
NAW beim Bau der Freilichtbühne, Johanna Hirte (rechts)

So entstand im Rahmen des NAW ein Ehrenhain für 13.200 gefallene Sowjetsoldaten, ein großer Spielplatz mit Rodelbahn und der Volkspark mit Freilichtbühne.

img_20170226_033840_998.jpg
Heide Theater zur Eröffnung 1956

Mit Volkspark und Freilichtbühne wollte die DDR-Regierung an die 1930er Jahre anknüpfen, als sich in der Schönholzer Heide das Traumland, Nachfolger des Lunaparks befand.

img_20160831_124921_565.jpg
Tanzabend nach neuesten Amiga Schallplatten

Besonders beliebt bei den Berlinern war die Ochsenbraterei, bei der ganze Ochsen am Spieß gedreht wurden.

img_20170226_033226_356.jpg
Aufführung im Heide Theater 1959

Zur Ausrichtung der Olympischen Spiele 1936 war das Traumland der größte Vergnügungspark Berlins.

img_20170226_035328_240.jpg
Heide Theater 1957
Zu den Attraktionen gehörten eine Wasserrutsche, Gebirgs- und Geisterbahn, Varietés und eine Freilichtbühne.

img_20160901_003801_389.jpg
Steinabsätze und Geländer Westeingang 2016

Große Gastwirtschaften wie das Oberbayern und das Alt-Berlin waren weit bekannt. Vom einstigen Traumland ist nichts mehr zu sehen. Auch das umgebaute Schloss Schönholz und der Festsaal sind dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer gefallen. In die Reste des rückwärtigen Biergartens des Tanzsaals Schloss Schönholz wurde das kleine Freilichttheater gebaut.

img_20160831_233920_563.jpg
Mast für die Licht und Lautsprecheranlage

So sollte in den 1950er Jahren im Rahmen des Nationalen Aufbau Werk (NAW) wieder eine Freilichtbühne entstehen. Wie beim Bau des Pankower Freibades erfolgten die Arbeiten durch Freiwillige.

img_20160831_122710_178.jpg
Eingang Versorgungsräume Luna Lager und Heide Theater
Eine besonders erwähnenswerte Helferin war Johanna Hirte, die mit 81 Jahren auf über 35.000 freiwillig geleistete Arbeitsstunden zurückblicken konnte.

img_20160616_145150.jpg
Nordtreppe 2016

Zur Eröffnung am 17. August 1956 waren alle 2.500 Plätze des Heide-Theaters gefüllt. Besonders beliebt bei den Gästen waren die Tanzabende nach neuesten Amiga-Schallplatten. Solange die Sektorengrenze offen war, lief der Theaterbetrieb gut. Besucher kamen aus Ost und West.

img_20160831_122759_913.jpg
Reste der Bühne 2016

Namhafte Theaterhäuser gaben hier ihr Gastspiel, so das Hans-Otto-Theater Potsdam, der Friedrichstadt Palast, die Staatsoper bis hin zum Kabarett „Die Distel“ und das Erich Weinert Ensemble der Volksarmee. Mit der Schließung der Sektorengrenze fand leider auch der Kulturbetrieb des Heide Theaters ein Ende.

img_20160831_122732_216.jpg
Sockel vom Weberdenkmal 2015

Die Gesellschaft für Sport und Technik nutzte die Anlage noch einige Jahre. Bei Führungen in der Schönholzer Heide berichteten Zeitzeugen davon, wie die Betonstelen der Bühnenreste zum Zielwerfen für Übungsgranaten benutzt wurden.

img_20170226_043739_303.jpg
Carl Maria von Weber

Der zweite kleinere Sockel ist der letzte Rest von Schloss Schönholz. Auf ihm stand ein in Stein gehauener Schützenpokal.

img_20160831_233821_165.jpg
fehlende Figur Südseite

Das endgültige Aus für das ehemalige Heide Theater soll die Verbrennung einer DDR-Staatsflagge gewesen sein. Heute gleicht die einstige Freilichtbühne einem versunkenen Märchenort.

img_20160831_234050_481.jpg
Treppenaufgang Süd mit Ziermauer

An den Betonsäulen, die den Wegrand säumen, lässt sich noch die Rückseite der Bühne erkennen. Dahinter liegt vertieft der Zuschauerplatz, unter einem Meter Erdreich verschüttet. Treppen und Geländer sind zu erkennen, die im Boden verschwinden.

img_20160831_122628_316.jpg
Tanzfläche des Heide Theater 2016

Ringsum stehen die alten Masten der Licht- und Lautsprecheranlage. Hinter Büschen und Bäumen findet der aufmerksame Beobachter verzierte Steinabsätze.

img_20160831_234525_147.jpg
Reste der Südmauer 2016

Unter alten Fundamentbrocken lässt sich noch der Zugang zu den unterirdischen Versorgungsräumen des Theaters finden. Diese stammen noch aus der Zeit des Luna-Lagers für Zwangsarbeiter.

Das versunkene Heide-Theater

Autor: Christian Bormann, 26.02.2017

technische Leitung: Nadine Kreimeier

Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016/26.02.2017

Bilder: J.Mach/Freundeskreis der Chronik Pankow eV, Christian Bormann, hist.Zeitung,