Schlagwort-Archive: Pankower Chronik

Der Mauerfriedhof Pankow Brehmestraße

Nach dem Fall der Mauer 1989 wurde Mitte Juni 1990 mit dem Abriss begonnen.
Die Grenztruppen waren damals völlig überfordert mit der gewaltigen Aufgabe.
Karl-Heinz Goldschmid hörte vom Aufruf zur Unterstützung. Der gelernte Ingenieur war zuvor Mitarbeiter des Staatseigenen Schuttentsorgungsbetrieb „Modernisierung Pankow“. In seinem eigenen Kiez wollte er anfangen. Im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft „Recycling Grenzanlagen“, ausgeführt von der Bundeswehr, öffnete Goldschmid den Grenzübergang Pankow Wollankstraße.

Grenzübergang
Grenzübergang Wollankstraße 1990

Der offizielle Abriss der Innerdeutschen Staatsgrenze beginnt am 13. Juni 1990 Bernauer-/ Ecke Ackerstraße. In der Pankower Brehmestraße, auf dem ehemaligen Sperrgebiet, befand sich der Sammelpunkt.

Sperrgebiet
Todesstreifen Innerdeutsche Grenze Brehmestraße 1985

Hier wartete das grüne Ungeheuer auf die Mauerteile. Das grüne „Ungeheuer“ war ein riesiger Schlagwalzenbrecher, eine Spezialanfertigung eigens für die Aufgabe, die Mauer zu zermalmen. Karl-Heinz Goldschmid war jetzt Herr über das Ungeheuer und den Pankower Mauerfriedhof.

Mauerfriedhof
Mauerfriedhof Brehmestraße 1991

Am 21. März nahm das Ungeheuer seine Arbeit auf, 11 Stunden zermalmt es täglich 140 LKW Ladungen mit 15000 Tonnen Beton. Fast zwei Jahre lang frisst sich der Schlagwalzenbrecher durch 155 km stahlbewehrten Beton.Die Bruchstücke kamen in eine Prallmühle und wurden zu Staub.
Anwohner der Brehmestraße erinnern sich noch gut. Wer sein Mittagessen bei offenem Fenster einnahm, hatte wortwörtlich den Staub der Geschichte zwischen den Zähnen. Das feine Betonmaterial wurde zum größten Teil für den Ausbau der Autobahn Richtung Buch verwendet.

Mauerreste
Mauerfriedhof zwischen Dolomitenstraße und Brehmestraße 1991

Etwa 500 Mauerteile wurden in die ganze Welt verkauft oder verschenkt. Als Kinder spielten wir fast täglich auf dem Mauerfriedhof. Betonsegmente von Wachtürmen und Mauer stapelten sich zu Bergen unterbrochen von Förderbändern Baggern und Bauwagen. Aber auch Touristen und Kamerateams aus der ganzen Welt zog der Mauerfriedhof an. Jeder wollte damals sehen wie die Mauer zu Staub zerfällt.
Nachdem das Werk vollbracht war wurde das grüne Ungeheuer 1993 abgeschaltet und ein kleines Kapitel deutscher Geschichte geschlossen.

Autor: Christian Bormann, 05.11.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 10.04.2016

Bilder: Nick Nac, Christian Bormann
Hintze CPS

Das Pankower Wappenschild

Pankow wurde 1311 erstmalig urkundlich erwähnt. Obwohl als Landgemeinde nicht berechtigt, waren die Pankower selbstbewusst genug sich Anfang des 19. Jahrhunderts selbst ein Wappen zu verleihen. Dies ging aus einem runden blauen Stempeldruck mit der Umschrift „Dorfsiegel Pankow“ hervor. Die Umschrift war außen und innen mit einer glatten Linie gerahmt. Das Wappen zeigt einen silbernen Schild sowie zwei gekreuzte, durch ein silbernes Band gehaltene Getreidegarben auf grünem Boden. In den Garben befindet sich ein aufrecht stehender goldener Rechen, schräg rechts ein goldener Dreschflegel und schräg links eine Sense mit blauem Blatt. Alle drei Geräte haben einen roten Stiel. Die abgebildeten Gerätschaften sollen die landwirtschaftliche Prägung des Dorfes zum Ausdruck bringen.

Wappen
Wappen von Pankow 1898

Im Zuge der Eingemeindung von Pankow nach Groß-Berlin wurde das Wappen 1925 in seiner bisherigen Form übernommen. Seit seiner Eingemeindung trat das Wappen auch mit der Erweiterung „Pankow-Freistaat-Preußen-Stadt Berlin“ in Erscheinung.

Wappen
Zusatz Freistaat Preußen Stadt Berlin

Nach dem sogenannten Preußenschlag wurde die Preußische Landesregierung faktisch entmachtet. spätestens 1936 nach Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde der Schildzusatz nicht mehr geführt.

Wappen
1936 verschwindet der Zusatz Preußen in ganz Deutschland

Bis 1986 ist das Pankower Wappen zwar geduldet aber nie offiziell verliehen worden. Im Rahmen der 750 Jahr-Feier-Berlins 1987 wurde das Wappen noch einmal heraldisch überarbeitet und offiziell verliehen.

Wappen
1987 zur 750 Jahrfeier Berlin offiziell verliehen

Nach der deutschen Wiedervereinigung wurden viele Bezirkswappen von Ost-Berlin geändert. Eine Änderung des Pankower Wappens war nicht nötig, da die Hälfte der Bezirksfläche immer noch landwirtschaftlich genutzt wurde. Es wurde lediglich eine rote dreitürmige Mauerkrone mit mittigem Berliner Wappen aufgesetzt.

Wappen
1990 Zusatz Stadtkrone von Berlin

Eine völlige Neugestaltung erfolgte nach der Berliner Bezirksreform. Pankow war jetzt ein Großbezirk. Der Neugestaltung ging ein Streit zwischen dem Heraldiker Jörg Mantzsch und dem Kulturstadtrat Michael Nelken voraus. Am 28. Juli 2009 wurde das neue Wappen für Pankow verliehen. Bis auf die leicht geänderte Mauerkrone ist vom Pankower Wappenschild nichts gebliebenen. Drei schmucklose rote Torbögen auf weißem Hintergrund, mittig darunter ein rotes Holzrad und sich spiegelndes Blattgrün links und rechts.

Wappen
Großbezirk Pankow 2009

Autor: Christian Bormann, 03.11.2014
technische Leitung Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Grenzübergang Bornholmer Straße

Der Grenzkontrollpunkt Bornholmer Straße war eine ruhige Ecke Berlins, umgeben von Kleingartenkolonien und Mietshäusern. Etwas Verkehr gab es lediglich aus Richtung West-Berlin, denn Bundesbürger durften den Übergang zur Aufrechterhaltung der Devisenbeschaffung der DDR benutzen.

Grenzkontrollpunkt Bornholmer Straße
Grenzübergang Bornholmer Straße

Im Rahmen neuer Bestimmungen zur Reiseregelung für DDR-Bürger lud Günther Schabowski zu einer Pressekonferenz. Das West-Fernsehen war wie immer vor Ort. Zu diesem Zeitpunkt rechnete niemand mit wirklich interessanten Neuigkeiten, als das Unfassbare passierte. Schabowski verkündete lax die neue Reiseregelung, ohne die zusätzlichen Vermerke registriert zu haben. Darauf nagelt ihn ein Journalist sofort fest, und fragt ob diese Regelung ab sofort gilt. Etwas irritiert blättert Schabowski kurz in seinen Mitteilungsblättern, worauf der alles entscheidende Satz fällt: „Das trifft nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich“.

Grenzkontrollpunkt Bornholmer Straße
Grenz Kontrollpunkt im Sowjetischen Sektor Bornholmer Straße

Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer. In den folgenden Stunden versammelten sich mehrere Tausend Berliner auf der Ost-Seite der innerdeutschen Grenzkontrollstelle Bornholmer Straße. Die DDR-Bürger wollten sofort von ihrem neuen Reiserecht Gebrauch machen. Unverzüglich. Der Leiter der Passkontrolleinheiten Oberstleutnant Harald Jäger und seine Truppe waren angesichts des endlosen Zustroms an Menschen völlig hilflos. Die Ereignisse gingen derart schnell vonstatten, dass Hilfe von ihren Vorgesetzten ausblieb. So erfolgte gegen 21:20 Uhr die Auslösung der Alarmkette. Daraufhin durften einzelne Personen die Brücke passieren. Was sie nicht wussten: ihr Ausweis wurde entstempelt und sie somit ausgebürgert. In den darauffolgenden zwei Stunden wurde der Druck der Menschenmassen auf den Kontrollpunkt so gewaltig, das die Passkontrolleinheit die Verteidigung des Kontrollpunktes aufgab. Um 23:29 Uhr öffnete Oberstleutnant Harald Jäger eigenmächtig den Schlagbaum an der Böse-Brücke. Die Menschen bahnten sich nun unkontrolliert ihren Weg durch die Grenzanlage Richtung West-Berlin.

Grenzkontrollpunkt Bornholmer Straße
Platz des 9.November 1989

Damit wurde der nördlichste der sieben innerstädtischen Grenzkontrollpunkte Bornholmer Straße zum ersten offenen Grenzübergang für DDR Bürger in Richtung Westen und damit weltberühmt. Ab diesem Zeitpunkt war die Grenzanlage der DDR ihrem Untergang geweiht.

Grenzkontrollpunkt Bornholmer Straße
10.11.1989 Pankower besuchen West-Berlin

Der Abriss der Maueranlagen schritt so rasch voran, dass die heute teilweise erhalten gebliebenen Reste zumeist unter Denkmalschutz stehen. An der Bornholmer Straße ist heute noch ein Teil der sogenannten Hinterlandmauer erhalten geblieben.

Grenzkontrollpunkt Bornholmer Straße
Vorlandmauer Bornholmer Straße 2002

Auf dem Platz des 9. November erinnert ein Gedenkstein aus Mauerresten an die historischen Ereignisse jener Nacht, die in ihren weitreichenden Folgen zu einer politischen Neuordnung in Europa führten.

Grenzkontrollpunkt Bornholmer Straße
Gedenkstein am Platz des 9.November

Autor: Christian Bormann, 02.11.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Bildquelle:
Hintze CPS, Christian Bormann

Die Pankower Drillinge und die Pankebrücke

Im Zuge der Eingemeindung von Pankow nach Groß-Berlin um 1920 galt es, die Brücke über die Panke, Schönholzer Straße/Ecke Kreuzstraße, neu zu gestalten. Die Ratsherren entschieden sich bei der Neugestaltung der Pankebrücke für den Entwurf von Alexander Poeschke. Knapp 2 Jahre später gestaltete Poeschke auch den westlichen Erweiterungsbau des Rathauses Pankow in der Neuen Schönholzer Straße.

Pankebrücke
Denkmalgeschützte Pankebrücke 2015

Der um 1925 ausgeführte Neubau der Brücke sah einen Kiosk mit Toilettenhäuschen im Kellergeschoss vor. Dem Kiosk schließt sich eine Pergola mit schmiedeeisernen Zauneinsätzen und einem Löwenkopf-Brunnen an.

Löwenkopfbrunnen
Löwenkopfbrunnen Pankebrücke 2015

Hiervon ausgehend zieht sich eine verputzte Steinmauer bis zur Ecke Kreuzstraße. Die Mauer wurde mit drei im Kreis aneinander hängenden Putten gekrönt. Dieses Figurenensemble aus der Weimarer Zeit wurde bei den Berlinern schnell als „Die Pankower Drillinge“ bekannt.

die Pankower Drillinge
„Pankower Drillinge“ 2014

Von 2010 bis 2011 wurde das gesamte denkmalgeschützte Brückenbauwerk mit Ausnahme des Kiosks im Rahmen eines EU-Förderprogrammes für Infrastrukturmaßnahmen abgetragen und neu errichtet. Die Pankower Drillinge wurden hierbei restauriert und erstrahlen heute wieder neu im alten Glanz.

Autor: Christian Bormann 20.10.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Bilder: Hintze CPS

Der Fröbel’sche Kindergarten

In der Dietzgenstraße 49 auf dem Nachbargrundstück des Holländerhaus steht der alte Fröbel’sche Kindergarten. Um 1830 als Sommerhaus gebaut, wurde das kleine Haus von 1908 bis 1931 als Kindergarten genutzt. Die Erziehung der Kinder erfolgte nach den Prinzipien von Friedrich Wilhelm August Fröbel.

Fröbel'scher Kindergarten
Fröbel’scher Kindergarten 1926

Friedrich Wilhelm August Fröbel, am 21. April 1782 in Oberweißbach geboren, war Pädagoge und Schüler von Pestalozzi. Zugleich ist er Begründer des ersten Kindergartens, zuvor gab es lediglich Kinderverwahranstalten. Fröbel erkannte die Bedeutung der frühen Kindheit und entwickelte die Basis der Lern-, Unterhaltungs- und Erziehungssysteme mit denen die heutigen Kindergärten arbeiten. Für die Rettung des Häuschens scheinen die Geldmittel zu fehlen. So steht es seit Jahren versteckt unter einer Bauplane, um den Verfall wenigstens zu verlangsamen.

Fröbel'scher Kindergarten
Fröbel’scher Kindergarten 2015

Fröbel selbst lebte zeitweise in Niederschönhausen, er besaß hier von 1836 bis 1847 ein eigenes Haus. Die historische Aufnahme des Kindergartens entstand um 1910, der Fotograf war Max Skladanowsky. Friedrich Wilhelm August Fröbel starb 1852 in Marienthal.

Autor: Christian Bormann, 23.10.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Die reisende „Mutter mit Kind“

Der am 25. Februar 1865 in Westpreußen geborene Reinhold Carl Thusmann Felderhoff war Bildhauer der Berliner Bildhauerschule, Mitglied der Berliner Secession und der Akademie der Künste. Darüber hinaus arbeitete er als Meisterschüler von Reinhold Begas an einigen Werken von Begas mit. Seine Professur erhielt er 1917. Um 1911 schuf er die 2,15 Meter große Bronzeplastik „Mutter mit Kind“. Ganze drei Mal musste die Bronzeplastik aus der Epoche der Kaiserzeit umziehen.

Mutter mit Kind
„Mutter mit Kind“ 1911 Bürgerpark

Ab 1911 stand die „Mutter mit Kind“ bis Anfang der 50er Jahre im Volkspark Bürgerpark. Danach zog sie um auf den Platz vor dem Rathaus. Am alten Pankower Dorfanger verweilte sie von 1955 bis 1971.

Mutter mit Kind
„Mutter mit Kind“ Breite Straße 1959

Vom Anger wurde die Bronzeplastik 1971 wieder entfernt und auf einem Abstellplatz im Bürgerpark zwischengelagert. In den Brosepark zog die „Mutter mit Kind“ 1976 ein, seither begrüßt sie die Besucher am Haupteingang neben dem Brosehaus.

Mutter mit Kind
„Mutter mit Kind“ Brosepark 2014

Neben dem „Stralauer Fischer“ am Rathaus Treptow schuf Felderhoff noch unzählige weitere Skulpturen und Reliefs in Berlin und anderen deutschen Städten. Reinhold Carl Thusmann Felderhoff starb am 18. Dezember 1919 in Berlin.

Autor: Christian Bormann 22.10.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Botanischer Volkspark Pankow-Blankenfelde

Auf einem stillgelegten Rieselfeld zwischen Niederschönhausen, Rosenthal und Blankenfelde ließ Albert Brodersen 1909 einen Zentralen Berliner Schulgarten auf 34 Hektar anlegen. Zuvor befand sich schon 1874 der 1. Zentrale Berliner Schulgarten im Humboldthain Wedding. Auf den Rieselfeldern von Blankenfelde wurde im westlichen Teil die eiszeitliche Urform erhalten. Im östlichen Teil wurden landwirtschaftliche Nutzflächen angelegt. Mit der Planung und Gestaltung befasste sich Alexander Weiß, er gestalte 1925 auch die Schönholzer Heide.

Eingang Botanischer Volkspark
Eingang Botanischer Volkspark Bkankengelde

Die Hauptwege wurden mit Apfelbäumen und Zierhölzern bepflanzt. So konnten sich die Berliner Schulen mit Pflanzenmaterial und Hölzern für den botanischen Unterricht versorgen. Ab 1911 wurde ein Eichen- und Buchenhain angelegt, 1912 folgte dann die Installation der „Geologischen Wand“. Diese Steinwand stammt ursprünglich aus dem Volkspark Humboldthain.

Gehege Botanischer Volkspark
Wildgehege Volkspark Blankenfelde 2014

Während des I. und II. Weltkriegs dienten die Flächen der Notversorgung der Berliner Bevölkerung, das galt für viele großen Pankower Grünflächen so auch im Brose- und Bürgerpark. In den 50er Jahren regte der Leiter des Grünplanungs-Amtes, Reinhold Linger, die Wiederherstellung und Erhaltung der botanischen Anlage an.

Gewächshaus
Gewächshaus im Volkspark Blankenfelde

Ab 1952 befand sich hier die Zentralstation der „Jungen Naturforscher Walter Ulbricht“. Wildgehege, Stallungen und Volieren wurden errichtet. Die Humboldt-Universität übernahm 1971 die Anlage als „Botanischen Park“. Der Berliner „Botanische Garten“ befand sich zu dieser Zeit westlich der Berliner Mauer. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands übernahm der Berliner Senat den Park von der Humboldt-Universität. Seit 1994 ist der „Botanische Volkspark Pankow“ eine als Gartendenkmal geschützte öffentliche Grünanlage, auch die „Geologische Wand“ steht seit dem unter Denkmalschutz.

Geologische Wand
„Geologische Wand“ im Volkspark

Seit 2010 wird jedes Jahr wahlweise im Oktober oder September ein Herbstfest gefeiert. Die landeseigene  Grün Berlin GmbH übernahm 2011 die Anlage.

Autor: Christian Bormann 09.10.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Bilder:
Hintze CPS

Schönholzer Heide – Das versunkene Heide-Theater

Bis zur Gründung der Kolonie Schönholz war die Heide Teil des Waldgebietes „Schönhauser Fichten“, das Gelände erstreckte sich vom nördlichen Pankeufer im Bürgerpark bis in die Jungfernheide. Nach Ende des 2.Weltkrieges umfasste die Schönholzer Heide noch 35 Hektar. Es erfolgte eine Aufteilung in 3 Areale.

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NAW beim Bau der Freilichtbühne, Johanna Hirte (rechts)

So entstand im Rahmen des NAW ein Ehrenhain für 13.200 gefallene Sowjetsoldaten, ein großer Spielplatz mit Rodelbahn und der Volkspark mit Freilichtbühne.

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Heide Theater zur Eröffnung 1956

Mit Volkspark und Freilichtbühne wollte die DDR-Regierung an die 1930er Jahre anknüpfen, als sich in der Schönholzer Heide das Traumland, Nachfolger des Lunaparks befand.

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Tanzabend nach neuesten Amiga Schallplatten

Besonders beliebt bei den Berlinern war die Ochsenbraterei, bei der ganze Ochsen am Spieß gedreht wurden.

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Aufführung im Heide Theater 1959

Zur Ausrichtung der Olympischen Spiele 1936 war das Traumland der größte Vergnügungspark Berlins.

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Heide Theater 1957
Zu den Attraktionen gehörten eine Wasserrutsche, Gebirgs- und Geisterbahn, Varietés und eine Freilichtbühne.

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Steinabsätze und Geländer Westeingang 2016

Große Gastwirtschaften wie das Oberbayern und das Alt-Berlin waren weit bekannt. Vom einstigen Traumland ist nichts mehr zu sehen. Auch das umgebaute Schloss Schönholz und der Festsaal sind dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer gefallen. In die Reste des rückwärtigen Biergartens des Tanzsaals Schloss Schönholz wurde das kleine Freilichttheater gebaut.

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Mast für die Licht und Lautsprecheranlage

So sollte in den 1950er Jahren im Rahmen des Nationalen Aufbau Werk (NAW) wieder eine Freilichtbühne entstehen. Wie beim Bau des Pankower Freibades erfolgten die Arbeiten durch Freiwillige.

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Eingang Versorgungsräume Luna Lager und Heide Theater
Eine besonders erwähnenswerte Helferin war Johanna Hirte, die mit 81 Jahren auf über 35.000 freiwillig geleistete Arbeitsstunden zurückblicken konnte.

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Nordtreppe 2016

Zur Eröffnung am 17. August 1956 waren alle 2.500 Plätze des Heide-Theaters gefüllt. Besonders beliebt bei den Gästen waren die Tanzabende nach neuesten Amiga-Schallplatten. Solange die Sektorengrenze offen war, lief der Theaterbetrieb gut. Besucher kamen aus Ost und West.

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Reste der Bühne 2016

Namhafte Theaterhäuser gaben hier ihr Gastspiel, so das Hans-Otto-Theater Potsdam, der Friedrichstadt Palast, die Staatsoper bis hin zum Kabarett „Die Distel“ und das Erich Weinert Ensemble der Volksarmee. Mit der Schließung der Sektorengrenze fand leider auch der Kulturbetrieb des Heide Theaters ein Ende.

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Sockel vom Weberdenkmal 2015

Die Gesellschaft für Sport und Technik nutzte die Anlage noch einige Jahre. Bei Führungen in der Schönholzer Heide berichteten Zeitzeugen davon, wie die Betonstelen der Bühnenreste zum Zielwerfen für Übungsgranaten benutzt wurden.

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Carl Maria von Weber

Der zweite kleinere Sockel ist der letzte Rest von Schloss Schönholz. Auf ihm stand ein in Stein gehauener Schützenpokal.

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fehlende Figur Südseite

Das endgültige Aus für das ehemalige Heide Theater soll die Verbrennung einer DDR-Staatsflagge gewesen sein. Heute gleicht die einstige Freilichtbühne einem versunkenen Märchenort.

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Treppenaufgang Süd mit Ziermauer

An den Betonsäulen, die den Wegrand säumen, lässt sich noch die Rückseite der Bühne erkennen. Dahinter liegt vertieft der Zuschauerplatz, unter einem Meter Erdreich verschüttet. Treppen und Geländer sind zu erkennen, die im Boden verschwinden.

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Tanzfläche des Heide Theater 2016

Ringsum stehen die alten Masten der Licht- und Lautsprecheranlage. Hinter Büschen und Bäumen findet der aufmerksame Beobachter verzierte Steinabsätze.

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Reste der Südmauer 2016

Unter alten Fundamentbrocken lässt sich noch der Zugang zu den unterirdischen Versorgungsräumen des Theaters finden. Diese stammen noch aus der Zeit des Luna-Lagers für Zwangsarbeiter.

Das versunkene Heide-Theater

Autor: Christian Bormann, 26.02.2017

technische Leitung: Nadine Kreimeier

Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016/26.02.2017

Bilder: J.Mach/Freundeskreis der Chronik Pankow eV, Christian Bormann, hist.Zeitung,

Die Frau vom Arkenberge

Vor einigen hundert Jahren soll es sich zugetragen haben, an einem heißen Sommertag im Juni. Der Schäfer von Lübars war gerade dabei seine Herde zu zählen, da sieht er ein merkwürdiges Gefährt auf sich zurasen. Der Schäfer staunt nicht schlecht als er eine gläserne Kutsche mit edlen Silberbeschlägen erkennt. Vier prächtige Rösser ziehen das zauberhafte Gefährt, aber nicht über die Landstraße, merkwürdiger weise direkt am Tegeler Fließ entlang, wo er mit seiner Herde weidete. Die gläserne Kutsche nähert sich mit hoher Geschwindigkeit, als er zwei Frauen erkennt, eine altmodisch und edel gekleidete Dame und ein junges Fräulein neben ihr. Das Fräulein hätte ihre Tochter sein können oder ihre Bedienstete. Der Schäfer grüßt und zieht sein Hut. Die edle Dame nickt freundlich mit dem Kopf zurück. Als die Kutsche einschwenkt um die Herde zu umfahren, passiert es. Eines der vier Räder löst sich, das Gefährt neigt sich bedrohlich, kippt aber nicht. Die zwei Frauen erschraken gewaltig. Darauf winkte die edle Dame den Schäfer zur Hilfe. Dieser beäugte verwundert die Kutsche, fand aber keinen Schaden. So rollte er das gläserne Rad wieder herbei. Eilig machte er sich ans Werk und schnitzte zwei neue Vorstecker um das Rad wieder zu befestigen. Als der Schäfer sein Werk vollbracht hatte, beugte sich die Dame hinunter, hob die herabgefallenen Späne auf und gab sie ihm mit den Worten „Nimm das zum Lohne“. Geschwind eilte die gläserne Kutsche von dannen. „Ein schöner Lohn“, dachte sich der verwundert zurückgebliebene Schäfer. Verärgert warf er die Späne zurück ins Feld. Erschöpft daheim angekommen, berichtete er sogleich seiner Frau von der wunderlichen Begegnung mit den zwei Frauen in der gläsernen Kutsche. Plötzlich fiel ein Goldstück klingend zu Boden. „Frau wo hast du das Goldstück her?“ – „Wieso ich?  Noch nie besaßen wir ein Goldstück“, erwiderte ihm seine Frau. „Es muss aus deinen Stiefeln gefallen sein“. Der Schäfer dreht seine Stiefel um da fallen abermals zwei Goldstücke zu Boden. „Das können nur die Späne gewesen sein“. „Dann war es die Frau vom Arkenberge“.  „Schnell. Reiche mir den Mantel. Ich muss die übrigen Späne holen, die ich weggeworfen habe“. So eilte der Schäfer geschwind zurück auf die Weide, doch suchte er die ganze Nacht vergebens. Der Wind hatte alles hinweggefegt.

Autor: Christian Bormann, 27.04.2014
Technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 25.01.2016

Quelle:
mündliche Überlieferung