Schlagwort-Archive: Pankower Chronik

Ballhaus Pankow

Der Gastwirt August Lehder lässt sich 1880 seine eigene Gastwirtschaft in der Lindenstraße 11, heute Grabbeallee 53 in Niederschönhausen bauen. Das damals noch eingeschossige Etablissement nennt er „Restaurant Schloss Schönhausen“, da es in unmittelbarer Nähe zum Schloss Schönhausen liegt.

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Restaurant Schloss Schönhausen um 1890

Zur Gründerzeit boomt Pankow als Ausflugsort die Geschäfte laufen gut. Schon 1892 lässt August Lehder sein Restaurant um einen 10 Meter hohen Ballsaal, geschmückt mit aufwendigem Deckenstuck und einen Wintergarten im Fachwerkstil erweitern.

Ballhaus Pankow
Ehemaliges Restaurant Schloss Schönhausen

Um 1900 übernimmt der Schwiegersohn August Donath das Restaurant mit Ballsaal, das sich inzwischen zu einer festen Größe im Berliner Norden entwickelt hat. Danath beweist kein gutes Händchen im Gastgewerbe und so kommt es in den folgenden Jahren häufig zum Wechsel des Betreibers.

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stillgelegte Maschinenfabrik um 1990

Mitte 1933 wird der Gaststättenbetrieb komplett eingestellt. Unter der Herrschaft der Nationalsozialisten fällt das alte Ballhaus in einen langen Dornröschenschlaf. Erst in den Nachkriegsjahren wird das Haus wieder genutzt. Anfangs werden noch gesammelte Stahlhelme der Soldaten zu Kochtöpfen für die notleidende Bevölkerung umgeschmiedet.

Ballhaus Pankow
Ballhaus Pankow 2015

Aus diesen Arbeiten entwickelte sich eine Schlosserei und zu guter Letzt ein volkseigener Maschinenbaubetrieb. In der stillgelegten Fabrik haben wir als Kinder oft nach der Schule gespielt. Ich erinnere mich noch gut an den Zustand des Ballsaals. Riesige Maschinen, die mit faustgroßen Schrauben im Tanzparkett verankert waren. Ein trauriger Anblick. Das Haus wird trotz seinen schlechten Zustandes unter Denkmalschutz gestellt und in den Jahren 1993 bis 1995 für 5 Millionen D-Mark saniert.

Autor: Christian Bormann 27.03.2015
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 31.03.2013

Wasserwerk und Wasserturm Uhlandstraße

Zu den längst verschwundenen Bauwerken in Pankow gehört der Wasserturm Niederschönhausen in der Uhlandstraße.

Wasserwerk Uhlandstraße Niederschönhausen
Wasserwerk und Wasserturm 1910

Wasserwerk und Wasserturm wurden 1903 erbaut und waren fast 20 Jahre das Herzstück der Wasserversorgung in Niederschönhausen. In den 1920er Jahren wurde diese Technik durch unterirdisch verlegte Druckwasserleitungen ersetzt.

Wasserwerk Uhlandstraße Niederschönhausen
Wohnhaus Uhlandstraße 20

Schon 1928 wurde der Wasserturm wieder abgerissen. Das alte Wasserwerk blieb erhalten und ist heute ein Wohnhaus in der Uhlandstraße 20. Auch in Rosenthal und der Pankower Thulestraße standen fast baugleiche Türme.

Autor: Christian Bormann 18.02.2015
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 10.04.2016

Sraßenbahn-Betriebshof Niederschönhausen

Im Zuge der Elektrifizierung der Großen Berliner Pferde-Eisenbahn genügten die zahlreichen kleinen Pferde-Bahn-Depots nicht mehr, da diese hauptsächlich auf Unterbringung und Versorgung der Pferde ausgerichtet waren.

Pferde-Eisenbahn Decksitzwagen von 1981 auf dem Betriebshof Niederschönhausen
Decksitzwagen der „Grossen Berliner Pferde-Eisenbahn“ von 1891

Diese Depots beherbergten Geschirrkammern, Schmieden, Sattlerei und Futterböden. Die kostbaren Wagen standen im Freien und waren der Witterung ausgesetzt. Die erste Strecke der Großen Berliner Pferde-Eisenbahn führte schon 1874 vom Schönhauser Tor nach Pankow und wurde noch im gleichen Jahr bis Pankow Kirche verlängert.

Betriebshof Niederschönhausen um 1920
Betriebshof Niederschönhausen 1920

Der dazugehörende Betriebshof III der Großen Berliner Pferde-Eisenbahn befand sich an der Berliner-/ Ecke Borkumstraße. Die Bezeichnung Betriebshof III ging 1901 an den Betriebshof der Großen Berliner Elektrischen Straßenbahn in Niederschönhausen über.

Betriebsangehörige auf dem Hof III in Niederschönhausen
Betriebspersonal 1933 – 1945

Mit der Elektrifizierung der Pferde-Bahn verschoben sich die Prioritäten. Von 1896-1924 elektrifizierte die Pferde-Eisenbahn ihr Netz. Wichtig waren jetzt große Wagenhallen mit Revisionsgruben zur Wartung der Unterböden.

Historische Waagen 5256 und 958 im August 1987 in der Schönholzer Straße in Pankow
Wagen 5256 Schönholzer Straße, 1987

Auch Werkräume für die Schlosser, Verwaltungsgebäude mit Dienstwohnungen sowie Aufenthalts- und Lehrräume galt es zu schaffen. Große Gleisanlagen zum Rangieren mussten gebaut werden.

Maximum-Triebwagen von 1907 auf dem Betriebshof Niederschönhausen
Maximum-Triebwagen von 1907

Der Denkmalgeschützte Hof III der Großen Berliner Elektrischen Straßenbahn in Niederschönhausen wurde für diese neuen Anforderungen an den Nahverkehr gebaut. Er gilt heute als Musterexemplar eines Berliner Straßenbahnhof.

Historische Triebwagen verschiedener Baureihen auf dem Betriebshof Niederschönhausen
Historische Triebwagen vor der Wagenhalle

Niederschönhausen wurde als letzter von 8 Berliner Betriebshöfen gebaut und am 29. Mai 1901 eröffnet. Mit rund 25.000 Quadratmetern hatte Hof III die Kapazität, um 190 Wagen von 11 Metern Länge aufzunehmen. Mit der Fertigstellung des Betriebshofes nahm der Ausbau des Nordberliner Straßenbahnnetzes rasant an Fahrt auf.

Historischer Triebwagen über Revisionsgrube
Triebwagen T24/49

Anfang der 20er Jahre arbeiteten auffällig viele Frauen im Pankower Straßenbahnbetrieb. Grund hierfür waren die im Ersten Weltkrieg gefallenen Männer. In der Mitte des Straßenbahnhofes errichteten die Mitarbeiter 1920 ein Denkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Kollegen. In den 70 Jahren wurde das Denkmal wieder entfernt.

Reko-Triebwagen 217055 mit Beiwagen 267006 und 267428 auf dem Betriebshof Niederschönhausen
Reko-Triebwagen 217055 mit Beiwagen

Der Betriebshof III wurde 1924 nach Plänen von Jean Krämer erweitert. Neben der Erweiterung der Wagenhalle gehörte eine Montagehalle, Schmiede, Lager und Umkleideräume zu den Anbauten. Der Ziergiebel über der Wagenhalle wurde entfernt und die Mauer an der Hoffront durch einen Eisernen Zaun ersetzt.

Reko-Arbeitstriebwagen 4508 mit Lore G107. Werkstatt-Wagen des Betriebshof Niederschönhausen
Reko-Arbeitswagen 4508 mit Lore G107

Östlich des Betriebshofes III errichtete die Heimstätten-Gesellschaft der BVG Wohnungen für Betriebsangehörige. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Wagenhalle und das zweistöckige Verwaltungsgebäude durch Bombentreffer schwer Beschädigt.

 Wiederaufbau der Wagenhalle in Niederschönhausen in den 1950er Jahren
Wiederaufbau der Wagenhalle 1950

Die Wiederherstellungsarbeiten dauerten bis in die 50er Jahre, wobei das Dachgeschoss des zweistöckigen kleinen Verwaltungsgebäudes nicht vollständig wieder aufgebaut wurde. In den zweigeschossigen Verwaltungsbau zog 1950 der Betriebsarzt ein.

Betriebshof Niederschönhausen 1960
Betriebshof Niederschönhausen 1960

Nördlich des Gebäudes wurde ein Kulturhaus für die Mitarbeiter eingerichtet. In den 1990er Jahren wurde der Betrieb in Niederschönhausen eingestellt. Die Anlage des Hofes war zu klein geworden um die neuen Straßenbahnen zu rangieren. Bei der Länge der heutigen Straßenbahnzüge muss die Dietzgenstraße mitbenutzt werden. Die davon ausgehenden Beeinträchtigungen für den Straßenverkehr waren nicht zu vertreten.

Zeitzeugen der Deutschen Teilung, Großraumwagen West (links) und Ost (rechts) in Niederschönhausen
Großraumwagen West (links) und Ost (rechts)

Der Denkmalpflegeverein Nahverkehr Berlin nutzt die Anlage heute noch. Die Wagenhalle beherbergt zahlreiche historische Straßenbahnen. Führungen und Ausfahrten der alten Bahnen werden mehrmals im Jahr veranstaltet.

Tatrawagen Typ KT4D auf dem Betriebshof Niederschönhausen 1986
Tatrawagen Typ KT4D 1986

Der alte Straßenbahnhof wird weiterhin betriebsfähig gehalten. In Ausnahmefällen wie Gleis- und Straßenbauarbeiten in Pankow,nutzt die BVG den Betriebshof heute noch.

Autor: Christian Bormann, 10.02.2015
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 30.03.2016

Die Meilensteine von Buchholz

In Buchholz sind bis heute noch zwei Meilensteine erhalten. Nach kursächsischem Vorbild errichteten die Preußen Anfang des 18. Jahrhunderts ein System von Meilensteinen für die Wege der Postkutschen. So ließen sich Porto und die Gebühren für die Personenbeförderung errechnen. Das Zentrum dieses Entfernungsystems war der Null-Meilenstein in der Residenzstadt Berlin. Er stand auf dem Dönhoff-Platz.

Meilenstein in Buchholz Berliner Straße Inschrift Berlin 1 Meile
historischer Meilenstein Buchholz

Der heutige Marion-Gräfin-Dönhoff-Platz an der Leipziger Straße ist leicht versetzt, auf ihm befindet sich die Nachbildung des Null-Meilensteins. Buchholz kann mit gleich zwei Originalen aufwarten. An den Tram-Gleisen auf der Berliner Straße 32 befindet sich der Stein mit der Inschrift „1 Meile bis Berlin“. Der Zweite befindet sich an der Kreuzung mit der Heidekrautbahn.

Autor: Christian Bormann 08.02.2015
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 30.03.2016

Bild: Hintze CPS

Pankow feiert 750 Jahre Berlin und 220 Jahre Schönholz

Anlässlich der 750-Jahrfeier Berlins gab es in Pankow wieder einen Festumzug in alter Tradition. Pankow war im 19. Jahrhundert bekannt für seine pompösen Umzüge. Die bekanntesten waren der Umzug der Raschmacher Innung zum Fliegenfest in die Schönholzer
Heide und die Umzüge der Schützengilden.

750 Jahre Berlin und 220 Jahre Schönholz 1987 in Pankow, Berliner Straße

Ihren letzten großen Umzug sahen die Pankower Anfang der 1920er Jahre, denn schon 1924 löste sich die Innung der Raschmacher auf. Es sollte mehr als 60 Jahre dauern bis Pankow an diese Tradition anknüpfte. Pankow beging gleich drei Geburtstage zugleich,denn neben der 750 Jahrfeier Berlins galt es auch 220 Jahre Schönholz und 130 Jahre Pankower Wochenmarkt zu feiern.

750 Jahre Berlin und 220 Jahre Schönholz 1987 in Pankow, Berliner Straße

Berlin und Schönholz wurden offiziell gemeinsam gefeiert. Das beweist ein Wimpel. Das Stück befindet sich in der Sammlung des Museums Pankow. Der Wimpel ist weiß und grün gerändert.

750 Jahre Berlin und 220 Jahre Schönholz 1987 in Pankow, Berliner Straße

Die Inschrift lautet: „750 Jahre Berlin – 220 Jahre Schönholz“. Zwischen den Inschriften ist eine stilisierte Abbildung des sowjetischen Ehrenmals Schönholz zu sehen.
Im Umzug selbst stellten die Pankower mit prächtigen Kostümen, Kutschen und Kulissen ihre historische Vergangenheit bis zur Gegenwart dar.

750 Jahre Berlin und 220 Jahre Schönholz 1987 in Pankow, Berliner Straße

Wir möchten die einzigartigen Bilder von Helmut Alber kurz beschreiben. Auf Bild 1 stellt sich Pankow als Teil Berlins vor, auf Bild 2 ist der Kaufvertrag für Pankow dargestellt. Auf dem Banner steht: „Pankow 1370 Kaufvertrag 100 Mark Silber“.

750 Jahre Berlin und 220 Jahre Schönholz 1987 in Pankow, Berliner Straße

Als nächstes folgt Bild 3, zu sehen ist ein Heißluftballon der hinter einer Kutsche hergezogen wird. Mit dieser Kulisse erinnert Pankow an einen der ersten Ballonflüge der Welt. Jean Pierre Blanchard startete 1788 vom Exerzierplatz im Tiergarten und landete in Karow, wo heute noch der Ballonplatz an seine Landung erinnert.

750 Jahre Berlin und 220 Jahre Schönholz 1987 in Pankow, Berliner Straße

Bild 4 stellt die Traditionsumzüge der Schützengilden durch Pankow dar. Das 130-jährige Jubiläum des Pankower Wochenmarktes, hier auf Bild 5, durfte nicht fehlen. Bild 6 zeigt die Pankower Bauern die mit ihrer Landwirtschaft den Bezirk geprägt haben. Auf dem Gesellschaftsportrait Bild 7 ist im Hintergrund die Werbung des Pankower Maschinenbauers „Niles“ an der S-Bahnbrücke zu sehen.

750 Jahre Berlin und 220 Jahre Schönholz 1987 in Pankow, Berliner Straße

Womit wir in der jüngeren Vergangenheit angekommen sind. Ein riesiger Roboter rollt im Festumzug auf der Berliner Straße mit. Diese beeindruckende Kulisse steht für den Pankower Werkzeug und Maschinenbauer „Niles“ in der Hadlichstraße.

750 Jahre Berlin und 220 Jahre Schönholz 1987 in Pankow, Berliner Straße

Beim Betrachten der Bilder lässt sich erahnen, wie die Festumzüge im alten Pankow aussahen. Leider scheiterten alle Versuche, das Fliegenfest wiederzubeleben. So zieht es die Pankower alle Jahre wieder zum Fest an der Panke und eine Woche später zum Rosenthaler Herbstfest.

Autor: Christian Bormann, 01.02.2015
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 30.03.2016

Bilder: Privatarchiv Helmut Alber

Heinersdorf – Rundlokschuppen und „Blue Lady“

Zwischen dem S-Bahnhof Heinersdorf und dem Autobahnzubringer Prenzlauer Promenade befindet sich ein außergewöhnliches Industriedenkmal. Der sogenannte Rundlokschuppen, auch Ringlokschuppen genannt, war Teil des inzwischen abgerissenen Rangierbahnhofes Pankow.

Heinersdorfer Rundlokschupen

Es handelt sich hierbei um eine 24-gleisige Lokomotivenhalle mit vorgelagerter Ringweiche, die sternförmig alle Gleise der Halle bedienen konnte. Das 1893 gebaute Objekt aus der Kaiserzeit diente als Werkstatt und Ausbildungshalle. Ein unschätzbares Relikt aus den Anfängen des Eisenbahnzeitalters.

Heinersdorfer Rundlokschupen

Das Heinersdorfer Industriedenkmal ist das zuletzt gebaute seiner Art und eins von zwei noch existierenden in ganz Deutschland. Der zweite Ringlokschuppen befindet sich auf dem Rangierbahnhof Berlin-Rummelsburg. Beide Lokschuppen stehen unter Denkmalschutz. Für Berlin-Rummelsburg beantragte die Deutsche Bahn 2009 eine Abrissgenehmigung, diese wurde verweigert.

Heinersdorfer Rundlokschupen

Der Betrieb in Pankow-Heinersdorf wurde bereits in den 1990er Jahren eingestellt. Bis 2001 wurden hier ab und an noch historische Züge gewartet und repariert. Zu den letzten Gästen gehörte auch allerlei Prominenz. Die letzte Besucherin war die „Blue Lady“. Von der Schwarzkopf AG-Berlin 1935 gebaut war sie als Sonderanfertigung die Nummer 1 unter den Stromlinien-Dampfloks.

Heinersdorfer Rundlokschupen

Die voll verkleidete, 24 m lange Lok der Baureihe 01 1102 mit Ölbefeuerung hatte 2380 PS und erreichte 150 Km/h. Im Inneren eine Ausstattung wie sie in den 40er Jahren üblich war, glich sie durch ihre stromlinienförmige Vollverkleidung äußerlich einem U-Boot auf Schienen. Frontal hing ein riesiger Reichskriegsadler vor der Dampflok.

Heinersdorfer Rundlokschupen

Heute ist das Grundstück mit seinem Kaiserlichen Rundlokschuppen Eigentum von Möbel Krieger. Wer miterlebt hat, wie unter Denkmalschutz stehende Objekte auf dem alten Güterbahnhof, der ebenfalls zu Möbel Krieger gehört, der Brandstiftung zum Opfer gefallen sind, ahnt wohl wie die Zukunft des Lokschuppen aussieht.

Autor: Christian Bormann, 28.01.2015
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 30.03.2016

Luftbilder: Michael Bartel

Säuglings- und Kinderkrankenhaus Weißensee

Mit steigender Geburtenrate Anfang des 20. Jahrhunderts nahm auch die Sterberate von Säuglingen zu. Als Gegenmaßnahme wurden in Preußen Säuglingskrankenhäuser errichtet. Das Säuglings- und Kinderkrankenhaus Weißensee war das erste seiner Art in Preußen. Initiator war der von Dr. Julius Ritter gegründete Verein „Säuglingskrankenhaus Berlin“.

Säuglings- und Kinderkrankenhaus Weißensee

Mit Unterstützung des Kreises Niederbarnim konnte die Gemeinde Weißensee 375.000 Mark für den Krankenhausbau aufbringen. Auf dem 28.000 Quadratmeter großen Grundstück erfolgte 1909 die Grundsteinlegung. Mit Planung und Aufsicht der Arbeiten war der Gemeindebaurat Carl James Bühring beauftragt. Am Vormittag des 8. Juli 1911 wurde das Haus mit Parkanlage an der heutigen Hansastraße eingeweiht.

Säuglings- und Kinderkrankenhaus Weißensee

Das Haus hatte Kapazität für 60 Säuglinge. Zu den Besonderheiten gehörte die ebenfalls erste und einzige „Milchkuranstalt“ in Preußen. Die im Krankenhauskomplex integrierte „Milchkuranstalt“ umfasste neben einem Kuhstall für 38 Kühe und einer Molkerei auch Anlagen zur Milchverarbeitung.

Säuglings- und Kinderkrankenhaus Weißensee

Für den Transport und die Lagerung der Milch war ebenfalls gesorgt. Neben dem Kuhstall gab es auch ein Pferdestall für 6 Rösser samt Knechtstube und Remise für drei Wagen. Eine weitere Besonderheit war der im Park gelegene Isolierpavilon. Hier wurden Keuchhusten und Diphtherie behandelt.

Säuglings- und Kinderkrankenhaus Weißensee

Das Säuglings- und Kinderkrankenhaus Weißensee war das führende seiner Art in ganz Europa. So richtete es vom 11. bis 15. September 1911 den 3. Internationalen Kongress für Säuglingsschutz in Berlin aus. Die von der Gemeinde Weißensee gestiftete Figur „Caritas“ ist verschwunden, erhalten ist nur der Sandsteinsockel.

Säuglings- und Kinderkrankenhaus Weißensee

Im Rahmen der Berliner Gebietsreform 1920 erfolgte die Eingemeindung von Weißensee nach Berlin. In deren Folge wurde die „Milchkuranstalt“ herausgelöst. Sie ging an die „Berliner Stadtgüter“ über und bildete die Basis des 1965 gegründeten „Milchhof Heinersdorf“. Die letzte Großinvestition war das neue Bettenhaus als ergänzender Anbau an der Rückseite der historischen Klinik.

Säuglings- und Kinderkrankenhaus Weißensee

Die Grundsteinlegung erfolgte 1985, Einweihung war im Oktober 1987. Schon 10 Jahre später am 1. Januar 1997 wurde das Säuglings- und Kinderkrankenhaus geschlossen. Das Land Berlin ließ sich 2005 von der Bio Resonanz GmbH um das Grundstück betrügen, 2011 trat Berlin vom Kaufvertrag zurück.

Säuglings- und Kinderkrankenhaus Weißensee

Seither beschäftigen sich die Gerichte mit der Rückabwicklung. Inzwischen hat es dutzende Male gebrannt. Die Gebäudesubstanz ist nicht mehr zu retten. So verliert das Krankenhaus auch seinen Denkmalschutz.

Autor: Christian Bormann 25.01.2015
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 30.03.2016

Bilder: Hintze CPS

Die Muskete von Schönholz

An einem Sonntag im Juni 2014 zog es uns mal wieder in die Schönholzer Heide. An diesem Tag hatten wir vor, uns die verbliebenen Baumbestände der Heide etwas genauer anzuschauen.

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Muskete v. Schönholz 05.02.18 bei ZIBB RBB

Vor einiger Zeit waren uns Einritzungen in den Baumrinden aufgefallen. Zwischen zahlreichen Herzen und Liebesbekundungen, die Pankower hier in den letzten 40 Jahren hinterließen, suchten wir die Hinterlassenschafften von Zwangsarbeitern und Soldaten aus den 40er und 50er Jahren.

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Jungfernheide und Schönhauser Fichten um 1800

Es hatte den ganzen Vormittag geregnet, und wir konnten kaum etwas an den Bäumen erkennen, bis wir nach 20 Minuten im wahrsten Sinne des Wortes über ein Stück Rohr, das aus der Erde ragte stolperten. Die achteckige Form hatte unser Interesse geweckt. Behutsam zogen wir das Rohr aus dem Boden und trauten unseren Augen kaum. Es war eine Muskete. Nach einigen Recherchen wandten wir uns an das Märkische Museum.

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Muskete / Jägerstutzen

Unser Bodenfund wurde als Radschloss-Muskete, ein sogenannter Jägerstutzen Baujahr 1640 identifiziert. Die Vermutung liegt nahe, dass die Muskete entweder zur Jagd oder im 30-jährigen Krieg zum Einsatz kam. Im 17. Jahrhundert hieß die Schönholzer Heide noch Schönhauser Fichten und erstreckte sich vom heutigen Bürgerpark bis zur Jungfernheide.

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Weg zum Hohenzollern Berg 2014

Als nächstes kontaktierten wir das Museum Pankow. Zwei Tage später übergaben wir Herrn Bernt Roder, dem Leiter des Museums, unser Fundstück. Die Radschloss Muskete ist nun Teil der Sammlung.

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Fundstück in der Datenbank als Jägerstutzen

Nachtrag: vom 05.März 2017

Das Fundstück ist heute unter der Bezeichnung Jägerstutzen in der Online-Datenbank des Museums zu finden. Ich selbst fand sie nicht in der Museumsdatenbank. Es war Frau Mach vom Freundeskreis der Chronik Pankow.

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Datenbank Museumsverbund Pankow

Der Muskete sollte dieses Jahr gleich in 2 Ausstellungen gezeigt werden. Aus diesem Anlass hatte der Freundeskreis der Chronik Pankow die Spur aufgenommen. Mir wurde berichtet, dass die Muskete noch dieses Jahr als Jägerstutzen Teil einer Ausstellung ist.

Autor: Christian Bormann 26.12.2014 / 05.03.2017

Bilder: Christian Bormann, Museumsverbund Pankow / Datenbank

technische Leitung: Nadine Kreimeier

red.Bearbeitung: Martina Krüger, 05.03.2017

Baron Theodor Hermann Killisch von Horn

Der Jurist und Zeitungsgründer wurde am 15.07.1821 als drittes von sechzehn Kindern in Bromberg geboren. Als Sohn eines Kanzleirates studierte er 1843 bis 1849 Philosophie mit Schwerpunkt Jura in Berlin. Während seines Studium schrieb er bereits für die „Vossische Zeitung“ und fand schnell Anschluss an politische Kreise.

Baron Theodor Hermann Killisch von Horn

Nach seinem Studium arbeitete er als Doktor der Rechte am Berliner Stadtgericht. Sein Vermögen machte er vermutlich mit Börsenspekulationen. Reichtum reichte im 19. Jahrhundert nicht um in „Höhere Kreise“ aufzusteigen, daher ließ er sich 1852 durch Friedrich Otto von Horn adoptieren. Mit der Kaufmannstochter Marie Antoni Weigel zeugte er sieben Kinder.

Baron Killisch von Horn mit seinem Kind

Sein beliebtestes Kind jedoch war die von ihm im Jahr 1855 gegründete „Berliner Börsen Zeitung“. In einer Zeitgenössischen Darstellung wird Theodor Hermann Killisch von Horn auf einem Stuhl sitzend gezeigt, wie er seiner Börsen Zeitung, karikiert mit einem Säuglingskopf das Fläschchen gibt. Den meisten Pankowern ist der Baron als Erbauer des Killisch-von-Horn-Park, heute als Bürgerpark bekannt.

Herrenhaus des Baron Killisch von Horn mit Rosenpavillon im Bürgerpark/Killisch von Horn Park

Im Jahr 1856 kaufte er eine alte Papiermühle der Familie Kühn mit Nebengelass und ließ diese zu seinem Familienwohnsitz herrichten. Das umliegende Waldstück ließ er durch den Gärtner Wilhelm Pering in einen Park im neoklassizistischen Stil umbauen. Der Killisch-von-Horn-Park war in Teilen auch der gemeinen Bevölkerung zugänglich. Das Bürgerparktor im Stil eines römischen Triumphbogens stammt auch von ihm.

Bürgerparktor des Baron Killisch von Horn

Von den unzähligen neoklassizistischen Figuren und Putten die den Park zierten, ist nach dem 2. Weltkrieg nichts geblieben. Baron Killisch von Horn starb am 23.11.1886 an seiner Zuckerkrankheit. Das Mausoleum ließ seine Frau erst 1904 bauen und ihn hierher umbetten.

Mausoleum des Baron Theodor Hermann Killisch von Horn auf dem Bürgerpark Friedhof

Die Erben der Familie Killisch waren am kostspieligen Erhalt der Parkanlage nicht interessiert. Dem Pankower Bürgermeister Wilhelm Kuhr ist es zu verdanken das der Park nicht zum Bauland wurde. Die Gemeinde Pankow kaufte 1907 den Killisch-von-Horn-Park und benannte ihn in Bürgerpark um.

Autor: Christian Bormann 23.12.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 30.03.2016

Bilder: Hintze CPS
Historische Postkarten

Der verbotene Pankower Adler

Zur Einweihung des Rathaus Pankow am 18. April 1903 krönte ein prächtiger preußischer Adler das Gebäude, hoch oben breitete er seine mächtigen Schwingen über Pankow aus. Es finden sich auch Quellen, in denen er als Brandenburger Adler beschrieben wird.

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Nachbildung des Rathausadlers

Die Gebäudespitze des Rathaus ist heute noch mit einer Reichskrone geschmückt. Der preußische Adler hingegen überstand den 2. Weltkrieg nicht. Offiziell heißt es, dass er eingeschmolzen wurde.

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Rathaus Pankow mit Adler 1906

Andere Quellen legen nahe das es eine sowjetische Spezialeinheit war mit dem Auftrag Wert- und Kunstgegenständen als Reparation zu beschlagnahmen.

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Gipsmodel der Adlerkopie

Bei der Umgestaltung der Rathausfassade zur sowjetischen Kommandantur wurde er von seiner Sandsteinkugel heruntergebrochen.

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Turmspitze mit preußischer Reichskrone 2017

Das Rathaus Pankow wurde mehrmals restauriert, aber an der Wiederherstellung eines preußischen Adlers war die DDR-Führung nicht interessiert.

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Sowjetische Kommandantur ohne Adler 1950

Erst 1989, als der rote Anstrich Ostdeutschlands blätterte, wurde eine Kopie des Adlers hergestellt. Der Künstler Achim Kühn fertigte die Kupferarbeit an.

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Ehem. Hochsitz der Adlerfigur 2017

Zum 100-jährigen Geburtstag des Rathauses wurde der preußische Aar, wie er auch genannt wird, vom 29. April bis zum 26. Oktober 2003 in der Empfangshalle des Rathauses ausgestellt.

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Sicht auf die Sandsteinkugel und den Anker des Adlers

Angeblich wegen Differenzen zwischen Auftraggeber und Künstler scheiterte der Versuch, den Adler wieder auf seinen angestammten Platz zu setzen.

Vielen Dank für die Unterstützung durch das BA Pankow.

Autor: Christian Bormann,12.11.2014, 19.11.2017

technische Leitung: Nadine Kreimeier

Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 30.03.2016

Bilder: Christian Bormann, Ivonne Hempler, Guido Kunze, Pressestelle BA Pankow, Berlin.de,