Schlagwort-Archive: Pankow

Der Chocolatier und sein Kavalierhaus

Das Kavalierhaus steht in der Pankower Breitestr. 45. Um 1750 gebaut gehört es zu den bedeutendsten Baudenkmalen in Pankow.

Kavaliershaus Breitestraße

Besonders wertvoll ist es durch seinen angeschlossenen Park, der an die in Schlossnähe gebauten Kavalierhäuser erinnert.  Das Gesamtensemble wird gekrönt durch seine Putten die vor dem Haus zur Straßenseite stehen. Die Originalfiguren stehen heute in der Skulpturensammlung der Staatlichen Museen. Ihr Bildhauer soll der Dresdener Bildhauer Gottfried Koffler gewesen sein. An ihrer Stelle stehen jetzt Kopien. Ab 1865 gehörte die Villa dem Schokoladenfabrikanten Theodor Hildebrand, weshalb sie auch die Hildebrandsche Villa genannt wird.  Hildebrand war der Schwiegersohn des Kunstschlossers Hausschild.  Dieser ließ das Holländerhaus in Niederschönhausen zu einem prächtigen Patrizierhaus umbauen. Theodor Hildebrand gründete 1817 eine Schokoladenfabrik.  Bekannt wurde Hildebrand Schokolade ab 1900 durch ihre Sammelbilder.

SCHO-KA-KOLA

Der Durchbruch gelang 1935 mit der sogenannten „Flieger Schokolade“. Die Marke SCHO-KA-KOLA wurde weltbekannt. Heute gehört SCHO-KA-KOLA zur Stollwerck AG.

Autor: Christian Bormann, 20.07.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Quellen:
Die Denkmale in Berlin Pankow/Landesdenkmalamt Berlin
Archiv/Stollwerk AG

Schönholzer Heide – Die vergessenen Gräber

Unsere Geschichte beginnt auf der Liegewiese westlich der Umfassungsmauer des Schönholzer Schützenhofs. Wer die Schönholzer Heide vom Zugang der ausklingenden Hermann-Hesse-Straße betritt, sieht links von sich den Paul Zobel Sportplatz, dahinter erstreckt sich sogleich eine Liegewiese.

Liegewiese Schönholzer Heide

Am Wochenende vergnügen sich hier gern die Pankower beim Sonnenbaden, Picknicken und Grillen. Kaum einer von Ihnen weiß, dass er sich auf einer Gräberwiese vergnügt. Unter der Wiese befindet sich der längst vergessene Friedhof V. Im Jahr 1943 entstand hier ursprünglich aus Platzmangel ein Friedhof für die innerstädtischen Bombenopfer. Als 1946 kein Bedarf mehr bestand, wurde der Friedhof teilweise geschlossen.

Alter Zugang Friedhof V

Links vom Wegrand sind noch Zaunpfähle zu erkennen. Wer ganz genau hinschaut kann sehen wie die Baumwurzeln alte Knochen an die Oberfläche drücken.

alte Knochen

Wer sich etwas abseits der Wiese in die Büsche schlägt, stolpert als erstes über noch erhaltene Bewässerungsbecken des Friedhofes.

Bewässerungsbecken Friedhof V

Versteckt im Dickicht, überwachsen von Bäumen, verbergen sich noch komplette Gräber.

altes Grab Friedhof V

Im Jahre 1981 komplett geschlossen, wurde die heute freie Wiesenfläche beräumt, Grabsteine und Zäune entfernt, so dass auf den ersten Blick nichts von Gräbern zu ahnen ist. Besonders beliebt bei Hunden sind zwei Hügel nördlich der Liegewiese. Das hat seinen Grund, unter den sogenannten „Knochenbergen“ befindet sich gleichnamiges.

Schönholzer Heide Knochenberge

Diese kleinen Hügel sind die Reste des abgetragenen Friedhofes V. Reichlich überwachsen laden sie Hund und Herrchen zum Verweilen ein. Wer sich die Mühe macht die Rückseite zu betrachten, erkennt, was sich unter der dünnen Erdschicht befindet. Zwischen Betonbrocken ragen Sargbeschläge, Knochen, Grabschmuck, alte Namensschilder sowie Bekleidungsreste der Verstorbenen heraus.

Autor: Christian Bormann, 15.07.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Das vergessene Olympiahaus Pankow

Viele kennen das kleine schmucke Haus an der Berliner/Ecke Mühlenstraße. In der Kaiserzeit um 1914 gebaut, ist der neobarocke Putzbau mit seinem Klinkersockel heute eine echte Rarität in Berlin.

 

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Bedürfnissanstalt 1996

Der Bau diente ursprünglich als Haltestelle mit Wartehalle und Fahrkartenverkauf. Zwischen Berliner Straße/Ecke Mühlenstraße, sowie Vinetastraße und Elsa-Brändström-Straße befand sich damals der zentrale Verkehrsknotenpunkt in Pankow. Die Berliner Straße war schon immer die Verbindungsstraße nach Berlin.

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Auskunftsstelle Olympiade 1936

Um die Kosten ihrer Pflege gab es oft Streit, bis Pankow sie 1912 von Berlin kaufte. Von den ersten Droschkenkutschen, über die Pferdebahn bis hin zur elektrischen Bahn sowie Omnibussen hielten hier alle damaligen Verkehrsmittel, ab 1930 auch die U-Bahn. Als Deutschland 1936 die Olympischen Spiele veranstaltete, befand sich hier die offizielle „Auskunftstelle des Olympia Verkehrs und Quartieramts Pankow“.

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Foto von Andreas Hennig 2016

Danach wurde das Haus zu einer öffentlichen Bedürfnisanstalt umgebaut.  Vor wenigen Jahren erst restauriert, beherbergt es heute einen „China-Imbiss“.

Autor: Christian Bormann, 12.07.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Quelle:
Die Denkmale in Berlin Pankow/ Landesdenkmalamt Berlin & Bezirksamt Pankow von Berlin
Berlin-Pankow wie es früher war / Wartberg Verlag, Foto(3) Andreas Hennig

Schönholzer Heide – Das versunkene Heide-Theater

Bis zur Gründung der Kolonie Schönholz war die Heide Teil des Waldgebietes „Schönhauser Fichten“, das Gelände erstreckte sich vom nördlichen Pankeufer im Bürgerpark bis in die Jungfernheide. Nach Ende des 2.Weltkrieges umfasste die Schönholzer Heide noch 35 Hektar. Es erfolgte eine Aufteilung in 3 Areale.

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NAW beim Bau der Freilichtbühne, Johanna Hirte (rechts)

So entstand im Rahmen des NAW ein Ehrenhain für 13.200 gefallene Sowjetsoldaten, ein großer Spielplatz mit Rodelbahn und der Volkspark mit Freilichtbühne.

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Heide Theater zur Eröffnung 1956

Mit Volkspark und Freilichtbühne wollte die DDR-Regierung an die 1930er Jahre anknüpfen, als sich in der Schönholzer Heide das Traumland, Nachfolger des Lunaparks befand.

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Tanzabend nach neuesten Amiga Schallplatten

Besonders beliebt bei den Berlinern war die Ochsenbraterei, bei der ganze Ochsen am Spieß gedreht wurden.

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Aufführung im Heide Theater 1959

Zur Ausrichtung der Olympischen Spiele 1936 war das Traumland der größte Vergnügungspark Berlins.

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Heide Theater 1957
Zu den Attraktionen gehörten eine Wasserrutsche, Gebirgs- und Geisterbahn, Varietés und eine Freilichtbühne.

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Steinabsätze und Geländer Westeingang 2016

Große Gastwirtschaften wie das Oberbayern und das Alt-Berlin waren weit bekannt. Vom einstigen Traumland ist nichts mehr zu sehen. Auch das umgebaute Schloss Schönholz und der Festsaal sind dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer gefallen. In die Reste des rückwärtigen Biergartens des Tanzsaals Schloss Schönholz wurde das kleine Freilichttheater gebaut.

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Mast für die Licht und Lautsprecheranlage

So sollte in den 1950er Jahren im Rahmen des Nationalen Aufbau Werk (NAW) wieder eine Freilichtbühne entstehen. Wie beim Bau des Pankower Freibades erfolgten die Arbeiten durch Freiwillige.

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Eingang Versorgungsräume Luna Lager und Heide Theater
Eine besonders erwähnenswerte Helferin war Johanna Hirte, die mit 81 Jahren auf über 35.000 freiwillig geleistete Arbeitsstunden zurückblicken konnte.

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Nordtreppe 2016

Zur Eröffnung am 17. August 1956 waren alle 2.500 Plätze des Heide-Theaters gefüllt. Besonders beliebt bei den Gästen waren die Tanzabende nach neuesten Amiga-Schallplatten. Solange die Sektorengrenze offen war, lief der Theaterbetrieb gut. Besucher kamen aus Ost und West.

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Reste der Bühne 2016

Namhafte Theaterhäuser gaben hier ihr Gastspiel, so das Hans-Otto-Theater Potsdam, der Friedrichstadt Palast, die Staatsoper bis hin zum Kabarett „Die Distel“ und das Erich Weinert Ensemble der Volksarmee. Mit der Schließung der Sektorengrenze fand leider auch der Kulturbetrieb des Heide Theaters ein Ende.

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Sockel vom Weberdenkmal 2015

Die Gesellschaft für Sport und Technik nutzte die Anlage noch einige Jahre. Bei Führungen in der Schönholzer Heide berichteten Zeitzeugen davon, wie die Betonstelen der Bühnenreste zum Zielwerfen für Übungsgranaten benutzt wurden.

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Carl Maria von Weber

Der zweite kleinere Sockel ist der letzte Rest von Schloss Schönholz. Auf ihm stand ein in Stein gehauener Schützenpokal.

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fehlende Figur Südseite

Das endgültige Aus für das ehemalige Heide Theater soll die Verbrennung einer DDR-Staatsflagge gewesen sein. Heute gleicht die einstige Freilichtbühne einem versunkenen Märchenort.

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Treppenaufgang Süd mit Ziermauer

An den Betonsäulen, die den Wegrand säumen, lässt sich noch die Rückseite der Bühne erkennen. Dahinter liegt vertieft der Zuschauerplatz, unter einem Meter Erdreich verschüttet. Treppen und Geländer sind zu erkennen, die im Boden verschwinden.

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Tanzfläche des Heide Theater 2016

Ringsum stehen die alten Masten der Licht- und Lautsprecheranlage. Hinter Büschen und Bäumen findet der aufmerksame Beobachter verzierte Steinabsätze.

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Reste der Südmauer 2016

Unter alten Fundamentbrocken lässt sich noch der Zugang zu den unterirdischen Versorgungsräumen des Theaters finden. Diese stammen noch aus der Zeit des Luna-Lagers für Zwangsarbeiter.

Das versunkene Heide-Theater

Autor: Christian Bormann, 26.02.2017

technische Leitung: Nadine Kreimeier

Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016/26.02.2017

Bilder: J.Mach/Freundeskreis der Chronik Pankow eV, Christian Bormann, hist.Zeitung,

Die Frau vom Arkenberge

Vor einigen hundert Jahren soll es sich zugetragen haben, an einem heißen Sommertag im Juni. Der Schäfer von Lübars war gerade dabei seine Herde zu zählen, da sieht er ein merkwürdiges Gefährt auf sich zurasen. Der Schäfer staunt nicht schlecht als er eine gläserne Kutsche mit edlen Silberbeschlägen erkennt. Vier prächtige Rösser ziehen das zauberhafte Gefährt, aber nicht über die Landstraße, merkwürdiger weise direkt am Tegeler Fließ entlang, wo er mit seiner Herde weidete. Die gläserne Kutsche nähert sich mit hoher Geschwindigkeit, als er zwei Frauen erkennt, eine altmodisch und edel gekleidete Dame und ein junges Fräulein neben ihr. Das Fräulein hätte ihre Tochter sein können oder ihre Bedienstete. Der Schäfer grüßt und zieht sein Hut. Die edle Dame nickt freundlich mit dem Kopf zurück. Als die Kutsche einschwenkt um die Herde zu umfahren, passiert es. Eines der vier Räder löst sich, das Gefährt neigt sich bedrohlich, kippt aber nicht. Die zwei Frauen erschraken gewaltig. Darauf winkte die edle Dame den Schäfer zur Hilfe. Dieser beäugte verwundert die Kutsche, fand aber keinen Schaden. So rollte er das gläserne Rad wieder herbei. Eilig machte er sich ans Werk und schnitzte zwei neue Vorstecker um das Rad wieder zu befestigen. Als der Schäfer sein Werk vollbracht hatte, beugte sich die Dame hinunter, hob die herabgefallenen Späne auf und gab sie ihm mit den Worten „Nimm das zum Lohne“. Geschwind eilte die gläserne Kutsche von dannen. „Ein schöner Lohn“, dachte sich der verwundert zurückgebliebene Schäfer. Verärgert warf er die Späne zurück ins Feld. Erschöpft daheim angekommen, berichtete er sogleich seiner Frau von der wunderlichen Begegnung mit den zwei Frauen in der gläsernen Kutsche. Plötzlich fiel ein Goldstück klingend zu Boden. „Frau wo hast du das Goldstück her?“ – „Wieso ich?  Noch nie besaßen wir ein Goldstück“, erwiderte ihm seine Frau. „Es muss aus deinen Stiefeln gefallen sein“. Der Schäfer dreht seine Stiefel um da fallen abermals zwei Goldstücke zu Boden. „Das können nur die Späne gewesen sein“. „Dann war es die Frau vom Arkenberge“.  „Schnell. Reiche mir den Mantel. Ich muss die übrigen Späne holen, die ich weggeworfen habe“. So eilte der Schäfer geschwind zurück auf die Weide, doch suchte er die ganze Nacht vergebens. Der Wind hatte alles hinweggefegt.

Autor: Christian Bormann, 27.04.2014
Technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 25.01.2016

Quelle:
mündliche Überlieferung

Der Mörderberg in Pankow-Blankenburg

Bei dem Mörderberg handelt es sich nicht wie man vermuten könnte um einen spätmittelalterlichen Henkersplatz. Der Mörderberg, wobei es sich eher um eine kleine landschaftliche Erhebung als einen Berg handelt, ist auch als Marderberg bekannt.

Mörderberg

Friedrich I. kaufte 1705 bei Blankenburg ein sumpfiges, modriges Gelände mit Teichen und Feuchtwiesen. Aus Modder- wurde Marder und zu guter Letzt der heutige Name Mörderberg. In den letzten Jahren gab es Bemühungen von Lobbyisten der FDP die Bushaltestelle der Linie 154 umbenennen zu lassen. Die Kinder würden sich fürchten, an einer Haltestelle auszusteigen, die Mörderberg heißt. Die Pankower Bezirksverordnetenversammlung entschied dagegen, da die Lobbyinteressen des benachbarten Golfklubs zu offensichtlich waren.

Polizeikaserne Blankenburg

Heute sind am Mörderberg noch verlassene Polizeikasernen zu sehen.

Autor: Christian Bormann, 22.06.2014
Technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 25.01.2016

Quellen:
mündliche Überlieferung
diverse Medienberichte
BVV

Unsere Panke

Der Name Panke lässt sich am ehesten aus dem slawischen ableiten, übersetzt „Fluss mit Strudeln“. Ihre Quelle entspringt nordöstlich von Bernau auf dem Roten Feld. Auf diesem Feld sollen die Bernauer 1492 eine blutige Schlacht gegen die Hussiten geführt haben. Das Feld war so von Blut durchtränkt, dass es seither das „Rote Feld“ genannt wurde. Die Bernauer leisteten erbitterten Widerstand. Sie gossen heißen Brei von den Zinnen des Stadtmauerganges. Dieser war wohl Treberflüssigkeit aus den zahlreichen Brauhäusern der Stadt. Hiervon zeugt heute noch der bekannte Ausspruch: „Bernauer Bier und heißer Brei machen die Mark hussitenfrei“.

Panke Parkstraße Böschungsbau 1906
Böschungsbau der Panke Parkstraße 1906

Oberirdisch ist die Pankequelle nicht mehr zu finden, da das Rote Feld in den letzten Jahrhunderten mehrere Meter aufgeschüttet wurde. Rings um die Quelle befinden sich frühzeitliche Jagdplätze, auf denen sich heute noch Feuersteinwerkzeuge finden lassen. Erst in der Nähe der Bundesstraße 2 fließt die Panke wieder oberirdisch, nach etwa zwei Dritteln ihres Verlaufes erreicht sie Pankow. Der heutige Verlauf zwischen den Pankower Karpfenteichen und Wedding ist nicht mehr der ursprüngliche.

Panke Schlosspark

Panke im Schlosspark 2014

Im 13. Jahrhundert legte Kurfürst Johann Cicero einen künstlichen Graben an. Damit schuf er eine Insel für seinen Vogelherd. Parallel zur Panke verläuft die Parkstraße. Hier steht die „Herz Jesu Kapelle“ auf einem kleinen Hügel zwischen Straße und Panke. Bei dem kleinen Hügel handelt es sich um die Reste des slawischen Walls Pankow. Bei Bauarbeiten an der Kapelle wurde ein Eisschrank entdeckt. In der slawischen Übersetzung heißt „Pan“- Herr und „kow“- hain, also Herren-Hain. Von Bernau bis Pankow sind heute noch Urnenfelder und Opferhaine erhalten geblieben. An Absenkungen der westlichen Umfassungsmauer des alten Krankenhaus Pankow lässt sich noch der ursprüngliche Verlauf der Panke erahnen. Bei Erdarbeiten zum Bau des alten Krankenhauses stieß man auf einige Opfergaben vermutlich aus dem 9. bis 11. Jahrhundert, ebenso wie in Berlin-Buch, wo ein ganzer Bronzehortfund entdeckt wurde, Schwerter verschiedener Typen, Lanzenspitzen und vieles mehr. In älteren Aufzeichnungen wird davon berichtet, dass die Panke im Schlosspark von königlichen Gästen mit Gondeln befahren wurde.

Panke Schlosspark

Königlicher Wasserfall im Schlosspark 1900

Im 16. Jahrhundert stand im jetzigen Bürgerpark eine Papiermühle, im 19. Jahrhundert wurde sie durch ein Pankehochwasser zerstört. Auf Höhe der Ossietzkystraße befand sich zur Jahrhundertwende eine beliebte Badestelle. Auch im nordwestlichen Teil des Bürgerparks, hinter der Vogelvoliere, konnte bis 1925 gebadet werden.

Panke Bürgerpark

Panke Bürgerpark 2014

Im 16. Jahrhundert war die Panke noch so tief, dass der Legende nach der „Raubritter und Pankgraf Udo mit der gespaltenen Klaue“ in ihr ertrunken sein soll. Einst mündete die Panke nach ca. 30 km in die Spree. Hiervon zeugt heute noch das schwarze Loch in der Ufermauer vor dem Berliner Ensemble. Nach ihrem umgestalteten Verlauf fließt die Panke, nachdem sie Pankow verlassen hat, nur noch als Grenzfluss zwischen Wedding und Mitte in den Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal.

Autor: Christian Bormann, 20.06.2014
Technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger

Quellen:
Pankow im Wandel der Geschichte/Bebra Verlag
Sagen und Geschichten aus dem Norden Berlins/Barbara Keil
Pankow Chronik eines Berliner Stadtbezirks/Rat des Stadtbezirks Berlin Pankow
Archivbilder Berlin Pankow/Sutton Verlag
Berliner Ur & Früh Geschichte/Märkisches Museum Berlin

Bolle reiste jüngst zu Pfingsten, – Wer war Bolle?

„Bolle reiste jüngst…“
Wer war „Bolle“ eines der bekanntesten Berliner Volkslieder besingt „Bolle“. „Bolle“ als echte Person gab es nicht.

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historische Bolle-Postkarte aus Pankow

Der Name steht vielmehr für den typischen Berliner, der nach harter Arbeit werktags oder am Wochenende sein Vergnügen in Pankow suchte. Durch Vorstadtwagen und Kremserfahrten, nicht zuletzt auch durch seine gute Luft, war Pankow im 19. Jahrhundert einer der beliebtesten Berliner Ausflugsorte. In der Schönholzer Heide sowie in unzähligen Schankstuben, Biergärten, Badeanstalten und Theatern, tobte der „Berliner Mob“. So auch besungen im Lied, „Bolle reiste jüngst …“ Das „Bollelied“ gibt es in einigen verschiedenen Varianten.

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Bollezeichnung von Christian Badel für pankowerchronik de 2017

Liedtext:

Bolle reiste jüngst zu Pfingsten

Bolle reiste jüngst zu Pfingsten, Pankow war sein Ziel.
Da verlor er seinen Jüngsten janz plötzlich im Jewühl.
‚Ne volle halbe Stunde hat er nach ihm jespürt.
Aber dennoch hat sich Bolle janz köstlich amüsiert.

In Pankow jab’s keen Essen, in Pankow jab’s keen Bier.
War allet uffjefressen von fremden Leuten hier.
Nich‘ ma‘ ’ne Butterstulle hat man ihm reserviert!
Aber dennoch hat sich Bolle janz köstlich amüsiert.

Auf der Schönholzer Heide, da jab’s ’ne Keilerei,
Und Bolle jar nich‘ feige, war mittenmang dabei,
Hat’s Messer raus jezogen, und Fünfe massakriert.
Aber dennoch hat sich Bolle janz köstlich amüsiert.

Es fing schon an zu tagen, als er sein Heim erblickt.
Das Hemd war ohne Kragen, das Nasenbein zerknickt.
Das linke Auge fehlte, das rechte marmoriert.
Aber dennoch hat sich Bolle janz köstlich amüsiert.

Als er nach Haus jekommen, da ging’s ihm aber schlecht.
Da hat ihm seine Olle janz mörderisch verdrescht!
Ne volle halbe Stunde, hat sie auf ihm poliert.
Aber dennoch hat sich Bolle janz köstlich amüsiert.

Und Bolle wollte Sterben, er hat sich’s überlegt:
Er hat sich uff die Schienen der Kleinbahn druffjelegt.
Die Kleinbahn hat Verspätung, und vierzehn Tage druff,
Da fand man unseren Bolle als Dörrjemüse uff.

Geschichte: Bolle, Badel und Bormann

Autor: Christian Bormann, 18.06.2014

Zeichnung: Christian Badel – www.kikifax.de

Technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 25.01.2016

Quelle: mündliche Überlieferung Wikipedia

Wie das Holländerhaus zum Patrizierhaus wurde

Ursprünglich stand an der Stelle des heutigen Hauses ein einstöckiger roter Ziegelsteinbau. Dieser wurde von der Dorfbevölkerung wegen seiner roten Backziegel Holländerhaus genannt.

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Holländerhaus 1900

Die Familie Fetschow erwarb 1802 die ersten 60 qm des Grundstückes vom Bauern Kraft. Im Laufe der Zeit wurde der Besitz, heute Dietz­genstraße/Platanenstraße, mehrfach erweitert.

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Holländerhaus 1985

Die Fetschows besaßen in der Klosterstraße 85 ein Bankhaus. Damit gehörten sie zu den einflussreichsten Familien in Niederschönhausen. Madame Fetschow verband eine enge Freundschaft mit der Prinzessin Marianne. Tatkräftig unterstützte sie den von Prinzessin Marianne am 23. März 1813 gegründeten Frauenverein. Am 16. Januar 1818 wurde Madame Fetschow der Luise-Orden verliehen.

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Eduard Gärtner

Im großen Familiensaal des Hauses verkehrten neben der könig­li­chen Familie auch Feldherren der Freiheitskriege sowie namhafte Künstler und Gelehrte ihrer Zeit. Zu den bekanntesten gehörten Karl-Friedrich Schinkel und Christian Peter Wilhelm Beuth.

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Holländerhaus 2014

Die Erben der Madame Fetschow verkauften 1850 das Anwesen an den Kunstschlosser Carl Friedrich August Hauschild. Dieser war mit seinem Unternehmen in der Neanderstraße 3 ein bedeutender Mann. Hiervon zeugt noch heute das Gemälde „Wohnstube des Schlossermeisters Hauschild“ von Eduard Gärtner.

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Feuerwehreinsatz Holländerhaus 2016

Um 1852 ließ Hauschild den bis dahin einstöckigen Bau aufstocken und zu einem Patrizierhaus umbauen. Zu den Umbauten gehörte der bis heute erhaltene, aufwendig gestaltete Holzbalkon am Rittersaal. Im Rittersaal hinter dem Balkon stellte Hauschild seine schönsten Kunstschlosserarbeiten aus, unter anderem Turnierhelme und Lanzen.

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Feuerwehreinsatz Holländerhaus 2016

Carl Friedrich August Hauschild starb 1868. Seinem Schwiegersohn, dem Schokoladenfabrikanten Hildebrandt gehörte die Hildebrandt-Villa, heute bekannt als Kavalierhaus in der Breitestraße.

Am 16.06.2016 wurde die Feuerwehr kurz nach 20 Uhr zu einem Einsatz am Holländerhaus gerufen. Ein Blitzschlag hatte die 30 Meter hohe Linde gespalten. Der abgestürzte Teil schlug mittig im Dachreiter des Hauses ein und musste in 4 stündiger Arbeit mit einem Kran aus dem Dach gehoben werden.

Autor: Christian Bormann, 04.06.2014/26.02.2017
Technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 25.01.2016/26.02.2017

Quellen:
„Geschichte von Niederschönhausen/Ernst Rehfeld“
„Niederschönhausen ein Stück Berlin/Horst Zetsche“
„Berichte des Gemeindeschöffen a.D.Thormann 1942, niedergeschrieben von Manfred Grande“

Wie die Teufelsbrücke im Bürgerpark ihren Namen bekam

Wer den Bürgerpark Pankow schon einmal besucht hat, der kennt die Brücke südlich der großen Wiese, die zwei künstliche Felsen miteinander verbindet.

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Teufelsbrücke 2017

Nur die wenigsten kennen die Geschichte der Namensgebung. Wo heute ein Ziegengehege zu sehen ist, war ursprünglich ein Goldfischteich. Auf dem zu DDR-Zeiten zugeschütteten Goldfischteich weidete zunächst Rotwild, heute sind hier Bergziegen zu sehen.

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Teufelsbrücke 1915

Als die Ratsherren den Bau der Brücke beschlossen und ausschrieben, gehörte zu den Bewerbern ein junger Baumeister, der sich gerade erst selbstständig gemacht hatte. Weder hatte er Referenzen noch gehörte er zu den Alteingesessenen, was seine Chance den Auftrag zu erhalten fast aussichtslos machte.

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Teufelsbrücke 1920

Der junge Baumeister brauchte dringend Geld, um seine Verlobte heiraten zu können. In seiner Not bekam er Besuch vom Teufel. Der bot ihm sogleich einen Handel an. Der junge Baumeister erhielt den Auftrag zum Bau der Brücke. Den Besuch des Teufels verdrängte er aber als schlechten Traum.

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Teufelsbrücke 1950

Doch kurz vor Fertigstellung der Brücke, erschien der Teufel abermals. Er erinnerte an den mit ihm geschlossenen Vertrag und forderte den jungen Baumeister auf, das Brückengeländer lose zu befestigen. Entsetzt erkannte der die List des Teufels. Jetzt musste ein Plan her den Teufel auszutricksen.

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Bürgerpark Tor 2016

Am Tag der feierlichen Brückeneröffnung versammelten sich die Ratsherren auf der Brücke. Als der Teufel daraufhin im Teich die Goldfische tanzen ließ, wollte einer der Ratsherren sich gerade über das lose Geländer beugen, als vom Bürgerpark Tor Marschmusik und eine Blaskapelle ertönten. Diese führte der junge Baumeister an. Die Musik zog das Interesse der Ratsherren sofort auf sich. Ausgelassen und fröhlich spielte die Kapelle auf der großen Wiese bis in die Morgenstunden. Am Tag darauf befestigte der junge Baumeister das lose Geländer sofort.

Vom Teufel, den er so ausgetrickst hatte, hörte er nie wieder.

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Luftbild Teufelsbrücke 2017

Es war die Idee des dem Allgemeinwohl zugewandten Arztes Prof. Emanuel Mendel, den Bürgerpark für die Gemeinde zu erhalten. Begeistert von der Idee gelang es dem Bürgermeister Wilhelm Kuhr und der Gemeinde Pankow, das Grundstück 1907 für 1,5 Millionen Mark zu kaufen. Die auf dem Gelände befindlichen zwei Hügel wurden 1910 mit der Teufelsbrücke verbunden. Im Laufe eines Jahrhunderts wurde die Brücke mehrmals wieder aus neuem Baumaterial aufgebaut.

Autor: Christian Bormann, 02.06.2014
Technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 25.01.2016/23.02.2017

Bilder: Andreas Hennig / andyART (1) Christian Bormann

Luftbild: Guido Kunze