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Botanischer Volkspark Pankow-Blankenfelde

Auf einem stillgelegten Rieselfeld zwischen Niederschönhausen, Rosenthal und Blankenfelde ließ Albert Brodersen 1909 einen Zentralen Berliner Schulgarten auf 34 Hektar anlegen. Zuvor befand sich schon 1874 der 1. Zentrale Berliner Schulgarten im Humboldthain Wedding. Auf den Rieselfeldern von Blankenfelde wurde im westlichen Teil die eiszeitliche Urform erhalten. Im östlichen Teil wurden landwirtschaftliche Nutzflächen angelegt. Mit der Planung und Gestaltung befasste sich Alexander Weiß, er gestalte 1925 auch die Schönholzer Heide.

Eingang Botanischer Volkspark
Eingang Botanischer Volkspark Bkankengelde

Die Hauptwege wurden mit Apfelbäumen und Zierhölzern bepflanzt. So konnten sich die Berliner Schulen mit Pflanzenmaterial und Hölzern für den botanischen Unterricht versorgen. Ab 1911 wurde ein Eichen- und Buchenhain angelegt, 1912 folgte dann die Installation der „Geologischen Wand“. Diese Steinwand stammt ursprünglich aus dem Volkspark Humboldthain.

Gehege Botanischer Volkspark
Wildgehege Volkspark Blankenfelde 2014

Während des I. und II. Weltkriegs dienten die Flächen der Notversorgung der Berliner Bevölkerung, das galt für viele großen Pankower Grünflächen so auch im Brose- und Bürgerpark. In den 50er Jahren regte der Leiter des Grünplanungs-Amtes, Reinhold Linger, die Wiederherstellung und Erhaltung der botanischen Anlage an.

Gewächshaus
Gewächshaus im Volkspark Blankenfelde

Ab 1952 befand sich hier die Zentralstation der „Jungen Naturforscher Walter Ulbricht“. Wildgehege, Stallungen und Volieren wurden errichtet. Die Humboldt-Universität übernahm 1971 die Anlage als „Botanischen Park“. Der Berliner „Botanische Garten“ befand sich zu dieser Zeit westlich der Berliner Mauer. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands übernahm der Berliner Senat den Park von der Humboldt-Universität. Seit 1994 ist der „Botanische Volkspark Pankow“ eine als Gartendenkmal geschützte öffentliche Grünanlage, auch die „Geologische Wand“ steht seit dem unter Denkmalschutz.

Geologische Wand
„Geologische Wand“ im Volkspark

Seit 2010 wird jedes Jahr wahlweise im Oktober oder September ein Herbstfest gefeiert. Die landeseigene  Grün Berlin GmbH übernahm 2011 die Anlage.

Autor: Christian Bormann 09.10.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Bilder:
Hintze CPS

Schmidt-Hutten und 100 Jahre Tanz in Pankow

In den 20er Jahren hielt der bekannte Tanzlehrer Fred Schmidt-Hutten seine Tanzstunden noch in der Tanzschule Wilhelm Tietz ab. Diese befand sich im Restaurant-Hotel und Festsaal „Zum Roland“ ehemals „Zum Wollank“ in der Wollankstraße 113.

Zum Roland

In den 30er Jahren gründete er seine eigene Tanzschule in der Kreuzstr. 3/4. Seit bald 100 Jahren ist der Name Schmidt-Hutten in aller Munde. Der „Pankower Herbstball“ war Pflicht für jeden gestandenen Pankower. Zahlreich strömten die Tanzwütigen aus Pankow und ganz Berlin mit der Pferdeeisenbahn herbei. In den 20er Jahren entstanden fast zwei Dutzend Tanzsäle in kürzester Zeit. Zu den bekanntesten gehörten „Schmidt-Hutten“ am Bürgerpark, der „Carlshof“ in der Dietzgenstraße, die „Thiemann’s Festsäle“ vor Schönholz sowie die „Schloss Schönhausen“ genannten Fachwerk-Festsäle an der Grabbeallee.

Thiemanns Festsäle Straße vor Schönholz

Einige Festsäle wurden Ende der 20er Jahre zu Lichtspielhäusern umfunktioniert, so das „Bellevue“ in der Breiten Straße. Ab 1934 fielen die Pankower Tanz und Festsäle bis Kriegsende in einen tiefen Schlaf. Erst in den 50er Jahren, nach Ende des 2. Weltkriegs erwachten die Tanzsäle wieder aus ihrem Dornröschenschlaf.

Tanzschule Schmidt-Hutten

So war es in Notzeiten durchaus üblich, Presskohle als Eintrittsgeld mitzubringen, auch Tanzstunden bei „Schmidt-Hutten“ konnten mit Presskohle bezahlt werden. Ende der 50er Jahre stellte der Gründer Fred Schmidt-Hutten einen Ausreiseantrag und siedelte 1960 in das Ruhrgebiet um. Unter Zwang musste der Name Schmidt-Hutten aufgegeben werden, so entstand der neue Name „Tanzschule am Bürgerpark“.

Tanzschule Schmidt-Hutten

Der Name „Tanzschule Schmidt-Hutten“ lebte fortan in Herne weiter, in der ehemaligen Tanzschule Diel am Rande der Castroper Innenstadt. Auch der Erbe Frank Schmidt-Hutten machte nach Abitur und Bundeswehr seine Ausbildung zum ADTV-Tanzlehrer. Ganz im Sinne seiner Familientradition eröffnete er 1995 seine „Tanzschule Schmidt-Hutten“ an der Oberen-Münster-Straße. So schreibt die Familie auch heute noch Tanzgeschichte.

Autor: Christian Bormann, 07.10.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Quellen:
Pankower Allgemeine Zeitung, Lokalkompass, ttk Bürgerpark, Berliner Zeitung, Pankower Ansichtskarten

Bilder:
Hintze CPS

Pankow und das Dichterviertel der DDR

Ab 1950 realisierte die DDR-Regierung sogenannte Intelligenzviertel, drei davon in Berlin. Neben Grünau entstanden zwei weitere in Pankow-Niederschönhausen. Eines westlich der Waldstraße zwischen Kuckhoff-, Treskow- und Platanenstraße, Zentrum war der Fritz-Erpenbeck-Ring. Das zweite, welches als Dichterviertel und Künstlersiedlung bekannt ist, liegt zwischen Hermann-Hesse-, Heinrich-Mann-, Leonard-Frank- und Homeyerstraße, mit der Neuen Straße 201 im Zentrum. Bekannte Bewohner der Intelligenzsiedlungen waren unter anderem: Ruthild Hähne, Theo Balden, Max Linger (Straße 201, Nr. 2, Schöpfer des Bildfrieses in der Pfeilerhalle des heutigen Ministerium für Finanzen), Heinrich Emsen (Homeyerstraße 31), Grafiker Herbert Sandberg (Homeyerstraße 37), Bildhauer Will Lammert (Waldstraße 82, er schuf in den 50er Jahren das Denkmal für das Frauen-KZ Ravensbrück), Heinrich Dracke (Fritz-Erpenbeck-Ring 7, Schöpfer des Zilledenkmals am Märkischen Museum), der Mahler Fritz Dahn, Fritz Cremer (erschuf die J. R. Becher Bronze im Bürgerpark), Arnold Bronnen, Hedda Zinner, Fritz Erpenbeck, Ernst Busch, Ludwig Renn (Kuckhoffstraße 39), Erich Weinert, Horst Drinda (Fritz-Erpenbeck-Ring 16), Adolf Benecke (Fritz-Erpenbeck-Ring 5), Hans Grotewohl (Fritz Erpenbeck-Ring 12, Architekt und Sohn des Ministerpräsidenten Grotewohl), Prof. Dr. Samuel Mitja Rapoport (Kuckhoffstraße 45), Bodo Uhse (Kuckhoffstraße 39b), Oskar Nerlinger (Waldstraße), Gustav Seitz (Treskowstraße 11), Herwart Grosse (Platanenstraße 103a), Inge Keller (Kuckhoffstraße) die „Grand Dame“ des Deutschen Theater, sowie Willy Bredel, Kurth Barthel und Henryk Keisch.

Gedenkmauer am Dichterviertel

Nach dem Tod Erich Weinerts 1953 wurde ihm zu Ehren eine Gedenkwand mit seinem Zitat: „Den Gedanken Licht – Den Herzen Feuer – Den Fäusten Kraft“ an der Heinrich-Mann-/Ecke Hermann-Hesse-Straße errichtet. Aber auch am Rande und außerhalb der Intelligenzsiedlungen siedelten sich berühmte Pankower an. Hanns Eisler, der Schüler Arnold Schönbergs, der wiederum Begründer der Zwölftonmusik war, komponierte die DDR-Nationalhymne, die im Gegensatz zum Text des Pankowers Johannes R. Becher bis 1989 überlebte. Der Text J. R. Bechers „Deutschland einig Vaterland“ war beim großen roten Bruder nicht angesagt. Weiterhin Louis Fürnberg (Pfeilstraße), Autor Stephan Hermelin (Hermann-Hesse-Straße), Schauspieler Erwin Geschonneck (Homeyerstraße), Ernst Busch (Heinrich-Mann-Straße), Arnold Zweig (Homeyerstraße 13).

Protestbrief gegen Ausbürgerung

Im Zuge der Ausbürgerung von Wolf Biermann verfassten die fünf Vorstandsmitglieder des Schriftstellerverbandes der DDR einen Protestbrief an die Regierenden. Ihnen schlossen sich zahlreiche weitere Intellektuelle, Schauspieler, Musiker, Autoren und Bildende Künstler an, darunter auch viele Vertreter des Pankower Zirkels. Am 20. November 1976 traf sich ein Dutzend von ihnen in der Villa von Manfred Krug in Pankow. Darunter waren Jurek Becker, Frank Beyer, Angelica Domröse, Stefan Heym, Jutta Hoffmann, Heiner Müller, Ulrich Plenzdorf, Klaus Schlesinger, Dieter Schubert, Hilmar Thate, Christa und Gerhard Wolf, sowie Manfred Krug selbst. In der Wilhelm-Wolf-Straße 15 trafen sie sich mit drei abgesandten Regierungsvertretern, darunter ZK-Mitglied Werner Lamberz, zuständig für Agitation. In der Folge gab Manfred Krug am 19. April 1977 seinen Antrag auf Ausreise in die BRD ab. Am 20. Juni 1977 verließ Krug Pankow und die DDR über den Grenzübergang Bornholmer Straße.

Grenübergang Bornholmer Straße

Auch das Fest an der Panke hat seinen Ursprung im Jahr 1970 als vom Künstlerboulevard gefeiertes Fest am Anger. Hans Fallada, der nach Kriegsende im Notkrankenhaus Niederschönhausen verstarb und Johannes R. Becher, der vom Majakowski-Ring wirkte, sollen hier auch noch kurz erwähnt sein. Ihm zu Ehren nannte der Ost-Berliner Magistrat die Breite Straße in J.-R.-Becher-Straße um. Diese Umbenennung wurde 1991 wieder rückgängig gemacht.

Autor: Christian Bormann, 22.09.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Bilder:
Hintze CPS

Quellen:
Ralph Hoppe/Pankow im Wandel der Geschichte

Die Geschichte vom Rosenthaler Herbst

Seit 1973 findet alljährlich am dritten Septemberwochenende der Rosenthaler Herbst statt, kurz nach dem Fest an der Panke.

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Rosenthaler Herbst 2016
Im traditionellen Sinne ist es das Rosenthaler Erntedankfest, pünktlich zum Herbstanfang.

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Niklas und „Die Freunde der Feuerwehr“
Ins Leben gerufen von einigen Heimatfreunden gibt es einen Festumzug, bei dem unter anderem die Geschichte des inzwischen ca. 780 Jahre alten Dorfes dargestellt wird.

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Herbstfest 2016
Ähnlich wie beim Fest an der Panke gesellten sich sehr bald Vereine, Gastronomen, Schausteller und Musiker hinzu.

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Pankow Rosenthal 2016
Mit Live-Bühnen und Feuerwerk gehört es heute zu den beliebtesten und im Umland bekanntesten Volksfesten in Pankow.

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Video: Stimmung beim Rosenthaler Herbst

Autor: Christian Bormann, 17.09.2014
technische Leitung:Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016/22.09.2016

Die Pankower Mühle in Groß Beesten

Bis zum 28. November 1810 herrschte um Berlin noch Mühlenzwang. Das hieß, Pankow, sowie Niederschönhausen, Wedding und Teile von Reinickendorf, mussten ihr Getreide in Pankow mahlen lassen. Diese Aufgabe übernahm ab 1749 zunächst die Windmühle am Mühlenweg bei den Lehmbergen, heute Mühlenstraße. Als der Mahlzwang 1810 aufgehoben wurde, kamen weitere hinzu. So auch die Mühle in der Berliner Straße.

Mühle Pankow Berliner Straße Borckumstraße

Erbauer war 1857 der Müllermeister A. Geiseler, ab 1885 übernahm der Müller Hermann Pape die Mühle. Ihr Standort war das heutige Grundstück Borkumstraße 7 und 8. Um 1902 wurde diese Pankower Mühle verkauft, abgebaut und in Groß Beesten bei Königs Wusterhausen wieder aufgebaut. Das ab- und aufbauen von Mühlen war damals üblich. So war auch die Niederschönhausener Bockwindmühle von Heinrich Pieckenhagen, Charlottenburger-/Ecke Nordendstraße, eine Gebrauchte.

Niederschönhausen Mühle Pickenhagen

Sie gehörte zuvor dem Müller Neumann und stand in der Seestraße. In der Wilhelm-Kuhr-Straße 79, damals noch Spandauer Straße, stand bis 1865 die Mühle von Müller Eduart Pieckenhagen. Im Bürgerpark westlich vom Pavillon war im 18. Jahrhundert noch eine Papiermühle, diese wurde aber durch ein Pankehochwasser zerstört. Neu wieder aufgebaut brannte sie nur wenig später nieder.
In Rosenthal erinnerte noch lange das Gasthaus „Zur Mühle“ an den alten Standort.

Mühle Rosenthal

Auch die Windmühle in Blankenfelde war um 1900 ein beliebtes und weit verbreitetes Postkartenmotiv.

Mühle in Blankenfelde bei Pankow

In Heinersdorf lag die Mühle auf einem kleinen Hügel vor dem Rathausturm, heute als Wasserturm bekannt.

Mühle Pankow Heinersdorf

An der Prenzlauer Promenade/Ecke Treskowstraße befand sich die Mühle von Müller Johan Christian August Kleinau, der hier von 1883 bis 1907 arbeitete.

Pankow Prenzlauer Promenade

Der Standort war schon älter, 1861 brannte hier eine Mühle durch Blitzschlag ab. Die wieder aufgebaute Mühle hielt bis 1863, als sie ebenfalls durch ein Feuer vernichtet wurde. Die Hauptmühle in Buchholz stand in der gleichnamigen Mühlenstraße auf dem Mühlberg seit 1830, bis sie 1902 abbrannte.

Mühle in Buchholz Pankow

Um 1903 wieder aufgebaut blieb sie noch bis 1927 in Betrieb und wurde 1950 abgerissen. Die zweite Buchholzer Mühle befand sich an der Pasewalker Straße, sie gehörte der Familie Krüger und war von 1850 bis 1923 in Betrieb bis sie 1955 ebenfalls abgerissen wurde. Zurück zur Pankower Mühlenstraße. Auf dem Gelände der heutigen Aral-Tankstelle befand sich bis in die 60er Jahre die letzte Pankower Mühle. Trotz Denkmalschutz wurde sie abgerissen, um Parkraum für die ansässige Spedition zu schaffen. Mit einer Geldbuße an den Magistrat von Berlin war das Kapitel Pankower Mühlen nun für immer Geschichte.

Autor: Christian Bormann 16.09.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Bilder: historische Aufnahmen

Geschichte vom Fest an der Panke

Seit 1970 feiern die Pankower alljährlich am 2. Septemberwochenende ihr Fest an der Panke, auch einfach Pankefest genannt.

pankowerchronik.blog.de
Fest an der Panke, 1986

Pankower Künstler aus der Künstlerkolonie, auch als Dichterviertel bekannt, welches sich entlang der oberen Heinrich-Mann-Straße, zwischen Heinrich-Mann-Platz und Schönholzer Heide befand, luden zum Künstlerboulevard am alten Anger ein. Über die Jahre kamen Schausteller, Gastronomen, Markthändler und Vereine hinzu.

pankowerchronik.blog.de
Fest an der Panke, 1986

Aus dem einstigen Künstlerfest wurde ein Volksfest. Ein großer Teil der Künstler fand im Pankower Kunstfest ein neues Zuhause. Aber auch das heutige Fest an der Panke wäre nicht denkbar ohne die Künstlermeile in der Ossietzkystraße, die fester Bestandteil des Pankefests ist.

Autor: Christian Bormann 04.09.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Bild: Helnut Alber,Hintze CPS

Pankows erste Fernsehstube

Die erste öffentliche Fernsehstube am Platz war in der Wollankstraße 134. Um 1930 befand sich hier ein Gewerbehof, dieser umfasste die Rathaus Garagen von W. Hilliger sowie kleine Kfz-Werkstätten.

Rathaus Garagen W.Hilliger

Ab 1936 gab es hier auch die erste öffentliche Fernsehstube von Pankow, sie lag im ersten Obergeschoss, über den Garagen.
Hier konnten die Besucher kostenlos fernsehen, im Jahr der Olympischen Spiele eine echte Attraktion.

Paul Nipkow

Zu dieser Zeit wohnte auch der als „Vater des Fernsehens“ bekannte Paul Nipkow in Pankow. Nipkow war der Konstrukteur der Spirallochscheibe, die so genannte Nipkowscheibe, mit deren Prinzip die erste Fernseheinrichtung auf der Funkausstellung 1928 zu bestaunen war.

Autor: Christian Bormann 24.08.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Bildquellen:
Pankower Chronik
Wikipedia

Der Heinersdorfer Rathausturm – Wasserturm

Das Rathaus Heinersdorf, ehemals an der Berliner Straße 66, seit einiger Zeit Tino-Schwierza-Straße, wurde 1910 fertig gestellt. Der Turm sollte ursprünglich nur der zentrale Mittelteil eines riesigen Rathauses werden. Mit 46 Metern Höhe war der Stahlbetonbau damals nicht zu übersehen. Eine riesige Uhr zierte die Fassade, gekrönt wurde der Rathausturm durch eine prächtige kupferne Kuppel.

Heinersdorfer Rathausturm

Zur Zeit seiner Errichtung war der Turm eine echte Innovation, ein Rathaus mit integriertem Wasserturm. Heute ist das Bauwerk den meisten ausschließlich als Wasserturm bekannt. Durch Ausbruch des 1. Weltkriegs zogen die Amtsstellen nie in das Rathaus ein. Nach Ende des 1. Weltkriegs wurde kein Rathaus mehr benötigt, denn 1920 wurde Heinersdorf nach Groß Berlin eingemeindet. Aber auch Wasser sah der Wasserturm nie, denn mittlerweile gab es unterirdische Druckwasserleitungen.

Heinersdorfer Rathausturm

Vor dem Rathausturm lag auf einem kleinen Hügel die Heinersdorfer Mühle. Direkt am Turm wurde 1934 bis 1935 eine Gemeindeschule mit Turnhalle gebaut. Im 2. Weltkrieg wurde dann 1944 eine Flakstellung auf dem Dach des Gebäudes errichtet.

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Nach Ende des 2. Weltkriegs übernahm die Rote Armee den Turm und installierte ihrerseits einen Horchposten. Dieser diente der Flugüberwachung von Tegel. Gleichzeitig wurden die beiden unteren Etagen als Schule genutzt.

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Nach Abzug der Besatzungsmächte stand der Turm leer und wurde trotz Denkmalschutz vom Bezirksamt zum Verkauf angeboten. Der Rathausturm wurde 2008 verkauft. Hier sollten nun exklusive Eigentumswohnungen entstehen. Am 24. Juni brannte der Turm dann völlig aus. Die Brandursache bleibt bis heute unbekannt.

 

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Link zum 360° Panorama vom Turm

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https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=1807719015965382&id=954046311332661

Videolink:

Autor: Christian Bormann 21.08.2014
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Bilder: Christian Bormann, Nick Nac, Guido Kunze

Letzte Bearbeitung: 18.02.2018

Bürgerpark – Das Geheimnis von Friedhof I

Video: Das Geheimnis vom Friedhof I

Ursprünglich wurden die verstorbenen Pankower innerhalb der Umfassungsmauer der alten Pfarrkirche „Zu den Vier Evangelisten“ bestattet. Aus Platzmangel und um Freifläche für die Erweiterung der Pfarrkirche zu gewinnen, wurden die bestehenden Gräber 1841 auf den dann offiziell I. Gemeindefriedhof Pankow am Bürgerpark umgebettet.

Pankow Friedhof I

Damals noch Spandauer Straße genannt, liegt der Friedhof jetzt Wilhelm-Kuhr-Straße/Ecke Kreuzstraße gegenüber der Tanzschule Schmidt-Hutten.

Pankow Friedhof I

Die ursprüngliche Einfriedung bestand aus Holz, seit 1908 ziert ein girlandenartiger schmiedeeiserner Zaun den Friedhof. Heute ist das Grundstück ein Gartendenkmal und wird dem Bürgerpark zugerechnet. Am bekanntesten ist den Pankowern das Mausoleum des Bürgerpark Besitzers Baron Killisch von Horn. Gebaut wurde es 1904, Architekt war CH.F. Malingriaux.

Pankow Friedhof I

Wer einen Blick in das Mausoleum wagt, sieht hier noch zwei offene Doppelsärge liegen.

Pankow Friedhof I

Leicht versteckt hinter Baum und Büschen, übersät mit Maschinengewehreinschüssen, wirkt es schon gespenstisch auf den Besucher.

Pankow Friedhof I

Im Mausoleum selbst befindet sich neben den beiden Särgen auch eine versteckte Bodenklappe. Diese führt zu einer etwa 5 Meter tiefen, mit rotem Backstein ausgekleideten Kammer. Am Boden dieser Kammer befinden sich verstreut die Gebeine aus den oberirdischen Särgen sowie Militärgegenstände der hier verschanzten Soldaten. Über die Jahrzehnte wurden diese Sachen einfach durch die Bodenklappe herunter geworfen. Kurz vor Einmarsch der Roten Armee 1945 verbrannte der Pankower Bürgermeister Bernhard Ahmels die Archivbestände des Rathauses, darunter vermutlich auch die Bauunterlagen von Friedhof I.  So kommt es, dass heute niemand mehr weiß, dass es sich bei den Gräbern entlang der westlichen Friedhofsmauer um Grabkammern handelt.

Pankow Friedhof I

Zwischen Mausoleum und Schulze-Gräbern handelt es sich um flache Grabkammern, die zumeist mit hölzernen Doppelsärgen belegt sind. Eine Besonderheit ist die Grabanlage der Familie Schulze, bekannt durch „Millionen-Schulze“, sowie der gleichnamigen Schulzestraße. Anfang 1990, kurz nach Öffnung der Berliner Mauer, bekam die Ruhestätte der Familie Schulze Besuch von Grabräubern.  Wahrscheinlich suchten sie nach wertvollen Grabbeigaben, was sie hinterließen, waren riesige Löcher. So groß, dass man direkt in die mit Kacheln ausgeschmückten Grabkammern und auf die reichlich verzierten Särge schauen konnte. Die Kammern waren so hoch, dass ein Erwachsener hier problemlos hätte stehen können, untereinander waren sie mit einem Gang verbunden. Monate später wurden die Erdlöcher vom Grünflächenamt mit gepflanzten Farnen verdeckt.  Heute sind, neben den Gräbern an der Westmauer, nur noch wenige ganz oder teilweise erhalten. Auch wissen nur wenige Leute, dass nicht alle Grabsteine auf diesen Friedhof gehören, einige wurden von anderen Friedhöfen hierher gebracht, um sie zu erhalten.

Pankow Friedhof I

Da sich niemand um die Erhaltung, geschweige denn die Restaurierung der Grabstellen kümmert, verschwinden jedes Jahr weitere. Es ist absehbar, dass von den freistehenden Gräbern in 20 Jahren nur noch eine Wiese übrig bleibt.

Autor: Christian Bormann, 10.08.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Bilder: Hintze CPS

Schlosspark und Pankower Schwarzmarkt

Zu den unbekannteren Kapiteln Pankows gehören das Schloss-Casino und der Pankower Schwarzmarkt. In den späten 30er Jahren befand sich im Schloss Schönhausen eine Depot- und Verkaufsstelle für „Entartete Kunst“. Mit dem Einmarsch der Roten Armee 1945 wurde auch Schloss Schönhausen beschlagnahmt. Heute ist nur noch wenigen bekannt, dass die Sowjetische Kommandantur hier ein Offiziers-Casino einrichtete.

Schlosspark und Pankower Schwarzmarkt

Vor den Toren des Schloss Schönhausen entwickelte sich ein immer größer werdender Schwarzmarkt. Teile der heutigen Ossietzkystraße und des Schlossparks wurden von der Bevölkerung und den Militärangehörigen für den regen Austausch von Schwarzmarktwaren, wie sie für die Nachkriegszeit typisch waren, genutzt.

Schloss Schönhausen

Im Offiziers-Casino wurde viel getrunken. So soll es eines Abends zu einem tödlichen Verkehrsunfall, verursacht von einem betrunkenen Militärangehörigen gekommen sein. Das Casino wurde umgehend geschlossen. Mit dem Offiziers-Casino verschwand auch der Pankower Schwarzmarkt aus dem Schlosspark, und fand seine Fortsetzung am Brandenburger Tor in Berlin-Mitte.

Autor: Christian Bormann, 09.08.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Quellen:
mündliche Überlieferung
Phoenix

Bilder:
Hintze CPS