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Die Pankower Mühle in Groß Beesten

Bis zum 28. November 1810 herrschte um Berlin noch Mühlenzwang. Das hieß, Pankow, sowie Niederschönhausen, Wedding und Teile von Reinickendorf, mussten ihr Getreide in Pankow mahlen lassen. Diese Aufgabe übernahm ab 1749 zunächst die Windmühle am Mühlenweg bei den Lehmbergen, heute Mühlenstraße. Als der Mahlzwang 1810 aufgehoben wurde, kamen weitere hinzu. So auch die Mühle in der Berliner Straße.

Mühle Pankow Berliner Straße Borckumstraße

Erbauer war 1857 der Müllermeister A. Geiseler, ab 1885 übernahm der Müller Hermann Pape die Mühle. Ihr Standort war das heutige Grundstück Borkumstraße 7 und 8. Um 1902 wurde diese Pankower Mühle verkauft, abgebaut und in Groß Beesten bei Königs Wusterhausen wieder aufgebaut. Das ab- und aufbauen von Mühlen war damals üblich. So war auch die Niederschönhausener Bockwindmühle von Heinrich Pieckenhagen, Charlottenburger-/Ecke Nordendstraße, eine Gebrauchte.

Niederschönhausen Mühle Pickenhagen

Sie gehörte zuvor dem Müller Neumann und stand in der Seestraße. In der Wilhelm-Kuhr-Straße 79, damals noch Spandauer Straße, stand bis 1865 die Mühle von Müller Eduart Pieckenhagen. Im Bürgerpark westlich vom Pavillon war im 18. Jahrhundert noch eine Papiermühle, diese wurde aber durch ein Pankehochwasser zerstört. Neu wieder aufgebaut brannte sie nur wenig später nieder.
In Rosenthal erinnerte noch lange das Gasthaus „Zur Mühle“ an den alten Standort.

Mühle Rosenthal

Auch die Windmühle in Blankenfelde war um 1900 ein beliebtes und weit verbreitetes Postkartenmotiv.

Mühle in Blankenfelde bei Pankow

In Heinersdorf lag die Mühle auf einem kleinen Hügel vor dem Rathausturm, heute als Wasserturm bekannt.

Mühle Pankow Heinersdorf

An der Prenzlauer Promenade/Ecke Treskowstraße befand sich die Mühle von Müller Johan Christian August Kleinau, der hier von 1883 bis 1907 arbeitete.

Pankow Prenzlauer Promenade

Der Standort war schon älter, 1861 brannte hier eine Mühle durch Blitzschlag ab. Die wieder aufgebaute Mühle hielt bis 1863, als sie ebenfalls durch ein Feuer vernichtet wurde. Die Hauptmühle in Buchholz stand in der gleichnamigen Mühlenstraße auf dem Mühlberg seit 1830, bis sie 1902 abbrannte.

Mühle in Buchholz Pankow

Um 1903 wieder aufgebaut blieb sie noch bis 1927 in Betrieb und wurde 1950 abgerissen. Die zweite Buchholzer Mühle befand sich an der Pasewalker Straße, sie gehörte der Familie Krüger und war von 1850 bis 1923 in Betrieb bis sie 1955 ebenfalls abgerissen wurde. Zurück zur Pankower Mühlenstraße. Auf dem Gelände der heutigen Aral-Tankstelle befand sich bis in die 60er Jahre die letzte Pankower Mühle. Trotz Denkmalschutz wurde sie abgerissen, um Parkraum für die ansässige Spedition zu schaffen. Mit einer Geldbuße an den Magistrat von Berlin war das Kapitel Pankower Mühlen nun für immer Geschichte.

Autor: Christian Bormann 16.09.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Bilder: historische Aufnahmen

Elisabeth Christine-Ein unmoralisches Angebot

Eines Tages bekam Elisabeth Christine Besuch im Schloss Schönhausen, es war der Kammerdiener Friedrich des Großen. Seine Majestät hatte ihm aufgetragen, die Königin Elisabeth davon zu überzeugen, sich einem von ihm ausgewählten Offizier hinzugeben.

schloss schoenhausen

So wollte der König seine Thronfolge sicherstellen. Nachdem Elisabeth verstand, welch Unverschämtheit ihr soeben angetragen wurde, ging sie den schon greisen Kammerdiener Fredersdorf scharf an. Er solle sofort schweigen, sonst würde sie den Wunsch des Königs sofort an ihm vollziehen. So blieb die Ehe Friedrich des Großen kinderlos.

Autor: Christian: Bormann, 25.07.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Quelle:
Sagen und Geschichten aus dem Norden Berlins/Barbara Keil

Bild:
historische Ansicht

Wie das Holländerhaus zum Patrizierhaus wurde

Ursprünglich stand an der Stelle des heutigen Hauses ein einstöckiger roter Ziegelsteinbau. Dieser wurde von der Dorfbevölkerung wegen seiner roten Backziegel Holländerhaus genannt.

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Holländerhaus 1900

Die Familie Fetschow erwarb 1802 die ersten 60 qm des Grundstückes vom Bauern Kraft. Im Laufe der Zeit wurde der Besitz, heute Dietz­genstraße/Platanenstraße, mehrfach erweitert.

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Holländerhaus 1985

Die Fetschows besaßen in der Klosterstraße 85 ein Bankhaus. Damit gehörten sie zu den einflussreichsten Familien in Niederschönhausen. Madame Fetschow verband eine enge Freundschaft mit der Prinzessin Marianne. Tatkräftig unterstützte sie den von Prinzessin Marianne am 23. März 1813 gegründeten Frauenverein. Am 16. Januar 1818 wurde Madame Fetschow der Luise-Orden verliehen.

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Eduard Gärtner

Im großen Familiensaal des Hauses verkehrten neben der könig­li­chen Familie auch Feldherren der Freiheitskriege sowie namhafte Künstler und Gelehrte ihrer Zeit. Zu den bekanntesten gehörten Karl-Friedrich Schinkel und Christian Peter Wilhelm Beuth.

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Holländerhaus 2014

Die Erben der Madame Fetschow verkauften 1850 das Anwesen an den Kunstschlosser Carl Friedrich August Hauschild. Dieser war mit seinem Unternehmen in der Neanderstraße 3 ein bedeutender Mann. Hiervon zeugt noch heute das Gemälde „Wohnstube des Schlossermeisters Hauschild“ von Eduard Gärtner.

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Feuerwehreinsatz Holländerhaus 2016

Um 1852 ließ Hauschild den bis dahin einstöckigen Bau aufstocken und zu einem Patrizierhaus umbauen. Zu den Umbauten gehörte der bis heute erhaltene, aufwendig gestaltete Holzbalkon am Rittersaal. Im Rittersaal hinter dem Balkon stellte Hauschild seine schönsten Kunstschlosserarbeiten aus, unter anderem Turnierhelme und Lanzen.

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Feuerwehreinsatz Holländerhaus 2016

Carl Friedrich August Hauschild starb 1868. Seinem Schwiegersohn, dem Schokoladenfabrikanten Hildebrandt gehörte die Hildebrandt-Villa, heute bekannt als Kavalierhaus in der Breitestraße.

Am 16.06.2016 wurde die Feuerwehr kurz nach 20 Uhr zu einem Einsatz am Holländerhaus gerufen. Ein Blitzschlag hatte die 30 Meter hohe Linde gespalten. Der abgestürzte Teil schlug mittig im Dachreiter des Hauses ein und musste in 4 stündiger Arbeit mit einem Kran aus dem Dach gehoben werden.

Autor: Christian Bormann, 04.06.2014/26.02.2017
Technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 25.01.2016/26.02.2017

Quellen:
„Geschichte von Niederschönhausen/Ernst Rehfeld“
„Niederschönhausen ein Stück Berlin/Horst Zetsche“
„Berichte des Gemeindeschöffen a.D.Thormann 1942, niedergeschrieben von Manfred Grande“