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Vergnügungspark Traumland in der Schönholzer Heide

Bereits seit Eröffnung der Berliner Nordbahn 1877 entwickelte sich die Schönholzer Heide zu einem beliebten Ausflugsziel. Das Fliegenfest der Raschmacher und die Schützengilde trugen ebenfalls zur Bekanntheit bei.

Traumland Schönholz 1936
Riesenrad 

Nachdem 1936 der „Luna Park“ in Halensee geschlossen wurde, suchte die Schaustellergemeinschaft einen neuen Festplatz. Überregional bekannt, mit Bahn und Vorstadtwagen gut zu erreichen waren ideale Voraussetzungen. So fiel die Wahl auf die Schönholzer Heide.

Traumland Schönholz 1936
Festplatz Traumland Schönholz

Von der Berliner Schützengilde mietete sich die Schaustellergemeinschaft ein großes Areal für ihren neuen Festplatz. Pankow bekam einen Vergnügungspark, wie ihn Berlin noch nicht gesehen hatte. Das Traumland war geboren.

Traumland Schönholz 1936
Tanz-Pavillon Traumland

Im gleichen Jahr richtete Deutschland die Olympischen Spiele aus. Der Vergnügungspark Traumland war zur Olympiade 1936 der größte seiner Art in Berlin. Die Hauptattraktion war die 18 Meter große Himalaya-Bahn.

Traumland Schönholz 1936
Himalaya-Bahn Schönholz

Weitere Attraktionen waren das Riesenrad, die Wasserrutsche, Tanzpavillons, das Varieté und die Traumstadt Liliput. Das Zurschaustellen von kleinwüchsigen Menschen war damals eine Attraktion. Heute undenkbar.

Traumland Schönholz 1936
Darsteller in Liliput

Legendär für ihre Trinkgelage war die Bayernhalle. Nicht weniger beliebt war die Ochsenbraterei, bei der ganze Ochsen am Spieß gedreht wurden. Getanzt wurde in der Restauration „Thiemanns Festsäle“ an der Straße vor Schönholz.

Traumland Schönholz 1936
Liliputaner Varieté

Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde der Vergnügungspark Traumland von den Nationalsozialisten zum Zwangsarbeiterlager umfunktioniert.

Traumland Schönholz 1936
Traumstadt Liliput

Auf den Fundamenten des Festplatzes wurde ein Barackenlager errichtet, von den Pankowern Luna-Lager genannt.

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Zwangsarbeiterinnen vor ihren Baracken im Luna-Lager Schönholzer Heide

Thiemanns Festsäle und das Schloss Schönholz dienten ebenfalls der Unterbringung von Zwangsarbeitern.

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Gelände ehem. Traumland in Schönholz

Das Areal des ehemaligen Traumland liegt heute hinter dem Paul Zobel Sportplatz parallel zur Hermann-Hesse-Straße.

Autor: Christian Bormann 18.02.2015
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 10.04.2016

Schönholz: Der Heide-Bunker

In der Schönholzer Heide gibt es immer noch einen Bunker, einige Besucher verwechseln auch heute noch das versunkene Heide-Theater mit einer Bunkeranlage.

Schönholzer Heide Theater
Heide Theater

Den noch erhaltenen oberirdischen „Heide-Bunker“ kennt so ziemlich jeder Pankower. Er liegt an der Ziegelsteinmauer des Schützenhauses „Schloss Schönholz“, gut sichtbar zwischen Hermann-Hesse-Straße und geschottertem Fußballplatz.

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Heide- bzw. Luna Bunker

Nach verstärkten Luftangriffen auf Pankow diente er zunächst als öffentlicher Schutzbunker, bevor aus Platzmangel Luftschutzbunker in den Kellern der Wohnhäuser angelegt wurden.

Schönholzer Heide Bunker von Innen
Bunker Inneres

Später gehörter der Bunker zum Zwangsarbeiterkomplex „Luna Lager“. Nur sehr Wenige kennen noch die zwei alten Geschütztürme mit ihren Schießscharten, diese dienten wohl der Bewachung des sogenannten „Luna-Lager“. Sie liegen südlich und nördlich der Straße vor Schönholz.

Geschützturm
Geschützbunker Straße vor Schönholz

Den Namen bekam das Lager von den Pankowern, da es auf dem Gelände des ehemaligen „Luna Park“-Nachfolger „Traumland“ stand. In Pankow gab es zahlreiche Zwangsarbeiterlager, das „Luna-Lager“ war das zweitgrößte in Berlin. Zahlreiche Baracken standen auf dem Gelände des alten Vergnügungsparks „Traumland“. Auch die „Thiemannschen Festsäle vor Schönholz“ sowie das „Schloss Schönholz“ dienten zur Unterbringung.

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Restaurant Schloss Schönholz

Die Zwangsarbeiter wurden unter anderen in den Deutschen Waffen und Munitionsfabriken AG Berlin Borsigwalde, in den Argus Motorenwerken Berlin Reinickendorf sowie den Bergmann Elektrizitätswerken eingesetzt.

Kriegsgräbergedenkstätte
Ehrenhain für die Kriegsopfer

Ein kleiner eingezäunter Ehrenhain mit Gedenktafeln erinnert heute noch an die Opfer des II. Weltkrieges. Ein weiterer Bunker soll sich laut einem „NVA Forum“ angeblich unter einem der zwei „Knochenberge“ befinden.

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Kimpostierpkatz Bezirksamt, Knochenberge

Diese sind die abgetragenen Reste des Friedhofs VI, der 1943 aus Platzmangel für innerstädtische Bombenopfer angelegt und bereits 1946 teilweise wieder geschlossen wurde. Ein Bunker befindet sich darunter nicht. Wer abseits der Wege etwas stöbert, findet große Betonbrockenansammlungen, viele schon überwachsen.

Betonreste Schönholzer Heide
Fundamrntbrocken Luna Lager

Hierbei handelt es sich um eine Mischung aus Fundamentbrocken der Zwangsarbeiterbaracken. Hinzu kommen noch abgetragene Reste von zerbombten Mietshäusern sowie Hausmüll, den anliegende Bewohner zu DDR Zeiten hier deponierten.  Die noch existierenden unterirdischen Zugänge gehören zu Versorgungsräumen und Schächten von „Traumland“, „Luna-Lager“ und „Heidetheater“. Aber auch diese sind inzwischen teilweise oder ganz mit einer Mischung aus militärischen Überresten und Steinschutt verfüllt.

Autor: Christian Bormann, 27.07.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Bilder:
Hintze CPS
Nadine Kreimeier
NVA-Forum
historische Ansichten Pankow
Wikipedia