Schlagwort-Archive: Kultur

Der Chocolatier und sein Kavalierhaus

Das Kavalierhaus steht in der Pankower Breitestr. 45. Um 1750 gebaut gehört es zu den bedeutendsten Baudenkmalen in Pankow.

Kavaliershaus Breitestraße

Besonders wertvoll ist es durch seinen angeschlossenen Park, der an die in Schlossnähe gebauten Kavalierhäuser erinnert.  Das Gesamtensemble wird gekrönt durch seine Putten die vor dem Haus zur Straßenseite stehen. Die Originalfiguren stehen heute in der Skulpturensammlung der Staatlichen Museen. Ihr Bildhauer soll der Dresdener Bildhauer Gottfried Koffler gewesen sein. An ihrer Stelle stehen jetzt Kopien. Ab 1865 gehörte die Villa dem Schokoladenfabrikanten Theodor Hildebrand, weshalb sie auch die Hildebrandsche Villa genannt wird.  Hildebrand war der Schwiegersohn des Kunstschlossers Hausschild.  Dieser ließ das Holländerhaus in Niederschönhausen zu einem prächtigen Patrizierhaus umbauen. Theodor Hildebrand gründete 1817 eine Schokoladenfabrik.  Bekannt wurde Hildebrand Schokolade ab 1900 durch ihre Sammelbilder.

SCHO-KA-KOLA

Der Durchbruch gelang 1935 mit der sogenannten „Flieger Schokolade“. Die Marke SCHO-KA-KOLA wurde weltbekannt. Heute gehört SCHO-KA-KOLA zur Stollwerck AG.

Autor: Christian Bormann, 20.07.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Quellen:
Die Denkmale in Berlin Pankow/Landesdenkmalamt Berlin
Archiv/Stollwerk AG

Hitler und Goebbels in Buch

Dass Adolf Hitler am 30. April 1945 im Führerbunker Selbstmord verübte ist allseits bekannt. Einen Tag später entzog sich auch die Familie Goebbels dem Zugriff der Sowjets. Weniger bekannt jedoch ist, dass die Leiche, beziehungsweise die verbrannten Überreste Hitlers sowie die Leichen von Propaganda Minister Goebbels und seiner Familie von Sowjetischen Spezialeinheiten nach Buch gebracht wurden. Stalin wollte Hitler eigentlich lebend haben.

GebäudeKrankenhausstadt Buch

Um auszuschließen, dass es sich um ein Täuschungsmanöver handelt, ließ Stalin Hitlers sterbliche Überreste in das Krankenhaus Buch bringen.  Am 8. Mai 1945 wurde die Leiche von Adolf Hitler unter Leitung von Dr. Schkarawskij obduziert. Die Identifizierung erfolgte anhand seines Gebisses. Danach verliert sich die Spur seiner Leiche.

Autor: Christian Bormann, 16.07.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger

Quellen:
Pankow zwischen Idylle und Metropole/Bebra Verlag
N24, Phönix

Schönholzer Heide – Die vergessenen Gräber

Unsere Geschichte beginnt auf der Liegewiese westlich der Umfassungsmauer des Schönholzer Schützenhofs. Wer die Schönholzer Heide vom Zugang der ausklingenden Hermann-Hesse-Straße betritt, sieht links von sich den Paul Zobel Sportplatz, dahinter erstreckt sich sogleich eine Liegewiese.

Liegewiese Schönholzer Heide

Am Wochenende vergnügen sich hier gern die Pankower beim Sonnenbaden, Picknicken und Grillen. Kaum einer von Ihnen weiß, dass er sich auf einer Gräberwiese vergnügt. Unter der Wiese befindet sich der längst vergessene Friedhof V. Im Jahr 1943 entstand hier ursprünglich aus Platzmangel ein Friedhof für die innerstädtischen Bombenopfer. Als 1946 kein Bedarf mehr bestand, wurde der Friedhof teilweise geschlossen.

Alter Zugang Friedhof V

Links vom Wegrand sind noch Zaunpfähle zu erkennen. Wer ganz genau hinschaut kann sehen wie die Baumwurzeln alte Knochen an die Oberfläche drücken.

alte Knochen

Wer sich etwas abseits der Wiese in die Büsche schlägt, stolpert als erstes über noch erhaltene Bewässerungsbecken des Friedhofes.

Bewässerungsbecken Friedhof V

Versteckt im Dickicht, überwachsen von Bäumen, verbergen sich noch komplette Gräber.

altes Grab Friedhof V

Im Jahre 1981 komplett geschlossen, wurde die heute freie Wiesenfläche beräumt, Grabsteine und Zäune entfernt, so dass auf den ersten Blick nichts von Gräbern zu ahnen ist. Besonders beliebt bei Hunden sind zwei Hügel nördlich der Liegewiese. Das hat seinen Grund, unter den sogenannten „Knochenbergen“ befindet sich gleichnamiges.

Schönholzer Heide Knochenberge

Diese kleinen Hügel sind die Reste des abgetragenen Friedhofes V. Reichlich überwachsen laden sie Hund und Herrchen zum Verweilen ein. Wer sich die Mühe macht die Rückseite zu betrachten, erkennt, was sich unter der dünnen Erdschicht befindet. Zwischen Betonbrocken ragen Sargbeschläge, Knochen, Grabschmuck, alte Namensschilder sowie Bekleidungsreste der Verstorbenen heraus.

Autor: Christian Bormann, 15.07.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Die Geschichte vom frechen Pankower Ziegendieb

Der Winter 1917 ist in Deutschland noch als der „Kohlrübenwinter“ bekannt. Kälte und Hungersnot zerrten an den Menschen, so auch in Pankow. Auf der gegenüber liegenden Seite der Pankower Pfarrkirche liegt südlich das Küsterhaus. Hier wohnte zu jener Zeit Pfarrer Hermann Pankow.

Küsterhaus

Ihm soll nachts aus seinem Stall die einzige Ziege gestohlen worden sein. Als der Pfarrer am nächsten Morgen den Stall betrat, um das Tier zu füttern, fand er einen Zettel an der Stalltür.  Der freche Dieb hinterließ im die Zeilen: „Der liebe Gott, ist überall, nur nicht in Pfarrer Pankows Ziegenstall“.

Autor: Christian Borman, 12.07.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Quelle:
Sage und Geschichten aus den Norden Berlin´s /Babara Keil

Die Legende vom Bucher Schatz am Gorinsee

Es war in den ersten Monaten des Jahres 1945, als Meldungen vom Vorrücken der Roten Armee auf Berlin die Runde unter den Bewohnern von Buch machten. Alte Bucher kennen noch die Geschichten vom Schatz am Gorinsee. Einige sehr wohlhabende Familien sollen aus Angst um Hab und Gut im Uferbereich des Gorinsees Schmuck und Gelddepots angelegt haben.

Gorinsee

Um die Depots später zu finden wählten sie wiedererkennbare Landmarken aus. Sie sollen sich an den Steganlagen rings um den Gorinsee orientiert haben. Als die ersten Sowjeteinheiten auf Buch zurollten, zerstörte die Wehrmacht alles, was als Orientierungs- oder Übersichtspunkt dienen konnte. Dazu gehörten unter anderem Kirchtürme, Wegweiser, aber auch die Steganlagen am Gorinsee. Verbleibende Anlegestellen zerstörten die Sowjets, um nicht von Deutschen Einheiten beschossen zu werden. Als sich in den Nachkriegsjahren wieder die Möglichkeit bot, an die Depots heranzukommen, gab es die alten Steganlagen nicht mehr. Die Stellen waren über die Jahre so oft überwachsen, dass sie nicht mehr gefunden wurden. Auch lebten einige Bucher nicht mehr, die hier im Frühjahr 1945 ihre Wertsachen vergruben. So sollen die Depots heute noch im Uferbereich des Gorinsee ruhen.

Autor: Christian Bormann, 10.07.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Quelle:
mündliche Überlieferung

Die Sage vom Pankower Piesel

Bevor das Angerdorf Pankow 1220 von deutschen Siedlern und französischen Zisterziensermönchen erbaut wurde, existierte bereits eine slawische Siedlung, worauf auch der Name Pankow zurückzuführen ist. Die bekannteste Sage um die ursprüngliche Siedlung von Pankow ist der „Pankower Piesel“. Vor ihrer Begradigung 1806 machte die Panke einen weiten Bogen und bildete eine halbkreisförmige Insel. Im Volksmund wurde dieser von Wasser umgebene Hain „Pankower Piesel“ genannt. Innerhalb dieses Haines befand sich eine slawische Burg. Eine solche Burg gab es auch in Blankenburg. Diese von Wasser umschlossenen Burgen boten den hier lebenden Familien Schutz während der kriegerischen Auseinandersetzungen um diese Gebiete.
Herz Jesu Kapelle

Die „Herz Jesu Kapelle“ in der Pankower Parkstraße steht auf einem kleinen Hügel, hierbei handelt es sich um die letzten Reste des slawischen Burgwall Pankow.

Autor: Christian Bormann, 07.07.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Quelle:
mündliche Überlieferung
Pankower Chronik/Rat des Stadtbezirk Pankow

Die Legende vom gestohlenen Haus am Eschengraben

An der Straßenecke, wo der Eschengraben auf die Berliner Straße trifft, soll einst die Villa eines vermögenden Kaufmanns gestan-den haben. Der hier lebende Kaufmann hatte seine Geschäfte bereits an seinen Sohn übergeben und genoss seinen Lebensabend in dem zweigeschossigen Backsteinhaus.

Willner Weißbierbrauerei

Die Sommermonate verbrachte er in seinem Anwesen in Italien. Während seines Sommerurlaubes soll eines Tages ein Fuhrwerk vorgefahren sein. Die Nachbarn waren sehr verwundert als sie sahen wie Möbel und Hausrat aufgeladen wurden. Auf ihre neugierigen Anfragen erfuhren sie, dass der Kaufmann sich entschieden habe in Italien zu bleiben und das Haus auf Abbruch verkauft habe.

Willner Weißbierbrauerei

Schon am Tag darauf wurde die Villa Stein für Stein abgetragen. Als der Kaufmann einige Wochen später aus seinem Urlaub nach Hause kam, stand er wie vom Donner gerührt vor seinem leeren Grundstück. Heute steht auf dem Grundstück der einstigen Kaufmannsvilla die alte „Willner Weißbierbrauerei“.

Autor: Christian Bormann, 07.07.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Quelle:
mündliche Überlieferung

Schönholzer Heide – Das versunkene Heide-Theater

Bis zur Gründung der Kolonie Schönholz war die Heide Teil des Waldgebietes „Schönhauser Fichten“, das Gelände erstreckte sich vom nördlichen Pankeufer im Bürgerpark bis in die Jungfernheide. Nach Ende des 2.Weltkrieges umfasste die Schönholzer Heide noch 35 Hektar. Es erfolgte eine Aufteilung in 3 Areale.

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NAW beim Bau der Freilichtbühne, Johanna Hirte (rechts)

So entstand im Rahmen des NAW ein Ehrenhain für 13.200 gefallene Sowjetsoldaten, ein großer Spielplatz mit Rodelbahn und der Volkspark mit Freilichtbühne.

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Heide Theater zur Eröffnung 1956

Mit Volkspark und Freilichtbühne wollte die DDR-Regierung an die 1930er Jahre anknüpfen, als sich in der Schönholzer Heide das Traumland, Nachfolger des Lunaparks befand.

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Tanzabend nach neuesten Amiga Schallplatten

Besonders beliebt bei den Berlinern war die Ochsenbraterei, bei der ganze Ochsen am Spieß gedreht wurden.

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Aufführung im Heide Theater 1959

Zur Ausrichtung der Olympischen Spiele 1936 war das Traumland der größte Vergnügungspark Berlins.

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Heide Theater 1957
Zu den Attraktionen gehörten eine Wasserrutsche, Gebirgs- und Geisterbahn, Varietés und eine Freilichtbühne.

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Steinabsätze und Geländer Westeingang 2016

Große Gastwirtschaften wie das Oberbayern und das Alt-Berlin waren weit bekannt. Vom einstigen Traumland ist nichts mehr zu sehen. Auch das umgebaute Schloss Schönholz und der Festsaal sind dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer gefallen. In die Reste des rückwärtigen Biergartens des Tanzsaals Schloss Schönholz wurde das kleine Freilichttheater gebaut.

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Mast für die Licht und Lautsprecheranlage

So sollte in den 1950er Jahren im Rahmen des Nationalen Aufbau Werk (NAW) wieder eine Freilichtbühne entstehen. Wie beim Bau des Pankower Freibades erfolgten die Arbeiten durch Freiwillige.

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Eingang Versorgungsräume Luna Lager und Heide Theater
Eine besonders erwähnenswerte Helferin war Johanna Hirte, die mit 81 Jahren auf über 35.000 freiwillig geleistete Arbeitsstunden zurückblicken konnte.

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Nordtreppe 2016

Zur Eröffnung am 17. August 1956 waren alle 2.500 Plätze des Heide-Theaters gefüllt. Besonders beliebt bei den Gästen waren die Tanzabende nach neuesten Amiga-Schallplatten. Solange die Sektorengrenze offen war, lief der Theaterbetrieb gut. Besucher kamen aus Ost und West.

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Reste der Bühne 2016

Namhafte Theaterhäuser gaben hier ihr Gastspiel, so das Hans-Otto-Theater Potsdam, der Friedrichstadt Palast, die Staatsoper bis hin zum Kabarett „Die Distel“ und das Erich Weinert Ensemble der Volksarmee. Mit der Schließung der Sektorengrenze fand leider auch der Kulturbetrieb des Heide Theaters ein Ende.

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Sockel vom Weberdenkmal 2015

Die Gesellschaft für Sport und Technik nutzte die Anlage noch einige Jahre. Bei Führungen in der Schönholzer Heide berichteten Zeitzeugen davon, wie die Betonstelen der Bühnenreste zum Zielwerfen für Übungsgranaten benutzt wurden.

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Carl Maria von Weber

Der zweite kleinere Sockel ist der letzte Rest von Schloss Schönholz. Auf ihm stand ein in Stein gehauener Schützenpokal.

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fehlende Figur Südseite

Das endgültige Aus für das ehemalige Heide Theater soll die Verbrennung einer DDR-Staatsflagge gewesen sein. Heute gleicht die einstige Freilichtbühne einem versunkenen Märchenort.

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Treppenaufgang Süd mit Ziermauer

An den Betonsäulen, die den Wegrand säumen, lässt sich noch die Rückseite der Bühne erkennen. Dahinter liegt vertieft der Zuschauerplatz, unter einem Meter Erdreich verschüttet. Treppen und Geländer sind zu erkennen, die im Boden verschwinden.

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Tanzfläche des Heide Theater 2016

Ringsum stehen die alten Masten der Licht- und Lautsprecheranlage. Hinter Büschen und Bäumen findet der aufmerksame Beobachter verzierte Steinabsätze.

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Reste der Südmauer 2016

Unter alten Fundamentbrocken lässt sich noch der Zugang zu den unterirdischen Versorgungsräumen des Theaters finden. Diese stammen noch aus der Zeit des Luna-Lagers für Zwangsarbeiter.

Das versunkene Heide-Theater

Autor: Christian Bormann, 26.02.2017

technische Leitung: Nadine Kreimeier

Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016/26.02.2017

Bilder: J.Mach/Freundeskreis der Chronik Pankow eV, Christian Bormann, hist.Zeitung,

Das Rathaus Pankow

Der Vorgänger unseres Rathauses war das Amtsgebäude in der heutigen Eintrachtstraße. Der gesamte Bau dauerte etwas länger als 2 Jahre. An der Einweihung am 18. April 1903 nahmen ranghohe Berliner Persönlichkeiten teil, unter anderem Moltke, von Treskow, der Berliner Oberbürgermeister Kuschner sowie der Polizeipräsident von Borries.

Rathaus Pankow 1915
Rathaus Pankow um 1906

 

Der prunkvolle Ratskeller war bereits 1902 fertig gestellt. Laut Niederbarnimer Kreisblatt schon damals ein Geheimtipp. Ursprünglich führte ein Gang direkt vom Ratssaal im 1.OG in den Ratskeller. So konnten die Herrschaften unbemerkt vom Pöbel hinabsteigen. Während der Einweihungsfeier so wird berichtet, mussten die Damen von der Empore zuschauen während die Herren köstlich speisten.

Ratskeller im Rathaus Pankow
Rathaus Pankow, Ratskeller, um 1906

In den Turmpfeiler wurde eine Zeitkapsel eingelassen, sie enthielt Namenslisten aller Pankower Beamter jener Zeit, Pankower Statistiken sowie Ausgaben des Niederbarnimer Kreisblattes und auch je ein Exemplar der zu dieser Zeit im Umlauf befindlichen Kursmünzen. Am 25. Oktober konnte der damalige Pankower Bürgermeister Richard Gottschalk in seine Dienstwohnung im 1 Stock einziehen. Auf seine Initiative wurde das Rathaus gebaut. Im Wedding gibt es heute noch die nach ihm benannte Gottschalkstraße. Gottschalk schwärmte von der Aussicht die er vom Balkon seiner Dienstwohnung hatte. Von hier überblickte er den Pankower Anger sowie das Bürgerparktor in der alten Spandauer Straße, heute Wilhelm-Kuhr-Straße. Damals war der Blick zum Bürgerparktor noch nicht verbaut. Der Hauptteil des Rathauses ist ein Verblendbau aus roten Sandsteinklinkern, der Sockel besteht aus Schlesischem Granit. Das Dach war ursprünglich in Teilen mit Kupfer bedeckt. Im 1. Weltkrieg brauchte Deutschland Unmengen an Rohstoffen wie Metall für die Rüstungsindustrie. Diesem Metallmangel fiel auch das Kupferdach des Rathauses zum Opfer. Auf den turmartigen Vorsprüngen stehen vier Plastiken des Pankower Bildhauers Sponar. Sie stellen die Bürgertugenden dar, Gerechtigkeit, Bürgerfleiß, Bürgerehre und Mildtätigkeit. Die Turmhöhe beträgt stolze 50 Meter, die zwei Balkonerker gehörten einst zur Bürgermeisterwohnung. Die Spitze auf der Turmlafette hielt den Windverhältnissen nicht stand und musste wenige Tage nach der Rathauseröffnung schon gekürzt werden. Hoch über dem Eingangsportal breitete ein mächtiger Preußi-scher Aar seine Schwingen aus. Nach dem 2. Weltkrieg war der Aar verschwunden. Im Rathaus war 2003 eine Kopie des Künst-lers Joachim Kühn ausgestellt. Wegen Differenzen zwischen Künstler und Auftraggeber scheiterte der Versuch den Adler wieder auf seinen angestammten Platz zu setzen.

Rathaus Pankow
Rathaus Pankow, Preussischer Aar

Die Gebäudespitze ist geschmückt mit einer Reichskrone. Um 1918 erfolgte der Anbau des Ostflügels. Der westliche Anbau in der Neuen Schönholzer Straße wurde 1927 bis 1929 errichtet.
Im April 1945, als die Russische Armee auf Berlin vorrückte, veranlasste der Bürgermeister Bernhard Ahmels (NSDAP) die Verbrennung des kompletten Rathausarchives. Die Verbrennung soll auf dem Hof des Hauses in aller Eile geschehen sein. Aus kulturhistorischer Sicht ging damit ein unersetzbarer Schatz an Dokumenten verloren.
Am 23. Oktober 1947 fand im Rathaus ein Kriegsverbrecherprozess statt. Angeklagt waren der Kommandant des Konzentrationslagers Sachsenhausen sowie 15 Angehörige des Wachkommandos. Nach Kriegsende war das Rathaus für Pankower zunächst tabu. Es diente zeitweise als Russische Kommandantur.

Rathaus Pankow
Rathaus Pankow als Sowjetische Kommandantur

Als Amtsgebäude stellten die Besatzer ab dem 1. Juni das Jüdische Waisenhaus Berliner – Ecke Hadlichstraße zur Verfügung. Andere Abteilungen saßen verteilt über den Bezirk, so in der Pestalozzistraße 41-43, in der Mendelschen Villa Breite Straße 44 sowie Breite Straße 43a. Ab Dezember 1949 begann der Wiedereinzug ins Rathaus. Am 18. Januar erfolgte dann die offizielle Schlüsselübergabe an die Pankower durch den Sowjetischen Bezirkskommandanten.
Direkt neben dem Bürgermeisterzimmer im ersten Stock befand sich die Pankower Chronik, geleitet von Rudolf Dörrier. Die Chronik zog 1974 in die Wohnung des Stuhlrohrfabrikanten Fritz Heyn, in die gleichnamige Heyn Straße 8 um, wo sie heute noch ist.
Das Trauzimmer in dem ab 1902 geheiratet werden konnte, wurde 1901 bis 1905 nach Plänen des Architekten Ludwig Hoffman gebaut. Hoffman entwarf auch den Märchenbrunnen in Friedrichshain. Das heutige Trauzimmer stammt aus dem Fischerkiez in Berlin Mitte. Seit dem Abriss der Alten Feuerwache in der Fischer Straße lagerte es im Märkischen Museum, bis es 1979 im Rathaus Pankow eingebaut wurde. Während der Umbauarbeiten konnten die Pankower im Prunkzimmer der Heynstraße 8 heiraten.

Rathaus Pankow Ehezimmer
Trauzimmer Fischerkiez, jetzt Rathaus Pankow

In den 80er Jahren wurden aufwendige Restaurationen zum ursprünglichen Johowschen Entwurf vorgenommen. Der originale Jugendstil-Leuchter der Vorhalle wurde auf dem Dachboden wiedergefunden. Zugemauerte Fenster wurden wieder geöffnet und der Turm erhielt seine Kupfereindeckung wieder. Über dem Haupteingang wurde die Schnitzerei „Gott mit uns“ wieder frei gelegt. Pünktlich zur 750-Jahr-Feier erhielt das Rathaus die seit dem Krieg fehlende Plastik „Bürgerehre“ wieder.

Autor: Christian Bormann, 05.07.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Quellen:
Rathaus Pankow/Freundeskreis der Chronik Pankow
Pankower Chronik/Rat des Stadtbezirks Pankow von Berlin

Wallfahrt nach Französisch Buchholz

Vielen ist die Zeichnung „Wallfahrt nach Französisch Buchholz“ aus dem Jahr 1775 als altes Postkartenmotiv bekannt.

Wallfahrt nach Französisch Buchholz

Weniger bekannt ist jedoch die Geschichte, die sich hinter dem Bild verbirgt. In Französisch Buchholz wohnten die Eltern der Frau von Daniel Chodowiecki.

Seine Kinder freuten sich schon lange auf einen Besuch bei den Großeltern. Ausgerechnet an dem Sonntag, als der Ausflug stattfinden sollte, regnete es so in Strömen, dass an einen Ausflug nicht zu denken war. Die Kinder weinten sehr, um sie wieder zum Lachen zu bringen, zeichnete Chodowiecki diese lustige Szene mit den Kindern auf dem Esel.

D. Chodowiecki

Daniel Nikolaus Chodowiecki wurde am 16. Oktober in Danzig geboren. Er war der bekannteste deutsche Kupferstecher und Illustrator im 18. Jahrhundert. Chodowiecki starb am 7. Februar 1801 in Berlin.

Autor: Christian Bormann, 02.07.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Quelle:
mündliche Überlieferung