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Das falsche Schmelka Grab

Der am 1. Dezember 1777 in Schwedt geborene Johann Heinrich Ludwig Schmelka war Theaterschauspieler, Regisseur und Sänger.

Johann Heinrich Ludwig Schmelka

Die Komik war sein Genre, gelegentlich betätigte er sich auch auch in Operetten als Tenor.

Als Wirt in dem Lustspiel „Minna von Bornholm“

Schmelka selbst behauptete stets, von adliger Abstammung zu sein, doch verarmte seine Sippe bereits, als er ein Jüngling war. Er begann seine berufliche Laufbahn als Gaukler. Schnell verließ er die Niederungen der Schaustellerei und debütierte am Städtischen Theater in Riga.

Relief Schmelka

Ab 1818 arbeitete er als Komischer Schauspieler am Königsstädtischen Theater Berlin. Schmelka spielte in Stücken von Raimund, Bäuerle und Holtei. Zu seinen Kollegen zählten unter anderem Plock, Rosicke und Beckmann.

Schmelka Denkmal 2017

Schmelka wohnte lange Zeit in Pankow, mit seinen gut betuchten Pankower Freunden wuste er auch Feste zu feiern. Bei meinen Recherchen lese ich immer wieder vom Grabmal Schmelkas an der Pankower Pfarrkirche „Zu den Vier Evangelisten“. Gemeint ist die gusseiserne Gedenktafel an der Südseite der Kirche.

Schmelka Denkmal mit Kirche

Ein Beispiel ist das liebevoll erstellte Buch „Bummeln durch Pankow“ von Arwed Steinhausen 2. Auflage 1995. Hier heißt es: […]“Besonderheiten im direkten Umfeld der Kirche[…] .Dort steht noch das Grabmal für den Schauspieler J. Heinrich Schmelka (1777-1837), von Freunden für ihn errichtet. Das ist so nicht richtig.

Vorderseite mit Lebensdaten

Richtig ist, dass Schmelka am 27. April in Pankow starb. Beerdigt wurde er hier nicht. Schmelka war der Falco seiner Zeit und Pankow war sein Wien. Kenner wissen, dass der ausschlaggebende Text auf der Rückseite der Gedenktafel steht.

Rückseite mit Widmung seiner Freunde

„Dem Andenken des Entschlafenen gewidmet von seinen Freunden“. Und so kam es, dass seine gut betuchten Freunde ihm und ihrer gemeinsamen Zeit in Pankow ein Denkmal setzten.

Schmelka1_Badel
Zeichnung des falschen Schmelka-Grabes von Christian Badel

Wir freuen uns, unseren Lesern Zeichnungen des bekannten Pankower Künstlers Christian Badel bei uns zeigen zu dürfen. Besonders bemerkenswert finden wir, dass sogar unsere QR-Codes, die wir im Rahmen unserer Aktion „Hundert mal Geschichte an Ort und Stelle“ auch dort angebracht haben, auf der wundervollen Zeichnung abgebildet ist.

Schmelka2_Badel
Zeichnung des falschen Schmelka-Grabes von Christian Badel

Autor: Christian Bormann, 22.02.2017
red.Bearbeitung: Martina Krüger, 22.02.2017/22.05.2017

Zeichnungen: Christian Badel

 

Fotos: Christian Bormann
Zeichnungen: Christian Badel, www.kikifax.com

Filmpionier Max Skladanowsky

Der am 30. April 1836 als viertes von fünf Kindern in Berlin-Pankow geborene Max Skladanowsky war der Sohn von Carl Theodor und Luise Auguste Ernestine Skladanowsky. Seine Ausbildung zum Fotografen und Glasmaler begann er 1877 in der Schönhauser Straße 24 im Atelier Werner sowie in der Schönhauser Allee 28. Der Vater Carl gründete 1879 mit seinen Söhnen Max und Emil eine Produktionsfirma für bewegte Nebelbilder. Ab 18. November 1879 gingen Max Skladanowsky und Vater Carl auf Tournee. Nachdem sich ihr Vater zurückzog, führten Max und Emil die Firma weiter.

Max Skladanowski

Die bis dahin erreichte Qualität der Nebelbilder genügte Max Skladanowsky nicht. Auch war die Konkurrenz sehr groß. Als Resultat seiner ersten Experimente entstand seine erste Filmkamera und in Folge ein Projektionsapparat. Das Bioskop war geboren.

Max Skladanowsky mit Bioscop 1

Ab 1. November 1895 zeigte Skladanowsky 4 Wochen lang seine Kurzfilme im Varieté Wintergarten Berlin. Der bekannteste Kurzfilm war „Das Boxende Känguru“. Im Anschluss gingen Max und Emil gemeinsam auf Tournee durch Deutschland und Nordeuropa. Inzwischen hatten die Brüder Lumiére ein technisch überlegenden Apparat entwickelt, den Cinematographe. Es gelang Max Skladanowsy zwar sein Bioscop zu verbessern, es hieß jetzt Bioscop 2, jedoch fehlten ihm die finanziellen Mittel um Schritt zu halten.

Biskop 2

Schon 1897 zog er sich aus dem Geschäft der bewegten Bilder zurück. Nach der letzten gemeinsamen Vorführung der beiden Brüder 1897 in Stettin trennten sich ihre Wege. Emil ging mit der Wandeldekoration und dem Wasserschauspiel weiter auf Tournee und Max widmete sich dem Vertrieb von Daumenkinos, Fotos und dreidimensionalen Bildern.

Daumenkino Max Skladanowsky

Um die Urheberschaft des Bioscops gab es in den Folgejahren Auseinandersetzungen zwischen den Brüdern. Erst 1930 entschied die Urheberschaftskammer in Berlin zu Gunsten von Max Skladanowsky. Fortan kämpfte er um Anerkennung als Filmpionier. Er behauptete, bereits 1882 die erste Filmkamera gebaut zu haben. Durch das vordatieren seiner Erfindungen wurde seine Glaubwürdigkeit schwer in Mitleidenschaft gezogen.

Wohnhaus von Max Skladanowsky Waldstraße 28

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten hoffte er, mit deren Hilfe als Erfinder des Film anerkannt zu werden, aber auch die NS-Propaganda wusste es besser. Versöhnung fand Skladanowsy als er in den 1930 er Jahren mit seinen inzwischen historisch gewordenen Filmen noch einmal auf Tournee gehen konnte. Leidenschaftlich gern fotografierte er seinen Heimatort. So haben wir ihm heute unzählige historische Fotos und Postkartenmotive von Pankow und sein Nachbardörfern zu verdanken.

Pflaster in der Berliner Straße in Pankow

Heute erinnern in Pankow noch eine gepflasterte Gehwegeinlassung in der Berliner Straße vor dem ehemaligen Kino Tivoli in dem sich der Skladanowskisaal befand an ihn. An seinem langjährigen Wohnhaus in der Waldowstraße 28 hängt eine Ehrengedenktafel. Bereits 1951 wurde die Pankower Wrangelstraße in Skladanowskystraße umbenannt. Max Skladanowsky starb am 30. November 1939. Sein Grab befindet sich auf dem Niederschönhausener Friedhof IV in der Buchholzer Straße.

Grab von Max Skladanowsky Niederschönhausen

Autor: Christian Bormann, 27.12.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 30.03.2016