Schlagwort-Archive: Gesellschaft

Die Krone auf dem Blankenburger Kirchturm

Die Blankenburger erzählen sich viele Geschichten über die Krone vom Kirchturm. Die bekannteste ist die der Julie von Voß. Unter den Hofdamen der Elisabeth Christine, war eine ganz besonders hübsch. Julie von Voß, sie galt als die Schönste von Ihnen. König Wilhelm II., Neffe und Thronfolger des Alten Fritz, war häufig zu Besuch in Schloss Schönhausen. Dabei soll er sich in die junge und hübsche, rothaarige Julie von Voß verliebt haben. Lange widerstand sie dem Werben des verheirateten Königs. Er erhob sie zur Gräfin Ingenheim, und schließlich erhörte sie ihn, unter der Bedingung ihm zur Linken angetraut zu werden. Als die schwangere Gräfin unterwegs zu ihren Eltern nach Buch war, gebar sie in Blankenburg ihren Sohn. Die Blankenburger sollen sich aufs herzlichste um Julie und ihren kleinen Prinzen gekümmert haben. Über die Fürsorge war der König so hoch erfreut, dass er den Blankenburgern eine goldene Krone schenkte. Die Krone erfüllte die Blankenburger so mit Stolz, das alle benachbarten Dörfer sie sehen sollten. Die Krone wurde an dem höchsten Punkt angebracht der gefunden wurde. Nämlich auf dem Blankenburger Kirchturm, auf dass sie von jedermann gesehen wurde.

Blankenburger Kirche

Die Kirche wurde etwa 1250 erbaut, das bestätigen dendrochronologische Untersuchungen. Das östliche Hallenschiff und der Turm wurden Ende des 14. Jahrhunderts und Anfang des 15. Jahrhunderts hinzugefügt. Tatsächlich war es Friedrich I., der das Rittergut Blankenburg von den Erben des Bernd Heinrich von Barfuß kaufte. Damit war er der Dorfherr und Patronat. Kronen über den Wetterfahnen von Kirchen waren als Zeichen königlichen Patronats in den Dörfern häufig. Entgegen der Legende lebten die Eltern schon nicht mehr als Julie von Voß ihren Sohn gebar. Um 1742 wurde die Krone abgenommen um sie vergolden zu lassen. Bei der erneuten Aufsetzung wurde eine Kupferplatte mit lateinischer Inschrift „Friedrich König von Preußen Herrscher von Schlesien“ hineingelegt. Auch bei der späteren Demontage der Krone wurden Urkunden und Münzen hineingelegt. Leider sind alle diese Zugaben verschwunden.

Blankenburger Kirche

Seit 1939 fehlt der Blankenburger Kirche Turmhelm, Wetterfahne und Krone. Heute erstrahlt die Blankenburger Kirche wieder in ihrem restaurierten Zustand. Bemerkenswert ist auch, dass heute noch, wie einst im Mittelalter, innerhalb der Umfassungsmauer der Kirche bestattet wird.

Autor: Christian Bormann, 01.07.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Quellen:
mündliche Überlieferung
Pankower Chronik/Rat des Stadtbezirk Pankow
Wikipedia

Der Veilchenstrauß vom Schlosspark

Zu Zeiten König Friedrich Wilhelm II. und seiner Gemahlin Elisabeth wuchsen im Schlosspark wunderschöne Veilchen. Als ein kleines Mädchen im Schlosspark von Pankow einen Strauß pflückte, trat eine schöne Dame an sie heran. Die Dame sagte zu dem kleinen Mädchen: „Dein Sträußchen gefällt mir sehr, würdest du es mir wohl schenken“? Mit einem artigen Knicks reichte das Mädchen der Unbekannten den Veilchenstrauß.

Schlosspark

Die Dame war hoch erfreut über die freundliche Geste, und sprach: „Mädchen wenn Du einmal Kummer oder eine Bitte haben solltest, so komm zu mir und lass mich dir helfen, denn ich bin deine Königin“. Geschwind eilte das Mädchen zu ihrem Vater nach Hause und berichtete ihm von ihrer Begegnung mit der Königin. Der Vater war Dr. August Hermann Karl Ramdohr, der Pfarrer von Pankow. Sogleich schrieb er der Königin einen Brief. Er berichtete ihr von den Nöten der Pankower und dem viel zu kleinen Gotteshaus.

alte Pfarrkirche

So soll Pankow durch einen kleinen Veilchenstrauß eine großzügig erweiterte Kirche erhalten haben.

Autor: Christian Bormann, 29.06.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Quelle:
mündliche Überlieferung

Pankower gründet FC Bayern und ist 1. Präsident

Der am 28. September 1872 in Pritzwalk Brandenburg geborene Franz Adolf Lois John war Fotograf und Fußballfunktionär in Pankow.
Er gehörte zu den Hauptinitiatoren der Gründung des FC Bayern München und war von 1900 bis 1903 1. Präsident.
Als Pankower schloss er sich zunächst dem VfB Pankow an, hier machte er die Bekanntschaft mit Gustav Manning dem späteren Schriftführer des DFB.

Franz John

John machte eine Ausbildung als Fotograf in Jena. Nach seiner Ausbildung zog es ihn in den Münchener Stadtteil Schwabing. Hier wurde er Mitglied der Fußballabteilung des MTV 1879 München. Im Streit um den Beitritt zum Verband Süddeutsche Fußballvereine (SFV), verließen 11 Fußballer am 27.Februar unter Protest die Hauptversammlung. Unter der Führung Johns zogen sie weiter in das Restaurant Gisela und gründeten ihren eigenen Fußballverein. Der Münchener Fußballklub war geboren mit Franz John an seiner Spitze. Unter der Führung Johns entwickelte sich der Verein zur stärksten Kraft im Münchener Fußball. Noch im Jahr seiner Gründung trat der FC Bayern dem SFV bei. In Johns Zeit fällt auch die Überlassung des Schwabinger Grundstückes in der ClementStraße an den Verein. Franz John verließ 1903 den FC Bayern und übergab sein Präsidentenamt an Willem Heselink. Um 1904 zog es John nach Pankow zurück. Er betrieb ein Fotolabor in der Kreuzstraße 16.

Er übernahm auch hier die Präsidentschaft des VfB Pankow. Der FC Bayern wählte Franz John 1920 zum Ehrenvorsitzenden, 1936 erhielt er die Goldene Ehrennadel des Vereins. Vereinsamt starb er im Alter von 80 Jahren in Pankow, seine Spur verlor sich, bis sein vergessenes Grab in Fürstenwalde wiederentdeckt wurde. Fans des FC Bayern forderten die Wiederherstellung des abgelaufenen Grabes.

Grab von Franz John

Zum 100. Jahrestag seiner Gründung ließ der FC Bayern München auf dem verfallenen Grab Johns einen Gedenkstein aufstellen, der an seine Verdienste um den Verein erinnert.

Autor: Christian Bormann, 28.06.2014
Technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 25.01.2016

Quelle:
Mündliche Überlieferung
Pankowerchronik/Rat des Stadt Bezirks Pankow
Wikipedia

Das Pankower Gröschlein

Zwischen Berliner Straße und Schulstraße erstreckte sich im 18. Jahrhundert ein ausgedehnter Park. Um 1750 wurde hier ein Kurfürstlicher Münzstempel gefunden. Peter Huffitz erwähnt in seiner Chronik von 1599 eine Münze mit dem Namen „Pankower Gröschlein“.

Bahrfeldt Pankow Gröschlein

Seither wird vermutet, dass sich an dieser Stelle eine Münzprägestätte befunden hat. Tatsächlich gibt es in alten Niederbarnimer Aufzeichnungen Berichte einer Münzprägestätte von Kurfürst Johann Cicero, eine Meile entfernt von der Panke. Johann Cicero hatte sich in Pankow einen Vogelherd anlegen lassen und war hier oft zu Gast. Im Bahrfeld-Katalog um 1890 ist das Pankower Gröschlein als Berliner Halbgroschen erwähnt. Er trägt das Datum 1496, zeigt Kreuz mit Zepterschild und hatte den Wert eines halben Märkischen Groschens.

Autor: Christian Bormann, 23.06.2014
Technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 25.01.2016

Quellen:
Sagen und Geschichten aus dem Norden Berlins/Barbara Keil
Numismatischer Katalog/Bahrfeld
Niederbarnimer Chroniken

Der Mörderberg in Pankow-Blankenburg

Bei dem Mörderberg handelt es sich nicht wie man vermuten könnte um einen spätmittelalterlichen Henkersplatz. Der Mörderberg, wobei es sich eher um eine kleine landschaftliche Erhebung als einen Berg handelt, ist auch als Marderberg bekannt.

Mörderberg

Friedrich I. kaufte 1705 bei Blankenburg ein sumpfiges, modriges Gelände mit Teichen und Feuchtwiesen. Aus Modder- wurde Marder und zu guter Letzt der heutige Name Mörderberg. In den letzten Jahren gab es Bemühungen von Lobbyisten der FDP die Bushaltestelle der Linie 154 umbenennen zu lassen. Die Kinder würden sich fürchten, an einer Haltestelle auszusteigen, die Mörderberg heißt. Die Pankower Bezirksverordnetenversammlung entschied dagegen, da die Lobbyinteressen des benachbarten Golfklubs zu offensichtlich waren.

Polizeikaserne Blankenburg

Heute sind am Mörderberg noch verlassene Polizeikasernen zu sehen.

Autor: Christian Bormann, 22.06.2014
Technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 25.01.2016

Quellen:
mündliche Überlieferung
diverse Medienberichte
BVV

Die Seufzerallee im Schlosspark Pankow

Seit König Friedrich II. 1740 seinen Thron bestieg, lebte er getrennt von seiner Gemahlin Elisabeth Christine. Mit den Worten „Hier lass dich nieder, hier kannst du Schön Husen“, soll er sie nach Schloss Schönhausen ausquartiert haben. Auch zur Einweihung des Schlosses Sanssouci war sie nicht geladen. Jeder königliche Gast der in die Friedrichstadt wollte, hatte zuvor einen Antrittsbesuch bei Elisabeth Christine in ihrem Schloss Schönhausen zu machen.

Seufzerallee Schlosspark Pankow

Der König selbst soll mehrfach im „Alten Krug von Pankow“ Quartier bezogen haben, wenn er zum Geburtstag seiner Gemahlin nach Pankow kam. Der „Alte Pankower Krug“ stand einst dort, wo südlich der Pfarrkirche am Anger die alte Kaufhalle stand. Die Königin soll oft, sehr traurig über ihre Beziehung, seufzend durch ihren Schlosspark gezogen sein. Fast parallel zur Schlossstraße verläuft eine alte Kastanienallee durch den Schlosspark.

Seufzerallee Schlosspark Pankow

Vom jetzigen Kinderspielplatz ausgehend endet sie am alten Gartentor von Schloss Schönhausen. Seither von den Pankowern „Seufzerallee“ genannt, erinnert sie heute noch an Elisabeth Christine und ihre unglückliche Beziehung mit Friedrich II.

Autor: Christian Bormann, 22.06.2014
Technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 25.01.2016

Quellen:
mündliche Überlieferung
Nord Berliner Sagen und Geschichten/Barbara Keil

Unsere Panke

Der Name Panke lässt sich am ehesten aus dem slawischen ableiten, übersetzt „Fluss mit Strudeln“. Ihre Quelle entspringt nordöstlich von Bernau auf dem Roten Feld. Auf diesem Feld sollen die Bernauer 1492 eine blutige Schlacht gegen die Hussiten geführt haben. Das Feld war so von Blut durchtränkt, dass es seither das „Rote Feld“ genannt wurde. Die Bernauer leisteten erbitterten Widerstand. Sie gossen heißen Brei von den Zinnen des Stadtmauerganges. Dieser war wohl Treberflüssigkeit aus den zahlreichen Brauhäusern der Stadt. Hiervon zeugt heute noch der bekannte Ausspruch: „Bernauer Bier und heißer Brei machen die Mark hussitenfrei“.

Panke Parkstraße Böschungsbau 1906
Böschungsbau der Panke Parkstraße 1906

Oberirdisch ist die Pankequelle nicht mehr zu finden, da das Rote Feld in den letzten Jahrhunderten mehrere Meter aufgeschüttet wurde. Rings um die Quelle befinden sich frühzeitliche Jagdplätze, auf denen sich heute noch Feuersteinwerkzeuge finden lassen. Erst in der Nähe der Bundesstraße 2 fließt die Panke wieder oberirdisch, nach etwa zwei Dritteln ihres Verlaufes erreicht sie Pankow. Der heutige Verlauf zwischen den Pankower Karpfenteichen und Wedding ist nicht mehr der ursprüngliche.

Panke Schlosspark

Panke im Schlosspark 2014

Im 13. Jahrhundert legte Kurfürst Johann Cicero einen künstlichen Graben an. Damit schuf er eine Insel für seinen Vogelherd. Parallel zur Panke verläuft die Parkstraße. Hier steht die „Herz Jesu Kapelle“ auf einem kleinen Hügel zwischen Straße und Panke. Bei dem kleinen Hügel handelt es sich um die Reste des slawischen Walls Pankow. Bei Bauarbeiten an der Kapelle wurde ein Eisschrank entdeckt. In der slawischen Übersetzung heißt „Pan“- Herr und „kow“- hain, also Herren-Hain. Von Bernau bis Pankow sind heute noch Urnenfelder und Opferhaine erhalten geblieben. An Absenkungen der westlichen Umfassungsmauer des alten Krankenhaus Pankow lässt sich noch der ursprüngliche Verlauf der Panke erahnen. Bei Erdarbeiten zum Bau des alten Krankenhauses stieß man auf einige Opfergaben vermutlich aus dem 9. bis 11. Jahrhundert, ebenso wie in Berlin-Buch, wo ein ganzer Bronzehortfund entdeckt wurde, Schwerter verschiedener Typen, Lanzenspitzen und vieles mehr. In älteren Aufzeichnungen wird davon berichtet, dass die Panke im Schlosspark von königlichen Gästen mit Gondeln befahren wurde.

Panke Schlosspark

Königlicher Wasserfall im Schlosspark 1900

Im 16. Jahrhundert stand im jetzigen Bürgerpark eine Papiermühle, im 19. Jahrhundert wurde sie durch ein Pankehochwasser zerstört. Auf Höhe der Ossietzkystraße befand sich zur Jahrhundertwende eine beliebte Badestelle. Auch im nordwestlichen Teil des Bürgerparks, hinter der Vogelvoliere, konnte bis 1925 gebadet werden.

Panke Bürgerpark

Panke Bürgerpark 2014

Im 16. Jahrhundert war die Panke noch so tief, dass der Legende nach der „Raubritter und Pankgraf Udo mit der gespaltenen Klaue“ in ihr ertrunken sein soll. Einst mündete die Panke nach ca. 30 km in die Spree. Hiervon zeugt heute noch das schwarze Loch in der Ufermauer vor dem Berliner Ensemble. Nach ihrem umgestalteten Verlauf fließt die Panke, nachdem sie Pankow verlassen hat, nur noch als Grenzfluss zwischen Wedding und Mitte in den Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal.

Autor: Christian Bormann, 20.06.2014
Technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger

Quellen:
Pankow im Wandel der Geschichte/Bebra Verlag
Sagen und Geschichten aus dem Norden Berlins/Barbara Keil
Pankow Chronik eines Berliner Stadtbezirks/Rat des Stadtbezirks Berlin Pankow
Archivbilder Berlin Pankow/Sutton Verlag
Berliner Ur & Früh Geschichte/Märkisches Museum Berlin

Bolle reiste jüngst zu Pfingsten, – Wer war Bolle?

„Bolle reiste jüngst…“
Wer war „Bolle“ eines der bekanntesten Berliner Volkslieder besingt „Bolle“. „Bolle“ als echte Person gab es nicht.

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historische Bolle-Postkarte aus Pankow

Der Name steht vielmehr für den typischen Berliner, der nach harter Arbeit werktags oder am Wochenende sein Vergnügen in Pankow suchte. Durch Vorstadtwagen und Kremserfahrten, nicht zuletzt auch durch seine gute Luft, war Pankow im 19. Jahrhundert einer der beliebtesten Berliner Ausflugsorte. In der Schönholzer Heide sowie in unzähligen Schankstuben, Biergärten, Badeanstalten und Theatern, tobte der „Berliner Mob“. So auch besungen im Lied, „Bolle reiste jüngst …“ Das „Bollelied“ gibt es in einigen verschiedenen Varianten.

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Bollezeichnung von Christian Badel für pankowerchronik de 2017

Liedtext:

Bolle reiste jüngst zu Pfingsten

Bolle reiste jüngst zu Pfingsten, Pankow war sein Ziel.
Da verlor er seinen Jüngsten janz plötzlich im Jewühl.
‚Ne volle halbe Stunde hat er nach ihm jespürt.
Aber dennoch hat sich Bolle janz köstlich amüsiert.

In Pankow jab’s keen Essen, in Pankow jab’s keen Bier.
War allet uffjefressen von fremden Leuten hier.
Nich‘ ma‘ ’ne Butterstulle hat man ihm reserviert!
Aber dennoch hat sich Bolle janz köstlich amüsiert.

Auf der Schönholzer Heide, da jab’s ’ne Keilerei,
Und Bolle jar nich‘ feige, war mittenmang dabei,
Hat’s Messer raus jezogen, und Fünfe massakriert.
Aber dennoch hat sich Bolle janz köstlich amüsiert.

Es fing schon an zu tagen, als er sein Heim erblickt.
Das Hemd war ohne Kragen, das Nasenbein zerknickt.
Das linke Auge fehlte, das rechte marmoriert.
Aber dennoch hat sich Bolle janz köstlich amüsiert.

Als er nach Haus jekommen, da ging’s ihm aber schlecht.
Da hat ihm seine Olle janz mörderisch verdrescht!
Ne volle halbe Stunde, hat sie auf ihm poliert.
Aber dennoch hat sich Bolle janz köstlich amüsiert.

Und Bolle wollte Sterben, er hat sich’s überlegt:
Er hat sich uff die Schienen der Kleinbahn druffjelegt.
Die Kleinbahn hat Verspätung, und vierzehn Tage druff,
Da fand man unseren Bolle als Dörrjemüse uff.

Geschichte: Bolle, Badel und Bormann

Autor: Christian Bormann, 18.06.2014

Zeichnung: Christian Badel – www.kikifax.de

Technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 25.01.2016

Quelle: mündliche Überlieferung Wikipedia

Die Sage vom Katzenbuckel im Schlosspark

Wer in Pankow groß geworden ist, kennt den „Katzenbuckel“ im Schlosspark. Inmitten alter Kastanien erhebt sich ein kleiner Hügel zwischen Panke und großer Liegewiese, von den Pankowern liebevoll „Katzenbuckel“ genannt.

Katzenbuckel Pankow Schlossparl

Eine alte nordberliner Sage erzählt davon, dass es sich um das Ehrengrab des „Schimmels von Mollwitz“ handelt. Am 10. April 1741 hatte das Pferd mit seiner Schnelligkeit dem noch jungen und unerfahrenen König Friedrich II. in der Schlacht nahe dem schlesischen Dorf Mollwitz das Leben gerettet. Friedrich II. sendete seinen Adjutanten mit dem Pferd zurück nach Schloss Schönhausen, wo er seiner Gemahlin Elisabeth Christine ausrichten ließ, dass die Schlacht gewonnen und er unversehrt sei. Fortan erhielt der Schimmel sein Gnadenbrot, bis das Tier schließlich starb. Die Königin Elisabeth soll das Pferd an der Stelle unweit des Schlosses begraben haben, wo heute noch der „Katzenbuckel“ ist.

Autor: Christian Bormann, 10.06.2014
Technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung, Martina Krüger, 25.01.2016

Quelle: mündliche Überlieferung

Wie die Teufelsbrücke im Bürgerpark ihren Namen bekam

Wer den Bürgerpark Pankow schon einmal besucht hat, der kennt die Brücke südlich der großen Wiese, die zwei künstliche Felsen miteinander verbindet.

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Teufelsbrücke 2017

Nur die wenigsten kennen die Geschichte der Namensgebung. Wo heute ein Ziegengehege zu sehen ist, war ursprünglich ein Goldfischteich. Auf dem zu DDR-Zeiten zugeschütteten Goldfischteich weidete zunächst Rotwild, heute sind hier Bergziegen zu sehen.

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Teufelsbrücke 1915

Als die Ratsherren den Bau der Brücke beschlossen und ausschrieben, gehörte zu den Bewerbern ein junger Baumeister, der sich gerade erst selbstständig gemacht hatte. Weder hatte er Referenzen noch gehörte er zu den Alteingesessenen, was seine Chance den Auftrag zu erhalten fast aussichtslos machte.

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Teufelsbrücke 1920

Der junge Baumeister brauchte dringend Geld, um seine Verlobte heiraten zu können. In seiner Not bekam er Besuch vom Teufel. Der bot ihm sogleich einen Handel an. Der junge Baumeister erhielt den Auftrag zum Bau der Brücke. Den Besuch des Teufels verdrängte er aber als schlechten Traum.

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Teufelsbrücke 1950

Doch kurz vor Fertigstellung der Brücke, erschien der Teufel abermals. Er erinnerte an den mit ihm geschlossenen Vertrag und forderte den jungen Baumeister auf, das Brückengeländer lose zu befestigen. Entsetzt erkannte der die List des Teufels. Jetzt musste ein Plan her den Teufel auszutricksen.

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Bürgerpark Tor 2016

Am Tag der feierlichen Brückeneröffnung versammelten sich die Ratsherren auf der Brücke. Als der Teufel daraufhin im Teich die Goldfische tanzen ließ, wollte einer der Ratsherren sich gerade über das lose Geländer beugen, als vom Bürgerpark Tor Marschmusik und eine Blaskapelle ertönten. Diese führte der junge Baumeister an. Die Musik zog das Interesse der Ratsherren sofort auf sich. Ausgelassen und fröhlich spielte die Kapelle auf der großen Wiese bis in die Morgenstunden. Am Tag darauf befestigte der junge Baumeister das lose Geländer sofort.

Vom Teufel, den er so ausgetrickst hatte, hörte er nie wieder.

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Luftbild Teufelsbrücke 2017

Es war die Idee des dem Allgemeinwohl zugewandten Arztes Prof. Emanuel Mendel, den Bürgerpark für die Gemeinde zu erhalten. Begeistert von der Idee gelang es dem Bürgermeister Wilhelm Kuhr und der Gemeinde Pankow, das Grundstück 1907 für 1,5 Millionen Mark zu kaufen. Die auf dem Gelände befindlichen zwei Hügel wurden 1910 mit der Teufelsbrücke verbunden. Im Laufe eines Jahrhunderts wurde die Brücke mehrmals wieder aus neuem Baumaterial aufgebaut.

Autor: Christian Bormann, 02.06.2014
Technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 25.01.2016/23.02.2017

Bilder: Andreas Hennig / andyART (1) Christian Bormann

Luftbild: Guido Kunze