Schlagwort-Archive: Christian Bormann

Parfümfabrik W. Reichert Pankow

Zum Wandel vom Dorf Pankow zum wohlhabenden Vorstadtbezirk trugen nicht nur Größen wie die Borsig Elektrizitätswerke bei. Eine Vielzahl kleinerer Unternehmen und Fabriken leistete einen nicht unerheblichen Beitrag zu dieser Entwicklung. Neben der Berliner Wagenachsenfabrik und der Karosseriefabrik der Gebrüder Wienicke hatten auch kosmetische Chemiefabriken und Hersteller orthopädischer Artikel ihren Anteil am Wohlstand von Pankow.

Reklame,E.Reichert's Rosaderma

Zu jenen Vorzeigeunternehmen des 19. Jahrhunderts gehörte ab 1884 auch die Parfümfabrik W. Reichert in der Schulzestraße 29-34. Beliebte Artikel waren „Reichert’s Rose-Pon-Pon“, „Rosaderma“ und „Carneval-Schminken“.

Reklame,E.Reichert's Rosaderma

Die Fabrik zog 1917 in die Berliner Straße 16 um. In den 20er Jahren gehörte das Feinmachen der Damen zum guten Ton. Zahlreiche Tanz-Bälle und Festlichkeiten, wie sie gerade für Pankow bekannt waren, boten Gelegenheit, sich vom Alltag abzulenken.

Reklame,E.Reichert's Carneval-Schmiken

Reicherts Schminken und Puder waren in aller Munde.
Ab 1936 wechselte die Fabrik erneut ihren Standort. W. Reicherts Parfümfabrik arbeitete fortan in der Bornholmer Straße 7 weiter.

Reklame W.Reichert's Pankow Rosaderma Hautcréme

Autor: Christian Bormann 28.12.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 30.03.2016

Filmpionier Max Skladanowsky

Der am 30. April 1836 als viertes von fünf Kindern in Berlin-Pankow geborene Max Skladanowsky war der Sohn von Carl Theodor und Luise Auguste Ernestine Skladanowsky. Seine Ausbildung zum Fotografen und Glasmaler begann er 1877 in der Schönhauser Straße 24 im Atelier Werner sowie in der Schönhauser Allee 28. Der Vater Carl gründete 1879 mit seinen Söhnen Max und Emil eine Produktionsfirma für bewegte Nebelbilder. Ab 18. November 1879 gingen Max Skladanowsky und Vater Carl auf Tournee. Nachdem sich ihr Vater zurückzog, führten Max und Emil die Firma weiter.

Max Skladanowski

Die bis dahin erreichte Qualität der Nebelbilder genügte Max Skladanowsky nicht. Auch war die Konkurrenz sehr groß. Als Resultat seiner ersten Experimente entstand seine erste Filmkamera und in Folge ein Projektionsapparat. Das Bioskop war geboren.

Max Skladanowsky mit Bioscop 1

Ab 1. November 1895 zeigte Skladanowsky 4 Wochen lang seine Kurzfilme im Varieté Wintergarten Berlin. Der bekannteste Kurzfilm war „Das Boxende Känguru“. Im Anschluss gingen Max und Emil gemeinsam auf Tournee durch Deutschland und Nordeuropa. Inzwischen hatten die Brüder Lumiére ein technisch überlegenden Apparat entwickelt, den Cinematographe. Es gelang Max Skladanowsy zwar sein Bioscop zu verbessern, es hieß jetzt Bioscop 2, jedoch fehlten ihm die finanziellen Mittel um Schritt zu halten.

Biskop 2

Schon 1897 zog er sich aus dem Geschäft der bewegten Bilder zurück. Nach der letzten gemeinsamen Vorführung der beiden Brüder 1897 in Stettin trennten sich ihre Wege. Emil ging mit der Wandeldekoration und dem Wasserschauspiel weiter auf Tournee und Max widmete sich dem Vertrieb von Daumenkinos, Fotos und dreidimensionalen Bildern.

Daumenkino Max Skladanowsky

Um die Urheberschaft des Bioscops gab es in den Folgejahren Auseinandersetzungen zwischen den Brüdern. Erst 1930 entschied die Urheberschaftskammer in Berlin zu Gunsten von Max Skladanowsky. Fortan kämpfte er um Anerkennung als Filmpionier. Er behauptete, bereits 1882 die erste Filmkamera gebaut zu haben. Durch das vordatieren seiner Erfindungen wurde seine Glaubwürdigkeit schwer in Mitleidenschaft gezogen.

Wohnhaus von Max Skladanowsky Waldstraße 28

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten hoffte er, mit deren Hilfe als Erfinder des Film anerkannt zu werden, aber auch die NS-Propaganda wusste es besser. Versöhnung fand Skladanowsy als er in den 1930 er Jahren mit seinen inzwischen historisch gewordenen Filmen noch einmal auf Tournee gehen konnte. Leidenschaftlich gern fotografierte er seinen Heimatort. So haben wir ihm heute unzählige historische Fotos und Postkartenmotive von Pankow und sein Nachbardörfern zu verdanken.

Pflaster in der Berliner Straße in Pankow

Heute erinnern in Pankow noch eine gepflasterte Gehwegeinlassung in der Berliner Straße vor dem ehemaligen Kino Tivoli in dem sich der Skladanowskisaal befand an ihn. An seinem langjährigen Wohnhaus in der Waldowstraße 28 hängt eine Ehrengedenktafel. Bereits 1951 wurde die Pankower Wrangelstraße in Skladanowskystraße umbenannt. Max Skladanowsky starb am 30. November 1939. Sein Grab befindet sich auf dem Niederschönhausener Friedhof IV in der Buchholzer Straße.

Grab von Max Skladanowsky Niederschönhausen

Autor: Christian Bormann, 27.12.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 30.03.2016

Die Muskete von Schönholz

An einem Sonntag im Juni 2014 zog es uns mal wieder in die Schönholzer Heide. An diesem Tag hatten wir vor, uns die verbliebenen Baumbestände der Heide etwas genauer anzuschauen.

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Muskete v. Schönholz 05.02.18 bei ZIBB RBB

Vor einiger Zeit waren uns Einritzungen in den Baumrinden aufgefallen. Zwischen zahlreichen Herzen und Liebesbekundungen, die Pankower hier in den letzten 40 Jahren hinterließen, suchten wir die Hinterlassenschafften von Zwangsarbeitern und Soldaten aus den 40er und 50er Jahren.

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Jungfernheide und Schönhauser Fichten um 1800

Es hatte den ganzen Vormittag geregnet, und wir konnten kaum etwas an den Bäumen erkennen, bis wir nach 20 Minuten im wahrsten Sinne des Wortes über ein Stück Rohr, das aus der Erde ragte stolperten. Die achteckige Form hatte unser Interesse geweckt. Behutsam zogen wir das Rohr aus dem Boden und trauten unseren Augen kaum. Es war eine Muskete. Nach einigen Recherchen wandten wir uns an das Märkische Museum.

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Muskete / Jägerstutzen

Unser Bodenfund wurde als Radschloss-Muskete, ein sogenannter Jägerstutzen Baujahr 1640 identifiziert. Die Vermutung liegt nahe, dass die Muskete entweder zur Jagd oder im 30-jährigen Krieg zum Einsatz kam. Im 17. Jahrhundert hieß die Schönholzer Heide noch Schönhauser Fichten und erstreckte sich vom heutigen Bürgerpark bis zur Jungfernheide.

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Weg zum Hohenzollern Berg 2014

Als nächstes kontaktierten wir das Museum Pankow. Zwei Tage später übergaben wir Herrn Bernt Roder, dem Leiter des Museums, unser Fundstück. Die Radschloss Muskete ist nun Teil der Sammlung.

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Fundstück in der Datenbank als Jägerstutzen

Nachtrag: vom 05.März 2017

Das Fundstück ist heute unter der Bezeichnung Jägerstutzen in der Online-Datenbank des Museums zu finden. Ich selbst fand sie nicht in der Museumsdatenbank. Es war Frau Mach vom Freundeskreis der Chronik Pankow.

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Datenbank Museumsverbund Pankow

Der Muskete sollte dieses Jahr gleich in 2 Ausstellungen gezeigt werden. Aus diesem Anlass hatte der Freundeskreis der Chronik Pankow die Spur aufgenommen. Mir wurde berichtet, dass die Muskete noch dieses Jahr als Jägerstutzen Teil einer Ausstellung ist.

Autor: Christian Bormann 26.12.2014 / 05.03.2017

Bilder: Christian Bormann, Museumsverbund Pankow / Datenbank

technische Leitung: Nadine Kreimeier

red.Bearbeitung: Martina Krüger, 05.03.2017

Baron Theodor Hermann Killisch von Horn

Der Jurist und Zeitungsgründer wurde am 15.07.1821 als drittes von sechzehn Kindern in Bromberg geboren. Als Sohn eines Kanzleirates studierte er 1843 bis 1849 Philosophie mit Schwerpunkt Jura in Berlin. Während seines Studium schrieb er bereits für die „Vossische Zeitung“ und fand schnell Anschluss an politische Kreise.

Baron Theodor Hermann Killisch von Horn

Nach seinem Studium arbeitete er als Doktor der Rechte am Berliner Stadtgericht. Sein Vermögen machte er vermutlich mit Börsenspekulationen. Reichtum reichte im 19. Jahrhundert nicht um in „Höhere Kreise“ aufzusteigen, daher ließ er sich 1852 durch Friedrich Otto von Horn adoptieren. Mit der Kaufmannstochter Marie Antoni Weigel zeugte er sieben Kinder.

Baron Killisch von Horn mit seinem Kind

Sein beliebtestes Kind jedoch war die von ihm im Jahr 1855 gegründete „Berliner Börsen Zeitung“. In einer Zeitgenössischen Darstellung wird Theodor Hermann Killisch von Horn auf einem Stuhl sitzend gezeigt, wie er seiner Börsen Zeitung, karikiert mit einem Säuglingskopf das Fläschchen gibt. Den meisten Pankowern ist der Baron als Erbauer des Killisch-von-Horn-Park, heute als Bürgerpark bekannt.

Herrenhaus des Baron Killisch von Horn mit Rosenpavillon im Bürgerpark/Killisch von Horn Park

Im Jahr 1856 kaufte er eine alte Papiermühle der Familie Kühn mit Nebengelass und ließ diese zu seinem Familienwohnsitz herrichten. Das umliegende Waldstück ließ er durch den Gärtner Wilhelm Pering in einen Park im neoklassizistischen Stil umbauen. Der Killisch-von-Horn-Park war in Teilen auch der gemeinen Bevölkerung zugänglich. Das Bürgerparktor im Stil eines römischen Triumphbogens stammt auch von ihm.

Bürgerparktor des Baron Killisch von Horn

Von den unzähligen neoklassizistischen Figuren und Putten die den Park zierten, ist nach dem 2. Weltkrieg nichts geblieben. Baron Killisch von Horn starb am 23.11.1886 an seiner Zuckerkrankheit. Das Mausoleum ließ seine Frau erst 1904 bauen und ihn hierher umbetten.

Mausoleum des Baron Theodor Hermann Killisch von Horn auf dem Bürgerpark Friedhof

Die Erben der Familie Killisch waren am kostspieligen Erhalt der Parkanlage nicht interessiert. Dem Pankower Bürgermeister Wilhelm Kuhr ist es zu verdanken das der Park nicht zum Bauland wurde. Die Gemeinde Pankow kaufte 1907 den Killisch-von-Horn-Park und benannte ihn in Bürgerpark um.

Autor: Christian Bormann 23.12.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 30.03.2016

Bilder: Hintze CPS
Historische Postkarten

Das Pankower Park-Sanatorium

Der Arzt Dr. med. A. Blitz erwarb das Grundstück Breite Straße 32 am alten Dorfanger. Zuvor lag hier ein Bauerngehöft, was die enorme Größe des Grundstück erklärt. Blitz ließ 1885 ein Sanatorium mit Badehaus und Parkanlage erbauen. Die verantwortlichen Architekten waren Hugo Sonnenthal und Friedrich Kristeller. Ein architektonisches Juwel der Gründerzeit. Das Innere war im prächtigsten Jugendstil gestaltet.

Pankower Park-Sanatorium

Nächster Eigentümer war Dr. med. Rosenstock, ihm folgte sein Schwiegersohn, der Regierungsbaumeister a.D. Schmidt-Werden. Neben der modernsten technischen Ausstattung jener Zeit verfügte das Park-Sanatorium auch über ein Badehaus. Seiner Zeit verkehrten hier die Wohlhabenden, auch viele reiche Russen sollen zu Gast gewesen sein.

Speisesaal Pankower Park-Sanatorium

Zum Ende des 1. Weltkrieg lag die Wirtschaft am Boden und Gäste blieben aus. Das Sanatorium schloss 1918 seine Tore. Ein Jahr darauf zog das Finanzamt in das Gebäude. Parallel zum alten Anger direkt an der Breiten Straße stand noch ein Gebäude.

Breite Straße 32 Nervenheilanstalt/Augenklinik

Das Wohnhaus Breite Straße 32 diente ab 1885 Dr. med. Rudolf Gnauck als Kur- und Nervenheilanstalt für Frauen. Gnauck erweiterte seine Heilanstalt durch Zukauf einer Villa mit Grundstück in der Mühlenstraße.

Kur- und Nervenheilanstalt Gnauck

Auf Gnauck folgte in den 1930er Jahren der Augenarzt Willi Gutsch. In dem ehemaligen Wohnhaus Breite Straße 32 betrieb er seine Augenklinik, das Grundstück mit Villa in der Mühlenstraße wurde wieder abgetrennt und 1936 dem Maurermeister Ferdinand Schulze verkauft. Von ihm stammen auch die erhaltenen Initialen in der Gartentür.

Ehemaliges Pankower Park-Sanatorium Breite Straße 32 heute Dusekestraße

Dem Finanzamt im Park-Sanatorium folgte zu DDR-Zeiten eine Dienststelle des Stadtbezirksbauamtes und ab 1990 das Sozialamt Pankow. Nach Auszug des Sozialamts verfiel das historische Gebäude schnell. Heute wird das Gebäude der Dusekestraße zugerechnet. Es erstrahlt saniert im alten Glanz und beherbergt 24 Luxus-Eigentumswohnungen.

Autor: Christian Bormann 21.12.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 30.03.2016

Pankow und des Kaisers neue Kutschen

In der Breiten Straße 17 in Pankow war die Kutschwagenbauanstalt der Gebrüder Wienicke ansässig. Die 1869 gegründete Firma siedelte 1877 nach Pankow um, hier wurde das Geschäft von den Söhnen E. Und C. Wienicke fortgeführt.

Werbung der Kutschwagenbazanstalt Gebrüder Wienicke
Reklame Karosseriefabrik Wienicke

Ab 1907 übernahmen Hermann und Wolf Bose die Geschäfte.
Vor dem Ersten Weltkrieg wurden hier die unterschiedlichsten Fahrzeuge für den Kaiserlichen Hof gebaut. Während des Ersten Weltkrieges wurden hier die sogenannten Krümperwagen hergestellt.
Hierbei handelte es sich um Fahrzeuge, die gegen Bezahlung den berittenen Truppen zur Verfügung gestellt wurden.

Eingang der Kutschwagenbauanstalt Wienicke Breite Straße 17
Kutschwagenbauanstalt Wienicke Breite Straße

Nach 1918 war es vorbei mit dem Kutschenbau für Kaiser und Heer, die Produktion wurde auf den Bau von Automobilkarosserien umgestellt. Die Fabrik beschäftigte 1927 noch 250 Arbeiter, bevor sie 1930 ihre Tore schloss und den Betrieb einstellte.

Autor: Christian Bormann, 24.11.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 30.03.2016

Die Berliner Wagenachsen Fabrik

Die Berliner Wagenachsenfabrik in Pankow wurde 1884 von Leuthold Gieseke gegründet. Auf den Grundstücken Schulzestraße 29-34 nahm das Unternehmen von Leuthold Gieseke, später Eggebrecht und Schumann, seinen Anfang.
Haupttätigkeit war die Herstellung von Achsen und Patentachsen für Automobile und Lastkraftwagen.

Postkarte der Berliner Wagenachsenfabrik in Pankow
Reklame Berliner Wagenachsen Fabrik

Das Unternehmen gehörte damals zu den führenden Gewerbebetrieben in Pankow. Die Berliner Wagenachsenfabrik wuchs so rasant, dass der Betrieb erweitert wurde, hierzu kaufte Gieseke die Grundstücke Schulzestraße Nr. 27, 28, 32 und 33 hinzu.
Die Postkarte zeigt die Fabrik im Jahr 1895, im Hintergrund ist der alte Nordbahnhof Pankow, heute S-Bhf Wollankstraße zu sehen.

Fabrik der Berliner Wagenachsenfabrik in Berlin Pankow
Wagenachsenfabrik Schulzestraße

Vom Grundstück Schulzestraße 32 führte ein eigener Privatweg von der Fabrik zum Bahnhof. Auf dem ehemaligen Fabrikgelände steht heute ein Garagenkomplex, der zu DDR-Zeiten aufgrund der Berliner Mauer nur mit Passierschein zu betreten war.

Autor: Christian Bormann, 22.11.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 30.03.2016

Der verbotene Pankower Adler

Zur Einweihung des Rathaus Pankow am 18. April 1903 krönte ein prächtiger preußischer Adler das Gebäude, hoch oben breitete er seine mächtigen Schwingen über Pankow aus. Es finden sich auch Quellen, in denen er als Brandenburger Adler beschrieben wird.

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Nachbildung des Rathausadlers

Die Gebäudespitze des Rathaus ist heute noch mit einer Reichskrone geschmückt. Der preußische Adler hingegen überstand den 2. Weltkrieg nicht. Offiziell heißt es, dass er eingeschmolzen wurde.

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Rathaus Pankow mit Adler 1906

Andere Quellen legen nahe das es eine sowjetische Spezialeinheit war mit dem Auftrag Wert- und Kunstgegenständen als Reparation zu beschlagnahmen.

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Gipsmodel der Adlerkopie

Bei der Umgestaltung der Rathausfassade zur sowjetischen Kommandantur wurde er von seiner Sandsteinkugel heruntergebrochen.

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Turmspitze mit preußischer Reichskrone 2017

Das Rathaus Pankow wurde mehrmals restauriert, aber an der Wiederherstellung eines preußischen Adlers war die DDR-Führung nicht interessiert.

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Sowjetische Kommandantur ohne Adler 1950

Erst 1989, als der rote Anstrich Ostdeutschlands blätterte, wurde eine Kopie des Adlers hergestellt. Der Künstler Achim Kühn fertigte die Kupferarbeit an.

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Ehem. Hochsitz der Adlerfigur 2017

Zum 100-jährigen Geburtstag des Rathauses wurde der preußische Aar, wie er auch genannt wird, vom 29. April bis zum 26. Oktober 2003 in der Empfangshalle des Rathauses ausgestellt.

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Sicht auf die Sandsteinkugel und den Anker des Adlers

Angeblich wegen Differenzen zwischen Auftraggeber und Künstler scheiterte der Versuch, den Adler wieder auf seinen angestammten Platz zu setzen.

Vielen Dank für die Unterstützung durch das BA Pankow.

Autor: Christian Bormann,12.11.2014, 19.11.2017

technische Leitung: Nadine Kreimeier

Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 30.03.2016

Bilder: Christian Bormann, Ivonne Hempler, Guido Kunze, Pressestelle BA Pankow, Berlin.de,

Der Pankower Stadtkassenschein

Am 9.September 1921 gibt die Stadt Berlin 20 Stadtkassenscheine aus. Im Rahmen der Notgeldverordnung entstehen zwanzig 50 Pfennig Scheine. Die Vorderseite zeigt links den stilisierten Berliner Wappenbär und die Wertangabe 50 Pfennig. Mittig die Aufschrift „Stadtkassenschein Berlin 9.September 1921 Magistrat der Reichshauptstadt“. Darunter die Unterschriften von Berlins Bürgermeister Gustav Böß sowie dem Stadtkämmerer Ernst Karding. Rechts ist das Wasserzeichen zu sehen.

Notgeld Berlin
Stadtkassenschein 9.9.1921

Die zwanzig auf der Rückseite verschieden gestalteten Serienscheine zeigen jeweils ein Bild zu jedem der damaligen Bezirke. Bezirk 19 ist Pankow. Auf der Rückseite des Kassenscheins ist ein Gehöft in Pankow um 1770 abgebildet.

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Ansicht Gehöft Pankow

Bezirk 18 ist Weißensee, auf der Abbildung ist ein Ausschnitt zu sehen „Weißensee um 1800“.

Notgeld Berlin
Weißensee um 1800

Bezirk 4 ist Prenzlauer Berg auf dem Schein ist der Mühlberg vor dem Prenzlauer Tor abgebildet.

Stadtkassenschein
Mühlberg vor dem Prenzlauer Berg

Auf den anderen Rückseiten der Kassenscheine sind Mitte – „Berliner Rathaus um 1819“, Tiergarten – „Erstes Dampfschiff Linie Zelten/Charlottenburg“, Wedding – „Gesundbrunnen im Jahre 1760“, Friedrichshain – „Überfahrt zum Stralauer Fischzug um 1825“, Kreuzberg – „Das Hallesche Tor im Jahre 1845“, Charlottenburg – „Die Berliner Straße um 1820“, Spandau – „Spandau um 1800“, Wilmersdorf – „Jagdschloss erbaut im 16.Jahrhundert“, Zehlendorf – „Kirche in Dahlem“, Schöneberg – „Dorf um 1820“, Steglitz – „Frühere Kirche von Steglitz aus dem 13.Jahrhundert“, Neukölln – „Das Dorf Rixdorf um 1820“, Treptow – „Gasthaus in Treptow um 1820“, Lichtenberg – „Lichtenberg um 1790“, sowie Reinickendorf mit der „Mühle in Tegel um 1800“ abgebildet.

Autor: Christian Bormann,   .11.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier

Bildquelle: Christian Bormann

Der Mauerfriedhof Pankow Brehmestraße

Nach dem Fall der Mauer 1989 wurde Mitte Juni 1990 mit dem Abriss begonnen.
Die Grenztruppen waren damals völlig überfordert mit der gewaltigen Aufgabe.
Karl-Heinz Goldschmid hörte vom Aufruf zur Unterstützung. Der gelernte Ingenieur war zuvor Mitarbeiter des Staatseigenen Schuttentsorgungsbetrieb „Modernisierung Pankow“. In seinem eigenen Kiez wollte er anfangen. Im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft „Recycling Grenzanlagen“, ausgeführt von der Bundeswehr, öffnete Goldschmid den Grenzübergang Pankow Wollankstraße.

Grenzübergang
Grenzübergang Wollankstraße 1990

Der offizielle Abriss der Innerdeutschen Staatsgrenze beginnt am 13. Juni 1990 Bernauer-/ Ecke Ackerstraße. In der Pankower Brehmestraße, auf dem ehemaligen Sperrgebiet, befand sich der Sammelpunkt.

Sperrgebiet
Todesstreifen Innerdeutsche Grenze Brehmestraße 1985

Hier wartete das grüne Ungeheuer auf die Mauerteile. Das grüne „Ungeheuer“ war ein riesiger Schlagwalzenbrecher, eine Spezialanfertigung eigens für die Aufgabe, die Mauer zu zermalmen. Karl-Heinz Goldschmid war jetzt Herr über das Ungeheuer und den Pankower Mauerfriedhof.

Mauerfriedhof
Mauerfriedhof Brehmestraße 1991

Am 21. März nahm das Ungeheuer seine Arbeit auf, 11 Stunden zermalmt es täglich 140 LKW Ladungen mit 15000 Tonnen Beton. Fast zwei Jahre lang frisst sich der Schlagwalzenbrecher durch 155 km stahlbewehrten Beton.Die Bruchstücke kamen in eine Prallmühle und wurden zu Staub.
Anwohner der Brehmestraße erinnern sich noch gut. Wer sein Mittagessen bei offenem Fenster einnahm, hatte wortwörtlich den Staub der Geschichte zwischen den Zähnen. Das feine Betonmaterial wurde zum größten Teil für den Ausbau der Autobahn Richtung Buch verwendet.

Mauerreste
Mauerfriedhof zwischen Dolomitenstraße und Brehmestraße 1991

Etwa 500 Mauerteile wurden in die ganze Welt verkauft oder verschenkt. Als Kinder spielten wir fast täglich auf dem Mauerfriedhof. Betonsegmente von Wachtürmen und Mauer stapelten sich zu Bergen unterbrochen von Förderbändern Baggern und Bauwagen. Aber auch Touristen und Kamerateams aus der ganzen Welt zog der Mauerfriedhof an. Jeder wollte damals sehen wie die Mauer zu Staub zerfällt.
Nachdem das Werk vollbracht war wurde das grüne Ungeheuer 1993 abgeschaltet und ein kleines Kapitel deutscher Geschichte geschlossen.

Autor: Christian Bormann, 05.11.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 10.04.2016

Bilder: Nick Nac, Christian Bormann
Hintze CPS