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Das vergessene Kaisergrab in Buchholz

Schon vor dem Ende des 19. Jahrhunderts florierte in Pankow das Vereinswesen. Beispielhaft hierfür ist der Gründer und 1. Präsident des 1. FC Bayern München, Franz John. Der Pankower Fotograf aus der Kreuzstraße war keine Ausnahme.

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Vorplatz der Kirche in Buchholz 2017

Auch in Buchholz existierten um 1890 zahlreiche Vereine. Zu den einflussreichsten Gesellschaften gehörten oft die Schützenvereine. So hatte der Buchholzer Schützenverein sein Heim zentral am Dorfplatz neben der Kirche.

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Kaiserdenkmal Buchholz 1914

Ein weiterer war der Männerturnverein Buchholz. Dieser war es auch, der auf die Idee kam, auf dem Kirchenvorplatz ein Denkmal für Kaiser Wilhelm I. errichten zu lassen. Kaiser Wilhelm I. war ab 1861 König von Preußen und ab 1871 Kaiser von Deutschland.

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Kaiserdenkmal Wilhelm I. Buchholz 1904

Gesagt getan, im Handumdrehen hatten die Vereinsmitglieder einen nicht unerheblichen Spendenbeitrag aufgebracht. Und so lud die Gemeinde Buchholz schon am 22. März 1897 zur Einweihungsfeier auf den Kirchenvorplatz.

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Kaiserdenkmal Buchholz 1914

Nach dem 1. Weltkrieg hatten die Deutschen genug vom Kaisertum. Nach 23 Jahren sollte Wilhelm vom Dorfplatz verschwinden. Das gesamte prächtige Kaiserdenkmal wurde 1920 abgetragen und an Ort und Stelle vergraben. Bis heute ruht das Denkmal knappe 2 Meter unter seinem einstigen Standort und wartet auf seine Wiederentdeckung.

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Die Kirche aus der Luft, 2018

Buchholz Kirche 360° Panorama

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Autor: Christian Bormann, 01.10.2017

red.Bearbeitung: Martina Krüger, 01.10.2017

Luftbild: Guido Kunze, 09.02.2018

Fotos: Christian Bormann, historische Postkarten, Freundeskreis der Chronik Pankow e.V (1)

Mörder und Verrückte im Gefängnis Buchholz

Die Geschichte des Buchholzer Gefängnisses beginnt 1874 mit einem kleinen Häuschen an der Berliner Straße. Erbaut hatte es der Grundstücksbesitzer Putzval in der Berliner Straße 24.

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Berliner Straße Ecke Schönhauser Straße 1914

Putzval ließ zu gewerblichen Zwecken 1879 ein weitaus größeres Gebäude längs der Berliner Straße errichten. Bis zur Errichtung verband eine kleine Gasse die Schönhauser Straße und die Berliner Straße, bevor beide aufeinander trafen.

Amtshaus Buchholz mit Sparkasse in den 1960er Jahren

Der längs errichtete Gewerbebau beherbergte ein Lokal, danach ein Erholungsheim. Keines der Gewerke trug sich wirtschaftlich. Putzval gab auf und verkaufte das Grundstück an die Gemeinde.

Altes Amtshaus als Nachbarschaftszentrum 2017

Die Gemeinde Buchholz ließ das Gebäude umbauen und richtete ein Amtshaus ein. Links in der Gebäudefassade ist noch die zugemauerte Toreinfahrt zu sehen. Vom Tor aus ging es in das Hofgebäude, in dem sich das kleine Gefängnis befand. Der Herkuleskopf über dem Portal, der eine Löwenhaut über den Kopf gezogen und Tatzen auf der Brust trägt, geht noch auf die Polizeistelle zurück.

zugemauerte Gefängniseinfahrt

Der inzwischen historische Treppenaufgang ist nicht original. Der Eingang ist zwar an seiner einstigen Stelle, jedoch betraten Besucher des Amtshauses den Vorgarten über die Durchfahrt und kamen über eine Balustrade ins Haus.

ehem. Gefängnis Buchholz

Bis auf die zugemauerte Einfahrt sind das Hofgebäude und der gepflasterte Hof noch erhalten. Auch die einstige Gasse, die beide Straßen verband, ist noch als rückwärtige Hofeinfahrt von der Schönhauser Straße erhalten.

Max Rieger Meistertür Schutzraumklappe 1936

Im ehem. Amtshaus war auch die Polizeiwache und das kleine Gefängnis. Der Polizeibezirk Buchholz war 1870 bis 1920 für die Gemeinden Blankenburg, Heinersdorf, Summt, Mühlenbeck und Schönerlinde zuständig.

Luftschutz Max Rieger Wilmersdorf 1936

Die Ordnungshüter waren nicht zu beneiden, für das gesamte Gebiet standen dem Gemeindevorsteher Schulze gerade eine handvoll Männer zur Seite. Es waren der Gemeindeschöffe A. Steeger, Wachtmeister Kramer, Polizeisergeant Steinhoff und der Nachtwächter und Totengräber Grün. Grün selbst wohnte im Hofgebäude des Amtshauses.

Kunst und Bauschlosserei Max Rieger 1936

Einige Geschichten über die Zelleninsassen erzählen sich Pankower heute noch. Eine Verrückte, die der Anstalt Herzberge entlaufen war, konnte vom Gendarmen aufgegriffen werden. Als die Frau in das Amtshaus eingeliefert wurde, erblickte sie den Sergeant Steinhoff in seiner schniecken Uniform.

Keller mit Gittertür zum Hofgebäude 2017

Die Gemütskranke glaubte, in ihm ihren Ehegatten zu erkennen. In ihrer Manie stürzte sie sich auf den Sergeant. Dem Polizist blieb nichts weiter übrig, als mit seiner vermeintlichen Braut im Hof auf und ab zu laufen bis das herbeigeeilte Anstaltspersonal die Frau abholte und ihn aus seiner misslichen Lage befreite.

Luftschutztür im Keller zum Nachbarhaus des ehem. Amtshaus

Am Aufsehen erregendsten waren wohl die jugendlichen Mörder, 20 und 25 Jahre alt. Ihr Opfer war der Landwirt und Fuhrunternehmer Otto Mützelburg aus Zerpenschleuse. Die jungen Männer witterten fette Beute, als der Landwirt auf seiner Rückfahrt aus Berlin die Schönerlinder Chaussee passierte. Und in der Tat, Mützelburg hatte gut Kasse gemacht, jedoch den größten Teil der Einnahmen unter der Leibwäsche versteckt. Als er am 29. Oktober 1892 ausgeraubt wurde, fanden die Diebe nur ein Säckchen mit Handgeld.

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Pankow Schönerlinder Chaussee

Das Fuhrwerk und der Leichnam wurden am nächsten Morgen entdeckt. Schnell konnten die Mörder überführt werden. Einer von ihnen war Mützelburgs Kutscher Kühn der andere hieß Hahn. Nach wenigen Tagen im Buchholzer Gefängnis war der Prozess beendet, Kühn wurde hingerichtet und Hahn gelang die Flucht. Wenig später wurde Hahn bei einem Diebstahl erwischt und erkannt. Er erhängte sich selbst in seiner Zelle im Untersuchungsgefängnis.

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ehem. Gasse heute rückwärtige Hofeinfahrt Schönhauser Straße

Nach der Eingemeindung von Buchholz nach Berlin 1920 wurde das Amtshaus städtisches Verwaltungsgebäude. Das Bezirksamt richtete hier eine Ortsteilamtsstelle mit Steuer-, Standes- und Wohlfahrtsamt ein. Aus dieser Zeit stammen die Luftschutzeinrichtungen, die Kellerklappen links vom Aufgang sind von Max Rieger Wilmersdorf laut Katalog 1936. Die Luftschutztür im Keller zum Nachbarhaus stammt wohl von 1934. Die Gittertüren im Keller im Haus und die Fenstergitter rings herum haben nichts mit dem kleinen ehem. Amtsgefängnis zu tun, sie gehen auf die Stadtsparkasse Berlin zurück.

Autor: Christian Bormann, 08.07.2017

red.Bearbeitung: Martina Krüger, 08.07.2017

Bilder: Christian Bormann, alte Ansichtskarten

Heinz Rühmann – Der Eiserne Gustav in Buchholz

Heinz Rühmann spielte 1958 eine seiner Glanzrollen als Gustav Hartmann, den alle nur den „Eisernen Gustav“ nannten. Gustav war der letzte Droschkenkutscher Berlins. Ende der 1920er Jahre eroberten die Automobil-Taxis die Stadt, doch Gustav hielt eisern an seiner Kutsche fest.

Heinz Rühmann, pankowerchronik.blog.de
Zeitungscover 1958 „Der Eiserne Gustav“

Als er schließlich zu verarmen drohte, wollte seine Familie ihn entmündigen lassen. Der strenge und in sich gekehrte Gustav ging noch einmal auf große Fahrt. Einmal Berlin – Paris und zurück. Ein pfiffiger Reporter begleitete ihn.

Heinz Rühmann, Chronik Pankow
Heinz Rühmann im Film vor der Buchholzer Kirche

Zurück in der Heimat, war der „Eiserne Gustav“ eine Berühmtheit. Die Erfahrungen seiner Reise hatten auch seinen Charakter verändert. Und so versöhnte sich Gustav wieder mit seiner Familie.

Heinz Rühmann
Filmausschnitt „Der Eiserne Gustav“ vor der Buchholzer Kirche

In Buchholz erinnert heute noch das Restaurant „Zum eisernen Gustav“ an die Dreharbeiten zum Film. Neben der Buchholzer Kirche die als Filmkulisse diente wurden auch Szenen im heutigen Restaurant „Zum eisernen Gustav“ aufgenommen.

Autor: Christian Bormann
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 30.03.2016

Die Meilensteine von Buchholz

In Buchholz sind bis heute noch zwei Meilensteine erhalten. Nach kursächsischem Vorbild errichteten die Preußen Anfang des 18. Jahrhunderts ein System von Meilensteinen für die Wege der Postkutschen. So ließen sich Porto und die Gebühren für die Personenbeförderung errechnen. Das Zentrum dieses Entfernungsystems war der Null-Meilenstein in der Residenzstadt Berlin. Er stand auf dem Dönhoff-Platz.

Meilenstein in Buchholz Berliner Straße Inschrift Berlin 1 Meile
historischer Meilenstein Buchholz

Der heutige Marion-Gräfin-Dönhoff-Platz an der Leipziger Straße ist leicht versetzt, auf ihm befindet sich die Nachbildung des Null-Meilensteins. Buchholz kann mit gleich zwei Originalen aufwarten. An den Tram-Gleisen auf der Berliner Straße 32 befindet sich der Stein mit der Inschrift „1 Meile bis Berlin“. Der Zweite befindet sich an der Kreuzung mit der Heidekrautbahn.

Autor: Christian Bormann 08.02.2015
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 30.03.2016

Bild: Hintze CPS

Der Große Stein in Buchholz

Nordöstlich des Dorfkerns von Buchholz, unterhalb der alten Bucher Straße, die Buchholz und Buch verbindet, liegt er. Um 1900 entdeckten Bauern beim Tiefpflügen ihres Ackers einen Findling von 105 Tonnen Gewicht. In der Weichsel-Kaltzeit wurde er mit den Eismassen aus Skandinavien bis ins heutige Pankow-Buchholz geschoben. Sein Alter beträgt etwa 1400 Millionen Jahre. Mit einer Länge von 6,5 Meter und einer Breite von 4,5 Meter ist er ein wahrer Riesenbrocken. Seit seiner Entdeckung erzählen sich die Pankower die Sage vom Großen Stein in Buchholz.

große Stein in Buchholz

Der Sage nach soll zu Zeiten, als von Norden her noch Riesen unsere Gegend besucht haben, sich einer von ihnen unsterblich in ein wunderschönes Mädchen von Buchholz verliebt haben. Gegen ihren Willen nahm er sie mit, um sie in das Haus seiner Mutter zu bringen. Da er das widerspenstige Mädchen tragen musste, ermüdete der Riese schnell. Kaum hatte er sich gesetzt um kurz zu ruhen, schlief er auch schon ein. Das Mädchen aber lief so schnell sie konnte zurück. Als der Riese wieder erwachte und sah, dass seine Auserwählte fort war, packte ihn die Wut. Voller Zorn schleuderte er der Fliehenden einen Stein hinterher. Die Wut hatte sein Augenmaß getrübt, und der Stein verfehlte sein Ziel. Seither wurde in Buchholz kein Riese mehr gesehen.

Schild, Beschreibung am Fundort

Da es nicht möglich war den Stein zu heben, pflanzte man einige Linden ringsherum und machte ihn als Sehenswürdigkeit zugänglich. Am 22. Dezember 1931 wurde der Große Stein in Buchholz durch eine Verordnung des damaligen Polizeipräsidenten von Berlin unter Naturschutz gestellt.

Autor: Christian Bormann, 25.06.2014
Technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 25.01.2016

Quellen:
mündliche Überlieferung
Wikipedia