Schlagwort-Archive: Berlin

„Wollanktunnel“ und „Pankower Friedhoftunnel“

Der Fluchttunnel Wollankstraße.
Am 26. Januar 1962 sackte auf dem S-Bahnhof Wollankstraße plötzlich ein Teil des Bahnsteiges ab. Verwundert starrten die Fahrgäste auf eine kreisrunde Vertiefung.

S-Bahnhof Wollankstraße Fluchttunnel

Grund hierfür war ein eingebrochener Fluchttunnel. Rund drei Wochen lang wurde er unbemerkt von Westberliner Seite aus gegraben. Die Holzverstärkungen der Tunnelwände hielten den Erschütterungen der Berliner S-Bahn nicht stand.

S-Bahnhof Wollankstraße im Fluchttunnel

So konnte der Tunnel nie zur Flucht genutzt werden. Mehr Glück hatten die Fluchthelfer beim sogenannten „Pankower Friedhoftunnel“. Er gilt als erster Fluchttunnel, durch den Ost-Berliner der DDR entkamen. Waltraut Niebank steht an einem kalten Wintermorgen am 18. Dezember 1961 auf dem Städtischen Friedhof III Pankow. Wenige Tage vor dem Mauerbau hatte sie geheiratet, nun trennte das Paar die Berliner Mauer. Ihr Ehemann hatte sie mit Grabstrauß zum Grab von Maria Lidtke bestellt. Zwischen Grabstein und Mauer öffnete sich plötzlich der Boden. „Spring“, rief eine Stimme.

Pankow Bezirksfriedhof III

Ohne zu zögern sprang Waltraut. Über den sandigen Boden des befestigten Tunnels kriecht sie Richtung West-Berlin. Waltraut und Lothar waren wieder vereint. Drei Tage nach der Flucht von Waltraut Niebank entdeckten Grenzer den Tunnel. Durch den „Pankower Friedhoftunnel“ gelang bis zu 100 Menschen die Flucht.

Autor: Christian Bormann, 21.07.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Quellen:
wikipedia
Bilder: Hintze CPS
Bundesarchiv: Bild 183-90157-0001 Junge
183-90187-0002 Hesse,Rudolf/1.Februar1962

1788-Ballonfahrt nach Karow

Beim einem Besuch 2014 in Karow fragte ich mich wie der Ballonplatz wohl zu seinem Name gekommen ist. Die Antwort war so einfach wie erstaunlich.

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Anflug auf den Ballonplatz April 2017

Eine der ersten Ballonfahrten der Welt ging nach Karow. Jean Pierre Blanchard geboren in Les Andelys gehörte als französischer Ballonfahrer zu den ersten Ballonpionieren. Ab 1783 wandte sich Blanchard der Luftfahrt zu. Zu den ersten Ballonfahrten der Welt gehörte auch sein Flug in Berlin.

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Abflug Exerzierplatz im Tiergarten Berlin 1788

Blanchard startete am 27. September 1788 auf dem Exerzierplatz im Tiergarten, wo er den staunenden Berlinern seine Flugkünste vorführte. Mit seinem Ballon landete er in Karo Nord, wo heute noch der Ballonplatz an seine Landung erinnert.

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Ballonplatz in Karow 2014

Darüber hinaus erfand Blanchard auch den ersten Fallschirm, den er zunächst an seinem Hund testete. Bei einem Absturz 1785 rettete ihm sein Fallschirm das Leben. Dieses Ereignis gilt seither als der erste urkundliche Fallschirmsprung eines Menschen. Jean Pierre Blanchard starb am 7. März 1809 bei Paris.

Das Drohnenvideo 2017 zeigt den nachgestellten Anflug Blanchard’s 1788 auf den Ballonplatz mit Landung.

Autor: Christian Bormann, 17.06.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Bilder: Christian Bormann

Luftbilder: Guido Kunze

Das vergessene Olympiahaus Pankow

Viele kennen das kleine schmucke Haus an der Berliner/Ecke Mühlenstraße. In der Kaiserzeit um 1914 gebaut, ist der neobarocke Putzbau mit seinem Klinkersockel heute eine echte Rarität in Berlin.

 

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Bedürfnissanstalt 1996

Der Bau diente ursprünglich als Haltestelle mit Wartehalle und Fahrkartenverkauf. Zwischen Berliner Straße/Ecke Mühlenstraße, sowie Vinetastraße und Elsa-Brändström-Straße befand sich damals der zentrale Verkehrsknotenpunkt in Pankow. Die Berliner Straße war schon immer die Verbindungsstraße nach Berlin.

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Auskunftsstelle Olympiade 1936

Um die Kosten ihrer Pflege gab es oft Streit, bis Pankow sie 1912 von Berlin kaufte. Von den ersten Droschkenkutschen, über die Pferdebahn bis hin zur elektrischen Bahn sowie Omnibussen hielten hier alle damaligen Verkehrsmittel, ab 1930 auch die U-Bahn. Als Deutschland 1936 die Olympischen Spiele veranstaltete, befand sich hier die offizielle „Auskunftstelle des Olympia Verkehrs und Quartieramts Pankow“.

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Foto von Andreas Hennig 2016

Danach wurde das Haus zu einer öffentlichen Bedürfnisanstalt umgebaut.  Vor wenigen Jahren erst restauriert, beherbergt es heute einen „China-Imbiss“.

Autor: Christian Bormann, 12.07.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Quelle:
Die Denkmale in Berlin Pankow/ Landesdenkmalamt Berlin & Bezirksamt Pankow von Berlin
Berlin-Pankow wie es früher war / Wartberg Verlag, Foto(3) Andreas Hennig

Schönholzer Heide – Das versunkene Heide-Theater

Bis zur Gründung der Kolonie Schönholz war die Heide Teil des Waldgebietes „Schönhauser Fichten“, das Gelände erstreckte sich vom nördlichen Pankeufer im Bürgerpark bis in die Jungfernheide. Nach Ende des 2.Weltkrieges umfasste die Schönholzer Heide noch 35 Hektar. Es erfolgte eine Aufteilung in 3 Areale.

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NAW beim Bau der Freilichtbühne, Johanna Hirte (rechts)

So entstand im Rahmen des NAW ein Ehrenhain für 13.200 gefallene Sowjetsoldaten, ein großer Spielplatz mit Rodelbahn und der Volkspark mit Freilichtbühne.

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Heide Theater zur Eröffnung 1956

Mit Volkspark und Freilichtbühne wollte die DDR-Regierung an die 1930er Jahre anknüpfen, als sich in der Schönholzer Heide das Traumland, Nachfolger des Lunaparks befand.

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Tanzabend nach neuesten Amiga Schallplatten

Besonders beliebt bei den Berlinern war die Ochsenbraterei, bei der ganze Ochsen am Spieß gedreht wurden.

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Aufführung im Heide Theater 1959

Zur Ausrichtung der Olympischen Spiele 1936 war das Traumland der größte Vergnügungspark Berlins.

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Heide Theater 1957
Zu den Attraktionen gehörten eine Wasserrutsche, Gebirgs- und Geisterbahn, Varietés und eine Freilichtbühne.

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Steinabsätze und Geländer Westeingang 2016

Große Gastwirtschaften wie das Oberbayern und das Alt-Berlin waren weit bekannt. Vom einstigen Traumland ist nichts mehr zu sehen. Auch das umgebaute Schloss Schönholz und der Festsaal sind dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer gefallen. In die Reste des rückwärtigen Biergartens des Tanzsaals Schloss Schönholz wurde das kleine Freilichttheater gebaut.

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Mast für die Licht und Lautsprecheranlage

So sollte in den 1950er Jahren im Rahmen des Nationalen Aufbau Werk (NAW) wieder eine Freilichtbühne entstehen. Wie beim Bau des Pankower Freibades erfolgten die Arbeiten durch Freiwillige.

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Eingang Versorgungsräume Luna Lager und Heide Theater
Eine besonders erwähnenswerte Helferin war Johanna Hirte, die mit 81 Jahren auf über 35.000 freiwillig geleistete Arbeitsstunden zurückblicken konnte.

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Nordtreppe 2016

Zur Eröffnung am 17. August 1956 waren alle 2.500 Plätze des Heide-Theaters gefüllt. Besonders beliebt bei den Gästen waren die Tanzabende nach neuesten Amiga-Schallplatten. Solange die Sektorengrenze offen war, lief der Theaterbetrieb gut. Besucher kamen aus Ost und West.

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Reste der Bühne 2016

Namhafte Theaterhäuser gaben hier ihr Gastspiel, so das Hans-Otto-Theater Potsdam, der Friedrichstadt Palast, die Staatsoper bis hin zum Kabarett „Die Distel“ und das Erich Weinert Ensemble der Volksarmee. Mit der Schließung der Sektorengrenze fand leider auch der Kulturbetrieb des Heide Theaters ein Ende.

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Sockel vom Weberdenkmal 2015

Die Gesellschaft für Sport und Technik nutzte die Anlage noch einige Jahre. Bei Führungen in der Schönholzer Heide berichteten Zeitzeugen davon, wie die Betonstelen der Bühnenreste zum Zielwerfen für Übungsgranaten benutzt wurden.

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Carl Maria von Weber

Der zweite kleinere Sockel ist der letzte Rest von Schloss Schönholz. Auf ihm stand ein in Stein gehauener Schützenpokal.

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fehlende Figur Südseite

Das endgültige Aus für das ehemalige Heide Theater soll die Verbrennung einer DDR-Staatsflagge gewesen sein. Heute gleicht die einstige Freilichtbühne einem versunkenen Märchenort.

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Treppenaufgang Süd mit Ziermauer

An den Betonsäulen, die den Wegrand säumen, lässt sich noch die Rückseite der Bühne erkennen. Dahinter liegt vertieft der Zuschauerplatz, unter einem Meter Erdreich verschüttet. Treppen und Geländer sind zu erkennen, die im Boden verschwinden.

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Tanzfläche des Heide Theater 2016

Ringsum stehen die alten Masten der Licht- und Lautsprecheranlage. Hinter Büschen und Bäumen findet der aufmerksame Beobachter verzierte Steinabsätze.

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Reste der Südmauer 2016

Unter alten Fundamentbrocken lässt sich noch der Zugang zu den unterirdischen Versorgungsräumen des Theaters finden. Diese stammen noch aus der Zeit des Luna-Lagers für Zwangsarbeiter.

Das versunkene Heide-Theater

Autor: Christian Bormann, 26.02.2017

technische Leitung: Nadine Kreimeier

Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016/26.02.2017

Bilder: J.Mach/Freundeskreis der Chronik Pankow eV, Christian Bormann, hist.Zeitung,

Die Frau vom Arkenberge

Vor einigen hundert Jahren soll es sich zugetragen haben, an einem heißen Sommertag im Juni. Der Schäfer von Lübars war gerade dabei seine Herde zu zählen, da sieht er ein merkwürdiges Gefährt auf sich zurasen. Der Schäfer staunt nicht schlecht als er eine gläserne Kutsche mit edlen Silberbeschlägen erkennt. Vier prächtige Rösser ziehen das zauberhafte Gefährt, aber nicht über die Landstraße, merkwürdiger weise direkt am Tegeler Fließ entlang, wo er mit seiner Herde weidete. Die gläserne Kutsche nähert sich mit hoher Geschwindigkeit, als er zwei Frauen erkennt, eine altmodisch und edel gekleidete Dame und ein junges Fräulein neben ihr. Das Fräulein hätte ihre Tochter sein können oder ihre Bedienstete. Der Schäfer grüßt und zieht sein Hut. Die edle Dame nickt freundlich mit dem Kopf zurück. Als die Kutsche einschwenkt um die Herde zu umfahren, passiert es. Eines der vier Räder löst sich, das Gefährt neigt sich bedrohlich, kippt aber nicht. Die zwei Frauen erschraken gewaltig. Darauf winkte die edle Dame den Schäfer zur Hilfe. Dieser beäugte verwundert die Kutsche, fand aber keinen Schaden. So rollte er das gläserne Rad wieder herbei. Eilig machte er sich ans Werk und schnitzte zwei neue Vorstecker um das Rad wieder zu befestigen. Als der Schäfer sein Werk vollbracht hatte, beugte sich die Dame hinunter, hob die herabgefallenen Späne auf und gab sie ihm mit den Worten „Nimm das zum Lohne“. Geschwind eilte die gläserne Kutsche von dannen. „Ein schöner Lohn“, dachte sich der verwundert zurückgebliebene Schäfer. Verärgert warf er die Späne zurück ins Feld. Erschöpft daheim angekommen, berichtete er sogleich seiner Frau von der wunderlichen Begegnung mit den zwei Frauen in der gläsernen Kutsche. Plötzlich fiel ein Goldstück klingend zu Boden. „Frau wo hast du das Goldstück her?“ – „Wieso ich?  Noch nie besaßen wir ein Goldstück“, erwiderte ihm seine Frau. „Es muss aus deinen Stiefeln gefallen sein“. Der Schäfer dreht seine Stiefel um da fallen abermals zwei Goldstücke zu Boden. „Das können nur die Späne gewesen sein“. „Dann war es die Frau vom Arkenberge“.  „Schnell. Reiche mir den Mantel. Ich muss die übrigen Späne holen, die ich weggeworfen habe“. So eilte der Schäfer geschwind zurück auf die Weide, doch suchte er die ganze Nacht vergebens. Der Wind hatte alles hinweggefegt.

Autor: Christian Bormann, 27.04.2014
Technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 25.01.2016

Quelle:
mündliche Überlieferung

Der Große Stein in Buchholz

Nordöstlich des Dorfkerns von Buchholz, unterhalb der alten Bucher Straße, die Buchholz und Buch verbindet, liegt er. Um 1900 entdeckten Bauern beim Tiefpflügen ihres Ackers einen Findling von 105 Tonnen Gewicht. In der Weichsel-Kaltzeit wurde er mit den Eismassen aus Skandinavien bis ins heutige Pankow-Buchholz geschoben. Sein Alter beträgt etwa 1400 Millionen Jahre. Mit einer Länge von 6,5 Meter und einer Breite von 4,5 Meter ist er ein wahrer Riesenbrocken. Seit seiner Entdeckung erzählen sich die Pankower die Sage vom Großen Stein in Buchholz.

große Stein in Buchholz

Der Sage nach soll zu Zeiten, als von Norden her noch Riesen unsere Gegend besucht haben, sich einer von ihnen unsterblich in ein wunderschönes Mädchen von Buchholz verliebt haben. Gegen ihren Willen nahm er sie mit, um sie in das Haus seiner Mutter zu bringen. Da er das widerspenstige Mädchen tragen musste, ermüdete der Riese schnell. Kaum hatte er sich gesetzt um kurz zu ruhen, schlief er auch schon ein. Das Mädchen aber lief so schnell sie konnte zurück. Als der Riese wieder erwachte und sah, dass seine Auserwählte fort war, packte ihn die Wut. Voller Zorn schleuderte er der Fliehenden einen Stein hinterher. Die Wut hatte sein Augenmaß getrübt, und der Stein verfehlte sein Ziel. Seither wurde in Buchholz kein Riese mehr gesehen.

Schild, Beschreibung am Fundort

Da es nicht möglich war den Stein zu heben, pflanzte man einige Linden ringsherum und machte ihn als Sehenswürdigkeit zugänglich. Am 22. Dezember 1931 wurde der Große Stein in Buchholz durch eine Verordnung des damaligen Polizeipräsidenten von Berlin unter Naturschutz gestellt.

Autor: Christian Bormann, 25.06.2014
Technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 25.01.2016

Quellen:
mündliche Überlieferung
Wikipedia

Bolle reiste jüngst zu Pfingsten, – Wer war Bolle?

„Bolle reiste jüngst…“
Wer war „Bolle“ eines der bekanntesten Berliner Volkslieder besingt „Bolle“. „Bolle“ als echte Person gab es nicht.

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historische Bolle-Postkarte aus Pankow

Der Name steht vielmehr für den typischen Berliner, der nach harter Arbeit werktags oder am Wochenende sein Vergnügen in Pankow suchte. Durch Vorstadtwagen und Kremserfahrten, nicht zuletzt auch durch seine gute Luft, war Pankow im 19. Jahrhundert einer der beliebtesten Berliner Ausflugsorte. In der Schönholzer Heide sowie in unzähligen Schankstuben, Biergärten, Badeanstalten und Theatern, tobte der „Berliner Mob“. So auch besungen im Lied, „Bolle reiste jüngst …“ Das „Bollelied“ gibt es in einigen verschiedenen Varianten.

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Bollezeichnung von Christian Badel für pankowerchronik de 2017

Liedtext:

Bolle reiste jüngst zu Pfingsten

Bolle reiste jüngst zu Pfingsten, Pankow war sein Ziel.
Da verlor er seinen Jüngsten janz plötzlich im Jewühl.
‚Ne volle halbe Stunde hat er nach ihm jespürt.
Aber dennoch hat sich Bolle janz köstlich amüsiert.

In Pankow jab’s keen Essen, in Pankow jab’s keen Bier.
War allet uffjefressen von fremden Leuten hier.
Nich‘ ma‘ ’ne Butterstulle hat man ihm reserviert!
Aber dennoch hat sich Bolle janz köstlich amüsiert.

Auf der Schönholzer Heide, da jab’s ’ne Keilerei,
Und Bolle jar nich‘ feige, war mittenmang dabei,
Hat’s Messer raus jezogen, und Fünfe massakriert.
Aber dennoch hat sich Bolle janz köstlich amüsiert.

Es fing schon an zu tagen, als er sein Heim erblickt.
Das Hemd war ohne Kragen, das Nasenbein zerknickt.
Das linke Auge fehlte, das rechte marmoriert.
Aber dennoch hat sich Bolle janz köstlich amüsiert.

Als er nach Haus jekommen, da ging’s ihm aber schlecht.
Da hat ihm seine Olle janz mörderisch verdrescht!
Ne volle halbe Stunde, hat sie auf ihm poliert.
Aber dennoch hat sich Bolle janz köstlich amüsiert.

Und Bolle wollte Sterben, er hat sich’s überlegt:
Er hat sich uff die Schienen der Kleinbahn druffjelegt.
Die Kleinbahn hat Verspätung, und vierzehn Tage druff,
Da fand man unseren Bolle als Dörrjemüse uff.

Geschichte: Bolle, Badel und Bormann

Autor: Christian Bormann, 18.06.2014

Zeichnung: Christian Badel – www.kikifax.de

Technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 25.01.2016

Quelle: mündliche Überlieferung Wikipedia

Wie das Holländerhaus zum Patrizierhaus wurde

Ursprünglich stand an der Stelle des heutigen Hauses ein einstöckiger roter Ziegelsteinbau. Dieser wurde von der Dorfbevölkerung wegen seiner roten Backziegel Holländerhaus genannt.

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Holländerhaus 1900

Die Familie Fetschow erwarb 1802 die ersten 60 qm des Grundstückes vom Bauern Kraft. Im Laufe der Zeit wurde der Besitz, heute Dietz­genstraße/Platanenstraße, mehrfach erweitert.

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Holländerhaus 1985

Die Fetschows besaßen in der Klosterstraße 85 ein Bankhaus. Damit gehörten sie zu den einflussreichsten Familien in Niederschönhausen. Madame Fetschow verband eine enge Freundschaft mit der Prinzessin Marianne. Tatkräftig unterstützte sie den von Prinzessin Marianne am 23. März 1813 gegründeten Frauenverein. Am 16. Januar 1818 wurde Madame Fetschow der Luise-Orden verliehen.

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Eduard Gärtner

Im großen Familiensaal des Hauses verkehrten neben der könig­li­chen Familie auch Feldherren der Freiheitskriege sowie namhafte Künstler und Gelehrte ihrer Zeit. Zu den bekanntesten gehörten Karl-Friedrich Schinkel und Christian Peter Wilhelm Beuth.

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Holländerhaus 2014

Die Erben der Madame Fetschow verkauften 1850 das Anwesen an den Kunstschlosser Carl Friedrich August Hauschild. Dieser war mit seinem Unternehmen in der Neanderstraße 3 ein bedeutender Mann. Hiervon zeugt noch heute das Gemälde „Wohnstube des Schlossermeisters Hauschild“ von Eduard Gärtner.

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Feuerwehreinsatz Holländerhaus 2016

Um 1852 ließ Hauschild den bis dahin einstöckigen Bau aufstocken und zu einem Patrizierhaus umbauen. Zu den Umbauten gehörte der bis heute erhaltene, aufwendig gestaltete Holzbalkon am Rittersaal. Im Rittersaal hinter dem Balkon stellte Hauschild seine schönsten Kunstschlosserarbeiten aus, unter anderem Turnierhelme und Lanzen.

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Feuerwehreinsatz Holländerhaus 2016

Carl Friedrich August Hauschild starb 1868. Seinem Schwiegersohn, dem Schokoladenfabrikanten Hildebrandt gehörte die Hildebrandt-Villa, heute bekannt als Kavalierhaus in der Breitestraße.

Am 16.06.2016 wurde die Feuerwehr kurz nach 20 Uhr zu einem Einsatz am Holländerhaus gerufen. Ein Blitzschlag hatte die 30 Meter hohe Linde gespalten. Der abgestürzte Teil schlug mittig im Dachreiter des Hauses ein und musste in 4 stündiger Arbeit mit einem Kran aus dem Dach gehoben werden.

Autor: Christian Bormann, 04.06.2014/26.02.2017
Technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 25.01.2016/26.02.2017

Quellen:
„Geschichte von Niederschönhausen/Ernst Rehfeld“
„Niederschönhausen ein Stück Berlin/Horst Zetsche“
„Berichte des Gemeindeschöffen a.D.Thormann 1942, niedergeschrieben von Manfred Grande“

Wie die Teufelsbrücke im Bürgerpark ihren Namen bekam

Wer den Bürgerpark Pankow schon einmal besucht hat, der kennt die Brücke südlich der großen Wiese, die zwei künstliche Felsen miteinander verbindet.

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Teufelsbrücke 2017

Nur die wenigsten kennen die Geschichte der Namensgebung. Wo heute ein Ziegengehege zu sehen ist, war ursprünglich ein Goldfischteich. Auf dem zu DDR-Zeiten zugeschütteten Goldfischteich weidete zunächst Rotwild, heute sind hier Bergziegen zu sehen.

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Teufelsbrücke 1915

Als die Ratsherren den Bau der Brücke beschlossen und ausschrieben, gehörte zu den Bewerbern ein junger Baumeister, der sich gerade erst selbstständig gemacht hatte. Weder hatte er Referenzen noch gehörte er zu den Alteingesessenen, was seine Chance den Auftrag zu erhalten fast aussichtslos machte.

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Teufelsbrücke 1920

Der junge Baumeister brauchte dringend Geld, um seine Verlobte heiraten zu können. In seiner Not bekam er Besuch vom Teufel. Der bot ihm sogleich einen Handel an. Der junge Baumeister erhielt den Auftrag zum Bau der Brücke. Den Besuch des Teufels verdrängte er aber als schlechten Traum.

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Teufelsbrücke 1950

Doch kurz vor Fertigstellung der Brücke, erschien der Teufel abermals. Er erinnerte an den mit ihm geschlossenen Vertrag und forderte den jungen Baumeister auf, das Brückengeländer lose zu befestigen. Entsetzt erkannte der die List des Teufels. Jetzt musste ein Plan her den Teufel auszutricksen.

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Bürgerpark Tor 2016

Am Tag der feierlichen Brückeneröffnung versammelten sich die Ratsherren auf der Brücke. Als der Teufel daraufhin im Teich die Goldfische tanzen ließ, wollte einer der Ratsherren sich gerade über das lose Geländer beugen, als vom Bürgerpark Tor Marschmusik und eine Blaskapelle ertönten. Diese führte der junge Baumeister an. Die Musik zog das Interesse der Ratsherren sofort auf sich. Ausgelassen und fröhlich spielte die Kapelle auf der großen Wiese bis in die Morgenstunden. Am Tag darauf befestigte der junge Baumeister das lose Geländer sofort.

Vom Teufel, den er so ausgetrickst hatte, hörte er nie wieder.

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Luftbild Teufelsbrücke 2017

Es war die Idee des dem Allgemeinwohl zugewandten Arztes Prof. Emanuel Mendel, den Bürgerpark für die Gemeinde zu erhalten. Begeistert von der Idee gelang es dem Bürgermeister Wilhelm Kuhr und der Gemeinde Pankow, das Grundstück 1907 für 1,5 Millionen Mark zu kaufen. Die auf dem Gelände befindlichen zwei Hügel wurden 1910 mit der Teufelsbrücke verbunden. Im Laufe eines Jahrhunderts wurde die Brücke mehrmals wieder aus neuem Baumaterial aufgebaut.

Autor: Christian Bormann, 02.06.2014
Technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 25.01.2016/23.02.2017

Bilder: Andreas Hennig / andyART (1) Christian Bormann

Luftbild: Guido Kunze