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Bürgerpark – Die erste Parkbücherei der DDR

Östlich der Teufelsbrücke, am Südrand der großen Liegewiese, steht die kleine Parkbücherei im Bürgerpark Pankow. Sie wurde 1955 als Musterprojekt gebaut und war somit die erste ihrer Art in der DDR. Die Parkbücherei war eine Zweigstelle der Bibliothek Pankow in der Mühlenstraße. Das Beispiel der kleinen Parkbücherei machte schnell Schule und so entstanden rasch weitere, erst in den Ostberliner Parkanlagen und später auch in der übrigen DDR.

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Parkbücherei um 1975

Ein Bibliotheksausweis reichte, um sich Bücher oder Zeitungen zu leihen. Mit einem Klappstuhl konnte sich der Leser ein lauschiges Plätzchen auf der großen Wiese suchen und entspannen.

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Parkbücherei 1977

Die Parkbücherei ist bis heute erhalten geblieben. Es sollen etwa 2.000 Bücher im Bestand sein. Hinzu kommen noch Brettspiele. Mit 1.500 Dauerlesern erfreut sich der kleine Pavillon immer noch großer Beliebtheit.

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Parkbücherei 1979

Als Anwohner habe ich meine halbe Kindheit im Bürgerpark verbracht. Ich freue mich jedes Jahr aufs Neue, wenn ich sehe, dass die Parkbücherei weiter betrieben und genutzt wird.

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Parkbücherei 2015

Autor: Christian Bormann
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 31.03.2016

Baron Theodor Hermann Killisch von Horn

Der Jurist und Zeitungsgründer wurde am 15.07.1821 als drittes von sechzehn Kindern in Bromberg geboren. Als Sohn eines Kanzleirates studierte er 1843 bis 1849 Philosophie mit Schwerpunkt Jura in Berlin. Während seines Studium schrieb er bereits für die „Vossische Zeitung“ und fand schnell Anschluss an politische Kreise.

Baron Theodor Hermann Killisch von Horn

Nach seinem Studium arbeitete er als Doktor der Rechte am Berliner Stadtgericht. Sein Vermögen machte er vermutlich mit Börsenspekulationen. Reichtum reichte im 19. Jahrhundert nicht um in „Höhere Kreise“ aufzusteigen, daher ließ er sich 1852 durch Friedrich Otto von Horn adoptieren. Mit der Kaufmannstochter Marie Antoni Weigel zeugte er sieben Kinder.

Baron Killisch von Horn mit seinem Kind

Sein beliebtestes Kind jedoch war die von ihm im Jahr 1855 gegründete „Berliner Börsen Zeitung“. In einer Zeitgenössischen Darstellung wird Theodor Hermann Killisch von Horn auf einem Stuhl sitzend gezeigt, wie er seiner Börsen Zeitung, karikiert mit einem Säuglingskopf das Fläschchen gibt. Den meisten Pankowern ist der Baron als Erbauer des Killisch-von-Horn-Park, heute als Bürgerpark bekannt.

Herrenhaus des Baron Killisch von Horn mit Rosenpavillon im Bürgerpark/Killisch von Horn Park

Im Jahr 1856 kaufte er eine alte Papiermühle der Familie Kühn mit Nebengelass und ließ diese zu seinem Familienwohnsitz herrichten. Das umliegende Waldstück ließ er durch den Gärtner Wilhelm Pering in einen Park im neoklassizistischen Stil umbauen. Der Killisch-von-Horn-Park war in Teilen auch der gemeinen Bevölkerung zugänglich. Das Bürgerparktor im Stil eines römischen Triumphbogens stammt auch von ihm.

Bürgerparktor des Baron Killisch von Horn

Von den unzähligen neoklassizistischen Figuren und Putten die den Park zierten, ist nach dem 2. Weltkrieg nichts geblieben. Baron Killisch von Horn starb am 23.11.1886 an seiner Zuckerkrankheit. Das Mausoleum ließ seine Frau erst 1904 bauen und ihn hierher umbetten.

Mausoleum des Baron Theodor Hermann Killisch von Horn auf dem Bürgerpark Friedhof

Die Erben der Familie Killisch waren am kostspieligen Erhalt der Parkanlage nicht interessiert. Dem Pankower Bürgermeister Wilhelm Kuhr ist es zu verdanken das der Park nicht zum Bauland wurde. Die Gemeinde Pankow kaufte 1907 den Killisch-von-Horn-Park und benannte ihn in Bürgerpark um.

Autor: Christian Bormann 23.12.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 30.03.2016

Bilder: Hintze CPS
Historische Postkarten

Die reisende „Mutter mit Kind“

Der am 25. Februar 1865 in Westpreußen geborene Reinhold Carl Thusmann Felderhoff war Bildhauer der Berliner Bildhauerschule, Mitglied der Berliner Secession und der Akademie der Künste. Darüber hinaus arbeitete er als Meisterschüler von Reinhold Begas an einigen Werken von Begas mit. Seine Professur erhielt er 1917. Um 1911 schuf er die 2,15 Meter große Bronzeplastik „Mutter mit Kind“. Ganze drei Mal musste die Bronzeplastik aus der Epoche der Kaiserzeit umziehen.

Mutter mit Kind
„Mutter mit Kind“ 1911 Bürgerpark

Ab 1911 stand die „Mutter mit Kind“ bis Anfang der 50er Jahre im Volkspark Bürgerpark. Danach zog sie um auf den Platz vor dem Rathaus. Am alten Pankower Dorfanger verweilte sie von 1955 bis 1971.

Mutter mit Kind
„Mutter mit Kind“ Breite Straße 1959

Vom Anger wurde die Bronzeplastik 1971 wieder entfernt und auf einem Abstellplatz im Bürgerpark zwischengelagert. In den Brosepark zog die „Mutter mit Kind“ 1976 ein, seither begrüßt sie die Besucher am Haupteingang neben dem Brosehaus.

Mutter mit Kind
„Mutter mit Kind“ Brosepark 2014

Neben dem „Stralauer Fischer“ am Rathaus Treptow schuf Felderhoff noch unzählige weitere Skulpturen und Reliefs in Berlin und anderen deutschen Städten. Reinhold Carl Thusmann Felderhoff starb am 18. Dezember 1919 in Berlin.

Autor: Christian Bormann 22.10.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Bürgerpark – Das Geheimnis von Friedhof I

Video: Das Geheimnis vom Friedhof I

Ursprünglich wurden die verstorbenen Pankower innerhalb der Umfassungsmauer der alten Pfarrkirche „Zu den Vier Evangelisten“ bestattet. Aus Platzmangel und um Freifläche für die Erweiterung der Pfarrkirche zu gewinnen, wurden die bestehenden Gräber 1841 auf den dann offiziell I. Gemeindefriedhof Pankow am Bürgerpark umgebettet.

Pankow Friedhof I

Damals noch Spandauer Straße genannt, liegt der Friedhof jetzt Wilhelm-Kuhr-Straße/Ecke Kreuzstraße gegenüber der Tanzschule Schmidt-Hutten.

Pankow Friedhof I

Die ursprüngliche Einfriedung bestand aus Holz, seit 1908 ziert ein girlandenartiger schmiedeeiserner Zaun den Friedhof. Heute ist das Grundstück ein Gartendenkmal und wird dem Bürgerpark zugerechnet. Am bekanntesten ist den Pankowern das Mausoleum des Bürgerpark Besitzers Baron Killisch von Horn. Gebaut wurde es 1904, Architekt war CH.F. Malingriaux.

Pankow Friedhof I

Wer einen Blick in das Mausoleum wagt, sieht hier noch zwei offene Doppelsärge liegen.

Pankow Friedhof I

Leicht versteckt hinter Baum und Büschen, übersät mit Maschinengewehreinschüssen, wirkt es schon gespenstisch auf den Besucher.

Pankow Friedhof I

Im Mausoleum selbst befindet sich neben den beiden Särgen auch eine versteckte Bodenklappe. Diese führt zu einer etwa 5 Meter tiefen, mit rotem Backstein ausgekleideten Kammer. Am Boden dieser Kammer befinden sich verstreut die Gebeine aus den oberirdischen Särgen sowie Militärgegenstände der hier verschanzten Soldaten. Über die Jahrzehnte wurden diese Sachen einfach durch die Bodenklappe herunter geworfen. Kurz vor Einmarsch der Roten Armee 1945 verbrannte der Pankower Bürgermeister Bernhard Ahmels die Archivbestände des Rathauses, darunter vermutlich auch die Bauunterlagen von Friedhof I.  So kommt es, dass heute niemand mehr weiß, dass es sich bei den Gräbern entlang der westlichen Friedhofsmauer um Grabkammern handelt.

Pankow Friedhof I

Zwischen Mausoleum und Schulze-Gräbern handelt es sich um flache Grabkammern, die zumeist mit hölzernen Doppelsärgen belegt sind. Eine Besonderheit ist die Grabanlage der Familie Schulze, bekannt durch „Millionen-Schulze“, sowie der gleichnamigen Schulzestraße. Anfang 1990, kurz nach Öffnung der Berliner Mauer, bekam die Ruhestätte der Familie Schulze Besuch von Grabräubern.  Wahrscheinlich suchten sie nach wertvollen Grabbeigaben, was sie hinterließen, waren riesige Löcher. So groß, dass man direkt in die mit Kacheln ausgeschmückten Grabkammern und auf die reichlich verzierten Särge schauen konnte. Die Kammern waren so hoch, dass ein Erwachsener hier problemlos hätte stehen können, untereinander waren sie mit einem Gang verbunden. Monate später wurden die Erdlöcher vom Grünflächenamt mit gepflanzten Farnen verdeckt.  Heute sind, neben den Gräbern an der Westmauer, nur noch wenige ganz oder teilweise erhalten. Auch wissen nur wenige Leute, dass nicht alle Grabsteine auf diesen Friedhof gehören, einige wurden von anderen Friedhöfen hierher gebracht, um sie zu erhalten.

Pankow Friedhof I

Da sich niemand um die Erhaltung, geschweige denn die Restaurierung der Grabstellen kümmert, verschwinden jedes Jahr weitere. Es ist absehbar, dass von den freistehenden Gräbern in 20 Jahren nur noch eine Wiese übrig bleibt.

Autor: Christian Bormann, 10.08.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Bilder: Hintze CPS

Woher der Name Pankow stammt

Es gibt verschiedene Übersetzungen aus dem Slawischen. Das slawische Wort Panikwa auch Ponikwa heißt „Fluss mit Strudeln“. In älteren Chroniken findet sich aber auch eine slawisch-polnische Übersetzung. Pan für Herr und Kow für Hain also Hain des Herren. Der Hain des Herren war eine slawische Opferstätte. Einen „Slawischen Opferhain“ gab es tatsächlich, dort wo die Panke die sogenannte Insel umschloss. Diese Insel entstand durch einen künstlichen Wassergraben.

Eingangstor Bürgerpark

Ursprünglich lief die Panke weiter südlich, parallel zur Breitestraße. Den Graben ließ der Kurfürst Johann Cicero im 13. Jahrhundert für seinen Vogelherd anlegen. In der Parkstraße steht heute die „Herz Jesu Kapelle“ auf einem kleinen Hügel, hierbei handelt es sich um die Reste der slawischen „Wallanlage Pankow“. Bei Umbauten an der Kapelle entdeckten Bauarbeiter einen „Eisschrank“ mit Gefäßen im Boden.

Antikes Plakat

Am alten Pankower Krankenhaus in der Galenusstraße lässt sich noch heute der Urverlauf der Panke erahnen, wenn man sich die Absenkungen der westlichen Umfassungsmauern anschaut. Bereits beim Bau im 19. Jahrhundert entdeckte man einige Bronzezeitgegenstände. Bei der jüngeren Bebauung eines abgetrennten ehemaligen Teils des Krankenhauses vor wenigen Jahren, kamen die Fundamente eines alten germanischen Langhauses aus der Bronzezeit zum Vorschein. Im 13. Jahrhundert siedelten die Pankower weiter südlich im Sumpfgebiet der Panke, heute Breitestraße.

Gemälde alter Dorfanger Pankow

Hier errichteten aus Südfrankreich kommende Zisterziensermönche eine kleine Feldsteinkapelle, die heutige Pankower Pfarrkirche „Zu den Vier Evangelisten“. Die Panke wurde dann im 19. Jahrhundert begradigt.

Autor: Christian Bormann, 09.06.2014
Technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger

Quellen:
„Pankow im Wandel der Geschichte“- Bebra Verlag
„Sagen und Geschichten aus dem Norden Berlins“- Barbara Keil
„ Berliner Ur und Frühgeschichte“-Märkisches Museum Berlin
„Pankow Chronik eines Berliner Stadtbezirke“- Rat des Stadtbezirks Berlin-Pankow

Wie die Teufelsbrücke im Bürgerpark ihren Namen bekam

Wer den Bürgerpark Pankow schon einmal besucht hat, der kennt die Brücke südlich der großen Wiese, die zwei künstliche Felsen miteinander verbindet.

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Teufelsbrücke 2017

Nur die wenigsten kennen die Geschichte der Namensgebung. Wo heute ein Ziegengehege zu sehen ist, war ursprünglich ein Goldfischteich. Auf dem zu DDR-Zeiten zugeschütteten Goldfischteich weidete zunächst Rotwild, heute sind hier Bergziegen zu sehen.

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Teufelsbrücke 1915

Als die Ratsherren den Bau der Brücke beschlossen und ausschrieben, gehörte zu den Bewerbern ein junger Baumeister, der sich gerade erst selbstständig gemacht hatte. Weder hatte er Referenzen noch gehörte er zu den Alteingesessenen, was seine Chance den Auftrag zu erhalten fast aussichtslos machte.

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Teufelsbrücke 1920

Der junge Baumeister brauchte dringend Geld, um seine Verlobte heiraten zu können. In seiner Not bekam er Besuch vom Teufel. Der bot ihm sogleich einen Handel an. Der junge Baumeister erhielt den Auftrag zum Bau der Brücke. Den Besuch des Teufels verdrängte er aber als schlechten Traum.

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Teufelsbrücke 1950

Doch kurz vor Fertigstellung der Brücke, erschien der Teufel abermals. Er erinnerte an den mit ihm geschlossenen Vertrag und forderte den jungen Baumeister auf, das Brückengeländer lose zu befestigen. Entsetzt erkannte der die List des Teufels. Jetzt musste ein Plan her den Teufel auszutricksen.

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Bürgerpark Tor 2016

Am Tag der feierlichen Brückeneröffnung versammelten sich die Ratsherren auf der Brücke. Als der Teufel daraufhin im Teich die Goldfische tanzen ließ, wollte einer der Ratsherren sich gerade über das lose Geländer beugen, als vom Bürgerpark Tor Marschmusik und eine Blaskapelle ertönten. Diese führte der junge Baumeister an. Die Musik zog das Interesse der Ratsherren sofort auf sich. Ausgelassen und fröhlich spielte die Kapelle auf der großen Wiese bis in die Morgenstunden. Am Tag darauf befestigte der junge Baumeister das lose Geländer sofort.

Vom Teufel, den er so ausgetrickst hatte, hörte er nie wieder.

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Luftbild Teufelsbrücke 2017

Es war die Idee des dem Allgemeinwohl zugewandten Arztes Prof. Emanuel Mendel, den Bürgerpark für die Gemeinde zu erhalten. Begeistert von der Idee gelang es dem Bürgermeister Wilhelm Kuhr und der Gemeinde Pankow, das Grundstück 1907 für 1,5 Millionen Mark zu kaufen. Die auf dem Gelände befindlichen zwei Hügel wurden 1910 mit der Teufelsbrücke verbunden. Im Laufe eines Jahrhunderts wurde die Brücke mehrmals wieder aus neuem Baumaterial aufgebaut.

Autor: Christian Bormann, 02.06.2014
Technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 25.01.2016/23.02.2017

Bilder: Andreas Hennig / andyART (1) Christian Bormann

Luftbild: Guido Kunze