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Das Fischer Haus 

Zur Jahrhundertwende hieß es unter Berlinern im Streit gern mal: „Sie müssen wohl mal nach Pankow.“ Übersetzt: „Sie sollten mal zum Psychiater.“ Pankow war schließlich Ausflugs- und Erholungsort.

Fischer Haus 1905

So gab es gleich mehrere Nervenheilanstalten. Neben Prof. Emanuel Mendel praktizierte auch der jüdische Allgemeinmediziner Julius Fischer. Fischer der selbst erst in der Breite Straße 4 wohnte ließ 1902 das Haus Breite Straße 8 bis 9 bauen.

Kreuzung mit Fischer Haus 1906

Auf zwei gemauerte Geschosse wurde eine Fachwerketage mit Spitzsatteldach gesetzt. Gekrönt war das Gesamtensemble mit einem auf einer an der Giebelecke ausgeklinkten Konsole sitzenden Fachwerktürmchen. Zur Blütezeit Pankows in den 20er Jahren prägte der Fachwerkturm das gesamte Straßenbild der Kreuzung Breite und Berliner Straße.

Fischer Haus am Pankower Renner 1965

Der Name Fischer Haus geht im wesentlichen auf Frieda Fischer und ihre beiden erwachsenen Söhne zurück. Sie wurden als Juden unter den Nationalsozialisten bereits mit dem zweiten Transport aus Berlin deportiert.

Stolperstein Frida Fischer 2015

Im Jahr 2015 wurde vor dem Haus Breite Straße 8 ein Stolperstein für Frida Fischer verlegt. Zu DDR Zeiten gehörte die Breite Straße zur Protokollstrecke für Staatsgäste. Ende der 60er Jahre wurde der Turm abgebaut und das Fachwerk überputzt.

Fischer Haus u. Protokollstrecke ca.1958

Das Haus sah schon Staastsgäste wie Tito, Ghandi, Fidel Castro, Crustschow und und und. Seit 1968 residierte in der ersten Etage das Militärpolitische Kabinett Pankow mit einem Rekrutierungsbüro der Nationalen Volksarmee.

Haus Fischer Umbau 2016 bis 2017

Heute sitzt die Galerie Pankow im ersten Obergeschoss. Seit 2016 wird das Haus erneut umgebaut. Das Spitzdach wurde entfernt, um noch zwei Etagen aufstocken zu können.

Autor: Christian Bormann, 24.02.2017
red. Bearbeitung: Martina Krüger, 24.02.2017

Bilder: Christian Bormann, historische Postkartenmotive

Pankow – Der älteste Wochenmarkt Berlins

Bereits seit 1857 gibt es in der Breite Straße den Pankower Wochenmarkt.
Zentral gelegen auf dem alten Dorfanger an der Pfarrkirche „Zu den vier Evangelisten“. Der Wochenmarkt in Pankow ist der älteste noch bestehende Wochenmarkt in Berlin.

Wochenmarkt Pankow

Das Dorf Pankow war im 19.Jahrhundert und frühen 20.Jahrhundert ein Magnet für Besucher aus ganz Berlin und seinen Nachbardörfern.
Tanzsäle, Biergärten, Parks und später auch Lichtspielhäuser und der größte Berliner Vergnügungspark „Traumland“ in der Schönholzer Heide waren durch Vorstadtwagen gut zu erreichen.

Wochenmarkt Pankow

Der Besucheransturm auf Pankow führte rasch zur Verknappung von Lebensmitteln.
Schon im alten „Bolle Lied“ hieß es: “ …war allet wegjefressen von fremde Leute hier…“.
Mit der Einrichtung eines Wochenmarktes in Pankow hatten die Bauern der umliegenden Dörfer die Möglichkeit ihre Erträge direkt zu vermarkten.
Die traditionellen Markttage waren Dienstag und Freitag.

Wochenmarkt Pankow

Neben dem Wochenmarkt existierte in den 20er Jahren auch ein Zeugmarkt.
Dieser lag zwischen der Gnau’schen Kur- und Nervenheilanstalt für Frauen und der Bleichröder Villa auch bekannt als alter „Husemann Club“.
Zu DDR-Zeiten wurde das Grundstück des Zeugmarkt für den jährlichen Pankower Weihnachtsmarkt genutzt.

Wochenmarkt Pankow

Im Laufe der Zeit wurde die Breite Straße zur Johannes R. Becher Straße und nach dem Mauerfall wieder zur Breite Straße.
Der Dorfanger in Pankow wurde über die Jahrzehnte oft baulich verändert.
Der Pankower Wochenmarkt jedoch trotzt seit 1857 allen politischen,sozialen und baulichen Veränderungen.

Wochenmarkt Pankow

Autor: Christian Bormann 19.01.2015
technische Leitung: Nadine Kreimeier