Archiv der Kategorie: Unterhaltung

Das Pankower Park-Sanatorium

Der Arzt Dr. med. A. Blitz erwarb das Grundstück Breite Straße 32 am alten Dorfanger. Zuvor lag hier ein Bauerngehöft, was die enorme Größe des Grundstück erklärt. Blitz ließ 1885 ein Sanatorium mit Badehaus und Parkanlage erbauen. Die verantwortlichen Architekten waren Hugo Sonnenthal und Friedrich Kristeller. Ein architektonisches Juwel der Gründerzeit. Das Innere war im prächtigsten Jugendstil gestaltet.

Pankower Park-Sanatorium

Nächster Eigentümer war Dr. med. Rosenstock, ihm folgte sein Schwiegersohn, der Regierungsbaumeister a.D. Schmidt-Werden. Neben der modernsten technischen Ausstattung jener Zeit verfügte das Park-Sanatorium auch über ein Badehaus. Seiner Zeit verkehrten hier die Wohlhabenden, auch viele reiche Russen sollen zu Gast gewesen sein.

Speisesaal Pankower Park-Sanatorium

Zum Ende des 1. Weltkrieg lag die Wirtschaft am Boden und Gäste blieben aus. Das Sanatorium schloss 1918 seine Tore. Ein Jahr darauf zog das Finanzamt in das Gebäude. Parallel zum alten Anger direkt an der Breiten Straße stand noch ein Gebäude.

Breite Straße 32 Nervenheilanstalt/Augenklinik

Das Wohnhaus Breite Straße 32 diente ab 1885 Dr. med. Rudolf Gnauck als Kur- und Nervenheilanstalt für Frauen. Gnauck erweiterte seine Heilanstalt durch Zukauf einer Villa mit Grundstück in der Mühlenstraße.

Kur- und Nervenheilanstalt Gnauck

Auf Gnauck folgte in den 1930er Jahren der Augenarzt Willi Gutsch. In dem ehemaligen Wohnhaus Breite Straße 32 betrieb er seine Augenklinik, das Grundstück mit Villa in der Mühlenstraße wurde wieder abgetrennt und 1936 dem Maurermeister Ferdinand Schulze verkauft. Von ihm stammen auch die erhaltenen Initialen in der Gartentür.

Ehemaliges Pankower Park-Sanatorium Breite Straße 32 heute Dusekestraße

Dem Finanzamt im Park-Sanatorium folgte zu DDR-Zeiten eine Dienststelle des Stadtbezirksbauamtes und ab 1990 das Sozialamt Pankow. Nach Auszug des Sozialamts verfiel das historische Gebäude schnell. Heute wird das Gebäude der Dusekestraße zugerechnet. Es erstrahlt saniert im alten Glanz und beherbergt 24 Luxus-Eigentumswohnungen.

Autor: Christian Bormann 21.12.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 30.03.2016

Das Pankower Wappenschild

Pankow wurde 1311 erstmalig urkundlich erwähnt. Obwohl als Landgemeinde nicht berechtigt, waren die Pankower selbstbewusst genug sich Anfang des 19. Jahrhunderts selbst ein Wappen zu verleihen. Dies ging aus einem runden blauen Stempeldruck mit der Umschrift „Dorfsiegel Pankow“ hervor. Die Umschrift war außen und innen mit einer glatten Linie gerahmt. Das Wappen zeigt einen silbernen Schild sowie zwei gekreuzte, durch ein silbernes Band gehaltene Getreidegarben auf grünem Boden. In den Garben befindet sich ein aufrecht stehender goldener Rechen, schräg rechts ein goldener Dreschflegel und schräg links eine Sense mit blauem Blatt. Alle drei Geräte haben einen roten Stiel. Die abgebildeten Gerätschaften sollen die landwirtschaftliche Prägung des Dorfes zum Ausdruck bringen.

Wappen
Wappen von Pankow 1898

Im Zuge der Eingemeindung von Pankow nach Groß-Berlin wurde das Wappen 1925 in seiner bisherigen Form übernommen. Seit seiner Eingemeindung trat das Wappen auch mit der Erweiterung „Pankow-Freistaat-Preußen-Stadt Berlin“ in Erscheinung.

Wappen
Zusatz Freistaat Preußen Stadt Berlin

Nach dem sogenannten Preußenschlag wurde die Preußische Landesregierung faktisch entmachtet. spätestens 1936 nach Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde der Schildzusatz nicht mehr geführt.

Wappen
1936 verschwindet der Zusatz Preußen in ganz Deutschland

Bis 1986 ist das Pankower Wappen zwar geduldet aber nie offiziell verliehen worden. Im Rahmen der 750 Jahr-Feier-Berlins 1987 wurde das Wappen noch einmal heraldisch überarbeitet und offiziell verliehen.

Wappen
1987 zur 750 Jahrfeier Berlin offiziell verliehen

Nach der deutschen Wiedervereinigung wurden viele Bezirkswappen von Ost-Berlin geändert. Eine Änderung des Pankower Wappens war nicht nötig, da die Hälfte der Bezirksfläche immer noch landwirtschaftlich genutzt wurde. Es wurde lediglich eine rote dreitürmige Mauerkrone mit mittigem Berliner Wappen aufgesetzt.

Wappen
1990 Zusatz Stadtkrone von Berlin

Eine völlige Neugestaltung erfolgte nach der Berliner Bezirksreform. Pankow war jetzt ein Großbezirk. Der Neugestaltung ging ein Streit zwischen dem Heraldiker Jörg Mantzsch und dem Kulturstadtrat Michael Nelken voraus. Am 28. Juli 2009 wurde das neue Wappen für Pankow verliehen. Bis auf die leicht geänderte Mauerkrone ist vom Pankower Wappenschild nichts gebliebenen. Drei schmucklose rote Torbögen auf weißem Hintergrund, mittig darunter ein rotes Holzrad und sich spiegelndes Blattgrün links und rechts.

Wappen
Großbezirk Pankow 2009

Autor: Christian Bormann, 03.11.2014
technische Leitung Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Grenzübergang Bornholmer Straße

Der Grenzkontrollpunkt Bornholmer Straße war eine ruhige Ecke Berlins, umgeben von Kleingartenkolonien und Mietshäusern. Etwas Verkehr gab es lediglich aus Richtung West-Berlin, denn Bundesbürger durften den Übergang zur Aufrechterhaltung der Devisenbeschaffung der DDR benutzen.

Grenzkontrollpunkt Bornholmer Straße
Grenzübergang Bornholmer Straße

Im Rahmen neuer Bestimmungen zur Reiseregelung für DDR-Bürger lud Günther Schabowski zu einer Pressekonferenz. Das West-Fernsehen war wie immer vor Ort. Zu diesem Zeitpunkt rechnete niemand mit wirklich interessanten Neuigkeiten, als das Unfassbare passierte. Schabowski verkündete lax die neue Reiseregelung, ohne die zusätzlichen Vermerke registriert zu haben. Darauf nagelt ihn ein Journalist sofort fest, und fragt ob diese Regelung ab sofort gilt. Etwas irritiert blättert Schabowski kurz in seinen Mitteilungsblättern, worauf der alles entscheidende Satz fällt: „Das trifft nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich“.

Grenzkontrollpunkt Bornholmer Straße
Grenz Kontrollpunkt im Sowjetischen Sektor Bornholmer Straße

Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer. In den folgenden Stunden versammelten sich mehrere Tausend Berliner auf der Ost-Seite der innerdeutschen Grenzkontrollstelle Bornholmer Straße. Die DDR-Bürger wollten sofort von ihrem neuen Reiserecht Gebrauch machen. Unverzüglich. Der Leiter der Passkontrolleinheiten Oberstleutnant Harald Jäger und seine Truppe waren angesichts des endlosen Zustroms an Menschen völlig hilflos. Die Ereignisse gingen derart schnell vonstatten, dass Hilfe von ihren Vorgesetzten ausblieb. So erfolgte gegen 21:20 Uhr die Auslösung der Alarmkette. Daraufhin durften einzelne Personen die Brücke passieren. Was sie nicht wussten: ihr Ausweis wurde entstempelt und sie somit ausgebürgert. In den darauffolgenden zwei Stunden wurde der Druck der Menschenmassen auf den Kontrollpunkt so gewaltig, das die Passkontrolleinheit die Verteidigung des Kontrollpunktes aufgab. Um 23:29 Uhr öffnete Oberstleutnant Harald Jäger eigenmächtig den Schlagbaum an der Böse-Brücke. Die Menschen bahnten sich nun unkontrolliert ihren Weg durch die Grenzanlage Richtung West-Berlin.

Grenzkontrollpunkt Bornholmer Straße
Platz des 9.November 1989

Damit wurde der nördlichste der sieben innerstädtischen Grenzkontrollpunkte Bornholmer Straße zum ersten offenen Grenzübergang für DDR Bürger in Richtung Westen und damit weltberühmt. Ab diesem Zeitpunkt war die Grenzanlage der DDR ihrem Untergang geweiht.

Grenzkontrollpunkt Bornholmer Straße
10.11.1989 Pankower besuchen West-Berlin

Der Abriss der Maueranlagen schritt so rasch voran, dass die heute teilweise erhalten gebliebenen Reste zumeist unter Denkmalschutz stehen. An der Bornholmer Straße ist heute noch ein Teil der sogenannten Hinterlandmauer erhalten geblieben.

Grenzkontrollpunkt Bornholmer Straße
Vorlandmauer Bornholmer Straße 2002

Auf dem Platz des 9. November erinnert ein Gedenkstein aus Mauerresten an die historischen Ereignisse jener Nacht, die in ihren weitreichenden Folgen zu einer politischen Neuordnung in Europa führten.

Grenzkontrollpunkt Bornholmer Straße
Gedenkstein am Platz des 9.November

Autor: Christian Bormann, 02.11.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Bildquelle:
Hintze CPS, Christian Bormann