Archiv der Kategorie: Niederschönhausen

Vom Kossätenhaus zum Gelehrtenheim

In der Dietzgenstraße/ Ecke Beuthstraße steht ein kleines 200 Jahre altes holzverkleidetes Fachwerkhaus. Der Bankier Wilhelm Brose ließ sich das alte Häuschen 1825 von Karl Friedrich Schinkel zum Sommerhaus umbauen.

Gelehrtenheim Sommerhaus von Brose 1825 von Schinkel umgebaut
Sommerhaus Brose, Umbau von Karl Friedrich Schinkel zum „Gelehrtenheim“

An der Ostseite des Hauses befindet sich eine offene Halle. Die Hallendecke ist nach den Vorstellungen Schinkels im pompejanischen Stil ausgemalt. Bis 1870 vermietete Brose sein Sommerhaus an Wilhelm Friedrich Beuth. Beuth war Begründer der Gewerbeschule.

Gelehrtenheim Sommerhaus von Brose 1825 von Schinkel umgebaut
Sommerhaus Brose Februar 2015

Aufgrund der vielen hochrangigen Persönlichkeiten, die sich hier die Klinke in die Hand gaben, war in Pankow schnell die Rede vom Gelehrtenheim. So wird es auch heute noch genannt.

Autor: Christian Bormann 22.02.2015
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 10.04.2016

Wasserwerk und Wasserturm Uhlandstraße

Zu den längst verschwundenen Bauwerken in Pankow gehört der Wasserturm Niederschönhausen in der Uhlandstraße.

Wasserwerk Uhlandstraße Niederschönhausen
Wasserwerk und Wasserturm 1910

Wasserwerk und Wasserturm wurden 1903 erbaut und waren fast 20 Jahre das Herzstück der Wasserversorgung in Niederschönhausen. In den 1920er Jahren wurde diese Technik durch unterirdisch verlegte Druckwasserleitungen ersetzt.

Wasserwerk Uhlandstraße Niederschönhausen
Wohnhaus Uhlandstraße 20

Schon 1928 wurde der Wasserturm wieder abgerissen. Das alte Wasserwerk blieb erhalten und ist heute ein Wohnhaus in der Uhlandstraße 20. Auch in Rosenthal und der Pankower Thulestraße standen fast baugleiche Türme.

Autor: Christian Bormann 18.02.2015
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 10.04.2016

Vergnügungspark Traumland in der Schönholzer Heide

Bereits seit Eröffnung der Berliner Nordbahn 1877 entwickelte sich die Schönholzer Heide zu einem beliebten Ausflugsziel. Das Fliegenfest der Raschmacher und die Schützengilde trugen ebenfalls zur Bekanntheit bei.

Traumland Schönholz 1936
Riesenrad 

Nachdem 1936 der „Luna Park“ in Halensee geschlossen wurde, suchte die Schaustellergemeinschaft einen neuen Festplatz. Überregional bekannt, mit Bahn und Vorstadtwagen gut zu erreichen waren ideale Voraussetzungen. So fiel die Wahl auf die Schönholzer Heide.

Traumland Schönholz 1936
Festplatz Traumland Schönholz

Von der Berliner Schützengilde mietete sich die Schaustellergemeinschaft ein großes Areal für ihren neuen Festplatz. Pankow bekam einen Vergnügungspark, wie ihn Berlin noch nicht gesehen hatte. Das Traumland war geboren.

Traumland Schönholz 1936
Tanz-Pavillon Traumland

Im gleichen Jahr richtete Deutschland die Olympischen Spiele aus. Der Vergnügungspark Traumland war zur Olympiade 1936 der größte seiner Art in Berlin. Die Hauptattraktion war die 18 Meter große Himalaya-Bahn.

Traumland Schönholz 1936
Himalaya-Bahn Schönholz

Weitere Attraktionen waren das Riesenrad, die Wasserrutsche, Tanzpavillons, das Varieté und die Traumstadt Liliput. Das Zurschaustellen von kleinwüchsigen Menschen war damals eine Attraktion. Heute undenkbar.

Traumland Schönholz 1936
Darsteller in Liliput

Legendär für ihre Trinkgelage war die Bayernhalle. Nicht weniger beliebt war die Ochsenbraterei, bei der ganze Ochsen am Spieß gedreht wurden. Getanzt wurde in der Restauration „Thiemanns Festsäle“ an der Straße vor Schönholz.

Traumland Schönholz 1936
Liliputaner Varieté

Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde der Vergnügungspark Traumland von den Nationalsozialisten zum Zwangsarbeiterlager umfunktioniert.

Traumland Schönholz 1936
Traumstadt Liliput

Auf den Fundamenten des Festplatzes wurde ein Barackenlager errichtet, von den Pankowern Luna-Lager genannt.

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Zwangsarbeiterinnen vor ihren Baracken im Luna-Lager Schönholzer Heide

Thiemanns Festsäle und das Schloss Schönholz dienten ebenfalls der Unterbringung von Zwangsarbeitern.

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Gelände ehem. Traumland in Schönholz

Das Areal des ehemaligen Traumland liegt heute hinter dem Paul Zobel Sportplatz parallel zur Hermann-Hesse-Straße.

Autor: Christian Bormann 18.02.2015
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 10.04.2016

Motorsport-Club Niederschönhausen

In den 20er und 30er Jahren blühte das Vereinsleben in Pankow. Ob Gesangsverein, Schützen-, Handwerker-, Schach-, Radfahrer- oder Turnverein, Pankow war gesellig. Mit dem Fortschritt der Technik kam ein neuer Verein hinzu, der Motorsport-Club Niederschönhausen.

Vereinstreffen Motorsportclub Niederschönhausen um 1930
Motorsport-Club Niederschönhausen um 1930 Café Bismarck

Das Bändigen der motorisierten Zweiräder war vor allem den Herren vorbehalten, aber auch die Damen des Vereins hatten ihren Spaß im Beisitzer. Eine seltene Aufnahme zeigt ein Clubtreffen um 1930 vor der Konditorei Café Bismarck am alten Wochenmarkt Niederschönhausen.

Autor: Christian Bormann 15.02.2015
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 10.04.2016

Erntedank-Umzug und Rummelplatz Niederschönhausen

Um die Jahrhundertwende war das Erntedankfest in den Berliner Vororten noch gute Tradition, so auch in Niederschönhausen. Es war das Fest der kleinen Leute.

Erntedanfest-Umzug Niederschönhausen und Rummel
Erntefestumzug auf dem Pastor-Niemöller-Platz 1910

Die Bauernhöfe der Gegend schmückten ihre Kutschen so festlich sie konnten, wer keine Kutsche hatte nahm den Bollerwagen. Scharenweise erschienen die Gäste im feinsten Sonntagsanzug.

Erntedanfest-Umzug Niederschönhausen und Rummel
Erntefestumzug auf dem Friedensplatz 1910

Jeder Bauernhof, der etwas auf sich hielt, war Teil des großen Erntedankfest-Umzugs. Liebevoll geschmückt zogen die Kutschen und Handkarren über die Dorfplätze bis zur großen Rummelwiese.

Erntedanfest-Umzug Niederschönhausen und Rummel
Erntefestumzug Waldstraße 1912

Diese befand sich auf dem Turnplatz des Restaurants Carl Liedemit am Concert-Garten zwischen Waldstraße und der Friedenskirche.

Erntedanfest-Umzug Niederschönhausen und Rummel
Rummelvergnügen Pastor-Niemöllrr-Platz

Auf einem großen Teil der Rummelwiese steht heute das Ärztehaus mit Gewerbekomplex Hermann-Hesse-Straße. Der letzte Zeitzeuge ist ein alter Backsteingiebel am Friedensplatz auf dem die Werbung für den Concert-Garten die Zeit überdauert hat.

Erntedanfest-Umzug Niederschönhausen und Rummel
alte Werbung Concert-Garten 2012

Auch auf dem heutigen Pastor-Niemöller-Platz wurden Feste gefeiert. Die Jahrmärkte früher unterschieden sich nicht wesentlich von denen unserer Zeit. Es gab Schausteller, Gewerbetreibende, Karusselbuden und allerlei Kuriositäten für den kleinen Geldbeutel.

Erntedanfest-Umzug Niederschönhausen und Rummel
Erntefest Turnplatz Restaurant Carl Liedemit 1910

Nach den Schrecken des Ersten Weltkriegs war es vorbei mit den unbeschwerten Festumzügen und Feiern der Berliner Vororte.

Erntedanfest-Umzug Niederschönhausen und Rummel
Erntefest Turnplatz Restaurant Carl Liedemit 1910

Erntedankfeste gibt es auch heute wieder in einigen Pankower Bezirken. Ein Publikumsmagnet und alljährlicher Höhepunkt in Pankow ist der Rosenthaler Herbst, eine Woche nach dem Fest an der Panke.

Autor: Christian Bormann, 15.02.2015
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 10.04.2016

Einzug des Lehr-Infanterie-Regiments in Pankow

Bereits seit 1874 gab es in Pankow ein Krieger-Verein. In den Auseinandersetzungen zwischen Preußen und Deutschland 1870 bis 1871 hatte Pankow 8 Gefallene zu beklagen.

Lehr-Infantrie-Regiment Pankow
Abzeichen des Krieger-Vereins Pankow

Das Kriegsdenkmal für die Gefallenen wurde am 2.September 1873 an der östlichen Seite der Pankower Pfarrkirche zu den Vier Evangelisten errichtet. Heute erinnert nichts mehr an dieses Denkmal.

Lehr-Infantrie-Regiment Pankow
Kriegerdenkmal an der Pankower Kirche

Im Herbst 1915 zog das Lehr-Infanterie-Ersatzbataillon in Pankow ein. Das Ersatzbataillon wurde vor dem Rathaus Pankow aufgestellt. Während des Ersten Weltkriegs gehörte es zum Lehr-Infanterie-Regiment.

Lehr-Infantrie-Regiment Pankow
Garnison vor dem Rathaus Pankow

Vom Rathaus zogen sie über den Friedensplatz in das Barackenlager in Niederschönhausen. Neben der Kaserne in der heutigen Schulstraße 1 wurden auch Schulgebäude in Kasernen umfunktioniert.

Lehr-Infantrie-Regiment Pankow
Regiment am Friedensplatz Niederschönhausen

Das Barackenlager Niederschönhausen befand sich zwischen der Friedrichs-Engels-Straße, Blumenthalstraße und Uhlandstraße.

Lehr-Infantrie-Regiment Pankow
Vereidigung Barackenlager Niederschönhausen

Zu den betroffenen Schulgebäuden gehörte die Schule in der Schulstraße 1, Schule in der Grunowstraße, Schule in der Charlottenstraße und das Schulgebäude in der Schmidtstraße, heute Kattegatstraße im Wedding.

Autor: Christian Bormann 14.02.2015
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 10.04.2016

Sraßenbahn-Betriebshof Niederschönhausen

Im Zuge der Elektrifizierung der Großen Berliner Pferde-Eisenbahn genügten die zahlreichen kleinen Pferde-Bahn-Depots nicht mehr, da diese hauptsächlich auf Unterbringung und Versorgung der Pferde ausgerichtet waren.

Pferde-Eisenbahn Decksitzwagen von 1981 auf dem Betriebshof Niederschönhausen
Decksitzwagen der „Grossen Berliner Pferde-Eisenbahn“ von 1891

Diese Depots beherbergten Geschirrkammern, Schmieden, Sattlerei und Futterböden. Die kostbaren Wagen standen im Freien und waren der Witterung ausgesetzt. Die erste Strecke der Großen Berliner Pferde-Eisenbahn führte schon 1874 vom Schönhauser Tor nach Pankow und wurde noch im gleichen Jahr bis Pankow Kirche verlängert.

Betriebshof Niederschönhausen um 1920
Betriebshof Niederschönhausen 1920

Der dazugehörende Betriebshof III der Großen Berliner Pferde-Eisenbahn befand sich an der Berliner-/ Ecke Borkumstraße. Die Bezeichnung Betriebshof III ging 1901 an den Betriebshof der Großen Berliner Elektrischen Straßenbahn in Niederschönhausen über.

Betriebsangehörige auf dem Hof III in Niederschönhausen
Betriebspersonal 1933 – 1945

Mit der Elektrifizierung der Pferde-Bahn verschoben sich die Prioritäten. Von 1896-1924 elektrifizierte die Pferde-Eisenbahn ihr Netz. Wichtig waren jetzt große Wagenhallen mit Revisionsgruben zur Wartung der Unterböden.

Historische Waagen 5256 und 958 im August 1987 in der Schönholzer Straße in Pankow
Wagen 5256 Schönholzer Straße, 1987

Auch Werkräume für die Schlosser, Verwaltungsgebäude mit Dienstwohnungen sowie Aufenthalts- und Lehrräume galt es zu schaffen. Große Gleisanlagen zum Rangieren mussten gebaut werden.

Maximum-Triebwagen von 1907 auf dem Betriebshof Niederschönhausen
Maximum-Triebwagen von 1907

Der Denkmalgeschützte Hof III der Großen Berliner Elektrischen Straßenbahn in Niederschönhausen wurde für diese neuen Anforderungen an den Nahverkehr gebaut. Er gilt heute als Musterexemplar eines Berliner Straßenbahnhof.

Historische Triebwagen verschiedener Baureihen auf dem Betriebshof Niederschönhausen
Historische Triebwagen vor der Wagenhalle

Niederschönhausen wurde als letzter von 8 Berliner Betriebshöfen gebaut und am 29. Mai 1901 eröffnet. Mit rund 25.000 Quadratmetern hatte Hof III die Kapazität, um 190 Wagen von 11 Metern Länge aufzunehmen. Mit der Fertigstellung des Betriebshofes nahm der Ausbau des Nordberliner Straßenbahnnetzes rasant an Fahrt auf.

Historischer Triebwagen über Revisionsgrube
Triebwagen T24/49

Anfang der 20er Jahre arbeiteten auffällig viele Frauen im Pankower Straßenbahnbetrieb. Grund hierfür waren die im Ersten Weltkrieg gefallenen Männer. In der Mitte des Straßenbahnhofes errichteten die Mitarbeiter 1920 ein Denkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Kollegen. In den 70 Jahren wurde das Denkmal wieder entfernt.

Reko-Triebwagen 217055 mit Beiwagen 267006 und 267428 auf dem Betriebshof Niederschönhausen
Reko-Triebwagen 217055 mit Beiwagen

Der Betriebshof III wurde 1924 nach Plänen von Jean Krämer erweitert. Neben der Erweiterung der Wagenhalle gehörte eine Montagehalle, Schmiede, Lager und Umkleideräume zu den Anbauten. Der Ziergiebel über der Wagenhalle wurde entfernt und die Mauer an der Hoffront durch einen Eisernen Zaun ersetzt.

Reko-Arbeitstriebwagen 4508 mit Lore G107. Werkstatt-Wagen des Betriebshof Niederschönhausen
Reko-Arbeitswagen 4508 mit Lore G107

Östlich des Betriebshofes III errichtete die Heimstätten-Gesellschaft der BVG Wohnungen für Betriebsangehörige. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Wagenhalle und das zweistöckige Verwaltungsgebäude durch Bombentreffer schwer Beschädigt.

 Wiederaufbau der Wagenhalle in Niederschönhausen in den 1950er Jahren
Wiederaufbau der Wagenhalle 1950

Die Wiederherstellungsarbeiten dauerten bis in die 50er Jahre, wobei das Dachgeschoss des zweistöckigen kleinen Verwaltungsgebäudes nicht vollständig wieder aufgebaut wurde. In den zweigeschossigen Verwaltungsbau zog 1950 der Betriebsarzt ein.

Betriebshof Niederschönhausen 1960
Betriebshof Niederschönhausen 1960

Nördlich des Gebäudes wurde ein Kulturhaus für die Mitarbeiter eingerichtet. In den 1990er Jahren wurde der Betrieb in Niederschönhausen eingestellt. Die Anlage des Hofes war zu klein geworden um die neuen Straßenbahnen zu rangieren. Bei der Länge der heutigen Straßenbahnzüge muss die Dietzgenstraße mitbenutzt werden. Die davon ausgehenden Beeinträchtigungen für den Straßenverkehr waren nicht zu vertreten.

Zeitzeugen der Deutschen Teilung, Großraumwagen West (links) und Ost (rechts) in Niederschönhausen
Großraumwagen West (links) und Ost (rechts)

Der Denkmalpflegeverein Nahverkehr Berlin nutzt die Anlage heute noch. Die Wagenhalle beherbergt zahlreiche historische Straßenbahnen. Führungen und Ausfahrten der alten Bahnen werden mehrmals im Jahr veranstaltet.

Tatrawagen Typ KT4D auf dem Betriebshof Niederschönhausen 1986
Tatrawagen Typ KT4D 1986

Der alte Straßenbahnhof wird weiterhin betriebsfähig gehalten. In Ausnahmefällen wie Gleis- und Straßenbauarbeiten in Pankow,nutzt die BVG den Betriebshof heute noch.

Autor: Christian Bormann, 10.02.2015
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 30.03.2016

Pankow – Die vergessenen Bahn-Depots

Zu den längst in Vergessenheit geratenen Bahn-Betriebshöfen in Pankow zählen wir folgende:

– Depot der Großen Berliner Pferde Eisenbahn, Berliner Straße
– Pferde-Eisenbahn-Depot Buchholz, Gravensteinstraße
– 1. Depot Siemens & Halske Brehmestraße
– 2. Depot Damerowstraße der BESTAG

Pferde-Omnibus in Französisch Buchholz
Pferde-Omnibus Buchholz

Mit dem Pferde-Omnibus nahm der Berliner Nahverkehr sein Anfang.
Bereits seit 1854 gab es den „Gelben Pferde-Omnibus“ zwischen Pankow und Berlin. Die Strecke verlief zwischen Pankow und Schönhauser Tor.
Die von verschiedenen Firmen betriebenen Pferde-Omnibus-Unternehmen schlossen sich 1868 zur „ABOAG“ zusammen.

Pferde-Eisenbahn vor dem Depot Gravensteinstraße in Französisch Buchholz
Pferde-Eisenbahn Buchholz

Ab 1874 wurde der Pferde-Omnibus auf der Strecke Pankow und Schönhauser Tor durch die Pferde-Eisenbahn ersetzt. Hierzu gehörte der längst vergessene Betriebshof 3 der Berliner Pferde-Eisenbahn. Berliner-/ Ecke Borkumstraße.

Betriebshof 3 der Großen Berliner Straßenbahn in Niederschönhausen
Hof III der Großen Berliner Elektrischen Straßenbahn Niederschönhausen

Die Bezeichnung Betriebshof 3 ging dann an den 1901 eröffneten Betriebshof der Großen Berliner Elektrischen Straßenbahn in Niederschönhausen über.

Betriebshof der ersten elektrischen Straßenbahn Siemens und Halske Brehmestraße Pankow
Straßenbahn-Depot Siemens & Halske Brehmestraße

Im Zuge der Elektrifizierung der Pferdeeisenbahn fuhr die erste elektrische Pankower Straßenbahn, die sogenannte „Siemensbahn“ zwischen Pankow und Wedding. Die Firma Siemens & Halske betrieb seit 1895 Pankows ersten Betriebshof für elektrische Straßenbahnen in der Brehmestraße 21-22.

Betriebshof der BESTAG in der Damerowstraße Pankow
Straßenbahn-Depot BESTAG Damerowstraße

Hier befanden sich bis zur Schließung im Jahre 1901 die Wagenhalle, sowie Schmiede, Reparaturwerkstatt, Kraftstation und Kohleschuppen. Das Bahn-Depot in der Brehmestraße wurde schnell zu klein und 1901 geschlossen.

Triebwagen der Siemensbahn in der Kreuzstraße Pankow
Siemens-Bahn in der Kreuzstraße

Siemens & Halske errichtete den zweiten Pankower Straßenbahnhof in der Damerowstraße 9 – 13. Dieser wurde dann von der BESTAG bis 1930 geführt. Auf dem Grundstück entstand 1936 ein Wohnblock. Seltene historische Aufnahmen zeigen die Siemensbahn in der Kreuzstraße Pankow.

Siemensbahn in der Kreuzstraße Pankow
Siemens-Bahn in der Kreuzstraße

Buchholz sollte sich noch etwas gedulden bis zur Elektrifizierung seines Nahverkehrs, aber auch hier wurde der Pferde-Omnibus schon früh durch die Pferde-Eisenbahn ersetzt. Das Bahn-Depot befand sich in der Gravensteinstraße.

Große elektrische Berliner Straßenbahn in der Blankenburgerstraße  in Pankow Niederschönhausen
Große Berliner Elektrische Straßenbahn in der Blankenburger Straße

Auf dem letzten Bild ist die Große Berliner Elektrische Straßenbahn in der Blankenburger Straße zu sehen. Der Betriebshof 3 der Großen Berliner Straßenbahn in Pankow-Niederschönhausen stellt ein eigenes Kapitel für sich dar, und ist heute sehr bekannt.

Autor: Christian Bormann, 08.02.2015
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 30.03.2016

Filmpionier Max Skladanowsky

Der am 30. April 1836 als viertes von fünf Kindern in Berlin-Pankow geborene Max Skladanowsky war der Sohn von Carl Theodor und Luise Auguste Ernestine Skladanowsky. Seine Ausbildung zum Fotografen und Glasmaler begann er 1877 in der Schönhauser Straße 24 im Atelier Werner sowie in der Schönhauser Allee 28. Der Vater Carl gründete 1879 mit seinen Söhnen Max und Emil eine Produktionsfirma für bewegte Nebelbilder. Ab 18. November 1879 gingen Max Skladanowsky und Vater Carl auf Tournee. Nachdem sich ihr Vater zurückzog, führten Max und Emil die Firma weiter.

Max Skladanowski

Die bis dahin erreichte Qualität der Nebelbilder genügte Max Skladanowsky nicht. Auch war die Konkurrenz sehr groß. Als Resultat seiner ersten Experimente entstand seine erste Filmkamera und in Folge ein Projektionsapparat. Das Bioskop war geboren.

Max Skladanowsky mit Bioscop 1

Ab 1. November 1895 zeigte Skladanowsky 4 Wochen lang seine Kurzfilme im Varieté Wintergarten Berlin. Der bekannteste Kurzfilm war „Das Boxende Känguru“. Im Anschluss gingen Max und Emil gemeinsam auf Tournee durch Deutschland und Nordeuropa. Inzwischen hatten die Brüder Lumiére ein technisch überlegenden Apparat entwickelt, den Cinematographe. Es gelang Max Skladanowsy zwar sein Bioscop zu verbessern, es hieß jetzt Bioscop 2, jedoch fehlten ihm die finanziellen Mittel um Schritt zu halten.

Biskop 2

Schon 1897 zog er sich aus dem Geschäft der bewegten Bilder zurück. Nach der letzten gemeinsamen Vorführung der beiden Brüder 1897 in Stettin trennten sich ihre Wege. Emil ging mit der Wandeldekoration und dem Wasserschauspiel weiter auf Tournee und Max widmete sich dem Vertrieb von Daumenkinos, Fotos und dreidimensionalen Bildern.

Daumenkino Max Skladanowsky

Um die Urheberschaft des Bioscops gab es in den Folgejahren Auseinandersetzungen zwischen den Brüdern. Erst 1930 entschied die Urheberschaftskammer in Berlin zu Gunsten von Max Skladanowsky. Fortan kämpfte er um Anerkennung als Filmpionier. Er behauptete, bereits 1882 die erste Filmkamera gebaut zu haben. Durch das vordatieren seiner Erfindungen wurde seine Glaubwürdigkeit schwer in Mitleidenschaft gezogen.

Wohnhaus von Max Skladanowsky Waldstraße 28

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten hoffte er, mit deren Hilfe als Erfinder des Film anerkannt zu werden, aber auch die NS-Propaganda wusste es besser. Versöhnung fand Skladanowsy als er in den 1930 er Jahren mit seinen inzwischen historisch gewordenen Filmen noch einmal auf Tournee gehen konnte. Leidenschaftlich gern fotografierte er seinen Heimatort. So haben wir ihm heute unzählige historische Fotos und Postkartenmotive von Pankow und sein Nachbardörfern zu verdanken.

Pflaster in der Berliner Straße in Pankow

Heute erinnern in Pankow noch eine gepflasterte Gehwegeinlassung in der Berliner Straße vor dem ehemaligen Kino Tivoli in dem sich der Skladanowskisaal befand an ihn. An seinem langjährigen Wohnhaus in der Waldowstraße 28 hängt eine Ehrengedenktafel. Bereits 1951 wurde die Pankower Wrangelstraße in Skladanowskystraße umbenannt. Max Skladanowsky starb am 30. November 1939. Sein Grab befindet sich auf dem Niederschönhausener Friedhof IV in der Buchholzer Straße.

Grab von Max Skladanowsky Niederschönhausen

Autor: Christian Bormann, 27.12.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 30.03.2016

Die Muskete von Schönholz

An einem Sonntag im Juni 2014 zog es uns mal wieder in die Schönholzer Heide. An diesem Tag hatten wir vor, uns die verbliebenen Baumbestände der Heide etwas genauer anzuschauen.

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Muskete v. Schönholz 05.02.18 bei ZIBB RBB

Vor einiger Zeit waren uns Einritzungen in den Baumrinden aufgefallen. Zwischen zahlreichen Herzen und Liebesbekundungen, die Pankower hier in den letzten 40 Jahren hinterließen, suchten wir die Hinterlassenschafften von Zwangsarbeitern und Soldaten aus den 40er und 50er Jahren.

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Jungfernheide und Schönhauser Fichten um 1800

Es hatte den ganzen Vormittag geregnet, und wir konnten kaum etwas an den Bäumen erkennen, bis wir nach 20 Minuten im wahrsten Sinne des Wortes über ein Stück Rohr, das aus der Erde ragte stolperten. Die achteckige Form hatte unser Interesse geweckt. Behutsam zogen wir das Rohr aus dem Boden und trauten unseren Augen kaum. Es war eine Muskete. Nach einigen Recherchen wandten wir uns an das Märkische Museum.

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Muskete / Jägerstutzen

Unser Bodenfund wurde als Radschloss-Muskete, ein sogenannter Jägerstutzen Baujahr 1640 identifiziert. Die Vermutung liegt nahe, dass die Muskete entweder zur Jagd oder im 30-jährigen Krieg zum Einsatz kam. Im 17. Jahrhundert hieß die Schönholzer Heide noch Schönhauser Fichten und erstreckte sich vom heutigen Bürgerpark bis zur Jungfernheide.

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Weg zum Hohenzollern Berg 2014

Als nächstes kontaktierten wir das Museum Pankow. Zwei Tage später übergaben wir Herrn Bernt Roder, dem Leiter des Museums, unser Fundstück. Die Radschloss Muskete ist nun Teil der Sammlung.

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Fundstück in der Datenbank als Jägerstutzen

Nachtrag: vom 05.März 2017

Das Fundstück ist heute unter der Bezeichnung Jägerstutzen in der Online-Datenbank des Museums zu finden. Ich selbst fand sie nicht in der Museumsdatenbank. Es war Frau Mach vom Freundeskreis der Chronik Pankow.

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Datenbank Museumsverbund Pankow

Der Muskete sollte dieses Jahr gleich in 2 Ausstellungen gezeigt werden. Aus diesem Anlass hatte der Freundeskreis der Chronik Pankow die Spur aufgenommen. Mir wurde berichtet, dass die Muskete noch dieses Jahr als Jägerstutzen Teil einer Ausstellung ist.

Autor: Christian Bormann 26.12.2014 / 05.03.2017

Bilder: Christian Bormann, Museumsverbund Pankow / Datenbank

technische Leitung: Nadine Kreimeier

red.Bearbeitung: Martina Krüger, 05.03.2017