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Sraßenbahn-Betriebshof Niederschönhausen

Im Zuge der Elektrifizierung der Großen Berliner Pferde-Eisenbahn genügten die zahlreichen kleinen Pferde-Bahn-Depots nicht mehr, da diese hauptsächlich auf Unterbringung und Versorgung der Pferde ausgerichtet waren.

Pferde-Eisenbahn Decksitzwagen von 1981 auf dem Betriebshof Niederschönhausen
Decksitzwagen der „Grossen Berliner Pferde-Eisenbahn“ von 1891

Diese Depots beherbergten Geschirrkammern, Schmieden, Sattlerei und Futterböden. Die kostbaren Wagen standen im Freien und waren der Witterung ausgesetzt. Die erste Strecke der Großen Berliner Pferde-Eisenbahn führte schon 1874 vom Schönhauser Tor nach Pankow und wurde noch im gleichen Jahr bis Pankow Kirche verlängert.

Betriebshof Niederschönhausen um 1920
Betriebshof Niederschönhausen 1920

Der dazugehörende Betriebshof III der Großen Berliner Pferde-Eisenbahn befand sich an der Berliner-/ Ecke Borkumstraße. Die Bezeichnung Betriebshof III ging 1901 an den Betriebshof der Großen Berliner Elektrischen Straßenbahn in Niederschönhausen über.

Betriebsangehörige auf dem Hof III in Niederschönhausen
Betriebspersonal 1933 – 1945

Mit der Elektrifizierung der Pferde-Bahn verschoben sich die Prioritäten. Von 1896-1924 elektrifizierte die Pferde-Eisenbahn ihr Netz. Wichtig waren jetzt große Wagenhallen mit Revisionsgruben zur Wartung der Unterböden.

Historische Waagen 5256 und 958 im August 1987 in der Schönholzer Straße in Pankow
Wagen 5256 Schönholzer Straße, 1987

Auch Werkräume für die Schlosser, Verwaltungsgebäude mit Dienstwohnungen sowie Aufenthalts- und Lehrräume galt es zu schaffen. Große Gleisanlagen zum Rangieren mussten gebaut werden.

Maximum-Triebwagen von 1907 auf dem Betriebshof Niederschönhausen
Maximum-Triebwagen von 1907

Der Denkmalgeschützte Hof III der Großen Berliner Elektrischen Straßenbahn in Niederschönhausen wurde für diese neuen Anforderungen an den Nahverkehr gebaut. Er gilt heute als Musterexemplar eines Berliner Straßenbahnhof.

Historische Triebwagen verschiedener Baureihen auf dem Betriebshof Niederschönhausen
Historische Triebwagen vor der Wagenhalle

Niederschönhausen wurde als letzter von 8 Berliner Betriebshöfen gebaut und am 29. Mai 1901 eröffnet. Mit rund 25.000 Quadratmetern hatte Hof III die Kapazität, um 190 Wagen von 11 Metern Länge aufzunehmen. Mit der Fertigstellung des Betriebshofes nahm der Ausbau des Nordberliner Straßenbahnnetzes rasant an Fahrt auf.

Historischer Triebwagen über Revisionsgrube
Triebwagen T24/49

Anfang der 20er Jahre arbeiteten auffällig viele Frauen im Pankower Straßenbahnbetrieb. Grund hierfür waren die im Ersten Weltkrieg gefallenen Männer. In der Mitte des Straßenbahnhofes errichteten die Mitarbeiter 1920 ein Denkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Kollegen. In den 70 Jahren wurde das Denkmal wieder entfernt.

Reko-Triebwagen 217055 mit Beiwagen 267006 und 267428 auf dem Betriebshof Niederschönhausen
Reko-Triebwagen 217055 mit Beiwagen

Der Betriebshof III wurde 1924 nach Plänen von Jean Krämer erweitert. Neben der Erweiterung der Wagenhalle gehörte eine Montagehalle, Schmiede, Lager und Umkleideräume zu den Anbauten. Der Ziergiebel über der Wagenhalle wurde entfernt und die Mauer an der Hoffront durch einen Eisernen Zaun ersetzt.

Reko-Arbeitstriebwagen 4508 mit Lore G107. Werkstatt-Wagen des Betriebshof Niederschönhausen
Reko-Arbeitswagen 4508 mit Lore G107

Östlich des Betriebshofes III errichtete die Heimstätten-Gesellschaft der BVG Wohnungen für Betriebsangehörige. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Wagenhalle und das zweistöckige Verwaltungsgebäude durch Bombentreffer schwer Beschädigt.

 Wiederaufbau der Wagenhalle in Niederschönhausen in den 1950er Jahren
Wiederaufbau der Wagenhalle 1950

Die Wiederherstellungsarbeiten dauerten bis in die 50er Jahre, wobei das Dachgeschoss des zweistöckigen kleinen Verwaltungsgebäudes nicht vollständig wieder aufgebaut wurde. In den zweigeschossigen Verwaltungsbau zog 1950 der Betriebsarzt ein.

Betriebshof Niederschönhausen 1960
Betriebshof Niederschönhausen 1960

Nördlich des Gebäudes wurde ein Kulturhaus für die Mitarbeiter eingerichtet. In den 1990er Jahren wurde der Betrieb in Niederschönhausen eingestellt. Die Anlage des Hofes war zu klein geworden um die neuen Straßenbahnen zu rangieren. Bei der Länge der heutigen Straßenbahnzüge muss die Dietzgenstraße mitbenutzt werden. Die davon ausgehenden Beeinträchtigungen für den Straßenverkehr waren nicht zu vertreten.

Zeitzeugen der Deutschen Teilung, Großraumwagen West (links) und Ost (rechts) in Niederschönhausen
Großraumwagen West (links) und Ost (rechts)

Der Denkmalpflegeverein Nahverkehr Berlin nutzt die Anlage heute noch. Die Wagenhalle beherbergt zahlreiche historische Straßenbahnen. Führungen und Ausfahrten der alten Bahnen werden mehrmals im Jahr veranstaltet.

Tatrawagen Typ KT4D auf dem Betriebshof Niederschönhausen 1986
Tatrawagen Typ KT4D 1986

Der alte Straßenbahnhof wird weiterhin betriebsfähig gehalten. In Ausnahmefällen wie Gleis- und Straßenbauarbeiten in Pankow,nutzt die BVG den Betriebshof heute noch.

Autor: Christian Bormann, 10.02.2015
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 30.03.2016

Die Meilensteine von Buchholz

In Buchholz sind bis heute noch zwei Meilensteine erhalten. Nach kursächsischem Vorbild errichteten die Preußen Anfang des 18. Jahrhunderts ein System von Meilensteinen für die Wege der Postkutschen. So ließen sich Porto und die Gebühren für die Personenbeförderung errechnen. Das Zentrum dieses Entfernungsystems war der Null-Meilenstein in der Residenzstadt Berlin. Er stand auf dem Dönhoff-Platz.

Meilenstein in Buchholz Berliner Straße Inschrift Berlin 1 Meile
historischer Meilenstein Buchholz

Der heutige Marion-Gräfin-Dönhoff-Platz an der Leipziger Straße ist leicht versetzt, auf ihm befindet sich die Nachbildung des Null-Meilensteins. Buchholz kann mit gleich zwei Originalen aufwarten. An den Tram-Gleisen auf der Berliner Straße 32 befindet sich der Stein mit der Inschrift „1 Meile bis Berlin“. Der Zweite befindet sich an der Kreuzung mit der Heidekrautbahn.

Autor: Christian Bormann 08.02.2015
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 30.03.2016

Bild: Hintze CPS

Pankow – Die vergessenen Bahn-Depots

Zu den längst in Vergessenheit geratenen Bahn-Betriebshöfen in Pankow zählen wir folgende:

– Depot der Großen Berliner Pferde Eisenbahn, Berliner Straße
– Pferde-Eisenbahn-Depot Buchholz, Gravensteinstraße
– 1. Depot Siemens & Halske Brehmestraße
– 2. Depot Damerowstraße der BESTAG

Pferde-Omnibus in Französisch Buchholz
Pferde-Omnibus Buchholz

Mit dem Pferde-Omnibus nahm der Berliner Nahverkehr sein Anfang.
Bereits seit 1854 gab es den „Gelben Pferde-Omnibus“ zwischen Pankow und Berlin. Die Strecke verlief zwischen Pankow und Schönhauser Tor.
Die von verschiedenen Firmen betriebenen Pferde-Omnibus-Unternehmen schlossen sich 1868 zur „ABOAG“ zusammen.

Pferde-Eisenbahn vor dem Depot Gravensteinstraße in Französisch Buchholz
Pferde-Eisenbahn Buchholz

Ab 1874 wurde der Pferde-Omnibus auf der Strecke Pankow und Schönhauser Tor durch die Pferde-Eisenbahn ersetzt. Hierzu gehörte der längst vergessene Betriebshof 3 der Berliner Pferde-Eisenbahn. Berliner-/ Ecke Borkumstraße.

Betriebshof 3 der Großen Berliner Straßenbahn in Niederschönhausen
Hof III der Großen Berliner Elektrischen Straßenbahn Niederschönhausen

Die Bezeichnung Betriebshof 3 ging dann an den 1901 eröffneten Betriebshof der Großen Berliner Elektrischen Straßenbahn in Niederschönhausen über.

Betriebshof der ersten elektrischen Straßenbahn Siemens und Halske Brehmestraße Pankow
Straßenbahn-Depot Siemens & Halske Brehmestraße

Im Zuge der Elektrifizierung der Pferdeeisenbahn fuhr die erste elektrische Pankower Straßenbahn, die sogenannte „Siemensbahn“ zwischen Pankow und Wedding. Die Firma Siemens & Halske betrieb seit 1895 Pankows ersten Betriebshof für elektrische Straßenbahnen in der Brehmestraße 21-22.

Betriebshof der BESTAG in der Damerowstraße Pankow
Straßenbahn-Depot BESTAG Damerowstraße

Hier befanden sich bis zur Schließung im Jahre 1901 die Wagenhalle, sowie Schmiede, Reparaturwerkstatt, Kraftstation und Kohleschuppen. Das Bahn-Depot in der Brehmestraße wurde schnell zu klein und 1901 geschlossen.

Triebwagen der Siemensbahn in der Kreuzstraße Pankow
Siemens-Bahn in der Kreuzstraße

Siemens & Halske errichtete den zweiten Pankower Straßenbahnhof in der Damerowstraße 9 – 13. Dieser wurde dann von der BESTAG bis 1930 geführt. Auf dem Grundstück entstand 1936 ein Wohnblock. Seltene historische Aufnahmen zeigen die Siemensbahn in der Kreuzstraße Pankow.

Siemensbahn in der Kreuzstraße Pankow
Siemens-Bahn in der Kreuzstraße

Buchholz sollte sich noch etwas gedulden bis zur Elektrifizierung seines Nahverkehrs, aber auch hier wurde der Pferde-Omnibus schon früh durch die Pferde-Eisenbahn ersetzt. Das Bahn-Depot befand sich in der Gravensteinstraße.

Große elektrische Berliner Straßenbahn in der Blankenburgerstraße  in Pankow Niederschönhausen
Große Berliner Elektrische Straßenbahn in der Blankenburger Straße

Auf dem letzten Bild ist die Große Berliner Elektrische Straßenbahn in der Blankenburger Straße zu sehen. Der Betriebshof 3 der Großen Berliner Straßenbahn in Pankow-Niederschönhausen stellt ein eigenes Kapitel für sich dar, und ist heute sehr bekannt.

Autor: Christian Bormann, 08.02.2015
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 30.03.2016

Pankow feiert 750 Jahre Berlin und 220 Jahre Schönholz

Anlässlich der 750-Jahrfeier Berlins gab es in Pankow wieder einen Festumzug in alter Tradition. Pankow war im 19. Jahrhundert bekannt für seine pompösen Umzüge. Die bekanntesten waren der Umzug der Raschmacher Innung zum Fliegenfest in die Schönholzer
Heide und die Umzüge der Schützengilden.

750 Jahre Berlin und 220 Jahre Schönholz 1987 in Pankow, Berliner Straße

Ihren letzten großen Umzug sahen die Pankower Anfang der 1920er Jahre, denn schon 1924 löste sich die Innung der Raschmacher auf. Es sollte mehr als 60 Jahre dauern bis Pankow an diese Tradition anknüpfte. Pankow beging gleich drei Geburtstage zugleich,denn neben der 750 Jahrfeier Berlins galt es auch 220 Jahre Schönholz und 130 Jahre Pankower Wochenmarkt zu feiern.

750 Jahre Berlin und 220 Jahre Schönholz 1987 in Pankow, Berliner Straße

Berlin und Schönholz wurden offiziell gemeinsam gefeiert. Das beweist ein Wimpel. Das Stück befindet sich in der Sammlung des Museums Pankow. Der Wimpel ist weiß und grün gerändert.

750 Jahre Berlin und 220 Jahre Schönholz 1987 in Pankow, Berliner Straße

Die Inschrift lautet: „750 Jahre Berlin – 220 Jahre Schönholz“. Zwischen den Inschriften ist eine stilisierte Abbildung des sowjetischen Ehrenmals Schönholz zu sehen.
Im Umzug selbst stellten die Pankower mit prächtigen Kostümen, Kutschen und Kulissen ihre historische Vergangenheit bis zur Gegenwart dar.

750 Jahre Berlin und 220 Jahre Schönholz 1987 in Pankow, Berliner Straße

Wir möchten die einzigartigen Bilder von Helmut Alber kurz beschreiben. Auf Bild 1 stellt sich Pankow als Teil Berlins vor, auf Bild 2 ist der Kaufvertrag für Pankow dargestellt. Auf dem Banner steht: „Pankow 1370 Kaufvertrag 100 Mark Silber“.

750 Jahre Berlin und 220 Jahre Schönholz 1987 in Pankow, Berliner Straße

Als nächstes folgt Bild 3, zu sehen ist ein Heißluftballon der hinter einer Kutsche hergezogen wird. Mit dieser Kulisse erinnert Pankow an einen der ersten Ballonflüge der Welt. Jean Pierre Blanchard startete 1788 vom Exerzierplatz im Tiergarten und landete in Karow, wo heute noch der Ballonplatz an seine Landung erinnert.

750 Jahre Berlin und 220 Jahre Schönholz 1987 in Pankow, Berliner Straße

Bild 4 stellt die Traditionsumzüge der Schützengilden durch Pankow dar. Das 130-jährige Jubiläum des Pankower Wochenmarktes, hier auf Bild 5, durfte nicht fehlen. Bild 6 zeigt die Pankower Bauern die mit ihrer Landwirtschaft den Bezirk geprägt haben. Auf dem Gesellschaftsportrait Bild 7 ist im Hintergrund die Werbung des Pankower Maschinenbauers „Niles“ an der S-Bahnbrücke zu sehen.

750 Jahre Berlin und 220 Jahre Schönholz 1987 in Pankow, Berliner Straße

Womit wir in der jüngeren Vergangenheit angekommen sind. Ein riesiger Roboter rollt im Festumzug auf der Berliner Straße mit. Diese beeindruckende Kulisse steht für den Pankower Werkzeug und Maschinenbauer „Niles“ in der Hadlichstraße.

750 Jahre Berlin und 220 Jahre Schönholz 1987 in Pankow, Berliner Straße

Beim Betrachten der Bilder lässt sich erahnen, wie die Festumzüge im alten Pankow aussahen. Leider scheiterten alle Versuche, das Fliegenfest wiederzubeleben. So zieht es die Pankower alle Jahre wieder zum Fest an der Panke und eine Woche später zum Rosenthaler Herbstfest.

Autor: Christian Bormann, 01.02.2015
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 30.03.2016

Bilder: Privatarchiv Helmut Alber

Heinersdorf – Rundlokschuppen und „Blue Lady“

Zwischen dem S-Bahnhof Heinersdorf und dem Autobahnzubringer Prenzlauer Promenade befindet sich ein außergewöhnliches Industriedenkmal. Der sogenannte Rundlokschuppen, auch Ringlokschuppen genannt, war Teil des inzwischen abgerissenen Rangierbahnhofes Pankow.

Heinersdorfer Rundlokschupen

Es handelt sich hierbei um eine 24-gleisige Lokomotivenhalle mit vorgelagerter Ringweiche, die sternförmig alle Gleise der Halle bedienen konnte. Das 1893 gebaute Objekt aus der Kaiserzeit diente als Werkstatt und Ausbildungshalle. Ein unschätzbares Relikt aus den Anfängen des Eisenbahnzeitalters.

Heinersdorfer Rundlokschupen

Das Heinersdorfer Industriedenkmal ist das zuletzt gebaute seiner Art und eins von zwei noch existierenden in ganz Deutschland. Der zweite Ringlokschuppen befindet sich auf dem Rangierbahnhof Berlin-Rummelsburg. Beide Lokschuppen stehen unter Denkmalschutz. Für Berlin-Rummelsburg beantragte die Deutsche Bahn 2009 eine Abrissgenehmigung, diese wurde verweigert.

Heinersdorfer Rundlokschupen

Der Betrieb in Pankow-Heinersdorf wurde bereits in den 1990er Jahren eingestellt. Bis 2001 wurden hier ab und an noch historische Züge gewartet und repariert. Zu den letzten Gästen gehörte auch allerlei Prominenz. Die letzte Besucherin war die „Blue Lady“. Von der Schwarzkopf AG-Berlin 1935 gebaut war sie als Sonderanfertigung die Nummer 1 unter den Stromlinien-Dampfloks.

Heinersdorfer Rundlokschupen

Die voll verkleidete, 24 m lange Lok der Baureihe 01 1102 mit Ölbefeuerung hatte 2380 PS und erreichte 150 Km/h. Im Inneren eine Ausstattung wie sie in den 40er Jahren üblich war, glich sie durch ihre stromlinienförmige Vollverkleidung äußerlich einem U-Boot auf Schienen. Frontal hing ein riesiger Reichskriegsadler vor der Dampflok.

Heinersdorfer Rundlokschupen

Heute ist das Grundstück mit seinem Kaiserlichen Rundlokschuppen Eigentum von Möbel Krieger. Wer miterlebt hat, wie unter Denkmalschutz stehende Objekte auf dem alten Güterbahnhof, der ebenfalls zu Möbel Krieger gehört, der Brandstiftung zum Opfer gefallen sind, ahnt wohl wie die Zukunft des Lokschuppen aussieht.

Autor: Christian Bormann, 28.01.2015
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 30.03.2016

Luftbilder: Michael Bartel

Säuglings- und Kinderkrankenhaus Weißensee

Mit steigender Geburtenrate Anfang des 20. Jahrhunderts nahm auch die Sterberate von Säuglingen zu. Als Gegenmaßnahme wurden in Preußen Säuglingskrankenhäuser errichtet. Das Säuglings- und Kinderkrankenhaus Weißensee war das erste seiner Art in Preußen. Initiator war der von Dr. Julius Ritter gegründete Verein „Säuglingskrankenhaus Berlin“.

Säuglings- und Kinderkrankenhaus Weißensee

Mit Unterstützung des Kreises Niederbarnim konnte die Gemeinde Weißensee 375.000 Mark für den Krankenhausbau aufbringen. Auf dem 28.000 Quadratmeter großen Grundstück erfolgte 1909 die Grundsteinlegung. Mit Planung und Aufsicht der Arbeiten war der Gemeindebaurat Carl James Bühring beauftragt. Am Vormittag des 8. Juli 1911 wurde das Haus mit Parkanlage an der heutigen Hansastraße eingeweiht.

Säuglings- und Kinderkrankenhaus Weißensee

Das Haus hatte Kapazität für 60 Säuglinge. Zu den Besonderheiten gehörte die ebenfalls erste und einzige „Milchkuranstalt“ in Preußen. Die im Krankenhauskomplex integrierte „Milchkuranstalt“ umfasste neben einem Kuhstall für 38 Kühe und einer Molkerei auch Anlagen zur Milchverarbeitung.

Säuglings- und Kinderkrankenhaus Weißensee

Für den Transport und die Lagerung der Milch war ebenfalls gesorgt. Neben dem Kuhstall gab es auch ein Pferdestall für 6 Rösser samt Knechtstube und Remise für drei Wagen. Eine weitere Besonderheit war der im Park gelegene Isolierpavilon. Hier wurden Keuchhusten und Diphtherie behandelt.

Säuglings- und Kinderkrankenhaus Weißensee

Das Säuglings- und Kinderkrankenhaus Weißensee war das führende seiner Art in ganz Europa. So richtete es vom 11. bis 15. September 1911 den 3. Internationalen Kongress für Säuglingsschutz in Berlin aus. Die von der Gemeinde Weißensee gestiftete Figur „Caritas“ ist verschwunden, erhalten ist nur der Sandsteinsockel.

Säuglings- und Kinderkrankenhaus Weißensee

Im Rahmen der Berliner Gebietsreform 1920 erfolgte die Eingemeindung von Weißensee nach Berlin. In deren Folge wurde die „Milchkuranstalt“ herausgelöst. Sie ging an die „Berliner Stadtgüter“ über und bildete die Basis des 1965 gegründeten „Milchhof Heinersdorf“. Die letzte Großinvestition war das neue Bettenhaus als ergänzender Anbau an der Rückseite der historischen Klinik.

Säuglings- und Kinderkrankenhaus Weißensee

Die Grundsteinlegung erfolgte 1985, Einweihung war im Oktober 1987. Schon 10 Jahre später am 1. Januar 1997 wurde das Säuglings- und Kinderkrankenhaus geschlossen. Das Land Berlin ließ sich 2005 von der Bio Resonanz GmbH um das Grundstück betrügen, 2011 trat Berlin vom Kaufvertrag zurück.

Säuglings- und Kinderkrankenhaus Weißensee

Seither beschäftigen sich die Gerichte mit der Rückabwicklung. Inzwischen hat es dutzende Male gebrannt. Die Gebäudesubstanz ist nicht mehr zu retten. So verliert das Krankenhaus auch seinen Denkmalschutz.

Autor: Christian Bormann 25.01.2015
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 30.03.2016

Bilder: Hintze CPS

Pankow – Der älteste Wochenmarkt Berlins

Bereits seit 1857 gibt es in der Breite Straße den Pankower Wochenmarkt.
Zentral gelegen auf dem alten Dorfanger an der Pfarrkirche „Zu den vier Evangelisten“. Der Wochenmarkt in Pankow ist der älteste noch bestehende Wochenmarkt in Berlin.

Wochenmarkt Pankow

Das Dorf Pankow war im 19.Jahrhundert und frühen 20.Jahrhundert ein Magnet für Besucher aus ganz Berlin und seinen Nachbardörfern.
Tanzsäle, Biergärten, Parks und später auch Lichtspielhäuser und der größte Berliner Vergnügungspark „Traumland“ in der Schönholzer Heide waren durch Vorstadtwagen gut zu erreichen.

Wochenmarkt Pankow

Der Besucheransturm auf Pankow führte rasch zur Verknappung von Lebensmitteln.
Schon im alten „Bolle Lied“ hieß es: “ …war allet wegjefressen von fremde Leute hier…“.
Mit der Einrichtung eines Wochenmarktes in Pankow hatten die Bauern der umliegenden Dörfer die Möglichkeit ihre Erträge direkt zu vermarkten.
Die traditionellen Markttage waren Dienstag und Freitag.

Wochenmarkt Pankow

Neben dem Wochenmarkt existierte in den 20er Jahren auch ein Zeugmarkt.
Dieser lag zwischen der Gnau’schen Kur- und Nervenheilanstalt für Frauen und der Bleichröder Villa auch bekannt als alter „Husemann Club“.
Zu DDR-Zeiten wurde das Grundstück des Zeugmarkt für den jährlichen Pankower Weihnachtsmarkt genutzt.

Wochenmarkt Pankow

Im Laufe der Zeit wurde die Breite Straße zur Johannes R. Becher Straße und nach dem Mauerfall wieder zur Breite Straße.
Der Dorfanger in Pankow wurde über die Jahrzehnte oft baulich verändert.
Der Pankower Wochenmarkt jedoch trotzt seit 1857 allen politischen,sozialen und baulichen Veränderungen.

Wochenmarkt Pankow

Autor: Christian Bormann 19.01.2015
technische Leitung: Nadine Kreimeier

Komm Karlineken komm, wir wollen nach Pankow gehen

Das Urstück unseres heutigen Gassenhauers war ein Volksmarsch mit Gesang. Der Hamburger Komponist Emil Ascher schrieb schon Ende des 19. Jahrhunderts ein textiertes Trio „Komm Karline komm, wir gehen nach Hamburg“.
Dieser kurze Hamburger Jux-Marsch wurde vom Frankfurter Komiker Adolf Spahn zu einem Couplet mit 5 Textstrophen „Komm Karline, komm wir wollen nach Seckbach gehen“ umgeschrieben.
In Berlin wurde das Lied in „Komm Karline komm, wir wollen nach Rixdorf gehn“ umgetextet. Hier wurde erstmals das „Kille kille“ in den Refrain aufgenommen.
Im Laufe der Zeit gesellten sich auch internationale Interpretationen hinzu. In Warschau sang man „Pójdz Paulinko“ in Paris „Viens Poupoule“. In aller Welt bekannt und für das Original gehalten, ist unsere Heimatversion „Komm Karlineken komm, wir woll’n nach Pankow geh’n“. Hierfür verantwortlich war der Charlottenburger Verleger Karl Köhler. Er publizierte die humoristische Gesangspolka mit dem vierstrophigen Text von Seelig und Latz, musikalisch bearbeitet von Carl Wappaus, vorgetragen vom Komiker Littke Carlson.

historische Postkarte von Pankow, komm Karline komm

Komm Karlineken,
Komm Karlineken, komm
Wir woll’n nach Pankow geh’n,
da ist es wunderschön.
Pankow, Pankow, Pankow

kille kille Pankow,
kille kille hopsassa.

Komm Karlineken,
Komm Karlineken, komm
Wir woll’n nach Pankow geh’n,
da ist es wunderschön,
das kannste Baden jeh’n,
und ick dir nacked seh’n,
du brauchst dir nicht zu Schäm,
komm Karlineken komm ……

Autor: Christian Bormann, 31.12.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 30.03.2016

Das Baginski-Imperium

Leo Maximilian Baginski genannt Max Baginski wurde am 7. Juni 1891 in Kolmar als eins von sieben Kindern des Bauunternehmers Nikolaus Konstantin Baginski und dessen Frau Constantia geboren. Max Baginski war Erfinder und begnadeter Werbefachmann.

Fabrikkomplex von Leo Maximilian Baginski Hiddenseestr.10 Pankow

Baginski absolvierte seine Kaufmännische Lehre in Berlin. Im Anschluss trat er 1908 in die Firma „Scheik und Gladow“ ein. Hier gelang ihm seine erste Erfindung, ein universaler Flaschenverschluss. Bereits nach einem halben Jahr kündigte Baginski und gründete zur Verwertung seines Patents eine eigene Firma, die spätere „ETA Chemisch-Technische Fabrik GmbH“.

ETA Pankow, Nasenforme

Schon 1912 übernahm Baginski die Heilmittelfabrik „Dr. Ballowitz & Co“.
Nach seinem Russland-Einsatz als Soldat im 1. Weltkrieg ernannte ihn der Prinz von Thurn und Taxis im Jahre 1919 zum Geheimen Komissionsrat. Er heiratete 1920 Katharina Stanke und wurde Vater von drei Töchtern. Neben der „Spalttablette“ erfand Max Baginski auch den „Punktroller“. Diese Erfindung verschaffte ihm 1925 das Kapital zum Erwerb eines großen Firmengeländes in Pankow.

Reklame, Dr. Ballowitz & Co Pankow

Hier saßen jetzt die Tochterunternehmen „ETA“ Borkumstraße 2 und „Dr. Ballowitz & Co“ Arkonastraße 3. Baginski konnte 1931 den Serologen Prof. Dr. Med. Hans Much als Partner gewinnen. Die dritte Firmentochter war geboren. Die „Prof. Dr. Med. Much’sche Präparate GmbH“ Borkumstraße 2. Die „Much’sche GmbH“ wurde 1934 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

Reklame, Pro. Dr. Med. Much'sche Präparate Pankow

Zum Baginski-Imperium gehörte auch die Tochtergesellschaft „Titus Chemisch-Pharmazeutische Fabrik“ Hiddensee Straße 10. Nach dem II. Weltkrieg wurde Max Baginski von den Sowjets enteignet und im ehemaligen KZ Buchenwald interniert.

Reklame, Tittus Chemisch-Pharmazeutische Fabrik Pankow

In Buchenwald legte er das Gelübde ab, im Falle seines Überlebens eine Kirche zu bauen. Baginski überlebte Buchenwald und kam im August 1948 frei. Max Baginski erfüllte sein Gelübde und baute eine Kirche nebst Pfarrhaus. Sein Firmenimperium baute er in West-Deutschland wieder auf.

Autor: Christian Bormann 29.12.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 30.03.2016

Parfümfabrik W. Reichert Pankow

Zum Wandel vom Dorf Pankow zum wohlhabenden Vorstadtbezirk trugen nicht nur Größen wie die Borsig Elektrizitätswerke bei. Eine Vielzahl kleinerer Unternehmen und Fabriken leistete einen nicht unerheblichen Beitrag zu dieser Entwicklung. Neben der Berliner Wagenachsenfabrik und der Karosseriefabrik der Gebrüder Wienicke hatten auch kosmetische Chemiefabriken und Hersteller orthopädischer Artikel ihren Anteil am Wohlstand von Pankow.

Reklame,E.Reichert's Rosaderma

Zu jenen Vorzeigeunternehmen des 19. Jahrhunderts gehörte ab 1884 auch die Parfümfabrik W. Reichert in der Schulzestraße 29-34. Beliebte Artikel waren „Reichert’s Rose-Pon-Pon“, „Rosaderma“ und „Carneval-Schminken“.

Reklame,E.Reichert's Rosaderma

Die Fabrik zog 1917 in die Berliner Straße 16 um. In den 20er Jahren gehörte das Feinmachen der Damen zum guten Ton. Zahlreiche Tanz-Bälle und Festlichkeiten, wie sie gerade für Pankow bekannt waren, boten Gelegenheit, sich vom Alltag abzulenken.

Reklame,E.Reichert's Carneval-Schmiken

Reicherts Schminken und Puder waren in aller Munde.
Ab 1936 wechselte die Fabrik erneut ihren Standort. W. Reicherts Parfümfabrik arbeitete fortan in der Bornholmer Straße 7 weiter.

Reklame W.Reichert's Pankow Rosaderma Hautcréme

Autor: Christian Bormann 28.12.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 30.03.2016