Archiv der Kategorie: Geschichten

Sternecker und sein Welt-Etablissement Schloss Weißensee

Die Geschichte von Schloss Weißensee beginnt im Jahr 1745 als Gutshaus des Geh. Rath. Carl Gottlob von Nüßler. Den Namen Schloss Weißensee verdankt das Haus seiner übertrieben pompösen Ausstattung. Im Jahr 1877 pachtete Rudolf Sternecker erstmals das Schloss und versuchte sich als Gastronom in Weißensee. Seine Vorgänger waren zuvor an gleicher Stelle gescheitert. Auch Sternecker war seiner Zeit zu weit voraus. Es mangelte schlicht an Gästen aus Berlin.

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Welt-Etablissement Schloss Weißensee, 1888

Acht Jahre später versuchte es Sternecker noch einmal im Schloss Weißensee. Die Zeiten hatten sich geändert, zehntausende Berliner strömten jetzt an ihren freien Tagen in die Berliner Vororte und suchten hier ihr Vergnügen. Rudolf Sternecker schuf mit seinem Etablissement Schloss Weißensee den zu seiner Zeit größten und modernsten Freizeitpark Berlins.

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Schloss Weißensee mit elektrischer Eisenbahn, 1890

Das Schloss erweiterte er um einen Ballsaal. Um den See herum entstanden Musikpavillons, Karussells, eine Badeanstalt sowie ein Hippodrom, das Riesenrad und zahlreiche Jahrmarktschaukeln sowie das Lusthäuschen.

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Schloss Weißensee, 1889

Im Weißen See selbst wurde eine Theaterbühne errichtet. Während die Besucher mit Gondeln den See befuhren oder in künstlichen Bassins tauchten konnten sie dem Spektakel auf der Bühne folgen. Einmal täglich ließ Sternecker einen Vulkan auf dem See ausbrechen und Pompeji untergehen. Auch Feuerwerk, Goldregen über dem See und Fallschirmspringer, die von einem Ballon absprangen, waren Garanten für beste Unterhaltung.

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Reklame Sternecker Weißensee, 1890

Sterneckers erfolgreichste Attraktion war die Schweizer Rutschbahn, auch „Schwedische Rutschbahn“ genannt. Hunderttausende besuchten das „Welt-Etablissement Schloss Weißensee“. Der Verzehr von Getränken in den Bierhallen war so gewaltig, dass an der Königs-Chaussee eine eigene Brauerei errichtet werden musste.

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Sterneckers Schweizer Rutschbahn

Neben einem Motorboot, welches auf dem See verkehrte, fuhr auch eine elektrische Eisenbahn auf dem Festgelände. Ein Teil der Strecke war sogar untertunnelt. Zu den modernsten Errungenschaften gehörte neben der elektrischen Beleuchtung um den See herum eines der ersten Telefone in Weißensee.

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Lusthäuschen im Park

Rudolf Sternecker wohnte bis 1893 in der Albertinenstraße. Schon 1897 brach er seine Zelte in Weißensee ab und verschwand aus dem Fokus der Geschichte. Das Schloss Weißensee brannte am 21.Februar 1919 ab.

Autor: Christian Bormann, 06.02.2016
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

U-Bhf Vinetastraße und die Hohenzollern-Berge in Schönholz

Seit 1913 betrieb die private Hochbahngesellschaft die „Centrumslinie“ vom Spittelmarkt bis Alexanderplatz, heute ein Teilstück der U2. Schon kurz darauf wurde die Linie bis zum Bahnhof Nordring, dem heutigen Bahnhof Schönhauser Allee weitergeführt. Die Dorfgemeinde Pankow forderte schon 1905 bei Bekanntwerden der Hochbahnpläne für Berlin eine Verlängerung bis zum Pankower Anger.

Christain Bormann, pankowerchronik
U-Bhf Vinetastraße 1959

Das Hochbahnviadukt zwischen U-Bhf Senefelder Platz und Bahnhof Nordring entstand mangels Kapitals. Es galt, die enormen Kosten vom Spreetunnel sowie der Tunnelanlagen Klosterstraße und Spittelmarkt zu kompensieren. Erst 1927 griff die Hochbahngesellschaft die Forderung der Pankower Gemeindevertreter nach einem eigenen U-Bahnhof auf. Die Bauarbeiten begannen noch im selben Jahr.

Christain Bormann, pankowerchronik
U-Bhf Vinetastraße 1960

Geplant war eine Verlängerung bis zur Pankower Kirche. Das Hochbahnviadukt wurde am Bahnhof Nordring von 12 Metern auf eine Stützenbreite zu 28,5 Meter erweitert und bis zur Bornholmer Straße verlängert. An der Berliner Straße begann die sogenannte Rampe, die in einen Erdtunnel führte. Die Strecke nach Pankow konnte nicht oberirdisch weitergeführt werden. Geplant war eine Verlängerung bis zum Pankower Anger, die U-Bahn hätte so den quer verlaufenden Damm der Stettiner Bahn am heutigen Bahnhof Pankow kreuzen müssen.

Christain Bormann, pankowerchronik
Hohenzollern-Berg Blickrichtung Sowjetisches Ehrenmahl Schönholz

Dies wäre nur unterirdisch möglich gewesen. Der U-Bhf Pankow-Vinetastraße nahm seinen Betrieb am 29.Juni 1930 auf. Die Planungen zum Zweiten Weltkrieg und die damit verbundenen Kosten verhinderten eine Weiterführung der U-Bahnlinie bis Pankow Kirche. Der Tunnel selbst reichte bis zur Masurenstraße hier befand sich unter der Berliner Straße die Kehranlage.

Christian Bormann
Auf dem Hohenzollern-Berg Schönholzer Heide 2015

So mussten sich die Pankower bis ins Jahr 2000 mit dem U-Bhf Vinetastraße zufrieden geben. Bei den Erdarbeiten 1927 entlang der Berliner Straße entstanden enorme Mengen an Abraum. Die Gemeinde war verantwortlich für die Entsorgung, so entschlos man sich kurzerhand, fast den gesamten Aushub in die Schönholzer Heide zu verbringen und für die Pankower Bevölkerung Rodelberge anzulegen. Am Ende der Heinrich-Mann-Straße sowie am Ende der Tucholskystraße befinden sich zwei Eingänge in die Schönholzer Heide.

Christain Bormann, pankowerchronik
Hohenzollern-Berg an der Friesenstraße Schönholzer Heide

Beide Eingänge liegen etwa 150 Meter voneinander entfernt. Die dort beginnenden Wege verjüngen ihren Abstand zueinander, bis sie an der Friesenstraße auf die höchste Erhebung in der Schönholzer Heide treffen. Zwischen beiden Wegen befinden sich abwechselnd große und kleine Erdhügel, zwischen ihnen befindet sich auch das versunkene Heide Theater. Dieser kleine „Bergkamm“ sowie die mit einer Steintreppe verzierte Erhebung an der Friesenstraße werden seit 1927 „Die Hohenzollern-Berge“ genannt.

Autor: Christian Bormann 23.11.2015
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 31.03.2016

Hoch auf dem gelben Wagen

Das Volkslied „Hoch auf dem gelben Wagen“ geht ursprünglich auf das 1879 von Rudolf Baumbach verfasste Gedicht „Der Wagen rollt“ zurück. Der Pankower Komponist und Apotheker Heinz Höhne vertonte das Gedicht 1922 unter dem Titel „Hoch auf dem gelben Wagen“.

Christian Bormann, pankowerchronik
Apotheker Heinz Höhne

Der 1892 geborene Heinz Höhne stammte aus einer musikalischen Familie. Als Kind bekam er Geigenunterricht und komponierte bereits mit 12 Jahren seine ersten Lieder. Nach dem Ersten Weltkrieg absolvierte er seine pharmazeutische Lehre und machte sein pharmazeutisches Staatsexamen in Berlin.

Christain Bormann, pankowerchronik
Adler-Apotheke um 1920

Ab 1923 arbeitete Höhne in der Pankower Adler-Apotheke. Die Apotheke kaufte er 1936. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Apotheken in Ostdeutschland verstaatlicht. Heinz Höhne wurde Leiter mehrerer Apotheken in und um Berlin bis er sich 1965 aus dem Berufsleben zurückzog und 1968 verstarb.

Christain Bormann, pankowerchronik
Tito 8.Juni 1965 Pankower Renner, im Hintergrund die Adler-Apotheke

In dem Volkslied ging es um das Leben und den Lauf der Dinge, beschrieben als Reise in einer Postkutsche. Deutschlandweite Bekanntheit erlangte das Lied erst 1973. Es war der Außenminister der Bundesrepublik Deutschland, Walter Scheel, der es zu Gunsten wohltätiger Zwecke am 6. Dezember 1973 in der ZDF-Show „Drei mal Neun“ sang.

Christain Bormann, pankowerchronik
Adler-Apotheke 2015

Die von Polydor vermarktete Version wurde zum Kassenschlager. Ganze 15 Wochen hielt sich „Hoch auf dem gelben Wagen“ und erreichte als Bestplazierung Platz 5 der Deutschen Charts. Der 5 Jahre zuvor verstorbene Heinz Höhne erlebte diesen Durchbruch seiner Komposition nicht mehr.

Christain Bormann, pankowerchronik
Walter Scheel 1973 im Tonstudio

Hoch auf dem gelben Wagen

Hoch auf dem gelben Wagen
sitz ich beim Schwager vorn.
Vorwärts die Rosse jagen,
Lustig schmettert das Horn.
Berge und Wälder und Matten,
wogen des Aehrengold.-
Möchte wohl ruhen im Schatten,
Aber der Wagen rollt.

Flöten hör‘ ich und Geigen,
Kräftiges Baßgebrumm;
Lustiges Volk im Reigen,
Tanzt um die Linde herum,
Wirbelt wie Laub im Winde,
Jubelt und Lacht und rollt.-
Bliebe so gern bei der Linde,
Aber der Wagen rollt.

Pastillon an der Schenke
Füttert die Rosse im Flug;
Schäumendes Gärstengetränke
bringt uns der Wirt im Krug.
Hinter den Fensterscheiben
Lacht ein Gesichtchen hold.-
Möcht so gern noch bleiben,
Aber der Wagen rollt.

Sitzt einmal ein Gerippe
Hoch auf dem Wagen vorn,
Trägt statt Peitsche die Hoppe,
Stundenglas statt Horn-
Ruf’ich „Ade ihr Lieben,
Die ihr noch bleiben wollt;
Gern wär’ich selbst noch geblieben,
Aber der Wagen rollt.

Autor: Christian Bormann 21.11.2015
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 31.03.2016

Die Legende vom Kriegsschatz im Wilhelmsruher See

Das Seebad Grande, zumindest der Name und die zahlreichen historischen Postkarten, ist vielen Pankowern noch bekannt. Die Legende vom Kriegsschatz im Wilhelmsruher See kennen nur wenige. Bereits die Nationalsozialisten hatten Ende der 1940er Jahren vor, das alte Seebad in Wilhelmsruh auszubauen.

Christian Bormann
Frauen-Turn-Verein am Wilhelmsruher See 1931

Nachdem Deutschland immer mehr Kriegsschauplätze zu unterhalten hatte, wurden viele solcher Projekte gestoppt. Es galt, vorrangig die Fronten zu versorgen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieg lag Wilhelmsruh in der sowjetisch besetzten Zone. Auch unter den Kommunisten gab es Anfang der 1970er Jahre den Plan, das Seebad in Wilhelmsruh wieder herzustellen.

Autor Christian Bormann, Pankower Chronik,pankowerchronik,
Helfer des Nationalen-Aufbau-Werk 1956 Schönholzer Heide

Im Auftrag des Nationalen-Aufbau-Werks begannen Helfer am Wilhelmsruher See den Schlamm abzupumpen und in die Schönholzer Heide zu bringen. Im Rahmen dieser Arbeiten war mein Großvater mit einem LKW der Borsig-Werke unterwegs zu den Pankower Bauernhöfen und Äckern. Ihre Aufgabe war es, Findlinge einzusammeln und nach Schönholz in die Heide zu bringen.

Treppe Heide Theater Schönholz
Verfüllte Tanzfläche des Heide-Theaters

Während der Schlamm aus dem Wilhelmsruher See im gerade erst aufgegebenen Heide-Theater verteilt wurde, fanden die Helfer Unmengen an Schmuck und Wertgegenständen. Die Arbeiten wurden unterbrochen und durften erst unter Aufsicht der Volkspolizei wieder aufgenommen werden. Schnell war klar das die Funde Wilhelmsruher Bürgern zuzuordnen waren.

Heide Theater
Mit Schlamm aus dem Wilhelmsruher See verfülltes Heide-Theater

Kurz vor dem Einmarsch der Sowjets hatten viele Anlieger ihr wertvolles Hab und Gut im flachen Wilhelmsruher See versenkt, in der Hoffnung, es später bergen zu können. Auf die Volkspolizei folgten dann sowjetische „Zuständige“ die sich um die Funde kümmerten. Das versprochene Seebad gab es auch unter den Kommunisten nicht. Was genau geborgen wurde, wieviel es wert war, und wo es verblieben ist, ist in keinem Archiv verzeichnet. Und so bleibt der Kriegsschatz aus dem Wilhelsmsruher See für alle, die nicht dabei waren, eine Legende.

Autor: Christian Bormann 09.11.2015
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 31.03.2016

Der vergessene Urnenhain in der Schönholzer Heide

Der alte Grabstein von Maria Tschiersky markiert heute den ca. 30 Meter mal 30 Meter kleinen Urnenhain.

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Grabstein Maria Tschiersky, geb. Schulz
Bei einer Begehung der Schönholzer Heide mit Mitarbeitern des Berliner Kurier im August 2014, entdeckten wir den kleinen Hain. In seiner Mitte steht noch ein Gedenkstein. Die Inschrift lautet: „Liebe Hege Fleiss und Streben war unser Leben“.

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Runenstein mit Inschrift, 2016
Durch Zufall stolperten wir über kleine Emailleschilder, die noch unangetastet im Boden steckten. Darauf zu lesen waren die Namen der hier in Urnen begrabenen Menschen. Der Friedhof V war im 2. Weltkrieg Teil des Schlachtfeldes Schönholzer Heide.

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Beschilderung des Urnenhains
Bei seiner Wiederherstellung wurden Teile des ursprünglichen Friedhofes ca. 1,50 m mit Erdreich aufgeschüttet. Hiervon zeugen heute noch originale Zaunpfähle, die an den Abbruchkanten aus dem Erdreich ragen.

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Urnenhain 2016
Gleichzeitig wurde der Friedhof verkleinert. Füchse gruben sich über die Jahrzehnte in die Abbruchkanten des Friedhofes, dabei trugen sie allerhand Material aus den Gräbern. Rings um den Friedhof V in der Schönholzer Heide lassen sich Grabblumen, Grabsteine, Knochen, künstliche Gebisse, Sarghenkel und Beschläge finden.

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Urnenhain 2016

In der Nachkriegszeit hatten die Pankower andere Sorgen. Man kümmerte sich um die Überlebenden, der Tod war allgegenwärtig und zum täglichen Begleiter geworden. So geriet der kleine Urnenhain schnell in Vergessenheit. 

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Offene Grabstelle
Da bis auf den Runenstein auch die letzten Hinweise auf diese Begräbnisstätte geraubt wurden, gibt es heute keine Zeugnisse mehr von diesem Hain. Das war für mich Grund genug, mit dieser kleinen Geschichte einen Hinweis zu hinterlassen.

Autor: Christian Bormann, 12.10.2015
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 31.03.2016/12.09.2016

Das falsche Schloss Schönholz

Anfang der 1750er Jahre kaufte Königin Elisabeth Christine einen Teil der Schönhauser Fichten. Diese erstreckten sich damals noch vom Nordufer der Panke im Bürgerpark bis zur Jungfernheide. Auf dem Areal der heutigen Schönholzer Heide ließ Elisabeth eine Maulbeerplantage anlegen.

Gutshaus der Königin Plantage, sogenanntes Schloss Schönholz, 1885

Die von da an sogenannte Königinplantage gehörte organisatorisch zum Schlosspark Schönhausen. Am Rand der Plantage siedelte die Königin im Jahre 1736 Kolonisten an. Es waren Leineweber und Tuchmacher. Auf diese Kolonisten lässt sich auch der Name Tuchmacherweg zurückführen. Den Namen Schönholz bekam die Kolonie im Jahre 1791. So wurde aus diesem Teil der Schönhauser Fichten die Schönholzer Heide.

Allee zum Gutshaus, sogenanntes Schloß Schönholz, 1885

Anfang der 1790er Jahre entwickelte sich die Königinplantage zu einem Landgut. Das Gutshaus wurde um 1800 erbaut und war von innen pompös ausgestattet. In den umliegenden Dörfern nannte man das Gutshaus Schloss Schönholz. Von 1872 bis 1884 befand sich in dem Gutshaus die höhere Mädchenschule von Henriette Jenrich.

antike Postkarte Restaurant Schloss Schönholz 1900

Die Berliner Schützengilde kaufte das Gelände samt Gutshaus. Der größte Teil des schon stark verfallenen Hauses wurde abgerissen. Das 1884 erbaute Schützenhaus wird heute Schloss Schönholz genannt. Um 1900 betrieb Hans Rettschlag sein Restaurant Schloss Schönholz im alten Gutshaus.

Zeitung mit Zeichnung vom Schloss 1933

Als Restauration blieb das Gutshaus bis zum 2. Weltkrieg erhalten.Hiervon zeugen neben historischen Postkarten ein Zeitungsartikel nebst Zeichnung und Nutzungspläne des Vergnügungsparks Traumland und Luna Lager. Auch auf den Luftbildern von 1943 ist das Schloss mit Saalanbau noch zu sehen.

antike Postkarte Restaurant Schloss Schönholz 1903

Auf den Karten ist immer der übrig gebliebene mittlere Bauteil des Gutshauses sowie vorgenommene An- und Neubauten wie Tanz- und Festsäle zu sehen. Spätestens mit Rettschlags Restaurant Schloss Schönholz war das Schützenhaus über die Grenzen Berlins hinaus als Schloss bekannt.

Schützenhaus, genannt Schloss Schönholz, 1895

Gleich mehrere Gebäude auf der alten Königinplantage in Schönholz konnten den Namen Schloss Schönholz für sich beanspruchen. Bis Ende des 2. Weltkriegs sprachen die Pankower vom Gutshaus der Königinplantage wenn sie von Schloss Schönholz sprachen. Das alte Gutshaus Schloss Schönholz liegt auf der alten historischen Kreuzung verlängerte Heinrich-Mann-Straße Ecke verlängerte Tucholskystraße.

Autor: Christian Bormann 09.10.2015 / 27.02.2017
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 31.03.2016 / 27.02.2017

Pankow auf dem Tausend Mark Schein

Bei den Berliner Stadtkassenscheinen handelt es sich um sogenannte Serienscheine, ausgegeben aufgrund der Deutschen Notgeldverordnung vom 9.September 1921. Über die Pankower Stadtkassenscheine zu 50 Pfennig hatten wir schon berichtet. Beim stöbern in meiner Sammlung fand ich dann dieses Exemplar eines Tausend Mark-Scheines.

Christian Bormann
Eintausend Mark Stadtkassenschein des Magistrats der Reichshauptstadt

Auf der Rückseite ist die Karte aller Berliner Stadtbezirke von 1922 zu sehen. Anlass dieser Abbildung war die Gebietsreform von Groß Berlin und die Eingemeindung von Pankow. Diese fand 1920 statt. Der hier abgebildete Notgeldschein wurde schon kurz nach Ausgabe abgewertet. Die Inflation 1923 schritt so rasch voran, dass die Stadtkassenscheine schon kurz nach Ausgabe kaum noch Wert hatten.

Christian Bormann
1000 Mark der Stadtkasse der Reichshauptstadt Berlin

Da die Geldscheine ihren Wert schneller verloren, als sie nachgedruckt werden konnten, erfolgte als Notmaßnahme eine Überstempelung. In diesem Fall wurden aus Tausend Mark Drei Millionen. Einige Monate später wurden die Scheine schon zu Milliarden überstempelt. So konnte ein Laib Brot schon mal Zwanzig Milliarden Mark kosten.

Autor: Christian Bormann, 09.10.2015
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 31.03.2016

Alte Pankgrafen-Vereinigung von 1381

Treue zum Vaterland,
Wohltätigkeit,
Freundschaft

Die Geschichte der Pankgrafen reicht bis in die Zeit des mittelalterlichen Raubrittertums. Urkundlich nachweisen lässt sich die Pankgrafenschaft ab 1381. Schon wärend der Hussitenkriege in der Mark wurden die Pankgrafen in Landsknechtliedern besungen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg verliert sich der Orden. Im Jahr 1881 erfolgt die Wiederbegründung der Pankgrafen-Vereinigung von 1381.

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Alte Pankgrafschaft von 1381, um 1903

In Pankow sprach man schon im 17.Jahrhundert über die Legende von Pankgraf Udo mit der gespaltenen Klaue. Zu seinen Untugenden gehörte auch die Trunksucht. So stürzte er sich der Legende nach 1631 betrunken in voller Rüstung in die Panke, wo er jämmerlich ertrank. Seither taucht Udo alle 50 Jahre als Nebelschatten auf. In einer zweiten, zu ihrer Wiederbegründung im 19. Jahrhundert selbst geschaffenen Legende, wird Udo zum Urgraf Udo mit der gespaltenen Klaue. Er soll es gewesen sein der die Pankgrafschaft 1381 gründete.

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Antritt der Pankgrafen zur „Ritterfahrt“

Anlass hierfür soll die Schlacht am Lausefenn gewesen sein. Gemeinsam mit anderen rechtschaffenen Rittern schlug Udo das räuberische Gesindel in die Flucht. Die siegreichen Friedensbringer sollen sich daraufhin zum Ritterorden der Pankgrafen vereinigt haben. Das Jahr 1631 wird zu 1381. Dieser Legende nach stürzte sich Udo mit der gespaltenen Klaue aus Gram darüber, dass sein geliebter Fluss zugeschüttet werden sollte, in die Panke. Auch in dieser Legende nach ertrank Udo und tauchte alle 50 Jahre als Nebelschatten auf, allerdings um sich zu versichern, dass es die Panke noch gab.

pankowerchronik, Christian Bormann, Wirtshaus zum Pankgrafen
Wirtshaus zum Pankgrafen mit Panke-Badeanstalt, 1900

Die Pankgrafen lebten stets in der Nähe der Panke. Die Dörfer Wedding, Reinickendorf und Pankow waren ihre Heimat. Das die Pankgrafen oft Pankow zugeordnet werden, erklärt sich aus ihrem verstärkten Wirken aus Pankow heraus. Hier hinterließen sie auch die meisten Spuren. Beispielhaft hierfür ist das in den 1890er Jahren erbaute Wirtshaus zum Pankgrafen in der Schlossstraße 6 in Pankow, heute Ossietzkystraße. Feierliche Eröffnung war am 25.März 1896. Das Wirtshaus hatte eine angeschlossene Flussbadeanstalt an der Panke und einen Biergarten, der 4000 Besucher faste.

pankowerchronik, Christian Bormann,
Pankgraf und Fotograf Richard Kasbaum, 1900

Der bekannteste Pankower Pankgraf war vermutlich der Fotograf Richard Kasbaum. Kasbaum hinterließ die sogenannte Kasbaum-Villa im Majakowskiring. Die Villa wurde 1900 bis 1901 im neoklassizistischen Stil errichtet. Das Grundstück hatte er gut gewählt. In Sichtweite des Schlosses Schönhausen und des Vereinshauses seiner Bruderschaft. Aus dem Biergarten vom Wirtshaus konnte jeder seiner Ordensbrüder sein imposantes Heim sehen. Nachdem das Baden in der Panke Anfang der 1920er Jahre verboten wurde, ging auch das Wirtshaus allmählich zugrunde. Die Pankgrafen zogen sich aus Pankow zurück.

Christian Bormann, pankowerchronik
Kasbaum-Villa am Majakowskiring Pankow, 2015

Ihr neues Hauptquartier lag ebenfalls in der Nähe zur Panke, in der Chausseestraße 110 in Berlin-Mitte. Auch dieses Quartier wurde später aufgegeben. Der heutige Sitz des Ritterordens „Alte Pankgrafenvereinigung von 1381 zu Berlin bey Wedding an der Panke“ befindet sich in der Mohrenstraße 63 in Berlin Mitte. Ein weiterer Pankower Pankgraf war Carl Schmidt genannt Schinderschmidt. Schinderschmidt war Architekt und Bauherr des in der Pankgrafenstraße/ Ecke Pestalozzistraße stehenden Gebäudes. Zu seinen Bauten gehören unter anderem auch auch der Rathausanbau und das alte Gesundheitshaus Pankow.

Christian Bormann, pankowerchronik
Pankgraf Carl Schreier, 1912

Auf einem kleinen Vorsprung in der Fassade steht die Figur eines überlebensgroßen Pankgrafen. Eine Privatinitiative sanierte das Mehrfamilienhaus 2003 denkmalgerecht. Das Wohnhaus von Carl Schreier steht ebenfalls wie die Kasbaum-Villa in direkter Nachbarschaft zu Schloss Schönhausen und dem Wirtshaus zum Pankgrafen.

 

Christain Bormann, pankowerchronik
Haus des Pankgrafen Carl Schreier, Pankgrafenstr. 5, 2015

 

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Haus des Pankgrafen Carl Schreier aus der Luft, Pankgrafenstr. 5, 2018

Um 1900 hatten die Biergartenbesucher und Ordensbrüder freie Sicht auf beide Häuser. Damals war die Sichtachse zur Pankgrafenstraße noch nicht verbaut.

Wenn aus der Panke Silber Quell
statt Wasser flosse Bier
dann säße ich an jener Stell
so aber sitz ich hier

Autor: Christian Bormann, 04.10.2015
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 31.03.2016
Luftbild: Guido Kunze, 09.02.2018

Manege frei für den Weltmeister der Schwertschlucker und den König der Joungleure

Die Bühne war ihr Leben. Der Weltmeister im Schwertschlucken Paul Widowski und der berühmteste Deutsche Joungleur-König Alfred Wolf, genannt „King Repp“, sind heute fast vergessen. Widowski und Wolf waren echte Weltenbummler, zu ihrer Heimat jedoch machten sie Pankow.

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Weltmeister der Schwertschlucker Paul Widowski

Im Berliner Adressbuch von 1930, so recherchierte es Willy Manns, ist Paul Widowski mit der Wohnanschrift Kaiser-Friedrich-Straße 68 angegeben. Die damalige Kaiser-Friedrich-Straße ist die heutige Pankower Thulestraße.

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König der Joungleure Alfred Wolf, alias „King Repp“

Der 1898 geborene Alfred Wolf war der König der Joungleure. Die Bühne war seine Welt. Als „King Repp“ verzauberte er sein Publikum. Im Jahre 1930 wirkte er mit seiner Artistennummer am UFA-Film „Die letzte Kampagne“ mit. Bis in die späten 1950er Jahre ging er noch auf Tournee in die ganze Welt. Seine Heimat fand er 1944 in Berlin-Buchholz. Hier richtete er sich den Viktoriagarten in der Pasewalker Straße als Varieté ein.“King Repp“ starb 1968 und wurde auf dem Bucholzer Friedhof beigesetzt.

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Präsident der Internationalen Artistenloge, Max Buldemann

Als Präsident der Internationalen Artistenloge soll auch der am 21.Januar 1868 geborene Max Buldemann nicht unerwähnt bleiben. Buldemann reiste nach Amerika, wo er verschiedene Berufe ausübte. Schnell verschlug es ihn zum Varieté. Unter dem Künstlernamen Max Berol-Buldemann begeisterte er als Hellseher, Rechenkünstler und Illusionist. Als wohlhabender Mann kehrte er 1901 nach Pankow zurück. In seiner Zeit als Präsident der Internationalen Artistenloge gründete er den 1. Gewerkschaftlichen Artistenverband. Bis zu seinem Tod am 25.März 1930 Wohnte Max Buldemann in der Florastraße 31. Sein Ehrengrab vom Land Berlin befindet sich auf dem Friedhof Pankow III.

Autor: Christian Bormann 23.09.2015
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 31.03.2013

Rammstein im Schloss Schönhausen

Bei Recherchen zu unserem Artikel „Schloss Schönhausen – Eine Kegelbahn für Fidel Castro“ stießen wir auf die Band Rammstein. Rammstein und Schloss Schönhausen? Diese Verbindung war uns neu.

Schloss Schönhausen
Schloss Schönhausen 2014

Die Innenaufnahmen für das Rammstein Musikvideo „Du riechst so gut“ entstanden 1998 im Schloss Schönhausen. Bereits auf ihrer Debütsingle vom 24. August 1995 aus dem Album „Herzeleid“ war das Lied zu hören.

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Rammstein 1998 im Schloss Schönhausen

Die Produzenten waren Jacob Hellner und Carl-Michael Herlofsson. Das Stück wurde erstmals 1994 in Leipzig live gespielt. Am 17. April 1998 kam es zur Wiederveröffentlichung inklusive Musikvideo.

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Filmset zum Musikvideo „Du riechst so gut“

Das Musikvideo ist ein Zusammenschnitt mehrerer Drehorte. Sämtliche im Video zu sehenden Innenaufnahmen zeigen das frisch restaurierte Schloss Schönhausen von innen.

Rammstein, du richstcso gut
Rammstein, Filmset im Schloss Schönhausen

Der Titel „Du riechst so gut“ hielt sich 10 Wochen in den Deutschen Charts und schaffte es bis auf Platz 16. Der Frontmann Till Lindemann wohnte viele Jahre in der Kollwitzstraße Pankow-Prenzlauerberg. Ich hatte das Vergnügen ihm mehrmals persönlich zu begegnen.

Rammstein, du riechst so gut
Rammstein, Filmset im Schloss Schönhausen

Das Manegement (Pilgrim) von Rammstein sowie das Tonstudio befinden sich heute in der Eichenstraße in Niederschönhausen.

Autor: Christian Bormann 13.07.2015
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 31.03.2016

Bilder:Bormann(1),YouTube(4)