Archiv der Kategorie: Breite Straße

Eberhard Cohrs – Ham se nich ne Mark ?

„Ham se nich ne Mark? Im Konsum gibt es Quark“ So fragte Eberhard Cohrs 1964 die Fahrgastbegleiterin der BVB. Der am 4. Januar 1921 in Dresden geborene Konditor Cohrs der eigentlich Jockey werden wollte, gehörte in den 50er und 60er Jahren zu den beliebtesten Komikern in der DDR.

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Eberhard Cohrs in der Linie 46

Der DEFA Kurzfilm „Ham se nich ne Mark“ wurde vor dem Rathaus Pankow gedreht. Als Kulisse diente die Straßenbahnlinie 46 und die Kreuzung Breite Straße/ Neue Schönholzer Straße. Einzigartige Filmaufnahmen zeigen Pankow 1964. Das Rathaus Pankow, in den Nachkriegsjahren als Sowjetische Kommandantur eingerichtet, wurde gerade erst wieder als Rathaus bezogen.

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Eberhard Cohrs wird aus der Linie 46 geworfen

Am großen Balkon stand ein Holzgerüst für Fassadenarbeiten. Über die gesamte Breite der Breiten Straße zog sich ein Fußgängerüberweg, heute undenkbar. Die Nummer 1960 am Rekowagen ist das Datum der Lackierung. Wer genau hinschaut, erkennt auch die Haltestelle direkt am Rathaus. Nicht weniger interessant sind die Geschäfte entlang der Breite Straße.

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Eberhard Cohrs auf der Breite Straße

Hinter dem Volkspolizisten ist ein Selbstbedienungsmarkt und ein Tapetenladen zu erkennen. Der SB-Markt war der neuste Hit der DDR Wirtschaft. Gegenüber dem Rathaus haben sich Schaulustige vor dem Fachgeschäft für Herrenbekleidung versammelt. Gespannt verfolgen sie die Dreharbeiten. Damals normal im Straßenbild wirken die Militär-LKW, die von der Wollankstraße kommend das Rathaus passieren, heute befremdlich.

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Volkspolizist vor dem SB-Laden

Eberhard Cohrs selbst fiel bei den DDR-Oberen schnell in Ungnade. So blieb er 1977 nach einem Auftritt in West-Berlin. Trotz der Unterstützung von Showgrößen wie Rudi Carell und Dieter Hallervorden konnte Cohrs nicht an seine Erfolge anknüpfen. Nach dem Mauerfall ging er wieder in den Ostteil Deutschlands.

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Balkon vom Rathaus mit Holzgerüst

Die Dresdener hatten ihn nicht vergessen. Er war wieder zu Hause. Auch nach der Wende konnte sein Publikum herzlich mit ihm lachen. Lange sollte sein Glück nicht währen. Sein 25-jähriger Sohn starb im Mai 1999 bei einem tragischen Tauchunfall. Es sollte noch schlimmer kommen. Cohrs geriet in die Schlagzeilen weil er mehrere Schüsse auf seine Frau abgab.

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Schaulustige stehen vor dem Laden für Herrenbekleidung

Die Tat soll im Morphiumrausch geschehen sein. Eberhardt Cohrs starb noch im selben Jahr wie sein Sohn an einem Krebsleiden. Einen schlechten Beigeschmack bekommt der Kurzfilm vor dem Hintergrund einer Entdeckung der Birthler Behörde aus dem Jahr 2004.

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Im Hintergrund Haltestelle Rathaus und die Gleise in die Wollankstraße

Die Behörde will im Besitz von Dokumenten sein, aus denen hervorgeht, dass Eberhardt Cohrs als Mitglied der Waffen-SS zur Wachmanschaft vom Konzentrationslager Auschwitz gehörte. Im Rathaus Pankow, vor dem Cohrs 1964 so herzlich dahin blödelte, fanden erst 1949 die Kriegsverbrecherprozesse gegen den Lagerkommandanten und Angehörige der Wachmannschaft von Auschwitz statt.

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LKW der Armee fahren durch die Szenerie

Autor: Christian Bormann
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 31.03.2016

Der verschwundene Bismarck

Als sogenannte Gartenstadt war Pankow um 1900 geradezu übersät mit Plastiken. Unzählige Werke der Bildenden Kunst tummelten sich auf Gebäuden, Plätzen und in Parks. Viele dieser Werke überstanden den Zweiten Weltkrieg nicht, andere wurden in den Nachkriegsjahren nach Russland verschickt.

Plastik Bürgerehre zur 750 Jahrfeier Berlins wieder eingesetzt
Plastik „Bürgerehre“ wird 1987 wieder eingesetzt

Allein das Rathaus Pankow verlor gleich drei Plastiken. An der Fassade des Eingangs standen einst vier Plastiken symbolisch für die vier Bürgertugenden „Gerechtigkeit“,“Mildtätigkeit“,“Bürgerfleiß“ und „Bürgerehre“. Die Plastik „Bürgerehre“ wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und erst 1987 zur 750-Jahrfeier Berlins ersetzt.

Plastik Bürgerehre zur 750 Jahrfeier Berlins wieder eingesetzt
Der preußische Adler zierte die Rathausspitze

Der preußische Adler, der einst das Rathaus krönte, wurde offiziell in den Nachkriegsjahren eingeschmolzen. Wahrscheinlicher scheint es jedoch, dass er als Beutekunst nach Russland ging. Die dritte Rathausfigur war der Sämann.

Plastik Bürgerehre zur 750 Jahrfeier Berlins wieder eingesetzt
Der Sämann vor 1940 am Rathaus Pankow

Auf einem Kleinen Betonvorsprung in 6 Meter Höhe stand er direkt Breite Straße/ Ecke Neue Schönholzer Straße in der Fassade des Rathausanbaus. Der Bürgerpark Pankow verlor im Zweiten Weltkrieg fast ein Dutzend Plastiken, sie stammten noch vom Baron Killisch von Horn-Park.

Plastik Bürgerehre zur 750 Jahrfeier Berlins wieder eingesetzt
Bismarckplatz mit Bismarckhaus und Giebelfigur Bismarck

Am heutigen Pastor-Niemöller-Platz 2, damals Bismarckplatz steht bis heute noch das 1908 erbaute Bismarckhaus. Auf der Spitze des Hauses stand bis 1965 eine stattliche Bismarckfigur.

Plastik Bürgerehre zur 750 Jahrfeier Berlins wieder eingesetzt
Bismarckfigur 1965 auf dem Bismarckhaus, Pastor-Niemöller-Platz 2

Die Plastik überstand alle Kriege und politischen Umwälzungen. Nach 1965 fehlte das Kunstwerk über Nacht und bleibt bis heute spurlos verschwunden.

Autor: Christian Bormann 09.03.2015
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 10.04.2016

Das Pankower Park-Sanatorium

Der Arzt Dr. med. A. Blitz erwarb das Grundstück Breite Straße 32 am alten Dorfanger. Zuvor lag hier ein Bauerngehöft, was die enorme Größe des Grundstück erklärt. Blitz ließ 1885 ein Sanatorium mit Badehaus und Parkanlage erbauen. Die verantwortlichen Architekten waren Hugo Sonnenthal und Friedrich Kristeller. Ein architektonisches Juwel der Gründerzeit. Das Innere war im prächtigsten Jugendstil gestaltet.

Pankower Park-Sanatorium

Nächster Eigentümer war Dr. med. Rosenstock, ihm folgte sein Schwiegersohn, der Regierungsbaumeister a.D. Schmidt-Werden. Neben der modernsten technischen Ausstattung jener Zeit verfügte das Park-Sanatorium auch über ein Badehaus. Seiner Zeit verkehrten hier die Wohlhabenden, auch viele reiche Russen sollen zu Gast gewesen sein.

Speisesaal Pankower Park-Sanatorium

Zum Ende des 1. Weltkrieg lag die Wirtschaft am Boden und Gäste blieben aus. Das Sanatorium schloss 1918 seine Tore. Ein Jahr darauf zog das Finanzamt in das Gebäude. Parallel zum alten Anger direkt an der Breiten Straße stand noch ein Gebäude.

Breite Straße 32 Nervenheilanstalt/Augenklinik

Das Wohnhaus Breite Straße 32 diente ab 1885 Dr. med. Rudolf Gnauck als Kur- und Nervenheilanstalt für Frauen. Gnauck erweiterte seine Heilanstalt durch Zukauf einer Villa mit Grundstück in der Mühlenstraße.

Kur- und Nervenheilanstalt Gnauck

Auf Gnauck folgte in den 1930er Jahren der Augenarzt Willi Gutsch. In dem ehemaligen Wohnhaus Breite Straße 32 betrieb er seine Augenklinik, das Grundstück mit Villa in der Mühlenstraße wurde wieder abgetrennt und 1936 dem Maurermeister Ferdinand Schulze verkauft. Von ihm stammen auch die erhaltenen Initialen in der Gartentür.

Ehemaliges Pankower Park-Sanatorium Breite Straße 32 heute Dusekestraße

Dem Finanzamt im Park-Sanatorium folgte zu DDR-Zeiten eine Dienststelle des Stadtbezirksbauamtes und ab 1990 das Sozialamt Pankow. Nach Auszug des Sozialamts verfiel das historische Gebäude schnell. Heute wird das Gebäude der Dusekestraße zugerechnet. Es erstrahlt saniert im alten Glanz und beherbergt 24 Luxus-Eigentumswohnungen.

Autor: Christian Bormann 21.12.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 30.03.2016

Pankow und des Kaisers neue Kutschen

In der Breiten Straße 17 in Pankow war die Kutschwagenbauanstalt der Gebrüder Wienicke ansässig. Die 1869 gegründete Firma siedelte 1877 nach Pankow um, hier wurde das Geschäft von den Söhnen E. Und C. Wienicke fortgeführt.

Werbung der Kutschwagenbazanstalt Gebrüder Wienicke
Reklame Karosseriefabrik Wienicke

Ab 1907 übernahmen Hermann und Wolf Bose die Geschäfte.
Vor dem Ersten Weltkrieg wurden hier die unterschiedlichsten Fahrzeuge für den Kaiserlichen Hof gebaut. Während des Ersten Weltkrieges wurden hier die sogenannten Krümperwagen hergestellt.
Hierbei handelte es sich um Fahrzeuge, die gegen Bezahlung den berittenen Truppen zur Verfügung gestellt wurden.

Eingang der Kutschwagenbauanstalt Wienicke Breite Straße 17
Kutschwagenbauanstalt Wienicke Breite Straße

Nach 1918 war es vorbei mit dem Kutschenbau für Kaiser und Heer, die Produktion wurde auf den Bau von Automobilkarosserien umgestellt. Die Fabrik beschäftigte 1927 noch 250 Arbeiter, bevor sie 1930 ihre Tore schloss und den Betrieb einstellte.

Autor: Christian Bormann, 24.11.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 30.03.2016

Sonderzug nach Pankow

Am 5. März 1979 führte der Radiosender SFB ein Interview mit Udo Lindenberg. Im Rahmen des Interview äußerte Lindenberg den Wunsch, ein Konzert in Ost-Berlin zu geben.

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Udo Lindenberg im Rathaus Pankow 2015

Das Staatliche Komitee für Rundfunk der DDR erhielt einen Tag später den Mitschnitt des Interviews als Information.
Der Chefideologe und Kulturverantwortliche der DDR, Kurt Hager, schrieb am 9. März 1979 handschriftlich auf die Information „Auftritt in der DDR kommt nicht in Frage“. Lindenberg soll sehr verärgert über diese engstirnige Reaktion gewesen sein. Auch in den folgenden Jahren gelang es ihm nicht, seinen Plan umzusetzen.

Sonderzug nach Pankow
Sonderzug nach Pankow

Anfang 1983 kam Lindenberg auf die Idee, als Antwort auf die anhaltende Ablehnung der DDR Führung einen Songtext zu schreiben. Hierfür verwendete er die Melodie von Glenn Millers Swing-Klassiker „Chattanooga Choo-Choo“. Lindenbergs deutscher Text richtet sich direkt an den damaligen Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker.

Staatsratsvorsitzender Erich Honecker
Erich Honecker

Der Bezug zu Pankow entstand über das Schloss Schönhausen, hier saß 1949 bis 1969 der Präsident der DDR und anschließend bis 1964 der Staatsrat der DDR. In der Zeit des „Kalten Krieges“ war Pankow ebenfalls ein Synonym für den „Regierungssitz“ der sowjetisch besetzten Zone.

Pankow Schloss Schönhausen
Schloss Schönhausen 2014

Am Ende des Liedes ist eine Bahnhofdurchsage in russischer Sprache zu hören. Der Originaltext lautet: „Towarischtsch Erich! Meschdu protschim, werchownij sowjet ne imejet nitchewo protiw gastrolej Gospodia Lindenberga w GDR!“ in der deutschen Übersetzung: Genosse Erich, im Übrigen hat der Oberste nichts gegen ein Gastspiel von Herrn Lindenberg in der DDR.

Songtext Sonderzug nach Pankow von Udo Lindenberg

Autor: Christian Bormann, 20.11.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 30.03.2016

Foto (Udo Lindenberg): Steffen Prahl

Der verbotene Pankower Adler

Zur Einweihung des Rathaus Pankow am 18. April 1903 krönte ein prächtiger preußischer Adler das Gebäude, hoch oben breitete er seine mächtigen Schwingen über Pankow aus. Es finden sich auch Quellen, in denen er als Brandenburger Adler beschrieben wird.

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Nachbildung des Rathausadlers

Die Gebäudespitze des Rathaus ist heute noch mit einer Reichskrone geschmückt. Der preußische Adler hingegen überstand den 2. Weltkrieg nicht. Offiziell heißt es, dass er eingeschmolzen wurde.

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Rathaus Pankow mit Adler 1906

Andere Quellen legen nahe das es eine sowjetische Spezialeinheit war mit dem Auftrag Wert- und Kunstgegenständen als Reparation zu beschlagnahmen.

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Gipsmodel der Adlerkopie

Bei der Umgestaltung der Rathausfassade zur sowjetischen Kommandantur wurde er von seiner Sandsteinkugel heruntergebrochen.

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Turmspitze mit preußischer Reichskrone 2017

Das Rathaus Pankow wurde mehrmals restauriert, aber an der Wiederherstellung eines preußischen Adlers war die DDR-Führung nicht interessiert.

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Sowjetische Kommandantur ohne Adler 1950

Erst 1989, als der rote Anstrich Ostdeutschlands blätterte, wurde eine Kopie des Adlers hergestellt. Der Künstler Achim Kühn fertigte die Kupferarbeit an.

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Ehem. Hochsitz der Adlerfigur 2017

Zum 100-jährigen Geburtstag des Rathauses wurde der preußische Aar, wie er auch genannt wird, vom 29. April bis zum 26. Oktober 2003 in der Empfangshalle des Rathauses ausgestellt.

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Sicht auf die Sandsteinkugel und den Anker des Adlers

Angeblich wegen Differenzen zwischen Auftraggeber und Künstler scheiterte der Versuch, den Adler wieder auf seinen angestammten Platz zu setzen.

Vielen Dank für die Unterstützung durch das BA Pankow.

Autor: Christian Bormann,12.11.2014, 19.11.2017

technische Leitung: Nadine Kreimeier

Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 30.03.2016

Bilder: Christian Bormann, Ivonne Hempler, Guido Kunze, Pressestelle BA Pankow, Berlin.de,

Der Pankower Stadtkassenschein

Am 9.September 1921 gibt die Stadt Berlin 20 Stadtkassenscheine aus. Im Rahmen der Notgeldverordnung entstehen zwanzig 50 Pfennig Scheine. Die Vorderseite zeigt links den stilisierten Berliner Wappenbär und die Wertangabe 50 Pfennig. Mittig die Aufschrift „Stadtkassenschein Berlin 9.September 1921 Magistrat der Reichshauptstadt“. Darunter die Unterschriften von Berlins Bürgermeister Gustav Böß sowie dem Stadtkämmerer Ernst Karding. Rechts ist das Wasserzeichen zu sehen.

Notgeld Berlin
Stadtkassenschein 9.9.1921

Die zwanzig auf der Rückseite verschieden gestalteten Serienscheine zeigen jeweils ein Bild zu jedem der damaligen Bezirke. Bezirk 19 ist Pankow. Auf der Rückseite des Kassenscheins ist ein Gehöft in Pankow um 1770 abgebildet.

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Ansicht Gehöft Pankow

Bezirk 18 ist Weißensee, auf der Abbildung ist ein Ausschnitt zu sehen „Weißensee um 1800“.

Notgeld Berlin
Weißensee um 1800

Bezirk 4 ist Prenzlauer Berg auf dem Schein ist der Mühlberg vor dem Prenzlauer Tor abgebildet.

Stadtkassenschein
Mühlberg vor dem Prenzlauer Berg

Auf den anderen Rückseiten der Kassenscheine sind Mitte – „Berliner Rathaus um 1819“, Tiergarten – „Erstes Dampfschiff Linie Zelten/Charlottenburg“, Wedding – „Gesundbrunnen im Jahre 1760“, Friedrichshain – „Überfahrt zum Stralauer Fischzug um 1825“, Kreuzberg – „Das Hallesche Tor im Jahre 1845“, Charlottenburg – „Die Berliner Straße um 1820“, Spandau – „Spandau um 1800“, Wilmersdorf – „Jagdschloss erbaut im 16.Jahrhundert“, Zehlendorf – „Kirche in Dahlem“, Schöneberg – „Dorf um 1820“, Steglitz – „Frühere Kirche von Steglitz aus dem 13.Jahrhundert“, Neukölln – „Das Dorf Rixdorf um 1820“, Treptow – „Gasthaus in Treptow um 1820“, Lichtenberg – „Lichtenberg um 1790“, sowie Reinickendorf mit der „Mühle in Tegel um 1800“ abgebildet.

Autor: Christian Bormann,   .11.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier

Bildquelle: Christian Bormann

Die reisende „Mutter mit Kind“

Der am 25. Februar 1865 in Westpreußen geborene Reinhold Carl Thusmann Felderhoff war Bildhauer der Berliner Bildhauerschule, Mitglied der Berliner Secession und der Akademie der Künste. Darüber hinaus arbeitete er als Meisterschüler von Reinhold Begas an einigen Werken von Begas mit. Seine Professur erhielt er 1917. Um 1911 schuf er die 2,15 Meter große Bronzeplastik „Mutter mit Kind“. Ganze drei Mal musste die Bronzeplastik aus der Epoche der Kaiserzeit umziehen.

Mutter mit Kind
„Mutter mit Kind“ 1911 Bürgerpark

Ab 1911 stand die „Mutter mit Kind“ bis Anfang der 50er Jahre im Volkspark Bürgerpark. Danach zog sie um auf den Platz vor dem Rathaus. Am alten Pankower Dorfanger verweilte sie von 1955 bis 1971.

Mutter mit Kind
„Mutter mit Kind“ Breite Straße 1959

Vom Anger wurde die Bronzeplastik 1971 wieder entfernt und auf einem Abstellplatz im Bürgerpark zwischengelagert. In den Brosepark zog die „Mutter mit Kind“ 1976 ein, seither begrüßt sie die Besucher am Haupteingang neben dem Brosehaus.

Mutter mit Kind
„Mutter mit Kind“ Brosepark 2014

Neben dem „Stralauer Fischer“ am Rathaus Treptow schuf Felderhoff noch unzählige weitere Skulpturen und Reliefs in Berlin und anderen deutschen Städten. Reinhold Carl Thusmann Felderhoff starb am 18. Dezember 1919 in Berlin.

Autor: Christian Bormann 22.10.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Das Rathaus Pankow

Der Vorgänger unseres Rathauses war das Amtsgebäude in der heutigen Eintrachtstraße. Der gesamte Bau dauerte etwas länger als 2 Jahre. An der Einweihung am 18. April 1903 nahmen ranghohe Berliner Persönlichkeiten teil, unter anderem Moltke, von Treskow, der Berliner Oberbürgermeister Kuschner sowie der Polizeipräsident von Borries.

Rathaus Pankow 1915
Rathaus Pankow um 1906

 

Der prunkvolle Ratskeller war bereits 1902 fertig gestellt. Laut Niederbarnimer Kreisblatt schon damals ein Geheimtipp. Ursprünglich führte ein Gang direkt vom Ratssaal im 1.OG in den Ratskeller. So konnten die Herrschaften unbemerkt vom Pöbel hinabsteigen. Während der Einweihungsfeier so wird berichtet, mussten die Damen von der Empore zuschauen während die Herren köstlich speisten.

Ratskeller im Rathaus Pankow
Rathaus Pankow, Ratskeller, um 1906

In den Turmpfeiler wurde eine Zeitkapsel eingelassen, sie enthielt Namenslisten aller Pankower Beamter jener Zeit, Pankower Statistiken sowie Ausgaben des Niederbarnimer Kreisblattes und auch je ein Exemplar der zu dieser Zeit im Umlauf befindlichen Kursmünzen. Am 25. Oktober konnte der damalige Pankower Bürgermeister Richard Gottschalk in seine Dienstwohnung im 1 Stock einziehen. Auf seine Initiative wurde das Rathaus gebaut. Im Wedding gibt es heute noch die nach ihm benannte Gottschalkstraße. Gottschalk schwärmte von der Aussicht die er vom Balkon seiner Dienstwohnung hatte. Von hier überblickte er den Pankower Anger sowie das Bürgerparktor in der alten Spandauer Straße, heute Wilhelm-Kuhr-Straße. Damals war der Blick zum Bürgerparktor noch nicht verbaut. Der Hauptteil des Rathauses ist ein Verblendbau aus roten Sandsteinklinkern, der Sockel besteht aus Schlesischem Granit. Das Dach war ursprünglich in Teilen mit Kupfer bedeckt. Im 1. Weltkrieg brauchte Deutschland Unmengen an Rohstoffen wie Metall für die Rüstungsindustrie. Diesem Metallmangel fiel auch das Kupferdach des Rathauses zum Opfer. Auf den turmartigen Vorsprüngen stehen vier Plastiken des Pankower Bildhauers Sponar. Sie stellen die Bürgertugenden dar, Gerechtigkeit, Bürgerfleiß, Bürgerehre und Mildtätigkeit. Die Turmhöhe beträgt stolze 50 Meter, die zwei Balkonerker gehörten einst zur Bürgermeisterwohnung. Die Spitze auf der Turmlafette hielt den Windverhältnissen nicht stand und musste wenige Tage nach der Rathauseröffnung schon gekürzt werden. Hoch über dem Eingangsportal breitete ein mächtiger Preußi-scher Aar seine Schwingen aus. Nach dem 2. Weltkrieg war der Aar verschwunden. Im Rathaus war 2003 eine Kopie des Künst-lers Joachim Kühn ausgestellt. Wegen Differenzen zwischen Künstler und Auftraggeber scheiterte der Versuch den Adler wieder auf seinen angestammten Platz zu setzen.

Rathaus Pankow
Rathaus Pankow, Preussischer Aar

Die Gebäudespitze ist geschmückt mit einer Reichskrone. Um 1918 erfolgte der Anbau des Ostflügels. Der westliche Anbau in der Neuen Schönholzer Straße wurde 1927 bis 1929 errichtet.
Im April 1945, als die Russische Armee auf Berlin vorrückte, veranlasste der Bürgermeister Bernhard Ahmels (NSDAP) die Verbrennung des kompletten Rathausarchives. Die Verbrennung soll auf dem Hof des Hauses in aller Eile geschehen sein. Aus kulturhistorischer Sicht ging damit ein unersetzbarer Schatz an Dokumenten verloren.
Am 23. Oktober 1947 fand im Rathaus ein Kriegsverbrecherprozess statt. Angeklagt waren der Kommandant des Konzentrationslagers Sachsenhausen sowie 15 Angehörige des Wachkommandos. Nach Kriegsende war das Rathaus für Pankower zunächst tabu. Es diente zeitweise als Russische Kommandantur.

Rathaus Pankow
Rathaus Pankow als Sowjetische Kommandantur

Als Amtsgebäude stellten die Besatzer ab dem 1. Juni das Jüdische Waisenhaus Berliner – Ecke Hadlichstraße zur Verfügung. Andere Abteilungen saßen verteilt über den Bezirk, so in der Pestalozzistraße 41-43, in der Mendelschen Villa Breite Straße 44 sowie Breite Straße 43a. Ab Dezember 1949 begann der Wiedereinzug ins Rathaus. Am 18. Januar erfolgte dann die offizielle Schlüsselübergabe an die Pankower durch den Sowjetischen Bezirkskommandanten.
Direkt neben dem Bürgermeisterzimmer im ersten Stock befand sich die Pankower Chronik, geleitet von Rudolf Dörrier. Die Chronik zog 1974 in die Wohnung des Stuhlrohrfabrikanten Fritz Heyn, in die gleichnamige Heyn Straße 8 um, wo sie heute noch ist.
Das Trauzimmer in dem ab 1902 geheiratet werden konnte, wurde 1901 bis 1905 nach Plänen des Architekten Ludwig Hoffman gebaut. Hoffman entwarf auch den Märchenbrunnen in Friedrichshain. Das heutige Trauzimmer stammt aus dem Fischerkiez in Berlin Mitte. Seit dem Abriss der Alten Feuerwache in der Fischer Straße lagerte es im Märkischen Museum, bis es 1979 im Rathaus Pankow eingebaut wurde. Während der Umbauarbeiten konnten die Pankower im Prunkzimmer der Heynstraße 8 heiraten.

Rathaus Pankow Ehezimmer
Trauzimmer Fischerkiez, jetzt Rathaus Pankow

In den 80er Jahren wurden aufwendige Restaurationen zum ursprünglichen Johowschen Entwurf vorgenommen. Der originale Jugendstil-Leuchter der Vorhalle wurde auf dem Dachboden wiedergefunden. Zugemauerte Fenster wurden wieder geöffnet und der Turm erhielt seine Kupfereindeckung wieder. Über dem Haupteingang wurde die Schnitzerei „Gott mit uns“ wieder frei gelegt. Pünktlich zur 750-Jahr-Feier erhielt das Rathaus die seit dem Krieg fehlende Plastik „Bürgerehre“ wieder.

Autor: Christian Bormann, 05.07.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Quellen:
Rathaus Pankow/Freundeskreis der Chronik Pankow
Pankower Chronik/Rat des Stadtbezirks Pankow von Berlin