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Das vergessene Soldatengrab in der Grellstraße

In den 1990er Jahren gehörten zerschossene Hausfassaden in Ost-Berlin noch zum gewohnten Anblick. Als Kinder popelten wir gern die Projektile aus den Einschusslöchern der Fassaden. Mit den großen städtischen Sanierungsprogrammen und den Eigentümerrückübertragungen der Grundstücke bekam auch der Ostteil von Berlin endlich Farbe. Der morbide Charme der von den mit Kriegsspuren übersehenen Straßenzügen, für den die östlichen Stadteile weltbekannt waren, ist heute unter Dämmplatten und hellen Fassaden verschwunden.

Sanierungsarbeiten Grellstraße 10. bis 12. April 2021

An einigen Stellen in der Stadt gibt es sie dennoch. Zwischen längst modernisierten Häuserblockreihen stechen sie trotzig hervor – Relikte aus einem anderen Jahrhundert. So auch in der Grellstraße. Der alte Wohnblock der Reichseisenbahner, zu dem die Nummern 10, 11 und 12 gehören, wird seit drei Jahren auf seine Modernisierung vorbereitet. Hier sind die letzten Kriegstage noch an der Fassade abzulesen.

Einschüsse aus den letzten Kriegstagen Ende April 1945, Grellstraße 12

Direkt hinter den Blöcken Grellstraße 10, 11 und 12 befindet sich der S-Bahnring. Die Ringbahn bildete den inneren und letzten von drei Verteidigungsringen im Sturm auf Berlin. Innerhalb der Ringe gibt es acht alphabetische Sektoren, der Großbezirk Pankow in seiner heutigen Form war Sektor H. Am 9. März 1945 erließ das Oberkommando der Wehrmacht den „Grundsätzlichen Befehl zur Verteidigung der Reichshauptstadt“. In der Stadt befanden sich noch zwei Drittel der Berliner, Zwangsarbeiter und Flüchtlinge.

Luftschutzraumschleuse Wohnblock Grellstraße 10 – 12, Januar 2018

Es war der 22. April, als die Rote Armee die nördliche Grenze von Prenzlauer Berg erreichte, sechs Tage später, am 28. April, beginnt der Häuserkampf in der Grellstraße. Ohne Strom saßen die Bewohner der Grellstraße in Ihren Luftschutzkellern. Wärend andere berichten, ihre Straßen wären so weit ab vom Schuss gewesen, dass man kaum sicher sagen konnte, wo genau die Kampflinie verläuft, traf es die Anwohner der Grellstraße härter. Ihre Schutzräume lagen direkt am letzten Verteidigungsring der Stadt. Es gab kein Entkommen, nur Ausharren und und Hoffen.

Kino Toni Weißensee, Sowjetsoldaten feuern Artillerie Richtung Alexanderplatz, April 1945

Während im Schutzraum der Grellstraße 9 die Bewohner nichts anderes als abwarten konnten, versuchten die Soldaten der Wehrmacht und der Landsturm den Häuserblock und seine Eingänge erbittert zu verteidigen. Ein Durchbruch über den S-Bahnring war mit allen Mitteln zu verhindern. Ein Entkommen war aussichtslos. Vor sich hatten die Verteidiger eine Übermacht an gut ausgerüsteteten Sowjets und im Rücken die SS im Hauptgefechtsstand der Schultheiss-Brauerei, heute als Kulturbrauerei in der Schönhauser Allee bekannt.

Soldatengräber in Pankow, Mai 1945

Am 2. Mai 1945 gegen 8 Uhr ist es endlich soweit. Über Funk und Lautsprecher wird die Kapitulation verkündet. Bis auf den S-Bhf Schönhauser Allee, an dem die Kämpfe bis zum Nachmittag dauern, werden die Gefechte eingestellt. Als erstes werden die Gefallenen notdürftig vergraben. Hierzu dienen sämtliche noch freien Erdflächen. Die Soldaten werden in Vorgärten, auf Höfen, Sportplätzen und Parkanlagen vergraben. In Pankow dienten beispielsweise der Brosepark und der Kissingensportplatz als Notbegräbnissstädten, wärend auf der großen Wiese im Bürgerpark Gemüse angebaut wurde, um die Hungersnot der Überlebenden zu lindern.

Abgezäunte Fundstelle auf dem Hof der Reichsbahnerwohnungen, Grellstraße 11

In den Folgemonaten und -jahren wurden die notdürftig Beerdigten auf reguläre Friedhöfe umgebettet. Der heute nicht mehr existierende Friedhof VI für innerstädtische Bombenopfer in der Schönholzer Heide ist so ein Beispiel. Hier lagen bis in die 1990er Jahre Pankower neben Zwangsarbeitern und umgebetteten deutschen Soldaten. Im Januar 2018 begannen Arbeiter mit Schachtarbeiten auf dem Hof der Grellstraße 11, seitlich an der Kellermauer der Nummer 12. Direkt unter dem Luftversorgungsrohr der Kelleranlage stießen sie in geringer Tiefe auf einen grausigen Fund. Gebeine, einen Helm und persönliche Habe eines vergessenen Soldaten kamen nach 73 Jahren wieder ans Tageslicht.

Geborgene Gebeine eines deutschen Soldaten bei Erdarbeiten in der Grellstraße 11, Januar 2018

In den unübersichtlichen Wirren der letzten Kriegstage konnten nicht alle Notgräber erfasst werden, Markierungen verschwanden und so blieben nicht wenige Soldaten für immer liegen. In dem ein oder anderen Vorgarten und unter Parkwiesen liegen Sie noch heute, vergessen von der Zeit. Verlorengegangene Soldatengräber tauchen heute im Stadtgebiet eher selten auf. Häufig hingegen werden sogenannte Landserdepots gefunden. Ich habe Mitte 2018 über „Das vergessene Landserdepot“ in der Mühlenstraße berichtet. Beim Abschieben der Grasnarbe zur Vorbereitung der Tiefbauarbeiten war ein ganzes Depot zum Vorschein gekommen. Panzerfaust samt Geschossen und die komplette Habe bis auf die Unterwäsche waren hier versteckt.

Beifund des gefallenen Soldaten Grellstraße 11, mittig vier halbe Erkennungsmarken, Januar 2018

Die meisten Depotfunde werden bei Bauarbeiten, von der Öffentlichkeit oft unbemerkt, auf Schulhöfen, Kirchengrundstücken, Friedhöfen und Parkanlagen gemacht. Der Inhalt sind für gewöhnlich Stahlhelme, Gewehre, Panzerfäuste, Granaten oder im Fall der Flucht Uniformen, Orden und Papiere. Halt alles was einen Flüchtenden als Soldaten veraten hätte. Der Beifund des Soldatengrabes in der Grellstraße 11 zeigt unter anderem einen Stahlhelm mit Kopfschuss in den Hinterkopf sowie vier halbe Erkennungsmarken. Der gefallene hatte also bereits die Erkennungsmarken von drei weiteren gefallenen Kameraden bei sich, als er selbst fiel und notdürftig verscharrt wurde.

Sanierung Wohnblock Grellstraße 10 bis 12. Die letzten Kriegsfassaden werden gedämnt und verputzt, April 2021

Der alte Reichsbahnerblock in der Grellstraße ist seit Anfang Mai 2021 komplett eingerüstet und die Narben des Krieges an den Fassaden sind zum großen Teil mit Dämmplatten überklebt. Die optischen Erinnerungen verschwinden, doch die vergessenen Gefallen liegen noch immer unentdeckt auf den Höfen rund um den S-Bahn-Ring.

Autor: Christian Bormann

red. Bearbeitung: Martina Krüger

Fotos: Christian Bormann, Sven Henning, Bundesarchiv, Museum Pankow (Dörrier)

Bodenfund im Bürgerpark

Am 5. Juni 2017 hieß unser Beitrag „Carl Maria von Weber in Pankow“. Anlass war die jahrelange Recherche zu einem historischen Sockel als Rest einer Statue in der Schönholzer Heide.

Fundstelle Wirtschaftshof Straßen- und Grünflächenamt. Die kleinen Gewächshäuser sind abgeräumt u. die historischen Tennisplätze überpflastert

Nach einer Ortsbegehung mit dem Freundeskreis der Chronik Pankow e.V. anlässlich der Austellung „Schönholzer Heide“ konnte Frau Jutta Mach die fehlende Statue mit Bildern belegen. Sie selbst hatte noch das „Heidetheater„, wo der Sockel stand, als junge Frau besucht.

Bauareal Wirtschaftshof Straßen- und Grünflächenamt April 2021

Der am 18. oder 19.11.1786 in Eutin geborene Komponist, Dirigent und Pianist Carl Maria Friedrich Ernst August von Weber besuchte tatsächlich Pankow. In seinen tagebuchähnlichen Aufzeichnungen beschreibt er seine Besuche bei „Jord. Fried. am 28. Junie 1812“ oder „die Geburt bei Kielemann und Hellwigs am 22. Juli 1812“.

Cornelia Wagner, Revierleiterin Straßen- und Grünflächenamt Pankow (re.) und Christian Bormann, Autor (li.) April 2020

Bis auf drei historische Bilder und eine Markierung auf dem Bauplan des Heidetheaters gab es nur noch eine Miniatur, die sich im Nachlass des Bildhauers befand, von der Deutschen Weberstiftung aber nicht angekauft wurde und heute als verschollen gilt.

Geborgener Bodenfund. Vermisste Weber-Statue im Bürgerpark 2020

So war die Bestimmung der Statue zwar erfolgreich, der Verbleib aber unbekannt. Seit Januar 2020 treffe ich mich regelmäßig mit Frau Wagner, der Revierleiterin vom Straßen- und Grünflächenenamt Pankow. In Ihr Ressort fällt auch die Umgestaltung der Schönholzer Heide, die Sanierung vom ehemaligen Friedhof 1 und der Bürgerpark. Eine ausgesprochen engagierte Frau, die zu meiner Begeisterung ein Auge für historische Sachverhalte und ein Händchen für ihren Erhalt hat.

Verwaister Sockel der Weber-Statue am alten Freilichttheater, Schönholzer Heide 2016

Im Januar wies sie mich auf einen Bodenfund im Bürgerpark hin, der Ähnlichkeiten zu Fotos in einer meiner Geschichten aufwies. Bei dem Fund handelte es sich um eine etwa lebensgroße Figur, der Kopf, Hände und Füße abgeschlagen waren. Der Fund wurde im Januar 2020 auf dem Wirtschaftshof des Straßen und Grünflächenamt im Bürgerpark gemacht, nicht weit entfernt von der alten Meierei auf den alten Tennisplätzen. Die Abt. Straßenentwicklung und Bürgerdienste ist nach Fertigstellung der neuen Personalunterkünfte seit Oktober 2020 mit dem Neubau der Zufahrten und Straßen auf dem Wirtschaftshof befasst. Zur Vorbereitung der aktuellen Bauarbeiten kam es zu Erdarbeiten, bei denen die unbekannte Statue entdeckt wurde.

Weber-Statue, Foto: Museum Pankow (R.Dörrier), vermutlich zur Einweihung des Heidetheaters in Schönholz

Ich verabredete mich mit Frau Wagner zur Inaugenscheinnahme und konnte es kaum glauben. „Weber im Bürgerpark gefunden“. Schon auf den ersten Blick war klar, dass es sich um die vermisste Weber-Statue handelt. Am Fuße eines betonierten Gewächshauses aus den 1960er Jahren war sie in geringer Tiefe vergraben. Die Überaschung war um so größer, da vermutet wurde, dass die Statue in Einzelstücken im Erdreich der Schönholzer Heide verteilt liegt. Hier habe auch ich seit 2014 nach ihr gesucht.

Foto der bereits beschädigten Weber-Statue bevor sie „spurlos“ verschwand, Foto Museum Pankow (R.Dörrier)

Das die Statue fast in Gänze im Bürgerpark vergraben wurde, geschah zu Ihrem Schutz. Die damaligen Arbeiter hätten sie ohne Mühe in der Heide verscharren können. Der Abtransport und das Verstecken der Reste im Bürgerpark war eine Rettungsaktion für die nachfolgenden Generationen. Hierfür gibt es weitere Beispiele. In der Geschichte „Das Geheimnis von Friedhof 1“ wird beschrieben, wie die DDR-Regierung Grabsteine von Berühmtheiten als Diplomatengeschenke weitergab. Zur Rettung verbrachten Mitarbeiter einige der gefährdeten Grabsteine auf den Friedhof 1 und versteckten Sie zwischen den anderen Grabstellen.

Eingelagerter Bodenfund Weber-Statue im Mai 2021

So kam der ehemalige Friedhof 1 im Laufe der Jahre an Grabsteine, dessen Gräber er gar nicht beherbergte. Die versteckte Weber-Statue reiht sich hier nahtlos ein. So schließt sich der Kreis um eine mehrjährige Recherche. Für mich ein Glücksfall, dass es diese beherzten Mitarbeiter gab und heute noch gibt.

Autor: Christian Bormann

Red. Bearbeitung: Martina Krüger


Bilderquellen: Jutta Mach (Freundeskreis der Chronik Pankow), Museum Pankow (R.Dörrier) Christian Bormann, Bezirksamt Pankow von Berlin, Bormann Pankowerchronik TV

Alter Dorfkrug Pankow aufgetaucht

Nach dem Abriss der alten HO-Kaufhalle in der Breiten Straße lag das Areal viele Jahre lang brach. Der neue Besitzer, die ANH Hausbesitz GmbH und und Co Kommanditgesellchaft, plant hier einen Wohn- und Geschäftskomplex. Anfang 2021 entstand hier ein temporäres Projektcafé. Das einstöckige holzverkleidete Modulbauwerk wird vom Grundstückseigentümer betrieben.

Luftaufnahme der HO-Kaufhallenbrache Breite Straße 2018

Ende März fanden dann Anschlussarbeiten an das Wasserwegenetz statt. Ich habe nicht schlecht gestaunt, als dabei Kellerreste zutage traten. Viele Pankower kennen noch die HO-Kaufhalle. Die größte Berlins, sie lag schließlich auch an der Protokollstrecke von Schloss Schönhausen.

„Bier Stube“ Alter Dorfkrug Pankow, Breite Straße 34. Postkarte zum Neujahr um 1900.

Die Kaufhalle stand auf den ehemaligen Grundstücken 34A, und 35. Die 34A gehörte damals zur 34. Hier stand das Gasthaus Linder, welches im 2. Weltkrieg zerbombt wurde. Die 34A beherbergte den alten Pankower Krug. In der 35 befand sich Pankows erstes eigenständiges Postamt. Was nach dem Krieg noch auf den Grundstücken 34A bis 35 stehen geblieben war, wurde in den 1980er Jahren für den Neubau der Kaufhalle abgerissen.

„Zum alten Krug“, Breite Straße 34 um 1920.

Spätestens mit dem Abriss der alten Kaufhalle galt das Grundstück als beräumt und historisch uninteressant. Bei meiner üblichen Inaugenscheinnahme der Tiefbauarbeiten fiel mir auf, dass der neue Wasseranschluss in Kellerresten steht, die Spuren von mehreren Bauphasen aufweisen. So reichen die verwendeten Klinker in ihrer Machart von etwa 1800 bis 1940.

Ausschnitt „Plan von Pankow“ von J. C. Selter 1818. Markierung „Der Krug“.

Bei genauer Betrachtung fällt eine Steinschwelle auf, die in Größe, Art und Höhenniveau durchaus die verbliebene Eingangsschwelle des Dorfkruges sein könnte. Für die Recherchen zum Alter des Gebäudes halfen mir Frau Jutta Mach und der Freundeskreis der Chronik Pankow e.V. Frau Mach wies mich auf die Quelle „Jacobi Große Stadt aus kleinen Steinen“ [1] hin. Jacobi gibt als Entstehungsdatum des Krugs 1821 an.

Luftaufnahme 1928, Markierung zeigt den alten Dorfkrug noch als Gebäude

Ich muss Jacobi hier widersprechen. Bereits auf Karten aus dem 18. Jahrhundert ist an der Stelle ein Gebäude ohne Bezeichnung eingetragen. Darüber hinaus zeigt der „Plan von Pankow“ nach J. C. Selter das Gebäude mit dem Namen „Der Krug“ um 1818. Meiner Auffassung nach sollte es den Krug schon Anfang 1700 möglicherweise als Vorgängerbau gegeben haben. Hier war sozusagen die Keimzelle für die späteren Gastwirtschaften, die Pankow zur Jahrhundertwende des 20. Jahrhunderts seinen Ruf als Ausflugsort bescherten.

Berlins größte HO-Kaufhalle Breite Straße in den 1980er Jahren

Zu den Bekanntesten Gastwirten in Pankow gehörte auch Friedrich Mücke. Er begann seine Kariere 1895 im Krug. Seine erste eigene Wirtschaft betrieb er in der Berliner Straße 4, darauf folgte ein Etablissement in der Damerowstraße 23. Eine weitere Einrichtung betrieb Mücke in der Breiten Straße 40. Das Haus Berliner/Ecke Breite Straße ist heute eine Freifläche. Hier steht der Tröpfelbrunnen „Kletternde Kinder“. Der Krug diente damals den Kutschern als Aufenthaltsraum. Hier hatten sie zwischen ihren Fahrten ein Dach über dem Kopf und waren auch vor Wind und Wetter geschützt.

Kellerreste auf dem Grundstück des alten Dorfkrug.

Damals war es durchaus üblich das der Kutscher direkt vom Tresen auf die Kutsche stieg. Die Breite Straße hatte schon so einige Namen. Als Dorfstraße 1871 in Breite Straße benannt, erfolgte zu Ihrem 100. Namensjubiläum die Umbenennung in Johannes-R.-Becher-Straße und nach der Wiedervereinigung wieder in Breite Straße. Auch der Name des Dorfkrug änderte sich mit den Jahren und Betreibern. Bereits 1818 als „Der Krug“ bezeichnet, hieß er zur darauf folgenden Jahrhundertwende „Bierquelle“, dann „Bierkrug“ und zu guter letzt in den 1920er Jahren „Zum alten Krug.“

Anschluss des Areals an das städtische Abwasser April 2021

Mit dem Einverständnis des Grundstückeigentümers schaute ich mir die Kellerreste einmal genauer an. Ich war schon wieder aus der Grube geklettert, als etwas rötliches im Sonnenschein reflektierte und mich blendete.

Vermuteter Eingangsbereich in den Dorfkrug, April 2021

Meine Neugier war geweckt. Behutsam schob ich etwas Erde und Putzstaub beiseite. Ich traute meinen Augen kaum. Als erstes konnte ich eine Rose erkennen und Stück für Stück kam der Rest einer kleinen Keramikkanne zum Vorschein.

Bodenfund im Keller am ehemaligen Standort des alten Dorfkrug April 2021

Für mich stellt dieser kleine Kellerfund, dessen Entstehung ich auf 1860 bis 1940 schätze, das letzte Stück Dorfkrug da und ist ein guter Anlass, den „Alten Krug“ als Geschichte zu thematisieren. Die Kanne ist mit einer merkwürdigen Art Patina überzogen, hat einen winzigen Henkel und eine aufgesetzte Rose. Vermutlich handelte es sich um eine kleine Tischvase für Trocken- und Papierblumen.

Bodenfund Breite Straße, April 2021, geborgener Keramikkrug

Der letzte Nachweis über die Existenz des „Dorfkrug“ ist eine englische Luftaufnahme von 1928. Die Aufnahme zeigt das komplette Gebäude. Auf den Luftbildern der Alliierten von 1953 ragen Baumkronen über das Grundstück. Hier lässt sich nicht mehr seriös feststellen, ob das Gebäude noch in Gänze steht oder ob es sich nur um die Trümmerreste handelt. Bleibt abzuwarten, was bei den geplanten Tiefbauarbeiten auf dem Areal noch zum Vorschein kommt. Vermutlich existieren auch die Keller der Nachbargebäude noch.

Autor: Christian Bormann

Redaktion: Martina Krüger

Bilder: Christian Bormann, Julia Hermann, Guido Kunze, Lars-Holger Thümmler, Tagesspiegel

Quellen:

[1] Gießmann, C., Jacobi, O. (1936). Große Stadt aus kleinen Steinen : Ein Beitrag zur Geschichte des 19. Berliner Verwaltungsbezirks. Berlin, Anzeiger f. d. Berliner Norden.

Der Rathausturm

Die Grundsteinlegung für das Rathaus Pankow erfolgte am 12. Julie 1901. In einem der Turmpfeiler befindet sich eine Aussparung mit einem kleinen historischen Schatz. Es ist eine kupferne Kapsel gefüllt mit den damals aktuellen deutschen Kursmünzen und Zeitungen des Niederbarnimer Anzeigers.

Eingang Ratskeller im Turmsockel 2017

Die Aussparung wurde mit einer Sandsteinplatte abgedeckt. Drei Hammerschläge führte der damalige Bürgermeister Gottschalk aus und sprach: „Vom Leben aus, zum Leben hin, lebendig immer dar“. Im Sockel des Turmes befindet sich auch der Haupteingang zum einst legendären Ratskeller. Dieser war schon ein halbes Jahr vor dem Rathaus eröffnet worden.

Rathaus ohne Laterne, Turmspitze und Kupferdach dafür sind die originalen  Helme auf  den Ecken der Balustrade noch zu sehen 1930

Bereits am 9. Oktober 1901 war der Ratskeller schon mit elektrischem Licht ausgestattet. Der Niederbarnimer Anzeiger berichtete über den Ansturm auf das edle Stübchen. Während die Gäste auf der Terrasse unter einer riesigen Markise sitzen konnten, befand sich das Rathaus noch im Bau.

Rathaus mit Preußischem Adler etwa 1920

Auf der anderen Straßenseite stapelten sich noch Telegrafenmasten, Gasröhren und Oberleitungen. Die Baustelle ist noch auf einigen antiken Ansichtskarten zu sehen.

Dr. Kiene u. Schüler 27. August 1930, Turmhelm noch mit Schiefer verblendet

Im ersten Obergeschoss des Turmes befand sich die Dienstwohnung des Bürgermeisters, die Gottschalk am 25. Oktober 1902 bezog. Gleich zwei Balkone standen ihm zur Verfügung. In zeitgenössischen Aufzeichnung ist zu lesen, das Gottschalk ganz besonders vom Ausblick beider Balkone schwärmte.

Turmbalustrade ohne Eckhelme 2017

Vom Nordbalkon konnte er direkt in den Bürgerpark schauen. Heute versperren die Wohnblöcke Wollankstraße und Wilhelm-Kuhr-Straße die Sichtachse. Der Turm wurde mehrmals baulich angepasst. Gleich nach der Eröffnung musste die Turmspitze auf der Laterne gekürzt werden, sie hielt den Stürmen nicht stand.

Granatentreffer in der Turmuhr, Sowjetische Kommandantur ohne Preußischen Adler 1946

Beim Abgleich der historischen Aufnahmen fehlt dem 50 Meter hohem Rathausturm sogar kurzzeitig Helm und Laterne. Die heutige Kupferkuppel war zwischenzeitig mit Schiefer verblendet. Erhalten ist auch die preußische Reichskrone auf dem Nachbartürmchen. Während das gesamte ursprüngliche Kupferdach im 1. Weltkrieg der Rüstungsindustrie zum Opfer viel.

Originale Turmuhrblätter von 1901, Turmbegehung, Bormann 2017

Die Balustrade wurde das erste mal in den 20er Jahren umgebaut. Im Original hatten alle 4 Ecken spitz zulaufende Helme. Der Grund für die Entfernung ist heute nicht mehr bekannt. Im 2. Weltkrieg gab es mehrere Bombentreffer am Rathaus. Besonders sichtbar war der Turmtreffer, der Teile der Uhren zerstörte.

Schutzblenden von 1946 für Turmuhr nach Bombentreffer, Bormann 2017

Die fehlenden 2 Uhren wurden in den Nachkriegsjahren mit Blendplatten ersetzt. Bei unsere Begehung 2017 entdeckten wir im Turminneren die Abdeckplatten. Noch beeindruckender war der Fund von 2 originalen Zeitblättern der Turmuhren. Bis heute stehen diese historischen Artefakte hier und trotzen der Zeit.

Rückansicht der Turmuhr nach Norden 2017

In den 1930er Jahren nutzte Dr. Kiene mit seinen Schülern des Knabenlyzeum die Balustrade für den Astronomieunterricht. Während des 2. Weltkrieges befand sich an selber Stelle eine Maschinengewehrstellung. Diese wurde dann von den Sowjets eingenommen.

Steg und Turmuhr nach Norden 2017

Rückansicht Turmuhr nach Norden 2017

Nachdem das Rathaus als Sowjetische Kommandantur geräumt und den Pankowern 1948 übergeben wurde, diente die Turmbalustrade als Luftraumsicherungsposten für Schloss Schönhausen und seine Staatsgäste.

Uhrenwerk nach Norden

Es war eine kleine unscheinbare Stahltür die uns der Herr über dem Rathausturm Pressesprecher Tobias Schietzelt öffnete. Schon der erste Blick in den Wendeltreppenturm war atemberaubend. Mit jeder weiteren Stufe entdeckten wir immer neue Überraschungen.

Aufstieg zur Turmbalustrade Bormann u. Schietelt 2017

Optisch am beeindruckensten waren die Uhren von Ihrer Rückansicht. Kleine Holzstege führten zu allen 4 gläsernden Zifferblättern. Überrascht war ich über die zwei kleinen Turmglocken.

Treppenaufgang Rathausturm 2017

Selbst in der Kreuzstraße 5 aufgewachsen und direkt nebenan in der Wollankstraße zur Schule gegangen, konnte ich mich nicht erinnern jemals einen Glockenschlag aus dem Turm vernommen zu haben.

Turmglocken zur Rathausuhr 2017

Etage um Etage kamen wir der Turmbalustrade näher. Dann endlich betraten wir sie durch einen Jugendstilbogen. Als erstes fielen mir die Graffitis der Sowjetischen Soldaten auf.

Rathausturm und Dach mit Balustrade 2017

Eine weitere Überraschung war der erhaltene Stahlanker. An ihm hing 1946 bis 1948 ein Transparent mit der Aufschrift: „Es lebe die Verfassung der UDSSR “ zu jener Zeit war die gesamte Rathausfassade mit Roten Sternen und einem riesigen Konterfei von Stalin geschmückt.

Turmbalustrade mit  Transparent der Sowjetischen Kommandantur von 1946

Nach dem Kommandobunker und den Gefängniszellen im Rathauskeller war der Turmaufstieg am beeindruckendsten. Es waren mehrere Besuche 2017 in denen uns der Pressesprecher des Bezirksamt Pankow begleitete und mit Rat und Tat zur Seite stand.

Rathaus als Sowjetische Kommandantur mit Transparent „Es lebe die Verfassung der UDSSR“ Sternen und Stalinkonterfei 1946

Sowie einst Bürgermeister Gottschalk vom Ausblick seiner Dienstwohnung im Turm schwärmte, so unvergesslich bleibt mir der Turmaufstieg und der umwerfende Ausblick von der Turmbalustrade in Erinnerung.

Einritzungen im Sandstein der Sowjetischen Spezialeinheiten 1946 bis 1948

Trotz aller baulicher Veränderungen ist das Rathaus heute immer noch voller kleiner historischer Überraschungen. In Ecken und Kammern haben die Spuren der Geschichte der Zeit getrotzt. Auch der goldene Jugendstilleuchter, der einst vor den anrückenden Sowjetsoldaten auf dem Dachboden des Rathauses versteckt wurde, harte der Zeit und wurde zur 750 Jahrfeier Berlins wieder restauriert und 1987 im Fojer aufgehangen.

Mittelturm mit einst goldener heute kupferfarbener Reichskrone 2017

Den historischen Ausblick vom Rathausturm den ich auf einer antiken Ansichtskarte gefunden habe, haben wir für die Leser  2017 noch einmal fotografiert.

Blick vom Rathausturm etwa 1912 Richtung Dorfanger

Blick vom Rathausturm 2017 Richtung Dofanger

Auf den beiden Bildern ist die Entwicklung des Pankower Dorfzentrums von 1912 bis 2017 zu sehen. In 105 Jahren Städteentwicklung hat der Beton über die Natur gesiegt. Einst „gesündester Vorort Berlins“ hat der Bezirk seine grünen Wurzeln heute fast vergessen.

Link:

Autor: Christian Bormann, 03.08.2018

Bilder: Christian Bormann, Ivonne Hempler, Guido Kunze, historische Ansichtskarten, Freundeskreis der Chronik Pankow

Luftaufnahmen: Guido Kunze, Christian Bormann 2017

Luftraumüberwachung für Schloss Schönhausen

Am 7. Oktober 1949 wurde Schloss Schönhausen von der Sowjetischen Militäradministration, die zu diesem Zeitpunkt ihre Kommandantur im Rathaus Pankow hatte, an den Präsidenten der DDR Wilhelm Pieck übergeben. Zu den ersten Gästen im Amtssitz gehörten Georgien Puschkin 1950 sowie 1957 Nikita Chruschtschow. Mit dem Tod von Wilhelm Pieck 1960 wurde die Präsidentschaft abgeschafft und das Schloss wurde zum Sitz des Staatsrates der DDR. Der neue Hausherr hieß jetzt Walter Ulbricht.

Schloss Schönhausen 2017

Mit der Fertigstellung des neuen Staatsratsgebäude in Berlin Mitte 1964 wurde das Schloss offizielles Gästehaus der DDR. Zahlreiche Staatsbesucher sah das Schloss seither. Zu den Staatsgästen und ihren Besuchen gibt es zahlreiche Anekdoten. So wurden beim Besuch von Indira Ghandi 1976 etwa die falschen Winkelemente geschwenkt. Legendär auch die Kegelbahn, die für eine einzige Übernachtung von Fidel Castro auf dem Schlossparkett installiert wurde.

Heinersdorfer Rathausturm 2018

Die meisten Staatsgäste empfing Erich Honecker. Unter anderem Leonid Breschnew 1976, Tito, den Ministerpräsidenten von Kanada Elliot Trudeau 1984 und Michael Gorbatschow 1989.  Während dieser Staatsbesuche gab es eine verstärkte Luftraumüberwachung von Pankow. Der älteste und ständige Stützpunkt war der Heinersdorfer Rathausturm, heute nur noch als Wasserturm bekannt.

Heinersdorfer Rathausturm 2018

Während des 2. Weltkrieg hatte die Wehrmacht ein Flugabwehrgeschütz auf dem Rathausturm installiert. Der Turm wurde gleich in den ersten Nachkriegstagen von den Sowjets übernommen und später zur Flugüberwachung von Tegel genutzt. Dieser Posten war bis zur Wende dauerhaft besetzt und der zentrale Flugüberwachungspunkt in Pankow.

Wilhelm Pieck u. Nikita Chruschtschow 1959

Weniger bekannt sind zwei Weitere. Es handelt sich um den Rathausturm in der Breite Straße und den Schulturm auf dem Ossietzky-Gymnasium.

Rathaus Pankow 2018

Der Rathausturm wurde ebenfalls während der Kämpfe um Pankow sofort besetzt und mit einer MG Stellung versehen. Von hier aus lies sich der Pankower Anger vom Bürgerparktor bis zur Dammerowstraße unter Beschuss nehmen.

Rathausturm Pankow 2018

Nachdem die Sowjetische Kommandantur im Rathaus aufgelöst und und das Gebäude an Pankow übergeben wurde verschwand auch die MG Stellung.

Walter Ulbricht 1960 im Schloss Schönhausen

Der Turm blieb weiterhin Sperrgebiet für Unbefugte. Während der Staatsbesuche im Schloss Schönhausen war der Turm mit Spezialkräften besetzt. Noch heute sind im Sandsteinsims die eingeritzten Abzeichen der Sowjetischen Soldaten zu finden.

Überwachungsturm Ossietzky-Gymnasium 2018

Der Rathausturm hatte in diesem schaurigen Spiel noch einen stillen Bruder. Nur wenige hundert Meter Luftlinie saß der Ersatzposten der Staatssicherheit im Turm des Carl von Ossietzky-Gymnasiums.

Erich Honecker u. Leonid Brechnew 1973

Von hier aus wurde der Luftraum und die Grenzanlage Richtung Wedding überwacht. Hin und wieder kann man am Tag der offenen Tür im Gymnasium den Turm begehen und etwas mehr über seine Rolle im kalten Krieg erfahren.

Drohnenfilme der Türme:

Heinersdorfer Rathausturm

Rathaus Pankow

Carl von Ossietzky-Gymnasium

 

Autor: Christian Bormann, 06.07.2018

red. Bearbeitung: Mandy Tiegel

Bilder: Christian Bormann, Guido Kunze, Bundesarchiv

Video: Christian Bormann, Guido Kunze (Kopterpilot)

Der MfS Nachrichtenbunker am Kiessee Arkenberge

Nur wenige kennen den heute noch zugänglichen Fernmeldebunker der Staatssicherheit am Kiessee. Kein Wunder war er doch als geheim eingestuft und entging damit bei Abwicklung der Deutschen Demokratischen Republik seiner Zerstörung.

MfS Schalthaus der Abteilunge N bei Berlin Pankow 23.02.2018

Der kleine dreiräumige Fernmeldebunker vom Typ SH-1 ist einer von drei Bunkern am Fuße des Arkenberge bei Pankow. Das MfS betrieb hier das Schalthaus der Abteilung N bei Berlin Pankow.

Relaisstation SH-1 Arkenberge

Bei dem kleinen Bunker handelte sich um eine Schaltstelle für geheime Regierungsaufgaben. Es ist eine recht kleine Version des Typ SH-1 die Abmaße betragen gerade einmal 8,5×4,5m. 

Schaltraum SH-1 Arkenberge

Das Grundstück bildet die linke Spitze der kleineren südlichen KGA Arkenberge und befindet sich nur wenige Meter enfernt vom Ufer des Kiessee. Betrieben wurde der Bunker vom Ministerium für Staatssicherheit.

Relaisstation SH-1 2018

Der Bunker ist aus den Anfängen der 70.er Jahre. Bauherr war das MfS selbst. Zuständig für solche Sonderbauten war die Abteilung VEB SHB2. Vermutlich wurde die Anlage von zuvor in der KGA Arkenberge installierten Stasimitarbeitern die sich als Kleingärtner ausgaben bewacht.

Raum 1 Relaisstation SH-1 2018

Zum Bunker gehörten die Fernmelderelais und auch ein Funkmast. Auf den Luftaufnahmen vom Grundstück ist das Fundament des Funkmast noch zu sehen. 

Zugang zum Schaltraum und der Empfangs- u. Sendeankage

Raum 1 beherbergt die Relaisstation, im Nachbaraum 2 befindet sich die Schaltstelle mit Verbindung zum Sende- und Empfangsmast.

Luftbild 2018, Schalthaus der Abteilung N bei Berlin Pankow

Beim erkunden des Kartenmaterials stießen wir auf eine alte DDR-Karte. Hierbei fanden wir 2 weitere Funkmasten und die Besonderheit der umgenutzen Gesamtanlage.

Lagekarte 1972 Schalthaus SH-1 der Abteilung N bei Berlin Pankow 

Die Kleingartenkolonie Arkenberge teilt sich in den kleinen südlichen Teil direkt am Kiessee, hier stand SH-1 und den großen nördlichen Teil, hier befanden sich an der Hauptstraße zwei weitere Fernmeldemasten.

Lagekarte 1972, kurzzeitig umgenutzte Luftschutzbunker von 1940

Im Gegensatz zur kleinen Schaltstelle SH-1 die vom MfS errichtet wurde, handelt es sich an der Hauptstraße um Bunker aus dem Dritten Reich. 
Sie dienten seit 1940 als Luftschutzbunker dem Schutz der Anwohner und sind auf zahlreichen Karten verzeichnet.

Lagekarte 1989, Luftschutzbunker an der Hauptstraße von 1940 

Das MfS nutze hier vermutlich kurzzeitig die bereits  aus dem Weltkrieg vorhandene Luftschutzanlage bestehend aus beiden Bunkern. 

Luftaufnahme 1956, Luftschutzbunker Hauptstraße KGA Arkenberge

Die Anlage an der Hauptstraße existiert heute noch. Sie ist aber bereits mit Kompost und Mutterboden überschüttet und nicht zugänglichen.

Luftaufnahme 2018, zugeschüttete Luftschutzbunker Hauptstraße KGA Arkenberge

Der Zustand der Schaltstelle 1 am Kiessee ist eher schlecht. Grundwasser ist eingedrungen und die Bunkerkonstruktion ist schon gerissen. 

Panorama Kiessee Arkenberge

https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=1821102131293737&id=954046311332661


Autor: Christian Bormann, 25.02.2018

Bilder: Christian Bormann, Guido Kunze, historisches Kartenmaterial

Kleine Sensation, 80 Meter innerdeutsche Staatsgrenze im Urzustand in Pankow entdeckt

Die Entdeckung gelang mir bereits 1999, bis heute habe ich sie jedoch geheim gehalten. Es geht um etwa 80 laufende Meter innerdeutsche Staatsgrenze vom 13. August 1961 im Urzustand. Das letzte noch existierende Stück Berliner Mauer 1 im Originalzustand.

Autor-, und Heimatforscher Bormann auf der Berliner Mauer vom 13. August 1961

Im Urzustand heißt: die erste Generation der Behelfsmauer mit kompletten Antipersonenaufbau. Der auf der ganzen Welt bekannte Stacheldraht, ergänzt durch Strom und Alarmdrähte.

Erhaltene Aufbauten innerdeutsche Staatsgrenze Pankow-Schönholz

Selbst die Verteileranschlüsse der Alarmdrähte sind noch vorhanden. Es handelt sich nicht um einen extra errichteten Mauerstreifen. Wie am 13. August 1961 beim hastigen Mauerbau üblich, wurden bestehende Bauwerke mit einbezogen.

Verteiler mit Meldedrähten der Alarmanlage 1961, 2018 Pankow-Schönholz

Die 80 Meter Staatsgrenze wurden auf der Außenwand mehrerer zerbombter Mietshäuser in der Schützenstraße Schönholz errichtet.

Bahnhof Schönholz, links Sperrgebiet der DDR Staatsgrenze, rechts Reinickendorf

Die zerstörten Mauerteile wurden mit weißen Steinen wieder aufgemauert und Lücken geschlossen. Die Kellerzugänge der Häuser wurden gesprengt und mit Trümmern beschwert.

1961 gesprengter Kellereingang

Der Sperrstreifen musste zur besseren Verteidigung teilweise beräumt werden, um freies Schussfeld Richtung Osten zu haben.

Antipersonenaufbau und Signalanlage von 1961 auf der Berliner Mauer 2018

Von den im 2. Weltkrieg beim Angriff auf den Verladebahnhof Pankow-Schönholz zerbombten Wohnhäusern an jener Stelle ließen die Grenztruppen nur zwei Außenmauern stehen.

Mauerbau 1961, Friedrichstraße Ecke Zimmerstraße

Die Trümmerreste wurden auf Loren in die Schönholzer Heide gebracht. Im Prinzip kann man sagen, dass die Wohnhäuser nur die Straßenseite gewechselt haben. Sie liegen heute gut sichtbar auf dem Grundstück des Schützenhaus Schönholz.

Schützengelände Schönholz, Schussfang aus Trümmern der Häuser Schützenstraße, Luftbild Bormanns Pankowerchronik

Es ist der etwa 4 Meter hohe Schussfang, der die Anlage umgibt. Bei Begehungen des Schussfangs wurde schnell klar, dass es sich bei den Trümmern nicht nur um die Wohnhäuser der Schützenstraße handeln.

Berliner Mauer von 1961 mit Originalaufbau, Bormann 2018

Zu meinem Erstaunen fanden sich hier auch Reste vom Vergnügungspark Traumland Schönholz und dem später darauf errichteten Zwangsarbeiterlager Luna Lager Schönholz.

Grenzverlauf Pankow-Schönholz 1967 grün, Mauer 1 von 1961 lila, erhalten ist das Dreieck Schützenstraße

Mehreren Zufällen der Geschichte ist es zu verdanken, dass diese 80 Meter Mauer 1 noch stehen. Nur 200 Meter weiter befand sich der erfolgreichste Fluchttunnel der DDR.

Fluchttunnel hinter dem Grabstein Friedhof Pankow

Mehreren hundert Menschen soll die Flucht durch den Pankower Friedhofstunnel gelungen sein. Die DDR-Führung reagierte schnell. Der Friedhof wurde teilweise beräumt um einen Todesstreifen zu errichten.

Ehem. Todesstreifen auf 1963 exhumierten Teil des Friedhofs, anstelle der Vorlandmauer sind Pflastersteine im Boden eingelassen

Die im Anschluss daran gebaute Grenzanlage bestand aus den heute noch bekannten L-Teilen der Vorlandmauer, eine rückwärtige Mauer  Richtung West-Berlin gab es hier nicht.

vergessener Teil der Berliner Mauer 2018 Bahnhof Pankow-Schönholz

Als Ersatz diente die S-Bahntrasse Wollankstraße und Schönholz. Der zweite Zufall der Geschichte baute auf dieser baulichen Abweichung auf.

Ehem. Staatsgrenze Schützenstraße Schönholz 2018

Während die gut sichtbare und allen bekannte Vorlandmauer in Pankow abgetragen und auf dem Mauerfriedhof Brehmestraße geschreddert wurde, blieb die echte Berliner Mauer von 1961 auf dem Eckgrundstück Schützenstraße bis heute unerkannt stehen.

Erhaltene Stacheldraht-, Strom- und Signalaufbauten der Staatsgrenze der DDR in Schönholz

Ich habe das Grundstück jetzt 18 Jahre unter Beobachtung. Heute Nachmittag war ich mit unserem Drohnenpilot Guido Kunze zur Dokumentation des Zustands der technischen Anlagen und der Maueraufbauten verabredet.

DJI_0768.JPG

In Anbetracht des guten, aber von Verwitterung bedrohten Zustands der Anlage und dem Risiko, dass ich eventuell anrückende Bagger zu spät bemerke, habe ich mich entschieden meinen Fund heute öffentlich zu machen und zu melden. In meinen Augen handelt es sich hierbei um ein Bauwerk von herausragender kultureller Bedeutung und damit von besonderem historischen Wert. Ich hoffe, dass die zuständigen Ämter meine Begeisterung teilen und zeitnah tätig werden.

Autor u. Heimatforscher Christian Bormann auf der Berliner Mauer

Parallel zur dieser Veröffentlichung wurde das Landesamt für Denkmalschutz und Archäologie, sowie die Pressestelle des Bezirksamt Pankow schriftlich über den Fund informiert und aufgefordert, sich umgehend für den vorläufigen Schutz der Anlage einzusetzen.

Videoclip: erhaltene Berliner Mauer Pankow-Schönholz 2018

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360° Panorama Grenzanlage Schönholz und Schützengelände in der Heide 2018

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Autor: Christian Bormann, 21.01.2018
Bilder: Christian Bormann, Guido Kunze, Bundesarchiv

Dieser Beitrag ist für meine liebe Freundin Martina Kopera.

Martina ich wünsche Dir viel Kraft und bin in Gedanken bei Dir.

Chris

 

Die Zentrale Verteidigungstelle im Bunker Rathaus Pankow

Auf einigen historischen Postkarten ist sie noch zu sehen, die alte Straßenbahnhaltestelle direkt am Eingang vor dem Polizeirevier im Rathaus Pankow.

Eingang mit Haltestelle 1906

Der Eingang ist heute mit einem Granitblock geschlossen und zum Kellerfenster umfunktioniert.

Eingang ehem. Zentrale Verteidigungsstelle Pankow 2017

Durch den historischen Eingang gelangte der Besucher rechtsseitig ins Polizeirevier, welches sich in den Rathausanbau erstreckte, nach links ging es direkt in den Kommandobunker.

Laufgang u. Aktenkammern ehem. Polizeirevier Pankow 2017

Die Bunkeranlage wurde 1942 bis 1943 als Leitstelle eingerichtet. Über dem Keller wurde ein Stahlbetonblock im Hochparterre bis 1 Meter unter die nächste Etage gezogen. 

vermauerte Kellerfenster und vergessenes Zimmer Sowjetische Kommandantur 1950

Zur 750 Jahrfeier Berlins wurden die Fenster zur Straße geöffnet. Der Betonblock und das Zimmer gerieten wieder in Vergessenheit. Die Bunkerdecke wurde erst 2001 vom THW entfernt.

ehem. Bürgermeister von Pankow vor der Bunkerdecke 2001

Seit 2016 wird der Kommandobunker der Zentralen Verteidigungsstelle Pankow entkernt und neu unterteilt um Platz für den Triebwerksraum des neuen Fahrstuhls zu schaffen. Der Kommandoraum an sich ist weitgehend beräumt.

neuer Fahrstuhlschacht im ehem. Kommandobunker der Zentralen Verteidigungsstelle 2017

Zimmerteil des Kommandobunkers der Zentralen Verteidigungstelle 2017

neue Zwischenwand für den Fahrstuhlraum im ehem. Kommandobunker 2017

Vom Inventar der Leitstelle selbst ist nicht mehr viel übrig. Ein paar Leitungen für die Sauerstoffversorgung. 

Reste der Bunkerbelüftung 2017

alte Stromversorgung des Rathauskellers AEG 1903

Alte Panzerriegel mit denen die Splitterschutzplatten an den Fenstern geschlossen wurden. Auch die Notausstiege sind noch zu erkennen.

Riegel für die Splitterschutzplatten der Fenster

Riegel für Splitterschutzplatten am Notausstieg

Im rückwärtigen Teil hängt noch die Fernsprechanlage von Siemens und Halske. Die Vorwahlnummer und die Beschriftung der einzelnen Leitungen sind noch erhalten.

Fernsprechanlage Siemens & Halske 2017

Fernsprechanlage Siemens & Halske

Im alten Polizeirevier hingegen sieht es besser aus. Fast der komplette Zellentrakt ist noch vorhanden. Auch der Hochspannungsraum und der Hinterausgang zum Rathaushof mit Luftschutztür sind erhalten.

Zellentrakt ehem. Polizeirevier 2017

Hinter den 1942 eingebauten Panzertürmen von Max Rieger aus Berlin lagern heute Akten des Bürgeramtes.

Betriebsraum der E-Anlage, Schutztür Max Rieger Berlin 1942

Es war Ende 1944 als Polizeirevier und Kommandobunker zur Zentralen Verteidigungsstelle Rathaus Pankow zusammengefasst wurden. Auch die noch verbliebenen Polizeibeamten der umliegenden Reviere hatten sich hier zu sammeln.

Panzerschutz Max Rieger Berlin N 1942

Jetzt saßen Wehrmacht, Polizei und Landsturm gemeinsam in der Zentralen Verteidigungsstelle. Nachdem Pankow eingenommen war, wurde das Rathaus bis 1950 zur Sowjetischem Kommandantur. 

Zellentrakt ehem. Polizeirevier im Rathaus Pankow

Der Zellentrakt wurde bis zum Oktober 1947 von den Sowjets weiter genutzt. Die letzten offiziellen Insassen waren der Kommandant des Konzentrationslager Sachsenhausen und 15 Angehörige der Wachmannschaft.

Spielecke im Wartezimmer auf dem Rest der Bunkerdecke im Bürgeramt Rathaus Pankow 2017

Die Stahlbetondecke des Bunkers wurde erst 2001 abgetragen. An seiner Stelle befindet sich heute das Wartezimmer vom Bürgeramt Pankow. Im hinteren Bereich befindet sich auf dem Rest des Stahlbetonblock eine höher gelegene Spielecke für Kinder.

Autor: Christian Bormann, 11.12.2017

red.Bearbeitung:

Fotos: Stefan Paubl, Berlin.de, Christian Bormann, Ivonne Hempler, Bezirksamt Pankow

Bormann’s Bärenjagd

Unterstützten Sie unser Aktion „Bärenjagd“ 2018. Teilen Sie diesen Post in Ihrer Chronik.

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 Historiker,Autor und Initiator der Bärenjagd: Christian Bormann

Wir suchen noch Unterstützer, Gewerbetreibende und Vereine die unser Plakat (A2) bei sich aushängen, Sinn und Zweck der „Bärenjagd“ ist es vergessene historische Berliner Bären in einem Katalog zu erfassen. Nur bekanntes Kulturgut kann bewahrt und erhalten werden.

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Bormanns Bärenjagd 2018

Helfen Sie uns! Gern bringen wir ihnen ein oder mehrere Poster zum Aushang vorbei. Auf diesem Weg auch ein Dankeschön an die Pressestelle des BA Pankow für die Unterstützung und den Aushang im Rathaus.

Die Geschichte zur Idee der Bärenjagd finden Sie auf unserer Hauptseite unter der Überschrift „Pankow geht auf Bärenjagd“

Melden Sie uns Ihre Bären Mut Foto, Ort und Datum unter:

bormann.baerenjagd@gmail.com

Verantwortlich für den Aufruf zur Bärenjagd 2018 ist Pankowerchronik.de, Herausgegeber ist der Historiker, Journalisti und Autor Christian Bormann.
Autor: Christian Bormann, 16.01.2018

Bilder: Christian Bornann

Das vergessene Zimmer im Rathaus Pankow

Im März 2001 gab es eine kleine Sensation im Rathaus Pankow. Ein vergessenes Zimmer unmittelbar rechts vom Foyer. Die Mitarbeiter staunten nicht schlecht als sie den riesigen Block in augenschein nahmen. Auf den alten Aufnahmen von 1950 und 1984 sind die Kellerfenster und drei weitere im hochparterre vermauert. Hinter ihnen befindet sich ein Bunker und eine mehrere Meter dicke Stahlbetondecke.

Vermauerter Keller und vergessenes Zimmer Sowjetische Kommandantur 1950

In den Jahren 1942 und 1943 wurde im Keller des Rathauses ein Luftschutzbunker angelegt. Der Raum über dem Bunker wurde bis unter die nächste Decke mit Stahlbeton aufgefüllt. Die Kellerfenster vom Bunker und die Fenster darüber wurden zu betoniert.

noch vermauerte Fassade Rathaus Pankow 1984

Der Bunker war nicht für die Zivilbevölkerung. Mit Gefängniszellen und Fernmeldeanschlüssen ausgestattet war er als Leitstelle vorgesehen. Im Kriegsjahr 1944 wurden die aufgelösten Polizeistationen zusammengeführt und gemeinsam mit der Wehrmacht und dem Landsturm in der Zentralen Verteidigungstelle Rathaus Pankow untergebracht.

Restauration 1985 – 1987 Bürgetehre wurde eingesetzt, Fenster im Bunker u. vom Zimmer wurden geöffnet

Die Betondecke erfüllte ihre Aufgabe. Trotz einiger Granattreffer die auch heute noch zu erkennen sind, blieb das Gebäude weitgehend in Takt. Nach dem Krieg zog die Sowjetische Kommandantur für 5 Jahre ins Rathaus. Der Bunker und die Zellen wurden von den Sowjets bis zum Kriegsverbrecherprozess am 23. Oktober 1947 genutzt. Danach wurde der mit Beton gefüllte Raum vergessen.

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geflickter Granattreffer von 1945 im Rathaus 2017

Den Bunker erreichte man aus 3 Richtungen, vom Hof, linksseitig über den Ratskeller oder rechts über den heute verschlossenen Eingang der Polizeistelle. Auf einigen alten Postkarten ist noch die Haltestelle direckt vor dem ehemaligen Fronteingang zur Polizeistelle zu sehen.

mit Granitblock geschlossener ehem. Eingang Polizei u. Zentrale Verteidigungstelle Rathaus Pankow 2017

Zur 750 Jahrfeier Berlins 1987 stand die große Rathausrestaurierung an. Das vergessene Zimmer wird 1984 zum ersten mal wiederentdeckt als im Rahmen der Fassadenrestaurierung die übermauerten Fenster im Keller und Parterre freigelegt und wieder geöffnet wurde.

heutige Fassade mit offenen Fenster im Keller u. Wartezimmer 2017

Bei der Rekonstruierung der Frontansicht blieb es. Das Zimmer wurde ein zweites Mal vergessen. Es sollte ganze 30 Jahre dauern bis das vergessene Zimmer von Rathausmitarbeitern im März 2001 wiederentdeckt wurde.

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Bürgermeister vor dem wiederentdeckten Zimmer 2001

Der Raum war bis auf 1 Meter unter die nächste Decke mit einem kompakten Stahlbetonblock aufgefüllt. Auf dem Block lag der Staub von 70 Jahren Geschichte. Inzwischen hatte das Rathaus den 2.Weltkrieg erlebt, die Mauer fallen sehen und die ein oder andere Restauration erfahren.

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Vergessenes Zimmer – Bunkerdecke 2001

Der damalige Bürgermeister lud zum Pressetermin im Rathaus. Die Konstruktion war so gewaltig das es aller Hand Technik benötigte um den Riesen zu bezwingen. Um die Kosten für den Bezirk so gering wie möglich zu halten, wurde aus dem Abriss kurzerhand eine Übung für des Technischen Hilfswerk.

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Arbeiter beim abtragen des Stahlbeton 2001

Die Reste der Leitstelle im Keller werden seit 2016 umgebaut. Hier entsteht der Triebwerksraum für den neuen Fahrstuhl. Das einst vergessene Zimmer um Rathaus Pankow erfreut sich heute ganz enormer Aufmerksamkeit.

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Teil der Anlage des Kommandobunker der Zentralen Verteidigungsstelle im Rathaus Pankow 2017

Ganze 70 Jahre im Dornröschenschlaf ist es heute das mit Abstand am heufigsten besuchte Zimmer. Es ist der Warteraum des Bürgeramt. Im Boden befindet sich noch eine gut sichtbare Dehnungsfuge im Belag, hier lässt sich die einstige Blockkante erkennen.

Vergessenes Zimmer mit Rest der Bunkerdecke im Rathaus, heute Wartezimmer Bürgeramt mit Spielecke

An stelle des Betonblock sitzen heute die Pankower im Wartebereich des Bürgeramt. Der Block wurde 2001 nicht in Gänze abgetragen und ist heute noch zu sehen.

Rest der Bunkerdecke vom Boden bis zum Fenstersims – Spielecke 2017

Im Wartebereich befindet sich eine Spielecke. Wer genau hinschaut erkennt die Stufen und das ebenerdige Fenster. Es ist der letzte historische Rest der Bunkerdecke.

Autor: Christian Bormann, 03.12.2017

red.Bearbeitung:

Bilder: Christian Bormann, Ivonne Hempler, Bezirksamt Pankow Bundesarchiv,