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Der Große Stein in Buchholz

Nordöstlich des Dorfkerns von Buchholz, unterhalb der alten Bucher Straße, die Buchholz und Buch verbindet, liegt er. Um 1900 entdeckten Bauern beim Tiefpflügen ihres Ackers einen Findling von 105 Tonnen Gewicht. In der Weichsel-Kaltzeit wurde er mit den Eismassen aus Skandinavien bis ins heutige Pankow-Buchholz geschoben. Sein Alter beträgt etwa 1400 Millionen Jahre. Mit einer Länge von 6,5 Meter und einer Breite von 4,5 Meter ist er ein wahrer Riesenbrocken. Seit seiner Entdeckung erzählen sich die Pankower die Sage vom Großen Stein in Buchholz.

große Stein in Buchholz

Der Sage nach soll zu Zeiten, als von Norden her noch Riesen unsere Gegend besucht haben, sich einer von ihnen unsterblich in ein wunderschönes Mädchen von Buchholz verliebt haben. Gegen ihren Willen nahm er sie mit, um sie in das Haus seiner Mutter zu bringen. Da er das widerspenstige Mädchen tragen musste, ermüdete der Riese schnell. Kaum hatte er sich gesetzt um kurz zu ruhen, schlief er auch schon ein. Das Mädchen aber lief so schnell sie konnte zurück. Als der Riese wieder erwachte und sah, dass seine Auserwählte fort war, packte ihn die Wut. Voller Zorn schleuderte er der Fliehenden einen Stein hinterher. Die Wut hatte sein Augenmaß getrübt, und der Stein verfehlte sein Ziel. Seither wurde in Buchholz kein Riese mehr gesehen.

Schild, Beschreibung am Fundort

Da es nicht möglich war den Stein zu heben, pflanzte man einige Linden ringsherum und machte ihn als Sehenswürdigkeit zugänglich. Am 22. Dezember 1931 wurde der Große Stein in Buchholz durch eine Verordnung des damaligen Polizeipräsidenten von Berlin unter Naturschutz gestellt.

Autor: Christian Bormann, 25.06.2014
Technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 25.01.2016

Quellen:
mündliche Überlieferung
Wikipedia

Das Pankower Gröschlein

Zwischen Berliner Straße und Schulstraße erstreckte sich im 18. Jahrhundert ein ausgedehnter Park. Um 1750 wurde hier ein Kurfürstlicher Münzstempel gefunden. Peter Huffitz erwähnt in seiner Chronik von 1599 eine Münze mit dem Namen „Pankower Gröschlein“.

Bahrfeldt Pankow Gröschlein

Seither wird vermutet, dass sich an dieser Stelle eine Münzprägestätte befunden hat. Tatsächlich gibt es in alten Niederbarnimer Aufzeichnungen Berichte einer Münzprägestätte von Kurfürst Johann Cicero, eine Meile entfernt von der Panke. Johann Cicero hatte sich in Pankow einen Vogelherd anlegen lassen und war hier oft zu Gast. Im Bahrfeld-Katalog um 1890 ist das Pankower Gröschlein als Berliner Halbgroschen erwähnt. Er trägt das Datum 1496, zeigt Kreuz mit Zepterschild und hatte den Wert eines halben Märkischen Groschens.

Autor: Christian Bormann, 23.06.2014
Technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 25.01.2016

Quellen:
Sagen und Geschichten aus dem Norden Berlins/Barbara Keil
Numismatischer Katalog/Bahrfeld
Niederbarnimer Chroniken

Der Mörderberg in Pankow-Blankenburg

Bei dem Mörderberg handelt es sich nicht wie man vermuten könnte um einen spätmittelalterlichen Henkersplatz. Der Mörderberg, wobei es sich eher um eine kleine landschaftliche Erhebung als einen Berg handelt, ist auch als Marderberg bekannt.

Mörderberg

Friedrich I. kaufte 1705 bei Blankenburg ein sumpfiges, modriges Gelände mit Teichen und Feuchtwiesen. Aus Modder- wurde Marder und zu guter Letzt der heutige Name Mörderberg. In den letzten Jahren gab es Bemühungen von Lobbyisten der FDP die Bushaltestelle der Linie 154 umbenennen zu lassen. Die Kinder würden sich fürchten, an einer Haltestelle auszusteigen, die Mörderberg heißt. Die Pankower Bezirksverordnetenversammlung entschied dagegen, da die Lobbyinteressen des benachbarten Golfklubs zu offensichtlich waren.

Polizeikaserne Blankenburg

Heute sind am Mörderberg noch verlassene Polizeikasernen zu sehen.

Autor: Christian Bormann, 22.06.2014
Technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 25.01.2016

Quellen:
mündliche Überlieferung
diverse Medienberichte
BVV

Die Seufzerallee im Schlosspark Pankow

Seit König Friedrich II. 1740 seinen Thron bestieg, lebte er getrennt von seiner Gemahlin Elisabeth Christine. Mit den Worten „Hier lass dich nieder, hier kannst du Schön Husen“, soll er sie nach Schloss Schönhausen ausquartiert haben. Auch zur Einweihung des Schlosses Sanssouci war sie nicht geladen. Jeder königliche Gast der in die Friedrichstadt wollte, hatte zuvor einen Antrittsbesuch bei Elisabeth Christine in ihrem Schloss Schönhausen zu machen.

Seufzerallee Schlosspark Pankow

Der König selbst soll mehrfach im „Alten Krug von Pankow“ Quartier bezogen haben, wenn er zum Geburtstag seiner Gemahlin nach Pankow kam. Der „Alte Pankower Krug“ stand einst dort, wo südlich der Pfarrkirche am Anger die alte Kaufhalle stand. Die Königin soll oft, sehr traurig über ihre Beziehung, seufzend durch ihren Schlosspark gezogen sein. Fast parallel zur Schlossstraße verläuft eine alte Kastanienallee durch den Schlosspark.

Seufzerallee Schlosspark Pankow

Vom jetzigen Kinderspielplatz ausgehend endet sie am alten Gartentor von Schloss Schönhausen. Seither von den Pankowern „Seufzerallee“ genannt, erinnert sie heute noch an Elisabeth Christine und ihre unglückliche Beziehung mit Friedrich II.

Autor: Christian Bormann, 22.06.2014
Technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 25.01.2016

Quellen:
mündliche Überlieferung
Nord Berliner Sagen und Geschichten/Barbara Keil

Unsere Panke

Der Name Panke lässt sich am ehesten aus dem slawischen ableiten, übersetzt „Fluss mit Strudeln“. Ihre Quelle entspringt nordöstlich von Bernau auf dem Roten Feld. Auf diesem Feld sollen die Bernauer 1492 eine blutige Schlacht gegen die Hussiten geführt haben. Das Feld war so von Blut durchtränkt, dass es seither das „Rote Feld“ genannt wurde. Die Bernauer leisteten erbitterten Widerstand. Sie gossen heißen Brei von den Zinnen des Stadtmauerganges. Dieser war wohl Treberflüssigkeit aus den zahlreichen Brauhäusern der Stadt. Hiervon zeugt heute noch der bekannte Ausspruch: „Bernauer Bier und heißer Brei machen die Mark hussitenfrei“.

Panke Parkstraße Böschungsbau 1906
Böschungsbau der Panke Parkstraße 1906

Oberirdisch ist die Pankequelle nicht mehr zu finden, da das Rote Feld in den letzten Jahrhunderten mehrere Meter aufgeschüttet wurde. Rings um die Quelle befinden sich frühzeitliche Jagdplätze, auf denen sich heute noch Feuersteinwerkzeuge finden lassen. Erst in der Nähe der Bundesstraße 2 fließt die Panke wieder oberirdisch, nach etwa zwei Dritteln ihres Verlaufes erreicht sie Pankow. Der heutige Verlauf zwischen den Pankower Karpfenteichen und Wedding ist nicht mehr der ursprüngliche.

Panke Schlosspark

Panke im Schlosspark 2014

Im 13. Jahrhundert legte Kurfürst Johann Cicero einen künstlichen Graben an. Damit schuf er eine Insel für seinen Vogelherd. Parallel zur Panke verläuft die Parkstraße. Hier steht die „Herz Jesu Kapelle“ auf einem kleinen Hügel zwischen Straße und Panke. Bei dem kleinen Hügel handelt es sich um die Reste des slawischen Walls Pankow. Bei Bauarbeiten an der Kapelle wurde ein Eisschrank entdeckt. In der slawischen Übersetzung heißt „Pan“- Herr und „kow“- hain, also Herren-Hain. Von Bernau bis Pankow sind heute noch Urnenfelder und Opferhaine erhalten geblieben. An Absenkungen der westlichen Umfassungsmauer des alten Krankenhaus Pankow lässt sich noch der ursprüngliche Verlauf der Panke erahnen. Bei Erdarbeiten zum Bau des alten Krankenhauses stieß man auf einige Opfergaben vermutlich aus dem 9. bis 11. Jahrhundert, ebenso wie in Berlin-Buch, wo ein ganzer Bronzehortfund entdeckt wurde, Schwerter verschiedener Typen, Lanzenspitzen und vieles mehr. In älteren Aufzeichnungen wird davon berichtet, dass die Panke im Schlosspark von königlichen Gästen mit Gondeln befahren wurde.

Panke Schlosspark

Königlicher Wasserfall im Schlosspark 1900

Im 16. Jahrhundert stand im jetzigen Bürgerpark eine Papiermühle, im 19. Jahrhundert wurde sie durch ein Pankehochwasser zerstört. Auf Höhe der Ossietzkystraße befand sich zur Jahrhundertwende eine beliebte Badestelle. Auch im nordwestlichen Teil des Bürgerparks, hinter der Vogelvoliere, konnte bis 1925 gebadet werden.

Panke Bürgerpark

Panke Bürgerpark 2014

Im 16. Jahrhundert war die Panke noch so tief, dass der Legende nach der „Raubritter und Pankgraf Udo mit der gespaltenen Klaue“ in ihr ertrunken sein soll. Einst mündete die Panke nach ca. 30 km in die Spree. Hiervon zeugt heute noch das schwarze Loch in der Ufermauer vor dem Berliner Ensemble. Nach ihrem umgestalteten Verlauf fließt die Panke, nachdem sie Pankow verlassen hat, nur noch als Grenzfluss zwischen Wedding und Mitte in den Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal.

Autor: Christian Bormann, 20.06.2014
Technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger

Quellen:
Pankow im Wandel der Geschichte/Bebra Verlag
Sagen und Geschichten aus dem Norden Berlins/Barbara Keil
Pankow Chronik eines Berliner Stadtbezirks/Rat des Stadtbezirks Berlin Pankow
Archivbilder Berlin Pankow/Sutton Verlag
Berliner Ur & Früh Geschichte/Märkisches Museum Berlin

Bolle reiste jüngst zu Pfingsten, – Wer war Bolle?

„Bolle reiste jüngst…“
Wer war „Bolle“ eines der bekanntesten Berliner Volkslieder besingt „Bolle“. „Bolle“ als echte Person gab es nicht.

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historische Bolle-Postkarte aus Pankow

Der Name steht vielmehr für den typischen Berliner, der nach harter Arbeit werktags oder am Wochenende sein Vergnügen in Pankow suchte. Durch Vorstadtwagen und Kremserfahrten, nicht zuletzt auch durch seine gute Luft, war Pankow im 19. Jahrhundert einer der beliebtesten Berliner Ausflugsorte. In der Schönholzer Heide sowie in unzähligen Schankstuben, Biergärten, Badeanstalten und Theatern, tobte der „Berliner Mob“. So auch besungen im Lied, „Bolle reiste jüngst …“ Das „Bollelied“ gibt es in einigen verschiedenen Varianten.

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Bollezeichnung von Christian Badel für pankowerchronik de 2017

Liedtext:

Bolle reiste jüngst zu Pfingsten

Bolle reiste jüngst zu Pfingsten, Pankow war sein Ziel.
Da verlor er seinen Jüngsten janz plötzlich im Jewühl.
‚Ne volle halbe Stunde hat er nach ihm jespürt.
Aber dennoch hat sich Bolle janz köstlich amüsiert.

In Pankow jab’s keen Essen, in Pankow jab’s keen Bier.
War allet uffjefressen von fremden Leuten hier.
Nich‘ ma‘ ’ne Butterstulle hat man ihm reserviert!
Aber dennoch hat sich Bolle janz köstlich amüsiert.

Auf der Schönholzer Heide, da jab’s ’ne Keilerei,
Und Bolle jar nich‘ feige, war mittenmang dabei,
Hat’s Messer raus jezogen, und Fünfe massakriert.
Aber dennoch hat sich Bolle janz köstlich amüsiert.

Es fing schon an zu tagen, als er sein Heim erblickt.
Das Hemd war ohne Kragen, das Nasenbein zerknickt.
Das linke Auge fehlte, das rechte marmoriert.
Aber dennoch hat sich Bolle janz köstlich amüsiert.

Als er nach Haus jekommen, da ging’s ihm aber schlecht.
Da hat ihm seine Olle janz mörderisch verdrescht!
Ne volle halbe Stunde, hat sie auf ihm poliert.
Aber dennoch hat sich Bolle janz köstlich amüsiert.

Und Bolle wollte Sterben, er hat sich’s überlegt:
Er hat sich uff die Schienen der Kleinbahn druffjelegt.
Die Kleinbahn hat Verspätung, und vierzehn Tage druff,
Da fand man unseren Bolle als Dörrjemüse uff.

Geschichte: Bolle, Badel und Bormann

Autor: Christian Bormann, 18.06.2014

Zeichnung: Christian Badel – www.kikifax.de

Technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 25.01.2016

Quelle: mündliche Überlieferung Wikipedia

Die Legende der Pankgrafen

Die Pankgrafen sollen ein mittelalterliches Raubrittergeschlecht gewesen sein. Die Reichen der Mark fürchteten sie. Sie lehnten sich gegen die herrschende Obrigkeit auf, verweigerten Steuern und sonstige Abgaben. Auf Handelswegen lauerten sie reichen Kaufleuten auf und beraubten sie.

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Zu ihnen gehörte auch Graf Udo mit der gespaltenen Klaue. Zu all seinen Untugenden gehörte auch die Trunksucht. Der Ritter Graf Udo soll 1631 volltrunken und in voller Rüstung in die Panke gesprungen sein, wo er jämmerlich ertrank. Auf Grund seiner Untaten soll sein Geist nie zur Ruhe gekommen sein. So taucht er alle 50 Jahre als Nebelschatten wieder auf. Vor 100 Jahren gab es noch die Bierstube zum Pankgrafen. Heute erinnern noch die Pankgrafenstraßen in Alt-Pankow und Berlin-Buch an sie. Unabhängig von dieser alten Sage gibt es heute noch Pankgrafen. In zeitgenössischen Quellen werden sie auch als örtliche Schutzmacht beschrieben.

Autor: Christian Bormann, 15.06.2014
Technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 25.01.2016

Quelle:
mündliche Überlieferung

Baugeschichte der alten Pfarrkirche Pankow

Im 13. Jahrhundert errichteten aus Südfrankreich kommende Zisterzienser-Mönche im südlichen Sumpfgebiet der Panke eine kleine Feldsteinkapelle. Die heutige Form der Kirche „Zu den Vier Evangelisten“ entstand durch Erweiterungen und Umbauten über mehrere Jahrhunderte. Ursprünglich war die Kirche mit einer Umfassungsmauer aus Feldstein umgeben. Innerhalb dieser wurden auch die Verstorbenen bestattet, bis 1841 das Gräberfeld auf den 1. Gemeindefriedhof am heutigen Bürgerpark umgebettet wurde. Auf einem Gemälde von Jean Barthelemy Pascal ist noch der im 15. Jahrhundert angebaute Fachwerkturm zu sehen.

Gemälde Jean Bartolemy Pascal

Das Bildnis „Der Verlorene Sohn“ über dem Eingang, ist leider spurlos verschwunden. Die umfangreichsten Umbauten begannen 1832 als Karl Wilhelm Redtel den hölzernen Dachreiter entfernte, in der Absicht, einen zweiten Turm hinzuzufügen.  In diesem Jahr wurden auch die Feldsteinnischen in die Wände gebrochen und die Seiteneingänge geschlossen. Redtels Vorhaben bezüglich eines zweiten Turms wurde nicht verwirklicht. An der nördlichen Innenseite wurde eine Empore für Kinder gebaut, auch die Kanzel stammt aus dieser Zeit. Sie wurde 1859 in Potsdam vom Bildhauer Koch modelliert. Die Kanzel zeigt Bildnisse der Reformation, Philipp Melanchthon, Martin Luther, Nicolaus Graf von Zinsendorf und Johannes Calvin.

Kanzel

Patron der Kirche war König Wilhelm IV. Er beauftragte 1857 den Bauinspektor Becker sowie den Geheimen Rat Stühler mit Planung und Neubau der Kirche. Friedrich Wilhelm IV. bestand darauf, die Feldsteinwände zu erhalten. Die Naht zwischen Alt- und Neubau wurde mit zwei Backsteintürmen kaschiert. Zu ihrer Errichtung ragten die zwei Spitztürme weitaus höher in den Himmel.

Pfarrkirche Pankow

Nach Beschädigung im 2.Weltkrieg wurden sie verkürzt wiedererrichtet. Die prachtvolle Ausmalung im Kircheninneren von 1892 ist weiß übermalt worden, und wartet bis heute auf ihre Restaurierung. An der südlichen Außenmauer, versteckt hinter Bäumen, erinnert noch ein gusseisernes Kunstwerk im Stil einer Klassizistischen Grabtafel an den Schauspieler Heinrich Ludwig Schmelka vom Königsstädtischen Theater am Alexanderplatz.

Gedenktafel

Autor: Christian Bormann, 12.06.2014
Technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 25.01.2016

Quellen:
Pankow im Wandel der Geschichte – Bebra Verlag
Archivbilder Berlin-Pankow – Sutton Verlag

Die Sage vom Katzenbuckel im Schlosspark

Wer in Pankow groß geworden ist, kennt den „Katzenbuckel“ im Schlosspark. Inmitten alter Kastanien erhebt sich ein kleiner Hügel zwischen Panke und großer Liegewiese, von den Pankowern liebevoll „Katzenbuckel“ genannt.

Katzenbuckel Pankow Schlossparl

Eine alte nordberliner Sage erzählt davon, dass es sich um das Ehrengrab des „Schimmels von Mollwitz“ handelt. Am 10. April 1741 hatte das Pferd mit seiner Schnelligkeit dem noch jungen und unerfahrenen König Friedrich II. in der Schlacht nahe dem schlesischen Dorf Mollwitz das Leben gerettet. Friedrich II. sendete seinen Adjutanten mit dem Pferd zurück nach Schloss Schönhausen, wo er seiner Gemahlin Elisabeth Christine ausrichten ließ, dass die Schlacht gewonnen und er unversehrt sei. Fortan erhielt der Schimmel sein Gnadenbrot, bis das Tier schließlich starb. Die Königin Elisabeth soll das Pferd an der Stelle unweit des Schlosses begraben haben, wo heute noch der „Katzenbuckel“ ist.

Autor: Christian Bormann, 10.06.2014
Technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung, Martina Krüger, 25.01.2016

Quelle: mündliche Überlieferung

Woher der Name Pankow stammt

Es gibt verschiedene Übersetzungen aus dem Slawischen. Das slawische Wort Panikwa auch Ponikwa heißt „Fluss mit Strudeln“. In älteren Chroniken findet sich aber auch eine slawisch-polnische Übersetzung. Pan für Herr und Kow für Hain also Hain des Herren. Der Hain des Herren war eine slawische Opferstätte. Einen „Slawischen Opferhain“ gab es tatsächlich, dort wo die Panke die sogenannte Insel umschloss. Diese Insel entstand durch einen künstlichen Wassergraben.

Eingangstor Bürgerpark

Ursprünglich lief die Panke weiter südlich, parallel zur Breitestraße. Den Graben ließ der Kurfürst Johann Cicero im 13. Jahrhundert für seinen Vogelherd anlegen. In der Parkstraße steht heute die „Herz Jesu Kapelle“ auf einem kleinen Hügel, hierbei handelt es sich um die Reste der slawischen „Wallanlage Pankow“. Bei Umbauten an der Kapelle entdeckten Bauarbeiter einen „Eisschrank“ mit Gefäßen im Boden.

Antikes Plakat

Am alten Pankower Krankenhaus in der Galenusstraße lässt sich noch heute der Urverlauf der Panke erahnen, wenn man sich die Absenkungen der westlichen Umfassungsmauern anschaut. Bereits beim Bau im 19. Jahrhundert entdeckte man einige Bronzezeitgegenstände. Bei der jüngeren Bebauung eines abgetrennten ehemaligen Teils des Krankenhauses vor wenigen Jahren, kamen die Fundamente eines alten germanischen Langhauses aus der Bronzezeit zum Vorschein. Im 13. Jahrhundert siedelten die Pankower weiter südlich im Sumpfgebiet der Panke, heute Breitestraße.

Gemälde alter Dorfanger Pankow

Hier errichteten aus Südfrankreich kommende Zisterziensermönche eine kleine Feldsteinkapelle, die heutige Pankower Pfarrkirche „Zu den Vier Evangelisten“. Die Panke wurde dann im 19. Jahrhundert begradigt.

Autor: Christian Bormann, 09.06.2014
Technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger

Quellen:
„Pankow im Wandel der Geschichte“- Bebra Verlag
„Sagen und Geschichten aus dem Norden Berlins“- Barbara Keil
„ Berliner Ur und Frühgeschichte“-Märkisches Museum Berlin
„Pankow Chronik eines Berliner Stadtbezirke“- Rat des Stadtbezirks Berlin-Pankow