Die einsame Venus von der Kostecky-Villa

In der damaligen Bismarckstr. 41 in Pankow, heute Hermann-Hesse-Str. 19, stand eine beeindruckende Villa. Allein die schmiedeeiserne Einfriedung war so imposant gestaltet, dass es dem Betrachter den Atem verschlug. Der Garten war kunstvoll gestaltet wie ein verzauberter Park. Das Haus war gedeckt mit einem grün schimmernden Kupferdach und wurde gekrönt mit einer über 2 Meter großen Venus.

Venus

Am Eingangsportal zur Straße standen prächtige Putten und Marmorsäulen. Die Villa wurde schon 1905 gebaut, der Umbau zu einem kleinen „Schloss“ erfolgte in den 20er und 30er Jahren. Bis in die späten 90er war das Grundstück bewohnt. Der Eigentümer war Wolfgang Joseph Kostecky, gebürtiger Pole, steinreich und bekennend homosexuell. Kostecky hatte einen ausgeprägten Hang zum Schönen und Prunkvollen, was er auch im Inneren seiner Villa zeigte. Die Wände waren mit Seide bespannt, Marmor verlegte er wo er konnte und die Räume bestückte er mit offenen Kaminen. Das Bad bekam eine so gigantische Badewanne, so dass diese bei Verfall der Villa fast durch die Decke gebrochen wäre. Kostecky und seine Villa waren in aller Munde. Ab 1940 nahm sein Leben eine jähe Wende. Als „Berufsverbrecher“ nach §175 Reichsgesetz war Kostecky als Homosexueller zu verfolgen und zu vernichten. Die Nazis deportierten ihn in das KZ Sachsenhausen. Kostecky überlebte Sachsenhausen. Seine Villa überstand auch Nationalsozialismus und Kommunismus, wurde aber am 17.Februar 2005 Opfer des Kapitalismus. Laut Denkmalamt wurde die Villa übersehen, obwohl ihr Garten mit Einfriedung bereits 1995 als Denkmal erfasst wurde. Als im Jahr 2001 die ersten großen Grundstücksspekulationen anfingen, wurde der Garten auf mysteriöse Weise wieder von der Denkmalliste gelöscht.

Kostecky Villa mit Venus

Wen wundert es da noch, dass bei einer abschließenden Begehung durch das Landesdenkmalschutzamt 2004 festgestellt wurde, „dass die Villa nicht mehr zu retten, und eine Eintragung als geschütztes Denkmal auszuschließen ist“. Am 17. Februar 2005 wurde die „Villa Kostecky“ abgerissen, um an ihrer Stelle einen Parkplatz zu bauen. Während der Abrissarbeiten wurden die Gartenfiguren abgebaut, verpackt und verschwanden dann über Nacht. Ihr Verbleib ist uns unbekannt. Unter Pankowern halten sich bis heute hartnäckig Gerüchte, dass es im Fall „Kostecky Villa“ nicht mit rechten Dingen zuging. Beim Abriss der Villa kamen in der Baugrube Abfälle eines Feldlazaretts zutage, die hier im Garten scheinbar vergraben wurden. Einst blickte die Venus stolz vom Dach der Villa über Niederschönhausen. Heute steht sie einsam neben den Resten der Einfriedung auf einem Parkplatz und blickt auf den Mülleimer eines Discounters.

Autor: Christian Bormann 23.07.2014
technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 06.02.2016

Bilder:
Hintze CPS
Berliner Wochenblatt für Pankow 15.11.2000

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