Baugeschichte der alten Pfarrkirche Pankow

Im 13. Jahrhundert errichteten aus Südfrankreich kommende Zisterzienser-Mönche im südlichen Sumpfgebiet der Panke eine kleine Feldsteinkapelle. Die heutige Form der Kirche „Zu den Vier Evangelisten“ entstand durch Erweiterungen und Umbauten über mehrere Jahrhunderte. Ursprünglich war die Kirche mit einer Umfassungsmauer aus Feldstein umgeben. Innerhalb dieser wurden auch die Verstorbenen bestattet, bis 1841 das Gräberfeld auf den 1. Gemeindefriedhof am heutigen Bürgerpark umgebettet wurde. Auf einem Gemälde von Jean Barthelemy Pascal ist noch der im 15. Jahrhundert angebaute Fachwerkturm zu sehen.

Gemälde Jean Bartolemy Pascal

Das Bildnis „Der Verlorene Sohn“ über dem Eingang, ist leider spurlos verschwunden. Die umfangreichsten Umbauten begannen 1832 als Karl Wilhelm Redtel den hölzernen Dachreiter entfernte, in der Absicht, einen zweiten Turm hinzuzufügen.  In diesem Jahr wurden auch die Feldsteinnischen in die Wände gebrochen und die Seiteneingänge geschlossen. Redtels Vorhaben bezüglich eines zweiten Turms wurde nicht verwirklicht. An der nördlichen Innenseite wurde eine Empore für Kinder gebaut, auch die Kanzel stammt aus dieser Zeit. Sie wurde 1859 in Potsdam vom Bildhauer Koch modelliert. Die Kanzel zeigt Bildnisse der Reformation, Philipp Melanchthon, Martin Luther, Nicolaus Graf von Zinsendorf und Johannes Calvin.

Kanzel

Patron der Kirche war König Wilhelm IV. Er beauftragte 1857 den Bauinspektor Becker sowie den Geheimen Rat Stühler mit Planung und Neubau der Kirche. Friedrich Wilhelm IV. bestand darauf, die Feldsteinwände zu erhalten. Die Naht zwischen Alt- und Neubau wurde mit zwei Backsteintürmen kaschiert. Zu ihrer Errichtung ragten die zwei Spitztürme weitaus höher in den Himmel.

Pfarrkirche Pankow

Nach Beschädigung im 2.Weltkrieg wurden sie verkürzt wiedererrichtet. Die prachtvolle Ausmalung im Kircheninneren von 1892 ist weiß übermalt worden, und wartet bis heute auf ihre Restaurierung. An der südlichen Außenmauer, versteckt hinter Bäumen, erinnert noch ein gusseisernes Kunstwerk im Stil einer Klassizistischen Grabtafel an den Schauspieler Heinrich Ludwig Schmelka vom Königsstädtischen Theater am Alexanderplatz.

Gedenktafel

Autor: Christian Bormann, 12.06.2014
Technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 25.01.2016

Quellen:
Pankow im Wandel der Geschichte – Bebra Verlag
Archivbilder Berlin-Pankow – Sutton Verlag

Die Sage vom Katzenbuckel im Schlosspark

Wer in Pankow groß geworden ist, kennt den „Katzenbuckel“ im Schlosspark. Inmitten alter Kastanien erhebt sich ein kleiner Hügel zwischen Panke und großer Liegewiese, von den Pankowern liebevoll „Katzenbuckel“ genannt.

Katzenbuckel Pankow Schlossparl

Eine alte nordberliner Sage erzählt davon, dass es sich um das Ehrengrab des „Schimmels von Mollwitz“ handelt. Am 10. April 1741 hatte das Pferd mit seiner Schnelligkeit dem noch jungen und unerfahrenen König Friedrich II. in der Schlacht nahe dem schlesischen Dorf Mollwitz das Leben gerettet. Friedrich II. sendete seinen Adjutanten mit dem Pferd zurück nach Schloss Schönhausen, wo er seiner Gemahlin Elisabeth Christine ausrichten ließ, dass die Schlacht gewonnen und er unversehrt sei. Fortan erhielt der Schimmel sein Gnadenbrot, bis das Tier schließlich starb. Die Königin Elisabeth soll das Pferd an der Stelle unweit des Schlosses begraben haben, wo heute noch der „Katzenbuckel“ ist.

Autor: Christian Bormann, 10.06.2014
Technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung, Martina Krüger, 25.01.2016

Quelle: mündliche Überlieferung

Woher der Name Pankow stammt

Es gibt verschiedene Übersetzungen aus dem Slawischen. Das slawische Wort Panikwa auch Ponikwa heißt „Fluss mit Strudeln“. In älteren Chroniken findet sich aber auch eine slawisch-polnische Übersetzung. Pan für Herr und Kow für Hain also Hain des Herren. Der Hain des Herren war eine slawische Opferstätte. Einen „Slawischen Opferhain“ gab es tatsächlich, dort wo die Panke die sogenannte Insel umschloss. Diese Insel entstand durch einen künstlichen Wassergraben.

Eingangstor Bürgerpark

Ursprünglich lief die Panke weiter südlich, parallel zur Breitestraße. Den Graben ließ der Kurfürst Johann Cicero im 13. Jahrhundert für seinen Vogelherd anlegen. In der Parkstraße steht heute die „Herz Jesu Kapelle“ auf einem kleinen Hügel, hierbei handelt es sich um die Reste der slawischen „Wallanlage Pankow“. Bei Umbauten an der Kapelle entdeckten Bauarbeiter einen „Eisschrank“ mit Gefäßen im Boden.

Antikes Plakat

Am alten Pankower Krankenhaus in der Galenusstraße lässt sich noch heute der Urverlauf der Panke erahnen, wenn man sich die Absenkungen der westlichen Umfassungsmauern anschaut. Bereits beim Bau im 19. Jahrhundert entdeckte man einige Bronzezeitgegenstände. Bei der jüngeren Bebauung eines abgetrennten ehemaligen Teils des Krankenhauses vor wenigen Jahren, kamen die Fundamente eines alten germanischen Langhauses aus der Bronzezeit zum Vorschein. Im 13. Jahrhundert siedelten die Pankower weiter südlich im Sumpfgebiet der Panke, heute Breitestraße.

Gemälde alter Dorfanger Pankow

Hier errichteten aus Südfrankreich kommende Zisterziensermönche eine kleine Feldsteinkapelle, die heutige Pankower Pfarrkirche „Zu den Vier Evangelisten“. Die Panke wurde dann im 19. Jahrhundert begradigt.

Autor: Christian Bormann, 09.06.2014
Technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger

Quellen:
„Pankow im Wandel der Geschichte“- Bebra Verlag
„Sagen und Geschichten aus dem Norden Berlins“- Barbara Keil
„ Berliner Ur und Frühgeschichte“-Märkisches Museum Berlin
„Pankow Chronik eines Berliner Stadtbezirke“- Rat des Stadtbezirks Berlin-Pankow

Wie das Holländerhaus zum Patrizierhaus wurde

Ursprünglich stand an der Stelle des heutigen Hauses ein einstöckiger roter Ziegelsteinbau. Dieser wurde von der Dorfbevölkerung wegen seiner roten Backziegel Holländerhaus genannt.

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Holländerhaus 1900
Die Familie Fetschow erwarb 1802 die ersten 60 qm des Grundstückes vom Bauern Kraft. Im Laufe der Zeit wurde der Besitz, heute Dietz­genstraße/Platanenstraße, mehrfach erweitert.

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Holländerhaus 1985
Die Fetschows besaßen in der Klosterstraße 85 ein Bankhaus. Damit gehörten sie zu den einflussreichsten Familien in Niederschönhausen. Madame Fetschow verband eine enge Freundschaft mit der Prinzessin Marianne. Tatkräftig unterstützte sie den von Prinzessin Marianne am 23. März 1813 gegründeten Frauenverein. Am 16. Januar 1818 wurde Madame Fetschow der Luise-Orden verliehen.

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Eduard Gärtner
Im großen Familiensaal des Hauses verkehrten neben der könig­li­chen Familie auch Feldherren der Freiheitskriege sowie namhafte Künstler und Gelehrte ihrer Zeit. Zu den bekanntesten gehörten Karl-Friedrich Schinkel und Christian Peter Wilhelm Beuth.

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Holländerhaus 2014
Die Erben der Madame Fetschow verkauften 1850 das Anwesen an den Kunstschlosser Carl Friedrich August Hauschild. Dieser war mit seinem Unternehmen in der Neanderstraße 3 ein bedeutender Mann. Hiervon zeugt noch heute das Gemälde „Wohnstube des Schlossermeisters Hauschild“ von Eduard Gärtner.

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Feuerwehreinsatz Holländerhaus 2016
Um 1852 ließ Hauschild den bis dahin einstöckigen Bau aufstocken und zu einem Patrizierhaus umbauen. Zu den Umbauten gehörte der bis heute erhaltene, aufwendig gestaltete Holzbalkon am Rittersaal. Im Rittersaal hinter dem Balkon stellte Hauschild seine schönsten Kunstschlosserarbeiten aus, unter anderem Turnierhelme und Lanzen.

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Feuerwehreinsatz Holländerhaus 2016
Carl Friedrich August Hauschild starb 1868. Seinem Schwiegersohn, dem Schokoladenfabrikanten Hildebrandt gehörte die Hildebrandt-Villa, heute bekannt als Kavalierhaus in der Breitestraße.

Am 16.06.2016 wurde die Feuerwehr kurz nach 20 Uhr zu einem Einsatz am Holländerhaus gerufen. Ein Blitzschlag hatte die 30 Meter hohe Linde gespalten. Der abgestürzte Teil schlug mittig im Dachreiter des Hauses ein und musste in 4 stündiger Arbeit mit einem Kran aus dem Dach gehoben werden.

Autor: Christian Bormann, 04.06.2014/26.02.2017
Technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 25.01.2016/26.02.2017

Quellen:
„Geschichte von Niederschönhausen/Ernst Rehfeld“
„Niederschönhausen ein Stück Berlin/Horst Zetsche“
„Berichte des Gemeindeschöffen a.D.Thormann 1942, niedergeschrieben von Manfred Grande“

Wie die Teufelsbrücke im Bürgerpark ihren Namen bekam

Wer den Bürgerpark Pankow schon einmal besucht hat, der kennt die Brücke südlich der großen Wiese, die zwei künstliche Felsen miteinander verbindet.

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Teufelsbrücke 2017

Nur die wenigsten kennen die Geschichte der Namensgebung. Wo heute ein Ziegengehege zu sehen ist, war ursprünglich ein Goldfischteich. Auf dem zu DDR-Zeiten zugeschütteten Goldfischteich weidete zunächst Rotwild, heute sind hier Bergziegen zu sehen.

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Teufelsbrücke 1915

Als die Ratsherren den Bau der Brücke beschlossen und ausschrieben, gehörte zu den Bewerbern ein junger Baumeister, der sich gerade erst selbstständig gemacht hatte. Weder hatte er Referenzen noch gehörte er zu den Alteingesessenen, was seine Chance den Auftrag zu erhalten fast aussichtslos machte.

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Teufelsbrücke 1920

Der junge Baumeister brauchte dringend Geld, um seine Verlobte heiraten zu können. In seiner Not bekam er Besuch vom Teufel. Der bot ihm sogleich einen Handel an. Der junge Baumeister erhielt den Auftrag zum Bau der Brücke. Den Besuch des Teufels verdrängte er aber als schlechten Traum.

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Teufelsbrücke 1950

Doch kurz vor Fertigstellung der Brücke, erschien der Teufel abermals. Er erinnerte an den mit ihm geschlossenen Vertrag und forderte den jungen Baumeister auf, das Brückengeländer lose zu befestigen. Entsetzt erkannte der die List des Teufels. Jetzt musste ein Plan her den Teufel auszutricksen.

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Bürgerpark Tor 2016

Am Tag der feierlichen Brückeneröffnung versammelten sich die Ratsherren auf der Brücke. Als der Teufel daraufhin im Teich die Goldfische tanzen ließ, wollte einer der Ratsherren sich gerade über das lose Geländer beugen, als vom Bürgerpark Tor Marschmusik und eine Blaskapelle ertönten. Diese führte der junge Baumeister an. Die Musik zog das Interesse der Ratsherren sofort auf sich. Ausgelassen und fröhlich spielte die Kapelle auf der großen Wiese bis in die Morgenstunden. Am Tag darauf befestigte der junge Baumeister das lose Geländer sofort.

Vom Teufel, den er so ausgetrickst hatte, hörte er nie wieder.

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Luftbild Teufelsbrücke 2017

Es war die Idee des dem Allgemeinwohl zugewandten Arztes Prof. Emanuel Mendel, den Bürgerpark für die Gemeinde zu erhalten. Begeistert von der Idee gelang es dem Bürgermeister Wilhelm Kuhr und der Gemeinde Pankow, das Grundstück 1907 für 1,5 Millionen Mark zu kaufen. Die auf dem Gelände befindlichen zwei Hügel wurden 1910 mit der Teufelsbrücke verbunden. Im Laufe eines Jahrhunderts wurde die Brücke mehrmals wieder aus neuem Baumaterial aufgebaut.

Autor: Christian Bormann, 02.06.2014
Technische Leitung: Nadine Kreimeier
Redaktionelle Bearbeitung: Martina Krüger, 25.01.2016/23.02.2017

Bilder: Andreas Hennig / andyART (1) Christian Bormann

Luftbild: Guido Kunze